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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball-Bundesliga

Begeisterung für die Frauen-WM – Die Klasse fehlt

Die Fußball-Frauen stehen derzeit im Mittelpunkt. Wir dürfen annehmen, dass dies mit ihrer Weltmeisterschaft in Frankreich weltweit der Fall ist. Im Gastgeberland ist die Stimmung zumindest in den Stadien beeindruckend und so wird die WM ein Highlight. Aber auch Deutschland fiebert mit den Frauen mit, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. Natürlich sind sie nicht so hoch wie bei den Männern, wo WM-Spiele beinahe eine nationale Angelegenheit sind, aber das DFB-Frauenteam darf Begeisterung für sich verbuchen. 6,15 Millionen sahen an den Bildschirmen am vergangenen Mittwoch um 18.00 Uhr das 1:0 gegen Spanien, das war der Zuschauerrekord für den Tag, mehr also als alle Sendungen zur sogenannten Prime time nach 20.00 Uhr. Ein besonderer Sieg auch am Montag neben dem 4:0 über Südafrika, denn 5,99 Millionen sahen zu. Bei einem Marktanteil von 32,4 Prozent heißt das, dass jeder Dritte, der um diese Zeit ferngesehen hat, sich für Fußball interessierte. Damit schlugen die Frauen auch die U21 der Männer, die am Abend ab 21.00 Uhr sportlich ebenfalls mit dem 3:1 über Dänemark beeindruckte, aber da interessierte sich nur jeder Fünfte dafür, die 4,92 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 20 %.

Die Stimmung bei den Zuschauern ist also gut, auch die Stimmung in der Mannschaft, die sich gegen China, Spanien und Südafrika mit 6:0 Toren frühzeitig und eben ohne Gegentreffer für das Achtelfinale qualifiziert hatte. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel ist erkennbar, doch bei der „Tour de France“, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Rundreise durch Frankreich bezeichnet hat, kommen die schweren Bergetappen erst noch. In die Berge geht es schon im Achtelfinale am Samstag, nämlich nach Grenoble. Der Gegner sollte kein (Berg)Riese sein, ist es doch ein Drittplatziertes Team der Vorrunde.

Sportlich ließen die Gruppenspiele zu wünschen übrig, wirklich gute Spiele lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Wie immer, so hat auch bei der Frauen-WM die Aufstockung auf 24 Nationen das Niveau eher gedrückt. Die schwächeren Nationen suchen ihr Heil, um ein ehrenvolles Resultat oder vielleicht sogar ein Pünktchen zu ergattern, in Mauertaktik und Härte. Ihre spielerischen Mittel sind meist begrenzt. Wie bei den Männern auch ist es so, dass es erst ab dem Viertelfinale richtig interessant wird. Mit ihrem Gruppensieg haben die deutschen Mädchen zumindest die Weichen dafür gestellt, dass nach der Papierform die großen Favoriten USA und Frankreich erst im eventuellen Finale der Gegner sein werden. Bisher hat allerdings nur die USA überzeugt, Frankreich hangelte sich mit knappen Resultaten (2:1 gegen Norwegen, 1:0 gegen Nigeria, dazu 4:0 gegen Südkorea) ins Achtelfinale. Die Klasse fehlt also noch, die Mannschaften wollen ihr Können wohl erst in den entscheidenden Spielen zeigen. Das müssen die USA und die Gastgeberinnen bald, denn sie könnten im Viertelfinale aufeinandertreffen. Das wäre dann ein vorgezogenes Endspiel.

Guter Start der U21

Die Deutsche Nationalmannschaft der U21 startete bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino also im Schatten der Frauen. Mit Erfolgen könnte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz aber bald aus dem Schatten treten. Der Auftakt war schon mal vielsprechend, denn spielerisch klappte einiges und der Augsburger Marco Richter zeigte einen bemerkenswerten Torriecher und stellte mit zwei Treffern und einer Vorlage die Weichen zum 3:1-Erfolg über Dänemark. EM-Neuling Österreich sorgte davor in dieser Gruppe für eine Sensation mit einem 2:0 gegen die favorisierten Serben. Jetzt fragt man sich im deutschen Lager, wer denn der große Gegner auf dem Weg ins Halbfinale sein kann. Serbien mit Frankfurts Torjäger Jovic wurde am meisten gefürchtet. Vielleicht sind sie jetzt doppelt gefährlich, weil angeschlagen. Sie kämpfen am Donnerstag um ihre letzte Chance. Wie bereits geschrieben, haben die Frauen und die U21 das gleiche Ziel, nämlich das Halbfinale, dass das Ticket für Olympia 2020 in Tokio bedeutet.

Mats Hummels sorgt für das Hammer-Gerücht

Abseits vom Geschehen auf dem Rasen bleibt der Fußball vor allem durch Spielertransfers im Gespräch. Dabei sind für die Öffentlichkeit die Gerüchte interessanter als die Vollzugsmeldungen, die am Ende der Spekulationen stehen. Das Hammer-Gerücht rankt sich jetzt um Ex-Nationalspieler Mats Hummels. Er soll angeblich vor der Rückkehr nach Dortmund stehen. Vor drei Jahren war er vor Trainer Thomas Tuchel geflohen mit einer Rückkehr in die alte Heimat nach München, wo seine Karriere begann. Von 2008 bis 2016 spielte er dann in Dortmund, wurde Deutscher Meister (2011, 2012) und DFB-Pokalsieger (2012) mit den Borussen, verlor aber das Finale der Champions League gegen die Bayern. Jetzt ist wieder eine Flucht vor dem Trainer bzw. der Konkurrenz möglich. Hummels befürchtet wohl, hinter der Nummer 1 der Bayern-Innenverteidiger, Niklas Süle, und den Neuzugängen Hernandez und Pavard zum Bankdrücker zu werden.

Der Wechsel könnte für den Spieler also Sinn machen, die Frage ist, welcher Verein davon mehr profitiert. Erst die neue Saison kann die Antwort geben. Hummels wurde bekanntlich von Bundestrainer Joachim Löw ausgebootet, das stachelte aber offensichtlich seinen Ehrgeiz an und er zeigte in der Bundesliga-Rückrunde überzeugende Leistungen. Das Fachblatt kicker stufte ihn in seiner halbjährlichen Rangliste prompt als besten Innenverteidiger der Liga ein. Dortmund könnte also damit den gesuchten routinierten Abwehrspieler für die jungen Nebenleute verpflichten und ein stärkerer Konkurrent für die Bayern werden. Die allerdings können auch profitieren, dann nämlich, wenn die Neuzugänge einschlagen, aber nur dann. Denn dann hätte man durch den Abgang von Hummels auch mehr Ruhe in der Mannschaft gewonnen.

In punkto Verstärkungen für die neue Saison macht derzeit Borussia Dortmund den Wirbel. Mit Nico Schulz (Hoffenheim), Julian Brandt (Leverkusen) und Thorgan Hazard (Gladbach) wurde schon mächtig aufgefrischt. Die Bayern gaben das Geld für einen Spieler aus, nämlich Hernandez. Im Gespräch sind noch die Flügelflitzer Leroy Sane (Manchester City) und Timo Werner (RB Leipzig) und dazu der Mittelfeldabräumer Rodrigo von Atletico Madrid. Stars, die viel Geld kosten und einen Umbruch bewältigen sollen, der der Mannschaft mehr Frische und Schnelligkeit verleiht. Aber noch liegen die großen Aufgaben vor den Bayern. Dortmund hat bereits Tatsachen geschaffen, die Bayern befinden sich noch im Gerüchte-Status. Fortsetzung folgt.

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Klopp unsterblich in Liverpool – Tradition wird in die zweite Liga verbannt

Er kann es doch! Jürgen Klopp hat endlich einen internationalen Titel geholt und wird dafür in Liverpool gefeiert. Der 51-Jähige Trainer musste sich nach sechs verlorenen Endspielen gegen den Ruf wehren, kein bedeutendes Finale gewinnen zu können. Er scheiterte 2013 mit Borussia Dortmund an Bayern München, verlor 2017 mit Liverpool das Finale der Europa League und im Vorjahr das der Champions League nach schweren Torwartfehlern von Louis Karius mit 1:3 gegen Real Madrid. Doch in diesem Jahr war alles anders, Klopp, in Liverpool sowieso schon von den Fans geliebt, hat jetzt endlich geliefert und nach dem 2:0-Sieg gegen Tottenham in Madrid wird er unsterblich in der Stadt der Beatles. 200.000 waren in der Stadt auf den Beinen. Schon fordern viele für ihn ein Denkmal wie für die Legende der „Reds“, Bill Shankly. Auf dessen Spuren wandelt Klopp, jetzt will er den Fans und Stadt vor allem die nationale Meisterschaft schenken. Darauf warten sie sehnsüchtig und sie glauben an den einen, der es schaffen kann: Jürgen Klopp. Mit 97 Punkten wurde er in diesem Jahr hinter Manchester City und Pep Guardiola. Der Spanier gratulierte zum CL-Triumph und er freue sich schon auf die neuen Duelle, „wenn wir uns wieder gegenseitig in den Hintern treten“.

Das Finale in Madrid war im Vergleich zu den spektakulären Halbfinals geradezu langweilig, ein Hand-Elfmeter, einer der Sorte der unglücklichen Handbewegung, tötete schon in der 2. Minute das Spiel. In der Folge beherrschte Liverpool souverän den Kontrahenten aus der Premier League und es zeigte sich, wie wertvoll, wenn auch teuer, Klopps Verstärkungen waren: Abwehrstratege Virgil van Dijk (für 85 Millionen Euro verpflichtet) war ebenso ein Rückhalt wie Torhüter Alisson Becker (65 Mill.). Geld, vernünftig eingesetzt, gewinnt halt doch Pokale. Übrigens: Als seine größte Leistung bisher bezeichnete Klopp den Aufstieg in die Bundesliga mit Mainz 05.

14 Jahre nach einer sensationellen Aufholjagd gegen Mailand setzten sich die „Reds“ zum sechsten Mal Europas Fußball-Krone auf. Die englischen Teams waren in beiden europäischen Finals unter sich und jeder fragt sich, was bedeutet dies für die Zukunft? Eines zeigt sich, die englischen Klubs setzen ihre Millionen der übermäßigen TV-Gelder sinnvoller als in der Vergangenheit ein und deshalb sind sie eine ernsthafte Konkurrenz für den Rest der europäischen Spitzenklubs. Vom englischen Fußball brauchen wir dabei aber nicht reden, es sind internationale Stars, die für die Erfolge sorgen. Im stimmungslosen Finale der Europa League (im unsäglichen Austragungsort Baku) zwischen Chelsea und Arsenal London (4:1) stand gerade mal ein englischer Spieler in den Anfangsformationen. Der große Sieger war Belgiens Torjäger Eden Hazard, der große Verlierer der deutsche Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der wieder einmal untertauchte und wie ein alter Mann vom Platz schlich, quasi als Beweis für die These, dass er ein weit überschätzter Spieler ist.

Aber nicht wegen England, sondern wegen der Funktionäre in den reichen Vereinen und bei dem europäischen Verband UEFA muss man sich Sorgen um die Zukunft von Europa League und Champions League machen. Tötet das Geld künftig die Spannung? Werden die Plätze ausgegeben nicht ausgelost, damit die Großen nicht ihre Pfründe verlieren? Die Gefahr besteht. In Deutschland ist die Champions League bereits im Pay-TV verschwunden und hat an Bedeutung erheblich verloren! Die CL ist auf dem Weg nur noch ein Wettbewerb für elitäre Klubs zu sein, hat dann aber für den Rest der Welt keine Bedeutung mehr.

Ein warnendes Beispiel könnte die Nations League sein, die als zusätzlicher Wettbewerb für die Nationalmannschaften erfunden wurde, um aus ungeliebten Freundschaftsspielen geldbringende Pokalspiele zu machen. Die Endrunde wird in dieser Woche in Portugal ausgetragen. Doch wen interessiert es? Schon gehört, dass jetzt am Mittwoch und Donnerstag die Halbfinals anstehen? In Deutschland verzichten die Rechteinhaber ARD und ZDF auf Übertragungen der Spiele Portugal – Schweiz und England – Niederlande, das ZDF widmet sich am kommenden Fußball-Sonntag wenigstens dem Finale in Porto. Die Nations League reißt also keinen von den Sitzen.

International ist in den nächsten Tagen noch einiges los, so stehen Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2020 an und am Freitag beginnt in Frankreich die Frauen-Weltmeisterschaft. Dazu mehr in einem eigenen Kommentar in den nächsten Tagen.

Beste 2. Bundesliga aller Zeiten?

Noch ein Blick auf das nationale Geschehen. Die Relegationsspiele im Profi-Fußball sind beendet und sie brachten große Überraschungen. Nachdem sich der SC Paderborn bereits in der regulären Saison einen Platz im Oberhaus zurückgeholt hatte, zog jetzt der Dritte der 2. Bundesliga, Union Berlin, umjubelt nach und schickte den VfB Stuttgart in die zweite Liga. Zwar verloren die Stuttgarter nicht, aber ein 2:2 zu Hause und ein 0:0 in Berlin waren nach der Auswärtstorregel eben zu wenig. In Berlin wurde entsprechend gefeiert und die Fans treuen sich jetzt schon auf der Derby gegen Hertha BSC. Union ist der 56. Klub in der Bundesliga-Geschichte.

Paderborn und Union werden die „Exoten“ in der Bundesliga sein, andererseits sieht es so aus, dass die Fußball-Tradition in die zweite Liga verbannt wird. In der Bundesliga sorgen neureiche Klubs wie Hoffenheim und RB Leipzig für Furore, bleiben aber ungeliebt, dazu sind Werkklubs wie Bayer Leverkusen und der von VW am Leben erhaltene VfL Wolfsburg nur geduldet. Die Herzen der Fans schlagen eher für Vereine wie den Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart, Hannover 96, FC St. Pauli, Dynamo Dresden oder 1860 München. Gemerkt? Bis auf 1860, das sogar in die 3. Liga abrutschte, treffen sich die Vereine in der 2. Bundesliga. Es könnte also die beste und von den Namen her zumindest interessanteste zweite Liga aller Zeiten werden! Am 26. Juli beginnt bereits die neue Saison, die ersten Vereine starten am 17. Juni ihre Vorbereitung.

Das Wochenende des FC Bayern München

Ende gut, alles gut heißt es beim FC Bayern München. Der Fußball-Bundesligist beendete eine Saison, die im Herbst des letzten Jahres fast schon (gefühlt) in Trümmern lag, mit einem grandiosen Sieges-Wochenende. Das schlagzeilenträchtige Double der Profis mit Meisterschaft und Pokalsieg innerhalb einer Woche war es nicht allein, sondern dazu kam, dass die Amateure als Bayern II nach acht Jahren Wartezeit endlich den Aufstieg in die 3. Liga schafften und der Nachwuchs der U17 rundete das Feier-Wochenende mit dem Titelgewinn als Süddeutscher Meister ab. Ein erster Erfolg für Miroslav Klose als Trainer.

War es aber auch das Wochenende des Niko Kovac? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man die Diskussionen rund um den Bayern-Trainer als Komödienstadel bezeichnen. Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gaben eine unglückliche Figur in ihren Verlautbarungen ab, wenn es um die Zukunft des Kroaten ging, der ja sowieso einen Vertrag bis 2021 hat. Die Zwischentöne offenbarten: Man mag ihn nicht unbedingt, aber man muss ihn wohl behalten, wenn er so erfolgreich ist. Der 47-Jährige Coach ist zu nüchtern und pragmatisch, als dass er die Herzen spontan erobern kann. Sein Defensiv-Denken kommt in der Mannschaft nicht gut an, also ist er auch bei den Stars umstritten. Doch sie haben mit ihm Erfolg. Kovac schaffte ein Novum, als Erster holte er als Spieler und als Trainer mit den Bayern das Double. Eine Leistung, die bei den Fans zählt, denn die gaben ihre Zurückhaltung auf und feierten sowohl in den Stadien in München beim Titelgewinn und in Berlin beim Pokalsieg als auch auf dem Marienplatz bei der Meisterfeier den Trainer. Rummenigge hingegen versäumte einen Dank beim Siegesbankett. Das lässt tief blicken.

Aber Erfolg sichert den Arbeitsplatz. Hatte nicht Uli Hoeneß schon vorgebeugt, als er davon sprach, „dass die Bayern auch mal mit einem Jahr ohne Titel leben könnten“? Jetzt werden sie mit zwei Titeln besonders gut leben können und müssen abwarten, wie Niko Kovac den weiteren Umbruch der Mannschaft bewältigt, den ersten Teil hat er jedenfalls erfolgreich, wenn auch mit Schrammen, hinter sich gebracht.

Abschiede gibt es bei den Bayern dennoch und sie drängten die Zukunft des Trainers sogar in den Hintergrund. Die große Ära der Franck Ribery und Arjen Robben und in ihrem Schatten auch des Brasilianers Rafinha ist zu Ende. Sie holten Titel en masse, gekrönt mit dem Triple mit Champions-League-Sieg 2013. Ribery sicherte sich sogar Rekorde als einziger Spieler mit neun Meisterschaften und jetzt sechs Pokalsiegen. Ein weiterer Abschied kündigte sich zudem an, Jerome Boateng, zuletzt nur Ersatz, verzog sich in den Schmollwinkel und blieb bei den Feierlichkeiten außen vor. Er hat mit den Bayern abgeschlossen und Uli Hoeneß riet ihm folgerichtig, sich einen neuen Verein zu suchen. Ein Abschied in Ehren dagegen für Kovac-Assistent Peter Herrmann, der einst an der Seite von Jupp Heynckes zu den Bayern kam und jetzt vielleicht Sportdirektor in Nürnberg wird. Als möglicher Nachfolger wird der frühere Löw-Assistent und DFB-Sportdirektor Hansi Flick gehandelt.

Jetzt wird der Blick in die Zukunft gerichtet, welche Verstärkungen nach Hernandez und Pavard an Bord kommen. Heiß gehandelt werden vor allem die Nationalspieler Timo Werner und Leroy Sane als weitere Tempo-Spieler sowie der Spanier Rodrigo von Atletico Madrid als Verstärkung im Mittelfeld. Bei allen Stars sind die Bayern natürlich nicht der einzige Interessent. In Berlin im Pokalfinale richteten es aber vorwiegend noch die alten Cracks. Torhüter Manuel Neuer kam nach Verletzungspause mit Sensationsparaden zurück, Mats Hummels bewies ebenso seine Klasse wie Thiago, dem man ja auch oft nachsagt, in wichtigen Spielen unterzutauchen. Ein Makel, der auch Robert Lewandowski anhaftet, der aber mit zwei Treffern ebenso wie Neuer zum absoluten Matchwinner wurde. Und mit sechs Toren in Pokalfinalen ist er alleiniger Rekordhalter, noch vor der Legende Gerd Müller.

Jetzt geht es um die Zukunft

Die Zukunft wird in den nächsten Wochen die Schlagzeilen bestimmen, eine Zukunft, die auch die Konkurrenz beeinflussen will. So stellte sich der RB Leipzig schon als starker Gegner vor, der den Bayern mit einem offensiven Pressing anfangs erhebliche Probleme bereitete, aber das Spielglück nicht auf seiner Seite hatte und an der Klasse der Bayern schließlich zerbrach. Aber für die Zukunft sind die Leipziger gut gerüstet und das will auch Borussia Dortmund sein. Dort stellte die Einkaufslust das Pokalfinale fast in den Schatten, die Verstärkungen Julian Brandt (Leverkusen), Nico Schulz (Hoffenheim) und Thorgan Hazard (Gladbach) für rund 80 Millionen Euro stellen eine Kampfansage dar, die Boss Watzke untermauert: „Wir wollen Meister werden“, legt er die jahrelange Zurückhaltung ab. Bisher hieß es bei der Konkurrenz immer, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Jetzt schwächelten die Bayern und niemand war da. Am Ende waren die Bayern selbst wieder da, sogar doppelt.

Was die Zukunft angeht, sollte auch die Bayern II eine Rolle spielen. Nach acht Jahren Anlauf klappte die Rückkehr in die 3. Liga mit einem Kraftakt wie wir ihn zuletzt auf Europas Bühnen gesehen haben. Gegen Wolfsburg II schafften die Münchner nach einer 1:3-Niederlage mit einem grandiosen 4:1 nach 0:1-Rückstand noch die Wende. Allerdings könnte es sein, dass trotz des Aufstiegs Talente bei anderen Vereinen eher eine Zukunft sehen. Leistungsträger wie Abwehrspieler Mai, Spielmacher Shabani und Flügelflitzer Jeong sind begehrt. Allerdings brauchen die Bayern für die 3. Liga eine starke Mannschaft. Interessant vor allem die Derbys gegen 1860 München und Unterhaching. Die Bayern stellen übrigens jetzt die einzige 2. Mannschaft in der 3. Liga, was ja auch dem Sonderstatus, den die Münchner gerne für sich reklamieren, entspricht.

Englische Woche

Auf Europas Bühne spielen die deutschen Teams bekanntlich nicht mit, mit den Finals in Europa League am Mittwoch in Baku und Champions League am Samstag in Madrid haben wir nicht nur den Höhepunkt der internationalen Punktspielsaison, sondern auch eine „Englische Woche“. Europa guckt quasi auf die Geldtöpfe der Premier League, die die Pokale unter sich aufteilt. Brexit hin oder her, im Fußball dominiert England Europa.

Vereinen und Fans ist eigentlich zum Feiern zumute, für Misstöne sorgt (natürlich) aber wieder die UEFA. Die Funktionäre treten ja wirklich in jedes Fettnäpfchen, den Austragungsort Baku hätte es nicht geben dürfen. In Aserbeidschan spielen die Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle und da es einen politischen, kriegerischen Zwist mit Armenien gibt, wird Arsenals Star, der Ex-Dortmunder Mkhitaryan aus Sicherheitsgründen nicht nach Baku reisen. Ein Unding, so etwas muss die UEFA bei der Auswahl des Endspielortes berücksichtigen. Außerdem gibt es Zwistigkeiten mit Eintrittskarten, so dass von einem Fußball-Fest beim Duell FC Chelsea gegen FC Arsenal keine Rede sein kann.

Auch ohne deutsche Klubs gibt es wenigstens eine deutsche Beteiligung, bei Arsenal dürften die deutschen Nationalspieler Leno, Özil und Mustafi auf dem Rasen stehen, zudem die früheren Bundesligaspieler Xhaka (Gladbach), Kolasinac (Schalke), Aubemayang und Sokratis (beide Dortmund). Fußball-Deutschland ist bekanntlich auch im Finale der Champions League dabei und drückt wohl Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen Tottenham die Daumen, damit er seinen ersten internationalen Titel gewinnt und die Fans der Reds für die entgangene Meisterschaft entschädigt. Klopp würde sich dann wohl endgültig in Liverpool unsterblich machen.

Demnächst hier auch ein Rückblick auf die Eishockey-Weltmeisterschaft und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.

Die Bundesliga-Bilanz: Von Gewinnern und Verlierern

Die 56. Saison der Fußball-Bundesliga ist beendet. Fast könnte man sagen, sie endete wie zuletzt immer, nämlich mit dem Titelgewinn des FC Bayern München, dem 29. und zuletzt siebten in Folge. Aber es war in diesem Jahr doch einiges anders, zum Beispiel die Spannung bis zum Schluss. Die Fans waren die Gewinner, aber insgesamt muss man sich um die Zukunft schon Sorgen machen. Eine kleine Bilanz, wer waren die Gewinner und wer die Verlierer?

Die Gewinner der Saison 18/19

Natürlich muss man hier zuerst einmal den Meister nennen. Im Herbst sah es gar nicht nach einem Titelgewinn aus, Dortmund führte mit neun Punkten Vorsprung, die Bayern waren im Krisen-Modus. Doch der neue Trainer Niko Kovac meisterte die Situation, schließlich spielten die Bayern ihre beste Rückrunde aller Zeiten und so wurde am Ende der Trainer auch von den Fans gefeiert. Eine Aussage über seine gesicherte Zukunft (Vertrag bis 2021!) steht noch aus, doch Niko Kovac war am Ende ein Gewinner. Allerdings auch ein Verlierer durch das Hickhack in der Führungsetage um seine Person. Schafft nur ein Pokalsieg am Samstag gegen RB Leipzig und damit das Double die endgültige Klarheit? Gewinner im Verein waren natürlich am Ende auch Ribery und Robben mit einem glanzvollen Schlusspunkt ihrer Karriere bei den Bayern.

Eigentlich kann man bei den Gewinnern die Tabelle abarbeiten, aber nicht immer. Der Vizemeister sorgt für eine Lücke, aber Gewinner waren die nachfolgenden Teams, nämlich RB Leipzig (ein persönlicher Erfolg für Ralf Rangnick als Trainer-Statthalter), Bayer Leverkusen (die Wende kam durch Trainer Peter Bosz, beide Teams in der Champions League), danach natürlich auch Borussia Mönchengladbach (ein bisschen auch ein Verlierer, weil die Champions League durch eine Schwächeperiode am Ende verspielt wurde), vor allem der VfL Wolfsburg und Trainer Bruno Labbadia (von der Relegation in die Europa League) und Eintracht Frankfurter. Die Frankfurter starteten schlecht in die Saison, danach begeisterten sie vor allem in der Europa League, doch dann ging die Kraft aus. Mainz musste helfen, dass die Eintracht auf Platz 7 zumindest die Qualifikation für die EL schaffte. Also doch kein Scherbenhaufen. Trainer Adi Hütter und seine Truppe haben sich das verdient und durch diese „Hilfestellung“ wurde Mainz ebenfalls ein besonderer Gewinner.

Die Hoffnungen vor einer Saison sind ja sehr unterschiedlich, aber so können sich auch Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und der SC Freiburg zu den Gewinnern zählen. Die Bremer hatten zwar das Ziel Europa League ausgegeben, aber das sollte nur ein Hilfsmotor für eine gute Saison sein. Hat geklappt. Sie haben noch einen besonderen Gewinner, nämlich den „ewigen“ Claudio Pizarro. Der Peruaner wird immer beliebter. Die Fortuna als Neuling war fast so etwas wie die „Mannschaft der Saison“ und Trainer Friedhelm Funkel kann sich als „Trainer der Saison“ feiern lassen. Auch der SC Freiburg hat „gewonnen“, nämlich den sicheren Klassenerhalt trotz nachhaltiger Verletzungssorgen.

Die Verlierer der Saison 18/19

Der größte Verlierer war zweifellos Borussia Dortmund, das zwar mit der Vizemeisterschaft zufrieden sein kann, aber nicht, nachdem man einen Neun-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hat. So gab es vor allem Enttäuschung über Platz zwei und die Kampfansage für die nächste Saison gegenüber den Bayern. Gewinner könnte die Bundesliga sein. Dortmund will also nicht den Weg des letzten Vizemeisters gehen, nämlich dem von Ruhr-Pott-Rivalen Schalke 04. Vom Vizemeister zum Abstiegskandidaten der „Verlierer der Saison“. Enttäuschung auch in Hoffenheim. Die Champions League in Sichtweite, die Europa League fast sicher und doch am Ende nichts. Ein schwacher Abgang von Trainer Julian Nagelsmann, die große Trainer-Hoffnung wechselt mit ersten Kratzern am guten Ruf nach Leipzig. Sage und schreibe 26 Punkte verschenkte Hoffenheim nach einer Führung! Ein eher trauriger Abgang auch für Coach Pal Dardai in Berlin, wieder knickte die Hertha in der Rückrunde ein, die alte Dame schafft keine ganze Saison. So muss der Trainer jetzt gehen.

Am Tabellenende waren alle Mannschaften eine einzige Enttäuschung. Noch nie war das Tabellenende so schlecht, Nürnberg (18 Punkte) und Hannover (21) haben den Abstieg wahrlich verdient, Stuttgart mit nur 28 Zählern in der Relegation (aber Favorit gegen Union Berlin) – das sagt alles. Und so haben sich der FC Augsburg (eine Blamage das 1:8 in Wolfsburg, die Mannschaft fällt wohl auseinander) und Schalke 04 nur den Klassenerhalt geholt, weil die Konkurrenz dahinter noch schlechter war. Das spricht nicht für die Qualität der Bundesliga. Was zu denken gibt: Die Aufsteiger machen nicht mehr Hoffnung!

Natürlich darf man dem 1. FC Köln und SC Paderborn zum Aufstieg gratulieren, aber beiden steht eine harte Saison bevor. Vor allem die Paderborner wissen wohl gar nicht, wie ihnen geschehen ist. Die Konkurrenz machte bereitwillig den Weg nach oben frei, vor allem der krisengeschüttelte Hamburger SV, der sich als zu dumm für den Wiederaufstieg zeigte. Wie schwer es für Paderborn in der obersten Etage wird, zeigt schon die 1:3-Niederlage in Dresden. Typisch, den Aufstieg mit einer Niederlage geschafft! Da sind sogar die Fans skeptisch, Fan Wolfgang sagt zum Beispiel: „Die haben da oben nichts verloren“. Aber gefeiert werden darf natürlich trotzdem, schließlich gelang ein Durchmarsch von der 3. Liga bis ganz nach oben.

Verlierer der Saison waren auch die Trainer, die reihenweise ihren Hut nehmen mussten. Die Klub-Vorstände werden immer nervöser, immer ungeduldiger, das Wort vom „Schmerzensgeld“, das die Trainer erhalten statt Gehalt, macht wieder die Runde. Noch ärgerlicher die ewigen Diskussionen über die Handspiele, noch nie gab es so viele Handelfmeter, noch nie waren diese Entscheidungen so umstritten, obwohl die Schiedsrichter generell gar keinen so schlechten Job gemacht haben. Der Videobeweis hat für ein Stück Gerechtigkeit gesorgt, aber auch ein Stück die Emotionen geklaut. Auch hier also ein Gewinner und Verlierer.

Die Bundesliga ist zu Ende, aber die Saison noch lange nicht. National steht das Pokal-Finale an, in dem Trainer Niko Kovac diesmal mit den Bayern seinen Titel verteidigen kann. Er gewann bekanntlich vor einem Jahr mit Eintracht Frankfurt gegen seinen neuen Klub. Gegner ist diesmal der aufstrebende RB Leipzig, der langfristig zusammen mit Dortmund den Bayern die Hölle heiß machen will. Den „ewigen Meister“ Bayern soll es nicht geben. Die internationalen Endspiele in Europa League und Champions League gehen bekanntlich ohne die Bundesliga über die Bühne, da fehlt also die Reputation. Dazu gibt es viele Relegationen, wobei es stillos von der DFL ist, dass die Bundesliga-Relegation im Pay-TV verschwindet.

Danach stehen noch Länderspiele an und vor allem die Wechselgerüchte werden die Fußball-Fans in den nächsten Wochen im Bann halten (neueste Meldungen: Verlässt Mbappe Paris? Wen kauft Real Madrid? Landet Leroy Sane bei den Bayern?). Sicher ist, es wird nicht langweilig, der Fußball bleibt im Gespräch und der Sport-Grantler ist natürlich dabei.

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert

Die Fußball-Saison geht ihrem Ende entgegen. Das macht die Fans zum Teil traurig, andererseits haben die letzten Spieltagen einen besonderen Reiz: An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert! In Europas Ligen stehen einige Meister bereits fest, in der Bundesliga feierten der SC Freiburg, FC Augsburg und Schalke 04 den Klassenerhalt. Das Bangen und Zittern über viele Wochen hinweg hat ein glückliches Ende gefunden.

Und so fallen jetzt an jedem Spieltag Entscheidungen, allerdings nicht nur gute. Logisch, ein Abstieg stürzt die Vereine in ein finsteres Loch, manche finden daraus nicht mehr den Weg zurück ans Licht und an die Geldtöpfe der Bundesliga. Oft sind solche Abstürze allerdings durch schlechtes Management auch selbst gemacht. Hier steht der HSV als Beispiel, der eigentlich in einer Stadt wie Hamburg beste Voraussetzungen hat, aber durch jahrelange Misswirtschaft den Abstieg zu verantworten hatte und nun dabei ist, den möglichen sofortigen Wiederaufstieg zu verpassen. Ist es mutig, dass der HSV-Vorstand an Trainer Hannes Wolf festhält oder ist es nach einer Misserfolgsserie nicht eher fahrlässig? Das Spiel beim Überraschungszweiten Paderborn wird es zeigen. Der Fußball ist unberechenbar, da der Neuling, der nie mit einem Durchmarsch gerechnet hatte, dort der Altmeister, für den es nichts als den Aufstieg gab, der aber vor dem Scheitern steht. Wo wird am Schluss gefeiert?

In der Bundesliga werden wohl Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr den Weg des HSV in die zweite Liga gehen. Sechs bzw. fünf Punkte Rückstand sind es auf den VfB Stuttgart, der sich fast schon auf die Relegationsspiele konzentrieren kann. Wie soll eine Mannschaft, die in 34 Spielen nur vier bzw. dreimal gewann, plötzlich zwei Spiele in Serie gewinnen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Im Tabellenkeller waren die Leistungen in diesem Jahr katastrophal. Vor der Saison haben die Abstiegskandidaten meist das Ziel 40 Punkte zu erreichen, künftig sollten sie das Ziel auf 35 reduzieren, damit wäre man derzeit 13.! Schalke hat mit 31 Zählern den Klassenerhalt schon sicher. Das sagt alles. Bedenklich: Die Aufstiegskandidaten aus der 2. Bundesliga zeigen sich eigentlich außer Köln allesamt (Paderborn, HSV; Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli) nicht als tauglich für das Oberhaus.

Überhaupt waren die Leistungen in dieser Saison überschaubar. Richtig guten Fußball bekamen die Fans nur selten geboten, teilweise zauberten Dortmund, Gladbach, Leverkusen oder Leipzig, aber niemand war konstant genug. Beispiel Dortmund, dass mit jugendlichem Elan begeisterte, aber als es ernst wurde, da flatterten die Nerven. So wird wohl der FC Bayern München wieder Meister, der selten begeisterte, sich aber auf solide Wertarbeit verlegte (Kovac-Schule) und nach seiner Krise im Herbst die Konkurrenz wohl einschüchterte. Dortmund verlor in der Rückrunde zehn Punkte auf die Bayern.

Nicht Dortmund, sondern der RB Leipzig wird zum Saisonschluss zum großen Konkurrenten der Bayern. Am Samstag geht es in Leipzig um die Meisterschaft, den Bayern reicht angesichts der weitaus besseren Tordifferenz ein Unentschieden, um den Meistertitel unter Dach und Fach zu bringen. Am 25. Mai geht es dann im Pokalfinale um das Double. Dass die Bayern die Vorlage der Borussia mit dem 2:2 in Bremen nicht nutzen, ist kaum vorstellbar. Dann können auch die Stars Arjen Robben und Franck Ribery zu ihrem Abschied gebührend gefeiert werden. So eine Feier kann man sich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt könnte am Schlusstag noch der Spielverderber sein, wenn die Bayern in Leipzig verlieren. Doch die Helden auf Europas Bühnen kommen buchstäblich auf dem Zahnfleisch daher, sie könnten am Ende einer begeisternden Saison sogar noch mit leeren Händen dastehen. Kein Finale in der Europa League, kein Platz in der Champions League, vielleicht nicht einmal ein Platz für Europa. Wie Donnerhall kam Leverkusen über die Frankfurter mit dem Rekord von 6:1 zur Halbzeit. Das kann Spuren hinterlassen und gibt den Verfolgern Leverkusen, Gladbach (da fehlt derzeit aber auch die Form), Wolfsburg und Hoffenheim Auftrieb. Am Schluss können vier Klubs feiern, einer wird der Dumme sein.

Dumm ausgeschaut haben wieder einmal die Schiedsrichter in punkto Entscheidungen über ein Handspiel. Auf dem Feld und im Kölner Keller beim Videobeweis gab es nur Fehler. Keiner weiß mehr, wie entschieden wird, bei den Schiedsrichtern passt ein Filmtitel: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Meisterschaften werden gefeiert

In anderen Ligen Europas werden die Meisterschaften bereits gefeiert. Vorzeitig waren bereits Paris St. Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien, der FC Barcelona in Spanien und RB Salzburg in Österreich am Ziel. Nachgezogen haben jetzt unter anderem Zenit St. Petersburg in Russland und Celtic Glasgow in Schottland (50. Titel). Die Salzburger schafften mit dem Pokalsieg das Double und hoffen auf die Champions League. Ajax Amsterdam zeigte sich erneut als „Mannschaft der Stunde“ und holte mit dem Pokal in den Niederlanden den ersten von drei möglichen Titeln. Das Triple hat auch der FC Barcelona noch im Visier.

So wird in dieser Woche in der Champions League auch gefeiert oder getrauert. Nach den Hinspielen heißt es Vorteil Ajax (1:0 gegen Tottenham) und Barcelona (3:0 gegen Liverpool, wo Lionel Messi wieder einmal eine überragende Partie bot und bewies, er ist derzeit wieder der beste Fußballer der Welt). In der Europa League wird es für Eintracht Frankfurt schwer, das Finale zu erreichen, das 1:1 gegen Chelsea London machte für das Rückspiel nicht unbedingt Mut.

Gefeiert wurde die Meisterschaft auch bei den Frauen. Der VfL Wolfsburg ist endgültig am Ziel, ein mageres 1:0 in Hoffenheim bedeutete den fünften Titel. Nach dem Pokalsieg gegen Freiburg war es das dritte Double in Folge, deutliches Zeichen einer großen Dominanz. Wolfsburg verlor nur ein Spiel, nämlich beim Zweiten Bayern München. Dort steht ein gewaltiger Umbruch an, das Trainerteam um Thomas Wörle geht und gleichzeitig verlassen neun (!) Spielerinnen den Verein. Kapitänin Melanie Behringer beendet ihre Karriere, zu neuen Zielen brechen Gina Lewandowski (USA), Sara Däbritz (Paris), Manuela Zinsberger, Leonie Maier, Lucie Vonkova, Jill Roord, Fridolina Rölfö und Anna Gerhardt auf. Da wartet auf den neuen Trainer Jens Scheuer (bisher Freiburg) viel Arbeit.

Lesen Sie dazu ergänzend auch den nächsten Kommentar „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“.

Warum es am Saison-Ende drunter und drüber geht

Der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga war alles andere als normal. In fast allen Begegnungen gab es Überraschungen, an der Spitze natürlich der Triumph von Schalke 04 im Ruhrpott-Derby in Dortmund. 42 Punkte Unterschied waren es vorher, das 2:4 entsprechend ein passendes Ergebnis. Warum aber geht es zum Saison-Ende hin in den Ligen drunter und drüber? Ein Versuch der Ursachenforschung.

Es gibt sicherlich vielerlei Gründe dafür, dass die Papierform nur noch etwas für den Papierkorb ist. In erster Linie spielen bei vielen die Nerven nicht mit, wenn es wirklich dramatisch wird. Unter der Saison bleiben Funktionäre, Trainer und Spieler gelassen mit der Aussicht auf Besserung und dem Hinweis, „es sind ja noch so und so viele Spiele“. Doch plötzlich werden die Spiele für die Umkehr immer weniger, die Nervosität steigt, Trainer müssen gehen, Spieler werden verbannt, das Glück herbeigesehnt. Jetzt sind es in der Bundesliga nur noch drei Spieltage, an jedem kann es Entscheidungen über Meisterschaft, Europaplätze und Abstieg geben. Ein Fall für starke Nerven also.

Am Saison-Ende hin spielen aber auch verstärkt Faktoren eine Rolle, die Mitte der Spielzeit noch nicht relevant sind. Vereinswechsel zum Beispiel, da beschäftigt sich der Kopf plötzlich mit anderen Sachen. Bei gefährdeten Mannschaften gibt es oft aber auch ein letztes Aufbäumen, plötzlich werden Kräfte freigelegt, die schon verschüttet waren. Die Folge sind überraschende Ergebnisse, wie der Sieg von Schalke in Dortmund oder das 1:1 von Nürnberg gegen die Bayern. Andere wiederum haken die Saison vielleicht frühzeitig ab, weil entweder der Klassenerhalt überraschend geschafft ist oder Ziele nach oben nicht mehr erreichbar sind. Ein Beispiel ist die Niederlage von Mainz in Hannover, die Rheinhessen feierten vorher den frühzeitigen Klassenerhalt, da lässt die Konzentration nach. Ein Gegenbeispiel ist aber auch Fortuna Düsseldorf, der Neuling spielt befreit auf, weil unerwartet erfolgreich ist. Beim 4:1 gegen Bremen traf die Fortuna auf einen Gegner, der von einer ereignisreichen Woche geschafft war, zweimal unglücklich gegen die Bayern verloren, die Erfolgsserie von zwölf Spielen ohne Niederlage beendet und jetzt gleich drei auf einmal. Da spielte psychische und physische Müdigkeit eine Rolle. Müde sind wohl auch die Cracks der Frankfurter Eintracht, ihr Erfolgsweg in der Bundesliga und in der Europa League kostete viel Kraft. Zu viel für den Saison-Endspurt? Gibt es auf der Zielgeraden noch ein bitteres Erwachen? Auch darum geht es am Saison-Ende drunter und drüber!

Trainer Favre verliert die Nerven

Starke Nerven sind vor allem in einem engen Titelkampf nötig. Die scheint Dortmunds Trainer Lucien Favre nicht zu haben. Er wirkt unsicher, angreifbar und gereizt, nur so ist auch seine Schimpfkanonade nach dem 2:4 gegen Schalke über den umstrittenen Handelfmeter zu werten. Er steigerte sich in seinem Zorn bis zum „größten Skandal in der Fußball-Geschichte“ und sah die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft gefallen. Da bekam er sogar von seinen Bossen Gegenwind und selbst die Bayern führten ihm vor, dass er zu voreilig war. Weniger ging Favre darauf ein, dass auch seine Spieler schwache Nerven zeigten und überambitioniert waren, wie die berechtigten Roten Karten für Reus und Wolf zeigten. Eine Schwächung für die Borussia im nächsten Spiel bei den gebeutelten Bremern, die wohl wie Schalke um ihre letzte Chance kämpfen. Da dürften es die Bayern gegen Hannover leichter haben, aber Abstiegskandidaten sind nicht zu unterschätzen, siehe Nürnberg.

Was den Bayern derzeit fehlt, sind in der Bundesliga die Tore von Robert Lewandowski, der gerade Ladehemmung hat (außer beim Elfmeter in Bremen). Das Bayern-Dusel ist ihnen treu, will aber auch nicht übertreiben. In Bremen ein umstrittener Handelfmeter, in Nürnberg ein gegnerischer Elfmeter in der Nachspielzeit an den Pfosten, zuvor ein Glückstor von Gnabry zum Ausgleich, das wohl weniger dem Können zugerechnet werden kann. Dann aber sagte das Dusel Schluss und Coman nahm in der Schlussminute das Geschenk für einen möglichen Siegtreffer nicht an. Es ging am Ende wirklich drunter und drüber. Allerdings hat sich Bayerns Ausgangsposition dennoch entscheidend verbessert: Nicht mehr drei Spiele und drei Siege, sondern zwei Siege und ein Unentschieden (in Leipzig?) sind notwendig zum Titelgewinn – wenn Dortmund nicht wieder strauchelt.

Drunter und drüber geht es auch im Abstiegskampf. Aufstand am Tabellenende, 1:0-Siege weckten in Hannover und Stuttgart die Lebensgeister und Hoffnungen. Das Motto heißt „rette sich wer kann!“, das gilt vor allem für Schalke und Augsburg, die der VfB noch in die Relegation schicken will (direkt absteigen können sie nicht mehr). Welch ein Terminplan: Die beiden Klubs treffen am Sonntag auf Schalke aufeinander und der Sieger ist auf jeden Fall gerettet. Der VfB aber kämpft um eine weitere Chance in Berlin. Drunter und drüber geht es auch im Kampf um die Plätze für Europa, wobei das Angebot ja vergrößert wurde, da die Pokalfinalisten München und Leipzig in die Champions League einziehen. So darf der Bundesliga-Siebte die EL-Qualifikation bestreiten. Frankfurt, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim kämpfen aber um die vierten Platz für die Champions League. Den besten Lauf hat derzeit Leverkusen.

Vorgezogenes Finale in der Champions League

Apropos Champions League, die steht in dieser Woche wieder im Mittelpunkt, auch hier sind wir auf der Zielgeraden. Dabei wird das eigentliche Finale vorweggenommen, denn im Duell FC Barcelona – FC Liverpool treffen am Mittwoch die beiden großen Favoriten aufeinander. Aber auch in der CL geht es zuweilen drunter und drüber, also haben Außenseiter eine Chance. Wer wirklich eine Chance auf den Henkelpott hat, tragen Tottenham Hotspur und Ajax Amsterdam am Dienstag aus.

Barca hat sich schon mal von einer Last befreit, holte in Spanien seinen 26. Titel, davon zehn in den letzten 15 Jahren. Jetzt träumt man vom Triple, will auch Pokal und CL gewinnen. Ganz anders die Stimmung bei Real Madrid, die Königlichen sind nach einem 0:1 bei Schlusslicht Vallecano am Boden. Dort trifft man auch Thomas Tuchel, der mit Paris St. Germain wieder eine Enttäuschung erlebte, nämlich eine 5:6-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Stade Rennes im Pokalfinale. Geld schießt also nicht immer die Tore, vor allem sorgt Geld nicht immer für gute Nerven. Auch international geht es also gerne mal drunter und drüber.