Freiburg stiehlt den Bayern die Show
von knospepeter
Die internationalen Spiele waren am Bundesliga-Wochenende schon Vergangenheit, aber sie wirkten nach und beherrschten über Tage die Schlagzeilen. Dabei geriet vor allem der SC Freiburg in den Mittelpunkt, der mit einem 3:1-Sieg über Braga ins Finale der Europa League einzog. Dieser Erfolg ist eine Premiere für den eher kleinen Verein aus dem Schwarzwald, der damit den großen Bayern die Show stahl, die auf dem Weg ins Finale der Champions League beim 1:1 gegen Paris St. Germain unglücklich scheiterten. Freiburg in einem Finale und Bayern nicht – einfach undenkbar!
Freiburg kann als Vorzeigeklub der Bundesliga gelten, dort ist die Welt noch in Ordnung (die Zeit schrieb über Freiburg „Wo Deutschland noch funktioniert“), gibt es auch kein Theater um die Trainer, ob Volker Finke oder Christian Streich, „Dauerbrenner“ sind an der Tagesordnung und Julian Schuster befindet sich gleich in seinem ersten Jahr auf den Spuren seines Vorgängers und Vorbild Streich. Die Freiburger tun alles, damitdie Welt in Ordnung bleibt. Wussten Sie, dass die meisten Fans mit dem Fahrrad ins Stadion fahren? Der Hauptsponsor zählt die Radler und spendet einen entsprechenden Geldbetrag für gemeinnützige Zwecke. Freiburg bewies aber auch, dass ein kleiner Verein international erfolgreich sein kann. Ob der ganz große Erfolg gelingt, steht noch in den Sternen, Aston Villa ist der Gegner im Finale am 20. Mai in Istanbul, der Fünfte der Premier League fertigte seinen englischen Kontrahenten Nottingham Forest mit 4:0 ab. Die Anstrengungen der letzten Wochen machten sich bei Freiburg bei der 1:3-Niederlage in Hamburg bemerkbar (Aufsteiger HSV hatte in allen 17 Heimspielen ein ausverkauftes Stadion!). Ob Schuster mit seinen Mannen im nächsten Jahr wieder international spielen kann, ist dennoch ungewiss, zwei Chancen gibt es: Sieg in der EL bedeutet Champions League, wenn Platz sieben in der Liga erfolgreich verteidigt wird, geht es ab in die Conference League.
Andere Sorgen haben die Bayern, der erste Titel ist unter Dach und Fach (die Meisterschaft wird am Sonntag auf dem Marienplatz gefeiert), doch der Traum vom Triple liegt in Trümmern. Das Rückspiel gegen Paris war kein Spektakel mehr, sondern eher taktischer Anschauungsunterricht, das 1:1 war für Trainer Luis Enrique ein Sieg der Vernunft. Er bewies, dass sein Team notfalls auch erfolgreich verteidigen kann. Kollege Vincent Kompany wich von seiner offensiven Linie nicht ab, muss aber hinnehmen, dass es im obersten Regal noch einiger defensiver Anpassungen bedarf. Die Bayern wollten gar nicht lamentieren, dass sie auch gegen den Schiedsrichter spielen mussten, denn bei richtiger Regelauslegung hätte Paris eine Stunde lang in Unterzahl gespielt. Für einen Triumph muss halt alles passen in punkto Form, Verletzungen und Glück, auch mit dem Unparteiischen. Das Triple steht schon als neues Ziel für die nächste Saison fest! Paris trifft im Finale am 30. Mai in Budapest auf Englands Spitzenreiter Arsenal London, der sich mit 1:0 gegen Atletico Madrid durchsetzte und bisher in der Champions League in allen 14 Spielen ungeschlagen blieb (u. a. 3:1 gegen Bayern)!
Bundesliga-Endspurt mit Endspielen
Das hat es noch nie gegeben: Am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga sind die letzten drei Mannschaften alle punktgleich! Der Ertrag mit 26 Punkten aus 33 Spielen war für den VfL Wolfsburg (Tordifferenz -26), den 1. FC Heidenheim (-29/41:70) und FC St. Pauli (-29/28:57) aber ausgesprochen mager. Den Klassenerhalt hat niemand sicher, zwei müssen absteigen, der glückliche Dritte geht in die Relegation mit dem Dritten der 2. Bundesliga. Aber nicht nur im Tabellenkeller, auch an der Spitze gibt es zum Endspurt Endspiele, hierbei geht es um die Verteilung der internationalen Plätze. Dortmund hat sich die Vizemeisterschaft gesichert, der Leipzig als Dritter einen Platz in der Champions League. Um Platz vier streiten sich ebenso drei Vereine, wie um Platz sieben für die Conference League. So eine Konstellation hat es bisher auch noch nie gegeben!
Die größte Chance auf Platz vier hat Stuttgart, dass bei der kriselnden Eintracht eine scheinbar machbare Aufgabe hat, zumal in Frankfurt Trainer Albert Riera die Spieler gegen sich aufgebracht hat und vor der Ablösung nach der Saison steht. Ganz anders sieht das bei dem erfolgreichen Sebastian Hoeneß aus, um den eher der VfB zittern muss, dass ihn kein Verein mit viel Geld abwirbt. Stuttgart muss sich dem punktgleichen Hoffenheim erwehren, dass in Gladbach wohl die noch leichtere Aufgabe hat, sich selbst aber auch nicht in Bestform zeigte. Im Rennen um Platz vier ist auch noch Leverkusen, allerdings mit drei Punkten Rückstand, die 1:3-Niederlage beim Konkurrenten Stuttgart war ein entscheidender Rückschlag. Außerdem präsentiert sich Bayer nicht als geschlossene Mannschaft, auch hier dürfte die Zeit von Trainer Hjulmand zu Ende gehen.
Dahinter geht es um den letzten Platz in Europa, um die Conference League. Freiburg hat mit 44 Zählern einen Punkt Vorsprung, dahinter liegen Frankfurt und Augsburg gleichauf. Freiburg hat mit Leipzig den dicksten Brocken, Frankfurt kriselt eben und das Gegenteil ist der FCA, der seit sechs Spielen ungeschlagen ist und statt Ziel Klassenerhalt jetzt den Traum von Europa hat. Da wird Trainer Manuel Baum gefeiert und eine Vertragsverlängerung des Wagner-Nachfolgers sollte eine logische Sache sein. Beim Thema Europa zitiert Baum Franz Beckenbauer: „Schaun mer mal“. Das „Endspiel“ bestreiten die Augsburger bei Union Berlin, wo die Spieler mit dem 3:1 in Mainz ihrer Trainerin Marie Louise Eta den Traum vom ersten Bundesliga-Sieg erfüllt haben.
Am Tabellenende präsentierte sich das einstige Dauer-Schlusslicht Heidenheim erfolgreich wie der Nachbar FCA und holte in den letzten acht Spieltagen zehn Punkte auf. Die Lage ist einfach: Gewinnt Wolfsburg bei St. Pauli ist der direkte Abstieg abgewendet, Heidenheim muss in Köln auch drei Tore aufholen. Gewinnt St. Pauli ebenso wie Heidenheim, kommt es darauf an, wer höher gewinnt. Echte Endspiele also!
Übrigens: Am kommenden Freitag wollte Bundestrainer Julian Nagelsmann eigentlich sein WM-Aufgebot bekanntgeben, hat diesen Termin aber auf den 21. Mai verschoben. Besonders empfohlen haben sich am Wochenende Bayern-Torhüter Jonas Urbig als Matchwinner in Neuer-Manier in Wolfsburg und Stuttgarts Deniz Undav, der sich als der gesuchte Torjäger präsentierte. Leben muss Nagelsmann mit der Kritik von Uli Hoeneß: „Es ist das erste Mal, dass wir vor der WM keine eingespielte Mannschaft haben.“ Erfolg ist aber dennoch nicht ausgeschlossen!
Im Pokalfinale der Frauen das große Duell
In der Frauen-Bundesliga sind die Fronten eigentlich geklärt. Die Bayern setzten ihre Erfolgsserie auch beim 2:0 gegen Frankfurt fort und erhielten zum vierten Mal in Folge die Meisterschale überreicht. Hinter Wolfsburg bleibt die Eintracht aber auf Platz drei und muss den Platz in der Champions League bei drei Punkten Vorsprung am letzten Tag gegen Hoffenheim verteidigen, was gegen Union Berlin gelingen sollte. Zweiter Absteiger neben Jena wird die SGS Essen sein, die mit dem Hamburger SV nach Punkten nur noch gleichziehen kann, aber die elf Tore schlechtere Tordifferenz aufweist. In Freiburg hängen die Trauben zudem hoch. Bezeichnend, dass mit dem VfB Stuttgart als erstem Aufsteiger ein Verein aus der Männer-Bundesliga feststeht. Die Bundesligisten wollen jetzt auch bei den Frauen erfolgreich sein, Borussia Dortmund rüstet ebenso auf und will bis spätestens 2029 in die Bundesliga. Im letzten Jahr waren Nürnberg und Hamburg die Aufsteiger, beide haben den Klassenerhalt geschafft.
Am Donnerstag haben die Frauen aber noch ein besonderes Highlight, im Pokalfinale stehen sich in Köln ab 16.00 Uhr (ZDF) Titelverteidiger Bayern München und der alte Konkurrent VfL Wolfsburg gegenüber. Die Bayern-Mädchen trachten nach dem zweiten Double in Folge, die Wölfinnen wollen endlich den Erfolgsweg der Münchnerinnen stoppen. Zuvor war ja Wolfsburg im Pokal über Jahre hinweg unschlagbar. In drei Vergleichen in dieser Saison gingen die Bayern allerdings als Siegerinnen vom Feld, zum Start holten sie sich im Supercup den ersten Titel, jetzt soll es zum Abschluss die Krönung geben.
Hinweis: Im Laufe der Woche folgt nach ein Blog zur Eishockey-Weltmeisterschaft, die am Freitag in der Schweiz beginnt.