Rekord-Meister Bayern darf der Konkurrenz danken

von knospepeter

Die Zeit scheint still zu stehen, in der Fußball-Bundesliga gibt es am Saisonende immer die gleiche Ehrung: Und Meister ist wieder der FC Bayern München. Diesmal nach dem 3:1 gegen Dortmund drei Runden vor Schluss. Die Konkurrenz hadert, versteckt mangelnde Leistungsstärke hinter den Argumenten, die Münchner hätten halt mehr Geld und im Zweifelsfalle würden die Schiedsrichter für die Bayern pfeifen. Was soll man da machen! Vielleicht sollten sich die Möchtegernkonkurrenten wie Dortmund, Leipzig und Leverkusen ein Beispiel an anderen Vereinen nehmen, Freiburg und Union Berlin eventuell, die mit wenig Mitteln viel erreicht haben. So sind die Bayern also nicht überraschend Rekord-Meister geworden, zehn Titel in Folge, was noch keine Mannschaft in den Spitzenligen Europas geschafft hat. Es ist die 32. Meisterschaft, davon 31 in der Bundesliga, die gesamte Konkurrenz kommt in dieser Zeit nur auf 28 Titel! Bayern darf der Konkurrenz danken.

In vielen Würdigungen wird gern darauf verwiesen, was alles vor zehn Jahren war, um die großen Zeitspanne und sonstige Veränderungen in unserem Leben zu verdeutlichen. Einprägsam vor allem die Tatsache, das zehnjährige Kinder keinen anderen Fußball-Meister als den FC Bayern München kennen. Werden sie einmal sagen, „was, die Bayern nicht Meister, darf das überhaupt sein?“ Ist es vielleicht 2023 so weit? Da müsste sich die Konkurrenz aufraffen, wie die Bayern unter Uli Hoeneß im Jahr 2012. Damals im Mai ging das „Finale dahoam“ in der Champions League im Elfmeterschießen gegen Chelsea London verloren, demütigte Dortmund die Bayern mit einem 5:2 im Pokalfinale und holte sich damit als Meister das Double. Die Münchner gingen leer aus. Hoeneß war klar: Das darf es nicht mehr geben.

Die Bayern investierten in die Mannschaft, hatten Glück mit ihren Verpflichtungen und starteten einen nicht für möglich gehaltenen Siegeszug. Dortmund muss sich heute grämen, war es doch damals auf Augenhöhe, konnte aber das Münchner Triple 2013 nicht verhindern, verlor das deutsche Finale in der Champions League. Danach trennten sich die Wege eklatant. Bei den zehn Münchner Meisterschaften in Folge war Dortmund sechsmal Zweiter, 2013 sogar mit 25 Punkten Rückstand! Am knappsten war es noch 2019 als die Bayern mit gerade zwei Zählern Vorsprung ins Ziel gingen, unter Trainer Niko Kovac musste ausgerechnet gegen seinen alten Verein Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag gewonnen werden, was mit 5:1 deutlich klappte. Ansonsten wurde nie gezittert, der Vorsprung, auch vor den sonstigen Vizemeistern Leipzig (2x), Schalke und Wolfsburg, war immer zweistellig, zwischen 10 und 21 Punkten. Die Meistertrainer der Bayern waren in den zehn Jahren Pep Guardiola (3), Hansi Flick, Jupp Heynckes (je 2), Carlo Ancelotti, Niko Kovac und jetzt Julian Nagelsmann (je 1), mit 34 Jahren der zweitjüngste Meistertrainer nach Matthias Sammer (ebenfalls 34) in der Bundesliga. Bei allen zehn Meisterschaften waren als Spieler nur Manuel Neuer und Thomas Müller dabei, letzterer feiert sogar seinen elften Titel und ist damit alleiniger Rekordmann.

Einen Blick in die Bayern-Zukunft hat der Sport-Grantler schon geworfen (siehe auch die nächste Kolumne („Top-Duell der Enttäuschten – die Helden sind andere“), aber eins ist klar: Die Konkurrenz muss vernünftig planen, um die Bayern zu stoppen. Die Zeit scheint günstig wie nie, weil die Bayern wieder einmal vor einem Umbruch stehen, es geht um Vertragsverlängerungen und Verstärkungen. Dortmund könnte ein Zeichen setzen mit den Verpflichtungen von Süle (dessen Abgang den Bayern weh tut), Schlotterbeck und Adeyemi, die beide auch dem Meister gut zu Gesicht stehen würden. Die Bayern feierten den Rekord-Titel nur mit gebremstem Spaß, weil das Ausscheiden in der CL gegen Villarreal weiter schmerzt und auch im Pokal früh Schluss war. Die Meisterschaft wird immer als ehrlichster Titel gelobt, doch dies allein ist den Bayern zu wenig. Man kann sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was in München los ist, wenn sich 2012 wiederholt – ein Jahr ohne Titel!

Langeweile an der Spitze also wie fast immer, dahinter bleibt es spannend, Europa sei dank. Union war der Sieger des Tages, revanchierte sich in der Bundesliga mit einem 2:1 in Leipzig für das Aus im DFB-Pokal. Erster Verfolger bleibt Freiburg, das sich über das 3:3 gegen Gladbach ärgerte und nun bei Hoffenheim gefordert ist. Auch danach gibt es mit Union und Leverkusen nur Konkurrenten als Gegner – Freiburg hat es selbst in der Hand, die Sensation Champions League zu schaffen! Es wäre eine Krönung einer tollen Saison mit dem Einzug ins neue Stadion und dem Sprung ins Pokalfinale nach dem mühelosen 3:1-Sieg in Hamburg.

Im Abstiegskampf ist die erste Entscheidung gefallen, Trainen flossen, Neuling Greuther Fürth muss wie 2013 sofort wieder runter in die Zweitklassigkeit. Damals gab es nicht einmal einen Heimsieg, diesmal immerhin drei, aber die Hinrunde (5 Punkte) war derart schwach, dass nichts mehr zu reparieren war. Immerhin 17 Zähler sind es bis jetzt geworden, fehlen noch vier bis zur Bilanz 2013. Erstaunlich, Trainer Stefan Leitl kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen, Fürth will an ihm festhalten, aber auch Schalke, Hertha und Hannover sollen Interesse zeigen. Leitl muss sich noch diese Woche entscheiden.

Aber wer muss noch runter? Bielefeld hat nach dem 1:3 in Köln schlechte Karten, da brachte auch die Entlassung von Trainer Frank Kramer nichts. Gegen Hertha gibt es jetzt ein „Endspiel“. Die Berliner sind unter Felix Magath im Aufwind, haben Mannschafts- und Kampfgeist wieder entdeckt, aber es bleiben zudem die Hürden Mainz und Dortmund. Bielefeld hat es aber in Bochum und gegen Leipzig nicht leichter. Auf dem Relegationsplatz der VfB Stuttgart, bei dem es nach der Niederlage in Berlin Ärger gab. Fast gerettet ist der FC Augsburg, der zumindest nicht mehr direkt absteigen kann. Die bayerischen Schwaben bleiben eine Wundertüte, beim 2:0 in Bochum gelangen alle vorher ausgeheckten Pläne von Trainer Markus Weinzierl. Die 35 Punkte könnten reichen, zumal die Konkurrenz kaum groß punkten wird. Den Klassenerhalt feiern darf sogar der VfL Wolfsburg, der eine Gala-Halbzeit beim 5:0 gegen Mainz hinlegte. Max Kruse beeindruckte mit drei Treffern, die Winterverpflichtungen haben sich gelohnt. Da also wurden die Fehler vor der Saison wieder ausgebügelt.

Europa League als deutsche Liga

Wer hätte das gedacht, ausgerechnet die Europa League, in der die Bundesligisten zuletzt immer enttäuschten, wurde zur deutschen Liga. Mit Leipzig und Frankfurt stehen gleich zwei BL-Klubs im Halbfinale, sie dürfen sogar von einem deutschen Finale träumen. RB gilt gegen die Glasgow Ranger sogar als Favorit, will wie im DFB-Pokal ins Finale, Frankfurt muss gegen West Ham United aus der Premier League wieder über sich hinaus wachsen. Aber wer Barcelona schlägt…

In der Champions League schaut die Bundesliga zu, bei den Bayern wird wie gesagt dadurch die Meisterfreude getrübt. Nun heißt es für Jürgen Klopp und den FC Liverpool gegen den FC Villarreal aufzupassen, das große Duell gibt es aber zwischen Manchester City mit Pep Guardiola und Real Madrid mit Carlo Ancelotti, zwei ehemalige Bayern-Meistertrainer. England und Spanien, die beiden Top-Ligen sind also unter sich.

Apropos Champions League, bei den Frauen landete der VfL Wolfsburg wieder auf dem Boden der Tatsachen, war in Barcelona ohne Chance. Trotz des 1:5 war es aber dennoch ein Erlebnis, 91.648 Zuschauer im ausverkauften Camp Nou sorgten dafür. Ein Highlight im Frauen-Fußball. Da müssen sich jetzt die Fans in Wolfsburg anstrengen, um beim Rückspiel am Samstag (18.00 Uhr) wenigstens ein bisschen spanische Stimmung in der VW-Arena zu produzieren. Im Sport gibt es ja auch immer wieder Wunder!

Kein Wunder ist, das Paris St. Germain (jetzt sind wir wieder bei den Männern) in Frankreich wieder Meister wurde, zum 10. Mal, aber nicht wie die Bayern in Folge. Aber die Meisterschaft ist wie für die Münchner nur ein Trostpreis, immerhin darf Lionel Messi behaupten, er habe Paris zum Titel geführt, aber eigentlich hat er die Hauptrolle nur in den Medien gespielt, auf dem Platz eher eine Nebenrolle. Bezeichnend, dass die Pariser Fans den Titelgewinn nicht feierten, sondern beleidigt das Stadion vorzeitig verließen. Sie protestieren gegen die Vereinsführung und den Geldgeber Katar. Was ist los, wenn Meisterschaften nicht einmal mehr gefeiert werden!