Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Weltmeisterschaften

Endlich Winter!

In manchen Teilen der Welt kennen sie Schnee gar nicht, aber dort, wo der Winter so richtig einkehrt, da freuen sich nicht nur die Kinder auf die Schneeflocken, sondern auch die Sportler, vor allem die Freizeitskifahrer. Der erste Schnee ist schon gefallen, endlich Winter! Freuen wir uns darüber, solange es einen Winter mit Schnee überhaupt noch gibt (Mister Trump: Stichwort Klimawandel). In Deutschland freuen sich aber auch die Programmdirektoren der Fernsehanstalten. Endlich Winter! Das Programm stellt sich leicht zusammen, von früh bis spät senden abwechselnd ARD und ZDF am Wochenende Wintersport. Ungefähr von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr muss man sich über den Ablauf keine Gedanken machen, den geben die Wettbewerbe vor. Ski alpin, Rodeln, Bob, Eisschnelllauf, Ski nordisch und vor allem Biathlon, der winterliche Lieblingssport der Deutschen.

Die Ski-Fans sind glücklich, manche Zuschauer natürlich nicht, aber sie vergessen bei ihrer Kritik zwei wichtige Kriterien. Einmal übersehen sie wohl, dass es auf ihrer Fernbedienung noch viele Druckknöpfe für andere Programme gibt, da sollte ein Ersatz für die Lieblingssendung, die alle zwei Wochen dem Sport geopfert wird, doch möglich sein. Zum anderen können die Sender ein für sie gewichtiges Argument in die Waagschale werfen: Die Einschaltquoten stimmen, sie sind höher als an „normalen“ Wochenenden unter dem Jahr ohne Skisport. Der Wintersport ist quasi ein Ass.

Das verwundert manchmal, Begeisterung für den Wintersport kannte man früher nur von den Olympischen Winterspielen. Das gesteigerte Interesse hat aber wohl seine Ursachen auch darin, dass die deutschen Wintersportler über die Maßen erfolgreich sind. Die Zuschauer wollen Helden sehen, also Sieger. Egal ab Ski alpin oder Ski nordisch, vor allem beim Rodeln oder Bob, deutsche Siege sind nicht selten. Vorzeige-Sportarten sind dazu noch Biathlon und die Nordische Kombination, wo es in den letzten Jahren Siege am laufenden Band gab.

So werden es die Wintersportler auch verschmerzen, dass es in diesem Winter keine Olympischen Spiele gibt (sieht man die Probleme mit der Ausrichtung von Winterspielen, dann gibt es vielleicht bald überhaupt keine mehr). Dafür sind diverse Weltmeisterschaften das Highlight und Traditionsrennen locken die Zuschauer auch hinter dem Ofen hervor. Deutschland darf sich über die Weltmeisterschaft der Rodler vom 25. bis 27. Januar 2019 in Winterberg freuen, Siege und Medaillen sind da fast garantiert. Die Nordische Ski-WM findet zudem vom 20. Februar bis 3. März im nahen Seefeld in Österreich statt. Are in Schweden ist Gastgeber der alpinen WM-Wettkämpfe, Bob und Skeleton haben sich Whistler in Kanada ausgesucht (25. Februar bis 10. März). Den Schluss der WM-Reigen macht Eishockey mit der Weltmeisterschaft vom 10. bis 26. Mai in der Slowakei. An diesem späten Termin gibt es wiederkehrend jährlich Kritik: Ist den Eishockey schon eine Sommersportart?

Apropos Sommer. Die Sommersportarten schauen immer ein wenig neidisch auf den Winter mit seiner TV-Präsenz und den langen Übertragungszeiten. Deshalb wurde ja auch die Idee der European Championships geboren und mehrere Weltmeisterschaften verschiedener Sommersportarten zusammengelegt, damit die Aufmerksamkeit gesteigert wird. Was international ein Erfolg war, soll jetzt auch national gelingen, verschiedene Deutsche Meisterschaften sollen zu einem Event zusammengefasst werden. Richtig so, nicht nur klagen, sondern auch handeln.

Aber jetzt ist erst einmal Winter, auch wenn die Wetterkapriolen zwischendurch immer wieder eine Rückkehr von Sommer oder Herbst verheißen. Aber Winter ist einfach dann, wenn der Wintersport Konjunktur hat und deshalb heißt es jetzt: Endlich Winter!

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2017 wird das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler

 

Für den Spitzensport ist 2017 ein sogenanntes „Zwischenjahr“, es stehen weder Olympische Spiele noch Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball an. Dennoch könnte 2017 ein bedeutendes Jahr für den Sport werden, wenn, ja wenn die Sportfunktionäre ein Herz für den Sport und Fans zeigen würden und in ihren Entscheidungen nicht dem Ruf des Geldes folgen. Diesbezüglich wird 2017 also das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler. Ob es ein bedeutendes Jahr wird, entscheidet sich also am „grünen Tisch“.

Geprägt wird das neue Jahr wohl vor allem wieder durch die Diskussion um das Doping. Russland steht mit dem (vom Land selbst verleugneten) Staatsdoping weiter am Pranger und wir warten auf Entscheidungen. Doping wird auch bei den Großveranstaltungen weiter eine Rolle spielen. Es geht aber auch um die Zukunft der großen Turniere im Fußball, wo der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino die Reklametrommel für größere Teilnehmerfelder rührt. Bereits im Januar soll es da erste Entscheidungen geben. Aber auch das IOC muss sich Gedanken um seine Zukunft und die der Olympischen Spiele machen. 2016 war typisch. Brasilien feierte seine Spiele und erleidet jetzt einen olympischen Kater. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, der Sport darf nicht zum Ruin eines Staates beitragen. Hoffnung hat der Sport-Grantler aber nur wenig, dass die Vernunft künftig die Oberhand behält.

Typisches Beispiel ist der Welt-Fußballverband FIFA, der jetzt hat untersuchen lassen, welche Turnier-Form den größten Gewinn verspricht. Angeblich könnte ein Turnier mit 48 Nationen, unterteilt in 16 Dreier-Gruppen, die größten Einnahmen erzielen. Eine Steigerung von 5,5 auf 6,5 Milliarden US-Dollar wäre angeblich möglich. Die Dollar-Zeichen glänzen in den Augen der Funktionäre, die sportliche Qualität und der Anreiz für die Fans spielen mit Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Großen Sport wird es aber auch ohne Großereignisse an 2017 geben. Der Wintersport feiert seinen WM-Winter wie immer in ungeraden Jahren. Die großen Tennis- und Golf-Turniere stehen wie jedes Jahr an, wobei der prestigeträchtige Ryder-Cup der Golfer erst wieder 2018 in Paris ausgetragen wird. Dazu gibt es wie immer Formel 1, die Tour de France und die Motorrad-WM.

Verschiedene Welt- und Europameisterschaften werden ihr Interesse finden. Den Anfang macht die Handball-Weltmeisterschaft vom 11. – 29. Januar in Frankreich, wobei die deutschen Fans wohl buchstäblich in die Röhre gucken, weil es im Free-TV wohl keine Fernsehbilder zu sehen gibt. Dabei gehört Deutschland als Europameister mit zu den WM-Favoriten. Im Mai schließt sich die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) an. Der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich positive Schlagzeilen mit Übertragungen bei Sport1. Die Leichtathletik-WM folgt vom 4. – 13. August in London, die Basketballer spielen ihre Europameisterschaft vom 30. August bis 17. September gleich in vier Ländern, nämlich Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei. Ob das ein echtes Turnier mit entsprechender Stimmung wird?

Der Fußball ist nicht außen vor und bietet kleinere Turniere, die durchaus Interesse finden werden. Der Confed-Cup vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2018. Davon will Bundestrainer Joachim Löw allerdings nichts wissen, er will eher junge Spieler testen. Dabei werden die Trainer beratschlagen, welches Talent sich bei Löw bewähren darf und wer mithelfen soll, Deutschland U21 zum Titel zu führen. Bei der Europameisterschaft der U21 vom 16. – 30. Juni in Polen will Deutschland ganz vorne landen. Das geht aber nur, wenn der neue Bundestrainer Stefan Kuntz seine beste Mannschaft aufbieten kann. Kein Kompetenzgerangel gibt es bei den Frauen, da steht die neue Bundestrainerin Steffi Jones bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August in den Niederlanden vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Also, auch das Sportjahr 2017 kann sich sehen lassen, wir werden Jubel und Enttäuschungen erleben, großen Sport, leider wohl aber auch wieder Lug und Trug, so wie im richtigen Leben halt auch. Wünschen wir den Funktionären den Weitblick, den Spitzensport in eine gute Zukunft zu führen.

Skisport: Das wird kein normaler Winter

 

In Deutschland hat sich der richtige Winter mit viel Schnee in den letzten Jahren rar gemacht. Auch in diesem Jahr sieht es eher nach einem milden Winter aus, als dass die Skifreunde so richtig auf ihre Kosten kommen sollten. Auch die Spitzensportler leiden unter den Wetterkapriolen. Einmal gibt es keinen Schnee, dann wieder zu viel, dann wieder werden sie vom Wind gestoppt, wie jetzt die Skispringer und Kombinierer in Finnland. Dennoch hat der Ski-Winter begonnen, aber allen Beteiligten ist klar, dies wird kein normaler Winter. Nicht wegen dem Wetter, sondern einfach deshalb, weil sowohl Olympische Spiele als auch Weltmeisterschaften fehlen. Ein Zwischenwinter sagt man, den mal alle vier Jahre einlegen darf oder muss.

In einigen Sportarten (siehe Biathlon) gibt es ja die jährlichen Weltmeisterschaften, aber diese Inflation der Weltmeister machen Ski alpin und Ski nordisch zum Glück nicht mit. Man braucht auch mal einen Winter mit Verschnaufpause, um etwas auszuprobieren, um dem Nachwuchs auf höchster Ebene eine Chance zu geben, also Aufbauarbeit für die Zukunft zu leisten. Der Leistungsdruck ist also nicht ganz so hoch wie gewohnt.

Dennoch wollen die Skisportler natürlich in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Deshalb haben sie den Start in den neuen Ski-Winter scheibchenweise geliefert. Bereits Ende Oktober ging es auf den Gletscher in Sölden, eine sportlich fragwürdige, aber eben von Werbung geprägte Einlage. Danach verhinderte das Wetter die Rennen in Levi, aber jetzt geht es richtig los. Spielt das Wetter mit, geht es Schlag auf Schlag.

Bei den deutschen Sportlern ging es allerdings zögerlich los, dabei sehen sie dem Winter mit großen Hoffnungen entgegen. Vor allem die alpinen Herren träumen, denn mit Felix Neureuther, Fritz Dopfer, Stefan Luitz und Linus Strasser wollen sie das beste Team in technischen Disziplinen stellen. Die Speedfahrer zählen dagegen eher zur zweiten Garnitur, wenn überhaupt. Die Mädchen vertrauen vor allem auf Viktoria Regensburg, die sogar nach dem Gesamtweltcup greifen könnte. Ansonsten heißt es lernen, wie oben beschrieben.

Im nordischen Skisport haben die Skispringer gleich für einen Paukenschlag gesorgt und den ersten Wettbewerb gewonnen. Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund steht nicht alleine da, sondern es hat sich eine starke Mannschaft gebildet. Das große Highlight des Winters ist die Vier-Schanzen-Tournee zur Jahreswende, bei der die Deutschen zuletzt eher unter „ferner sprangen“ zu finden waren. Severin Freund muss gegen die bisherigen Trend seine Form aufbauen, denn er ist als Spätstarter bekannt. „Ich habe im Sommer alles getan, um früh in Form zu sein“, gesteht er. Wir werden sehen.

Sieganwärter sind auch die Nordischen Kombinierer, die in den letzten Jahren das Maß der Dinge waren. Mit Johannes Rydzek startet der Doppelweltmeister. Hier gilt es, die Form zu halten. Für die Langläufer heißt es dagegen zu lernen, um den Anschluss an die Weltspitze wieder zu finden. Die Damen sind im vorderen Mittelfeld gut dabei, die Herren dagegen laufen meist immer ein bisschen länger als die Konkurrenz. So sind künftig keine Medaillen zu gewinnen. Allerdings hat es bei den Trainern einen Neuanfang gegeben, warten wir also ab, ob die Wechsel erfolgreich waren.

Ein eigenes Völkchen stellen die Biathleten dar. Sie haben auch wieder eine Weltmeisterschaft (im März in Oslo) und haben sich gleich erfolgreich präsentiert. Die ersten Mixed-Staffeln am Wochenende waren ein Appetithappen und die Deutschen auf dem Podium. Ab Mittwoch geht es in Östersund richtig los und die Deutschen wollen vorne mitmischen. Sie wollen auch die Lieblinge der deutschen Sportnation bleiben. Gespannt sein darf man, ob Miriam Gössner wieder ihre Bestform findet und Anschluss an die neuen Vorzeige-Damen Laura Dahlmeier und  Franziska Preuß findet. Die Herren Simon Schempp, Erik Lesser und Co. gehören ebenfalls zur Weltspitze.

Bei den Fernsehübertragungen fährt Biathlon immer gute Einschaltquoten ein und war auch am Wochenende schon der erste Sieger: Fast vier Millionen sahen die Mixed-Staffel, mehr als zuvor die Formel 1 vor den Bildschirm locken konnte. Auch die langen Wintersport-Nachmittage locken mehr Zuschauer an, als es das sonstige Normalprogramm das Jahr über bei ARD und ZDF tut. Offensichtlich gibt es eine Sehnsucht nach Schnee.

Der Winter hat jetzt also Priorität, der Sommer hat eine große Niederlage einstecken müssen. Die Hamburger Bürger haben sich gegen die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 ausgesprochen, die Stadt Hamburg wird sich also nicht bewerben. Ein Schlag gegen den Sport in Deutschland, der Großereignisse braucht, um Interesse zu wecken und auch in Zukunft Weltspitze zu sein. Die Bevölkerung hat aber wohl vor allem von den Sport-Funktionären und Geschäftemachern die Nase voll und hat ihnen die „Rote Karte“ gezeigt. Nachdem sich auch schon die Bevölkerung in München gegen Olympische Spiele gewandt hat, bleibt nur eine Feststellung: Deutschland wird in absehbarer Zeit keine Olympischen Spiele mehr veranstalten. Gewinner könnte der Deutsche Fußball-Bund mit seiner geplanten Bewerbung für die Austragung der Europameisterschaft 2024 sein, aber da steht wiederum der sogenannte DFB-Skandal um das „Sommermärchen“, nämlich der WM 2006 im Wege. Auch im Hinblick auf den Sommer also viel Kälte…