Wintersport-Könige kämpfen um die Krone

von knospepeter

Früher waren vor allem alpine Skirennen und Skispringen die Quoten-Hits bei den deutschen Fernsehzuschauern, die Sportarten waren populär, die Protagonisten wurden zu Stars. In den letzten Jahren hatte ihnen allerdings Biathlon den Rang abgelaufen. Das Zusammenspiel von Rennen und Schießen lockte vor den Bildschirm, es war spannend und die Deutschen Läuferinnen und Läufer auch noch erfolgreich. Das ist der Mix, der ankommt. Doch es gibt immer ein Auf und Ab und beim Biathlon geht es jetzt offensichtlich abwärts. Die Wintersport-Könige kämpfen um ihre Krone und wenn am Wochenende in Östersund in Schweden der Weltcup- und Olympia-Winter beginnt, ist vorab von Siegen eigentlich kaum die Rede. Ob da die Zuschauer treu bleiben?

Was die Stars angeht, so hat die Sportart für die deutschen Fernsehfans doppelt Pech. Es haben nicht nur nationale Stars wie Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier bzw. aktuell bei den Herren Simon Schempp und Arnd Peiffer aufgehört, auch internationale beliebte Aushängeschilder wie einst Magdalena Forsberg (Schweden/die erfolgreichste Biathlin überhaupt), Ole Einar Björndalen (Norwegen) oder Martin Fourcade (Frankreich) fehlen zudem. Insofern ist es spannend vor der Saison, in welche Richtung Biathlon für die deutschen Zuschauer geht. Bernd Eisenbichler, Biathlon-Sportdirektor im Deutschen Ski-Verband ist sich allerdings sicher, „dass wir einige in der Mannschaft haben, die zur Weltspitze gehören und vorne mitlaufen können“. Die Hoffnungsträger sind Franziska Preuß und Denise Herrmann bei den Frauen sowie Benedikt Doll und Erik Lesser bei den Herren.

So ganz schlecht war die deutsche Mannschaft in der vergangenen Saison ja nicht. Bei Frauen und Männern belegte das DSV-Team in der Nationen-Wertung Rang drei, die Mädels hinter Norwegen und Schweden, die Männer hinter Norwegen und Frankreich. Damit wird schon deutlich, Norrwegen ist das Maß aller Dinge, vor allem bei den Männern. Da gilt es den überragenden Weltcupsieger Johannes Thingnes Bö zu schlagen, ihm am nächsten kommt das Talent aus dem eigenen Team, Sterla Holm Laegreid, aber unter den besten fünf im Weltcup waren mit Bö-Bruder Tarje und Johannes Dale insgesamt vier Norweger! Mittendrin als Dritter der Franzose Quentin Maillet Fillon, wie überhaupt die Norweger als Mannschaft wohl nur die Franzosen fürchten müssen. Da ist es bei den Frauen ausgeglichener. Im Vorjahr siegte Tiril Eckhoff (Norwegen) vor Landsmännin Marte Olsbu Röiseland und Franziska Preuß, aber auch die Nächstplatzierten Hanna Öberg (Schweden) und Dorothea Wierer (Italien) kommen für den Gesamtsieg in Frage. Und Deutschland? Da setzt Bernd Eisenbichler zum Beispiel bei Olympia auf die Staffeln: „Da wollen wir Medaillen gewinnen“. Mannschaftlich stark und ab und zu ein Podestplatz, das ist die Hoffnung für die neue Weltcupsaison.

Die deutschen Biathlon-Fans werden sich auch an neue Namen gewöhnen müssen. Bei den Frauen haben die Routiniers Maren Hammerschmidt (32), Franziska Hildebrand (34) und Karolin Horchler (35) nicht den Sprung ins Weltcupteam geschafft, sie müssen erst einmal im zweitklassigen IBU-Cup starten. Dort war im Vorjahr Vanessa Voigt Gesamtsieger und deshalb hat sie bei den ersten Rennen in Östersund ein persönliches Startrecht. Außerdem wurden Janina Hettich, Vanessa Hinz, Juliane Frühwirth und Anna Weidel neben Preuß und Herrmann nominiert. Insgesamt gilt in der deutschen Mannschaft, dass die Ausgewogenheit zwischen Laufen und Schießen fehlt. Die einen sind schnell in der Loipe, schießen aber schlecht und die, die gut treffen, die rennen dann hinterher. Die Trainer sollten wissen, wo sie ansetzen müssen.

Ähnlich ist es bei den Männern, wo eben Doll und Lesser die Leitwölfe sind. Es wird schon schwierig eine starke Staffel zu bilden, zu groß sind die Leistungsschwankungen der Leute dahinter. Philipp Nawrath, Roman Rees und Johannes Kühn müssen sich diesbezüglich steigern, die Talente Philipp Horn und Justus Strelow dürfen sich beweisen.

Insgesamt neun Weltcup-Stationen gibt es in diesem Winter, im Mittelpunkt stehen natürlich die Olympischen Winterspiele mit Rennen vom 5. bis 19. Februar in Peking. Für alle sind es unbekannte Strecken. Auch im Weltcup gibt es mit Otepää in Estland (im März) einen neuen Austragungsort. Nach Östersund heißt es vor Weihnachten auf nach Hochfilzen und Amecy-Le Grand, im neuen Jahr geht es in Deutschland weiter mit Oberhof und Ruhpolding, danach folgen Antholz und nach Peking Kontiolahti, Otepää und das Finale in Oslo. Angesichts der Corona-Pandemie ist noch nicht sicher, ob überall Zuschauer an der Strecken stehen können (in Östersund ist es der Fall, in Hochfilzen danach nicht), aber der internationale Verband ist zuversichtlich, dass der Terminplan im Gegensatz zum Vorjahr eingehalten werden kann, es sei denn, das Wetter macht dann plötzlich den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung und nicht Corona. Allerdings können Infektionen und Quarantäne das Feld durcheinander wirbeln. Angeblich sind aber etwa 80 Prozent der Biathletinnen und Biathleten geimpft.

Nicht nur sportlich gibt es also Unwägbarkeiten. Aber Hoffnung gibt es, so wie bei Denise Herrmann, die ankündigt, „ich werde es erst mal langsam angehen lassen, um bei Olympia in Bestform zu sein.“ Da drücken die deutschen Fans bestimmt die Daumen.