Olympia wird zur Blamage für die Bundesliga

von knospepeter

Schon gemerkt? Die Olympischen Sommerspiele in Tokio haben am Freitag offiziell begonnen. Die vielleicht ätzende Frage ist nicht unberechtigt, denn so richtiges Olympia-Feeling will in Deutschland nicht aufkommen, wird es wohl auch nicht, weil viele Entscheidungen durch den Zeitunterschied in der Nacht fallen. Aber Gesprächsstoff gab es schon genug, die ersten Medaillen für Deutschland (dreimal Bronze zum Zeitpunkt des Schreibens der Kolumne) wurden gefeiert. Die meisten Schlagzeilen machten – leider wie immer – vor allem die negativen Ereignisse. Im deutschen Team gab es den ersten Corona-Fall, der das erste Radrennen massiv beeinträchtigte, die Einmarschkleidung kam nicht gut an und sorgte für Kritik am Ausrüster adidas. Ein besonderes Problem hat die Fußball-Auswahl, der gehen nämlich die Spieler aus. Noch darf zwar von einem Medaillengewinn geträumt werden, doch das dürfte eher trügerisch sein. Das darf man den Hockey-Teams, den Handballern und Basketballern eher zutrauen. Aber durch die Begleitumstände wurde Olympia bereits jetzt zur Blamage für die Bundesliga.

Die Bundesliga legt eigentlich immer viel Wert auf eine gute Außendarstellung. In aller Welt will die DFL positiv auftreten, wirbt damit, dass die Bundesliga eine der stärksten Ligen der Welt sei. Olympische Spiele könnten den Werbewert steigern, aber jetzt geht der Schuss nach hinten los. Das begann bei der Kader-Nominierung, 100 Kandidaten hatte Bundestrainer Stefan Kuntz auf seiner Liste, gerade 18 sind nach Tokio geflogen, vier mehr hätten es sein dürfen. Jetzt kam es zu der peinlichen Situation, dass sich schon ein Torhüter umzog, um als Feldspieler einzugreifen. Es hätte vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste noch schlimmer kommen können durch Sperren und Verletzungen, dass nämlich der Trainer fast keine Ersatzspieler mehr auf der Bank gehabt hätte. Peinlich für den deutschen Profi-Fußball.

Die Spieler, die in Tokio sind, geben ihr Bestes und haben sich, wenn man die fehlende Vorbereitung beachtet, bisher gut aus der Affäre gezogen. Die Mannschaft kann nicht eingespielt sein, zeigt aber Moral und kämpft gegen das Schicksal an und will sich den Traum einer Medaille erfüllen. Der Kader wurde auch dadurch ausgedünnt, dass es bisher in jedem Spiel einen Platzverweis gab, beim 2:4 gegen Brasilien flog Kapitän Arnold vom Platz, beim 3:2-Sieg gegen Saudi-Arabien Abwehrmann Pieper, der nach einer starken Europameisterschaft der U21 ein schwaches Olympia-Turnier spielt. Jetzt aber geht es am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste um die Wurst. Die Afrikaner haben sich mit dem 0:0 gegen Brasilien nach dem 2:1 über die Saudis einen Vorteil verschafft, Deutschland muss unbedingt gewinnen. Hoffentlich reicht die Kraft bei dem Mini-Kader in großer Hitze, Kuntz kann nicht einmal das Wechselkontingent ganz ausschöpfen. Chaotische Zustände wie bei einer Bananen-Republik. Für eine nette Abwechslung sorgte Max Kruse. Der Union-Stürmer hielt via Fernsehen nach dem Spiel um die Hand seiner Freundin an. Sie sagte ja und das sollte Auftrieb geben!

In der Heimat galt die Aufmerksamkeit dem Start der 2. Fußball-Bundesliga in die neue Saison. Das Unterhaus startete ja auch quasi mit einer Erstliga-Partie mit Schalke 04 – Hamburger SV. Das Spiel hielt, was es versprach und schlug in den TV-Einschaltquoten auch Olympia. 2,92 Millionen sahen bei SAT1 die zweite Halbzeit, mit 2,88 Millionen waren es am Sonntag bei den Olympia-Fußballern und den Turnern weniger. Begeistert werden vor allem die HSV-Fans gewesen sein, ihre Mannschaft machte den Eindruck, als würde sie das Projekt Aufstieg mit aller Macht angehen. Aber: Ein Sieg macht noch keinen Aufstieg. So kann Schalke sich trösten, eine Niederlage bedeutet noch nicht den Abstieg. Auch am Samstag wurde bei der Premiere des Abendspiels bei Bremen – Hannover ordentlicher Fußball geboten. Für die Bremer war das 1:1 ein Fehlstart, zu viel ist da noch in der Schwebe, einige Spieler sollen oder wollen noch gehen. Da muss das Management für Klärung sorgen, professionell ist dieser Saisonstart nicht.

Die erste Bundesliga startet erst am 13. August, derzeit wird bei den Teams noch eifrig getestet, allerdings auch unter schlechten Bedingungen, denn viele Kader sind noch nicht vollzählig, die EM-Fahrer weilten noch im Urlaub. Bezeichnend für dieses Dilemma die Situation bei Meister Bayern, dort bekommt zwangsläufig der Nachwuchs eine Chance. Der neue Trainer Julian Nagelsmann ist nicht zu beneiden, beim 2:2 gegen Ajax Amsterdam war in den letzten 30 Minuten das Durchschnittsalter der Spieler auf dem Feld gerade mal 18 Jahre! Aber sie zeigten gute Ansätze, aber mal sehen, ob die Bayern mit dem Nachwuchskonzept durchhalten. Verteidiger Stanisic unterschrieb bereits einen Profi-Vertrag, die Außenstürmer Sieb und Scott gehören zum Profi-Kader. Dafür empfahl sich zuletzt auch das 18-jährige Talent Torben Rhein. Nicht empfehlen konnte sich Joshua Zirkzee, mit 20 fehlt ihm offensichtlich noch die Ernsthaftigkeit. Er spielte denTorhüter aus, lief aufreizend langsam auf das leere Tor zu – und von hinten stürzte Verteidiger Schuurs heran und klaute ihm noch den Ball. Trainer Nagelsmann tadelte nur leicht: „Daraus wird er lernen.“

Für Julian Nagelsmann brechen jetzt bessere Zeiten an, Gnabry ist schon da, Lewandowski, Goretzka, Süle, Pavard, Tolisso, Musiala, Coman und Sané gesellen sich ab Montag dazu und machen aus dem C- einen A-Kader, auch wenn Neuer, Kimmich, und Müller noch eine Woche Urlaub haben. Thomas Müller sorgte über die sozialen Medien für den Lacher der Woche. Er zeigte sich mit blauen Zehennägeln und kommentierte dies launig: „Ich muss wohl dringend zum Nagelsmann“! In den nächsten Testspielen am Mittwoch gegen Gladbach und am Samstag gegen Neapel werden die Urlauber noch fehlen, die Rückkehrer sich aber präsentieren.

Beim FC Bayern werden Pokale gefeiert auch wenn Pause ist. Weltfußball Robert Lewandowski wurde zum zweiten Mal hintereinander von den Journalisten unter Führung von der Fachzeitschrift kicker zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. Nach seinem neuen Torrekord mit 41 Treffern, mit dem er Gerd Müller ablöste, eine logische und deutliche Sache. Lewandowski siegte mit 356 Stimmen vor Thomas Müller (41), Erling Haaland (Dortmund/38) und Joshua Kimmich (25). „Trainer des Jahres“ wurde Thomas Tuchel, der Chelsia-Coach erhielt 129 Stimmen und siegte vor Hansi Flick (Bayern/118), Edin Terzic (Dortmund/75) und Bo Svensson (Mainz/74). „Fußballerin des Jahres“ wurde überraschend die Österreicherin Nicole Billa von der TSG Hoffenheim mit 61 Stimmen vor Lea Schüller von Meister München (57) und Almuth Schult (Wolfsburg/49), die zuletzt als TV-Expertin Sympathien gewonnen hatte.