Magdeburg will der FC Bayern des Handballs werden
von knospepeter
Die Handball-Bundesliga startet am gleichen Wochenende wie die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. Dabei hat sie die Nase vorn, denn der Start war schon am Donnerstag und die ersten Spiele hatten es in sich. Rekordmeister THW Kiel meldete mit einem 35:27 gegen Lemgo seine Titel-Ambitionen an, die Füchse Berlin hielten mit 33:31 Geheimfavorit Melsungen in den Schranken. Die Fans wird es freuen, das kann spannend werden. Ganz anders als im Fußball, wo der FC Bayern an der Spitze dominiert. Geht es allerdings nach dem Titelverteidiger SC Magdeburg, dann könnte die Spannung ein Ende haben. Der SCM will endlich eine erfolgreiche Titelverteidigung verwirklichen und Trainer Bennet Weigert träumt davon, dass Magdeburg der FC Bayern des Handballs wird.
Eins haben die Handballer den Profi-Kickern voraus, ihre Liga gilt als die stärkste der Welt. Im Fußball gibt die Premier League in England den Ton an und Spanien lockt mit Real Madrid und dem FC Barcelona zudem die Stars. Aus dem Schatten des Fußballs kann Handball mit einem besonderen Höhepunkt treten, nämlich mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land vom 13. bis 31. Januar 2027. Der Start wird in München sein, das Finale in Köln. Aber auch im Handball gab es schon einen Dauersieger, Kiel holte insgesamt 23 Titel und war von 2005 bis 2015 mit zehn Meisterschaften die absolute Nummer 1, nur der HSV Hamburg durchkreuzte die Dominanz einmal 2011. Ähnliches schwebt Magdeburg vor, bisher vierfacher Meister. 2001 gelang der erste Titelgewinn, zuletzt war man erfolgreicher, allerdings im Zwei-Jahres-Rhythmus 2022, 2024 und 2026, dazwischen siegten Kiel 2023 und die Füchse Berlin 2025. Schluss also mit den Unterbrechungen! Ein erfolgversprechender Anfang wurde gemacht, mit einem 38:31 über die Füchse Berlin holte sich der SCM im SAP Garden in München den Supercup.
Aber vor allem der THW Kiel will bei diesen Plänen nicht mitspielen, der selbst ein schlechtes Jahr mit Platz 6 hinter sich lassen will. Trainer Filip Jicha musste gehen, jetzt soll der Norweger Borge Lund eine neue Erfolgsstory schreiben. Mit den Neuzugängen Julian Köster (Gummersbach) und Domen Makuc (Barcelona) gab es entscheidende Verstärkungen. Da wird wohl auch der letztjährige Vizemeister Füchse nicht mitkommen, der eher mit personellen Problemen zu kämpfen hat. Die Berliner bauen wie seit Jahren vor allem auf Welthandballer Mathias Gidsel. Außerdem will die SG Flensburg-Handewitt oben mitmischen und insgesamt sollte es an der Spitze spannender zugehen als bei den Fußballern.
Überhaupt gilt die Handball-Bundesliga als sehr ausgeglichen, Überraschungen sind an der Tagesordnung, Spannung gibt es in allen Bereichen. Neu in der Liga sind die Aufsteiger Balingen-Weilstetten und SG Bietigheim, die wie alle Neulinge vor allem den Klassenerhalt als erstes Ziel haben. Als Verfolger der Spitze gelten vor allem der VfL Gummersbach (Nummer 2 der Rekordliste mit 12 Titeln), MT Melsungen, die Rhein-Neckar-Löwen, TBV Lemgo-Lippe und der TSV Hannover-Bergdorf. Sie alle sind für die Spitzenteams immer ein heißes Pflaster. Für den Rest geht es vor allem um eine gute Rolle im Mittelfeld, das sind TVB Stuttgart, Frisch Auf Göppingen (Nummer 3 der Rekordliste mit 9 Titeln), HC Hamburg, EG Erlangen, HSG Wetzlar, ThSV Eisenach und der Bergische HC. Volle Hallen sind garantiert, mit Neid schaut man allerdings auf die großen Fußball-Stadien. Da hat die Freiluft-Sportart halt einen entscheidenden Vorteil.