Ein 4:0 das für die WM Hoffnung macht
von knospepeter
Deutschland zählt bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft nicht zu den Favoriten. Da haben Spanien, Frankreich und andere die Nase vorn. Der 4:0-Sieg im ersten Test des WM-Kaders gegen Finnland sollte nicht überschätzt werden, aber teilweise war es doch ein Spiel, das für die WM Hoffnung macht. Natürlich war der Gegner kein Maßstab, aber immerhin konnten die Nagelsmann-Schützlinge testen, wie man eine Abwehrbollwerk knacken kann. Ähnlich wie die Skandinavier könnten die Gruppengegner in den USA auftreten, allerdings hat vor allem die Elfenbeinküste mehr Qualitäten im Konterspiel.
Mit dem Test konnte Bundestrainer Julian Nagelsmann auf jeden Fall zufrieden sein, die Fans in Mainz waren es nach einigen Anlaufschwierigkeiten am Ende auch, besonders gefeiert wurde natürlich die Einwechslung ihres heimischen Stars Nadiem Amiri. Er konnte sich in den wenigen Minuten aber nicht mehr zeigen, das taten zuvor dafür andere. Vor allem das Quartett Undav-Karl-Musiala-Wirtz macht Hoffnung auf ein erfolgreiches Turnier, wenn erst die Kombinationsmaschine reibungslos läuft. Für die Spielfreude sorgten Karl, Musiala und Wirtz, die sich in Spielanlage, Spielfreude und der Unberechenbarkeit ziemlich ähneln. Davon profitierte Deniz Undav, der seinen Vertrag in Stuttgart verlängert hat, der mit zwei Toren und Vorlage zum 2:0 nach bemerkenswertem Einsatz für sich Werbung betrieb. Sein größter Konkurrent dürfte Kai Havertz sein, der im Finale der Champions League auf sich aufmerksam machte und gegen die USA am Samstag mit Sicherheit zum Einsatz kommen wird. Der 18-jährige Lennart Karl (drittjüngster Debütant) bestach durch seine Unbekümmertheit und dürfte gegen Sané und Leweling vorerst die Nase vorn haben. Jamal Musiala bewies in seiner Form aufsteigende Tendenz, belohnte sich mit einem Tor und wird so beim Bundestrainer für Erleichterung gesorgt haben. Florian Wirtz hinkt da noch ein bisschen hinterher, macht aber dennoch den Eindruck, das wird schon. Immerhin traf auch er.
Der Bundestrainer überraschte zudem mit zwei Nominierungen, die allerdings unterschiedlich gewertet werden müssen. Nathaniel Brown ersetzte David Raum auf der linken Seite und warb ebenfalls für sich, doch der zuletzt etwas müde wirkende Leipziger dürfte seinen Stammplatz nicht verloren haben. Aber auch Brown, der links und rechts eingesetzt werden kann, vertrieb eine Sorge bei Nagelsmann und zeigte, dass auf den Außenbahn Ersatz parat steht. Felix Nmecha ist da weiter, der Dortmunder scheint vor Leon Goretzka als Kandidat neben Pavlovic die Nase vorn zu haben. Und was die Torhüter angeht, das gibt es um Neuer nichts Neues, gegen die USA soll er sein Comeback geben, der verdrängte Oliver Baumann konnte nicht für sich werben, er hatte mehr oder weniger nichts zu tun. Den härteren Test wird es gegen die USA geben, die ihrerseits gegen den Senegal mit 3:2 gewann. Übrigens hat Deutschland die letzten zehn Generalproben vor einem Turnier immer gewonnen!
Am Montag stand noch ein kurzfristig vereinbartes Trainingsspiel gegen Finnland auf dem Programm, bei dem alle nicht eingesetzten Spieler ein bisschen Praxis bekommen sollten, Dienstag geht es mit dem Flieger nach Chicago, wo das nächste Trainingslager abgehalten wird und eben das Spiel gegen die USA ansteht. Dann kann die WM beginnen, für Deutschland am 14. Juni (19 Uhr) in Houston gegen Curacao. Die Deutschen haben übrigens rechtzeitig wieder ein Faible für die DFB-Elf gezeigt, über acht Millionen Zuschauer verfolgten den Sieg über Finnland. Warum das das Zweite aber gleich drei Experten aufbot, bleibt ein Geheimnis. Die Forderung der Politik, man müsse sparen, bleibt beim ZDF ungehört.
Paris mausert sich zum neuen Real
Die „Königlichen“ aus Madrid sehen sich als das Nonplusultra des Vereinsfußballs in Europa, schließlich sind sie auch Rekordsieger in der Champions League bzw. dem Vorgänger, der Europapokal der Landesmeister. Doch die Ablöse ist da. Die Scheichs aus Katar schufen die neuen „Königlichen“, Paris St. Germain wandelt auf den Spuren von Real, schaffte es als zweiter Verein nach Real (sogar dreimal von 2016 – 2018) mit dem 1:1/4:3 i.E. gegen Arsenal London den Titel erfolgreich zu verteidigen. Als „König von Paris“ wurde Trainer Luis Enrique gefeiert und von der Mannschaft auf Schultern getragen. In drei Jahren gewann der Spanier mit Paris zwölf Titel. Nachdem er 2015 schon mit dem FC Barcelona den Henkelpott geholt hatte, ist er nach Bob Paisley, Zinedine Zidane und dem eben in Manchester zurückgetretenen Pep Guardiola der vierte Trainer, der zum dritten Mal die Königsklasse gewann, nur Carlo Ancelotti steht mit fünf Siegern drüber. Enrique ist aber auch die Nummer 1, er hat die höchste Siegquote in der CL von allen Trainern. Mit 63 Prozent liegt er vor Guardiola (61) und Louis van Gaal (60). Enrique kann Endspiele, von zehn hat er mit PSG nur das Finale der Klub-WM 2025 verloren. Ein verdienter Sieger war Paris allemal, auf dem Weg ins Endspiel wurden u. a. der FC Chelsea, FC Liverpool und die Bayern ausgeschaltet. Der Erfolgsweg von Paris begann, als man sich von den teuren Stars trennte und auf junge Talente setzte. Bezeichnend, dass Enrique, als Star Mbappé zu Real wechselte, urteilte: „Wir werden ohne Kylian stärker sein.“ Der Beweis wurde erbracht. Eine Nummer 1 ist übrigens auch Harry Kane, mit 18 Punkten nämlich der CL-Skorerkönig.
Trauer dagegen beim Verlierer Arsenal London, der nach 2006 (gegen Barcelona) sein zweites CL-Finale verlor. Dabei hatte es so gut mit dem frühen Treffer von Kai Havertz nach 303 Sekunden begonnen, aber danach verlegte sich Arsenal mehr aufs Verteidigen des Vorsprungs, als auf Spielkultur. PSG Mittelfeldspieler Neves erkannte, nur eine Mannschaft habe Fußball spielen wollen. Der Beweis, sein Nebenmann Vitinha brachte allein 146 Pässe an den Mann, Arsenal insgesamt nur 186. Die Strafe folgte mit dem Ausgleich per Elfmeter durch den ansonsten eher blassen Dembele (65.), im Elfmeterschießen versagten Eze und im letzten Versuch Abwehrchef Gabriel die Nerven, bei Paris verschoss nur Nuno Mendes. Die Enttäuschung der Londoner ist auch deshalb so groß, weil die Schützlinge vom einstigen Pep-Assistenten Arteta in allen 15 CL-Spielen ungeschlagen blieben, nach regulärer Spielzeit selbst im Finale.
Damit verpasste die Premiere League den totalen Triumph, zuvor hatte Aston Villa die Europa League gewonne und Crystal Palace unter Trainer Oliver Glasner, der den Verein verlässt, mit dem 1:0 gegen Rayo Vallecano die Conference League. Übrigens: Beim CL-Finale in Budapest war der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert ein ausgezeichneter Spielleiter (beim kicker Note 1).
In der Bundesliga geht es um die Trainer
Es war ein Paukenschlag, dass der FC Liverpool seinen Trainer Arne Slot (Vertrag bis 2027) entlassen hat. Der Holländer, Nachfolger von Jürgen Klopp, führte in seinem ersten Jahr die „Reds“ zur Meisterschaft, doch diesmal wurde es nur ein enttäuschender 5. Platz, in den letzten zehn Pflichtspielen gelangen nur drei Siege. Jetzt wird der Spanier Andoni Iraola als Nachfolger gehandelt, der in Bournemouth erfolgreich war und dessen Vertrag ausläuft. Das tangiert auch Bayer Leverkusen, denn Iraola galt als Wunschkandidat für die Nachfolge von Kasper Hjulmand, der entlassen wurde. Jetzt gilt Oliver Glasner als möglicher Nachfolger, doch von dem heißt es, dass er gern in der Premiere League bleiben würde.
Weiter ist da Eintracht Frankfurt, dass als Nachfolger von Albert Riera, der ein totaler Fehlgriff war, wieder auf Bewährtes zurückgreift: Adi Hütter heißt der neue Coach, ein alter Bekannter in Frankfurt, der von 2018 bis 2021 erfolgreich arbeitete, allerdings 2021 nach Unstimmigkeiten vorzeitig nach Gladbach wechselte. Zuletzt war er in Monaco tätig, seit 2025 sucht er einen Verein. Nägel mit Köpfen machte auch die TSG Hoffenheim, dort wurde der Vertrag mit Christian Ilzer verlängert. Auch Eugen Polanski wird in Gladbach zugetraut, den Verein wieder auf den Erfolgsweg zurückzuführen und der 1. FC Köln machte aus dem Interimstrainer René Wagner den festen Cheftrainer.
Entscheidung bei den Frauen
Die Männer bereiten sich auf die Weltmeisterschaft vor, die Frauen bestreiten in den kommenden Tagen ihre entscheidenden Spiele um die WM-Qualifikation. Dabei ist die Rechnung einfach, ein Sieg gegen Norwegen am Freitag (20.35 Uhr) in Köln würde das Ticket bedeuten, bei einem Unentschieden muss am Dienstag, 8. Juni (18 Uhr) in Slowenien gewonnen werden, bei einer Niederlage drohen die Play-Offs, denn Norwegen, das einen Punkt hinter Deutschland liegt, darf ein Sieg zum Abschluss gegen Österreich zugetraut werden. Mit dem 0:0 in Österreich haben die Schützlinge von Bundestrainer Christian Wück allerdings ihre gute Ausgangsposition verspielt.