Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!

Der neue DFB: Hoffnung für Amateure und Fans

Es herrscht Aufbruchstimmung beim Deutschen Fußball-Bund. Der 43. Bundestag hat die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit dem neuen Präsidenten Fritz Keller sollen Streit, Skandale und Mauscheleien der Vergangenheit angehören und an ihre Stelle Gradlinigkeit, Transparenz und Seriosität treten, also wirtschaftlich solide und moralisch integer. Eine Herkulesaufgabe für den 62-Jährigen ehemaligen Präsidenten des SC Freiburg, der aber betont, beim Verband aufräumen zu wollen. Der erfolgreiche Winzer und Gastronom soll auch den größten nationalen Verband der Welt mit Erfolg führen. Hoffnung auf Besserung gibt es vor allem für die Amateure, Frauen und die Fans. Es wird ein Stück Bodenständigkeit beim zuletzt eher abgehobenen Verband einziehen.

Für die Abgehobenheit stand vor allem Kellers Vorgänger Reinhard Grindel, einst Journalist und Politiker, der von persönlicher Anerkennung und höheren Sphären träumte. Da wird dann schon einmal die Hand aufgehalten, damit Wünsche in Erfüllung gehen. Fritz Keller ist genau das Gegenteil. Er kommt aus dem Fußball, kennt das Vereinsleben und stört sich nicht daran, dass die Kompetenzen des Präsidenten beschnitten wurden. Er will von Experten die Strukturen untersuchen lassen, kein Stein bleibt auf dem anderen. Er ist vor allem als Mittler im Streit zwischen Profis und Amateuren gefordert, für die sein Herz schlägt. Ebenso will er sich verstärkt dem Frauen-Fußball widmen, eine verstärkte Förderung hat der Bundestag beschlossen. Keller fordert ein stärkeres Engagement der Profiklubs im Frauen-Fußball und wünscht sich künftig mehr eigene Teams. Es gibt sogar Vorschläge, dass künftig ein Frauenteam Pflicht ist für eine Lizenzerteilung für die Bundesliga der Männer. Keller will sich ganz auf die nationale Arbeit konzentrieren und überlässt die internationale Rolle seinem Vizepräsidenten Rainer Koch.

Die Nationalmannschaft fällt nicht mehr in die Richtlinienkompetenz des Präsidenten, der starke Mann hier ist künftig DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der auch Direktor für die neue Akademie ist, deren Grundsteinlegung ebenfalls symbolisch für den Aufbruch beim DFB steht. Keller wird aber dennoch ein Auge auf die Länderspiele werfen und das Umfeld wieder fanfreundlicher gestalten. Die Zeiten der Abgehobenheit sind wie gesagt vorbei.

Der neue Präsident hat einen riesigen Rucksack aufgebürdet bekommen, mal sehen, ob er ihn tragen oder ertragen kann. Gefordert sind vor allem aber auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw, denn nur eine sportlich erfolgreiche und mit Fan-Nähe agierende Nationalmannschaft kann für gute Stimmung sorgen.

Der Heimvorteil ist abgeschafft

Die Bundesliga ist Alltag und Highlight zugleich im Leben eines Fußball-Fans. Sie sorgt mit einer seltsamen Saison für Aufmerksamkeit, Spannung und Neugierde auf die nächsten Spieltage. Ein Durchatmen gibt es nach dem nächsten Spieltag mit einer erneuten Länderspielpause. Zuerst aber reibt sich der Fan verwundert die Augen bei einem Spieltag mit Rekorden. Noch nie gab es einen Spieltag ohne Heimsieg, noch nie einen Spieltag mit acht Auswärtssiegen – der Heimvorteil ist offensichtlich abgeschafft. Nur Dortmund verlor nicht, doch das 2:2 gegen Bremen fühlt sich für die Borussia wie eine Niederlage an. Der selbsternannte Meisterschaftskandidat rätselt über die Ursachen des mangelnden Erfolges (nur Rang acht, wenn auch nur drei Punkte Rückstand auf den neuen Tabellenführer Bayern München). Ist es eine Frage der Mentalität (was Kapitän Marco Reus barsch zurückweist) oder doch eine Frage der Qualität (so sieht es Axel Witsel). Die Zweifel an Trainer Lucien Favre werden jedenfalls größer. Die nächsten Aufgaben werden zur Bewährungsprobe, in Prag in der Champions League und am Samstag das Spitzenspiel (!) in Freiburg.

Ja, in Freiburg stehen sich der Dritte und der gewollte Tabellenführer gegenüber. Die forschen Freiburger gehören zu den Teams, über die sich alle wundern. Aber Trainer Christian Streich bleibt auf dem Boden: „Das sind nur 13 Punkte gegen den Abstieg, jeder Zähler ist wichtig.“ Na ja, zehn Punkte Vorsprung vor der gefährlichen Zone nach nur sechs Spieltagen kann sich sehen lassen. Zu den großen Überraschungen zählt auch Schalke 04, das der neue Trainer David Wagner wiederbelebt hat. Mit dem 3:1 stürzten die Knappen Tabellenführer Leipzig. Was der Fan-Seele gut tut: Endlich wieder einmal wieder vor Dortmund in der Tabelle. Auffällig: Das einstige Sorgenkind Amine Harit ist der neue Anführer. Das Kollektiv macht es in Wolfsburg, vielleicht auch Trainer Oliver Glasner. Was fast übersehen wird: Neben den Bayern sind nur die VW-Städter bisher ungeschlagen.

Ja, die Bayern, sie sind wieder da, wo sie nach ihrer Meinung auch hingehören: Auf Platz 1, schließlich heißt es „mia san mia“. Doch so richtig zufrieden ist man in München dennoch nicht, die Leistungen sind nicht überwältigend, die Chancenauswertung oft mangelhaft, die Abwehr unsicher – und dennoch Erster, was wird erst sein, wenn die Bayern richtig in Form sind? In Form ist aber zweifellos Torjäger Robert Lewandowski, wenn er auch mal das leere Tor verfehlt, wie beim erzitterten 3:2 in Paderborn. Acht Tore in sechs Spielen sind neuer Bundesliga-Rekord. Für die Bayern folgt aber am Dienstag in der Champions League das „Spiel der Wahrheit“ bei den Tottenham Hotspurs. In London wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind.

Auffällig ist, dass sich die Bundesliga bereits nach sechs Spieltagen in der Tabelle teilt. Frankfurt auf Rang neun ist der letzte Klub mit zweistelligen Punkten (10), dahinter folgen Hertha BSC nach dem Comeback in Köln und Bremen trotz Verletzungspech mit sieben Zählern. Danach beginnt der Abstiegskampf (auch mit Hoffenheim, das die vielen Abgänge doch nicht verkraftet), wobei am Samstag das große „Keller-Duell“ ansteht: Paderborn gegen Mainz. Kurioses in Augsburg: Der FCA kassierte mit dem 0:3 gegen Leverkusen seine 50. Heimniederlage im 139. Heimspiel in der Bundesliga, schaffte bisher aber nur 49 Heimsiege (bei 40 Unentschieden) im jetzt neunten Jahr im Oberhaus. Nächster Gast in Augsburg ist übrigens am 19. Oktober Bayern München…

Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?

Wenn nicht alles täuscht, dann ist derzeit im europäischen Fußball der große Machtkampf im Gange. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft des Fußballs. Auf der einen Seite die European Club Association (ECA), ein Zusammenschluss der Spitzenklubs, auf der anderen Seite die European League (EL), die Interessenvertretung der 36 Profiligen (darunter auch Deutschland). Mittendrin natürlich auch der Europäische Fußball-Verband (UEFA), der eigentlich am Schluss entscheiden muss. Und wo bleiben die Fans? Die könnten am Ende vielleicht sogar eine große Rolle spielen. Im Kampf um Macht und Geld könnten die Fans das Zünglein an der Waage sein, wenn es heißt „Geld oder Stimmung“!

Es ist fast schon erschreckend, wie groß die Euro-Zeichen in den Augen der Vorstände der Spitzenklubs geworden sind. Von Solidarität oder einer sportlichen Zukunft ist nicht mehr die Rede, sondern nur noch davon, wie die großen Vereine die geliebte Geldvermehrung weiter forcieren können. Der Fußball soll interessant für Fernsehen und Sponsoren sein, damit die Lizenzgebühren weiter steigen. Bezeichnend die Vision von Uli Hoeneß: „Wenn Netflix, Youtoube und Co. erst einsteigen, kommen Summen ins Gespräch, dass wir nur noch mit den Ohren schlackern. Da geht es um Milliarden.“

Die Europaliga als Wettbewerb der besten Vereine auf europäischer Ebene (mit gleichzeitiger Schwächung der nationalen Meisterschaften) ist zwar mehr oder weniger vom Tisch (der Gedanke wird allerdings immer wieder ins Gespräch gebracht werden), dafür haben die Klubs in der ECA mit ihrem Präsidenten und Antreiber Andrea Agnelli (Juventus Turin) die Champions League als sichere Einnahmequelle im Visier.

Alle Ideen haben nur ein Ziel: Die Masse der Vereine soll kleine Brötchen backen, damit die Spitzenklubs noch mehr kassieren können. Ins Gespräch gebracht wurde, dass sich die besten 24 Klubs dauerhaft den Zugang zur Champions League sichern (da wäre es dann möglich, das ein Landesmeister gar nicht mehr in der CL spielen kann!) oder eine Super-Liga mit 36 Klubs in sechs Gruppen oder eine Vorrunde mit vier Gruppen mit acht Teams, damit es mehr Spiele (und mehr Geld) gibt, auch die abgeschaffte Zwischenrunde ist wieder im Gespräch. Bezeichnend, dass Agnelli davon redete, die CL künftig am Wochenende auszutragen. Jedenfalls soll alles getan werden, um der CL zu noch mehr Bedeutung und Geld zu verhelfen. Dabei kassieren die 32 Klubs in der Champions League schon heute zwei Milliarden Euro, die 48 Vereine der Europa League müssen mit 560 Millionen zufrieden sein, dazu gibt es einen Solidaritätsfond von 130 Millionen für den Rest von über 700 Vereinen, die international nicht vertreten sind.

Die Großen sprechen vom Geld, die Kleinen aber auch. Wie in der Bundesliga, so wird auch auf Europas Ebene beim „Mittelstand“ der Wunsch laut, dass die reichen Vereine nicht allein reicher werden dürfen und damit der Charakter eines Wettbewerbs gar nicht mehr gegeben ist. Die Kleinen wollen mehr vom großen Kuchen abbekommen. Als Anwalt der kleinen Vereine kann man den Schweden Lars-Christian Olsson sehen, den Präsidenten der European League. Sein Motto: Schutz der kleinen Vereine und der nationalen Ligen, faire Verteilung der UEFA-Gelder. Das klingt vernünftig und man kann nur hoffen, dass die UEFA diesem Motto folgt. Ab 2024 wird es zu einer Neuverteilung der Gelder kommen.

Doch wie kann die UEFA unter Druck gesetzt werden, damit die Vernunft am Ende siegt? Hier kommen jetzt die Fans ins Spiel, die ja mit ihren Protesten schon einiges erreicht haben und die es satt haben, dass sie die Leidtragenden der Geldgier der Vereine sind. So hat ja in Deutschland schon die Bundesliga eingelenkt und wird die Montagspiele mit dem nächsten Fernsehvertrag abschaffen. Mit Protesten können die Fans den reichen Vereinen aufzeigen, dass der Sport vor dem Geld rangieren sollte. Fans wollen schließlich spannende Wettbewerbe zu vernünftigen Preisen und Zeiten (Stichwort diese komische Aufsplitterung der Spieltage). Wenn die Vereinsfunktionäre Augen und Ohren offen halten, dann werden sie erkennen müssen, dass sie die gute Stimmung in ihren Stadien riskieren, wenn sich die Fans vom großen Fußball abwenden.

Die Geldgier könnte dem Fußball schaden, Stimmung schadet nie (auf die gefährliche Pyrotechnik sollte bitte schön trotzdem verzichtet werden!!!). Müssen also die Fans am Ende den Fußball retten?

Neue Regeln und alter Ärger

Die neue Fußball-Saison steht in den Startlöchern (die 3. Liga in Deutschland beginnt am Wochenende, weiter unten mehr), die neuen Regeln, die der Weltverband oder genauer die IFAB (International Football Association Board) beschlossen hat, sind bereits seit dem 1. Juni in Kraft und erlebten ihre Bewährungsprobe bei der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Im Mittelpunkt stand das Interesse, das Spiel in einigen Punkten zu beschleunigen, aber auch die Regeln über das Handspiel zu präzisieren. Das zumindest ist nur ein bisschen gelungen, ein Ermessungsspielraum bleibt für die Schiedsrichter und deshalb darf als sicher gelten: Neue Regeln und alter Ärger.

Eine Änderung führt zu Klarheit: Jedes Tor, das mit Hand oder Arm erzielt wird, ist irregulär, egal ob Absicht vorliegt oder nicht. Strafbar ist auch, wenn der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert, zum Beispiel wenn die Arme über die Schultern angehoben werden. Kein Handspiel liegt vor, wenn der Ball vom eigenen Körper oder vom Gegner an die Hand springt oder wenn sich ein Spieler im Fallen abstützt. Also, ein bisschen mehr Klarheit, aber der Gesprächsstoff wird trotz Videobeweis nicht ausgehen. Wäre ja auch schade.

Alle anderen Änderungen sind nicht so bedeutend, aber zum Teil wird das Spiel natürlich schneller werden. Gut ist, dass sich bei einem Freistoß in Tornähe die Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer des Gegners stellen dürfen, sondern einen Meter Abstand halten müssen. Damit ist ein unsägliches Gerangel vorbei. Schneller wird das Spiel, weil Auswechselspieler den kürzesten Weg zur Auslinie nehmen müssen, aber auch, weil bei Abstößen der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Umgewöhnen müssen sich die Schiedsrichter in eigener Sache, sie sind nicht mehr Luft, was wir ja auch bisher schon gemerkt haben. Wird er jetzt angeschossen und es gibt eine wesentliche Richtungsänderung des Balles oder sogar ein Tor, gibt es Schiedsrichter-Ball.

Auf alle Änderungen muss hier nicht eingegangen werden, Ärger gab es allerdings bereits, weil eine Torhüterregel beim Elfmeter besonders streng ausgelegt wurde. Die Torhüter müssen nur noch mit einem Fuß auf der Linie bleiben, allerdings wurde dies zum Beispiel bei der Frauen-WM per Videobeweis streng kontrolliert und oft die fällige Gelbe Karte verteilt. Wäre dies in einem Elfmeterschießen der Fall, würden die Torhüter ausgehen. So gab es die schnelle Modifikation, dass es bei Elfmeterschießen keine Gelben Karten verteilt werden. Allerdings gab es auch den Rat, bei geringfügigen Verfehlungen der Fußstellung großzügig zu sein. Wir sehen, der Ermessungsspielraum für Schiedsrichter geht nicht aus, allzu starr sollte der Fußball auch nicht sein.

3. Liga zwischen Erfolg und Ablehnung

Seit einigen Jahren bemühen sich DFL und DFB den Ligen unterhalb der Bundesliga mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das geht am besten vor der Saison, wenn die Eliteliga noch pausiert und so wird häppchenweise die neue Saison im Profi-Fußball eingeläutet (bei den Amateuren in den Landesverbänden ist es ähnlich). Am kommenden Wochenende ist als Erste die 3. Liga dran, eine Woche später beginnt die 2. Bundesliga. Sie dürfen sich dann noch zwei Wochen über mehr Aufmerksamkeit freuen, weil die Bundesliga ihre Saison nach Supercup (3. August) und Pokal (9. – 12. August) erst am 16. August mit dem Auftaktspiel Bayern München – Hertha BSC Berlin beginnt.

Auch in der 3. Liga sieht München das Auftaktspiel, in diesem Fall erwartet 1860 München die Preußen aus Münster (der erste „Tatort“ ist also München, nicht Münster). Allerdings drängen sich die Klubs nicht in die 3. Liga, sondern sie möchten sie eigentlich gerne schnell wieder verlassen – nach oben versteht sich. Die 3. Liga ist ein ungeliebtes Kind zwischen Erfolg und Ablehnung. Erfolg, weil die 3. Liga durchaus attraktiv ist, wenn man nämlich die Zuschauerzahlen sieht. Im vergangenen Jahr kamen 3,09 Millionen Zuschauer zu den Spielen, die Drei-Millionen-Marke wurde erstmals geknackt. Im Schnitt kamen 8123 Besucher, das ist mehr als die 2. Ligen in Italien (unter 8000) und Frankreich (unter 7000). Der Grund: Ehemalige Deutsche Meister und Traditionsvereine tummeln sich im Unterhaus, nur fünf Vereine waren noch nie in der Bundesliga. Dort wollen die meisten wieder hin, doch der Weg ist beschwerlich. Am meisten ärgern sich die Klubs aber darüber, dass der Fall von der 2. Bundesliga in die 3. Liga finanziell so krass ist. Mit 12 Millionen Euro von der DFL können die Klubs in der 2. Bundesliga planen, nur 1,28 Millionen Euro im Schnitt gibt es vom DFB aus der zentralen Vermarktung in der 3. Liga. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Also heißt es nichts wie weg und in die 2. Bundesliga. Dies gilt vor allem für die Absteiger Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, für die die 3. Liga nur ein Zwischenspiel sein soll. Dass man aber leicht hängen bleiben kann, zeigen andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Braunschweig, das im letzten Jahr sogar gegen den Abstieg kämpfen musste. Eine Besonderheit weist die neue Saison auf, mit Bayern München II ist erstmals wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten dabei. Die Bayern kämpften seit acht Jahren um die Rückkehr, jetzt aber machen sie keine besonderen Anstrengungen, um die 3. Liga auch sicher zu halten. Der neue Trainer Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) muss es vor allem mit Talenten schaffen, Leistungsträger wie Jeong (Freiburg) und Awoudija (Stuttgart) sind sogar gegangen. Von den Profis darf er in einigen Spielen die Jungstars Davies und Arp als Verstärkung erwarten. Im Mittelpunkt stehen die Derbys mit 1860 und der SpVgg Unterhaching, die als Besonderheit vor einem Börsengang steht. Das also geht auch in der 3. Liga. Sie muss also doch attraktiv sein.

Das sind die Vereine in der 3. Liga: FC Ingolstadt 04, 1. FC Magdeburg, MSV Duisburg, Hallescher FC, Würzburger Kickers, Hansa Rostock, FSV Zwickau, Preußen Münster, 1. FC Kaiserslautern, SpVgg Unterhaching, KFC Uerdingen 05, 1860 München, Carl Zeiss Jena, SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Braunschweig, Chemnitzer FC, Viktoria Köln, Waldhof Mannheim, Bayern München II.

Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs

Er war von Anfang an nur eine Notlösung, ein Kompromiss zwischen Profis und Amateuren, gelitten, aber nicht akzeptiert und am Ende eher verhöhnt, viele sehnten das Ende seiner Amtszeit herbei. Das Ende von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam nun schneller als gedacht, als Knall nach zahlreichen verbalen und sonstigen Entgleisungen. Grindel (vorher war er Schatzmeister) schaffte es nie in den 1082 Tagen seiner Regentschaft Verband, Vereine, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen, stattdessen schaffte er es von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Ansonsten blieb er ein blasser Präsident. Krisenbewältigung war erstaunlicherweise nicht das Metier des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Journalisten. So wurde er hinter vorgehaltener Hand als „Präsident Peinlich“ bezeichnet.

Reinhard Grindel versagte als Konfliktlöser, machte in der Affäre Özil ebenso eine schlechte Figur wie nach der WM-Pleite der Nationalmannschaft in Russland oder in Kommentaren zu Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. Noch bei seiner Abschiedsrede zählte er die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland als seinen Erfolg auf, doch bei der UEFA sagen sie, Deutschland habe die EM nicht wegen, sondern trotz Grindel erhalten. Grindel versuchte sich als Vertreter der Amateure zu inszenieren, doch eine richtige Akzeptanz fand er nicht. Ein Präsident suchte seinen Weg und fand ihn nicht. Ganz im Gegenteil, Grindels Wirken machte die Schattenseiten des Fußballs deutlich.

Den Millionen von ehrenamtlichen Funktionären an der Basis, vorwiegend in den kleinen Vereinen der Dörfer tätig, die sich wirklich um den Fußball kümmern, wird suggeriert, dass dem DFB ein ehrenamtlicher Präsident vorsteht, doch dies ist beileibe nicht der Fall. Wer 170.000 Euro im Jahr als Verdienstausfall und Aufwandsentschädigung kassiert, macht dies wohl nicht ehrenamtlich. Dazu ist das Amt des DFB-Präsidenten das Sprungbrett auf die internationale Bühne, die Vorstandsämter bei FIFA und UEFA werden mit 500.000 Euro jährlich üppig dotiert. Weil das noch nicht reicht, kassierte Grindel zudem 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB Medien GmbH. Bei solchen Summen war ihm wohl das Gespür abhanden gekommen, was eine Uhr im Wert von 6000 Euro als Geschenk von einem ukrainischen Skandalfunktionär bedeutet. Für ihn eine Kleinigkeit, für andere Bestechung. Das Fass war übergelaufen. Möglicherweise auch für FIFA und UEFA.

Der DFB befindet sich wie Weltverband und europäischer Verband wieder einmal im Dilemma. Die heile Welt des Fußballs gibt es nicht mehr, der Sport tritt in den Hintergrund, korrupte und geldgierige Funktionäre bestimmen die Schlagzeilen. Der Fußball ist krank, er stinkt vom Kopf her. Der DFB ist zwar ein Sportverband, aber eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen. Mehrere Hundert Mitarbeiter sind anzuleiten, zuletzt wies die Bilanz eine Summe von 320 Millionen Euro aus. Da ist es mit der Ehrenamtlichkeit vorbei.

Die letzten Präsidenten wie Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (nach dem Skandal um die WM 2006) mussten wie Grindel vorzeitig gehen. Dies macht deutlich, dass der Verband eine neue Struktur mit Profis an der Spitze braucht. Die Arbeit im Verband muss von Hauptamtlichen geleistet werden, ein Aufsichtsrat hat die Entscheidungen zu kontrollieren. Aber die Diskrepanzen zwischen dem Profi-Fußball und den Amateuren machen eine Einigung auf eine neue Struktur kompliziert. Das wissen auch die beiden Interims-Präsidenten Reinhard Rauball, Präsident der DFL, und Rainer Koch, Präsident in Bayern, die als Vize-Präsidenten satzungsgemäß schon nach dem Niersbach-Rücktritt den Verband führten. Koch hat ihre Aufgaben deutlich umrissen: „Wir werden einen neuen Präsidenten erst ausgucken, wenn wir wissen, wie die neuen Strukturen aussehen“.

Es stellt sich sowieso die Frage, wer sich dieses Amt des DFB-Präsidenten antut. Eine Automatik, dass es jemand aus dem Präsidium ist, wie es früher die Regel war, soll es nicht geben, verschiedene Ex-Nationalspieler wie Philipp Lahm (hat angeblich abgesagt), Christoph Metzelder oder Oliver Bierhof werden genannt. Das klingt aber eher nach einem Feigenblatt, als nach einem Fachmann, der im Verband aufräumt.

Der Sport in den Ligen wird weitergehen, vor allem die Amateure werden wie gehabt „auf die da oben“ schimpfen. Und einen neuen Kandidaten als „Präsident Peinlich“ gibt es auch schon. FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre bestens geeignet…

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.