Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn
von knospepeter
Olympische Spiele sind nach wie vor eine Einmaligkeit und in früheren Zeiten drängten sich Nationen und Städte danach, die Spitzensportler der Welt beherbergen zu können und selbst im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Der Glanz ist inzwischen ein wenig verblasst, weil einerseits der Sport an Reputation (Thema Doping) verloren hat, andererseits das ehrwürdige Internationale Olympische Komitee inzwischen den Ruf als geldgierige Institution hat. „Olympia? Ist doch heute nur ein Geschäft für das IOC, das sich bereichern will“, winken die Kritiker ab. Stimmen der Kritik werden heutzutage immer am ehesten gehört, aber trotz aller Diskussionen steht fest: Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn.
Deshalb wird auch in Deutschland seit Jahren darüber diskutiert, endlich wieder einmal Olympische Spiele zu organisieren. Deutschland war zuletzt 1972 Gastgeber, als die Sommerspiele in München ein echtes Volksfest waren. Die Stadtväter sind sich heute noch sicher, dass die Bayerische Landeshauptstadt ohne Olympia nicht dieses hohe Ansehen genießen würde. Mehrere Anläufe hat es gegeben, aber in Hamburg, Berlin und Leipzig scheiterten die Pläne für Sommerspiele ebenso wie in München die für Winterspiele. Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen, der Deutsche Olympische Sportbund hatte interessierte Städte aufgefordert, ihre Konzepte einzureichen und vier Städte bzw. Regionen bewerben sich. Los Angeles ist 2028, Gastgeber, Brisbane in Australien 2032 und für 2036, 2040 oder 2044 will sich der DOSB bewerben. Interesse haben München, Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet mit Düsseldorf als Mittelpunkt. Bis zum 31. Mai mussten die Unterlagen eingereicht werden, im Herbst 2026 soll eine bunt gemischte Jury mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik entscheiden.
Wer hat die beste Bewerbung abgegeben? Was bisher bekannt ist, darf sich München in der Pole Position fühlen. München setzt auf zwei Aspekte: Nachhaltigkeit, die meisten Sportstätten sind schon da, und die internationale Beliebtheit von Bayern und München (siehe Oktoberfest). Das Olympiastadion, inzwischen ein Denkmal, könnte wieder das Gesicht der Spiele werden. Ohne Neubauten geht es nirgends, für die Unterbringung müssen Olympisches Dorf und Pressestadt immer neu gebaut werden, doch Kritikern sei gesagt, das ist willkommen, es fehlen doch Wohnungen. Beide „Dörfer“ haben auch 1972 München geholfen.
Berlin hat den Vorteil der Hauptstadt, wirbt mit geschichtsträchtigen Bauten und will Ähnliches schaffen wie Paris vor einem Jahr, das mit den Spielen in der ganzen Stadt einen Volltreffer landete und viel für sein Ansehen und das von Frankreich getan hat. Nach ähnlichem Konzept will Berlin vorgehen, zum Beispiel mit Beachvolleyball vor dem Brandenburger Tor. Aber Berlin will auch die Region einbeziehen, nämlich Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und sogar Leipzig. Skeptiker allerdings sagen, „Berlin, siehe Flughafen, hat doch zuletzt nichts zu Wege gebracht.“
Hamburg kann auch mit Weltoffenheit werben, der Hafen gilt schließlich als „Tor zur Welt“. Die Hansestadt hat allerdings den Nachteil, dass viele Neubauten fällig werden, einige sollen temporär errichtet werden. Glanzstück soll ein neues Olympiastadion werden. Doch das ist eigentlich ein Schwachpunkt, denn der Fußball liebt zum Beispiel kein Stadion mit Laufbahn. Hamburg muss auch mit dem Handicap leben, dass die Bevölkerung schon einmal eine Bewerbung abgelehnt hat.
Es klingt reizvoll, ist aber eigentlich ein Nachteil: An Rhein und Ruhr sollen die Olympischen Spiele ihre Heimat finden. Die Region macht schon mehrere Jahre für sich Werbung und zeigt sich immer wieder an Olympia besonders interessiert. Doch es gibt Olympia-Städte und keine Region, wo soll das Herz der Spiele schlagen? Düsseldorf wird deshalb in den Vordergrund geschoben, doch selbst im Konzept findet sich angeblich noch kein fester Standort für das Olympiastadion. Eine Bewerbung, die also keine wesentlichen Vorteile bieten kann und Spiele der kurzen Wege schon gar nicht.
Eine große Hürde gibt es für alle Bewerber: Das IOC will wissen, ob auch die Bevölkerung hinter der Bewerbung steht, deshalb soll es in allen Städten eine Volksbefragung geben. Hamburg hat da schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, in den Umfragen war die Bevölkerung dafür, bei der Wahl selbst setzten sich die Kritiker durch. Sie haben das leichtere Spiel, denn wer dagegen ist, geht leichter zur Wahl. Das könnte auch in München passieren, wo nach ersten Umfragen 66 Prozent der Bewohner für die Spiele sind. Bereits im Oktober soll es eine Entscheidung der Bevölkerung geben.
Bei einer deutschen Bewerbung muss auch mit starken Gegnern gerechnet werden. Die erste Hürde stellt das undurchsichtige IOC dar, denn bei der Benennung der Austragungsorte gab es zuletzt keine Wahl mehr, sondern die wurden in einem etwas undurchsichtigen Prozedere bestimmt. Da sind Unwägbarkeiten groß, zumal der deutsche Sport international nicht mehr die Bedeutung wie früher genießt. Für 2036 sollte sich Deutschland vor dem Hintergrund 100 Jahr nach 1936 in Berlin mit Nazi-Regime gar nicht bewerben, zudem gelten Indien und Katar bereits als Favoriten. Für 2040 und 2044 könnte es besser aussehen, zumal dann Europa wieder den Zugriff bekommen sollte. Istanbul und Madrid wird bereits Interesse nachgesagt. Wie auch immer, es ist ein langer und beschwerlicher Weg zu Olympia in Deutschland. Der Sport hätte es aber verdient, wieder einmal Gastgeber zu sein. Denn auch das ist der Vorteil von Olympia im eigenen Land: Der Sport gewinnt an Gewicht und die Jugend findet wieder leichter den Weg zum Sport.