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Kategorie: Fußball-Bundesliga

Champions League: Trainer unter Druck

Mit dem Start des Achtelfinales in der Champions League (CL) und der Zwischenrunde in der Europa League (EL) nimmt in dieser Woche der europäische Fußball endgültig Fahrt auf. Der Frühling ist die heiße Phase des Spitzenfußballs, da fallen die Entscheidungen. Im Mittelpunkt diesmal vor allem die Trainer, viele stehen unter Druck, für einige entscheidet sich ihre Zukunft im Verein mit dem Abschneiden in der CL.

Zu den Trainern unter Druck gehören auch zwei aus der Bundesliga, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lucien Favre wird in Dortmund immer wieder in Frage gestellt, spielt die Borussia schwach, kommt seine Ablösung ins Gespräch, trumpft sie auf wie beim 4:0 gegen Frankfurt hat der Schweizer eine eher trügerische Ruhe. Die Bewährungsprobe folgt gegen Paris St. Germain, dem Scheich-Klub mit seinen Stars Neymar und Mbappe sowie Borussias Ex-Trainer Thomas Tuchel, ein besonderes Aufeinandertreffen also. Dortmund hat es im Kreuz, gegen Paris zu bestehen, gleichzeitig hätte Favre wohl für den Rest der Saison der Ruhe, wenn die Borussia weiter im Titelkampf der Bundesliga dabei ist. Anders die Situation für Thomas Tuchel, der einst im Streit nach dem Bomben-Attentat Dortmund verließ, der aber jetzt endgültig in Paris liefern muss. Als die Scheichs aus Katar 2011 mit viel Geld in Paris einstiegen, galt der Gewinn in der CL als bevorzugtes Ziel. Es reichte bisher nicht einmal zum Halbfinale, die letzten drei Jahre war im Achtelfinale Schluss. Tuchel muss liefern, Dortmund könnte für ihn erneut zum Schicksal werden.

Liefern muss ebenfalls Hansi Flick, auch bei den Bayern ist ein Aus im Achtelfinale nicht akzeptabel. Bei Flick geht es um die Zukunft in München, es geht um seine Reputation nach dem Motto „was kann er wirklich?“. In der Bundesliga hat er die Mannschaft auf Vordermann gebracht, doch die Skeptiker fragen, „kann er es auch international?“ Vorgänger Niko Kovac wurde auf der europäischen Bühne Zögerlichkeit vorgeworfen. Gegen Chelsea London sind die Bayern Favorit, anders als im Vorjahr gegen den FC Liverpool mit Jürgen Klopp. Es war zuletzt das Schicksal der Bayern immer gegen den späteren CL-Sieger ausgeschieden zu sein. Aber mehr als das Achtelfinale muss es diesmal sein, die Bayern brauchen es für ihre eigene Reputation, wenn sie Verstärkungen suchen. Gefragte Spieler wollen nur zu einem Verein, der ihnen die Chance auf den CL-Sieg bietet. Hansi Flick hat noch ein bisschen Zeit, die Bayern starten nächste Woche am 25. Februar. Dann muss er liefern.

Auffallend ist, dass viele europäischen Spitzenteams sich in letzter Zeit keineswegs in Bestform präsentierten, so dass die Fans die Spiele in der Champions League wohl mit besonderer Spannung verfolgen. Unter Druck steht auch Quique Setien beim FC Barcelona, der als Nachfolger von Trainer Ernesto Valverde sowieso nur als Notnagel gilt. Unter besonderem Druck steht auch Pep Guardiola bei Manchester City. Wegen Vergehen gegen das Fair Play sprach die UEFA gegen den Verein eine zweijährige Sperre ab 2021 aus. Ob die vor dem Internatioalen Sportgerichtshof CAS Bestand haben wird, muss sich zeigen. Stand derzeit ist, dass es für Pep und City wohl die letzte Chance ist, die Stars im Team zu halten, wenn man die Champions League gewinnt, nachdem die nationale Meisterschaft verloren ist. Pep kann sich einen neuen Verein allerdings aussuchen, auf der Liste stehen u. a. eine Rückkehr nach Barcelona oder München, aber auch Juventus Turin wird gehandelt.

Die CL gelassen sehen kann Jürgen Klopp. Er steht überhaupt nicht unter Druck, er hat 2019 bereits geliefert und jetzt wollen die Fans nichts anderes als die Meisterschaft und die ist bei 25 Punkten Vorsprung in der Premier League eigentlich sicher. Seit 30 Jahren warten die „Reds“ auf den Titel, da ist Klopp auf jeden Fall wieder Held, auch wenn es in der CL schief geht. Dort kann man ja notfalls im nächsten Jahr wieder gewinnen. Die Spiele:

Champions League: Dortmund – Paris, Atletico Madrid – Liverpool (beide 18.2/ Rückspiele 11.3.), Bergamo – Valencia, Tottenham – Leipzig (beide 19.2./10.3.), Chelsea – Bayern, Neapel – Barcelona (beide 25.2./18.3.), Real Madrid – Manchester City, Lyon – Juventus Turin (beide 26.2./17.3.).

In der Europa League sind aus der Bundesliga noch Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg vertreten. Die reizvollste Aufgabe hat wohl die Eintracht gegen den RB Salzburg. Allerdings hat Österreichs Meister einige Stammspieler wie Torjäger Erling Haaland (Dortmund) im Winter abgegeben und verlor jetzt gegen Verfolger LASK Linz und musste die Tabellenführung abgeben. Leverkusen trifft auf Portugals Spitzenteam FC Porto, Wolfsburg auf Malmö FF. Reguläre Spieltage jeweils Donnerstag 20. und 27. Februar.

Klinsmann und die Bundesliga

Als Trainer unter Druck fühlte sich wohl auch Jürgen Klinsmann, der mit seiner Demission in Berlin in der letzten Woche für den Paukenschlag sorgte. Er schätzte wohl die Situation bei der Hertha völlig falsch ein und glänzte nur mit großen Sprüchen und Visionen außerhalb jeder Realität. Nach 76 Tagen verabschiedete er sich wieder und hat seinen Ruf in Deutschland endgültig ruiniert. Immerhin hinterließ er etwas Positives, nämlich neue Spieler, die der Hertha helfen können. Piatek und Cunha waren maßgeblich mit am 2:1-Sieg in Paderborn verantwortlich. Die Hertha gab in der Winterpause 77 Millionen Euro für Neuzugänge aus, so viel, wie kein anderer Verein weltweit! Aber Klinsmann träumte noch von prominenteren Namen: Özil, Götze, Draxler und auch Can standen auf seiner Wunschliste! Klinsmann-Assistent Alexander Nouri soll jetzt die Hertha retten, aber eine Zukunft als Cheftrainer hat er wohl nicht.

Immerhin, die größten Sorgen ist Hertha los. Auffällig, dass sich in der Bundesliga langsam die Fronten klären. Die Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern verteidigte die Tabellenführung, Leipzig, Dortmund und Gladbach bleiben dran. In die CL-Plätze drängt noch Bayer Leverkusen. Schalke sowie die Verfolger Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg machen dahinter den einen verbliebenen Platz für die Europa League unter sich aus.

Am Tabellenende haben die letzten drei Teams Düsseldorf, Bremen und Paderborn an Boden verloren. Wer bekommt da noch die Kurve? Die Fortuna steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten Gegner heißen Freiburg, Hertha, Mainz, Paderborn und Köln – bis auf Freiburg alles Kellerkinder bzw. Konkurrenten. Werder und Paderborn haben mit Dortmund und Bayern Spitzenteams vor der Brust, da wären Punktgewinne fast ein Wunder. Und so bleibt es in Bremen auch bei der Hängepartie: Schafft Trainer Florian Kohfeldt die Wende oder nicht? Seine letzte Chance ist vielleicht am 1. März, wenn Frankfurt in Bremen gastiert. Ein Trainer unter Druck.

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Ein Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars

Es gibt ja den Ausspruch „mancher lernt es nie“. Für die Fußball-Stars sollte dies nicht gelten, denn sie müssen jetzt gutes Benehmen lernen, müssen lernen, ihre Emotionen nicht zu wild auszuleben. Dies gilt natürlich nicht für die Bundesliga allein, aber da stehen die Stars besonders im Blickpunkt und müssen auch ihrer Vorbildfunktion für die Amateure und Jugendkicker gerecht werden. Diesem Aspekt wurde in der Vergangenheit nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt aber ist Schluss mit lustig bzw. Schluss mit Reklamieren und Rudelbildung. Den Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars haben die Schiedsrichter, aber die Vereinsmanager und –trainer sind ebenso gefragt, wie der 20. Spieltag zeigte.

Sportlich steht natürlich der Kampf um die Meisterschaft im Mittelpunkt, doch ebenso heiß wurde die Gelb-Rote Karte für Gladbachs Torjäger Plea diskutiert. Der Franzose beschwerte sich beim Spiel in Leipzig gestenreich und überzogen bei Schiedsrichter Tobias Stieler, dass dieser ein angebliches Foul nicht ahndete. Eine Gelbe Karte war die Folge und als Plea diese mit einer weiteren abwertenden Geste nach dem Motto „Du kannst es ja nicht“ quittierte, war Gelb-Rot die logische Folge. Stieler urteilte regelgerecht und vor allem auch auf Anweisung des DFB, bei Reklamieren strenger durchzugreifen. Vereine und Spieler wurden darüber informiert und FIFA-Schiedsrichter Stieler kam auch gerade von einem Lehrgang der UEFA, wo genau dieses doppelte Abwinken diskutiert wurde und Gelb-Rot als zwingend angesehen wird. Seltsam, dass die Spieler die Gelbe Karte als Warnung nicht akzeptieren. Es darf keine Entschuldigung sein, dass angeblich das erhöhte Adrenalin während eines Spiels das Gehirn ausschaltet und Respekt nicht mehr gefragt ist. Also ist jetzt der Erziehungsauftrag in vollem Gange. Sind die Referees konsequent, wird es Gelb und Rot hageln.

Allerdings ist die angekündigte strengere Regelauslegung nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Funktionären, Trainern und teilweise Journalisten noch nicht angekommen, die Gelb-Rot als überzogen ansahen. Die Gladbacher wollten von einem Erziehungsauftrag nichts wissen, wetterten gegen Stieler und äußerten sich abfällig. Sie sollten eher auf den Spieler sauer sein, der beitrug, dass Gladbach nach einem 2:0-Vorsprung, dann beim Stand von 2:1 mit dem Platzverweis, beim 2:2 schließlich noch zwei Punkte verlor. Und der Erziehungsauftrag darf da nicht enden, es ist auch respektlos gegenüber Trainern und Mitspielern, wenn Spieler bei einer Auswechslung den Trainer ignorieren und nicht abklatschen (Kunde in Mainz) oder für jeden sichtbar verärgert reagieren und Trinkflaschen oder andere Gegenstände im Frust wegkicken oder wegwerfen (Hakimi und Reus in Dortmund, Petersen in Freiburg). Wird dem Mitspieler ein Einsatz nicht gegönnt? Respekt gegen Kameraden und Trainern sieht anders aus. Und der Vorbildfunktion für die Jugendlichen werden sie auch nicht gerecht. Hier gibt es einen Erziehungsauftrag für die Vereine. An dieser Stelle wurde zuletzt vermehrt darauf hingewiesen.

Ein „Endspiel“ in München

Mal sehen, ob wir künftig mehr Respekt sehen, zum Beispiel beim Top-Spiel am Sonntag (18.00 Uhr) zwischen dem Ersten und Zweiten. Der Erste, das war bis Samstag Leipzig, jetzt ist es wieder der Titelverteidiger und alle in München sind glücklich. Bayern ist am Ziel! „Für uns zählt nur Platz eins, den wollen wir spätestens im Duell mit Leipzig erreichen“, hatte Thomas Müller vorher schon deutlich gemacht. Die Leipziger schwächelten, kommen jetzt als Zweite und sind dennoch stolz. Das Hinspiel endete 1:1 mit Vorteilen bei den Bayern. Jetzt ist es eine Art „Endspiel“, es wird vor allem zeigen, wohin der Weg der Leipziger geht, die nach einem 3:1 gegen Union Berlin, dem 0:2 in Frankfurt und 2:2 gegen Gladbach relativ schlecht ins neue Jahr gestartet sind. Ganz im Gegensatz zu den Bayern, die „ins Rollen“ gekommen sind, wie selbst sagen. Sechs Siege zuletzt, drei 2020 bei 12:1 Toren. Aber Achtung: Leipzig ist mit den Bayern zusammen das stärkste Auswärtsteam (20 Punkte), die Bayern dagegen erlebtem zu Hause schon zwei Niederlagen.

Also ein „Endspiel“ unter den „großen Vier“ zu denen noch Dortmund und Gladbach gehören. Vor allem Dortmund sorgt mit Torjäger Erling Haaland für Schlagzeilen, der 19-Jährige Norweger ist der erste Spieler mit sieben Toren in seinen ersten drei Partien in der Bundesliga! Das Quartett hat sich ein bisschen abgesetzt, deshalb ein Blick auf die weiteren direkten Duelle: Gladbach – Dortmund am 7. März, Dortmund – Bayern am 4. April, Bayern – Gladbach am 25. April und Leipzig – Dortmund am vorletzten Spieltag am 9. Mai. Dann vielleicht sogar ein echtes Endspiel? Die Bayern möchten es verhindern.

Im Abstiegskampf ist der 1. FC Köln mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen die Mannschaft der Stunde. Da hat sich also der Trainerwechsel gelohnt. Kein Wunder, dass sich die Fortunen in Düsseldorf den rheinischen Rivalen als Vorbild genommen haben und sogar Kult-Trainer Friedhelm Funkel „geopfert“ haben. Der 66-Jährige beendet damit seine Karriere mit einer Enttäuschung. Der Verein hat Sympathien verloren, viele wünschen der Fortuna jetzt den Abstieg… Den soll der neue Trainer Uwe Rösler verhindern, mit dem 1:1 gegen Frankfurt gab es ein erstes Lebenszeichen. Ob am Samstag in Wolfsburg die Wende gelingt?

Überraschend in der Bredouille auch Werder Bremen. In Augsburg stand ein „Sechs-Punkte-Spiel“ an, Werder führte 1:0, verkürzte also den Abstand, am Ende aber stand es 2:1 und der FCA vergrößerte den Vorsprung zum Relegationsrang auf neun Zähler, was die Wichtigkeit dieser Begegnung aussagt. Werder verlor bereits 19 Punkte nach einer Führung! Augsburg wiederum hat zu den Europa jetzt einen geringeren Abstand (acht) als zu den Abstiegsplätzen. Da passt die nächste Aufgabe beim Tabellennachbarn Frankfurt. Gegen die Eintracht gewinnt der FCA gern!

Der Pokal ohne Fieber

Bei dieser Konstellation oben und unten in der Bundesliga wird der DFB-Pokal in dieser Woche fast zu einem Zwischenspiel. Das Pokal-Fieber gibt es höchstens bei den Regionalligisten in Saarbrücken und Verl. Der SC hat Augsburg und Kiel ausgeschaltet und hofft nun auf Coup drei gegen Union Berlin. Ansonsten also ein Pokal ohne Fieber, aber mit interessanten Spielen, wobei die Underdogs der Bundesliga halt auf eine Überraschung im Pokal hoffen. Die Spitzenklubs wiederum müssen sich neben dem Kampf um die Meisterschaft auch auf das Zusatzgeschäft konzentrieren. Titelverteidiger Bayern München hat dabei die TSG Hoffenheim zu Gast und schlechte Erinnerungen, in der Bundesliga gab es da nämlich mit 1:2 eine der zwei Heimniederlagen. Kein Wunder, dass man in München bescheiden bleibt („wir sind gewarnt“), andererseits aber vom Spiel gegen Leipzig noch nichts wissen will.

Die Paarungen: Frankfurt – Leipzig, Kaiserslautern – Düsseldorf, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Verl – Union Berlin, Bayern – Hoffenheim, Saarbrücken – Karlsruhe. Das Viertelfinale wird am 4. und 5. April gespielt.

Ende der Spekulationen, aber die Unruhe bleibt

Am 31. Januar endet die zweite Wechselfrist im Fußball, „endlich“ werden viele sagen, die die Nase voll haben von den ständigen Gerüchten und Spekulationen um Spielerwechsel. Leider, werden die Vereinsmanager sagen, die mit ihren Verhandlungen noch nicht zum Ziel gekommen sind. Zwiegespalten sind die Trainer, die einen sind froh, dass endlich Ruhe herrscht und keine Unsicherheit mehr im Kader, die anderen hadern, weil ihr Team nicht so verstärkt werden konnte, wie sie es gern hätten. Und die Fußball-Fans? Die können sich auf eines verlassen: Das Ende der Spekulationen ist am Freitag zwar gekommen, aber die Unruhe bleibt. Dies machte auch der zweite Rückrunden-Spieltag der Bundesliga deutlich.

Spekulationen um Spieler wird es weiterhin geben, denn der nächste Sommer kommt bestimmt und damit erneut Änderungen in der Mannschaft. Nehmen wir nur Bayern München als Beispiel und den „Fall Coutinho“. Der Brasilianer gilt als Ballzauberer und Vorlagengeber, Torjäger Robert Lewandowski freute sich auf einen Zulieferer, der ihm zur Torjägerkanone verhelfen könnte. Aber bisher gab es nur wenige Lichtblicke, selten blitzte das Können des begnadeten Technikers wirklich auf. So bleibt die Unruhe, ob die Leihe verlängert werden soll oder nicht, wohl bis zum Sommer. Es sei denn, die Bayern halten ihre derzeitige Form, Thiago und Goretzka trumpfen weiter auf wie zuletzt, dann hat sich das Thema nämlich erledigt: An dem Mittelfeld mit Kimmich, Thiago und Goretzka kommt Coutinho nicht vorbei, sie sind die Basis des Super-Starts in die Rückrunde mit einem 4:0 bei der Hertha und dem 5:0 gegen Schalke. Das waren Ausrufezeichen! Und der Gewinner heißt außerdem Hansi Flick, der Coach. Viele sehen ihn auf den Spuren von Jupp Heynckes. Dabei sollte man auch Co-Trainer Hermann Gerland nicht vergessen.

Einiges von den Bayern vermisst Trainer Julian Nagelsmann bei seinen Leipziger Schützlingen. Der 32-Jährige Jungtrainer sah bei seiner Mannschaft bei der 0:2-Niederlage in Frankfurt nicht die Gier nach dem Titel, wie sie die Bayern an den Tag legen und faltete seine Spieler zusammen. „Wir sind nicht so gut, wie wir alle sein wollen“, moserte er und bemängelte vor allem schlechte Trainingsleistungen. Ein überraschender Wachrüttler, sind doch die Bullen Tabellenführer, blieben erstmals in dieser Saison ohne eigenen Treffer und haben eine Serie von neun Ligaspielen ohne Niederlage hinter sich. Nagelsmanns Weckruf soll wohl Muntermacher für die nächsten Aufgaben sein. Wie wach seine Mannschaft geworden ist, wird sich am Samstag gegen den Dritten Gladbach zeigen und am Sonntag, 9. Februar, bei den Bayern. Zwei Spiele, die den Weg weisen. Nach Nagelsmann Worten entweder zum Gipfelkreuz oder es geht an den Abstieg vom Gipfel.

Es könnte ja sein, dass Leipzigs Stars dem ungewohnten Druck mit der Aussicht auf die Meisterschaft nicht standhalten. Ein Druck, den die Bayern nicht als Druck kennen und der sie anstachelt. Ein Druck, den Fußball-Profis aushalten sollten, was aber nicht jedem gelingt. So war wohl auch der Druck für den jungen Schalker Torhüter Markus Schubert zu groß. Der U21-Nationaltorhüter patzte zweimal bei den Bayern, lud zu Toren ein und so gelangten einige Super-Paraden in den Hintergrund. Schubert bestand die Bewährungsprobe im Zweikampf um den Platz im Tor mit dem wechselwilligen Alexander Nübel nicht. Der zuletzt gesperrte Keeper sieht seine Zukunft künftig bei den Bayern und fordert dort Platzhirsch Manuel Neuer heraus, während er in der Rückrunde sehen muss, ob Schalkes Trainer David Wagner ihm noch vertraut oder schon auf die Zukunftslösung Schubert setzt. Allerdings geht es bei den Vereinen um den aktuelle Erfolg und da hat Schubert den Konkurrenten in die Pole Position gebracht: Was die reine Torhüterarbeit angeht, mag Schubert nicht schlechter sein, aber Nübel hat die weitaus größere Ausstrahlung und sorgt eher für Sicherheit bei seinen Vorderleuten. Das wurde in München deutlich.

Der Kampf um den Titel bleibt heiß, der Abstiegskampf ebenso und unversehens sehen sich da wieder Mannschaften verstrickt, die sich schon ins Mittelfeld abgesetzt hatten. Der FC Augsburg zum Beispiel, der zuletzt drei Niederlagen in Folge hinnehmen musste. Die schöne Zeit des Erfolgs ist Vergangenheit, jetzt lebt man von dieser Punktesammlung (davor drei Siege in Folge und sechs Spiele ohne Niederlage). Ausruhen geht nicht, es wird wieder ernst, vor allem am Samstag gegen Werder Bremen. Gewinnt der FCA, gewinnt er auch Ruhe und stürzt Werder endgültig ins Chaos, gewinnt Werder ist Augsburg wieder mittendrin im Abstiegskampf. Den hat auch Paderborn belebt und mischt ernsthaft mit, während Düsseldorf ans Tabellenende stürzte. Jetzt fliegen dort die Funken rund um Trainer Friedhelm Funkel. Steht er durch ein Ultimatum unter Druck oder nicht?

Es ist so, die Spekulationen um Spielerwechsel enden, die Unruhe nicht.

Sonderrolle für die 2. Bundesliga

Die 2. Bundesliga giert immer nach Gelegenheiten, um den Schatten des Oberhauses zu entfleuchen. Das gelingt vor der Saison mit einem Frühstart und ein bisschen auch beim Start ins neue Jahr, indem nämlich die Rückrunde mit dem 19. Spieltag unter der Woche mit Spielen von Dienstag bis Donnerstag fortgesetzt wird. Zur Erinnerung: Tabellenführer ist überraschend Arminia Bielefeld (34 Punkte) vor den eigentlichen Favoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart (je 31) und Außenseiter FC Heidenheim (30). Schlusslicht ist ähnlich überraschend Dynamo Dresden (13) mit schon vier Punkten Rückstand auf Wehen Wiesbaden (17), davor der 1. FC Nürnberg (!!!/19) und Karlsruhe sowie Bochum (je 20).

Die zweite Liga ist durch zahlreiche Ex-Bundesligisten und Traditionsvereine durchaus attraktiv, dennoch drängt es alle nach oben, weil es im Oberhaus wesentlich mehr Geld zu verdienen gibt. Schulden in der zweiten Liga, Gewinn in der ersten darf durchaus als Regel bezeichnet werden. Das setzt sich auch bei der Schnittstelle zur 3. Liga fort.

Wer also aus der Bundesliga absteigt, der reduziert oft nicht seinen Etat wesentlich, sondern der will mit aller Macht wieder nach oben, was manchmal auch schiefgeht und sogar zum absoluten Absturz führt. Das gilt derzeit für zwei Bundesliga-Absteiger, den 1. FC Nürnberg und Hannover 96, das nur unwesentlich besser dasteht und eher durch Chaos im Verein auffällt. Einzig der VfB Stuttgart darf am Wiederaufstieg schnuppern, versucht ihn auch mit aller Macht mit dem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo, der bisher allerdings nur im Nachwuchs tätig war, aber einen prominenten Fürsprecher hat: Julian Nagelsmann. Der HSV wiederum vertraut Coach Dieter Hecking und ist beim Wiederaufstieg schon ein Jahr im Verzug. Mit Beyer (Gladbach), Schaub (Köln) und jetzt noch Stürmer Pohjanpalo (Leverkusen) dürften sich die Hanseaten sinnvoll verstärkt haben. Spitzenreiter Bielefeld spürt den Atem der Verfolger und die Frage lautet: Hält die Arminia durch?

Die 2. Bundesliga wird so die attraktivste zweite Liga in Europa bleiben. Aber Achtung, Unruhe gibt es auch im Unterhaus.

Die Spieler müssen Disziplin lernen

Der Bundesliga-Start hatte es in sich, spektakuläre Spiele und sehenswerte Tore, dazu mit Erling Haaland ein neuer Star, Fußball-Herz, was willst Du mehr. Allerdings gab es auch sofort wieder Begleiterscheinungen, die wir auf dem Fußballplatz nicht sehen wollen und denen der Kampf angesagt wird. Gegen Rudelbildung und auswuchernde Proteste der Spieler gegen Schiedsrichter-Entscheidungen soll energisch vorgegangen werden, als Erziehungsmaßnahme wird die Gelbe Karte gezückt. Das schmeckt nicht jedem, ist aber notwendig und eine Entscheidung für die Zukunft, die den Fußball sehenswerter machen soll. Es ist ganz einfach: Die Spieler müssen Disziplin lernen.

Es war offensichtlich, dass die Schiedsrichter in allen Stadien schneller die Gelbe Karten wegen Unsportlichkeiten zückten. Die Referees selbst gaben hinterher zu, dass sie in der Vorrunde bei manchen Vergehen die Karte noch nicht gezückt hätten. Dem DFB ist aber daran gelegen, das Erscheinungsbild zu verbessern, weil die Bundesliga auch Vorbild für die Amateure ist und es dort bereits zahlreiche Übergriffe bzw. sogar Gewalttätigkeiten gegen Unparteiische gegeben hat. Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bekannte, dass dies das Hauptargument dafür war, die Regel während der Saison zu verschärfen. Die Winterpause war ja sicherlich kein ganz schlechter Zeitpunkt, umso unverständlicher, dass manche Trainer und Manager dies kritisieren.

Besonders gravierend war eine Szene in Düsseldorf, als Werders Spieler Vogt in der Nachspielzeit vom eigenen Torhüter ins Reich der Träume geschickt wurde. Zum Glück erlitt er nur eine Gehirnerschütterung, aber die allgemeine Aufregung bei diesem Zusammenprall mehrerer Spieler war groß. Es war der alte Reflex: Bevor sich selbst die eigenen Spieler um ihren am Boden liegenden Mann kümmerten, bestürmten sie Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Der zückte gegen Bremens Kapitän Niklas Moisander als Rädelsführer die Gelbe Karte, was in seinem Fall, weil es die zweite war, sogar Gelb-Rot bedeutete. Das verstärkte die Aufregung. Dr. Brych sagte in der Fachzeitung kicker u. a. zur Rudelbildung: „Wir sind uns einig, dass der Fußball solche Szenen nicht will.“ Außerdem hofft er: „Ich würde mich freuen, wenn wir Unterstützung bei dem konsequenten Vorgehen gegen Unsportlichkeiten in der Bundesliga erfahren würden.“ Gerade im Hinblick auf die Vorbildfunktion sollten Trainer und Manager nicht die Unparteiischen im Auge haben, sondern ihre eigenen Spieler gemäß dem Motto „fair geht vor, Anstand geht vor“. Bremen bangt um Vogt, freute sich aber über den 1:0-Sieg und das Ende der Tristesse.

Wenden wir uns den erfreulichen Dingen zu, den sportlichen Highlights beim Rückrunden-Auftakt. Der Star war natürlich der 19-Jährige Norweger Erling Haaland, der beim 5:3-Sieg Dortmunds in Augsburg in der 56. Minute eingewechselt wurde und gleich bei seiner Bundesliga-Premiere zum Retter avisierte. Der FCA führte 3:1, verblüffte die Borussia mit schnellen Kontern und verlor dann gegen die Urgewalt des Wikingers die Übersicht. Haaland schlug in der 59. Minute erstmals zu und bis zur 79. Minute machte er mit drei Treffern und Sancho aus dem 1:3 ein 5:3. Dortmund hat einen neuen Hoffnungsträger, einst war dies der Spanier Alcacer, doch der darf gehen, von dem spricht keiner mehr. Lustig: Auch er hatte schon mal drei Tore gegen Augsburg erzielt, ebenso wie Robert Lewandowski. Haaland schaffte eine Wiederholung des Einstandes von Aubemayang, der einstige Dortmunder Torjäger feierte auch in Augsburg seine Premiere mit drei Toren! Der FCA hat aber wichtigere Spiele vor sich: Bei Union Berlin und gegen Werder Bremen. Dafür sollte er die Leistung der ersten Stunde abrufen – Siege garantiert.

Leipzig lässt sich an der Spitze nicht beirren (letzte Niederlage am 9. Spieltag) und brachte so die Bayern in Zugzwang. Deren Aufgabe bei der Hertha schien schwierig zu sein, schließlich waren die Berliner unter ihrem neuen Coach Jürgen Klinsmann zuletzt viermal ungeschlagen geblieben. Nach dem Theater um seine Trainerlizenz durfte Klinsmann coachen und hoffte mit seiner „Berliner Mauer“ wenigstens auf einen Zähler. Die Bayern mühten sich bis in die zweite Halbzeit hinein, bis die Berliner müde gespielt waren und die Mauer bröckelte. Das 4:0 war lange Zeit nicht vorherzusehen. Den ersten Stein brach Thomas Müller heraus und er droht der Konkurrenz: „Wir sind immer da, wenn es um etwas geht.“ Nebenbei feierte Müller ein Jubiläum, seinen 250. Skorerpunkt in der Bundesliga (113 Tore, 137 Vorlagen). Da spielten auch die Personalsorgen keine Rolle mehr und Trainer Hansi Flick ließ sogar den Nachwuchs von der Leine. Was auffiel: Den eigentlichen Flügelflitzer Davies, der jetzt als linker Verteidiger glänzt, ersetzte er durch den Außenstürmer der Bayern II, Dajaku. Der soll wohl einen Geschmack bekommen, was ihm blüht, wenn Verteidiger ausfallen. Vielleicht sieht ihn Flick als Zukunftslösung auf Rechts.

Der Verlierer des Wochenendes war Borussia Mönchengladbach mit der 0:2-Niederlage bei Schalke 04. So rückte Bayern vor auf Platz zwei und das Feld enger zusammen. Schalke bleibt im Aufwind und hatte den Sieg vor allem einem Neuzugang zu verdanken, dem Österreicher Michael Gregoritsch. In Augsburg moserte er über mangelnde Einsatzzeiten, wollte kategorisch weg und wurde nach Schalke verliehen. So ist der Fußball: Bei einem Verein pfui, beim anderen hui – gerade wie es den Spielern gefällt. Schalke ist seit vier Spielen unbesiegt (davon zwei Remis), am Samstag (18.30 Uhr) folgt das Schlagerspiel bei den Bayern. Die aber haben sogar viermal in Folge gewonnen!

Diese Bilanz weist nur noch ein Verein auf – der 1. FC Köln! Mit vier Siegen raus aus der Abstiegszone, aber immer noch im Abstiegskampf. Aber jetzt wird schon mal gefeiert wie im Karneval und Trainer Markus Gisdol ist der Held. Die Serie könnte allerdings enden, am Freitag in Dortmund und gegen Erling Haaland. Oder hat der schon sein Pulver verschossen? Wie auch immer, die Bundesliga hatte einen guten Start ins neue Jahr und macht Lust auf mehr. Und wenn jetzt noch mehr Disziplin dazu kommt…

Bundesliga-Start: Alles spricht für Leipzig

Neues Jahr, neues Glück, neues oder vielleicht altes Interesse an der Fußball-Bundesliga. Am Freitag geht es wieder los mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach, Fünfter (30 Punkte) gegen Zweiter (35), und alle Fans können im Free-TV zuschauen, das ZDF überträgt live. Die Winterpause, eigentlich nur eine Weihnachtspause, war kurz (aber lang genug), die Vorfreude ist groß und die Spannung steigt. Die Trainingslager und Testspiele haben mehr Rätsel aufgegeben, als dass sie Erkenntnisse gebracht hätten. Ein Problem haben fast alle Mannschaften, sie sind nicht komplett, leiden unter Verletzungen.

Dies könnte auch den Kampf um den Titel beeinflussen, weil Titelverteidiger Bayern München eher einem Krankenlager gleicht als einem Meister-Team. Trainer Hansi Flick, der darum kämpft, zu beweisen, dass er auch nach dem Sommer der richtige Coach wäre, hat vorsorglich nur ein kurzfristiges Ziel ausgegeben: „Wir müssen die ersten Spiele irgendwie überstehen.“ Martinez, Hernandez, Coman und wohl auch Gnabry fehlen verletzt, Kimmich ist beim Start am Sonntag bei Jürgen Klinsmanns wieder erstarkten Hertha gelb-gesperrt, der Kader insgesamt zu klein. Die Hoffnungen ruhen auf Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Leistenoperation punktgenau wieder fit sein soll, und Jung-Vater Thiago. Daneben gibt es aber zudem Unruhe im Verein, so fordert der Trainer Neuzugänge im Winter für den knappen Kader, Sportdirektor Salihamidzic wiegelt ab, „im Winter ist nichts auf dem Markt“. Dazu gibt es jetzt schon Diskussionen um Sommer-Neuzugang Alexander Nübel, eigentlich ein sinnvoller Einkauf, nur der Zeitpunkt gegenüber Torhüter-Platzhirsch Manuel Neuer ist problematisch. Dazu kam im einzigen Test eine 2:5-Niederlage in Nürnberg, die Stammbesetzung schaffte dabei nur ein 1:1, die Nachwuchskräfte gingen unter. Keine guten Voraussetzungen für den Ausbau des Titel-Rekords von sieben auf acht.

Wie heißt es immer so schön bei Bayerns Konkurrenten: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Nun schwächeln sie offensichtlich, doch wer ist da? Alles spricht eigentlich für Halbzeitmeister RB Leipzig, der immerhin vier Punkte Vorsprung auf die Bayern hat und nicht den Anschein macht, dass er sich eine Krise nehmen will. Spieler und Neu-Trainer Julian Nagelsmann sind ehrgeizig und propagieren das Ziel „wir wollen vorne bleiben“. Zwei Fragezeichen: Nagelsmann spielte mit Hoffenheim oft eine schwächere Rückrunde und außerdem, wie werden die Spieler mit dem ungewohnten Druck fertig, wenn es wirklich um die Wurst geht? Die Bayern kennen das. Schon am 4. Spieltag der Rückrunde, am Sonntag, 9. Februar (18.00 Uhr), kommt es zum großen Duell Bayern – Leipzig. In der Hinrunde gab es ein 1:1 mit Vorteilen für die Münchner.

Im Titelkampf können sich natürlich auch Gladbach und Dortmund melden, nach dem Motto „wir sind auch noch da“. Die Gladbacher bleiben aber eher bescheiden, würden den Titel gerne mitnehmen, schielen aber nach der erfolgreichen Vorrunde mit Platz zwei eher wenigstens auf einen Platz für die Champions League und wollen diesen gegen die Mitkonkurrenten Schalke und Leverkusen verteidigen. Borussia Dortmund hat das Ziel Meisterschaft noch nicht aufgegeben, verzweifelt aber an der fehlenden Konstanz der Mannschaft. Vor allem gegen auf dem Papier schwächere Teams wurden Punkte abgegeben. Ändert sich das nicht, ist Dortmund nicht meisterschaftsreif. Gleich der Auftakt ist so eine Prüfung, nämlich in Augsburg, das man in der Hinrunde 5:1 geschlagen hat, doch der FCA hat sich geändert.

Apropos Augsburg, die Mannschaft hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht und sich eigentlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet, aber das Tabellenende ist nicht so weit weg, so dass der Klassenerhalt das vorrangige Ziel der bayerischen Schwaben bleibt. Da sollte der Start nicht so holprig sein wie in der Hinrunde mit Niederlagen in Dortmund und Bremen und nur einem 1:1 gegen Neuling Union Berlin. Aber Bremen und Union sind schon Schlüsselspiele, um den Abstand nach unten zu wahren.

Ja, Schlüsselspiele gibt es gleich zum Start der Rückrunde, obwohl natürlich noch 17 Spieltage anstehen. Aber wer am Anfang verliert, dem gehen nicht nur Punkte ab, sondern der muss auch gegen Unruhe im Verein kämpfen. Siehe Bremen, das eigentlich eher auf die Europa League schielte, sich jetzt aber auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Das Verletzungspech hatte zugeschlagen, Besserung ist jedoch in Sicht und Neuzugang Kevin Vogt aus Hoffenheim soll der dringend gesuchte Stabilisator der Abwehr sein. Schon der Auftakt am Samstag in Düsseldorf ist ein Schlüsselspiel – für beide Teams, schließlich spielt der 16. gegen den 17., die Fortuna hat gerade mal einen Zähler mehr als Werder. Schlüsselspiele haben natürlich auch Köln (17 Punkte) und Mainz (18), die davor platziert sind. Beide Klubs werden mit Schrecken an den Start der Bundesliga zurückdenken, denn es begann mit zwei Niederlagen.

Zweifellos gibt es in der Bundesliga mehr Sorgenkinder als glückliche Vereine. Wer unten steht, hat natürlich Sorgen, Hertha hofft mit Klinsmann die Trendwende geschafft zu haben, Frankfurt will das Ziel Europa League nicht aus den Augen verlieren und zu alter Stärke zurückfinden. Glücklich sind eher Aufsteiger Union Berlin und Freiburg mit Plätzen im Mittelfeld, doch die Verunsicherung bleibt, weil beide wissen, dass Erfolg und Glück oft nicht von Dauer sind. Glücklich ist man auch eher auf Schalke, weil man im Vorjahr schließlich noch gegen den Abstieg gekämpft hat, zwischen Zuversicht und Zweifel befinden sich Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen. Geht es nach oben oder droht ein Abrutschen nach unten?

Die Bundesliga wartet nicht auf den Sommer, den Fans wird vorher schon heiß und sie können sich darauf freuen, dass es nur Ende März eine Länderspielpause gibt. Unerfreuliche Dinge werden leider bleiben, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, unerträglich langes Warten auf die Entscheidungen beim Videobeweis, Diskussionen um Handspiele, Ärger über Rudelbildungen und vieles mehr. Die Schiedsrichter wollen ein besonderes Auge auf Unsportlichkeiten legen. Wäre schön, wenn hier ein Anfang zur Besserung gemacht werden könnte. Mehr Anstand könnte der Bundesliga gut tun (lesen Sie dazu auch die Kolumne vom 26. Dezember 2019 „Der Fußball braucht mehr Anstand“).

Der Fußball im Jahr 2020

Testspiele und Wechselgerüchte beschäftigen derzeit die Fußball-Bundesliga, so dass der Blick kaum über den Tellerrand hinausgeht. Die Fußball-Fans sollten aber wissen, dass im Jahr 2020 entscheidende Weichen für die Zukunft des Fußballs gestellt werden könnten. Weichen in die Richtung, ob der Profi-Fußball endgültig zur Geldbeschaffungsmaschine verkommt oder ob er wenigstens noch ein bisschen ein Herz für die Fans behält und sich nicht als Volkssport verabschiedet.

Verwunderung hat schon die TV-Rechtevergabe für die Champions League hervorgerufen, denn nur das Geld war wichtig, nicht die Wünsche der Fans. Die deutschen Fans schluckten, als bekannt wurde, dass Sky ausgebootet wurde und mit Amazon ein neuer Anbieter auf der Bühne erschien. Die Champions League ist ja schon im Pay-TV verschwunden, aber jetzt wird es noch komplizierter. Das kann sich fortsetzen, denn 2020 werden die Rechte für die Bundesliga ab 2021 vergeben. Sky wird sich auf die Hinterbeine stellen, um nicht auch noch diese Rechte zu verlieren, denn Sky ist ja so etwas wie der Bundesliga-Sender geworden. Von der DFL heißt es zwar, dass mehr Bundesliga im Free-TV zu sehen sein soll, doch die Klubs träumen auch von erhöhten TV-Einnahmen. Was kommt da raus? Zersplittern die Übertragungsrechte, so dass sich keiner mehr auskennt? Kommt das Ende der Institution Sportschau und kommt das Sport-Studio weiter zum Zug? Die Antwort werden wir im Frühjahr bekommen.

International stehen bekanntlich die Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf dem Programm. Die EM mit 24 Nationen in 12 Ländern ist ein Experiment und ein eklatanter Verstoß gegen das neue Umweltdenken, wenn sich Fans und Mannschaften fast laufend in der Luft befinden und von Flugscham keine Rede sein kann. Das Fußballturnier bei Olympia vom 24. Juli bis 9. August tangiert die Bundesliga insoweit, als Spieler für die deutsche und ausländischen Mannschaften abgestellt werden sollen. „Sollen“ wohlgemerkt, denn eine Abstellungspflicht besteht nicht. Allerdings fehlen die Spieler nicht bei Punktspielen, sondern nur in der Vorbereitung. Dennoch muss sich Bundestrainer Stefan Kuntz für die Besetzung etwas einfallen lassen, er darf nur auf Spieler der U 23 zurückgreifen und zusätzlich drei ältere Spieler nominieren, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass kein Klub besonders belastet wird. Am Ende soll er allerdings auch noch erfolgreich sein. Vor vier Jahren gab es Silber.

2020 werden aber wohl auch die Weichen dafür gestellt, wie es mit der Klub-Weltmeisterschaft weitergehen wird. Die nächste Klub-WM findet 2021 in China statt und es werden dann erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. Bisher waren es sieben, vor kurzem holte sich in Katar Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Titel. Streit gibt es hinter den Kulissen, denn die UEFA will nur acht europäische Teams entsenden, doch das Vereinsinteresse ist offensichtlich groß, Europas Topklubs wollen zwölf Teilnehmer dabei haben, weil Ruhm und lukrative Prämien locken. Da wird dann auch nicht mehr von einer zusätzlichen Belastung gesprochen. Geld sorgt wohl für die nötige Kondition bzw. Erholung.

Um Geld geht es beim Videobeweis nicht, sondern um Gerechtigkeit. Doch der Stein des Weisen wurde noch nicht gefunden, statt weniger gibt es fast mehr Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem wegen der unübersichtlichen Regelauslegung für ein Handspiel und der strengen Blicke auf das Abseits. Hier geht es inzwischen um Millimeter, doch das kann es eigentlich nicht sein, die Linie, die das Abseits beweisen soll, ist nicht von Fehlern frei. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht um Fuß- oder Nasenspitze gehen kann, sondern es mehr Großzügigkeit geben muss, damit die Entscheidungen schneller gefällt werden können. Vorschlag: Wenn sich die Spieler auf gleicher Höhe befinden, ist es kein Abseits, egal ob Knie, Arm oder Nasenspitze herausragen. Entscheidend sollte sein, dass die Wartezeit bis zur Entscheidung verkürzt wird. Der Fußball leidet nämlich, typisch das Befinden von Spielern und Fans: „Man traut sich ja gar nicht mehr zu jubeln.“

Wir sehen, 2020 hält für uns Fußball-Fans einiges bereit. Manches könnte sogar zur Weichenstellung für das ganze Jahrzehnt werden. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir darauf, dass der Fußball nicht im Geld verschwindet…