Glücksmomente in der Bundesliga und der Eklat der Woche

von knospepeter

Natürlich waren am vergangenen Wochenende in der Fußball-Bundesliga nicht alle glücklich, aber es gab besondere Glücksmomente. An erster Stelle ist vielleicht Holstein Kiel zu nennen. Der Aufsteiger schaffte mit dem 1:0 gegen Heidenheim seinen ersten Bundesliga-Sieg und das ausgerechnet gegen jene Mannschaft, die im Vorjahr die große Überraschung im Oberhaus war. Patrick Erras geht mit seinem goldenen Tor in der 28. Minute in die Geschichtsbücher ein. So nebenbei: Jetzt konnte jedes Bundesland einen Bundesliga-Sieg feiern!

Einen besonderen Sieg erlebte auch Borussia Dortmund, das 2:1 gegen RB Leipzig war ein Schritt aus der Krise. Zuletzt hagelte es Tiefschläge, fünf Tore in Madrid nach einer 2:0-Führung kassiert, 1:2 in Augsburg verloren, mit 13 Punkten in acht Spielen der schlechteste Saisonstart seit zehn Jahren. Dann folgte das 0:1 nach Verlängerung in Wolfsburg und damit das Aus im Pokal, die wohl größte Titelchance war kaputt. Trainer Nuri Sahin war der Verzweiflung nahe, die Vereinsbosse ratlos, sollte doch der neue Trainer den Verein in eine hoffnungsvolle Zukunft führen. Eine Häufung von Verletzungen führte zudem dazu, dass die Borussia quasi mit ihrem letzten Aufgebot antrat, mit Malen saß nur noch ein einziger gestandener Profi auf der Bank. Doch wie es so ist, in der Not rückt man zusammen, Dortmund kämpfte, wehrte sich und bewies wieder einmal sein Talent zum Überraschungsei – man weiß nie, was rauskommt. Die Hoffnung ist zurück, doch die Ungewissheit bleibt. Die Verletzungsmisere dauert an, am Dienstag gilt es gegen Österreichs Tabellenführer Sturm Graz in der Champions League (dort sind die Grazer noch sieglos) und am Samstag geht es zu den unbequemen Mainzern. Nur Siege können die Krise endgültig beenden.

„Krise? Welche Krise?“, heißt es jetzt bei Mönchengladbach. Das 4:1 gegen die bis dahin auswärts noch ungeschlagenen Bremer war ein Befreiungsschlag, verbunden mit einem Sprung ins Mittelfeld, vorbei an Werder. Trainer Gerardo Seoane wird auch wieder ruhiger schlafen, die Partie wurde als „Endspiel“ für ihn ausgerufen. Verlassen durfte er sich vor allem auf Nationalspieler Tim Kleindienst, der an allen Toren beteiligt war und sich immer mehr zur Führungsfigur bei der Borussia aufschwingt. Glücksmomente erlebt derzeit auch die Frankfurter Eintracht, sieben Tore (gegen Bochum) muss man erst mal schießen, nicht nur die Torjäger Omar Marmoush und Hugo Ekitiké haben einen Lauf. Glücksmomente aber auch für Torhüter Alexander Nübel, der seinen VfB Stuttgart mit starken Paraden das 0:0 in Leverkusen rettete und damit Ansprüche bei Bundestrainer Julian Nagelsmann anmeldete, der am Donnerstag das Aufgebot für die nächsten Länderspiele benennen wird. So eine Leistung hat der bisher solide Nübel schon lange gebraucht, um deutlich zu machen, dass er sehr wohl als Neuer-Nachfolger bei den Bayern, wo er unter Vertrag steht, in Frage kommt. Einen Glücksmoment erlebte auch seine Torhüter-Kollegin Ann-Kathrin Berger, die zur „Spielerin des Jahres“ gewählt wurde. Eine seltene Ehrung für Torhüter oder Torhüterinnen.

Von Glücksmomenten träumen sie nur in Bochum, die Saison ist verkorkst, die Freude über den sensationellen Klassenerhalt in der Relegation im Frühjahr ist verraucht. Mit gerade mal einem Pünktchen ist der VfL Schlusslicht, hat aber zwei Trainer verschlissen, das 2:7 in Frankfurt war ein Offenbarungseid. Als Retter verpflichtet wurde nun der erfahrene Dieter Hecking, der 60-Jährige hat schon Nürnberg und Gladbach vor dem Abstieg gerettet. Aller Anfang ist aber schwer, die nächsten Gegner heißen Leverkusen und Stuttgart, ob da eine Aufstockung des Punktekontos möglich ist? Krisenstimmung auch in Wolfsburg, vom Ziel europäischer Wettbewerb muss man Abschied nehmen, der Platz im Tabellenkeller hellt die Stimmung im von der VW-Krise gebeutelten Wolfsburg nicht auf. Glücksmomente gibt es nur im Pokal, Dortmund ausgeschaltet, gegen Hoffenheim wieder ein Heimspiel, da ist man wenigstens noch im Geschäft.

In München scheint das Glück ständiger Begleiter zu sein. In der vergangenen Saison machte sich die Freude zwar rar, aber daran wollen die Bayern gar nicht mehr denken. Sie genießen die neue Erfolgswelle, drei Siege ohne Gegentreffer, das gab es zuletzt vor vier Jahren. Und es läuft, Musiala war der Held im Pokal, Harry Kane präsentiert sich in Bestform, mit jetzt 19 Skorerpunkten in neun Spielen stellte er einen neuen Rekord auf. Kane hat zwei Punkte mehr als im Vorjahr zur gleichen Zeit und einen mehr als Robert Lewandowski 2020/21.

Heikle Aufgaben in der CL

Auf Glücksmomente hoffen die Bundesligisten auch in Europa, vor allem in der Champions League. Da steht der vierte Spieltag an, ist dann also Halbzeit und da sollte die Tendenz stimmen. Gar nicht zufrieden sind bisher die Bayern, die zwar beim Start gegen Zagreb 9:2 auftrumpften, dann aber zwei Niederlagen gegen Aston Villa (0:1) und Barcelona (1:4) hinnehmen mussten. Jetzt helfen auf Platz 23 nur Siege weiter, wenn man Achter werden will und die Play-Offs vermeiden. Benfica Lissabon am Mittwoch ist nach derzeitigem Tabellenstand (13., Paris nur 19.) der stärkste Gegner vom Restprogramm, doch gerade gegen die Portugiesen haben die Bayern die beste Bilanz: Bei den bisherigen zwölf Vergleichen gab es keine Niederlage, sondern neun Siege bei drei Unentschieden und alle sechs Spiele zu Hause gewannen die Bayern. Da sollte Nummer 7 folgen. Schwerer haben es wohl Bayer Leverkusen (6.) beim noch ungeschlagenen FC Liverpool (2.) und der VfB Stuttgart ((18.) gegen Atalanta Bergamo (17.) , das derzeit in Italien auftrumpft. RB Leipzig 31.) muss zu Celtic Glasgow (20.), auch das wird nicht leicht, um den ersten Sieg nach drei Niederlagen einzufahren.

In der Europa League mischt Eintracht Frankfurt (6.) gut mit, da könnte gegen Slavia Prag (16.) der nächste Schritt Richtung Achtelfinale folgen. Die TSG Hoffenheim (18.) hat es da gegen Frankreichs Spitzenklub Olympique Lyon (10.) schon schwerer. Der 1. FC Heidenheim fühlt sich in der Conference League wohl (9.), ist noch ungeschlagen, die Schotten von Heart of Midlothian (6. ebenfalls noch ungeschlagen) stellen die wohl bisher höchste Hürde dar.

Schlagerspiele im Pokal

Was für eine Auslosung für das Achtelfinale im DFB-Pokal! Die derzeit ersten vier der Bundesliga-Tabelle stehen sich direkt gegenüber, damit werden also gleich zwei Favoriten auf der Strecke bleiben und die Außenseiter können Hoffnung schöpfen. Ob der durch seine EM-Auftritte bekannt gewordene Saxophonist Andre Schnura ein glückliches Händchen hatte? Bei Bayern München im Duell mit Bayer Leverkusen und RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt freut man sich über den Heimvorteil. Den hat auch der VfL Wolfsburg im dritten Bundesliga-Duell mit der TSG Hoffenheim. Der einzig verbliebene Drittligist Arminia Bielefeld wird mit dem Gastspiel vom SC Freiburg belohnt. Außerdem spielen am 3./4. Dezember Werder Bremen – Darmstadt 98, Karlsruher SC – FC Augsburg, Jahn Regensburg – VfB Stuttgart und 1. FC Köln – Hertha BSC Berlin.

Ab dem Achtelfinale kommt auch der VAR im Pokal zum Einsatz. Wie oft war er in letzter Zeit kritisiert worden, aber im Pokal hatten einige Sehnsucht nach dem VAR, selbst ein Schiedsrichter wäre froh gewesen, wenn ihm der VAR geholfen hätte. So hätte Stuttgart mit VAR nie einen Elfmeter gegen sich bekommen, dafür hätten Kiel und Dortmund einen Strafstoß erhalten und Musiala hätte keinen Hattrick erzielt, weil er einmal (deutlich) im Abseits stand. Dafür hätte wohl Kohr bei einem Foul gegen ihn Rot kassiert und auch Dortmunds Nmecha wäre eventuell mit Rot vom Platz marschiert. Der VAR bleibt sicher weiter umstritten, aber wehe man hat ihn nicht… In den ersten Pokalrunden verzichtet der DFB aus technischen und finanziellen Gründen auf den Einsatz, weil viele Amateurvereine beteiligt sind.

Erbärmliche Königliche

Blamiert hat sich in dieser Woche Real Madrid. Für die Wahl vom „Ballon D’Or“ in Paris sagten die Königlichen kurzfristig für ihre 50-köpfige Delegation ab, weil bei ihnen durchsickerte, dass ihr Spieler Vinicius Junior nicht gewinnen würde. Eine erbärmliche und unsportliche Entscheidung der Königlichen, die damit zeigen, dass bei ihnen nur das Geld zählt und ihr Ruhm. Ist der zweite Platz nichts wert? Real muss sich auch sagen lassen, dass der Spanier Rodri eine würdige Wahl ist und es sich verdient hat. Er führte Spanien zum EM-Titel und Manchester City zur Meisterschaft, war in beiden Teams die Seele des Spiels. Vinicius Jr. fiel nicht nur durch Tore auf, sondern auch durch Schwalben und Meckereien. Real Madrid wurde aber Mannschaft des Jahres und Carlo Ancelotti Trainer des Jahres. Das hätte genug Anreiz für den Flug nach Paris sein sollen. Altana Bonmati vom FC Barcelona wurde übrigens Spielerin des Jahres und Harry Kane erhielt die „Gerd Müller Trophäe“ als bester Torjäger, überreicht von Karl-Heinz Rummenigge.