Die Fußall-Bundesliga im Milliarden-Rausch

von knospepeter

Wie oft hören wir die Klagen, dass es im Profi-Fußball nur um das Geld gehe und nicht um den Sport. Diese negativen Stimmen könnten sich in den letzten Tagen bestätigt fühlen, denn die Fußball-Bundesliga befand sich sprichwörtlich im Milliarden-Rausch. Stolz präsentierte die DFL die Zahlen vom neuen Fernsehvertrag, der nicht wie erwartet einen Rückgang brachte, wie ihn andere Top-Ligen in Europa hinnehmen mussten, sondern sogar eine leichte Steigerung: 4,484 Milliarden Euro für vier Jahre von 2025/26 bis 2028/29, immerhin 84 Millionen Euro mehr pro Jahr. Am Sonntag zog Bayern München bei der Jahreshauptversammlung mit einer Milliarden-Meldung nach: Erstmals übertraf ein Bundesligist beim Jahresumsatz die Milliarden-Marke!

Trotz aller Erfolgsmeldungen gibt es nicht nur Sonnenschein. In der DFL steht nämlich ein Streit um die Verteilung der Milliarden bevor. Die Kritiker dürfen sich bestätigt sehen, denn einerseits wollen die sportlich erfolgreichen Vereine den größten Batzen abbekommen, andererseits bringen sich die Traditionsklubs ins Millionenspiel und verweisen darauf, dass sie mit ihrem großen Namen für beste Werbung sorgen würden. Dumm nur, dass Schalke, der HSV oder Nürnberg nur zweitklassig sind. Auch das Fanaufkommen soll berücksichtigt werden. Gladbachs Sportchef Roland Virkus bringt es auf den Punkt: „Natürlich muss das alles bewertet werden, aber in einem vernünftigen Verhältnis. Misswirtschaft darf nicht belohnt werden, sondern die Leistung.“ Bisher werden 50 Prozent der TV-Einnahmen an alle zu gleichen Teilen ausgeschüttet, 43 Prozent nach sportlicher Leistung, vier Prozent für den Nachwuchs und drei in Sachen Interesse. Eine Kommission soll nun alle Wünsche unter einen Hut bringen, aber beim Geld geht der Streit los.

Bei den Bayern wurde bei der Hauptversammlung nicht gestritten, sondern gejubelt. Vergessen waren die titellose Saison oder das Aus im Pokal gegen Leverkusen nicht, sondern dies wurde abgehakt und der finanzielle Erfolg gefeiert. Die magische Grenze von einer Milliarde Euro Umsatz wurde geknackt, der Klub-Umsatz (mit allen Abteilungen) stieg von 882 Millionen im Vorjahr auf 1,017 Milliarden – unerreicht in der Bundesliga. Als Überschuss blieben 43,1 Millionen, das Eigenkapital stieg auf 571 Millionen Euro. Erfolgszahlen. Doch Geld ist nicht alles, gefeiert wurde besonders der verstorbene Franz Beckenbauer, dessen Trikotnummer 5 nie mehr vergeben wird. Ab dem neuen Jahr hat die Allianz Arena passend die Anschrift „Franz-Beckenbauer-Platz 5“. Aber auch sportlich soll es künftig wieder Erfolgsmeldungen geben. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen kündigte eine neue Titelsammlung an, „nach der Serie ist vor der Serie“ und auch den Sieg in der Champions League mit dem Finale in der eigenen Arena im Visier: „Wir sprechen nicht vom Finale dahoam, sondern vom Titel dahoam“. Für Ruhe im Verein sollen auch Vertragsverlängerungen sorgen, Dreesen zeigte sich zuversichtlich, dass Musiala, Kimmich und Davies noch länger das Bayern-Trikot tragen. Nach den guten Zahlen werden die Profis betonen, „ihr könnt Du gut zahlen“. Da schmälert der Gewinn die gute Ausgangsposition für den Verein.

Auch sportlich hatten die Bayern ein glückliches Wochenende nach dem Schock im Pokal und der ersten Roten Karten von Manuel Neuer in seiner Karriere. Beim 4:2 über Heidenheim gab es zwar nicht nur den Glanz von zwei Musiala-Toren, sondern auch bittere Verletzungen von Coman und Davies, die wohl in diesem Jahr nicht mehr spielen werden. Da Frankfurt gegen Augsburg beim 2:2 patzte, vergrößerte sich der Vorsprung auf sechs Punkte. Leverkusen, sieben Punkte zurück, wird der größte Konkurrent bleiben und hat seine Vorjahresform gefunden. Bei Borussia Dortmund bleibt dagegen die Auswärtsschwäche bestehen, mit dem 1:1 in Gladbach wieder kein Sieg, die schlechteste Auswärtsbilanz seit 33 Jahren ist perfekt.

Es wurde in der Bundesliga aber auch ein 33 Jahre alter Rekord eingestellt: Erstmals seit 1990/91 gab es wieder drei Joker-Torschützen mit je zwei Treffern. Nick Woltemade, Jamal Musiala und Jonas Wind schafften dieses besondere Joker-Erlebnis, vor 33 Jahren waren es Stefan Kohn für Bochum, Lothar Sippel für Frankfurt und Martin Driller für Dortmund. Seltsam zudem, dass gleich drei ehemalige und aktuelle Nationaltorhüter mit Fehlern m Blickpunkt standen, Manuel Neuer, Alexander Nübel, und Kevin Trapp patzten alle mehr oder weniger folgenschwer.

Im Blickpunkt stand zudem ein Ex-Dortmunder: Was Marco Reus mit den Borussen in Gladbach und Dortmund in 15 Jahren nicht schaffte, holte er jetzt in den USA nach. Mit den Los Angeles Galaxy gewann er mit einem 2:1 gegen New York Red Bull die MLS-Meisterschaft und erfüllte sich damit den lang ersehnten Titeltraum. Trotz Verletzung spielte er einige Finalminuten. Galaxy ist mit sechs Titeln Rekordmeister, hat also Reus einiges voraus.

Der Schlusss-Spurt steht an

In der Bundesliga stehen noch zwei Spieltage an, wer international beschäftigt ist, hat noch drei bzw. Heidenheim mit der Conference League noch vier Spiele vor sich. Dabei stöhnen schon alle Spitzenklubs über die Belastung. „Reisen, spielen, regenerieren, zu mehr kommen wir nicht“, klagte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß. Training kommt nicht vor, dafür zahllose Ausfälle von den Bayern (das Personal wird knapp) über Leverkusen (ohne Torjäger) bis zum VfB. Dabei stehen vor allem in Europa noch wichtige Spiele an, es geht schließlich ums Weiterkommen. Die letzten Spieltage werden allerdings erst im Januar absolviert.

Vor allem Leipzig kämpft ums Weiterkommen in der Champions League, wo es bisher nur fünf Niederlagen gab. Es ist also „fünf vor zwölf“, gegen Aston Villa (Dienstag), Sporting Lissabon und in Graz helfen nur Siege, was aber selbst für die wiederbelebten Rose-Schützlinge schwer werden wird. Besser steht Stuttgart da, hat gegen die Young Boys Bern wohl auch eine leichtere Aufgabe. Die Bayern haben ihr Auswärtsspiel gegen Donezk in Gelsenkirchen und wollen den Sprung in die Zone der besten Teams schaffen. Ihren Platz unter den ersten Acht müssen Dortmund gegen Barcelona (derzeit mit Hansi Flick etwas in der Krise) und Leverkusen gegen Inter Mailand verteidigen. In der Europa League hat Frankfurt in Lyon die schwere Aufgabe als Hoffenheim gegen Bukarest. Eine Sonderaufgabe gibt es für Heidenheim, das am Donnerstag bei Basaksehir Istanbul antritt und am 19. Dezember auf St. Gallen trifft. Jede Liga bekam von der UEFA einen eigenen Spieltag, die Conference League muss dafür eine Woche vor Weihnachten ran. Ein besonderes Geschenk!

Neues Bild bei den Frauen

Die Frauen-Nationalmannschaft beendete ihre Saison mit einer vermeidbaren 1:2-Niederlage gegen Italien, zwei dumme Fehler waren dafür verantwortlich. Insgesamt zog Bundestrainer Christian Wück aber ein positives Fazit, viele junge Talente hat er bereits herangeführt. Das Jahr 2024 war insgesamt erfolgreich mit Bronze bei Olympia in Paris und der Qualifikation für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz. Die Siegquote in den 18 Spielen lag bei 0,61 Prozent und damit höher (0,5) als vor einem Jahr. In allen 18 Spielen war Klara Bühl dabei, die mit 16 Skorerpunkten auch erfolgreichste Spielerin war. Nach den Rücktritten einiger verdienter Spielerinnen ergab sich beim Team fast ein neues Bild, Wück ist vor der Zukunft nicht bange.

Auch die Bundesliga bietet bei Halbzeit ein neues Bild, denn in diesem Jahr gibt es keinen Alleingang, ganz im Gegenteil die über Jahre dominierenden VfL Wolfsburg und Bayern München werden von Eintracht Frankfurt und überraschend Bayer Leverkusen herausgefordert. Wolfsburg erlebte die neue Stärke der Konkurrenz mit einer 0:1-Niederlage in Leverkusen und verlor die Tabellenführung vorerst an München (2:0 in Essen). Halbzeitmeister könnte noch Frankfurt werden, das mit einem Sieg gegen Leipzig zu den Bayern aufschließen kann und die bessere Tordifferenz hat.

Die Bayern-Mädchen und die Wölfinnen sind in dieser Woche auch in der Champions League gefordert. Die Bayern (Donnerstag gegen Juventus Turin) haben den Einzug ins Achtelfinale sicher, Wolfsburg muss am Mittwoch gegen AS Rom unbedingt gewinnen, um den Sprung zu schaffen. Es ist nach der Niederlage in Rom quasi ein Endspiel. Die letzten Spiele werden in einer Woche ausgetragen.