Klub-Weltmeister – ein Titel für die Geschichte

von knospepeter

Was war das nun für ein Turnier, die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball in Katar? War es, wie es viele Kritiker bezeichnen, eine sportlich wertlose Veranstaltung oder darf sich der Sieger FC Bayern München doch über einen wichtigen Titel freuen? Den Kritikern sei es gesagt und den Bayern-Fans zum Trost: Der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft ist nicht nur ein Titel für den Briefkopf, er ist auch ein Titel für die Geschichte, insofern dürfen sich alle Bayern über den 1:0-Sieg gegen Tigres Monterrey aus Mexiko freuen. Allein die Tatsache, dass außer dem FC Barcelona mit Trainer Pep Guardiola und Lionel Messi im Jahr 2009 noch keiner sechs Titel in einer Saison geholt hat, würdigt diesen Erfolg als große Leistung! Eine besondere Leistung vor allem von Trainer Hansi Flick, der zum Einstieg gleich den Sixpack schaffte!

Ob die Klub-Weltmeisterschaft nun großen Sport bietet, darüber kann man natürlich streiten. Aber es ist genau das Finale, das die Meister der verschiedenen Konförderationen des Weltverbandes ehrt. Da ist kein Zweiter und Dritter aus Europa oder Südamerika dabei, wo vielleicht besser Fußball gespielt wird als in Afrika oder Asien. Die Champions League in Europa ist bekanntlich kein Wettbewerb der Champions, sondern der besten Mannschaften, die Interesse wecken und Geld bringen. Dies als Vorbild genommen, will bekanntlich FIFA-Präsident Infantino die Klub-Weltmeisterschaft auch aufmotzen, auf 24 Mannschaften mit vielen interessanten Namen. Gewinner wäre die FIFA, nicht der Fußball und die Spieler schon gleich gar nicht, denn wie die das im jetzt schon vollen Terminkalender verkraften sollen, das sagt Infantino nicht. Er will ja nur kassieren. Der Spielbetrieb in Corona-Zeiten beweist, wie die Qualität unter dem Dauerstress leidet.

Die Bayern sind bisher kein Stress-Opfer, aber das kann noch kommen. Sie gewinnen zwar, zeigen dabei vor allem großen Willen, aber sie zeigen aus verständlichen Gründen keine großen Leistungen, die spielerische Leichtigkeit des Vorjahres ist in der Corona-Terminhetze verloren gegangen. Und wenn sich noch Corona-Ausfälle wie jetzt Martinez, Goretzka und Müller sowie Verletzungen häufen, dann werden die sieben Punkte Vorsprung in der Bundesliga bald dahinschmelzen. Schon am Montag kann sich Arminia Bielefeld wie 2013 der FC St. Pauli vielleicht zum Weltpokalsieger-Besieger küren. Trotz allem, das Jahr 2020 (die Klub-Weltmeisterschaft zählt ja für 2020, sollte im Dezember ausgetragen werden) wird wohl einmalig in der Bayern-Geschichte bleiben. Ein glänzender Abschluss einer Veranstaltung, die mit dem Flugchaos in Berlin begann. Die auch noch einen persönlichen Sieger brachte, nämlich Robert Lewandowski. Der Weltfußballer des Jahres wurde in jedem Spiel „Man of the Match“ und logisch auch als bester Spieler des Turniers gewählt (Dritter Kimmich).

Das sind die sechs Titel der Bayern: Deutscher Meister mit 82 Punkten (100:32 Tore). Pokalsieger (4:2 gegen Leverkusen). Champions League (1:0 gegen Paris St. Germain. UEFA-Supercup (2:1 n.V. gegen FC Sevilla). DFL-Supercup: 3:2 gegen Borussia Dortmund. Klub-WM (1:0 gegen Tigres UANL/Mexiko).

Fußball-Blase mit Schwächen

Der Fußball polarisiert, der Fußball sorgt für Diskussionen und jeder, der mit seinem Namen in den Medien erscheinen will, drängt sich vor, um den Profi-Fußball endlich mal so richtig die Leviten zu lesen. Dies ist jedenfalls der Eindruck, wenn man die Kommentare rund um die Probleme der Punktrunden in Corona-Zeiten liest und hört. Zur Klarstellung: Der Profi-Fußball ist ein Wirtschaftsunternehmen, das wie andere Unternehmen auch um sein Überleben kämpft. Es hängen auch tausende Arbeitsplätze dran. Der Profi-Fußball ist mit normalen Wirtschaftsunternehmen nicht zu vergleichen, weil er finanziell abhängig ist von Fernsehen und Sponsoren. nur wenn die zahlen, überlebt der Fußball. Geisterspiele ohne Fans (und Einnahmen) waren die Rettung. Dass der Profi-Fußball zum Teil den Boden der Vernunft verlassen hat, liegt auch daran, dass er so attraktiv ist, dass die Geldgeber mehr gezahlt haben, als der Fußball wert ist. Profiteure waren vor allem die Spieler und seit einigen Jahren vor allem auch ihre Berater.

Dies nur noch einmal zur Klarstellung, warum der Profi-Fußball in Corona-Zeiten vor allem mit ständigen Tests arbeitet und den Spielbetrieb mehr oder weniger in einer Blase abwickelt. Dabei gibt es natürlich eine Blasen-Schwäche, denn für den normalen Spielbetrieb kann man alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Betreuer, Funktionäre etc.) nicht wegsperren. Sie sind bei ihren Familien, bewegen sich im Alltag wie jeder Bürger, die Gefahr einer Infektion inbegriffen. Nur: Im Fußball wird laufend getestet, Infektionen werden frühzeitig erkannt. Da wird auch viel Geld für Sicherheit investiert.

Gibt es Turniere wie in Katar oder sind die Mannschaften unterwegs, dann können die Delegationen in einer Blase leben. Natürlich kann man hinterfragen, ob es sein muss, dass die Mannschaften in den nächsten Wochen in der Champions League und Europa League durch Europa fliegen, zum Teil auch, weil Corona-Verbote ein Spiel im eigenen Land unmöglich machen. Wenn der Fußball hier eine Sonderbehandlung ins Spiel bringt, ist der Aufschrei zunächst einmal groß. Das Nachdenken dazu fehlt allerdings bei den meisten. Denn die Mannschaften sind ja keine Touristen, die unterwegs sind, sondern abgeschottete Delegationen, die keinen Kontakt mit der Bevölkerung haben. Eine Sondergenehmigung müsste also möglich sein und würde verhindern, dass Vereine ihre Heimspiele in andere Länder verlegen müssen, wie der RB Leipzig, der gegen den FC Liverpool in Budapest antritt. In Ungarn ist Corona durchaus präsentiert, doch dort werden diese zusätzlichen Gastspiele als Werbung für das ganze Land gesehen. Könnten die Klubs aber zu Hause antreten, würden zusätzliche Flüge wegfallen. Das Virus kann man nie ganz ausschalten, doch der Fußball bemüht sich bestmöglich (bis auf Aussetzer einzelner Spieler).

Allerdings muss die UEFA schon überdenken, ob die Europameisterschaft im Sommer wie geplant in zwölf Ländern stattfinden muss. Hier wäre weniger mehr, nämlich vier Standorte würden auch genügen, wären ein Signal an die Kritiker und würden das Infektionsrisiko reduzieren. Hier sollten die Funktionäre der Realität ins Auge schauen und von der Europa-Rundreise absehen.