Alle warten auf Infantinos Rücktritt! Läutet er auch das Ende der FIFA ein?
von knospepeter
Fast sechs Wochen lang genoss er „seine Welt, so wie es ihm gefällt“: FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigte sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada bei vielen Spielen, flog mit einem von Katar gesponserten Privatjet zweimal um die Erde und sorgte dafür, dass die entsprechenden Fernsehbilder nach seinem Gusto ebenso um die Welt gingen. Motto: Ich und die Könige und Staatschefs. Jetzt hat sich der Wind gedreht, Infantino verblüffte alle im Fußball mit seinem Vorstoß über private Investoren noch mehr Geld einzunehmen, dafür würde er sogar Anteile des Verbandes verkaufen. Der Aufschrei des „Kartell der Vernünftigen“ war groß und inzwischen warten eigentlich alle auf Infantinos Rücktritt. Der selbstherrliche Schweizer hat Grenzen überschritten, die der FIFA-Regeln und des Anstands. Selbst sein größter Freund (so stellt es Infantino dar) wendet sich von ihm ab: „Ich wusste nichts von den Investor-Plänen“, sagte US-Präsident Donald Trump, obwohl seine Familie der Partner sein sollte. Hätte noch gefehlt, dass Trump sagt, „Infantino? Wer ist das?“
Der 56-jährige Schweizer Gianni Infantino hat zweifellos den Bogen überspannt. Er führt die FIFA selbstherrlich und keiner hat ihn bisher in seine Grenzen verwiesen, alle haben zu lange weggeschaut. Den Großteil der Verbände brachte er mit Geld hinter sich, selbst lebt er in Saus und Braus, lässt sich gut bezahlen und genehmigt sich sonstige schöne Vergünstigungen. Zum Jahresgehalt von rund fünf Millionen Euro soll noch eine Penthouse-Wohnung im Kanton Zug kommen, deren Miete von 8500 Euro die FIFA zahlen soll. Kein Wunder, dass Infantino nicht aus seinem Schlaraffenland vertrieben werden will, aber sein Rücktritt ist überfällig. Sogar seine Mitarbeiter sind gegen ihn, sie fühlen sich von ihm betrogen. Javier Tebas, Präsident der spanischen Liga bringt es auf den Punkt: „Infantino ist nicht die Lösung für die Führung, er ist das Problem.“
An der Spitze des Aufstandes steht Europa, die Länder der UEFA sind geschlossen gegen Infantino und fordern seinen Rücktritt. In einer Stellungnahme werden sogar Gesetzesverstöße angedeutet. Die Rede ist von geheimen Verhandlungen, kompletten Vertrauensverlust auf allen Ebenen, schäbigem Verhalten und undurchsichtigen Machenschaften hinter den Kulissen. Im Bezug zum Verhältnis zur Familie Trump geht es um Geschäftsuntreue, Korruption und Pflichtverletzungen. Die US-Justiz soll sich bereits eingeschaltet haben. Die UEFA stellt klar: „Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren“. Der nächste Schritt folgte am Montag: Die UEFA forderte Verband und Investor Joshua Kushner auf, alle Dokumente pflichtgemäß zu sichern, da auch gerichtliche Verfahren möglich sind.
Das Problem wäre leichter zu lösen, wenn es einen geeigneten Kandidaten für die FIFA-Spitze gäbe. Bei der Suche wurde zuerst der Chef von Paris St. Germain genannt, der Katarer Nasser Al-Khelaifi, der aber wegen Interessenkonflikten bereits abgewunken hat. Interesse bekundet dagegen Kanadas Concacaf-Boss Victor Montagliani, der allerdings auch als Dealmaker gilt. Favorit wäre Europas Präsident Aleksander Ceferin, doch er will seinen Posten eigentlich 2027 aufgeben und hat wohl kein Interesse, sich den FIFA-Ärger anzutun. Er hat aber ein anderes gewichtiges Argument in die Diskussion geworfen: „Brauchen wir die FIFA überhaupt? Den Spielbetrieb organisieren die Kontinentalverbände, die Weltmeisterschaften die jeweiligen Ausrichter.“ Auf den Präsidenten könnte man am ehesten verzichten, die FIFA-Zentrale könnte ein Geschäftsführer leiten und ein Verbund der Kontinentalverbände die Aufsicht haben. Infantino wird es mit Schrecken vernehmen!
Handeln könnte die UEFA, sie darf nicht bis zum März 2027 warten, wenn in Marokko ein neuer Präsident gewählt werden soll. Die UEFA selbst hat genug Stimmen, um einen Sonderkongress zu beantragen, dazu braucht sie 20 Prozent, also 43 Stimmen, hat selbst 55, also die erforderliche Zahl. Infantino ist nämlich gerissen genug, die Front seiner Gegner bis zum März wieder bröckeln zu lassen. Das Thema wird den Fußball leider noch lange beschäftigen und Schatten auf den Sport werfen.
Vorreiter 2. Bundesliga: Start in die neue Saison
Jetzt aber geht es wieder um den Sport. Für die Fußball-Fans in Deutschland ist die Sommerpause zu Ende, die nationalen Profiligen nehmen wieder ihren Spielbetrieb auf. Wie in den letzten Jahren gewohnt, macht die 2. Bundesliga den Vorreiter, damit ihr zum Start die ganze Aufmerksamkeit gehört. Auch in der 3. Liga wird wieder gegen den Ball getreten, das Oberhaus startet am 28. August, am Wochenende davor steht der DFB-Pokal im Mittelpunkt. Es ist also wieder etwas los.
Die zweite Liga hat mit Schalke 04 einen prominenten Verein verloren (dazu SC Paderborn und SV Elversberg als Aufsteiger), aber dem VfL Wolfsburg, St. Pauli und 1. FC Heidenheim bekannte Namen als BL-Aufsteiger aufgenommen. Es hat sich eigentlich gegenüber den letzten Jahren nicht viel geändert, das Unterhaus bleibt attraktiv und kann sich weiterhin mit prominenten Namen schmücken. Einige Zahlen sprechen für sich: 11 der 18 Klubs waren bereits Deutscher Meister oder DDR-Meister und fünf Gründungsmitglieder der Bundesliga sind am Start. Außerdem bleibt es dabei, die 2. Bundesliga ist die attraktivste zweite Liga in Europa, in der Zuschauer-Tabelle der letzten Saison liegt sie hinter Englands Premier League (41850 Zuschauer im Schnitt), 1. Bundesliga (41562), Spaniens La Liga (30945) und Italiens Serie A (30084) an fünfter Stelle der Zuschauer-Rangliste noch vor der Ligue1 in Frankreich (27940) und der 2. Liga in England, der Championship (22113). Der Zuspruch dürfte auch in diesem Jahr anhalten.
Mit dem VfL Wolfsburg, der durch Fehler in der sportlichen Führung den Abstieg selbst verschuldet hat, es jetzt aber besser machen will, steht der große Favorit fest, aber die Vergangenheit zeigte, dass die Rückkehr ins Oberhaus nicht leicht ist (siehe die langjährigen Versuche des Hamburger SV). Sportdirektor Dieter Hecking, der als Trainer den Abstieg nicht verhindern konnte, hat in neuer wohl gute Arbeit geleistet, mit der Verpflichtung von Fabian Reese (Hertha BSC) gelang ihm ein Coup, Robert Glatzel (HSV) soll die nötigen Tore schießen und mit Rückkehrer Elvis Rexhbecaj (FC Augsburg) sollte es mehr Sicherheit geben. Das Team formen soll der neue Coach Tobias Strobl, der aus Verl kam. Generell aber gilt, dass die Liga wohl wieder sehr ausgeglichen ist, Experten sagen, „eigentlich kann jeder jeden schlagen“. Aufstiegsambitionen werden aber vor allem noch Hannover 96 und dem 1. FC Kaiserslautern nachgesagt. Hertha BSC musste genauso wieder einen Umbruch im Team hinnehmen wie der 1. FC Nürnberg. Der 1. FC Heidenheim wird zudem die Liga beleben, hat das Gerüst der Mannschaft ziemlich gehalten und vor allem am Trainer festgehalten, was nicht üblich für einen Absteiger, aber typisch für den Verein von der Ostalb ist, denn Frank Schmidt geht in sein 20. Jahr beim FCH!
Der erste Spieltag: Bochum – Hertha (Fr. 20.30 Uhr). Heidenheim – Osnabrück, Darmstadt – Kiel, Karlsruhe – Bielefeld, Magdeburg – Braunschweig (alle Sa. 13 Uhr). Wolfsburg – Kaiserslautern (Sa. 20.30 Uhr). St. Pauli – Fürth, Nürnberg – Dresden, Cottbus – Hannover (alle So. 13.30 Uhr).