Schock-Samstag für die Bayern – Dortmund dagegen ein Gewinner der Klub-WM
von knospepeter
Das hatten sich die Bayern bei der ersten großen Klub-Weltmeisterschaft im Fußball anders vorgestellt: Vor dem Abflug in die USA träumten sie davon, der erste Sieger dieses Moneten-Turniers zu werden, mit vollen Taschen und dem ersten internationalen Erfolg seit langem wieder heim zu fliegen. Es kam ganz anders. Am Samstag war die Bayern-Welt geschockt, weil gleich beide Lieblinge bei Männern und Frauen schwere Verletzungen davontrugen. Giulia Gwinn erlitt bereits am Freitag im EM-Spiel der Frauen gegen Polen bei einer Rettungsaktion vor dem eigenen Tor eine schwere Knieverletzung, als sie im Gras hängen blieb. Ein Tor verhinderte sie, doch am Samstag die traurige Diagnose, dass sie monatelang ausfallen wird. Dies steht auch Jamal Musiala bevor, den es noch schlimmer erwischte, als ihn Paris-Torhüter Donnarumma unnötig abräumte. Die Folgen sind verheerend mit Wadenbeinbruch und Verrenkung des Knöchels. Bereits am Sonntag wurde Musiala von Orlando nach München geflogen, damit er baldmöglichst operiert werden kann.
Statt als strahlende Sieger kehren die Bayern geschlagen und erschüttert nach München zurück, die Reise hat sich nicht gelohnt, dafür wurden die Sorgen größer, zum Teil auch selbst eingebrockt. Den großen Reibach konnten die Bayern nicht machen, weil sie zu früh die Segel streichen mussten. Dazu nutzte Trainer Vincent Kompany die WM nicht, um Talente heran zu führen, nur Karl und Aznou bekamen eine geringe Einsatzzeit, Neugang Tom Bischof konnte sich nur eine Halbzeit zeigen. Kompanys größter Fehler: Er denkt nicht an die Zukunft. Dabei ist die Gegenwart ernüchternd, wenn man genauer hinschaut. Die Meisterschaft war ein Trostpflaster, aber international verloren die Bayern an Reputation, Tatsache ist, dass sie alle Duelle gegen die großen europäischen Konkurrenten verloren haben, es gelangen nur Siege gegen die Underdogs Bratislava und Celtic Glasgow. Bayern muss sich eingestehen: Wir sind weit weg von Europas Spitze und den eigenen Ansprüchen. Zwei Niederlagen in fünf Spielen sind keine berauschende WM-Bilanz.
Dazu kommt das Münchner Dilemma beim Umbau des Kaders. Musialas Ausfall macht die Planungen noch schwieriger. Sportdirektor Max Eberl kann kaum Erfolge vorweisen, scheint eher überfordert zu sein, die Bayern nach den Fehlern der Vergangenheit, eine überteuerte Mannschaft, in eine bessere Zukunft zu führen. Er soll sparen, aber bei den Bayern in Not schlägt die Konkurrenz bei Ablösesummen eher noch was drauf. Siehe Nick Woltemade, der für die Bayern noch wichtiger wird, aber sicherlich auch noch teurer. Unter 80 Millionen Euro, wie sie der VfB Stuttgart schon forderte, geht in der Notsituation wohl gar nichts.
Kann Thomas Müller helfen? Die lebende Vereinslegende hatte durch das Musiala-Unglück einen traurigen Abgang, die 0:2-Niederlage gegen Paris war eigentlich Müllers letztes Spiel für die Bayern. Oder doch nicht? Kann Müller für eine gewisse Zeit die Lücke füllen? Will er das? Besserwisser Lothar Matthäus fordert in seiner bestimmenden Art „Bayern muss Müller für ein halbes Jahr verpflichten“. Eberl ist mehrfach gefordert, Müller selbst kann in Ruhe überlegen, nur er selbst weiß, wie er seine Zukunft sieht. Er ließ schon raus, dass er sich durchaus eine Verlängerung seiner Karriere bei Bayerns Partnerverein in Los Angeles vorstellen könnte, auch mit der zusätzlichen Rolle als Repräsentant. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine großartige Karriere, die Zahlen sind beeindruckend: 503 BL-Spiele (150 Tore, 215 Assists), 756 Spiele insgesamt (250 Tore, 283 Assists). Es würde den Bayern sicher guttun, wenn „Radio Müller“, in welcher Rolle auch immer, künftig weiter im Verein aktiv wäre. Zumindest die Spieler haben jetzt Ruhe, drei Wochen Urlaub gewährt Trainer Kompany, der sagt: „Weniger geht nicht“. Die Vorbereitung auf die neue Saison wird kurz, am 7. August steht das erste Testspiel an.
Zwei Bundesligisten im WM-Viertelfinale ist durchaus beachtlich, keiner im Halbfinale ist nicht so schön. Die Bayern hadern, Borussia Dortmund reist dagegen als einer der Gewinner aus den USA ab. Die Dortmunder haben den Aufenthalt nicht nur zum Geldverdienen genutzt, sondern auch zur Image-Verbesserung, so freuen sie sich über mehr als zwei Millionen neue Social-Media-Follower. Die Finanzlage hat sich extrem verbessert, zu den rund 45 Millionen Euro an Preisgeld kommen etwa 65 Millionen Euro als Ablöse für Jamie Gittens, den Halbfinalist Chelsea London kauft. Sportlich zeigte sich die Mannschaft von Niko Kovac gefestigt, das Ausscheiden gegen Real Madrid war ehrenhaft und am Ende wild, aus dem ruhigen 0:2-Rückstand wurde nach turbulenten letzten Minuten eine fast unglückliche 2:3-Niederlage.
Im Halbfinale stehen sich jetzt am Dienstag und Mittwoch Fluminense aus Brasilien und Chelsea London (das hätte niemand getippt) sowie Paris St. Germain und Real Madrid (eigentlich das wahre Endspiel) gegenüber. Das Finale wird am Sonntag (21 Uhr) ausgetragen.
Frauen wollen auch ohne Gwinn gewinnen
Der Sport-Grantler hatte zuletzt bei diesen diversen Titelkämpfen gefragt, wer denn die Lieblinge der Nation werden. Die Frauen-Nationalmannschaft ist auf dem besten Weg dazu, die TV-Einschaltquoten beweisen es. 8,2 Millionen Zuschauer sahen am Freitag den erfolgreichen 2:0-EM-Auftakt gegen Polen, das ist mehr als die U21 bei ihrer EM hatte und die Bundesligisten haben sie damit fast schon deklassiert. Im Schnitt 2,5 Millionen sahen am Samstag Bayern – Paris und am Abend um 22 Uhr sogar nur 1,6 Millionen Dortmund – Madrid. Da interessierten sich um 21 Uhr mit 2,3 Millionen sogar mehr Fans für das Frauen-Spiel Frankreich – England (2:1). Am Sonntag interessierten sich sogar 3,45 Millionen für die Partie Schweiz – Island. Nach dem 2:0-Sieg hat die Schweiz jetzt am Donnerstag ein Endspiel um Platz gegen das punktgleiche Finnland. Norwegen ist schon weiter, Island ist ausgeschieden.
Die deutsche Mannschaft muss sich erst wieder sammeln und neu orientieren, damit der Erfolg treu bleibt. Giulia Gwinn war zuletzt schließlich die Galionsfigur der Mannschaft, die Kapitänin wurde auch zum Gesicht und Sprachrohr des Teams. Ihre bisherige Stellvertreterin Janina Minge ist ja noch nicht so lange dabei und muss als neue Kapitänin erst in diese Rolle hineinwachsen. Als ihre Stellvertreterin nominierte Bundestrainer Christian Wück Sjoeke Nüsken.
Der Blick im Team geht natürlich nach vorn. Vom Ziel Titelgewinn will man nicht lassen, auch ohne Gwinn soll gewonnen werden. Ihr Vertreterin als Rechtsverteidigerin dürfte Carlotta Wamser werden, in dieser Rolle eigentlich neu, sie ist gelernte Stürmerin, machte es aber als Gwinn-Ersatz sehr gut und leistete die Vorarbeit zum ersten Treffer, einem Traumtor von Jule Brand. Die erwies sich in toller EM-Form, auch Klara Bühl sorgte für viel Wirbel. Im Tor sorgte Ann-Katrin Berger für Sicherheit, auch wenn sie manchmal riskant spielt, das aber ist ihre Art. Jetzt warten aber zwei harte Brocken aus Skandinavien auf die Wück-Schützlinge, am Dienstag (18 Uhr) Dänemark und am Samstag (21 Uhr) Schweden. Die verbliebenen sechs Bayern-Asse treffen dabei auf ihre Mitspielerinnen Pernille Harder bzw. Magdalena Eriksson. Vor allem die dänische Torjägerin Harder dürfte der deutschen Abwehr einige Rätsel aufgeben. Aber nur mit Siegen wird bei den Zuschauern das Interesse hoch gehalten. Also heißt es: Gewinnen ohne Gwinn. Das Viertelfinale wird vom 16. bis 19. Juli ausgetragen, da warten Frankreich, England oder die Niederlande als Gegner. Die harten Brocken gehen also nicht aus.