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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Uli Hoeneß

Das Spiel selbst wurde zur Nebensache

Weihnachten ist bald und die jetzige Adventszeit soll eigentlich eine Zeit der Ruhe und der Besinnlichkeit sein. Davon ist im deutschen Fußball nichts zu spüren. Von Ruhe kann keine Rede sein bei Protesten der Fans in allen Stadien, beim Auflehnen der 3. Liga, bei einer turbulenten Hauptversammlung des FC Bayern München. Der Punktekampf in der Bundesliga ging natürlich weiter, aber das Spiel selbst wurde zur Nebensache.

In den Schlagzeilen natürlich Uli Hoeneß. Ein Fan beging bei der Hauptversammlung des Vereins eine Majestätsbeleidigung und griff den Bayern-Präsidenten verbal an. Als er dessen Verhalten gegenüber Ehrenspielführer Paul Breitner anprangerte (Breitner soll sich nach Kritik am Verein nicht mehr auf der Ehrentribüne sehen lassen) und Hoeneß fast schon zum Rücktritt aufforderte („Der Verein ist nicht ihr Eigentum“) erhielt er lautstarke Unterstützung, was Uli Hoeneß schier aus der Fassung brachte: „So etwas habe ich noch nie erlebt“.

Diese Kritik ist nichts anderes als ein Zeichen der Zeit. Die Fans meutern und nehmen Entscheidungen von Verband oder Verein nicht mehr einfach hin. Der Ton wird rauer, die Frage stellt sich wieder einmal, genauso wie sie der Sport-Grantler schon am 2. November in seiner Kolumne gestellt hat: „Krieg der Fans: Wem gehört der Fußball?“ Vergessen wird bei der aktuellen Kritik, welche Verdienste sich gerade Uli Hoeneß um den FC Bayern erworben hat. Vergessen wird die Erfolgsgeschichte, die zu einem Rekordumsatz von 657,4 Millionen Euro führte, vergessen wird, dass es vor allem Uli Hoeneß als Manager war, der die Münchner mit jetzt 291.000 Mitgliedern zum größten Verein der Welt machte. Diese Turbulenzen zeigen jedoch auch, wie schwierig der Umbruch beim Meister wird, sowohl in der Mannschaft als auch in der Führung. Dies könnte zur größten Aufgabe für Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge werden, aber auch für den möglichen Nachfolger. Ob sich der gehandelte Oliver Kahn das wirklich antut?

Aber die Vergangenheit zählt nicht mehr, in der Gegenwart lassen die Fans mit ihren Protesten nicht locker, damit sie in der Zukunft wieder mehr Spaß an „ihrem“ Fußball haben. Im Visier bleiben vor allem die Montagsspiele, die zwar in der Bundesliga mit dem neuen Fernsehvertrag ab 2021 ad acta gelegt werden sollen, aber das reicht nicht. Auch die 2. Bundesliga und die 3. Liga spielen (für ein gutes TV-Honorar) gern am Montag. In der 2. Bundesliga wurden diese Montagspiele im TV zwar fast Kult, aber eigentlich ist der Montag wirklich der denkbar ungünstigste Tag für Punktspiele. Dortmunds Trainer Lucien Favre sprach es deutlich aus: „Montagspiele gehören verboten“. Mit einem Stimmungsboykott auf den Rängen sorgten die Fans jedenfalls dafür, dass im Fußball doppelt schlechte Stimmung herrschte. Das Spiel selbst war also Nebensache.

Auf der Suche nach einer zufriedenstellenden Lösung in punkto Auf- und Abstieg zwischen 3. Liga und Regionalliga versuchen sich Klubs, Landesverbände und der DFB daran, den gordischen Knoten zu entwirren. Die Fronten sind verhärtet und in der 3. Liga werden immer mehr Stimmen laut, die auf eine Loslösung vom DFB hin zum Profi-Fußball der DFL mit 1. und 2. Bundesliga wollen. Ihre Hoffnung: Dort gibt es mehr Geld. Dies könnte allerdings ein Trugschluss sein, denn schon heute streiten sie auch in der DFL um die Verteilung der Gelder, da wird es an Bereitschaft fehlen, noch etwas abzugeben. Die 3. Liga sitzt ähnlich wie die Regionalliga zwischen Baum und Borke, kein Profisport auf der anderen Seite, aber auch kein reiner Amateursport mehr auf der anderen. Hohe Kosten müssen geschultert werden, aber Anerkennung und entsprechende Zuschauerzahlen fehlen. Die fünf Regionalligen stören sich daran, dass die Meister nicht direkt aufsteigen können, andererseits wollen sie keine Reduzierung auf vier Gruppen. Angesichts dieser Weigerung zieht die 3. Liga ihr Angebot von vier möglichen Absteigern wieder zurück. Der gordische Knoten bleibt also fest, zumal eine zweigleisige 3. Liga auch nicht als Ei des Kolumbus angesehen wird.

Dortmund auf den Spuren der Bayern

Aber natürlich war auch das Geschehen auf dem Rasen interessant. Borussia Dortmund wandelt derzeit erfolgreich auf den Spuren der Bayern, die ja in den letzten Jahren die Bundesliga mit Rekordvorsprüngen schockten. Jetzt haben die Dortmunder freie Fahrt, mit sieben Punkten Vorsprung nach 13 Spieltagen. Das Bayern-Symptom zeigt sich daran, dass die Verfolger keine Konstanz aufweisen und daran, dass die Dortmunder derzeit in der Lage sind, auch mit schwächeren Leistungen Punkte einzufahren. Dazu haben sie wohl auch noch das Bayern-Dusel gepachtet bzw. halt einen entsprechenden Lauf, so wie ihr Torjäger Paco Alcacer, den Favre mit Vorliebe von der Bank ins Rennen schickt und der jetzt – bereits am 13. Spieltag – den Saison-Rekord von neun Jokertoren von Garea (Stuttgart) aus der Saison 02/03 und Petersen (Freiburg) 16/17 einstellte. Spielt er von Anfang an, klappt es nicht so gut, siehe das 0:0 in der Champions League gegen Brügge.

Im Verfolgerfeld ließen Gladbach im direkten Duell in Leipzig, Frankfurt und Hoffenheim mehr oder weniger Federn. Das spielte auch den Bayern in die Karten, die nach dem 5:1 gegen Benfica Lissabon mit dem 2:1 in Bremen ihre Krise vorerst ad acta gelegt haben. Niko Kovac muss wohl vor Weihnachten nicht mehr um seinen Job bangen, zumal auch ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist und Gespräche alle zur Einsicht gebracht haben, dass es nur gemeinsam geht. Kovac wiederum hat eine Stammmannschaft und die richtige Taktik gefunden. Aber gefestigt ist noch nichts und ein Dortmund-Jäger sind die Bayern noch lange nicht. Es schaut aus, als könnten nur Verletzungen den Spitzenreiter Probleme bereiten. Davon blieb er bisher weitgehend verschont.

Im Abstiegskampf werden die Karten neu gemischt. Der VfB Stuttgart landete quasi einen Befreiungsschlag mit dem 1:0 gegen den FC Augsburg und schaffte es damit gleichzeitig, die Rote Laterne abzugeben und den Gegner mit nach unten zu ziehen. Die Augsburger Offiziellen blieben ja vor der Saison zurückhaltend und hatten nur das Ziel Klassenerhalt ausgerufen, die Spieler allerdings wollten mehr, schielten nach oben und hatten es eigentlich satt, nur gegen den Abstieg zu spielen. Die Realität hat sie inzwischen eingeholt, was fast ein bisschen verwundert, denn gute Leistungen und viel Lob waren bisher an der Tagesordnung. Was fehlte, waren Tore und damit auch Punkte. Es wäre ja auch kein Trost, als vielfach gelobtes Team am Ende doch abzusteigen…

Bisher gibt es allerdings zwei noch ernsthaftere Kandidaten: Neuling Fortuna Düsseldorf tat sich schwer nach dem Coup in München (3:3) wieder im Alltag zu bestehen und bei Hannover 96 träumt man von besseren Zeiten, vergisst aber die harte Gegenwart. Auch der Streit um Präsident Martin Kind überdeckt den Sport und am Ende hätten dort auch die Fans einen erheblichen Anteil daran, wenn es mit dem Verein nach unten geht. Auch da wird das Spiel selbst zur Nebensache.

Joachim Löw ist zufrieden

Am Rande des aktuellen Geschehens ging es auch um die Zukunft, nämlich um die Fußball-Europameisterschaft 2020. In Dublin fand die Auslosung der Gruppen für die EM-Qualifikation statt, die an fünf Spieltagen im März, Juni, September, Oktober und November 2019 über die Bühne geht. Dabei zeigt sich, dass es schon fragwürdig ist, dass das Teilnehmerfeld für die Endturniere immer mehr aufgebläht wird. Sportlich leidet nämlich auch die Qualifikation und es wird kaum Spannung geben, nachdem in jeder Gruppe zwei Nationen das EM-Ticket holen können. Da war dann auch Bundestrainer Joachim Löw zufrieden, der zwar den alten Kontrahenten Niederlande als Gegner Nummer 1 akzeptieren muss, aber gegen Nordirland, Estland und Weißrussland sollte die Qualifikation gelingen. Da Deutschland einer Fünfer-Gruppe angehört, bekommt Löw auch noch zwei Testspiele. Optimismus also für das Jahr 2019.

Am Rande der Auslosung wurde aber auch die nächste Erweiterung des Spielbetriebes festgezurrt. Die Verbandsfunktionäre lassen nicht locker, den kleinen Verbänden „Zuckerl“ zu reichen, auch wenn Qualität und Spannung der Wettbewerbe leiden. Hintergrund: Es geht um die Stimmen der Verbände bei den diversen Wahlen. Jetzt wird die Europa League 2 eingeführt. Wer bitte schön, hat daran noch Interesse? 32 Mannschaften spielen in der Champions League, der Königsklasse, 32 sind es in der Europa League, die einst auch als „Cup der Verlierer“ tituliert wurde, aber um was spielen dann die 32 Vereine in der Europa League 2? Das konnten die UEFA-Offiziellen nicht schlüssig beantworten.

Apropos Champions League, da war es letzte Woche so wie so oft in den letzten Jahren – nur die Bayern gewannen. Der Aufwärtstrend der ersten Runden bekam einen Knick, Schalke und Hoffenheim kassierten unnötige Niederlagen, aber am sehr guten Gesamtergebnis ändert sich auch am letzten Spieltag (11./12. Dezember) nichts, neben den Bayern, haben auch Dortmund und Schalke Sprung ins Achtelfinale geschafft. In der Europa League sind Frankfurt und Leverkusen weiter, ausgerechnet RB Leipzig steht nach zwei Niederlagen in den „Bruder-Duellen“ mit Salzburg vor dem Aus. Ein bisschen peinlich für die Sachsen.

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Mit Tempo an den Bayern vorbei

Die Fußball-Bundesliga befindet sich in einer Art „Glücksrausch“. Endlich ist es so weit, die Alleinherrschaft des FC Bayern München ist beendet. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil sich Dortmund und die Bayern beim 3:2 des Tabellenführers ein hochklassiges Spitzenspiel geliefert haben, das via Fernsehen beste Werbung für die Bundesliga in rund 200 Ländern rund um den Globus war. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil Dortmunds Verfolger Mönchengladbach, Leipzig und Frankfurt einen attraktiven Tempo-Fußball spielen und die Hoffnung keimen lassen, dass es nach einem sechs Jahre langen Alleingang der Bayern an der Spitze nun kein Solo der Dortmunder geben wird. Die Bayern schauen von Rang fünf zu und müssen konstatieren, dass die Konkurrenz mit Tempo an ihnen vorbei gezogen ist.

Im Hinblick auf die Bundesliga und die Bayern ist jetzt von Machtwechsel und Umbruch die Rede. Schlagwörter für Gegenwart und Zukunft. Selbst die Dortmunder wehren ab, dass dies schon ein Machtwechsel sein kann. Noch ist die Meisterschaft in weiter Ferne, vielleicht schnaufen die Bayern vor dem nächsten Großangriff nur ein wenig durch. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat die Richtung schon vorgegeben: „Wir müssen nicht in jedem Jahr Meister werden“ und „wir werden im Sommer das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern“. Da schwingt die Erkenntnis mit, dass man in diesem Jahr mit dem Verzicht auf größere Verpflichtungen wohl falsch lag. Pflichtgemäß will man den Kampf um den Titel natürlich nicht aufgeben, auf der Bayern-Homepage heißt es „Die Jagd hat begonnen“ und Hoffnung gibt es: Nach elf Spieltagen ungeschlagen waren die Dortmunder zuletzt in der Saison 2002/03, Meister wurde am Ende – Bayern München.

Das Zauberwort in der Bundesliga heißt derzeit aber „Tempo“. Ein Zauber, der an den Bayern vorbei ging, Ihr Kredo Ballbesitz ist veraltet. Die Bayern feierten eine Halbzeit lang in Dortmund zwar eine Wiederauferstehung, zeigten einen Kampfgeist wie noch nie in dieser Saison und bewiesen, ganz abschreiben sollte man sie nicht. Und dennoch gab es Szenen, die einen Machtwechsel ebenso deutlich machen wie den notwendigen Umbruch. Zum Beispiel als Franck Ribery vor dem entscheidenden 3:2 den Ball in der gegnerischen Hälfte verlor und dem schnellen Sancho nicht folgen konnte. Die Bayern hielten an Robben, Ribery und auch Martinez fest, jetzt haben sie den Salat bzw. das fehlende Tempo. Die Hoffnungsträger sind verletzt, die Franzosen Coman und Tolisso nämlich. Sie stehen für Höchstgeschwindigkeit.

Die Bayern müssen sich aber auch fragen, ob ihre Scoutingabteilung nicht einiges verschlafen hat. Stürmer wie Sancho und Alcacer in Dortmund, Plea in Gladbach, Nelson in Hoffenheim oder gar das Frankfurter Duo Jovic und Rebic sorgen für Tempo und Aufmerksamkeit. Warum landete keiner von ihnen in München? Gerade Pokalsieger Eintracht Frankfurt wurde zu Saisonbeginn unterschätzt, als es beim Wechsel von Trainer Niko Kovac zu Adi Hütter kriselte. Doch inzwischen hat der Österreicher die Eintracht in Schwung gebracht, Kovac die Bayern dagegen nicht. Haben die Bayern den falschen Trainer? Coach Dieter Hecking und Manager Max Eberl haben in Gladbach nach einer enttäuschenden Saison die richtigen Schlüsse gezogen und an den richtigen Stellschrauben gedreht, Gladbach spielte sich mit Tempo an die Spitze, da schnaufen die Bayern wie eine Dampflok hinterher. Es gibt aber zwei Hoffnungen: Die Bayern-Stars haben endlich erkannt, dass es nur mit vermehrten Einsatz und Mannschaftsgeist geht. Und: Die Bayern haben ihre Krise mit Verletzungen schon hinter sich, die Konkurrenz blieb bisher weitgehend davon verschont. Außerdem müssen die anderen erst noch eine gewisse Konstanz beweisen. Die Jagd könnte sogar erfolgreich sein, ausgeschlossen ist das nicht.

Die Bundesliga insgesamt aber im „Glücksrausch“, sie wehrt sich erfolgreich gegen Langeweile, auch am Tabellenende. Dort gab es einen „Aufstand“ der Schlusslichter, und urplötzlich sind auch Mannschaften, die man eigentlich oben sucht, unten dabei, nämlich Bayer Leverkusen und der vorjährige Vizemeister Schalke 04. Da ist Spannung garantiert.

Auch Jogi Löw braucht Tempo, Tempo

Die Bundesliga muss ihren „Glücksrausch“ ein bisschen konservieren, denn es steht erst mal wieder einmal eine Länderspielpause an. Und was die deutsche Nationalmannschaft betrifft, da kann von einem „Glücksrausch“ keine Rede sein. Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen stehen nämlich sogar vor einem Abstieg aus der Liga A der neuen Nations League. Deutschland braucht die Schützenhilfe von Frankreich gegen die Niederlande und am Montag, 19. November, zudem einen Sieg gegen den Kontrahenten. In Amsterdam hat Deutschland bekanntlich 0:3 verloren, ein Tiefpunkt. Ein Sieg muss in Gelsenkirchen auch deshalb her, um für die nächste EM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt zu sein und schweren Gegnern aus dem Weg zu gehen.

Auch Bundestrainer Jogi Löw muss mit der Zeit gehen und seinem Team eins verpassen: Tempo, Tempo. Da heißt es möglicherweise Abschied nehmen von verdienten Spielern, denn für Tempo stehen zum Beispiel Toni Kroos und Thomas Müller nicht. Tempo garantieren dagegen der gerade überragende Marco Reus, Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane. Erfolg garantieren sie damit freilich noch nicht, könnte auch sein, dass Deutschland nach der WM-Pleite allzu schnell schon die nächste Pleite erlebt.

Warum haben die Bayern-Bosse die Nerven verloren?

Die bizarre Pressekonferenz des FC Bayern München am Freitag mit den Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat weltweit in der Sportwelt für Aufsehen gesorgt. Noch nie haben wohl Führungskräfte in einer konzertierten Aktion derart vor allem gegen die Medien vom Leder gezogen. Sie finden die Berichterstattung über die Bayern und seine Spieler „respektlos“, „polemisch“ und „herabwürdigend“. Das Ergebnis war, dass sie sich dabei selbst der Lächerlichkeit preisgegeben haben, zumal ja Präsident Uli Hoeneß als „Abteilung Attacke“ bekannt ist und in seinen Äußerungen vielfach schon über das Ziel hinausgeschossen ist. Da gilt das Grundgesetz, das Rummenigge jetzt zitierte („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) auch nicht. Warum aber haben die Bayern-Bosse die Nerven verloren?

Es sollte wohl eine Art Befreiungsschlag nach einem sportlichen Tief (noch keine Krise) sein, nach vier Spielen ohne Sieg und nur Platz sechs in der Bundesliga. Trainer Niko Kovac haben sie dabei seltsamerweise aber nicht gestützt. Ein Ablenkungsmanöver für die internen Probleme? Da ist nämlich die Unzufriedenheit der Stars, wenn Nationalspieler nicht zum Einsatz kommen und auf der Bank sitzen. Das war aber schon zu Saisonbeginn klar, wenn nicht eine große Verletzungswelle den Kader dezimiert. Oder ist es die Unfähigkeit, den „Maulwurf“ zu enttarnen, der Internas aus der Mannschaftskabine an die Presse (bevorzugt Bild) ausplaudert. Gerade die Springer-Presse haben die Bayern-Bosse explizit an den Pranger gestellt. Gute Nachrichten über die Bayern werden dort künftig Seltenheitswert haben, Geheimnisse wird es bei den Bayern aber auch nicht mehr geben, es sei denn, das Informations-Leck kann geschlossen werden. Andererseits sind die Bayern für die Springer-Presse im Sport das besondere Verkaufsargument, bei Sport-Bild sind Bayern-Themen gefühlt bei 70 Prozent der Hefte der Aufmacher.

Seltsam, dass gestandene Funktionäre, die sich bei Erfolgen ja auch gerne im Licht der Öffentlichkeit zeigen, bei Kritik, die, das sei den Bayern zugestanden, durchaus über das normale Ziel hinausschießt, so schnell die Nerven verlieren. Das hätten sie eher intern regeln sollen, so wie mit Unterlassungserklärungen, die wohl unterwegs sind. Es ist das Problem mit den modernen Medien, vor allem mit dem Boulevard, dass erstens nichts mehr geheim bleibt und dass zweitens alles aufgebauscht und übertrieben dargestellt wird. Da können vor allem die Königshäuser in Europa ein Lied davon singen, denn die bunten Blätter auf der ganzen Welt leben ja von Spekulationen und teils erfundenen Geschichten über die Royals. Auch die wehren sich inzwischen zum Teil vor Gericht, allerdings moderater. Die große Bühne hätten die Bayern-Bosse auch nicht suchen sollen.

Es passte allerdings wie die Faust aufs Auge, dass sich die Bild am Sonntag an diesem 8. Spieltag auch blamierte und ein Beispiel lieferte, wie tendenziös im Boulevard berichtet wird. Der FC Augsburg feierte mit einem „Retrospieltag“ sein 111-jähriges Bestehen, der FCA sieht seine Wurzeln beim FC Alemannia Augsburg, der am 20. Oktober 1907 gegründet wurde. Glückliche Fügung, das genau zum Jubiläum am 20. Oktober ein Bundesliga-Spieltag anstand, die Mannschaft spielte in Trikots, die dem Aussehen der Anfänge ähnelten und fuhr sogar mit einem alten Setra-Bus-Oldtimer ins Stadion. So weit zur Feier im ausverkauften Stadion.

Gegner war allerdings ausgerechnet der RB Leipzig, die Mannschaft des Brause-Herstellers, von der FCA-Präsident Klaus Hofmann sagt, der Verein hätte die Zulassung für die Bundesliga gar nicht erhalten dürfen. So wurde es auch ein knallhartes Duell mit dem Rekord von 44 Fouls. Das Spiel hatte am Ende beim 0:0 keinen Sieger. Doch einen Verlierer gab es, eben BamS, denn die Springer-Zeitung hatte nichts Besseres zu berichten, dass Augsburg „ausgerechnet gegen Leipzig“ das „Retrospiel“ angesetzt hatte und fragte „eine Provokation?“.

Die Reporter sollten wissen, dass es Zufall war, der Spielplan wird von der DFL über ein Computerseystem erstellt. Aber wenn man eben von Zoff berichten will, dann wird nicht die ganze Wahrheit erzählt. Aus diesem Grund werden eben manche Medien unglaubwürdig. Vielleicht sorgen auch solche Machenschaften dafür, dass die Auflagen der Zeitungen zurückgehen. Bild verlor im letzten Quartal wieder 11 Prozent seiner Leser, liegt nur noch bei 1,4 Millionen Auflage, hatte einst mehr als doppelt so viel und BamS rutschte auch um 10,5 Prozent auf rund 790.000 ab.

Es passte übrigens ebenfalls wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet im „Retrospiel“ die moderne Technik über Aufregung sorgte. Einen Elfmeterpfiff für Leipzig nach Schiedsrichter Welz nach langen, vier Minuten langen Diskussionen und Nachforschungen zurück, weil eine Abseitsstellung erkannt wurde. Die Gerechtigkeit siegte, aber die Geduld war bei allen am Ende. Fast wie bei den Bayern-Bossen…

Die Bayern bestimmten das Thema und die Mannschaft sorgte mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg selbst wieder für mehr Ruhe und Nationalspieler Thomas Müller wollte über seine Bankrolle nicht motzen, „wir müssen als Mannschaft auftreten“. Der Sport war insgesamt überhaupt ähnlich beeindruckend wie die Bayern-Pressekonferenz. Frankfurts Serbe Luka Jovic spielte sich mit fünf Toren beim 7:1 gegen Düsseldorf in den Vordergrund, Dortmund und Mönchengladbach begeisterten mit Tempo-Fußball, einen Fußball, den die Bayern derzeit nicht auf den Rasen bringen. Vielleicht lässt auch das die Bayern-Bosse unruhig werden. So hechelt der Titelverteidiger der Konkurrenz weiter hinterher, Dortmund, Gladbach und überraschend Bremen bleiben vor den Münchnern, die dieses Tempo nicht zeigen, aber mit Abgeklärtheit und Kampfgeist gepaart mit ein bisschen Spielwitz (Thiago, James, Lewandowski) wieder in die Spur fanden. So könnten Siege in den nächsten Aufgaben Athen, Mainz und DFB-Pokal endgültig wieder für mehr Ruhe sorgen.

Den richtigen Kontrast zu den Attacken zeigte übrigens der frühere Bayern-Spieler Juan Bernat, der ausgerechnet bei dieser unseligen Pressekonferenz von Uli Hoeneß attackiert wurde („Er hat bei uns einen Scheißdreck gespielt, deshalb musste er gehen.“). Bernat erwiderte, er habe vier schöne Jahre bei den Bayern gehabt. Der kleine Spieler zeigte also Größe, eine Größe, die Hoeneß und Rummenigge nicht gezeigt haben.

Der FC Bayern geht wieder auf Titeljagd

Die Fußball-Bundesliga scheint in einer Zeitschleife festzustecken. Ist jetzt 2013 oder doch schon 2018? Auf die Frage vor der Saison nach dem Meisterschaftsfavoriten gibt es seit Jahren nur eine Antwort: FC Bayern München. Seit 2013 gibt es auch nur einen Meister – den FC Bayern München. Und der geht jetzt wieder auf Titeljagd. Mit dem kleinsten Ziel geht es am Sonntag in Frankfurt los, wenn im Supercup der Meister beim Pokalsieger Eintracht antritt. Lange Zeit wurde der Supercup belächelt, doch er hat an Bedeutung gewonnen, auch in den anderen großen Ligen. In diesem Jahr blickt das Fußballvolk besonders interessiert auf dieses Spiel, ist es doch die Rückkehr des Frankfurter Erfolgstrainers Niko Kovac mit den Bayern zu seinem alten Verein. Der Supercup gewinnt an Bedeutung.

Das sehen auch zwei ehemalige Bundestrainer so, Thomas Tuchel bei Paris St. Germain und Pep Guardiola mit Manchester City feierten bereits ihren ersten Titel und Tuchel sogar sehr ausgelassen. Ein kleines bisschen vom Erfolgsdruck ist weg, das große Ziel allerdings noch weit weg: Der Gewinn der Champions League. Danach sehnen sich viele Vereine in Europa, die Zahl der Interessenten wird immer größer und die Hoffnung träg einen Namen: Cristiano Ronaldo. Ohne den Torjäger will man Real Madrid endlich vom Thron stoßen. Das will zum Beispiel Juventus Turin eben mit Ronaldo schaffen…

Aber zurück zu den Bayern und ihre Titeljagd. Zurückhaltung kennt man in München nicht und so formuliert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sehr deutlich, dass man wieder einen neuen Angriff auf den Henkel-Pott der Champions League starten wolle. Früher hieß es, die nationale Meisterschaft sei der ehrlichste Titel (es wäre der siebte in Folge), alles andere Zugabe. Das klingt jetzt anders. Bescheidenheit war zudem nie eine Zier in München, deshalb galt die letzte Saison auch nicht als eine erfolgreiche. „Nur“ die Meisterschaft ist nicht unbedingt das, was den Abonnementsmeister in große Jubelstimmung versetzt. Das Double wurde bekanntlich gegen Frankfurt mit einer schwachen Leistung verspielt, das bitte schön, sollte es doch dann wenigstens sein. Der Gewinn des Supercups und die Meisterschaft, das gilt dann nicht einmal als „kleines Double“. So groß ist die Bedeutung des Supercups also doch nicht.

Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac hat ja gezeigt, wie der Pokal zu gewinnen ist. Das müsste eigentlich ein Dämpfer für alle diese Hoffnungsvollen sein, die darauf setzen, dass der Kroate in München vielleicht doch nicht so gut ankommt. Schließlich ist auch ein zumindest kleiner Umbruch im Bayern-Team zu verkraften, mit Arturo Vidal hat sich der „Krieger“ verabschiedet, Abwehr-Stratege Jerome Boateng könnte es noch tun (Tuchel in Paris und Manchester United buhlen angeblich um ihn). Leon Goretzka ist der einzige echte Neuzugang, Serge Gnabry begann zudem quasi seine Arbeit in München nach der Ausleihe nach Hoffenheim. Dazu staunten die Beobachter, dass im Vorfeld der Saison fast täglich ein anderer Nachwuchsspieler einen Profivertrag bei den Bayern unterzeichnete. Von sechs Hoffnungsträgern sollte dann halt wenigstens ein Lahm, Müller oder Alaba dabei sein. Bei der Titeljagd in diesem Jahr werden sie nicht helfen können.

Helfen sollen da schon eher noch die Oldies Franck Ribery und Arjen Robben, doch sie sind auch ein Sinnbild dafür, dass den Bayern die Zeit ein bisschen davon läuft. Die Konkurrenz in Europa rüstet immer mehr auf, die Bayern scheuen (bisher noch) das Risiko hoher Investitionen und vor allem Bayern-Präsident Uli Hoeneß will einen Traum offensichtlich umsetzen: Die Bayern als deutsche Mannschaft. Bleibt Boateng, könnten neun deutsche Nationalspieler in einer Anfangsformation beginnen! Allerdings: Ohne einen Lewandowski, Martinez, Thiago und James oder ähnliche Kaliber wird ein internationaler Erfolg auch nicht möglich sein. Also den Pott holen, bevor die Stars von heute zu alt werden. Auf geht’s zur Titeljagd!

Bayerns Angst vor der Zukunft

Das Jahr 2018 ging ja schon gut los – 3:1-Sieg in Leverkusen, dass in dieser Saison zu Hause noch ungeschlagen war, ebenso in den letzten zwölf Bundesliga-Spielen. Der FC Bayern München setzte also in der Fußball-Bundesliga gleich ein Zeichen für die Konkurrenz, Motto: Wir lassen nicht locker, der Titel gehört uns. Die Gegenwart schaut also unter Trainer Jupp Heynckes rosig aus, nachdem es im Herbst noch Turbulenzen gegeben hatte, die in der Ablösung von Trainer Carlo Ancelotti und seinem Team ihren Höhepunkt hatten. Die Zukunft sehen die Verantwortlichen des FC Bayern allerdings nicht so rosig, insgeheim geht im Verein sogar die Angst vor der Zukunft um.

Das berühmte „mia san mia“ wird zwar natürlich weiter zur Schau getragen, damit keiner glaubt, er könnte an der Spitzenstellung der Münchner kratzen, aber wie die Vormachtstellung im deutschen Fußball auch in der Zukunft erhalten werden kann, dafür gibt es noch keine gültige Antwort. Tatsache ist, dass die Protagonisten der letzten Jahre an ihre Altersgrenze stoßen, die einen auf dem Feld, die anderen im Vorstand. In Leverkusen stand die älteste Mannschaft der Bundesliga auf dem Feld – Zukunft sieht anders aus. Sinnbild dafür die in die Jahre gekommenen Flügelflitzer Arjen Robben (33 Jahre alt) und Franck Ribery (34). Deren Verträge laufen 2018 aus, verlängern oder nicht ist für beide Seiten, Spieler und Verein, jetzt die Frage. „Rib & Rob“ stehen für die erfolgreiche Bayern-Zeit, ihre Ablösung tut moralisch weh, ist sportlich auf Sicht aber notwendig, doch werden die Nachfolger auch ihre Klasse haben? Die besten Spieler landen bekanntlich inzwischen an den Geldquellen in England, Spanien oder Paris. Da dürfen die Bayern schon froh sein über einen Hoffnungsträger wie Kingsley Coman, aber ob Serge Gnabry, der im Sommer nach der Ausleihe in Hoffenheim in München landen soll, die Lücke dann schließen kann, ist schon fraglich. Robben und Ribery werden wohl notgedrungen noch bleiben, müssen vielleicht Abstriche in Einsatzzeiten hinnehmen (wenn sie denn überhaupt fit sind), doch Zukunft sieht anders aus.

Die meisten Verträge des Bayern-Kaders haben noch lange Laufzeiten, meist mindestens bis 2021, so dass aktuell keine Sorgen bestehen. Außer den üblichen im Geschäft, dass nämlich Spieler wie Torjäger Robert Lewandowski trotz Vertrags dem Ruf des Geldes erliegen könnten und die Bayern bei unmoralischen Angeboten eben doch schwach werden. Es bleiben Fragezeichen.

Unsicherheit herrscht vor allem in der Trainerfrage und dabei gibt es die größte Unsicherheit, sogar Angst vor der Zukunft. Die Bosse Rummenigge und Hoeneß wünschten sich am meisten, dass der 72-jährige Altmeister Jupp Heynckes, nachdem er schon seinen Ruhestand unterbrochen hat und offensichtlich Spaß an der erfolgreichen Arbeit hat, seine Tätigkeit noch ein Jahr fortsetzt. Dass würde dem Verein Luft verschaffen und ein Jahr später womöglich eine bessere Kandidatenliste der Nachfolger möglich machen. Gesucht wird ja ganz einfach ein Klon von Jupp Heynckes. Dies ist der derzeit einzige Kandidat Thomas Tuchel (vorher Dortmund) zweifellos nicht. Ein deutschsprachiger Trainer soll es wohl sein, da böten sich 2019 u. a. Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Ralph Hasenhüttl (Leipzig), Jürgen Klopp (Liverpool) oder sogar Niko Kovac (Frankfurt) an. Deren Verträge laufen da aus oder beinhalten Ablösemöglichkeiten. Im Sommer 2018 sieht es anders aus.

Gedanken müssen sich die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß aber auch über ihre eigenen Nachfolger machen. Rummenigge, seit 1991 im Vorstand, seit 2002 Vorsitzender des Aufsichtsrats, ist 62 Jahre alt, Vereinsvorsitzender Uli Hoeneß, seit 1979 der Motor der erfolgreichen Bayern-Jahre, befindet sich im Rentenalter. Mit 66 Jahren geht das Leben zwar erst los, sang einst Udo Jürgens, was die Bayern angeht, da befindet sich Uli Hoeneß wohl eher in der Endphase seines Schaffens. Die Bayern sind sein Lebenswerk, das hat er immer betont. Jetzt muss er bald die Weichen stellen, damit sein Lebenswerk auch erfolgreich fortbesteht. Da herrscht große Unsicherheit, das ist zu spüren. Da gibt es auch ein bisschen Angst vor der Zukunft, deshalb wollen alle auch die Erfolge der Gegenwart besonders genießen und hoffen noch einmal auf einen großen Triumph wie 2013 das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Titel in der Champions League. Es könnte der letzte Triumph für Rummenigge und Hoeneß sein.

Rote Bullen nehmen die Bundesliga auf die Hörner

 

Die Fußball-Bundesliga ist durcheinander geraten. Der FC Bayern München ist nicht mehr Tabellenführer, zum ersten Mal seit 14 Monaten. Was sich die Konkurrenz gewünscht hatte, aber eigentlich nicht zu hoffen wagte, ist eingetreten. Die erste Niederlage nach 20 Spielen ohne doppelten Punktverlust, das 0:1 in Dortmund und der gleichzeitige Siegeszug des RB Leipzig lässt in der Bundesliga quasi eine neue Zeitrechnung beginnen. Das Ende der Bayern-Dominanz ist gekommen.

Es gibt zwei Ursachen für diese Wende im deutschen Fußball. Da sind einmal die Bayern selbst. Die Ära Pep Guardiola war eine erfolgreiche, der Spanier sammelte national Titel, unter anderem den Hattrick in der Meisterschaft, in Verbindung mit dem Sieg von Vorgänger Jupp Heynckes war es 2016 ein Rekord, noch nie zuvor hatte ein Team in der Bundesliga viermal hintereinander die Meisterschaft geholt. Und der fünfte Titel lag auf dem Präsentierteller, niemand wagte daran zu denken, dass die Bayern ins Wanken geraten könnten, ganz zaghaft wurde angemerkt, dass jede Siegesserie noch immer ein Ende gefunden hatte und vielleicht wären die Münchner einfach satt, nicht mehr erfolgshungrig genug. Offensichtlich sind sie satt, Beobachten mahnen, dass die Spieler Übergewicht mit rumschleppen würden, außerdem fehle die Gier nach Erfolg. Und plötzlich sind die Bayern nur noch Zweiter. Da ist der Ärger zumindest so groß wie beim VfL Wolfsburg auf Platz 14.

Zehn Spieltage lang ging ja alles gut. Die Bayern begannen furios und es kam ob des Sturmlaufs in den ersten Spielen sogar leise Kritik an Pep Guardiola auf. „Unter Ancelotti werden die Spieler von der Leine gelassen“, hieß es ein bisschen hämisch. Danach schwächelte der Meister allerdings, doch er hielt die Tabellenspitze und so wurde übersehen, dass die Bayern weniger lauffreudig waren, sich die Fehlpässe häuften, das Spiel in die Spitze schlampig war. Die Quittung folgte: Drei Unentschieden, eine Niederlage nach einem Drittel der Punktrunde. Heute heißt es, „bei Pep hat es das nicht gegeben“. Verloren gegangen ist die Dominanz auf dem Feld. Die Konkurrenz wittert ihre Chance: Die Bayern in der Saison 2016/17 sind schlagbar.

Die Bayern dankten früher ab als gedacht, ein Neuling trumpft dafür früher auf als gedacht und wahrscheinlich sogar selbst geplant. Die Roten Bullen aus Leipzig nehmen die Bundesliga auf die Hörner. Mit Argwohn wurden die Pläne des Brause-Herstellers Red Bull und dessen Besitzer Dietrich Mateschitz beobachtet, als er in Leipzig mit dem Aufbau einer Mannschaft begann und die Bundesliga und sogar die Champions League als Fernziel ausgab, im Bewusstsein, das dauert Jahre. „Das schafft er nie“, höhnten die einen, „Vorsicht, mit seinen Millionen geht alles“, waren andere skeptisch. Der DFB verschloss die Augen vor der Mateschitz-Masche des „leibeigenen“ Vereins, wollte nur den Firmennamen nicht als Vereinsnahmen akzeptieren. So wurde im Mai 2009 aus dem Vorortklub SSV Markranstädt der RasenBallsport Leipzig, eben RB und im Sprachgebrauch die „Roten Bullen“. Da kann der DFB halt nichts machen.

RB begann in der Oberliga und als Ralf Rangnick 2012 die Geschicke übernahm, begann der Aufstieg. 2013 Aufstieg in die 3. Liga und Durchmarsch in die 2. Bundesliga, dort hielt man sich auch gerade mal zwei Jahre auf. Nun die Bundesliga, nun die Tabellenspitze, die Bundesliga fühlt sich auf die Hörner genommen. Über 100 Millionen hat Mateschitz mit Sicherheit in sein Projekt gesteckt, doch das Geld nicht für teure Stars ausgegeben, sondern ein Vorzeigemodell im Gesamten hingestellt, nämlich auch ein verheißungsvolles Nachwuchsleistungszentrum. Rangnick suchte bewusst Spieler aus, die in sein Konzept passen mussten, zum Beispiel für die Bundesliga schnelle und technisch begabte Spieler, zudem mit Ralph Hasenhüttl einen Trainer, der seinen Höchstgeschwindigkeitsfußball als sein eigenes Credo sieht. So überrollte Leipzig die Bundesliga, immer mit Tempo, rasende Bullen sind es geworden.

Die Konkurrenz muss sich umstellen und neu einstellen. Jetzt ist nicht die Frage, wer stoppt die Bayern, sondern jetzt ist die Frage, „wer stoppt die Bullen?“ Von Null auf Hundert, sprich zum Titel, ist nicht unmöglich. Zwei Beispiele dienen der Bundesliga als Warnung: Der 1. FC Kaiserslautern wurde 1978 unter Otto Rehhagel als Aufsteiger gleich Meister und in England dominierte im Vorjahr Nobody Leicester City, von der Konkurrenz lange Zeit nicht ernst genommen.

Doch, ernst nehmen tun die Münchner, Dortmunder und die anderen Leipzig jetzt schon. Sie vertrauen allerdings darauf, dass die Bullen mal müde werden, dass sie mal eine Schwächephase haben werden und dann wollen die anderen zuschlagen. Klar ist, diesen Tempo-Fußball könnte Leipzig nicht durchhalten, wenn die Mannschaft unter der Woche auch international gefordert wäre. „Sie liegen unter der Woche auf der Couch und können sich schonen“, ätzte der baldige neue Präsident der Bayern, Uli Hoeneß. Er ist einer der Hoffnungsträger, dass die Bayern wieder schnelle Beine bekommen und die Roten Bullen einfangen. Plötzlich gehören den Bayern die Sympathien der Fußball-Fans. Ein Brause-Meister, das geht gar nicht!

Bayern München und die Sache mit dem Nachwuchs

Stammleser werden jetzt sagen, „jetzt schreibt er schon wieder über Bayern München, war doch erst vor kurzem der Fall“. Stimmt schon, aber zuletzt ging es um die Profis und heute aus aktuellem Anlass um den Nachwuchs (aktuell ist natürlich auch der mögliche Bestechungsskandal um die WM 2006 in Deutschland, aber dazu nächste Woche mehr, erst mal abwarten, was noch aufkommt).

Der Nachwuchs beschäftigt die Bayern schon lange, weil in den letzten Jahren Mängel festgestellt wurden. Erfolge liegen schon einige Zeit zurück und wie sollen Talente den Sprung in die beste Mannschaft Deutschlands bzw. eine der besten der Welt schaffen, wenn sie schon in jungen Jahren nicht zu den Siegern gehören. Jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht, wobei wieder einmal Uli Hoeneß eine entscheidende Rolle spielt. Der einstige erfolgreiche Manager und zuletzt Präsident hat seine „Auszeit“ der Gefängnisstrafe nach Steuerhinterziehung genutzt, um den Nachwuchsbereich umzukrempeln. Seine Arbeitsstelle im Freigang war die Nachwuchsabteilung der Bayern. Praktisch, denn die langgehegten Pläne wurden jetzt Wirklichkeit: Am Freitag war Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums für den Nachwuchs in Fröttmaning in der Nähe der Allianz Arena. Die Talente sollen wohl den „Tempel“ der Profis im Auge haben, nach dem Motto „da will ich auch mal hin“. Uli Hoeneß war der am meisten bestaunte Gast beim Festakt.

Wie bei den Bayern so üblich, wird das neue Nachwuchszentrum eine Anlage der Superlative die Seinesgleichen sucht. 50 bis 70 Millionen Euro (die Zahlen, die in der Öffentlichkeit bekannt werden schwanken) legt der Verein dafür hin. Neben acht Plätzen gibt es ein kleines Stadion mit bis zu 3000 überdachten Plätzen, eine Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachsoccerfeld, eine Rundlaufbahn, Vereinsheim, Akademie mit Internat sowie ein Restaurant und natürlich einen Fanshop. Ende 2017 soll die Anlage bezugsfertig sein. An der Säberner Straße, der traditionellen Bayern-Heimat, bleiben die Profis, die U21 und die Frauen, die auch weiterhin im Stadion an der Grünwalder Straße spielen. Der Platz an der Säberner Straße war für alle aber zu eng geworden. So gehen die Bayern jetzt also in die Offensive.

Die Nachwuchsoffensive ist aber auch dringend notwendig, schließlich fehlten zuletzt Nachfolger für Typen wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Holger Badstuber. Eine Überfremdung des Meisters wird befürchtet, wenn mehr Spanier als Einheimische im Bayern-Team stehen und das obligatorische „mia san mia“ vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das es Zeit wird zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Auswahlmannschaften des DFB: Die U21 spielt die EM-Qualifikation, die U20 und U19 internationale Turniere um den Elite-Cup – ein Bayern-Spieler war nicht dabei!

Das soll in der Zukunft wieder anders sein. Die Bayern nehmen Geld in die Hand, um künftig im Hinblick auf Neuverpflichtungen und horrenden Preissteigerungen auf dem Spielermarkt Geld zu sparen!