Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball

Die Nations League ist ein Spiel mit dem Feuer

Liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, wann die Fußball-Nationalmannschaft zum letzten Mal gespielt hat? Nein? Kein Wunder, dann müssten Sie ein wandelndes Archiv sein. Es war der 19. November 2019, als Deutschland in Frankfurt 6:1 gegen Nordirland gewann. Es sollte im März 2020 weitergehen und im Sommer stand eigentlich auch die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm. Pustekuchen. Jemand war dagegen, Covid 19 veränderte das tägliche Leben und stoppte auch den Fußball. Die nationalen Ligen unterbrachen ihre Punktrunden und an Länderspiele war gleich gar nicht zu denken. Bundestrainer Joachim Löw hatte das Leben eine Frührentners.

Doch so wie die Vereine, so brauchen auch die Verbände Geld. Die Nationalmannschaften sollen nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die EM auf 2021 verschoben wurde, Länderspiele soll und muss es wieder geben, denn Geld fließt nur durch Werbung und TV-Einnahmen. Trotz Corona-Pandemie weltweit gibt es im Herbst noch drei Länderspiel-Fenster im Spielplan, jetzt im September, im Oktober und November. Die EM wurde abgesagt, aber die Nations League wird stattfinden. Dabei ist dies für die UEFA und die Beteiligten angesichts der weiter vorhandenen Infektionen mit Covid-19 ein Spiel mit dem Feuer. Im Gegensatz zu den Finalturnieren von Champions League und Europa League können hier Mannschaften und Spieler nicht in einer Blase leben, abgeschottet von Fans und Corona. Zwar wird größtenteils ohne Zuschauer gespielt, teilweise allerdings schon. Rücksichtsvoll hat die FIFA für die Vereine eine Abstellungspflicht aufgehoben, wenn Spieler in Länder reisen sollen, für die eine Reisewarnung ausgerufen wurde. Doch die Regierungen sehen die Gefahren unterschiedlich, Chaos und Ärger sind vorprogrammiert.

Dazu kommt, dass durch die Verschiebung der Saison 2019/20 in den Sommer hinein die Saison 20/21 später beginnt und für Spieler und Vereine eine Terminhatz sondergleichen ohne Winterpause stattfinden wird. Länderspiele bedeuten eine zusätzliche Belastung, auf die eigentlich verzichtet werden könnte, wenn da eben nicht die Einnahmen und das Image wären. Bayerns Nationalspieler stehen vor 57 Spielen in rund 250 Tagen! So war es mit einem Blick in die Zukunft vernünftig, dass Bundestrainer Löw für die Maßnahme im September auf die Münchner Triple-Sieger verzichtet. Neuer, Kimmich, Goretzka und Gnabry können Urlaub machen, ebenso die Leipziger Klostermann und Halstenberg, die in der CL beschäftigt waren. Gesundheit geht vor Erfolg in der Nations League, die eigentlich anstelle von uninteressanten Länderspielen zu einem ernsten Wettbewerb werden sollte, für den Bundestrainer nun doch vor allem der Talentsichtung dient.

Das Aufgebot für die Spiele gegen Spanien (Donnerstag in Stuttgart) und die Schweiz (Sonntag in Basel) erinnert eher an eine B-Mannschaft, weil auch noch Torhüter ter Stegen nach Operation fehlt. So muss die zweite Garde der Torhüter ran, Kevin Trapp (Frankfurt), Bernd Leno (Arsenal, nach Verletzung ohne Spielpraxis) und Oliver Baumann (Hoffenheim), für den sich mit 30 Jahren ein Traum erfüllt, einmal bei der Nationalmannschaft zu sein. Neulinge sind auch Robin Gosens und Florian Neuhaus (Gladbach). Die Augen werden vor allem auf Gosens gerichtet sein, der in Deutschland im Fußball nie auffiel, jetzt aber bei Atalanta Bergamo für Furore sorgte. Seine Berufung ist nur logisch. Mit dabei sind auch die Münchner Sané und Süle, die eher Spielpraxis brauchen und nicht im Urlaub weilen. Mal sehen, ob die Nationalmannschaft Freude machen kann, nachdem von einer konzentrierten Vorbereitung keine Rede sein kann. Ein paar Tage reichen nicht, damit alle Räder ineinandergreifen. Auch sportlich also ein Spiel mit dem Feuer, zumal die DFB-Elf in der Nations League noch ohne Sieg ist.

Das Aufgebot: Torhüter: Trapp (Frankfurt), Leno (Arsenal), Baumann (Hoffenheim). – Abwehr: Kehrer (Paris), Gosens (Bergamo), Ginter (Gladbach), Tah (Leverkusen), Schulz (Dortmund), Süle (Bayern), Rüdiger (Chelsea), Koch (Freiburg). – Mittelfeld/Sturm: Neuhaus (Gladbach), Draxler (Paris), Kroos (Real), Werner (Chelsea), Brandt, Can (Dortmund), Waldschmidt (Benfica), Havertz (Leverkusen), Sané (Bayern), Serdar (Schalke), Gündogan (ManCity).

Erster Wahl-Sieg für Lewandowski

Die Bayern können Urlaub machen und gewinnen trotzdem! Bei der Wahl zum „Fußball des Jahres“ trumpften natürlich die Triple-Gewinner auf. Die Wahl wird vom kicker organisiert, die deutschen Sportjournalisten geben ihr Votum ab. Für Bayern-Torjäger Robert Lewandowski war es schon mal ein guter Test, er gewann haushoch mit 276 Stimmen vor seinen Vereinskollegen Thomas Müller (54) und Joshua Kimmich (49). So hätte es der Pole gern, wenn es auch um den „Weltfußballer des Jahres“ geht. Zuletzt hatten dort Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dominiert. Joachim Löw bringt allerdings noch einen anderen Kandidaten ins Spiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der hätte diese Ehrung eigentlich schon 2014 verdient gehabt, als er vor allem bei der Weltmeisterschaft das Torhüterspiel auf ein neues Niveau hob. Aber Torjäger haben halt einen Bonus, was für Lewandowski spricht, der als Torschützenkönig in Bundesliga, Pokal und Champions League zudem sein persönliches Triple feierte.

Keine Zweifel gab es auch beim „Trainer des Jahres“, da triumphierte Hansi Flick mit 223 Stimmen vor Liverpools Meistermacher Jürgen Klopp (164). „Fußballerin des Jahres“ wurde Wolfsburgs Torjägerin Pernille Harder (212 Stimmen) vor ihrer Vereinskollegin Alexandra Popp (76). Beide hätten wohl lieber am Sonntag in San Sebastian in der Champions League gewonnen.

Auch ohne Wahl ist vor allem Superstar Lionel Messi im Gespräch. Dass er den FC Barcelona verlassen will, kommt einem Erdbeben gleich. Aber so einfach, wie er es sich vorstellt, geht es wohl nicht. Seine Berater versäumten die Frist im Juni wahrzunehmen, nach der er hätte ablösefrei wechseln können. Sie vertrauten darauf, dass es im Sinne des Textes nach der Saison sein soll. Die Liga stellte nun fest, dass die Ablöse gezahlt werden muss, die ist auf 700 Millionen Euro festgelegt. Jetzt darf gestritten werden und die Gerüchteküche kocht. Wo serviert Messi künftig die Vorlagen und Tore zu Titeln? Begibt er sich in die Höhle des Löwen zu Cristiano Ronaldo nach Turin? Da kommt wohl eher eine Wiedervereinigung mit seinem einst geliebten Trainer Pep Guadiola bei Manchester City in Frage. Die Antwort weiß nur Messi selbst.

Start der Frauen-Bundesliga

Das hatten sich die Frauen des VfL Wolfsburg anders vorgestellt. Nachdem die Bayern das Triple holten, wollten die Wölfinnen nachziehen, weil sie auf das gute Omen hofften: Auch 2013 hatten sie wie die Bayern-Männer das Triple geholt. Doch daraus wurde nichts, ausgerechnet im letzten und wichtigsten Spiel der Saison musste der deutsche Meister seine erste Saison-Niederlage hinnehmen und bot beim 1:3 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon leider eine erstaunlich schwache Leistung. So bleibt Lyon das Maß aller Dinge mit fünf Titeln, davon zuletzt vier in Folge.

Vielleicht war es sogar die letzte große Chance für einen deutschen Verein, bei den Frauen die Champions League zu gewinnen. Die Klubs im Ausland rüsten auf, zahlen gutes Geld und den deutschen Vereinen fällt es immer schwerer, internationale Stars zu holen. So verlässt jetzt auch Torjägerin Pernille Harder den VfL, sie wechselt aber eher aus privaten Gründen zu Chelsea London.

Aber auch national muss sich der VfL Wolfsburg strecken, wenn am Wochenende bereits die neue Saison der Frauen-Bundesliga beginnt, denn hier will Bayern München die Siegesserie der Norddeutschen beenden, die sechs Titel in acht Jahren holten. Die Bayern-Mädchen wollen nach 2015 und 2016 wieder mal an der Spitze stehen. Dafür haben sie sich mit Schwedens Nationalspielerin Hanna Glas und den deutschen Nationalspielerinnen Marina Hegerin, Klara Bühl und Lea Schüller wirkungsvoll verstärkt. Wolfsburg hält mit Talent Lena Oberdorf, Pauline Bremer (Manchester City) und Kathrin Hendrich (von den Bayern) dagegen. Dabei wird deutlich, dass national sich die Kräfte auf diese beiden Spitzenteams konzentrieren. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann ihr Team künftig fast aus diesen beiden Vereinen rekrutieren. Bei dieser Konstellation ist es schwer, dass die Frauen-Bundesliga für die Fans attraktiver wird.

Dabei hatten sich die Frauen erhofft, dass die Männer-Bundesliga verstärkt als PR-Lokomotive einsteigt, dies tut jetzt Eintracht Frankfurt, das die Mannschaft des 1. FFC Frankfurt übernommen hat. Der Rest ist allerdings Schweigen.

Der Druck gehört zum Fußball dazu

In den letzten Tagen und Wochen hat nicht nur der aktuelle Fußball die Schlagzeilen bestimmt, sondern es erregten zudem Spieler für Aufsehen, die ihre Karriere für beendet erklärten. Eigentlich ein normaler Vorgang, doch Weltmeister Andre Schürrle zog sich bereits mit 29 Jahren zurück. Wir alle haben es miterlebt, dass seine Karriere Höhen und Tiefen hatte, mit dem Höhepunkt der Weltmeisterschaft 2014, als er zu Mario Götze die Vorlage zum Weltmeister-Tor gab. Schürrle gab in einem Interview Hinweise auf ein Hauen und Stechen im Profi-Geschäft und entschied für sich, „ich brauche keinen Beifall mehr“.

Auch sein Weltmeister-Kollege Benedikt Höwedes hat mit erst 32 Jahren genug vom Fußball, er hat im Urlaub seinen Sohn erstmals hautnah erlebt und entdeckt, dass ihn eher die Familie voll erfüllt. „Es gibt wichtigere Dinge als das Geld“, sagt einer, der in seiner Karriere bestimmt genug verdient hat, wobei der Ex-Schalker versöhnlicher klingt als sein Kollege, Höwedes will im Sport bleiben und sich vor allem für Werte einsetzen. Vielleicht hat ihm auch sein letztes Engagement in Moskau mehr die Augen geöffnet.

Es ist gut für die Fans, für die Öffentlichkeit, vor allem für die Jugendlichen, wenn Stars mal erzählen, wie das Geschäft Fußball auch sein kann. Der Profi-Fußball ist heute nicht mehr nur Sport, er gehört zur Unterhaltungsindustrie, ist Geschäft, mit ihm wollen seriöse und unseriöse Manager vor allem viel verdienen. Seit einiger Zeit gehört noch dazu, dass Fans und Vereine darüber streiten, wem der Fußball eigentlich gehört. Zumindest weiß man seit den Geisterspielen, dass der Fußball ohne Fans auch seine Seele verliert und mangelnde Atmosphäre dem Geschäft schadet. Ein bisschen wird zwar der Druck für die Spieler weniger, aber ohne Druck geht es im Fußball nicht.

Das muss jeder wissen, der sich dem Profigeschäft verschreiben will. Auf den ersten Blick haben die Fußballer das Paradies auf Erden, viel Geld, viel Ruhm, dafür kann man jeden Tag auch ein bisschen Kicken ohne sich zu plagen wie ein Radsportler oder Marathonläufer. Aber Druck der Öffentlichkeit lässt für Stars das hohe Gehalt zum Schmerzensgeld werden. Da sind die Medien, die nicht von der Seite weichen, die Erfolge fordern und krass reagieren können, wenn er ausbleibt. Dann werden beim Boulevard die Stars zu Deppen oder zu Flaschen. Beides muss man aushalten, sowohl die Beobachtung auf Schritt und Tritt, als auch Kritik unter der Gürtellinie. Auch die Fans können grausam sein. Wenn es von der Tribüne „Schürrle raus“ klingt, dann ist man schnell geneigt, die Fußballschuhe in die Ecke zu schmeißen.

Es ist wie im normalen Berufsleben auch, es gibt Höhen und Tiefen. Gegenüber Otto Normalarbeiter lebt der Profi-Sportler aber in einer anderen Welt. Dessen muss er sich bewusst sein, hält er diesen Druck aus oder nicht? Natürlich würde dem Profi-Sport, das gilt ja nicht nur für den Fußball, ein bisschen mehr Menschlichkeit guttun, aber es darf sich keiner wundern, wenn er feststellt, dass Hauen und Stechen eher an der Tagesordnung ist. Schließlich kämpft jeder für sich, für seinen Platz im Team, für den Ruhm in der Öffentlichkeit, um die Gunst der Fans. Keiner sollte deshalb darüber klagen, dass diese negativen Nebenerscheinungen Teil der Unterhaltungsindustrie Sport sind.

Amateursportler geht es oft nicht besser, an der Spitze haben sie einen ganz anderen Druck. Sie müssen vor allem um ihr Auskommen mit dem Einkommen kämpfen, Spitzensportler in vielen Sportarten stehen zudem unter Druck, weil sie mit Leistung und Erfolgen manchmal gleich für eine ganze Sportart verantwortlich sind, dort nämlich, wo nur durch Siege eben auch Fördergelder fließen. Das sollten sich die Fußballer immer vor Augen führen, dass sie nicht die Einzigen sind, die mit Druck leben müssen.

Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine

Die Aufmerksamkeit, welche die 3. Liga im deutschen Fußball derzeit erfährt, hätte sie eigentlich immer gern. Sportlich natürlich. Doch diesmal ist die Aufmerksamkeit in Zeichen der Corona-Krise und Saison-Unterbrechung, eher negativ, denn die 3. Liga ist heillos zerstritten, das heißt, die einen Vereine wollen in die eine Richtung, die anderen wiederum genau in die entgegengesetzte Richtung. Zur Klarheit: Die knappe Mehrheit, nämlich zehn Vereine, so ergab es eine Abstimmung Ende April, ist für eine Fortsetzung der Saison, acht Vereine votierten für einen Rundenabbruch (zwei enthielten sich) und versuchen mit populistischen Parolen in der Öffentlichkeit dieses vorzeitige Saisonende auch zu erzwingen. Der Verband als Verantwortlicher machte keine gute Figur, doch jetzt sprach er ein Machtwort: Die Runde wird am 30. Mai fortgesetzt und soll bis Ende Juni beendet sein. Fünf englische Wochen kommen auf die Vereine zu, einige der Quertreiber haben bereits gerichtliche Schritte angekündigt.

Das zeigt deutlich, dass einige Klubs das große Ganze nicht sehen, sondern nur ihren eigenen Probleme. Aber sie müssten eigentlich wissen, dass die Ligen immer wichtiger sind als die einzelnen Vereine. Bezeichnend, dass sich gerade die Klubs für einen Abbruch stark machen, die sportlich in Nöten sind und die auf diesem Weg dem Abstieg entgehen wollen. Bezeichnend, dass auch die Vereine einen Abbruch erzwingen wollen, die vorne stehen und den Aufstieg am grünen Tisch perfekt machen könnten. Dass der Sport so mit den Füßen getreten wird, sehen sie nicht.

Dabei war die 3. Liga eigentlich auf einem guten Weg. Unbestritten ist sie sowieso eine Problemliga zwischen den Regionalligen als oberste Amateurligen und der 2. Bundesliga, wo es erstmals richtig Geld aus den Fernsehübertragungen zu verdienen gibt. Wohlgemerkt, die 3. Liga ist eine Profiliga, doch gerade jetzt verhalten sich viele Vereine gar nicht profimäßig. So haben einige der Rebellen einfach die Statuten missachtet und keine Anstalten gemacht, die Hygienebestimmung des DFB, die eine Grundvoraussetzung für den weiteren Spielbetrieb sind, umzusetzen. Dazu hilft in Thüringen und Sachsen-Anhalt offensichtlich die Politik den heimischen Vereinen, sperrt Stadien und setzt den Sport vor die Tür. Übersehen wurde aber, dass in den Regeln eindeutig steht, dass sich ein Verein um eine Ersatzlösung bemühen muss, wenn das eigene Stadion nicht spielfähig ist. Das gilt immer, auch zu Corona-Zeiten! Was nun also in Jena, Halle, Magdeburg?

Die 3. Liga war, wie gesagt, auf einem guten Weg, hat steigende Zuschauerzahlen zu verzeichnen mit einem Schnitt von rund 8000, gilt damit weltweit als attraktivste 3. Liga, und ist laufend im Fernsehen präsent. Und gerade dieser Vertragspartner möchte auch bedient werden. Die ARD ist dabei und Magenta Sport überträgt alle Spiele live. Auch hier würde die 3. Liga viel Kredit verspielen, wenn ein Abbruch erzwungen würde, die Liga würde im Image um Jahre zurückfallen.

Auch eine Zweiteilung in eine Gruppe Süd und Nord wurde einen Rückschritt bedeuten und die Kluft zur 2. Bundesliga größer werden lassen. Der Saarländische Verband hat diesen Antrag für den Außerordentlichen Verbandstag des DFB am 25. Mai gestellt. So soll der Saisonabbruch abgefedert werden, ein Abstieg wäre hinfällig. Aber der Schaden für die Zukunft wäre immens. Ebenso, wenn das eintritt, was einige wohl sehen, dass 2020 gar nicht mehr gespielt wird. Wie soll die Regelung dann zu den anderen Ligen aussehen? Will jemand die 3. Liga ganz in der Versenkung verschwinden lassen?

DFL und DFB sind bemüht, trotz Corona-Krise die Saison im Profi-Fußball zur retten und bis Ende Juni oder spätestens Mitte Juli über die Bühne zu bringen. Dazu gehört eben auch die 3. Liga und dazu gehören die Relegationsspiele, die hinfällig wären, wenn eine Liga einen Alleingang unternehmen würde. Hinfällig wäre wohl dann auch eine Hilfsaktion der Spitzenklubs der Bundesliga, die 7.5 Millionen Euro zur Unterstützung der 3. Liga und Frauen-Bundesliga zur Verfügung gestellt haben.

Wenig geredet wird dagegen über die Frauen-Bundesliga. Dort sind sich die Vereine einig und der Re-Start erfolgt am 29. Mai. Nur noch sechs Spieltage und drei Pokalrunden sind zu absolvieren. Wäre schön, wenn die Frauen in der Folge mehr Aufmerksamkeit bekämen als die aufmüpfigen und engstirnigen Drittligisten.

Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

Corona hält die Welt in Atem, nein, das Virus legt die Welt fast lahm. Probleme dieser Art, wie wir sie jetzt erleben, wurden eigentlich für unvorstellbar gehalten. Aber jetzt sind sie da und da gibt es die Gedanken, wer ist in der Bewältigung der Krise im Sport eigentlich ein Gewinner und wer Verlierer? Natürlich, Verlierer sind wir alle, denn das Leben ist nicht mehr so, wie wir es zu leben gewöhnt sind. Aber speziell im Sport können wir doch einige Gewinner, solche, die beherzt Handeln und gute Entscheidungen getroffen haben, und Verlierer, die eben das Gegenteil, nämlich zögerlich sind, herausstellen. Hier ein Versuch:

Gewinner

Christian Seifert: Der DFL-Chef beeindruckte als Krisenmanager. Bisher hatte er einen leichten Job, als Verkäufer der Fußball-Bundesliga rannten ihm die Interessenten die Bude ein. Jedes Jahr mehr Geld durch die Fernsehverträge, das brachte ihn in die Schlagzeilen. Jetzt war er in anderen Aufgaben gefragt und meisterte sie souverän. Die Bundesliga hat Führung, trotz aller Ungewissheiten. Frühzeitig machte er darauf aufmerksam, welches Geld und welch ungeheure Zahl von Jobs am Fußball hängen. Sein Motto „wir müssen den Fußball retten“. Aber auch er kann nicht sagen und schon gleich gar nicht bestimmen, wann selbst Geisterspiele möglich sind. Virologen behaupten sogar, mit Publikum kann die Fußball-Bundesliga erst 2021 wieder spielen. Bundesliga-Geisterspiele wären aber auch eine Ablenkung für die leidgeprüfte Gesellschaft, nicht nur für Fans.

Joshua Kimmich/Leon Goretzka: Es ging ihnen nicht um Schlagzeilen, sondern um Hilfe. Die Bayern-Stars riefen die Hilfsaktion „We Kick Corona“ ins Leben, um während der Corona-Krise soziale und karitative Einrichtungen zu unterstützen. Sie starteten selbst mit einer Million Euro und haben in zwei Tagen bereits drei Millionen zusammen. Zudem haben sie bei der Nationalmannschaft zu den 2,5 Millionen Euro Spende beigetragen. Sie stehen an Stelle von vielen Profi-Sportlern, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, ihren Verein (vor allem die „normalen“ Mitarbeiter) unterstützen und Gehaltsverzicht üben. Der harte Profisport ist weichgespült.

Aleksander Ceferin: Der Präsident der UEFA zauderte nicht wie andere Verbandsfürsten, sondern handelte und sorgte frühzeitig für Klarheit mit der Verlegung der Fußball-Europameisterschaft von 2020 auf 2021. Ein Stück Arbeit hat er aber noch vor sich, er will wie Seifert mit der Bundesliga dafür sorgen, dass auch Champions League und Europa League zu Ende gespielt werden. Hier muss er Feingefühl zeigen und abwägen zwischen nationalen und europäischen Interessen. Aber auch gegenüber der FIFA zeigte er zuletzt immer die Stärke, die man von einem UEFA-Präsidenten erwartet.

Gernot Tripcke: Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga sorgte als erster für Klarheit von allen Ligen: Die Eishockey-Saison endete frühzeitig. Eishockey hat allerdings auch ein besonderes Problem, die Eisstadien können nicht auf ewig in Betrieb bleiben, die Kosten würden explodieren und die Mehrzweckhallen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Klar erkannt und klare Kante gezeigt.

Dietmar Hopp: Der Milliardär ist das Feindbild der Fans, jetzt ist der Hoffnungsträger in der Corona-Krise. Er hält die Mehrheit bei der Firma, die auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen Corona ist. Die Firma in Tübingen scheint in ihren Tests am weitesten zu sein, Hopp verhinderte Übergriffe aus dem Ausland. Daran sollten sich die Fans später erinnern.

Einfallsreichtum: Das ist jetzt gefragt, alle, egal ob Fans, Sportler oder Funktionäre, müssen ein gewisses Maß an Einfallsreichtum zeigen, um die Krise zu überwinden, um das Überleben der Vereine in allen Sportarten zu ermöglichen. Ein Beispiel bietet der Fußball-Traditionsverein Rot-Weiß Essen, er bietet ein virtuelles Heimspiel gegen Corona an und die Fans können dabei sein und den Verein wie im Stadion unterstützen. Sie orderten bisher rund 1900 Tickets, 3600 Becher Bier und 1500 Bratwürste, was dem Verein 40.000 Euro einbrachte. Ein Spiel ohne Zuschauer kostet Essen 100.000 Euro. Die Not wird gelindert, die Fans werden also auch zu Gewinnern.

Verlierer

Dr. Thomas Bach: Der IOC-Präsident gibt eine überaus schlechte Figur ab, er will quasi die Pandemie aussitzen und hofft, dass die Olympischen Sommerspiele im Juli in Tokio noch zu retten sind. Selbst Laien erkennen, dass es ein Wahnsinn ist, Hunderttausende im Sommer Olympia feiern zu lassen, da ist Corona mit Sicherheit noch nicht besiegt. Und ein Geister-Olympia kann es nicht geben. Selbst die Japaner sehen bereits die Notwendigkeit einer Verlegung, so wie eben auch bei der Fußball-EM. Bei Olympia böte sich 2022 an, im gleichen Jahr wie die Winterspiele, so wie es ja früher war. Vorteil 2022 wäre, dass die Fußball-WM in Katar im Winter ausgetragen wird. Thomas Bach müsste angesichts seiner falschen Einschätzung eigentlich zurücktreten.

Formel 1: Auch die Macher der Formel 1 unterlagen einer Fehleinschätzung der Lage, sie wollte ebenfalls mit allen Mitteln die Rennen durchführen respektive ihre investierten Millionen retten. Corona zwang sie in die Knie. Eine Frechheit war es, die erste Veranstaltung in Australien erst dann abzusagen, als die Fans schon vor der Tür standen. Die Realität sieht es jetzt ganz anders aus, zumindest bis Anfang Juni wird es keine Rennen geben, sogar Aserbaidschan wurde abgesagt.

Basketball-Bundesliga: Anders als im Eishockey wollen Handball und Basketball versuchen, ihre Saison notfalls mit Geisterspielen wie im Fußball noch zu Ende zu bringen. Basketball hat aber noch ein großes Problem: Viele ausländische Spieler laufen ihren Vereinen davon, ein echter Wettbewerb findet dann nicht mehr statt.

Bergamo: Die Stadt in der Nähe von Mailand ist wohl der am meisten leidende Ort der Welt, quasi das Zentrum der Corona-Epidemie. Es ging vom Himmel in die Hölle. Ganz Bergamo feierte noch am 19. Februar in Mailand den 4:1-Triumph über Valencia, man lag sich in den Armen, errang einen historischen Erfolg auf Europas Bühne. „Sie küssten und sie herzten sich“ hieß es über die Fans, heute weiß man, dass dies wohl der Beschleuniger der Corona-Epidemie war. Heute beklagt Bergamo Hunderte von Toten, allein in der vergangenen Woche waren es 400. Tragischer könnte es nicht sein.

Was der Sport jetzt braucht, ist eine realistische Einschätzung der Lage und am Ende das Glück, dass die Leute vernünftig sind, Abstand halten und Geisterspiele möglich sind, um die meisten Vereine über Wasser zu halten bzw. zu retten. Ansonsten gilt das Motto: Bleiben Sie gesund!

Her mit Respekt, weg mit Rassismus

Bereits am 26. Dezember des letzten Jahres hatte der Sport-Grantler seinen Wunsch für das Jahr 2020 geäußert: „Der Fußball braucht mehr Anstand“. Die Geschehnisse seitdem haben ihn in dieser Aussage bestärkt, er erkennt aber auch Bemühungen, dass der Profi-Fußball sich um mehr Respekt bemüht. Im krassen Gegensatz dazu gibt es in ganz Europa immer wieder Entgleisungen von Zuschauern, die farbige Spieler rassistisch beleidigen. Für die Zukunft gibt es nur eins: Her mit dem Respekt, weg mit dem Rassismus!

Bleiben wir in Deutschland, aber die Erkenntnisse sind für ganz Europa gültig. Es gab Diskussionen, ob die Bundesliga von den Amateuren wirklich als Vorbild angesehen wird. Natürlich kann man den Profi-Fußball in großen Stadien mit dem Dorf-Fußball vor kleiner Kulisse nicht in allen Bereichen vergleichen, aber die Profis bleiben doch Vorbild: Wenn sie den Schiedsrichter angehen, wenn sie gegen Entscheidungen ausfallend protestieren, dann wird dies über die Fernsehschirme zu den kleinen Dorf-Fußballern transportiert und unterschwellig setzt sich dieses Imponiergehabe bei ihnen fest. Die Schiedsrichter, auf dem Dorf ohne Schutz, müssen dies ausbaden. Dies muss den Profis bewusst sein. Also ist der eingeschlagene Weg richtig, wenn DFB und DFL mehr Respekt fordern und die Schiedsrichter bei Protesten schneller Gelb zeigen. Wie ebenfalls in diesen Kolumnen schon beschrieben: Ein Erziehungsauftrag für die Fußballer!

Her mit dem Respekt könnte man aber auch den Fans sagen, nicht nur in punkto Rassismus, sondern auch in punkto Pyrotechnik. Die unerträgliche Pyroshow der Leverkusener Ultras am Wochenende bei Union Berlin war ein Beispiel dafür, was der Rest der Zuschauer nicht sehen will. Das Spiel wurde viermal unterbrochen, ein Spielabbruch war nahe. Unabhängig von der Gefahr, die von den Zündeleien ausgeht, fehlt es eben am Respekt gegenüber dem Sport und den anderen Zuschauern, wenn man nur an seine eigene (verbotene!) Show denkt. Anscheinend kann man von dieser Sorte „Fans“ keinen Respekt gegenüber anderen erwarten. Erziehungsbemühungen sind wohl zum Scheitern verurteilt.

Menschenverachtend sind auch rassistische Ausfälle. Egal ob weiß, braun oder schwarz – wir sind alle Menschen. Immer wieder werden überall farbige Spieler mit Affenlauten und anderen Äußerungen beleidigt. Toll die Reaktion der Zuschauer bei einem Vorfall in Münster, als sie den verantwortlichen Idioten bloßstellten und er verhaftet werden konnte. Hier sind immer die anderen Stadienbesucher gefragt und in der Pflicht. Wenn es nicht anders geht, müssen Mannschaften das Feld verlassen, um ihren Mitspieler zu schützen. Ein Problem haben die Schiedsrichter, die Äußerungen von der Tribüne runter aufs Feld nicht immer mitbekommen bzw. verstehen können. Aber es gilt, was jetzt Leverkusens Trainer Peter Bosz gesagt hat: „Wir sind alle gleich.“ Weg mit dem Rassismus!

Beleidigungen haben im Leben nichts zu suchen und im Sport, wo es ja auch um Fair Play geht, sowieso nicht. Also müssen Sanktionen her, so wie jetzt, wenn Dortmund drei Jahre lang ohne Zuschauer nach Hoffenheim reisen soll, weil Dortmunder Ultras Hoffenheims Mäzen Hopp in den letzten Jahren übel beschimpft hatten. Ob dies Wirkung zeigt und solche Erziehungsbemühungen helfen, werden wir sehen. Generell ist die Hoffnung gering, Sport ist auch Emotion, doch die darf nicht zu Ausschreitungen und Beleidigungen führen. Der Kampf für Respekt und gegen Beleidigungen wird nicht von heute auf morgen zu gewinnen sein. Wenn überhaupt…

Jürgen Klopp als Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn

Manche reagierten vielleicht mit Schadenfreude auf das Ergebnis, Jürgen Klopp aber nahm das Ergebnis eher mit Schrecken zur Kenntnis. Was war passiert: Im FA Cup in Englands Fußball reichte es für Champions-League-Sieger FC Liverpool nur zu einem 2:2 beim Drittligisten Shrewsbury Town – und das nach einer 2:0-Führung. So etwas ist auch anderen Favoriten schon passiert, doch Klopp hat es zum Teil selbst verursacht. Der Trainer stellte nicht sein stärkste Elf auf, sondern eher ein B-Team, was allerdings gegen einen Drittligisten auch reichen sollte. Tat es nicht und so hat der beste Trainer der Welt nun ein Problem: In England gibt es kein Elfmeterschießen sondern ein Wiederholungsspiel. Und das wurde genau in die erstmals eingeführte Winterpause gelegt.

Kein Wunder, dass der deutsche Trainer auf die Barrikaden ging, Klopp reagierte auf seine Art: Er kündigte für das Wiederholungsspiel den Einsatz der zweiten Mannschaft an, also eine Aufgabe für das C-Team. Klopp sieht seine Bemühungen um eine Schonung der sich im Dauerstress befindlichen Stammspieler konterkariert. Schonung ist nicht angesagt, wenn es zusätzliche Termine gibt und so wird Klopp zum Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn: „Die Termine wuchern aus, keiner denkt mehr an die Gesundheit der Spieler,“ wettert er. Der Trainer muss es tun, schließlich wird er die Ziele Liverpools mit müden Spielern kaum erreichen, da könnte selbst der gigantische Vorsprung von 16 Punkten auf Manchester City in der Premier League nicht mehr reichen. Und der erste Titelgewinn nach 30 Jahren Wartezeit ist das erklärte Ziel, da spielt der FA Cup nur eine untergeordnete Rolle.

Der FC Liverpool war schon einmal Leidtragender des Termin-Wahnsinns, als die Mannschaft nämlich im Liga-Cup antreten musste, obwohl sie tags darauf Europa bei der Klub-Weltmeisterschaft in Katar vertreten musste. Liverpool schied mit einer C-Elf im Liga-Cup aus, wurde aber Klub-Weltmeister. Jetzt soll die wichtige Erholungszeit unterbrochen werden, Liverpool hat vom 2. bis 14. Februar spielfrei. Erstmals hat die Premier League eine variable Pause für alle Klubs eingeführt, weil eben geklagt wurde, dass die englischen Klubs in den entscheidenden Wochen im Frühjahr meist müde sind, weil sie an Weihnachten durchspielen müssen, während sich die Konkurrenz in Europa eine Winterpause genehmigt. Verständlich, dass sich ein Trainer diese notwendige Pause nicht zunichte machen lassen will. Für Klopp gibt es kein zurück: „Ich habe den Spielern schon freigegeben.“

Es sind geldgierige Funktionäre und Manager, die mit dem Fußball Gewinn machen wollen, die für einen überbordenden Terminkalender sorgen. Der nächste Wahnsinn ist schon im Gespräch. So wird schon die Klub-Weltmeisterschaft auf 24 Vereine aufgebläht und sie wird künftig im Sommer vor jeder Weltmeisterschaft gespielt, erstmals 2021 in China. Erholungspause im Sommer? Fehlanzeige! Dazu passt der neueste Plan, der publik wurde: US-Milliardär Ross will die besten Vereine Europas zur „Champions League on tour“ nach Amerika holen, wo bisher schon der „Champions Cup“ im Sommer ausgespielt wurde und es 100 Millionen Dollar zu verdienen gab. Nur wurde der von Klubs wie Manchester City, Juventus Turin oder Bayern München nur als lockerer Vergleich im Rahmen der Saison-Vorbereitung gesehen. Strapaziös durch die Reisen, aber lukrativ. Jetzt soll der Cup unter dem Dach der FIFA einen offiziellen Anstrich bekommen und erweitert werden. FIFA-Boss Gianni Infantino ist natürlich sofort Feuer und Flamme: Mehr Spiele, mehr Geld. Die Gesundheit der Spieler steht im Hintergrund, kein Sommer mehr zur Erholung? Wo soll der Termin-Wahnsinn noch hinführen?

Beim Fußball ist es pure Geldgier, doch mit dem Termin-Wahnsinn steht der Fußball nicht allein da. Im Handball kennt man ähnliches, doch da spielt nicht das Geld die große Rolle, sondern eher ein Streit zwischen dem europäischen Verband und den nationalen Ligen. So musste ein Handball-Bundesligist an zwei Tagen hintereinander in der Bundesliga und im Europacup antreten, weil der europäische Verband auf die Bundesliga keine Rücksicht nahm. Auch hier spielte national das B-Team. Geht nicht anders. Eine Terminhetze erlebt die Handball-Nationalmannschaft ausgerechnet auch bei der so wichtigen Olympia-Qualifikation. Drei Spiele in drei Tagen müssen vom 17. bis 19. April absolviert werden, die Gegner sind dabei in dieser Reihenfolge Schweden, Slowenien und Algerien. Da gibt es für Deutschland kein Einspielen, da muss die Mannschaft von Beginn an funktionieren, schließlich dürfen nur zwei Teams nach Tokio. Wer müde ist, hat schon verloren. Es scheint, es bedarf noch weiterer Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn im Sport.

Der Fußball braucht mehr Anstand

Weihnachten ist die Zeit für Wünsche, der Jahreswechsel regt zu guten Vorsätzen an. Zeit, um auch an den Fußball Wünsche zu richten und ihm vor allem den Willen zu einigen guten Vorsätzen für das neue Jahr mit auf den Weg zu geben. Zusammenfassend gesagt wünschen sich wohl Fußball-Fans und –Zuschauer, dass alle, die involviert sind, zu mehr Gelassenheit und Bodenständigkeit finden und nicht nur von der Geldgier getrieben werden. Kurz: Der Fußball braucht mehr Anstand.

An erster Stelle müssen die Profis genannt werden. Das Benehmen auf dem Platz ekelt manchmal an. Vor allem das ständige Reklamieren bei Schiedsrichter-Entscheidungen muss endlich sanktioniert und womöglich abgeschafft werden. Es vergeht fast kein Schiedsrichter-Pfiff ohne Rudelbildung. Noch nie wurde eine Entscheidung aufgrund der Proteste der Spieler zurückgenommen. Die Referees könnten sich mit Gelben Karten wehren. Sie könnten aber spaßeshalber zu einem Gegenmittel greifen: Das Schiri-Gespann sollte zusammen zum Stürmer laufen, wenn der neben das Tor schießt. Nach dem Motto: Das war der falsche Schuss! Wie konntest Du nur! Den Spielern sei gesagt, dass Schiedsrichter weniger Fehler machen als sie Profis. Außerdem: In anderen Sportarten werden die Pfiffe der Unparteiischen ohne Klagen und Proteste hingenommen. So geht es auch, warum nicht im Fußball?

Die Schiedsrichter stehen natürlich im Mittelpunkt, wenn es um den Anstand beim Fußball geht. Man muss sich ja sowieso wundern, dass es noch so viele Menschen gibt, die sich diese Pfeiferei antun und sich den Stänkereien von Spielern und Zuschauern aussetzen. Auf den Dorfplätzen müssen sie ja fast schon um ihr Leben fürchten und froh sein, wenn sie an einem schlechten Tag (den jeder mal hat) nicht im Krankenhaus landen. Gewalt und Hass haben in der gesamten Gesellschaft zugenommen, hautnah bekommt man sie vor allem auf den Fußballplätzen zu spüren. Streiks der Schiedsrichter waren eine Gegenreaktion und ein erstes Alarmzeichen. Hier müssen die Verbände und vor allem die Vereine entgegenwirken, zum Beispiel, dass jeder Schiedsrichter vom Verein einen Betreuer und Beschützer bekommt und dass die größten Krakeler von den Plätzen verwiesen werden, bevor etwas passiert. Vorfahrt für Anstand! Aber wer einmal im Profibereich pfeifen will, muss durch das Stahlbad des Dorffußballs gehen. Aber wir wissen: Ohne Schiedsrichter geht es nicht.

Leider lassen auch die Fans oftmals den Anstand vermissen. Oder sollten wir lieber sagen, die sogenannten Fans? Die Ultras sorgen nicht nur für Stimmung in den Stadien, sie sorgen auch für Sorgenfalten, zumal sie sich oft nicht an die Regeln und Bestimmungen halten und in einigen Vereinen sogar Anstrengungen unternehmen, die Macht an sich zu reißen. Beleidigungen sind hörbar, Schlägereien und die unsägliche und gefährliche Pyrotechnik sichtbar. Das hat mit Fußball nichts zu tun und schon gleich gar nicht im Anstand. Da muss der Fußball dafür herhalten, dass einige Leute ihren Ärger oder ein zu viel an Adrenalin loswerden wollen. Hier bleibt wohl die größte Aufgabe, um für mehr Anstand zu sorgen. Rücksicht ist für diese Spezies wohl ein Fremdwort.

Aber auch die Verbandsfunktionäre sind gefordert, sich mehr dem Sport zu widmen, als dem eigenen Geldbeutel. Es geht darum, den Sport fit für die Zukunft zu machen und nicht darum, jedes Jahr die Einnahmen zu erhöhen.

Ein anderer Wünsch für das neue Jahr betrifft den Videobeweis. Heute muss man fast schon sagen, dass der Fußball die Geister, die er rief, nicht mehr loswerden wird. In die Technik wurde viel Geld investiert, so dass man sie nicht mehr zurückziehen wird. Der Videobeweis hat natürlich seine Vorteile, sorgt für mehr Gerechtigkeit, wird aber zu häufig angewandt. Vor allem bei Hand-Entscheidungen und beim Abseits sollte man auf das Auge der Schiedsrichter und Linienrichter vertrauen. Die Abseitslinie hat nicht für mehr Gerechtigkeit gesorgt, sondern eher für Ungerechtigkeiten und beschädigt den Fußball. Minutenlang zu warten, bis festgestellt wurde, dass es um einen Millimeter Abseits war, macht vor allem die Stimmung kaputt. Bei Abseits darf es nicht um Millimeter gehen, sondern wenn die Spieler mit dem Körper auf gleicher Höhe sind, so zählt dies und ist kein Abseits, Fuß- oder Nasenspitze hin oder her. Und im Zweifel für die Angreifer urteilen. Dann macht Fußball wieder mehr Spaß. Vielleicht sorgt eine Umkehr dafür, dass sich die Gemüter leichter wieder beruhigen und wir bekommen mehr Anstand. Hoffen darf man ja…

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!

Der neue DFB: Hoffnung für Amateure und Fans

Es herrscht Aufbruchstimmung beim Deutschen Fußball-Bund. Der 43. Bundestag hat die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit dem neuen Präsidenten Fritz Keller sollen Streit, Skandale und Mauscheleien der Vergangenheit angehören und an ihre Stelle Gradlinigkeit, Transparenz und Seriosität treten, also wirtschaftlich solide und moralisch integer. Eine Herkulesaufgabe für den 62-Jährigen ehemaligen Präsidenten des SC Freiburg, der aber betont, beim Verband aufräumen zu wollen. Der erfolgreiche Winzer und Gastronom soll auch den größten nationalen Verband der Welt mit Erfolg führen. Hoffnung auf Besserung gibt es vor allem für die Amateure, Frauen und die Fans. Es wird ein Stück Bodenständigkeit beim zuletzt eher abgehobenen Verband einziehen.

Für die Abgehobenheit stand vor allem Kellers Vorgänger Reinhard Grindel, einst Journalist und Politiker, der von persönlicher Anerkennung und höheren Sphären träumte. Da wird dann schon einmal die Hand aufgehalten, damit Wünsche in Erfüllung gehen. Fritz Keller ist genau das Gegenteil. Er kommt aus dem Fußball, kennt das Vereinsleben und stört sich nicht daran, dass die Kompetenzen des Präsidenten beschnitten wurden. Er will von Experten die Strukturen untersuchen lassen, kein Stein bleibt auf dem anderen. Er ist vor allem als Mittler im Streit zwischen Profis und Amateuren gefordert, für die sein Herz schlägt. Ebenso will er sich verstärkt dem Frauen-Fußball widmen, eine verstärkte Förderung hat der Bundestag beschlossen. Keller fordert ein stärkeres Engagement der Profiklubs im Frauen-Fußball und wünscht sich künftig mehr eigene Teams. Es gibt sogar Vorschläge, dass künftig ein Frauenteam Pflicht ist für eine Lizenzerteilung für die Bundesliga der Männer. Keller will sich ganz auf die nationale Arbeit konzentrieren und überlässt die internationale Rolle seinem Vizepräsidenten Rainer Koch.

Die Nationalmannschaft fällt nicht mehr in die Richtlinienkompetenz des Präsidenten, der starke Mann hier ist künftig DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der auch Direktor für die neue Akademie ist, deren Grundsteinlegung ebenfalls symbolisch für den Aufbruch beim DFB steht. Keller wird aber dennoch ein Auge auf die Länderspiele werfen und das Umfeld wieder fanfreundlicher gestalten. Die Zeiten der Abgehobenheit sind wie gesagt vorbei.

Der neue Präsident hat einen riesigen Rucksack aufgebürdet bekommen, mal sehen, ob er ihn tragen oder ertragen kann. Gefordert sind vor allem aber auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw, denn nur eine sportlich erfolgreiche und mit Fan-Nähe agierende Nationalmannschaft kann für gute Stimmung sorgen.

Der Heimvorteil ist abgeschafft

Die Bundesliga ist Alltag und Highlight zugleich im Leben eines Fußball-Fans. Sie sorgt mit einer seltsamen Saison für Aufmerksamkeit, Spannung und Neugierde auf die nächsten Spieltage. Ein Durchatmen gibt es nach dem nächsten Spieltag mit einer erneuten Länderspielpause. Zuerst aber reibt sich der Fan verwundert die Augen bei einem Spieltag mit Rekorden. Noch nie gab es einen Spieltag ohne Heimsieg, noch nie einen Spieltag mit acht Auswärtssiegen – der Heimvorteil ist offensichtlich abgeschafft. Nur Dortmund verlor nicht, doch das 2:2 gegen Bremen fühlt sich für die Borussia wie eine Niederlage an. Der selbsternannte Meisterschaftskandidat rätselt über die Ursachen des mangelnden Erfolges (nur Rang acht, wenn auch nur drei Punkte Rückstand auf den neuen Tabellenführer Bayern München). Ist es eine Frage der Mentalität (was Kapitän Marco Reus barsch zurückweist) oder doch eine Frage der Qualität (so sieht es Axel Witsel). Die Zweifel an Trainer Lucien Favre werden jedenfalls größer. Die nächsten Aufgaben werden zur Bewährungsprobe, in Prag in der Champions League und am Samstag das Spitzenspiel (!) in Freiburg.

Ja, in Freiburg stehen sich der Dritte und der gewollte Tabellenführer gegenüber. Die forschen Freiburger gehören zu den Teams, über die sich alle wundern. Aber Trainer Christian Streich bleibt auf dem Boden: „Das sind nur 13 Punkte gegen den Abstieg, jeder Zähler ist wichtig.“ Na ja, zehn Punkte Vorsprung vor der gefährlichen Zone nach nur sechs Spieltagen kann sich sehen lassen. Zu den großen Überraschungen zählt auch Schalke 04, das der neue Trainer David Wagner wiederbelebt hat. Mit dem 3:1 stürzten die Knappen Tabellenführer Leipzig. Was der Fan-Seele gut tut: Endlich wieder einmal wieder vor Dortmund in der Tabelle. Auffällig: Das einstige Sorgenkind Amine Harit ist der neue Anführer. Das Kollektiv macht es in Wolfsburg, vielleicht auch Trainer Oliver Glasner. Was fast übersehen wird: Neben den Bayern sind nur die VW-Städter bisher ungeschlagen.

Ja, die Bayern, sie sind wieder da, wo sie nach ihrer Meinung auch hingehören: Auf Platz 1, schließlich heißt es „mia san mia“. Doch so richtig zufrieden ist man in München dennoch nicht, die Leistungen sind nicht überwältigend, die Chancenauswertung oft mangelhaft, die Abwehr unsicher – und dennoch Erster, was wird erst sein, wenn die Bayern richtig in Form sind? In Form ist aber zweifellos Torjäger Robert Lewandowski, wenn er auch mal das leere Tor verfehlt, wie beim erzitterten 3:2 in Paderborn. Acht Tore in sechs Spielen sind neuer Bundesliga-Rekord. Für die Bayern folgt aber am Dienstag in der Champions League das „Spiel der Wahrheit“ bei den Tottenham Hotspurs. In London wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind.

Auffällig ist, dass sich die Bundesliga bereits nach sechs Spieltagen in der Tabelle teilt. Frankfurt auf Rang neun ist der letzte Klub mit zweistelligen Punkten (10), dahinter folgen Hertha BSC nach dem Comeback in Köln und Bremen trotz Verletzungspech mit sieben Zählern. Danach beginnt der Abstiegskampf (auch mit Hoffenheim, das die vielen Abgänge doch nicht verkraftet), wobei am Samstag das große „Keller-Duell“ ansteht: Paderborn gegen Mainz. Kurioses in Augsburg: Der FCA kassierte mit dem 0:3 gegen Leverkusen seine 50. Heimniederlage im 139. Heimspiel in der Bundesliga, schaffte bisher aber nur 49 Heimsiege (bei 40 Unentschieden) im jetzt neunten Jahr im Oberhaus. Nächster Gast in Augsburg ist übrigens am 19. Oktober Bayern München…

Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?

Wenn nicht alles täuscht, dann ist derzeit im europäischen Fußball der große Machtkampf im Gange. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft des Fußballs. Auf der einen Seite die European Club Association (ECA), ein Zusammenschluss der Spitzenklubs, auf der anderen Seite die European League (EL), die Interessenvertretung der 36 Profiligen (darunter auch Deutschland). Mittendrin natürlich auch der Europäische Fußball-Verband (UEFA), der eigentlich am Schluss entscheiden muss. Und wo bleiben die Fans? Die könnten am Ende vielleicht sogar eine große Rolle spielen. Im Kampf um Macht und Geld könnten die Fans das Zünglein an der Waage sein, wenn es heißt „Geld oder Stimmung“!

Es ist fast schon erschreckend, wie groß die Euro-Zeichen in den Augen der Vorstände der Spitzenklubs geworden sind. Von Solidarität oder einer sportlichen Zukunft ist nicht mehr die Rede, sondern nur noch davon, wie die großen Vereine die geliebte Geldvermehrung weiter forcieren können. Der Fußball soll interessant für Fernsehen und Sponsoren sein, damit die Lizenzgebühren weiter steigen. Bezeichnend die Vision von Uli Hoeneß: „Wenn Netflix, Youtoube und Co. erst einsteigen, kommen Summen ins Gespräch, dass wir nur noch mit den Ohren schlackern. Da geht es um Milliarden.“

Die Europaliga als Wettbewerb der besten Vereine auf europäischer Ebene (mit gleichzeitiger Schwächung der nationalen Meisterschaften) ist zwar mehr oder weniger vom Tisch (der Gedanke wird allerdings immer wieder ins Gespräch gebracht werden), dafür haben die Klubs in der ECA mit ihrem Präsidenten und Antreiber Andrea Agnelli (Juventus Turin) die Champions League als sichere Einnahmequelle im Visier.

Alle Ideen haben nur ein Ziel: Die Masse der Vereine soll kleine Brötchen backen, damit die Spitzenklubs noch mehr kassieren können. Ins Gespräch gebracht wurde, dass sich die besten 24 Klubs dauerhaft den Zugang zur Champions League sichern (da wäre es dann möglich, das ein Landesmeister gar nicht mehr in der CL spielen kann!) oder eine Super-Liga mit 36 Klubs in sechs Gruppen oder eine Vorrunde mit vier Gruppen mit acht Teams, damit es mehr Spiele (und mehr Geld) gibt, auch die abgeschaffte Zwischenrunde ist wieder im Gespräch. Bezeichnend, dass Agnelli davon redete, die CL künftig am Wochenende auszutragen. Jedenfalls soll alles getan werden, um der CL zu noch mehr Bedeutung und Geld zu verhelfen. Dabei kassieren die 32 Klubs in der Champions League schon heute zwei Milliarden Euro, die 48 Vereine der Europa League müssen mit 560 Millionen zufrieden sein, dazu gibt es einen Solidaritätsfond von 130 Millionen für den Rest von über 700 Vereinen, die international nicht vertreten sind.

Die Großen sprechen vom Geld, die Kleinen aber auch. Wie in der Bundesliga, so wird auch auf Europas Ebene beim „Mittelstand“ der Wunsch laut, dass die reichen Vereine nicht allein reicher werden dürfen und damit der Charakter eines Wettbewerbs gar nicht mehr gegeben ist. Die Kleinen wollen mehr vom großen Kuchen abbekommen. Als Anwalt der kleinen Vereine kann man den Schweden Lars-Christian Olsson sehen, den Präsidenten der European League. Sein Motto: Schutz der kleinen Vereine und der nationalen Ligen, faire Verteilung der UEFA-Gelder. Das klingt vernünftig und man kann nur hoffen, dass die UEFA diesem Motto folgt. Ab 2024 wird es zu einer Neuverteilung der Gelder kommen.

Doch wie kann die UEFA unter Druck gesetzt werden, damit die Vernunft am Ende siegt? Hier kommen jetzt die Fans ins Spiel, die ja mit ihren Protesten schon einiges erreicht haben und die es satt haben, dass sie die Leidtragenden der Geldgier der Vereine sind. So hat ja in Deutschland schon die Bundesliga eingelenkt und wird die Montagspiele mit dem nächsten Fernsehvertrag abschaffen. Mit Protesten können die Fans den reichen Vereinen aufzeigen, dass der Sport vor dem Geld rangieren sollte. Fans wollen schließlich spannende Wettbewerbe zu vernünftigen Preisen und Zeiten (Stichwort diese komische Aufsplitterung der Spieltage). Wenn die Vereinsfunktionäre Augen und Ohren offen halten, dann werden sie erkennen müssen, dass sie die gute Stimmung in ihren Stadien riskieren, wenn sich die Fans vom großen Fußball abwenden.

Die Geldgier könnte dem Fußball schaden, Stimmung schadet nie (auf die gefährliche Pyrotechnik sollte bitte schön trotzdem verzichtet werden!!!). Müssen also die Fans am Ende den Fußball retten?