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Tag: VW

DFB und VW: Gleich und gleich gesellt sich gern

Insider munkelten bereits, dass die Ehe zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und Mercedes-Benz nach 45 Jahren geschieden wird. Jetzt ist es Tatsache, Volkswagen löst Mercedes als Generalsponsor des DFB zum 1. Januar 2019 ab, der Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2024. Mal sehen, ob sich das sportlich auswirkt, wenn die Fußball-Nationalmannschaft unter keinem guten Stern mehr steht…

Eigentlich hat es niemand für möglich gehalten, dass die Ehe zwischen DFB und Mercedes jemals geschieden wird. Freilich gab es auch viel Kritik an den bisherigen Verträgen, denn eine transparente Ausschreibung hat es mehrheitlich nicht gegeben. Die gute und passende Verbindung sollte einfach aufrecht erhalten bleiben, zumal der Stuttgarter Konzern sicherlich nicht schlecht zahlte. Keiner der Partner hatten einen Grund zur Klage, Deutschlands Automarke Nummer 1 und Deutschlands Sport Nummer 1, das war einfach eine passende und erfolgreiche Verbindung.

Von einer „passenden Verbindung“ spricht jetzt auch VW. „Volkswagen und der Volkssport Nummer 1, das ist eine gelungene Partnerschaft“, heißt es aus Wolfsburg. Der DFB und VW sind ja auch bereits Partner und VW hat seinen Fuß überhaupt schon dick im Fußball, ist nämlich Sponsor des DFB-Pokals bis 2022 und der VfL Wolfsburg in der Bundesliga ist eine 100prozentige VW-Tochter. Nur, es passt auch einiges nicht.

Zur neuen Verbindung zwischen DFB und VW könnte man auch sagen „Gleich und gleich gesellt sich gern“, wie es im Volksmund heißt. Der Autokonzern schlägt sich seit einigen Monaten mit einem Betrugsskandal herum, doch von einer offenen Aufklärung kann nicht die Rede sein, eher versucht der Konzern mit Milliardenzahlungen den wahren Hintergrund im Geheimen zu halten. Ähnliches lässt sich ja leider auch vom DFB berichten, der die Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bisher noch nicht vollends aufgeklärt hat. Vielleicht hat man so zu einer Zusammenarbeit gefunden, gemeinsame Vertuschung, gemeinsame Schadensbegrenzung. Früher hieß es, DFB und Mercedes stehen beide für Seriosität und Qualität, heute ist man da vorsichtiger, denn auch Mercedes hat mit einem Abgasskandal Probleme.

Erstaunlich ist, dass Volkswagen eine sicherlich nicht ganz billige Partnerschaft eingeht (über Zahlen wird geschwiegen), weil zuletzt immer von einem Sparprogramm die Rede war, weil die Milliarden an Strafzahlungen irgendwo halt wieder hereingeholt werden müssen. Andererseits kann einer der größten Autokonzerne der Welt natürlich nicht auf Werbung verzichten und da ist der Fußball zweifellos weltweit das beste Aushängeschild. Der DFB wiederum lässt sich vom Wechsel vom Nobelkonzern Mercedes zu „Volkswagen“ wohl davon leiten, dass der Verband eben mehr volkstümlich erscheinen will. Was schwierig wird, denn geht es um Fußball, ist durch das Profi-Geschäft auch sehr viel von Geld die Rede.

Ab 2019 wird der Mercedes-Stern im Hintergrund fehlen und durch das langweilige „VW“ ersetzt werden. 2018 bei der Weltmeisterschaft in Russland steht die Nationalmannschaft noch unter einem „guten Stern“ und außerdem gehen die Sterne auf dem Trikot nicht verloren. Die vier Sterne stehen für vier WM-Titel des amtierenden Weltmeisters nicht für irgendwelche Nobelkarossen von Mercedes!

Der Motorsport steht am Scheideweg

 

Es soll ja Zeitgenossen geben, die dem Motorsport sowieso skeptisch gegenüberstehen. Ausdauersportler zum Beispiel ätzen, „die treiben ja gar keinen Sport, die sitzen ja nur im Auto“. Umweltschützer sind die Luftverpester vom Grundsatz her ein Dorn im Auge, obwohl sich der Motorsport in allen Bereichen um mehr Umweltverträglichkeit bemüht hat. All diese Zeitgenossen werden Hoffnung schöpfen: Ist der Motorsport vielleicht am Ende?

Nein, am Ende wohl nicht, Motorsport wird es so lange geben, so lange die Konzerne ihn als Marketinginstrument sehen. Aber es wird einen gehörigen Wandel geben und die meisten sehen in der Zukunft keine röhrenden Motoren (vielen ist die Formel 1 heute schon zu leise), sondern leise Autos, die mit einem Elektromotor das Rennen bestreiten. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die Abgasaffäre von Volkswagen und den daraus bedingten wirtschaftlichen Problemen beschleunigt. So zieht sich die Konzernmutter VW aus der Rallye-Weltmeisterschaft zurück, Konzerntochter Audi steigt aus den 24-Stunden-Rennen von Le Mans (für viele die Mutter aller Rennen) aus.

Bei diesen Entscheidungen gibt es nicht nur den einen Aspekt. Gut, die wirtschaftlichen Verhältnisse schlagen derzeit wohl am meisten durch. Da ist aber auch die elektrische Zukunft der Autoindustrie und die Rennen der Formel E kommen durchaus an. Zudem werden sich sowohl VW als auch Audi überlegt haben, ob die Seriensiege überhaupt noch dem Konzern einen Marketingwert bringen. Viermal hintereinander wurde VW Rallye-Weltmeister, seit 1998 hat Audi 13 Siege in Le Mans geholt. Auch dort gab es technische Entwicklungen, Audi gelang 2006 der erste Sieg mit einem Diesel-Rennwagen und 2012 der erste Sieg mit Hybridantrieb. Jetzt will man die Formel E aufmischen, dort war bisher der Allgäuer Partner Abt für Audi vertreten, künftig wird es ein Werksteam geben.

Der Motorsport steht am Scheideweg. Die Zukunft gehört zweifellos der Formel E. Neben Audi sind auch BMW, Renault und Jaguar in der Formel E dabei, Mercedes hat sich bereits ein Startrecht reserviert und auch prominente Interessenten von außen gibt es, so ist Hollywood-Star Leonardo DiCaprio am Team Venturi beteiligt. Die Formel E hat zudem den Weg in die Großstädte gefunden, statt weit draußen im Grünen wird mitten in New York, Paris oder Berlin gefahren. Davon hat ja die Formel 1 immer geträumt, in den Herzen von Großstädten wie Singapur vertreten zu sein. Durchaus vorstellbar, dass in Monte Carlo zum Beispiel künftig die Formel E präsent sein wird.

Für die Formel 1 könnte es dann schwierig werden, wenn neben Mercedes auch andere Konzerne wie Ferrari und Red Bull ihr Herz für den Elektromotor entdecken. Ist das vorstellbar, ein elektrischer Ferrari? Alles eine Sache der Entwicklung bzw. des Marketing. Mobilisiert die Formel E die Massen, wird Red Bull zum Beispiel dort vertreten sein. Mercedes wird bei seinen Überlegungen auch einbeziehen, dass Seriensiege in der Formel 1 den Bekanntheitsgrad nicht mehr steigern können. Siege sind kein Highlight mehr, Niederlagen dafür die weitaus größere Schmach. Die PR-Abteilung in der Zwickmühle.

Eines deutet sich aber an, was eben nicht allen Zeitgenossen gefallen wird: Motorsport wird es weiterhin geben, aber die Umweltschützer werden nicht mehr so zetern.