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Tag: UEFA

Start der Champions League: Der Sport lockt die Fans – nicht das Geld

Der Kaufrausch ist vorbei, jetzt geht es für die Fußball-Fans wieder um den Sport. Die Vereine und die Scheichs und die anderen Milliardäre, die mit ihrem Geld um sich schmeißen, sollten erkennen: Nur der Sport lockt die Fans – nicht das Geld. Also freuen wir uns trotz des Transfertrubels, als die Millionen nur so durch Europa flatterten, auf die neue Saison. Eines haben die teuren Transaktionen nämlich bewirkt: Es wird in der Champions League noch interessanter.

Es ist wirklich so, da spielt das Geld eine große Rolle. Zum Beispiel Paris St. Germain. Der neue Traumsturm mit dem jetzt teuersten Spieler, Neymar, und Talent Mbappe (nur ausgeliehen, um die UEFA und das Financial Fairplay auszutricksen) sowie Torjäger Cavani soll den Scheichs von Katar den Henkelpott bescheren. In diesem Fall schießt Geld wohl wirklich Tore, aber ist die Abwehr stark genug für die großen Spiele und halten die Nerven? Auch Millionäre sind nur Menschen. Die Sympathien werden Paris nirgends zufliegen. Erstes Test-Objekt ist in der Gruppenphase Bayern München. Sie werden sich mit ihrem typischen „mia san mia“ nicht wie das Kaninchen vor der Schlange benehmen.

Der Blick geht aber auch nach England. Dort wurden ja die meisten Millionen umgesetzt, die Premiere League befand sich wirklich im Kaufrausch, steigerte ihren Umsatz für neue Spieler auf 1.549 Milliarden Euro und will endlich die Dominanz der Spanier brechen. Allein Manchester City gab 250 Millionen Euro aus, davon 140 Millionen für drei neue Verteidiger. Trainer Pep Guardiola muss seinen Scheichs liefern, er blieb in seiner Trainer-Karriere das erste Jahr ohne Titel. Da darf man schon fragen: Kann Pep nur mit Geld? Wir werden es sehen. Aber auch Englands Meister Chelsea London will angreifen und Manchester United mit dem ehrgeizigen Pep-Erzfeind Jose Mourinho, der als Sieger der Europa League einen Platz in der Elite-Klasse ergatterte.

Also, welche Wünsche gehen nun in Erfüllung? Spannung ist garantiert, allerdings nicht in der Gruppenphase. Da sorgte die seltsame UEFA-Regelung mit einer Bevorzugung der acht Meister der besten Nationen dafür, dass es uninteressante Gruppen gibt und in einigen Fällen werden wir wieder erleben, dass sich Vereine vorzeitig das Weiterkommen sichern und manchmal sogar die zwei letzten Spieltage uninteressant werden. Aber auch hier regiert ja das Geld, weil die Gruppenphase mehr Spiele garantiert, ginge man gleich zum K.o.-Modus über (wie früher), wäre für viele der Reibach kaum möglich. Seltsam sind Umfragen vor dem Start nach dem künftigen Titelträger. Ergebnisse aus den Gruppen sind Schall und Rauch, auf die K.o.-Runde und dann auf Glückslose oder nicht kommt es an. Sprechen wir uns also wieder im Frühjahr. Der Herbst ist das manchmal interessante und am Ende oft langweilige Warm up.

Die deutschen Vereine hoffen darauf, dass sie im Frühjahr noch in den Lostöpfen zu finden sind. Das sollte Bayern München gelingen, weil man neben der Bewährungsprobe gegen Paris die anderen Gegner Anderlecht und Celtic Glasgow schlagen muss, wenn man sie nicht unterschätzt. Von einer „Hammergruppe“ spricht Borussia Dortmund, mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (im Vorjahr zweimal 2:2!) sowie Tottenham Hotspur und dem Außenseiter Nikosia. Der dritte im Bunde ist der Newcomer RB Leipzig, der als Bundesliga-Neuling gleich in die Champions League durchstartete. Die Gegner AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul sind Chance und Bewährungsprobe zugleich. Dies ist eine dieser Gruppen ohne einen der großen Favoriten und Leipzig sollte die Stärke besitzen, sich hier durchzusetzen. Allerdings fehlt die internationale Erfahrung. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap.

Das Finale gibt es am 26. Mai 2018 in Kiew. Real Madrid will das Triple, nachdem es bis dahin kein Verein geschafft hatte, überhaupt den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genügend Vereine wollen Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane stoppen (u. a. natürlich auch der FC Barcelona mit Messi), doch wer schafft es? Bayern München musste zuletzt im Viertelfinale erkennen, das notfalls höhere Mächte den Spaniern helfen. Nach der selbstverschuldeten Heimniederlage (Vidal verschoss einen entscheidenden Elfmeter) hielt im Rückspiel Ungarns Schiedsrichter Kasai schützend seine Hand über Real und erklärte Abseitstore von Ronaldo als gültig. Nicht nur das Geld spielt also eine große Rolle.

Vorhang zu im Transfer-Theater

Endlich ist er da, der 31. August. In den wichtigsten europäischen Fußball-Ligen endet an diesem Tag die sommerliche Transferzeit. Endlich ist das „Affentheater“ (Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke) vorbei, der Vorhang ist zu im Transfer-Theater.

Die Transferzeit 2017 brach alle Rekorde. Vor allem die Scheichs aus Katar frönten einer Kaufwut, um „ihren“ Verein Paris St. Germain mit Star-Einkäufen an Europas Spitze zu führen. Sie gaben schon in den letzten Jahren viel Geld aus, jetzt bedeuten die 222 Millionen für den Brasilianer Neymar neuen Rekord. Er wird nicht lange Bestand haben und er verdarb endgültig die Preise. Der FC Barcelona musste Neymar hergeben und zahlt mit vollen Taschen bis zu 147 Millionen Euro für den unerfahrenen 20-jährigen Franzosen Dembele, der mit einem Trainingsstreik in Dortmund wesentlicher Bestandteil des Affentheaters war. Die Millionen schwirrten nur durch die Gazetten, die Vereine überboten sich gegenseitig und die Berater machten sich die Taschen voll. Die Fans schauten staunend, Kopfschüttelnd und zum Teil angewidert zu. Deshalb: Schluss mit dem Affentheater. Vorhang zu.

Der europäische Verband, die UEFA, muss tätig werden, wenn sich die Ligen nicht einigen. Die Fans sind frustriert, aber eigentlich sollten sie neben dem Sport doch im Mittelpunkt stehen. Hans-Joachim Watzke wählte nicht nur die drastischen Worte, sondern er sprach den Fans mit einem Plädoyer zu einer verkürzten Transferperiode auch aus dem Herzen: „Weil die Fans spätestens am ersten Spieltag wissen wollen, wie ihre Mannschaft denn nun aussieht. Und weil dieses Hin und Her auch die Beteiligten irgendwann nicht mehr durchhalten.“ Klarheit statt Transferpoker ist gefordert.

Eigentlich betrügen die Vereine die Fans, die sich vor der Saison Dauerkarten kaufen und von einer starken Mannschaft ausgehen. Doch dann wird zum Teil ein Star nach dem anderen verkauft, die Situation sieht plötzlich ganz anders aus, von Spaß kann bei manchen dann nicht mehr die Rede sein. Also wurde ein gefälschtes Produkt verkauft, mehr Schein als Sein. Aber auch Trainer plädieren dafür, dass die Mannschaft zum Saisonbeginn feststehen muss. Augsburgs Trainer Manuel Baum fordert ebenfalls ein Ende der Wechselfrist vor der Saison: „Das wäre für uns Trainer ideal. Du hast deine Mannschaft zusammen und die Spieler haben nicht mehr irgendwelche anderen Dinge im Kopf.“

Es ist ein Unding, wenn Vereinsmanager fordern, dass nach den ersten Punktspielen noch Spielerwechsel möglich sein müssen, weil es Verletzungen gibt, weil Vereine, die an den Qualifikationen zu den europäischen Wettbewerben beteiligt sind, erst danach wissen, wo sie spielen und wie groß der Kader sein muss. Da sind eben die Manager mit einer besseren Planung gefordert, aber das rechtfertigt dieses Transfer-Theater nicht, wenn Spieler Vereine erpressen, wenn Berater Vereine gegeneinander ausspielen mit dem Druck, dass die Saison schon begonnen hat.

Der Profi-Fußball entfernt sich immer mehr von den Fans, bei den Transfers kann er zeigen, dass er verstanden hat und die Fans noch eine Rolle spielen. Der erste Weg zum besseren Verständnis ist ganz einfach eine Verkürzung der Transferzeit im Sommer mit einem Ende vor den ersten Punktspielen. Rechtzeitig Vorhang zu im Transfer-Theater.

Geldgier und Machthunger als Schatten über dem Profi-Fußball

 

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und mit der Auslosung der Achtelfinales im europäischen Fußball, in der Champions League und Europa League, ging der Blick auch schon wieder ins Jahr 2017. Die Fans können sich auf großen und spannenden Fußball freuen, aber sie werden auch einigen Ärger herunterschlucken müssen. Vor allem dann, wenn sie Anhänger von kleineren Vereinen sind. Die müssen nämlich befürchten, abgehängt zu werden. Die Großen drängen an die Geldtöpfe und tun alles, um ihre Pfründe noch zu vergrößern. Die Geldgier und der Machthunger der Funktionäre liegen zum Jahreswechsel als Schatten über dem Profi-Fußball.

Ein gewisser Größenwahn zeigt sich zum Beispiel bei den Plänen vom neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Vom 46jährigen Schweizer hat man bisher nur wenig gehört darüber, wie er den Weltverband wieder zu einer seriösen Organisation machen will. Aber viel über Gedanken, wie die Fußball-Weltmeisterschaft noch größer, noch attraktiver und noch mehr zur Gelddruckmaschine für die Verbände werden kann. Mit 32 Teilnehmern stößt die WM für viele Nationen schon an organisatorische Grenzen, aber Infantino brachte schon Turniere mit 40 und kürzlich sogar mit 48 Teilnehmern ab 2026 ins Gespräch. Wenn der FIFA-Kongress im Januar 2017 tagt, da geht es offensichtlich gar nicht mehr darum, ob das Teilnehmerfeld erweitert wird, sondern nur noch darum, in welchem Umfang. Der Grund für Infantinos Größenwahn ist klar: Er will die kleineren Verbände gnädig stimmen für die nächste Wahl. Mehr Teilnehmer, mehr Stimmen. Mit komplizierten Spielplänen will der FIFA-Präsident dafür sorgen, dass eine Weltmeisterschaft nicht länger als 32 Tage dauert. Wie sie organisiert werden soll, sagt er allerdings nicht. Und welche Unbillen die Fans dann auf sich nehmen müssen, ist ihm vollkommen egal. Die Turniere werden nicht übersichtlicher.

Mit der Weltmeisterschaft allein hat sich Infantino natürlich nicht beschäftigt, er hat noch andere große Visionen. So ist er mit der Klub-Weltmeisterschaft, die derzeit bis zum 18. Dezember in Japan ausgetragen wird, nicht zufrieden. Bisher nahmen acht Vereine von den verschiedenen Kontinenten teil, wobei die Champions aus Südamerika und Europa (in diesem Jahr Medellin/Kolumbien und Real Madrid/Spanien) bereits fest das Halbfinale gebucht haben. Infantino will als größer, besser, stärker, brachte 32 Mannschaften ins Spiel. Woher er die Zeit nehmen will und wie solch ein Mammutturnier überhaupt in den schon prallen Terminkalender passt, sagt er nicht. Der Sport-Grantler hätte da eine bessere Lösung: Abschaffen!

Für die Champions League ist der FIFA-Präsident nicht zuständig, aber auch hier heißt es, wie können wir noch mehr Geld verdienen. Erstaunlich ist, dass es die starken Verbände geschafft haben, die kleinen Verbände auszutricksen, weil die ja eigentlich in ihrer Gesamtheit über mehr Stimmen bei allen Beschlüssen verfügen. Tatsache ist jedenfalls, dass ab 2018 die stärksten Verbände Spanien, Deutschland, England und Italien vier feste Vertreter für die Champions League abstellen können. Die Meister der kleineren Verbände haben es damit noch schwerer in den Kreis der erlauchten Geldverdiener aufzurücken. Viele Präsidenten erhoben ihre Stimme, tobten „diese Reform ist ein Skandal“, doch ändern können sie nichts mehr. Im Achtelfinale dieser Saison stehen Vereine aus sechs Ländern: Spanien, Deutschland, England, Italien, Portugal und Frankreich. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Das sind die Schatten, die über dem Fußball liegen. Wird der Wettbewerb wirklich attraktiver, wenn die Großen unter sich sind und Überraschungen zur Ausnahme werden?

Der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin scheint ein bisschen anders zu ticken als Kollege Infantino, der Slowene stammt ja aus einem kleinen Verband und hat es bei der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees geschafft, dass für die benachteiligten Nationen wenigstens ein kleiner Ausgleich geschaffen wird. So wird die Europa League zum Auffangbecken und bekommt 50 Millionen Euro zusätzlich als Ausschüttung. Aber wieder geht es halt ums Geld: Mit ein paar Moneten wird der große Hunger nach dem Reibach ein bisschen gestillt. Die Schatten über dem Fußball bleiben und der Machthunger der Funktionäre ist unstillbar.

Start in der Champions League: Geld schlägt den Sport!

 

 

Sie ist das Aushängeschild des europäischen Fußballs – die Champions League. Die großen Vereine sehen den nationalen Meistertitel als Pflichtaufgabe an, der Titel in der Champions League (CL) ist die Kür und das besondere Renommee für den Briefkopf. Manchmal ist er auch Trost, wie zuletzt für Real Madrid, das national nichts ernten konnte. Nicht die Besten in Spanien, aber die Besten in Europa. Na, das ist doch was.

Der Sport spielt allerdings derzeit in Europas Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Diskutiert wird über das Geld. Das Geld schlägt den Sport. In der Sommerpause beherrschten die schon teils wirklichkeitsfremden Ablösesummen für Spitzenspieler und solche, die es erst werden wollen, die Schlagzeilen. Auf Geldvermehrung achten auch die Vereine, die bei der UEFA eine Aufstockung der Ausschüttung durchsetzten. 2018 steigt die Ausschüttung in der CL von 1355,5 Millionen Euro auf 2016,6 und der Europa League (EL) von 410,7 auf 504,2, was prozentual weniger ist, heißt, die EL verliert weiter an Reputation. Dennoch: National gesehen drängen die Vereine auf Europas Bühne, weil sie fürchten, sonst noch mehr abgehängt zu werden. Der Trick: Weil in vielen Ländern dem Titelkampf oft die Spannung fehlt, wird die Tür zu Europa zum Spannungselement. Sie wollen nur eines: Geld.

Dazu kommt, dass wohl neben der Umverteilung der Gelder auch eine Umverteilung der Macht bevorsteht. Die Klubs in Europa gründeten am 15. August 2008 die Europäische Club Association (ECA), als Nachfolger der G14 (Gründungsmitglied Bayern München), ein Zusammenschluss von 14Spitzenvereinen, heute sind 220 Klubs aus 53 der 55 UEFA-Verbände dort Mitglied. Präsident der ECA ist Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge. Ziel: Mehr Macht, mehr Geld. Durchgesetzt haben die Vereine bereits, dass in der Champions League künftig die vier besten Nationen (derzeit Spanien, Deutschland, England, Italien) vier feste Vertreter abstellen können, durchsetzen wollen sie noch mehr Mitsprache im Verband, sprich Sitze in der UEFA-Exekutive. Die ECA wird auch der Schlüssel sein, ob die CL künftig sogar zweitklassig wird, dann nämlich, wenn eine Weltliga gegründet wird. Möglich ist dies, weil Milliardäre aus China, den USA und der arabischen Welt mit Geldscheinen wedeln. Geld schlägt den Sport. Keiner fragt danach, welche Belastungen die Spieler noch aushalten sollen bzw. welcher Wettbewerb gestrichen wird. Die nationale Meisterschaft vielleicht?

Die Spitzenklubs fordern ein Umdenken. Vor einiger Zeit wurde die CL auch für die kleineren Verbände mehr geöffnet, was allerdings dazu führte, dass die Gruppenphase ziemlich an Spannung und Attraktivität eingebüßt hat. Begegnungen wie Bayern München gegen FK Rostow soll es möglichst kaum geben. Rostow? Zweiter in der Meisterschaft Russlands und auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm sagt: „Wir wissen nichts über den Gegner“. Nun, Trainer Carlo Ancelotti wird seine Spieler schon noch aufklären, aber das Ziel ist klar: Ein Auftaktsieg ist Pflicht, schließlich gilt es die Heimbilanz mit zwölf CL-Spielen ohne Niederlage fortzusetzen. Zum 20. Mal starten die Bayern in der CL-Gruppenphase und 15mal gingen sie als Sieger vom Platz.

Bayern München zählt natürlich wieder zu den Titelfavoriten und kämpft mit Vorjahresfinalist Atletico Madrid um Platz eins in der Gruppe (außerdem PSV Eindhoven). Die weiteren Favoriten sind die üblichen Verdächtigen wie Titelverteidiger Real Madrid und der FC Barcelona. Gespannt sein darf man allein, ob Englands Top-Klubs mit neuen Spielern und neuen Trainern wieder zu ernsthaften Konkurrenten werden. Pep Guardiola zeigt ja bereits mit Manchester City als Tabellenführer in England, dass ein neuer Wind weht. Da werden die anderen deutschen Klubs über kurz oder lang in die Zuschauerrolle gedrängt. Sei es Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach, das ausgerechnet bei ManCity mit Pep beginnen muss. Vielleicht tröstet sich ein Ausscheider später in der Europa League, dort darf man den Startern Mainz 05 und Schalke 04 nicht so viel zutrauen. Seit Jahren fehlen deutschen Klubs im Endkampf um den EL-Titel. Wäre doch auch mal wieder was. Oder heißt es: Hauptsache der Euro rollt?

FIFA: Reformen und neuer Präsident, abeer Fragen bleiben

 

Beim Kongress des Fußball-Weltverbandes in Zürich herrschte Aufbruchstimmung, nach Meinung der Mehrzahl der Delegierten ist der Neuanfang geschafft. Doch eitel Sonnenschein ist Fehl am Platz. Ja, Reformen und ein neuer Präsident sollten neuen Schwung verleihen, aber es bleiben für die Zukunft Fragen offen. Die FIFA steht nach der Korruptionsära ihren alten Präsidenten Blatter und Havelange nach wie vor weltweit unter Beobachtung, der Korruptionsskandal ist noch nicht bewältigt. Das sollten wir nicht vergessen.

Überraschend klar hat sich UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino im zweiten Wahlgang gegen Bahreins Scheich Al Khalifa mit 115 zu 88 Stimmen durchgesetzt. In Kommentaren heißt es „Der Neue ist eine gute Wahl“, doch der Italo-Schweizer ist eher das kleinere der beiden Übel (Al Khalifa werden Verstöße gegen Menschenrechte angelastet), ob er für einen echten Neuanfang steht, muss sich erst zeigen. Bedenklich stimmt, dass beide Kandidaten im Vorfeld eine Verteilung von Geldern und Infantino auch eine Erweiterung des WM-Feldes in der Endrunde auf 40 Nationen versprochen haben. Bei solchen Versprechungen ist die Korruption nicht weit. Vor allem die Europäer, die immerhin weiterhin den Präsidenten stellen (obwohl Blatter eher ein Freund Asiens und Afrikas war), werden sich gegen die Aufstockung auf 40 Nationen wehren. Sie ist auch unsinnig.

Die Frage ist eigentlich, warum sich überhaupt Kandidaten nach dem Präsidenten-Posten drängten. Die größte Errungenschaft des Kongresses war, dass er mit großer Mehrheit dem Reformpaket zugestimmt hat. Und das sieht u. a. vor, dass der Präsident an Macht verliert, ein Regieren in Königsmanier, wie es vor allem Joseph Blatter beherrschte, wird es nicht mehr geben. Im täglichen Geschäft soll die Macht künftig vor allem beim Generalsekretär liegen. Das aber wollte Infantino unter dem Scheich als Präsidenten nicht werden. Jetzt sucht er einen geeigneten Kandidaten, der nicht aus Europa kommen soll. Infantino wird auch damit leben müssen, dass Vereine und nationale Ligen nach mehr Einfluss drängen, so haben die Ligen einen eigenen Verband gegründet. Hier könnte es noch zu Machtkämpfen kommen.

Ob das Reformpaket ausreicht, um die FIFA wirklich echt zu reformieren und mögliche Korruption auszuschließen, muss sich auch erst zeigen. Der Sport-Grantler bleibt skeptisch, wie er schon im Kommentar vom 8. Februar mitgeteilt hat „Bei der FIFA wird sich nichts ändern“. Immerhin ziehen Frauen ins zukünftige Council ein (jeder Kontinent muss eine Frau benennen), dass mit 37 Mitgliedern das bisherige Exekutivkomitee (25) ablösen soll. Positiv, dass die Zahl der Kommissionen von 26 auf neun reduziert wird und nicht mehr alle Nationen ihren Platz finden. Das war die bekannte Postenverteilung, für jeden wurde gesorgt. Mehr externe Experten sollen hinzugezogen, auch die Kontrollinstanzen extern besetzt werden. Das klingt schon mal gut. Richtig aufräumen bei der FIFA müssen vorerst aber weiterhin die Justizbehörden aus den USA und der Schweiz, die den Korruptionsskandal aufdeckten.

Die FIFA steht (hoffentlich) am Anfang einer neuen Ära. Beim Deutschen Fußball-Bund müssen die Weichen noch gestellt werden. In Sachen Aufarbeitung des Skandals rund um die WM 2006 soll in dieser Woche noch Licht ins Dunkel kommen. Mal sehen, ob es dann auch Aufbruchstimmung gibt. Beim FIFA-Kongress stach vor allem eine positive Nachricht heraus: Es wurde niemand verhaftet!

Bei der FIFA wird sich nichts ändern

 

Keine drei Wochen sind es noch, bis im Weltfußball die Weichen neu gestellt werden sollen. Ein neuer FIFA-Präsident wird gesucht und soll am 26. Februar gewählt werden. Doch kann ein neuer Präsident überhaupt gewählt werden? Die Angst geht um vor den Tricks des alten Präsidenten Joseph S. Blatter, der, so sagt er es selbst süffisant „nicht offiziell zurückgetreten ist. Ich bin immer noch der gültige Präsident, wenn auch das Amt zwangsläufig ruht“. Es droht eine Schlammschlacht.

Alle Anzeichen deuten sowieso darauf hin, dass sich beim Fußball-Weltverband nichts ändern wird. Siegchancen für eine mögliche Neuwahl werden allein noch Gianni Infantino, dem UEFA-Generalsekretär, und Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa (Bahrain), Mitglied der Königsfamilie und Verbandsboss in Asien, eingeräumt. Infantino weiß die Europäer auf seiner Seite, Al-Khalifa hat die Verbände von Asien und Afrika hinter sich, gilt als Favorit. Er will mehr als 100 Stimmen schon hinter sich haben, insgesamt 209 Verbände stimmen ab…

Beide Kandidaten stehen keineswegs für einen Neuanfang bei der FIFA. Wie man es den Scheichs so nachsagt, wird bei Al-Khalifa vor allem das Geld eine Rolle spielen, das Geld, das er großzügig vor allem an die kleinen Verbände verteilen wird und auf deren Stimmen er also hoffen kann. Dass ihm in Bahrain Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, spielt da fast keine Rolle. Der Scheich bestreitet dies, andere machen es nicht zum Thema. Der Schweizer Infantino schielt natürlich auch auf die Stimmen der kleinen Verbände und hat sich für die Stimmenfang etwas anderes ausgedacht: Aufstockung der WM auf 40 Nationen. Da dürfen weitere kleinere Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika auf ein Festmenü an den WM-Fleischtöpfen hoffen. Vorschläge im Sinne des Sportes hat man bisher keine gehört. Mit 40 Teilnehmern würde die WM weiter verwässert. Ein Vorschlag, der wie ein verzweifelter Rettungsring aussieht.

Sollte Infantino nicht gewinnen können, wäre Europa einmal mehr auf der Weltbühne der große Verlierer. Die sportlich starken Verbände bringen es nicht fertig, den Weltfußball im Sinne des Fußballs zu verändern. Nicht Geld darf die Hauptrolle spielen, der Sport muss es tun. Aber die Funktionäre in allen Herren Ländern sind zwar für den Sport zuständig, aber sie treiben meist keinen Sport mehr, sondern sind eher am Geld für sich und die Verbände interessiert und da ist ihnen das Hemd näher als die Hose, heißt, erst das Geld, dann der Sport. Alles deutet darauf hin, dass es nach der Korruptionsära des Sepp Blatter auch weiterhin vor allem um das Geld gehen wird.

Aber vielleicht gibt es keine Neuwahl, wenn Blatter den Weg nicht freimacht, Rechtsexperten sagen, dass ohne wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung und ohne ordnungsgemäß angekündigte formelle Abwahl des Präsidenten die Wahl eines Nachfolgers angefochten werden könnte. Blatter selbst kann aufgrund seiner Sperre am FIFA-Kongress nicht teilnehmen. Sein von ihm sehnlichst gewünschter großer Abgang muss wohl ausfallen. Wir wissen aber, Blatter gefällt sich in der Rolle des großen Spielers ohne Rücksicht darauf, ob der Ruf des Fußballs leidet oder nicht. Von einem Abpfiff seines Spiels will er nichts wissen.

Die Justiz muss die FIFA retten

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.