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Die neue Bundesliga: Herausforderer für die Bayern gesucht, viele Klubs geben Rätsel auf

Das war ein Auftakt nach Maß für die Bayern und ein deutlicher Hinweis für die Konkurrenz: Mit dem Sieg im Supercup gegen Stuttgart begannen die Münchner ihre Titeljagd in der neuen Saison. Die Meisterschaft allein wie im Vorjahr ist ihnen zu wenig. Der 2:1-Sieg über Pokalsieger VfB war keine Glanzleistung, aber dennoch ein Zeichen des Willens. Eine Glanzleistung vollbrachte allein Torhüter Manuel Neuer, der bewies, dass er auch mit 39 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Bezeichnend zudem, dass Harry Kane und Neuling Luis Diaz die Torschützen waren, zwei Hoffnungsträger. Die Bayern sehen sich übrigens als „natürlicher Sieger“, wer sonst hätte die erste Austragung unter dem neuen Namen der Klublegende, nämlich „Franz-Beckenbauer-Supercup“ gewinnen sollen! Harry Kane freute sich besonders über seinen zweiten Pott.

Der Sieg im Supercup war aber auch ein Zeichen für die am Freitag beginnende neue Saison der Bundesliga, wenn Leipzig nach München kommt. Die Meisterschaft soll es wieder sein, ein Herausforderer wird gesucht, scheint aber nicht in Sicht. Bei einer Umfrage der Fachzeitung kicker sehen 55 Prozent die Bayern als Meister, Zweiter ist Dortmund mit 8,9 %, 8,5 % trauen es Frankfurt zu. Der Titelgewinn von Bayer Leverkusen 2024 bleibt wohl ein Ausnahmefall, zumal die Meistermannschaft von damals inzwischen zerfallen ist. Die Bayern aber sehen sich auch hier als der „natürliche Meister“: 33 seiner 34 Titel holte der Rekordchampion seit 1969, zwölf waren es in den vergangenen 13 Jahren! Dennoch beginnt die neue Saison nicht ganz ohne Sorgen, die Suche nach gewünschten Verstärkungen war von Absagen begleitet. Wirtz zu teuer, bei Nick Woltemade blieb Stuttgart stur, auch 60 Millionen Euro reichen nicht, der VfB sieht das Thema abgehakt. Der ins Auge gefasste Nkunku (Ex-Leipzig/Chelsea) kommt wohl auch nicht. Was blieb ist der auch 70 Millionen teure Diaz und die Sorgen vor Verletzungen, der Kader ist stark, aber klein, es darf nichts passieren. Auch Harry Klein warnt: „Mit so einem kleinen Kader habe ich noch nie gespielt.“ Der Nachwuchstalente allein als Hoffnungsträger passt nicht zu einer internationalen Titeljagd bei den hohen Belastungen. Musiala, Davies und Ito fallen noch länger aus, Kingsley Coman nahm endgültig Abschied für einen dicken Scheck aus Saudi-Arabien. In Erinnerung bleibt vor allem sein Tor zum Champions-League-Sieg 2020.

Borussia Dortmund gilt also größter Herausforderer, obwohl die Mannschaft kaum verstärkt wurde. Jobe Bellingham hilft im Mittelfeld, aber sonst? Sorgen bereiten aktuell Ausfälle in der Abwehr (Can, Schlotterbeck), Zuversicht gibt der Endspurt in der vergangenen Saison mit einem CL-Platz und das gute Auftreten bei der Klub-WM. Trainer Niko Kovac hat das Team gefestigt. Daneben darf man von Eintracht Frankfurt und Stuttgart erwarten, dass sie an der Tabellenspitze eine gute Rolle spielen. Frankfurt hat den Abgang von Torjäger Hugo Ekitiké mit Jonathan Burkardt aus Mainz und Ritsu Doan gut kompensiert. Neuen Wirbel gibt es im Tor, Kevin Trapp zieht es zum FC Paris, dafür soll Michael Zetterer aus Bremen kommen. Der VfB will besser abschneiden als im letzten Jahr, Platz neun war eine Enttäuschung, kompensiert durch den Pokalsieg. Der neue Star Woltemade soll also bleiben, das Abschneiden daher besser werden.

Dahinter beginnt schon eine große Zahl von Klubs, die Rätsel aufgeben. Neue Trainer, viele Veränderungen in den Teams, da wird sich erst im Laufe der Saison zeigen, wer den Umbruch gut bewältigen kann. Erstes Beispiel ist Bayer Leverkusen, das mit Hradecky, Tah, Xhaka und Wirtz seine bestimmende Achse verloren hat, dazu auch Dampfmacher Frimpong. Trainer Erik ten Hag als Nachfolger von Xabi Alonso hat sich seine Aufgabe sicher leichter vorgestellt. Die Lücken füllen sollen mehrheitlich hoffnungsvolle Talente, neuer Mittelchef und Kapitän ist Robert Andrich, im Vorjahr oft nur Ersatz! Einen ähnlichen Umbruch hat RB Leipzig vorgenommen, Torjäger Sesko ist der schmerzhafteste Abgang, Xavi Simons soll noch gehen. Der neue Trainer Ole Werner ist der Hoffnungsträger, er soll Schwung in die Mannschaft bringen. In dem Kreis darf man auch den SC Freiburg erwarten, wo eher Kontinuität angesagt ist, allerdings muss der Abgang von Doan verkraftet werden. Julian Schuster, der „Trainer des Jahres“, soll es richten.

Das Gros der Vereine darf dem Mittelfeld zugeordnet werden, offen, ob es nach oben oder unten geht. Ins Blickfeld rückte der FC Augsburg, der sich mit Nagelsmann-Assistent Sandro Wagner einen Star-Coach holte, der eigentlich höchstens Geselle ist. Der FCA will attraktiver spielen, zeigte es in den Testspielen und beim 2:0 im Pokal in Halle bisher nicht. Überhaupt Pokal, da schied am Wochenende mit Werder Bremen (wie im Vorjahr 1:2-Niederlage in Bielefeld!) bisher nur ein Erstligist aus, aber PR für die Bundesliga machten die Klubs nicht, viele kamen gegen unterklassige Mannschaften nur mit viel Glück weiter, vor allem die Aufsteiger Hamburg und Köln, aber auch Mönchengladbach. Die Borussia gehört neben Wolfsburg, Werder (Horst Steffen neuer Trainer), Hoffenheim und Mainz zu den Vereinen, die noch nach ihrer Form und ihrem besten Team suchen.

Hamburg Fußball-Hauptstadt

Durch die Rückkehr der Traditionsklubs Hamburger SV und 1. FC Köln ist die Bundesliga eigentlich attraktiver geworden, aber es sieht so aus, als hätten beide Aufsteiger sehr viele Probleme, die Klasse auch wieder zu halten. Dabei scheinen die Kölner weiter als der HSV, der einen Umbau der Mannschaft vornahm, aber eher an Klasse einbüßte, vor allem die Abgänge von Selke und Reis tun weh. Dennoch ist Hamburg zumindest für eine Saison mit dem HSV und FC St. Pauli Deutschlands Fußball-Hauptstadt, der Glanz wird aber dadurch getrübt, da beide Teams wohl vor allem gegen den Abstieg spielen müssen. Begleitet werden sie hier von Union Berlin und dem 1. FC Heidenheim, der in sein drittes BL-Jahr geht, im Vorjahr aber bereits einige Zeit Schlusslicht war und sich erst am Schluss durch eine glückliche Relegation rettete. Die Hoffnung ruht vor allem auf Trainer Frank Schmidt in seinem 19. Jahr in Heidenheim!

Die Bundesliga hat es im internationalen Konkurrenzkampf immer schwerer, Spieler-Attraktionen nach Deutschland zu bekommen. Nicht nur die Premier League ist interessanter und lukrativer, nicht nur Spanien zieht, sondern inzwischen lockt auch Saudi-Arabien mit viel Geld nicht nur Spieler am Ende ihrer Karriere, sondern auch Athleten in bestem Alter. Selbst Bayern München hat inzwischen Probleme, die Mannschaft vor allem für die Champions League zu verstärken. Ein CL-Sieg wird also immer unwahrscheinlicher. Bis zum 1. September sind übrigens Verstärkungen noch möglich, dann läuft die Transferfrist ab. Der Start in die neue Saison ist zögerlich, nach zwei Spieltagen gibt es gleich wieder eine Länderspielpause für die WM-Qualifikation, ab dem 12. September geht es dann richtig los. Dann stehen auch Europas Wettbewerbe in den Startlöchern. Neben Meister Bayern starten Leverkusen, Frankfurt und Dortmund in der Champions League, Freiburg in der Europa League sowie Mainz in der Conference League (in den Play-Offs gegen Trondheim).

Beckenbauer-Supercup stiehlt den Amateuren die Show

Schluss mit dem Unsinn! Terminnot hin, Terminnot her – DFB und DFL müssen die Terminüberschneidung wieder abschaffen, dass der Supercup (jetzt nach der Legende Franz Beckenbauer benannt) am ersten Pokal-Wochenende ausgetragen wird. Wenn sich der Meister und der Pokalsieger gegenüberstehen, bekommen sie die Aufmerksamkeit und nicht die kleinen Vereinen, die bisher die erste Pokalrunde als „ihren“ Wettbewerb ansehen konnten. Sie haben einmal im Jahr ihren großen Tag, wenn prominente Klubs (bei Auslosungsglück) kostenlos zu Gast sind und reichlich Geld fließt. Terminnot hin, Terminnot her, da muss es einen anderen Tag geben. Der Supercup der Profis darf den Amateuren nicht mehr die Show stehlen.

Also reden wir zuerst über die erste Pokalrunde und freuen uns, wenn den Amateuren ein Favoritensturz gelingt. Pokalhelden waren im Vorjahr die Spieler des Drittligisten Arminia Bielefeld, die bis ins Finale vordrangen, dort aber dem Bundesligisten VfB Stuttgart mit 2:4 unterlagen. Dennoch ein erfolgreiches Jahr der Arminia, die in die 2. Bundesliga aufstieg und jetzt die Ehre hat, am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) den neuen Wettbewerb gegen Werder Bremen zu eröffnen. Da werden Erinnerungen wach, im Vorjahr setzte sich Bielefeld im Viertelfinale mit 2:1 gegen Werder durch. Und die Arminia zeigt sich schon wieder in Form, ist nach zwei Spieltagen als Aufsteiger Tabellenführer der 2. Bundesliga! In der ersten Runde gibt es kein Bundesliga-Duell, Titelverteidiger Stuttgart muss zu Eintracht Braunschweig, das in der 2. BL ebenfalls noch ohne Punktverlust dasteht. Wegen des Supercups wird erst am Dienstag, 26. August, gespielt, die Bayern treten einen Tag später beim Drittligisten Wehen-Wiesbaden an.

Am Wochenende gehört die Bühne aber den Amateuren. Aus der Oberliga sind mit dem FK Pirmasens (ein bekannter Name!/Gegner Hamburger SV), SV Hemelingen (Wolfsburg), Engers (Eintracht Frankfurt), Delmenhorst (Mönchengladbach) und Strahnsdorf (Kaiserslautern) fünf Mannschaften dabei, die gleich gegen Bundesligisten antreten müssen. Die Vergangenheit hat gezeigt, chancenlos sind sie nicht. Aus der Regionalliga treten 14 Teams an und wir warten darauf, welcher Erstligist der Pokal-Depp wird. Im Vorjahr war es der spätere BL-Absteiger VfL Bochum, der in Regensburg mit 0:1 unterlag. Die bisherigen Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass noch nicht alle Bundesligisten in Form sind, die ersten Pflichtspiele der Saison sind auch ihre ersten ernsthaften Bewährungsproben.

Der Beckenbauer-Supercup ist immerhin in diesem Jahr ein wirklicher „Anheizer“ für die neue Bundesliga-Saison, die eine Woche später Meister Bayern München am Freitag gegen RB Leipzig eröffnet. Am Samstag (20.45 Uhr/SAT1) hat allerdings Titelverteidiger Stuttgart Heimrecht. Vor allem die Bayern lechzen nach der Chance, den ersten Titel zu gewinnen, im Pokal waren sie zuletzt 2020 erfolgreich ebenso wie in der Champions League – Erinnerungen an das berühmte Triple-Jahr. 2025 war die Meisterschaft quasi der Trostpreis. Der Supercup ist der Anfang der Jagd auf Silberware und steht unter besonderen Vorzeichen, nachdem sich der VfB gegen den gewünschten Wechsel von Nick Woltemade zu den Bayern wehrt. Der Jung-Star wird gegen seinen Wunschverein antreten, aber vielleicht werden die verhärteten Ablöse-Fronten rund um das Spiel bei einem Treffen der Bosse aufgeweicht. Woltemade und die Bayern hoffen noch. Hält der VfB seine Mauertaktik durch? Besser in Form scheinen die Bayern zu sein, die beim 4:0-Sieg über Tottenham ein starkes Spiel zeigten und mit dem Einsatz von zahlreichen Talenten erstaunten. Der VfB konnte gegen Bologna nicht glänzen, verlor das Duell der Pokalsieger von Deutschland und Italien mit 0:1. Dabei wurde ebenfalls ein Pokal ausgespielt, nichts war es also mit dem ersten Pott.

Die 2. Bundesliga hat zwei Spieltage hinter sich und da zeigt die Tabelle Erstaunliches. Ein Neuling vorn (Bielefeld), Abstiegskandidaten vom Vorjahr ebenfalls oben dabei (Darmstadt, Braunschweig) und dazu mit Hannover nur einer aus dem Favoritenkreis Dritter. Schlusslicht ist mit Düsseldorf dafür ein Team aus dem Favoritenkreis. Null Punkte haben außerdem Bundesliga-Absteiger Kiel, Altmeister Nürnberg mit seiner jungen Mannschaft und Aufsteiger Dresden. Nicht in Schwung gekommen ist bisher auch Hertha BSC, der Top-Favorit auf den Aufstieg überhaupt. Es verspricht also eine interessante Saison zu werden.

Wirtz, Schuster und Berger/Gwinn

Wenn die neue Saison los geht, werden die Stars der alten geehrt. Die deutschen Sportjournalisten wählten unter der Regie der Fachzeitung kicker die Besten der Fußball-Branche. „Fußballer des Jahres“ wurde Florian Wirtz, der nicht nur auf dem Spielfeld für Wirbel sorgte, sondern zuletzt auch mit seinem Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool, der eine Rekordsumme als Ablöse hinlegte. Das Nachsehen hatte Bayern München, wie jetzt auch die Bayern-Spieler. Wirtz siegte deutlich mit 191 Stimmen vor Michael Olise (91), Nick Woltemade (VfB/71, wäre gern Bayern-Spieler), Thomas Müller (70), Harry Kane (48), Jamal Musiala (43) und Joshua Kimmich (38). Welch ein Bayern-Aufgebot! Mit Abstand folgt Omar Marmoush (12, Frankfurt/ManCity). Wirtz ist Nachfolger von Toni Kroos, hinter dem er im Vorjahr Platz zwei belegt hatte. „Toni zu folgen, macht mich besonders stolz“, sagt der Sieger.

„Trainer des Jahres“ wurde ein Neuling, Julian Schuster beeindruckte mit dem SC Freiburg gleich in seinem ersten Bundesliga-Jahr und ist damit in doppelter Hinsicht ein würdiger Nachfolger von Christian Streich, der 2022 siegte. Schuster folgt auf Xabi Alonso und das ganz ohne Titel. Der Freiburger erhielt 97 Stimmen, auf den Plätzen Horst Steffen (76), der mit Elversberg ebenfalls für Furore sorgte und Hansi Flick (72), Barcelonas Erfolgstrainer.

Eine Besonderheit gab es bei den Frauen: Erstmals seit 30 Jahren, so lange wird die Wahl durchgeführt, landeten zwei Spielerinnen auf Platz 1! EM-Heldin Ann-Katrin Berger und DFB-Kapitänin Giulja Gwinn, inzwischen quasi das Gesicht des deutschen Frauen-Fußballs, erhielten jeweils 145 Stimmen. Für Berger eine erfolgreiche Titelverteidigung, da sie auch im Vorjahr siegte. Auf Platz drei Gwinns Mannschaftskameradin der Bayern, Klara Bühl (52) vor Jule Brand (43/Wolfsburg). Die neue Bundesliga-Saison der Frauen startet am 5. – 8. September mit einem neuen Zuschauerrekord, für das Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen am 6. September in der Allianz-Arena sind schon über 40.000 Karten verkauft.

Die Bayern arbeiten bei den Talenten gegen den Trend

Seit dem unerwarteten Triumph in der Champions League gilt der einstige Geld-Verein Paris St. Germain quasi als Vorbild. Nachdem er mit teuren Stars nicht erfolgreich war, verkaufte er diese und setzte auf hoffnungsvolle (auch nicht ganz billige) Talente. Dann gelang das, was der von Katar alimentierte Klub jahrelang nicht schaffte, der Gewinn der CL. Auf den Spuren befindet sich jetzt auch der FC Liverpool, der vor allem junge Spieler auf seiner Einkaufsliste führte, allen voran Florian Wirtz, wie wir wissen und die Bayern bitter erfahren mussten. Auf das Talent hätten sie auch gerne gesetzt.

Ansonsten arbeiten die Bayern allerdings bei den Talenten gegen den Trend. Während Barcelona immer wieder erfolgreiche Spieler aus seinem fast schon legendären Nachwuchscampus bei den Profis herausbringt, bekommen sie dies aktuell bei den Bayern nicht hin. Außer Jamal Musiala Fehlanzeige. Dabei wird viel in den Campus investiert, aber mit Vincent Kompany hat derzeit scheinbar ein Trainer das Sagen, der Experimente mit jungen Spielern scheut, weil sie den Erfolg gefährden könnten. Natürlich ist es ein schmaler Grad, wenn Erfolg und Nachwuchsförderung Hand in Hand gehen sollen, doch der Mut dazu fehlt bei Kompany. Bestes Beispiel ist der 19-jährige Adam Aznou, Nationalspieler Marokkos, der die Vakanz auf der linken Seite nach dem Ausfall von Davies hätte füllen können. Er bekam keine echte Chance, aber der FC Everton in der Premier League glaubt an ihn und zahlt sogar 9 Million Euro Ablöse. Experten sagen, die Bayern verfügten derzeit über eine Mega-Talentdichte.

Es schien, als wollte Kompany zeigen, dass er auch anders kann. Beim ersten Testspiel gegen Olympique Lyon, das mit einem 2:1-Sieg erfolgreich gestaltet wurde, gab es für jede Halbzeit ein anderes Team und alle Nachwuchsspieler bekamen Spielpraxis. Im Mittelpunkt steht derzeit vor allem der 19-jährige Paul Wanner, der in Heidenheim Bundesliga-Luft schnupperte und jetzt die Chance hätte, vom Ausfall Musialas zu profitieren. Vor einem Jahr gab es über ihn Schlagzeilen, weil er für Österreich und Deutschland spielen könnte und beide Nationaltrainer um ihn buhlen. Doch diesbezüglich wurde es still. Mit dem 17-jährigen Lennart Karl wartet das nächste große Talent auf den Einsatz, der schlaksige Stürmer ist nah dran und gilt als Backup für Olise, braucht aber auch Spielpraxis. Immerhin dürfen einige hoffnungsvolle Talente fest mit den Profis traineren, so Torjäger Jonah Kusi-Asare, Mittelfeldstratege David Daiber oder Stürmer Felipe Chavez.

Dass die Bayern aber vor allem den Erfolg in der Gegenwart brauchen, zeigte die Verpflichtung des Kolumbianers Luis Diaz, der sich in München offensichtlich schnell eingelebt hat. Der 28-jährige ist ein umgänglicher Typ, lächelt immer und Joshua Kimmich schwärmt: „Er hilft uns sofort weiter“. Das sollte auch Nick Woltemade tun, doch der VfB Stuttgart ist weiter nicht gesprächsbereit, Woltemade will nach München, bleibt aber professionell und lässt sich in Stuttgart diesen Wechselwunsch nicht anmerken. Bei anderen Vereinen sind nicht nur Zugänge im Gespräch, bei RB Leipzig vor allem Abgänge. Da erwartet man, dass Benjamin Sesko und Xavi Simons den Verein im August noch verlassen, beide zieht es in die Premier League, Newcastle bzw. Chelsea London sollen Interesse haben. Auch Leipzig will zurück zur einstigen Idee und vor allem auf junge Spieler setzen. Bayer Leverkusen macht dies fast zwangsläufig, nach dem Abgang von vielen erfahrenen Spielern. Trainer ten Hag fordert aber noch neue Spieler. Dennoch: Es scheint, die Bundesliga wird zum Talentepool.

Die 2. Bundesliga startet spektakulär

Die Bundesliga startet bekanntlich erst am 22. August, im Unterhaus ging es am Wochenende bereits los und die 2. Bundesliga startete spektakulär mit überraschenden Ergebnissen, spannenden Spielen und Toren in den letzten Minuten. Erster Tabellenführer sind ausgerechnet die Pokalhelden aus Bielefeld, mit einem 5:1 gegen den Mitfavoriten Fortuna Düsseldorf meldete sich der Aufsteiger spektakulär zurück. Schon das Eröffnungsspiel zwischen Schalke und Hertha BSC hatte es in sich, der neue Trainer Miron Muslic feierte mit dem 2:1-Sieg einen tollen Einstand und wurde gefeiert, Top-Favorit Hertha BSC musste dagegen erkennen, dass der Aufstieg den Berlinern nicht geschenkt wird. Oder sind sie gar nicht so stark wie gedacht?

Interessant, dass beide Bundesliga-Absteiger eine Klasse tiefer gleich wieder Lehrgeld bezahlen mussten, Bochum wurde mit 1:4 in Darmstadt fast gedemütigt, Kiel unterlag in Paderborn mit 1:2. Da bekommen Wiederaufstiegsträume gleich einen Dämpfer.

Ein Nachtrag zur Frauen-EM. Bei der von der UEFA vorgestellte „Elf des Turniers“ darf man sich die Augen reiben, aber auch freuen. Nicht erwarten durfte man, dass Franziska Kett von den Bayern als Linksverteidigerin nominiert wurde, ebenso wie die Engländerin Chloe Kelly im Sturm, die zwar entscheidende Tore schoss, aber nie von Anfang spielte! Mit dabei ist auch Jule Brand (Wolfsburg). Die EM-Elf: Hampton (England) – Bronze (England), Paredes (Spanien), Linardi (Italien), Kett – Patri, Aitana, Alexia (alle Spanien) – Brand, Russo (England), Kelly (England).

Eine Neuigkeit gibt es international bei den Frauen, die Champions League wird künftig im TV auch beim ZDF übertragen. Ab 2025/26 besitzt der Streamingkanal Disney+ die Rechte und nicht mehr DAZN. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat einige Reche erworben und so darf das ZDF in jeder Spielwoche eine Begegnung übertragen, außerdem Halbfinale und Finale und weitere im Streaming. Qualifiziert sind Meister Bayern München und der VfL Wolfsburg, Frankfurt muss in die Qualifikation.

Finals waren ein Fest des Sports

In Dresden fanden am Wochenende die sogenannten „Finals“ statt, eine Ansammlung von Deutschen Meisterschaften, mit der Leichtathletik im Mittelpunkt, aber auch Turnen oder der neuen olympischen Sportart Lacrosse. Vorgestellt wurde auch „Coasting Rowing“, Küsten-Rudern, wo die Athleten zu ihrem Boot laufen, eine Runde drehen und wieder zum Ziel rennen müssen. Dresden veranstaltete die Meisterschaften in 20 Sportarten in Anlehnung an den Erfolg von Olympia in Paris als Ereignis in der historischen Innenstadt, zum Beispiel mit Klettern an der Frauenkirchen und Bogenschießen an der Semper Oper. Der Erfolg war überwältigend, das Publikum zahlreich und bei freiem Eintritt begeistert und ebenso die Athletinnen und Athleten, die ein Fest des Sports feierten. So waren auch die Kanuten mittendrin und sie waren aus dem Häuschen: „Was hier los ist, ist nicht normal für unseren Sport“. ARD und ZDF waren am Wochenende den ganzen Tag über live dabei und erzielten gute Einschaltquoten.

Die Finals sind also eine tolle Idee, weil Sportarten, die sonst kaum Beachtung finden und höchstens bei Olympia in der Öffentlichkeit auftauchen, sich hier präsentieren können und Anhänger und vielleicht auch Sponsoren finden. Dazu werden Kinder animiert, den Sport für sich zu entdecken. Die nächste Austragung gibt es 2026 in Hannover. Da ist vielleicht auch wieder Schwimmen mit dabei, da kamen diesmal die Weltmeisterschaften in Singapur in die Quere. Dort war Deutschland mit sechsmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze so erfolgreich wie seit 2009 nicht mehr!

EM war ein Fest des Frauen-Fußballs – England Europameister, Deutschland ein Gewinner

„Wir schreiben Geschichte“ hatten sie in der Schweiz gejubelt und damit ihren erstmaligen Einzug ins Viertelfinale gemeint. Aber mit der Austragung der Fußball-Europameisterschaft der Frauen haben sie auch in der Organisation Geschichte geschrieben. Es war ein einzigartiges, stimmungsvolles Fest, garniert mit einem neuen Zuschauerrekord (650.000). Alle waren begeistert von einer lockeren, angenehmen Atmosphäre, egal, ob Fans oder Spielerinnen, egal, ob in den Städten oder Stadien. Im Gegensatz zu den Männern gab es keine Ultras, keine Hooligans, keine Schlägereien. Es war ein Fest für die ganze Familie, der Frauen-Fußball der große Gewinner!

Eigentlich gab es fast nur Gewinner, als Verlierer fühlten sich allerdings die Spanierinnen, die als spielerisch beste Mannschaft des Turniers dennoch nicht den Titel holten. Glücklicher waren da die Engländerinnen, die erstaunliche Bilanzen präsentieren. In der K.o.-Runde konnten sie kein Spiel in 90 Minuten entscheiden. Der 3:1-Sieg nach Elfmeterschießen (0:1/1:1/1:1) im Finale gegen Spanien war der zweite Erfolg vom Punkt aus, im Viertelfinale gegen Schweden bedurfte es bekanntlich 14 Elfmeter (Rekord), von denen nur fünf verwandelt wurden, beim 3:2. Im Halbfinale setzte sich England gegen Italien nach Verlängerung mit 2:1 durch, Chloe Kelly traf in der 119. Minute, bis zum Schlusspfiff waren es die einzigen vier Führungsminuten in der K.o.-Runde! Kelly sorgte immer wieder als Joker für entscheidende Momente und verwandelte schließlich auch den letzten Elfmeter! Die Engländerinnen verteidigten ihren Titel also erfolgreich.

Eine besondere Bilanz hat auch Trainerin Sarina Wiegmann vorzuweisen, die Holländerin erreichte ihre fünftes Finale (einschließlich WM) in Folge und wurde dreimal in Folge Europameisterin. 2017 gewann sie noch mit der Niederlande, trainierte dann ab 2021 England und holte 2022 (ein Jahr später wegen Corona) wieder den Titel und jetzt erneut. „Ich weiß nicht, wie das alles gegangen ist,“ schüttelte die 55-Jährige selbst den Kopf. Verwundert war sie auch über ihre Verteidigerin Lucy Bronze, die mit der Goldmedaille um den Hals gestand, dass sie das ganze Turnier mit einem gebrochenen linken Schienbein gespielt hatte. Unmenschlich! Mit 598 Minuten Spielzeit standen nur drei Mitspielerinnen länger auf dem Feld! Im Gegensatz zu England ist bei Spanien die Trainerin Montserrat Tomé (43) nicht beliebt, sie ist eine belastete Funktionärin vom Kuss-Skandal. Freuen konnten sich am Ende nicht einmal die spanischen Spielerinnen über Auszeichnungen. Aitana Bonmati, die gegen Deutschland entscheidend traf, wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt, Mittelstürmerin Esther war mit vier Treffern (alle in den Gruppenspielen) beste Torschützin. Gut spielt, die anderen hatten noch besser gekämpft. Gewinner waren auch die Schiedsrichterinnen – es gab keine Tumulte, keine großen Beschwerden.

Als Gewinner kann sich auch Deutschland fühlen. Das Ausscheiden im Halbfinale war unglücklich. Zwar nahm Torhüterin Ann-Katrin Berger für den Schuss ins kurze Eck zum 0:1 die Schuld auf sich, doch das ist unnötig. Es war Torhüter-Pech, sie spekulierte zurecht auf eine Flanke, Aitana überwand sie mit einem Glücksschuss. Berger war die älteste Spielerin einer jungen Mannschaft, der die Zukunft gehört, wenn sie sich in entscheidenden Punkten verbessern kann. Man darf nicht vergessen, dass es Rückschläge mit Verletzungen (Gwinn) und Sperren gab. Dazu fehlte mit der langzeitverletzten Lena Oberdorf die Mittelfeldstrategin. Übrigens kassierte der DFB insgesamt 2,7 Millionen Euro von der UEFA (England 5 Millionen), jede Spielerin erhält als Prämie 65.000 Euro.

Ab jetzt geht es um die Zukunft. Der Frauen-Fußball kommt in Deutschland an, doch beim Nachwuchs hapert es. Bezeichnend, sechs Leistungszentren gibt es bei den Mädchen, bei den Jungen sind es 58! Bedenklich, dass sich die U17 und U19 nicht einmal für die Europameisterschaften qualifiziert haben! Weiter Auftrieb könnte es geben, wenn Deutschland den Zuschlag für die nächste EM 2029 erhält. Der DFB hat bei der Bewerbung allerdings starke Konkurrenz, vor allem mit der Doppelbewerbung von Schweden und Dänemark, Polen will das erste osteuropäische Land sein, das eine Frauen-EM austrägt, Italien erhofft sich den Zuschlag, um ebenfalls den Frauen-Fußball zu forcieren. Am 3. Dezember wird entschieden

Für eine gute Zukunft ist aber vor allem die Bundesliga verantwortlich. Bei den Vereinen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Mängel wurden vor allem im Passspiel und bei der Ballbehandlung deutlich. Der großartige Kampfeswillen kaschierte vieles. Die Aufstockung der Bundesliga von 12 auf 14 Vereine wird für mehr Aufmerksamkeit sorgen, zumal es mit dem Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Union Berlin attraktive Aufsteiger gibt, die alle in großen Stadien spielen wollen. Das brauchen die Frauen, die sich schon auf das Auftaktspiel der Bundesliga freuen, wenn Meister Bayern München in der Allianz-Arena am 6. September gegen Leverkusen spielt.30.000 Karten sind schon verkauft! Die Nationalmannschaft ist dann wieder zwischen dem 22. und 28. Oktober gefordert, da geht es im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich.

Es geht wieder los: Start der 2. Bundesliga

Die Frauen dürfen kurz Urlaub machen, ab sofort übernehmen die Männer wieder das Kommando. Am Freitag startet die 2. Bundesliga mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Hertha BSC (20.30 Uhr/live bei SAT1) in die neue Saison (das Oberhaus folgt am 22. August). Mit dem Aufstieg der Traditionsklubs 1. FC Köln und Hamburger SV hat das Unterhaus einen großen Aderlass zu verzeichnen, aber von unten kam mit Dynamo Dresden und den Pokalhelden von Arminia Bielefeld guter Ersatz. Da dürften die Zuschauerzahlen weiterhin stimmen (zuletzt mit 9,4 Millionen ein neuer Rekord/ Schnitt 30.000) und das Motto „stärkste 2. Liga der Welt“ verliert sicher nicht an Gültigkeit. Vorfreude also, es geht wieder los!

Mit Hertha BSC Berlin zeigt sich gleich der erste Aufstiegsanwärter, aber insgesamt wird es wohl wieder ein enges Rennen geben wie im Vorjahr. Von den Traditionsklubs müssen sich Schalke und Nürnberg eher mit einem Mittelfeldplatz anfreunden, Ambitionen werden vor allem Hannover, Düsseldorf und Kaiserslautern nachgesagt. Die BL-Absteiger Kiel und Bochum müssen sich erst wieder neu aufstellen, können aber durchaus überraschen. Überraschungsteams wie im Vorjahr Elversberg, Paderborn und Magdeburg (auf den Plätzen 3 – 5) werden gesucht und wird es sicherlich wieder geben. Die Fernsehpräsenz wird gesteigert, im Free-TV gibt es mehr Übertragungen, auch RTL ist dabei. Ansonsten laufen wie bisher schon alle Spiele bei Sky.

Der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Schalke – Hertha BSC. Samstag, 13 Uhr: Elversberg – Nürnberg, Paderborn – Kiel, Karlsruhe – Münster, Darmstadt – Bochum. 20.30 Uhr: Bielefeld – Düsseldorf. Sonntag, 13.30 Uhr: Hannover – Kaiserslautern, Magdeburg – Braunschweig, Fürth – Dresden.

Bayern-Erfolg im Transfer-Theater

Vor allem die Bayern füllen im Sommer das Programm im Transfer-Theater. Sie tun sich schwer mit Verstärkungen. Jetzt soll es den ersten Erfolg im Millionenspiel geben, die Bayern sollen sich mit dem FC Liverpool über den Wechsel des Kolumbianers Luis Diaz geeinigt haben, allerdings werden rund 75 Millionen (mit Boni) fällig. Der 28-jährige kampfstarke Außenstürmer kann im Angriff aus fast allen Positionen eingesetzt werden. Auf der Verkaufsliste zeichnet sich Entlastung ab, Bryan Zaragoza bleibt in Spanien (Celta Vigo gilt als Favorit), Verteidiger-Talent Adam Aznou, der bei Trainer Kompany keine Berücksichtigung fand, steht im Visier vom FC Everton, der sogar 9 Millionen Euro Ablöse zahlen will. Die Bayern haben offensichtlich weiterhin Probleme, eigene Talente im Profi-Kader zu halten. Jamal Musiala war eine Ausnahme, Paul Wanner hat zumindest die Chance evtl. der nächste zu sein.

Bei der Konkurrenz sieht es anders aus, Bayer Leverkusen setzt beim Neuaufbau auf junge Spieler, es verdichten allerdings die Meldungen, dass mit Granit Xhaka (zum FC Sunderland) der letzte routinierte Stützpfeiler geht. Frankfurt hat dagegen wieder gut verkauft mit rund 90 Millionen Euro vom FC Liverpool für Hugo Ekitiké die Kasse gut gefüllt. Wenig hört man von Borussia Dortmund, dort vertraut man offensichtlich mehrheitlich dem Kader, der zwar in der Vorsaison in die Kritik geriet, aber bei der Klub-WM eine Art Rehabilitation betrieb. Doch Vorsicht, Bundesliga und internationale Aufgaben waren da zwei verschiedene Welten!

Formel 1: Der alte Dominator versinkt im Chaos

Die Formel-1-Experten schwärmen, „es gibt keinen besseren Ort, um die zweite Hälfte der Formel-1-Saison zu beginnen, als die Ardennen. Auf dem Circuit Spa-Francorchamps sind sie zu Hause, die großen Gefühle.“ Die Berg- und Talfahrt holt das Beste aus den Rennfahrern und den Rennwagen heraus. Der zweite Teil der Saison dürfte aber sowieso spannend wie selten werden und Spannung liegt auch in der Luft, was die Zukunftsplanungen angeht. Den Weg für eine neue Zukunft hat der bisherige Dominator frei gemacht, denn Red Bull versinkt inzwischen im Chaos. Nach dem spektakulären Aus von Teamchef Christian Horner ist die Zukunft offen.

Unruhe begleitete Red Bull schon die ganze Saison, weil Max Verstappen öfters hinterher fuhr als ihm lieb ist und McLaren inzwischen den Siegerwagen auf die Strecke bringt. Oscar Piastri, der mit 234 Punkten führt, und Kollege Lando Norris (226) können sich nur gegenseitig den Griff nach dem Titel versauen und Verstappen (165) zum lachenden Dritten machen. Noch gibt es keine Stallorder. In der Konstruktionswertung liegt Red Bull mit 172 Punkten sogar nur auf Rang vier hinter McLaren (460), Ferrari (222) und Mercedes (210). Das Dilemma bei Red Bull begann mit einem Skandal um Christian Horner und dem Weggang von Genie Adrian Newey, dem Technischen Leiter. Seitdem sind die Boliden nicht mehr so schnell und fehlerhaft wie die Konkurrenz, die sich ins Fäustchen lacht. Zwölf Rennen stehen also noch aus, am 7. Dezember gibt es das Finale in Abu Dhabi.

Bei Halbzeit werden aber auch die Gerüchte um die Zukunft der einzelnen Teams immer konkreter und oft von Vertragsverlängerungen abgelöst. So machte es Mercedes-Boss Toto Wolff besonders spannend, als er für die Tage rund um Spa eine Entscheidung über die Fahrer ankündigte. Max Verstappen habe von Red Bull die Nase voll, heißt es, Mercedes buhle um ihn, obwohl der Vertrag des Niederländers noch bis 2028 läuft. Dagegen laufen die Verträge der beiden Mercedes-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli am Saisonende aus. „Die Fahrer müssen Bescheid wissen, wie ihre Zukunft aussieht“, sagt Toto Wolff. Es wäre allerdings keine Überraschung, wenn eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bekannt würde. Verstappen wird auch noch abwarten wollen, wie die Zukunft bei Red Bull aussieht, schließlich gibt man eine neunjährige Zusammenarbeit nicht so leicht auf. Sein Traum, wie Michael Schumacher fünfmal hintereinander Weltmeister zu werden, hat er wohl sowieso schon aufgegeben.

Ja, Michael Schumacher ist in Spa allgegenwärtig, es war schließlich seine Hausstrecke, da fuhr er Rekorde ein. Heute ist die Formel 1 in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent, weil hierzulande keine Rennen mehr gefahren werden. Mit einem Kracher beendete allerdings der letzte Deutsche im Fahrerfeld, Nico Hülkenberg, die erste Saisonhälfte, als er im Regenrennen von Silverstone aufs Podest fuhr. Da ging für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung, noch nie musste ein Fahrer so lange auf einen Platz auf dem Stockerl warten. Für Hülkenberg waren es genau 5593 Tage. Mit seinem Sauber hielt er die Verfolger Hamilton und Verstappen auf Distanz und schürte damit die Hoffnung auf das nächste Jahr, wenn Audi bei Sauber einsteigt. Es geht jetzt schon aufwärts bei dem Sauber-Team, das mit 41 Punkten Rang sechs in der Konstrukteurswertung belegt, Hülkenberg (37/Rang 9) ist dabei ein eifriger Punktesammler. Wer hätte das gedacht. Sauber stand zuletzt 2012 auf dem Podest!

Vier Rennen stehen mit Spa, Budapest, Zandvoort und Monza noch in Europa an, bevor es nach Asien, Amerika und den Vorderen Orient geht. Die Formel 1 hat ja vor allem in den USA durch Internetaktivitäten neue Fans gewonnen, so dass es in den nächsten Jahren eher weniger Rennen in Europa geben wird. Madrid soll zwar bald ein Stadtrennen bekommen, dafür dürfte aber ein anderer traditionsreicher Kurs wegfallen. Die Formel 1 ist Teil der Unterhaltungsindustrie, die Fans fühlen sich gerade in diesem Jahr gut unterhalten.

Das Wunder von Basel: Frauen sorgen bei ihrer EM für Spektakel

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz ist ein überwältigender Erfolg. Die Stadien sind voll, die Stimmung im Land großartig, dafür hat auch die eigene Mannschaft gesorgt. Gerade die Spiele im Viertelfinale waren zudem ein richtiges Spektakel. Schweden und England sorgten für einen Elfmeter-Rekord, die deutsche Mannschaft sicherte sich mit einem heroischen Kampf und einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Beste Reklame also für den Frauen-Fußball – Fußball-Herz was willst du mehr!

Im Fußball geläufig ist das „Wunder von Bern“ von 1954, als Deutschland gegen Favorit Ungarn sensationell mit einem 3:2-Sieg die erste Weltmeisterschaft gewann. Ein Sieg, der für Euphorie im Land sorgte und heute noch als wichtiger Antrieb für den gelungenen Wiederaufbau Deutschlands gilt. Ganz so geschichtsträchtig ist der 6:5 (1:1/1:1/1:1)-Erfolg n. E. über Frankreich nicht, aber der tolle Kampf der Mädchen mit dem glücklichen Ende durch eine überragende Torhüterin Ann-Katrin Berger wird in Erinnerung bleiben. Das Spiel bot alles, was den Fußball interessant macht, was die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Die Dramaturgie hätte kein Autor besser erfinden können. Die DFB-Elf trat als Außenseiter an, Bundestrainer Christian Wück hatte von vornherein auf eine defensive Ausrichtung gesetzt. Dann aber die ominöse 13. Minute: Kathrin Hendrich, neu hereingekommen, greift im eigenen Strafraum der Französin Mbock an den Zopf, zieht offensichtlich, also Rot und Elfmeter. Geyoro verwandelte, damit nahm das Drama seinen Anfang. Deutschland musste 75 Minuten (am Ende waren es 105 ohne Nachspielzeit) in Unterzahl überstehen, dazu schied kurz danach mit Sarai Linder die nächste Rechtsverteidigerin verletzt aus. Auf dem Posten liegt offensichtlich ein Fluch, Gwinn verletzt, Wamser gesperrt, jetzt Linder (von links nach rechts gewechselt) verletzt. Die Mannschaft aber hielt sich an das Motto, das der Bundestrainer sowieso schon mit auf den Weg gegeben hatte: „Mentalität schlägt Talent“. Der verbliebene Rest kämpfte auf dem Feld mit einer Leidenschaft, die bei einem vollzähligen Team wohl kaum abgerufen worden wäre. Dazu half ein genauer Eckball von Klara Bühl, den Sjoeke Nüsken ins lange Eck verlängerte. Mit einem 1:1 war alles drin, sogar der Sieg war möglich, aber in der 69. Minute scheiterte Nüsken mit einem Foulelfmeter an Torhüterin Peyraud-Magnin. Im Elfmeterschießen machte sie es besser. Es war also alles geboten.

Dass es überhaupt zu einem Elfmeterschießen kam, war Ann-Kathrin Berger zu verdanken, die einen verunglückten Kopfball von Kapitänin Minge mit der „Parade des Jahres“ von der Linie kratzte. Im Showdown hielt Berger dann zudem zwei Elfmeter und verwandelte den fünften zudem selbst sicher, so dass es auch vom Punkt zu einer Verlängerung kam. Berger hielt gleich den ersten Elfer, Minge, Dallmann und Knaak trafen, ehe Däbritz vergab. Nach Berger waren dann aber Bühl und Nüsken erfolgreich, ehe Berger den Schuss von Sombath hielt. Der Rest war Jubel! Der Kraftakt war von Erfolg gekrönt, typisches Beispiel des Willens war die junge Franziska Kett, die in beeindruckender Weise ihre renommierten Gegenspielerinnen Cascarino und Mateo in Schach hielt. Die Französinnen waren fassungslos, „wir haben das nicht verdient, wir waren die bessere Mannschaft“, jammerte Verteidigerin Bacha, gestand aber auch „ich bin eine schlechte Verliererin.“ Frankreich hatte in der Gruppenphase durch schönes Spiel imponiert, fand diesmal aber kein Rezept gegen die kampfstarken Deutschen.

Mit dieser unerwarteten Leistung und vor dem Halbfinale gegen Weltmeister Spanien hat die DFB-Elf bereits beste Reklame für den Frauen-Fußball gemacht. Die Fans in Deutschland sind wachgerüttelt, für die in der Regel niedrigen TV-Einschaltquoten im Sommer sind über 10 Millionen Zuschauer eine sagenhafte Zahl – und keiner wird das Einschalten bereut haben! Aber jetzt kommt die nächste große Aufgabe gegen Spanien am Mittwoch in Zürich. Dort verlor man am Samstag 1:4 gegen Schweden! Gegen Spanien sind die Vorzeichen ähnlich wie vor Frankreich: Der Weltmeister ist ebenfalls Favorit, hat imponiert. 14 Tore in den Gruppenspielen sind Rekord. Spanien mit seinen Stars Alexia, Aitana und Paredes galt sowieso als erster Titelanwärter, hat das Zeug einen deutschen Riegel zu knacken. Aber: Deutschland ist gegen Spanien noch ungeschlagen, gilt als „bastia negra“, das „Schwarze Biest“. In acht Spielen gab es fünf DFB-Siege, bei der WM 2019 wurde Spanien 1:0, geschlagen, bei der EM mit 2:0 ausgeschaltet und bei Olympia 2024 in Paris holte Deutschland mit einem 1:0 gegen Spanien Bronze! Spanien wurde auch noch nie Europameister. Bundestrainer Christian Wück muss sich aber wieder etwas einfallen lassen, mit Hendrich, Nüsken (beide gesperrt) und Linder (verletzt) fehlen drei Stammspielerinnen. „Wir wollen nach Basel, dieses Stadien gefällt mir“, hat Klara Bühl den Blick auf das Finale am Sonntag gerichtet.

Das zweite Finale bestreiten am Dienstag in Genf England und Italien. Die Titelverteidigerinnen aus England haben im Viertelfinale gegen Schweden für einen Rekord gesorgt. Auch da gab es nach einem 2:2 nach 120 Minuten ein Elfmeterschießen, sage und schreibe 14 waren nötig, zum 3:2-Sieg für England. Neun Elfmeter wurde also nicht verwandelt – das gab es noch nie! Auffallend: Außer Spanien stehen nur Gruppenzweite im Halbfinale! Die EM bietet wirklich alles!

Bayern im Transfer-Dilemma

Einige Bundesligisten haben schon reihenweise neue Spieler verpflichtet, andere tun sich schwer, Verstärkungen zu finden. Vorne dran dabei Meister Bayern München, das Team zu verstärken ist aber auch schwer und vor allem teuer. Und so bleibt Woche für Woche alles in der Schwebe. Stuttgart will wegen Nick Woltemade nicht verhandeln, 65 Millionen Euro sind zu wenig. Dabei könnten die Bayern Druck ausüben, haben Torhüter Nübel als Leihspieler beim VfB und wenn die Stuttgarter ins Trainingslager an den Tegernsee kommen, hat es Bayern-Legende Uli Hoeneß nicht weit zu einem Machtwort mit Neffe Sebastian Hoeneß, dem VfB-Trainer. Und noch einen Plan B gibt es, Talent Paul Wanner haben die Stuttgarter im Visier, aber er könnte bei den Bayern die Lücke des verletzten Musiala füllen, ganz ohne Woltemade. Ohne Trumpf sind die Münchner also nicht.

Kein Woltemade, aber vielleicht ein Luis Diaz. Der kolumbianische Stürmer des FC Liverpool gilt als perfekte Lösung als linker Stürmer, weil er auch Back-up für Harry Kane in der Mitte sein kann. Allerdings ruft Liverpool rund 70 Millionen Euro als Ablöse auf. Diaz soll sich mit den Bayern einig sein, vielleicht braucht Liverpool das Geld, weil für Wirtz, Frimpong und neuerdings zudem noch Ekitiké von Eintracht Frankfurt (für 90 Millionen!) rund 250 Millionen allein in die Bundesliga fließen. Aber auch hier könnte es noch eine Weile dauern. Immerhin gibt es bei den Bayern eine Entscheidung: Herbert Hainer hat sich entschlossen, bei der Jahreshauptversammlung im November wieder als Präsident zu kandidieren. Die Wiederwahl des 71-Jährigen gilt als sicher. Es wäre seine dritte Amtsperiode, 2019 hatte er Uli Hoeneß beerbt.

Schwerer als die Bayern wird es in der neuen Saison vor allem Bayer Leverkusen haben. Nach den Team-Stützen Tah, Wirtz und Frimpong wird jetzt auch über einen Abgang vom Mittelstrategen Granit Xhaka spekuliert, den saudisches Geld locken soll. Da steht der neue Trainer Erik ten Hag vor einem ziemlichen Neuaufbau.

Klub-WM: Ein Triumph Europas und des Geldes

Das war sie nun, die erste Klub-Weltmeisterschaft im XXL-Format mit 32 Mannschaften (vorher 7) ist Vergangenheit. Wird sie uns als großes Fußball-Ereignis in Erinnerung bleiben? Den Fans in Europa wohl kaum, auch wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino sie als „größtes Ereignis des Fußballs“ preist (oder hat er sogar „in der Welt“ gesagt?). Es ist sein Kind und so musste es auf jeden Fall „großartig“ sein, egal wie die Wirklichkeit aussah. Die Klub-WM wurde aber zu einem Triumph der Vereine Europas und des Geldes. Sie ist vielleicht im Großen und Ganzen keine schlechte Idee, aber mit erheblichen Mängeln und negativen Auswirkungen behaftet. Die Weltmeisterschaft der Nationen ist wesentlich attraktiver und eher dazu geeignet, als „größtes Ereignis des Fußballs“ gepriesen zu werden. Ob sie das in den USA, Mexiko und Kanada im nächsten Jahr wird, darf allerdings in Zweifel gezogen werden, dafür gab es zu viele Probleme in den USA.

Zuerst zum Sport. Im Finale waren Europas Klubs unter sich. Typisch für das Turnier des Geldes mit Millionen-Aussschüttungen, es standen sich zwei geldsubventionierte Klubs gegenüber. Der Sport stand dennoch im Mittelpunkt, denn mit Chelsea London gewann der Außenseiter, der Champions-League-Sieger Paris St. Germain mit 3:0 fast demütigte. Die Pariser, die sich sicher waren, den nächsten großen Titel zu gewinnen, hatten übersehen, dass Chelsea seit 2012 jedes Finale gewonnen hat! 2012 und 2021 die Champions League, 2013 und 2014 die Europa League, 2025 die Conference League und 2021 und jetzt 2025 die Klub-WM. „Vater des Erfolges“ ist der 45-jährige Enzo Maresca, der aus einem Verlierer-Team ein Sieger-Team machte. „Vor einem Jahr war Chelsea von der Weltbühne verschwunden“, erzählt er stolz, „jetzt sind wir wieder wer.“ In der Premier League schaffte Chelsea mit Mühe gerade noch Platz vier und damit die Qualifikation für die CL. Aus einem Kader von rund 40 Spielern (!) bastelte der Trainer ein Siegerteam und das natürlich mit Geld. Ein entscheidender Faktor war der Brasilianer Joao Pedro, der während der Klub-WM für 63,7 Millionen Euro von Brighton verpflichtet wurde und diese Investition sofort eingespielt hat. Er half mit seinen Toren entscheidend mit, dass Chelsea als Sieger genau 114,535 Millionen Dollar kassiert. Matchwinner im Finale war aber Cole Palmer, der zweimal die Pariser düpierte, zudem hat sich Maresca eine raffinierte Siegestaktik einfallen lassen. Er stellte optisch defensiv auf, überraschte den Gegner aber mit offensiven Spiel. Chelsea führt auch die Geldrangliste an, Zweiter ist Paris auch hier mit 106,835 Dollar, die Bayern sind Fünfter mit 58,14 und Dortmund dahinter Sechster mit 52,29 Millionen Dollar (Schlusslicht ist Auckland mit 4,58 Millionen).

Die europäischen Teams gaben sportlich den Ton an (fünf im Viertelfinale, drei im Halbfinale), die Fans der südamerikanischen Mannschaften sorgten dagegen für die Stimmung, sonst wäre die WM eine trostlose Angelegenheit gewesen. Die Bundesligisten mischten tapfer mit, Dortmund war zufrieden, die Bayern am Ende eher nicht, geschockt auch von der Musiala-Verletzung. Unzufrieden vor allem auch Real Madrid, das Debüt von Xabi Alonso als neuer Coach ging in die Hose, doch Schuld trifft ihn nicht, dass Real in dieser Saison ohne Titel blieb. Dass die WM eine große Zusatzbelastung für alle Spieler war, wird nicht nur an zu vielen Verletzungen deutlich, sondern auch in privaten Belastungen, die Nationalspieler Pascal Groß deutlich machte, er habe in den letzten fünf Wochen seine Kinder nur an drei Tagen gesehen.

Die USA wurde als Austragungsort gewählt, um quasi für die „echte“ WM 2026 zu trainieren. Die Organisation klappte, doch nicht alles war perfekt. So gab es vor allem Kritik an den Spielfeldern, der Rasen war oft schlecht, ließ kein gutes Spiel zu. Für das Wetter kann niemand etwas, aber es gibt sicher Jahreszeiten, die nicht so von Unwettern geprägt sind wie der Sommer. Eine Frage des Geldes sind wiederum die Anstoßzeiten, die sich wesentlich nach den Wünschen der Europäer richten, so dass um die heiße Mittagszeit gespielt werden musste. Die Fernsehzuschauer konnte man aber in Europa nicht vor die Bildschirme locken (in Deutschland sahen bei SAT1 nur 1,7 Millionen das Finale). Das wird bei der WM der Nationen anders sein. Was die Auslastung der Stadien angeht, da schwärmte Infantino von einem Zuschauererfolg, verklärte aber die Realität, weil die FIFA ein gleitendes Ticketsystem einführte. Teure Karten wurden plötzlich billig, wenn ein leeres Stadion drohte. Statt einer dreistelligen Summe konnte man für elf Dollar ein Halbfinalspiel sehen!

Aber wie gesagt, es war nicht alles schlecht, einen erneuten Versuch wird es in vier Jahren geben, angeblich haben Katar und Brasilien bereits Interesse gezeigt, möglich wäre aber vor allem Spanien/Portugal mit einem Testlauf für die WM 2030. Gedanken, das Teilnehmerfeld gleich wieder zu erhöhen, sollte man allerdings fallen lassen. 48 Teams sind sinnlos, entsprechen aber natürlich dem Größenwahn von Infantino. Die Finanzierung könnte zum Problem werden, nicht immer wird Saudi-Arabien mit einer Milliarde Dollar eine Pleite verhindern.

Bei den Frauen ist die Euphorie verflogen

Der Traum vom Gewinn der Europameisterschaft kann noch immer Realität werden, doch die Wahrscheinlichkeit liegt nur bei wenigen Prozent. Im Moment glauben die Mädchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft selbst nicht mehr an den großen Coup, zu tief sitzt der Schock der 1:4-Niederlage gegen Schweden, die Euphorie ist nach der höchsten EM-Niederlage aller Zeiten verflogen, es regiert der Frust. Die deutsche Auswahl wurde fast vorgeführt, nach einer starken Anfangsviertelstunde schwammen die Felle davon, ein Platzverweis (Handspiel) gegen Abwehrspielerin Carlotta Wamser in der 32. Minute war der frühzeitige K.o., das 1:3 die Folge. Trainer Christian Wück wirkte am Spielfeldrand auch hilflos. Seine Taktik mit offensivem Pressing führte hier zum Debakel, von schnellen Schwedinnen clever ausgenutzt. Wück hatte kleinen Plan B und das ist im Hinblick auf das Viertelfinale am Samstag gegen Frankreich bedenklich.

Die deutsche Mannschaft ist nicht so gut, wie es Siege gegen kleinere Nationen suggerierten. Wir haben ein paar Weltklassespielerinnen wie Klara Bühl und Jule Brand, die auch bei der EM für Furore sorgen, was der Mannschaft aber fehlt, ist jemand als Lenker und Denker im Mittelfeld, als Halt bei schwächeren Momenten. Das hätte die verletzte Gwinn sein können, da fehlt aber vor allem die langzeitverletzte Lena Oberdorf, die in Zukunft sicher wieder das Kommando im Mittelfeld übernehmen wird. Sjoeke Nüsken und Elisa Senß wurden ihre Grenzen aufgezeigt. Vor allem aber in der Abwehr hapert es, es fehlen Tempo und Sicherheit, einzig Kapitän Janina Minge sticht heraus. Auch Torhüterin Amn-Katrin Berger sorgt mit ihrem Spiel nicht für Sicherheit. Da muss Wück wohl umstellen, er hat mit Kathrin Hendrich und Sophia Kleinherne guten Ersatz zur Verfügung. Auch im Mittelfeld könnten Sydney Lohmann und Sara Däbritz ihre Chance von Anfang an bekommen. Gegen die schnellen und spielfreudigen Französinnen ist vor allem eine gute Abwehr gefragt, aus einer Abwehr-Dreierkette sollten schnelle Konter möglich sein, das System der Schwedinnen könnte kopiert werden. Was auch eine Chance für die junge Franziska Kett sein könnte. Wamser wurde nur für ein Spiel gesperrt, aber ob sie noch einmal zum Einsatz kommen kann? Da müsste ein Sieg gegen Frankreich her. Sechs Tage bleiben Zeit zur Vorbereitung. Am Montag war erst einmal frei, damit die Mädchen auf andere Gedanken kommen.

Die deutschen Fans lechzen nach Erfolgen der Frauen, sie stehen ihnen zur Seite, 7,66 Millionen sahen am Samstag beim ZDF zu, es war die erfolgreichste Sendung am Wochenende, die Frauen-EM schlug an allen Tagen die Klub-WM der Männer wieder um Längen. Die Klub-WM ist beendet, bei den Frauen steht von Mittwoch bis Samstag das Viertelfinale an. Im Mittelpunkt steht für den Ausrichter vor allem das Spiel der Schweizerinnen am Freitag in Bern gegen Weltmeister Spanien. Die Schweizerinnen qualifizierten sich das erste Mal für ein EM-Viertelfinale, die Euphorie ist hier im Gegensatz zum deutschen Team groß, die Mannschaft wuchs über sich hinaus. Spanien dürfte allerdings eine Nummer zu groß sein. Der Viertelfinal-Reigen beginnt am Mittwoch in Genf mit der Partie Norwegen – Italien, am Donnerstag folgen in Zürich Schweden und England, ein Spiel zweier Teams, die zum Ende der Gruppenphase auftrumpften. Die beiden Sieger treffen dann im Halbfinale am Dienstag, 22. Juli, in Genf aufeinander. Der Gegner von Spanien/Schweiz wird zwischen Frankreich und Deutschland ermittelt, das zweite Halbfinale ist am Mittwoch, 23. Juli, in Zürich, das Finale am Sonntag, 27. Juli (18 Uhr), in Basel.

Schock-Samstag für die Bayern – Dortmund dagegen ein Gewinner der Klub-WM

Das hatten sich die Bayern bei der ersten großen Klub-Weltmeisterschaft im Fußball anders vorgestellt: Vor dem Abflug in die USA träumten sie davon, der erste Sieger dieses Moneten-Turniers zu werden, mit vollen Taschen und dem ersten internationalen Erfolg seit langem wieder heim zu fliegen. Es kam ganz anders. Am Samstag war die Bayern-Welt geschockt, weil gleich beide Lieblinge bei Männern und Frauen schwere Verletzungen davontrugen. Giulia Gwinn erlitt bereits am Freitag im EM-Spiel der Frauen gegen Polen bei einer Rettungsaktion vor dem eigenen Tor eine schwere Knieverletzung, als sie im Gras hängen blieb. Ein Tor verhinderte sie, doch am Samstag die traurige Diagnose, dass sie monatelang ausfallen wird. Dies steht auch Jamal Musiala bevor, den es noch schlimmer erwischte, als ihn Paris-Torhüter Donnarumma unnötig abräumte. Die Folgen sind verheerend mit Wadenbeinbruch und Verrenkung des Knöchels. Bereits am Sonntag wurde Musiala von Orlando nach München geflogen, damit er baldmöglichst operiert werden kann.

Statt als strahlende Sieger kehren die Bayern geschlagen und erschüttert nach München zurück, die Reise hat sich nicht gelohnt, dafür wurden die Sorgen größer, zum Teil auch selbst eingebrockt. Den großen Reibach konnten die Bayern nicht machen, weil sie zu früh die Segel streichen mussten. Dazu nutzte Trainer Vincent Kompany die WM nicht, um Talente heran zu führen, nur Karl und Aznou bekamen eine geringe Einsatzzeit, Neugang Tom Bischof konnte sich nur eine Halbzeit zeigen. Kompanys größter Fehler: Er denkt nicht an die Zukunft. Dabei ist die Gegenwart ernüchternd, wenn man genauer hinschaut. Die Meisterschaft war ein Trostpflaster, aber international verloren die Bayern an Reputation, Tatsache ist, dass sie alle Duelle gegen die großen europäischen Konkurrenten verloren haben, es gelangen nur Siege gegen die Underdogs Bratislava und Celtic Glasgow. Bayern muss sich eingestehen: Wir sind weit weg von Europas Spitze und den eigenen Ansprüchen. Zwei Niederlagen in fünf Spielen sind keine berauschende WM-Bilanz.

Dazu kommt das Münchner Dilemma beim Umbau des Kaders. Musialas Ausfall macht die Planungen noch schwieriger. Sportdirektor Max Eberl kann kaum Erfolge vorweisen, scheint eher überfordert zu sein, die Bayern nach den Fehlern der Vergangenheit, eine überteuerte Mannschaft, in eine bessere Zukunft zu führen. Er soll sparen, aber bei den Bayern in Not schlägt die Konkurrenz bei Ablösesummen eher noch was drauf. Siehe Nick Woltemade, der für die Bayern noch wichtiger wird, aber sicherlich auch noch teurer. Unter 80 Millionen Euro, wie sie der VfB Stuttgart schon forderte, geht in der Notsituation wohl gar nichts.

Kann Thomas Müller helfen? Die lebende Vereinslegende hatte durch das Musiala-Unglück einen traurigen Abgang, die 0:2-Niederlage gegen Paris war eigentlich Müllers letztes Spiel für die Bayern. Oder doch nicht? Kann Müller für eine gewisse Zeit die Lücke füllen? Will er das? Besserwisser Lothar Matthäus fordert in seiner bestimmenden Art „Bayern muss Müller für ein halbes Jahr verpflichten“. Eberl ist mehrfach gefordert, Müller selbst kann in Ruhe überlegen, nur er selbst weiß, wie er seine Zukunft sieht. Er ließ schon raus, dass er sich durchaus eine Verlängerung seiner Karriere bei Bayerns Partnerverein in Los Angeles vorstellen könnte, auch mit der zusätzlichen Rolle als Repräsentant. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine großartige Karriere, die Zahlen sind beeindruckend: 503 BL-Spiele (150 Tore, 215 Assists), 756 Spiele insgesamt (250 Tore, 283 Assists). Es würde den Bayern sicher guttun, wenn „Radio Müller“, in welcher Rolle auch immer, künftig weiter im Verein aktiv wäre. Zumindest die Spieler haben jetzt Ruhe, drei Wochen Urlaub gewährt Trainer Kompany, der sagt: „Weniger geht nicht“. Die Vorbereitung auf die neue Saison wird kurz, am 7. August steht das erste Testspiel an.

Zwei Bundesligisten im WM-Viertelfinale ist durchaus beachtlich, keiner im Halbfinale ist nicht so schön. Die Bayern hadern, Borussia Dortmund reist dagegen als einer der Gewinner aus den USA ab. Die Dortmunder haben den Aufenthalt nicht nur zum Geldverdienen genutzt, sondern auch zur Image-Verbesserung, so freuen sie sich über mehr als zwei Millionen neue Social-Media-Follower. Die Finanzlage hat sich extrem verbessert, zu den rund 45 Millionen Euro an Preisgeld kommen etwa 65 Millionen Euro als Ablöse für Jamie Gittens, den Halbfinalist Chelsea London kauft. Sportlich zeigte sich die Mannschaft von Niko Kovac gefestigt, das Ausscheiden gegen Real Madrid war ehrenhaft und am Ende wild, aus dem ruhigen 0:2-Rückstand wurde nach turbulenten letzten Minuten eine fast unglückliche 2:3-Niederlage.

Im Halbfinale stehen sich jetzt am Dienstag und Mittwoch Fluminense aus Brasilien und Chelsea London (das hätte niemand getippt) sowie Paris St. Germain und Real Madrid (eigentlich das wahre Endspiel) gegenüber. Das Finale wird am Sonntag (21 Uhr) ausgetragen.

Frauen wollen auch ohne Gwinn gewinnen

Der Sport-Grantler hatte zuletzt bei diesen diversen Titelkämpfen gefragt, wer denn die Lieblinge der Nation werden. Die Frauen-Nationalmannschaft ist auf dem besten Weg dazu, die TV-Einschaltquoten beweisen es. 8,2 Millionen Zuschauer sahen am Freitag den erfolgreichen 2:0-EM-Auftakt gegen Polen, das ist mehr als die U21 bei ihrer EM hatte und die Bundesligisten haben sie damit fast schon deklassiert. Im Schnitt 2,5 Millionen sahen am Samstag Bayern – Paris und am Abend um 22 Uhr sogar nur 1,6 Millionen Dortmund – Madrid. Da interessierten sich um 21 Uhr mit 2,3 Millionen sogar mehr Fans für das Frauen-Spiel Frankreich – England (2:1). Am Sonntag interessierten sich sogar 3,45 Millionen für die Partie Schweiz – Island. Nach dem 2:0-Sieg hat die Schweiz jetzt am Donnerstag ein Endspiel um Platz gegen das punktgleiche Finnland. Norwegen ist schon weiter, Island ist ausgeschieden.

Die deutsche Mannschaft muss sich erst wieder sammeln und neu orientieren, damit der Erfolg treu bleibt. Giulia Gwinn war zuletzt schließlich die Galionsfigur der Mannschaft, die Kapitänin wurde auch zum Gesicht und Sprachrohr des Teams. Ihre bisherige Stellvertreterin Janina Minge ist ja noch nicht so lange dabei und muss als neue Kapitänin erst in diese Rolle hineinwachsen. Als ihre Stellvertreterin nominierte Bundestrainer Christian Wück Sjoeke Nüsken.

Der Blick im Team geht natürlich nach vorn. Vom Ziel Titelgewinn will man nicht lassen, auch ohne Gwinn soll gewonnen werden. Ihr Vertreterin als Rechtsverteidigerin dürfte Carlotta Wamser werden, in dieser Rolle eigentlich neu, sie ist gelernte Stürmerin, machte es aber als Gwinn-Ersatz sehr gut und leistete die Vorarbeit zum ersten Treffer, einem Traumtor von Jule Brand. Die erwies sich in toller EM-Form, auch Klara Bühl sorgte für viel Wirbel. Im Tor sorgte Ann-Katrin Berger für Sicherheit, auch wenn sie manchmal riskant spielt, das aber ist ihre Art. Jetzt warten aber zwei harte Brocken aus Skandinavien auf die Wück-Schützlinge, am Dienstag (18 Uhr) Dänemark und am Samstag (21 Uhr) Schweden. Die verbliebenen sechs Bayern-Asse treffen dabei auf ihre Mitspielerinnen Pernille Harder bzw. Magdalena Eriksson. Vor allem die dänische Torjägerin Harder dürfte der deutschen Abwehr einige Rätsel aufgeben. Aber nur mit Siegen wird bei den Zuschauern das Interesse hoch gehalten. Also heißt es: Gewinnen ohne Gwinn. Das Viertelfinale wird vom 16. bis 19. Juli ausgetragen, da warten Frankreich, England oder die Niederlande als Gegner. Die harten Brocken gehen also nicht aus.

Wer sind die Lieblinge der Nation: Bayern, BVB, die U21 oder die Frauen?

Der Fußball-Sommer hat es in sich, von Erholung keine Spur, nicht nur wegen der Hitze, wie es scheint, derzeit überall auf der Welt. Bei den Turnieren geht es sowieso hitzig zu und was die deutschen Teilnehmer angeht, da steht die Frage im Raum: Wer sind denn wirklich die Lieblinge der Nation?

Eine Mannschaft hat sich zweifellos in die Herzen der Fans gespielt. Ein Team, von dem man es nicht erwartet hatte, denn wer interessierte sich bisher schon groß für die U21. Die Stars von morgen waren Mitläufer im Heute. Doch diesmal war bei der Europameisterschaft in der Slowakei alles anders. Die Jungs um Noah Antubolu, Rocco Reitz und Nick Woltemade begeisterten mit ihrem erfrischenden Spiel die Nation, der übertragende TV-Sender SAT1 hatte ungeahnt gute Einschaltquoten, über sechs Millionen Fans drückten beim Endspiel an den Bildschirmen die Daumen. Sie eroberten die Herzen, gewannen am Ende aber doch keinen Titel, das Aluminium stand bei der 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Finale gegen England zweimal in den entscheidenden Minuten im Wege. So gab es nach zwei Jahren und 20 Spielen erstmals wieder eine Niederlage. Helden waren sie am Ende also nicht. Woltemade konnte sich damit trösten, dass er mit sechs Treffern bester Torschütze des Turniers wurde, am Ende bremste ihn aber, dass er ungewollt mit Wechselgerüchten im Mittelpunkt stand. Als bester Spieler des Turniers wurde der Engländer Elliott gewählt, der seine Mannschaft zum zweiten Titelgewinn in Folge führte. Trost spendete Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Sie hätten den Titel verdient gehabt. Ich bin mir sicher, dass wir einige in der A-Nationalmannschaft sehen werden.“ Kollege Antonio Di Salvo war dagegen geknickt, auch für ihn platzte ein Traum, aber er hat an Geltung gewonnen. Nun geht es mit dem nächsten Jahrgang an den Neuaufbau, sieben aus dem Team können altersmäßig bleiben (Stichtag 1.1.2004).

Die Klub-WM stand demgegenüber fast im Schatten, aber die deutschen Klubs Bayern München und Borussia Dortmund kämpfen noch darum, die Herzen der Fans daheim zu gewinnen. Von begeisternden Spielen kann bisher allerdings kaum die Rede sein, allerdings bremsten Hitze und Unwetter vielfach die Stars auf dem Rasen, die sich eher als Grillhähnchen fühlten. Die Bayern hatten im letzten Gruppenspiel einen Hänger, als sie mit einem 0:1 gegen Benfica Lissabon den Gruppensieg aus der Hand gaben. Sie gingen zwar Chelsea aus dem Weg, handelten sich aber die schwerere Seite des Spielplans ein. Na ja, Benfica schied mit einem 1:4 n. V. gegen Chelsea aus, die Bayern blieben dagegen mit einem beeindrucken 4:2 gegen Flamengo aus Rio de Janeiro im Rennen. Nun geht es am Samstag (18 Uhr MESZ) im gekühlten Stadion von Atlanta gegen den WM-Favoriten Paris St. Germain. Aber: Wer Weltmeister werden will, muss jeden schlagen. Harry Kane war mit zwei Treffern der maßgebliche Faktor, Leroy Sané verabschiedete sich mit einem letzten Einsatz nach Istanbul.

So weit wie die Bayern ist Borussia Dortmund noch nicht, da steht im Achtelfinale am Mittwoch (3 Uhr) die Hürde CF Monterrey aus Mexiko noch bevor. Begeistern konnte die Borussia bisher nicht, aber sie ging Stück für Stück ihren Weg. „Wir müssen uns allein auf uns besinnen“, hat Trainer Niko Kovac als Losung ausgegeben. Für ihn ist klar, dass nicht der beste Fußball nach der langen Saison gezeigt werden kann. „Keiner kann hier Höchstleistungen zeigen.“ So will man sich Stück für Stück weiter hangeln. Ein deutsches Halbfinale wäre möglich.

Bei den Bayern geriet allerdings die Klub-WM ein wenig in den Hintergrund, weil die Transfergerüchte um Nick Woltemade die Schlagzeilen beherrschten. Kontaktaufnahmen lassen sich bei der heutigen Medienlandschaft nicht mehr verheimlichen und so kam raus, dass es gegenseitige Sympathien gibt: Die Bayern wollen Woltemade, Woltemade will nach München. Der große Mitspieler ist der VfB Stuttgart, bei dem der Jungstar noch einen Vertrag bis 2028 hat. Wenn er gehen will, sind 100 Millionen Euro Ablöse aufgerufen, die Bayern gehen von 50 Millionen aus. Heikel ist Verhandlungsposition mit Sebastian Hoeneß und Vater Dieter auf der einen und Onkel/Bruder Uli auf der anderen Seite. Der hat noch einen anderen Mitspieler abgekanzelt. Lothar Matthäus, bekanntlich Experre auf allen Kanälen, hat verlauten lassen, dass Woltemade 80 bis 100 Millionen wert sei, was Uli Hoeneß mit „der hat nicht alle Tassen im Schrank“ kommentierte. Matthäus sorgt mit seiner Aussage dafür, dass am Ende einer immer als Verlierer dasteht.

Den Bayern geht es lieber um Siege und da feierten sie in der Heimat ein Erfolgserlebnis. Die Basketballer gewannen doch noch im fünften Spiel gegen Ulm die Deutsche Meisterschaft, die nach Pokal-Aus und Verpassen der Euroleague-Play-Offs ein bisschen die Saison rettete. Präsident Herbert Hainer strich eine Besonderheit heraus: „Ich bin der erste Präsident, der alle drei deutschen Titel gewonnen hat, im Fußball bei Frauen und Männern und jetzt im Basketball.“ Basketball-Fan Uli Hoeneß hatte das nicht geschafft.

Frauen wollen den Titel

Wie man Fans begeistern kann, das wissen die deutschen Fußball-Frauen. Am Montag kamen sie in ihrem Fünf-Sterne-Quartier in Zürich an und stellten gleich mal klar: „Wir wollen den Titel gewinnen.“ Zu den Favoritinnen gehört die Mannschaft von Bundestrainer Christian Wück auf jeden Fall, auf gleicher Stufe stehen bei der Europameisterschaft in der Schweiz mindestens auch England und Spanien. Aber die Frauen können auch ohne Titelgewinn begeistern, das letzte EM-Finale 2022 in Wembley verfolgten in Deutschland 17,95 Millionen Zuschauer in der ARD. Das wird kaum zu wiederholen sein, aber die Herzen werden ihnen wieder zufliegen, noch mehr als der U21, wenn sie erfolgreich sind. „Wir wollen die Fans begeistern“, sagt DFB-Sportdirektorin Nia Künzer. Begeisterung gibt es auch bei den Einheimischen, ein neuer Zuschauerrekord ist sicher, in England waren es 574.875 Besucher, in der Schweiz sind von 630.000 Tickets bereits an die 600.000 verkauft. Vielleicht gibt es sogar südländische Stimmung auf den Rängen!

Zurück zum Spiel. In Wembley unterlag Deutschland Gegner England mit 1:2 nach Verlängerung, den letzten Titelgewinn gab es 2013, es war der sechste in Folge seit 1995, außerdem gewann Deutschland 1989 und 1991, ist also mit Abstand Rekordhalter. Schweden gewann zum Start 1984, Norwegen 1987 und 1993, England 2022 und die Niederlande davor 2017. Weltmeister Spanien war also noch nie Europameister, da wird der Ehrgeiz besonders groß sein.

Die große Stärke der Wück-Schützlinge ist die mannschaftliche Geschlossenheit. „So eine gute Stimmung haben wir noch nie erlebt,“ heißt es aus Mannschaft. Der Trainer musste sich erst an die Frauen gewöhnen (und sie an ihn), aber er hat Erfahrung mit Titelgewinnen. 2023 führte Wück die U17-Jungs sensationell zum Europa-Titel und danach sogar zum Gewinn der Weltmeisterschaft. Der Bundestrainer hat in der Mannschaft nach Irritationen bei der Nominierung jetzt rechtzeitig für Klarheit gesorgt, „jede kennt ihre Rolle“. Die Mannschaft hat sich in den letzten Länderspielen abgezeichnet, dass es jetzt über Wochen keinen Test gab, war der Wunsch vom Trainer. „Wir simulieren das im Training, wir sind bestens vorbereitet.“

Das Team steht, aber es gibt auch eine starke zweite Reihe. Das Stammteam dürften so lauten: Berger – Gwinn, Minge, Knaak, Linder – Nüsken, Senß – Brand, Dallmann, Bühl – Schüller. Wechsel wird es immer geben, Talent Kett könnte für Linder kommen, Lohmann und Däbritz warten im Mittelfeld, Freigang könnte Job-Sharing mit Dallmann machen, Cerci, Zicai und Hoffmann stehen im Angriff bereit. Start in Gruppe C ist am Freitag (21 Uhr) in St. Gallen gegen Polen, danach folgen Dienstag, 8.7. (18 Uhr) in Basel Dänemark und am Samstag, 12.7. (21 Uhr) in Zürich Schweden. Eine starke Konkurrenz, dennoch sollte der Gruppensieg möglich sein. In Gruppe A spielen Gastgeber Schweiz, Norwegen, Island und Finnland. in Gruppe B Spanien, Portugal, Belgien und Italien, in Gruppe D ist der größte Konkurrenzkampf zwischen England, Frankreich und den Niederlanden, dazu kommt Wales. ARD und ZDF haben die TV-Übertragungsrechte und werden alle Spiele live übertragen (teilweise in der Mediathek). Schon im Vorfeld wurde Werbung für das Turnier betrieben. Es ist also angerichtet, dass die Frauen zu den Lieblingen der Nation werden. Doch entscheidend ist – wie immer – auf dem Platz!

Bei der Klub-WM Zweikampf zwischen Europa und Südamerika

Die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball steuert bei ihrem überdimensionierten Turnier in den USA auf das Finale der Gruppen zu. Von Samstag bis Mittwoch, 2. Juli, wird danach das Achtelfinale ausgespielt. Die deutschen Klubs sollte dabei sein, Bayern München hat sich bereits qualifiziert, Borussia Dortmund hat nach dem 4:3 gegen Sundowns aus Südafrika beste Chancen, zumal gegen das bisher punktlose Ulsan aus Südkorea am Mittwoch ein Zähler reicht. Die Qualität der Spiele war teilweise besser als gedacht, doch fallen einige Mannschaften ab, eine WM mit 24 Teams statt der 32 hätte das Turnier reizvoller und damit hochwertiger gemacht. Aber es wäre ja gegen die Natur von FIFA-König Gianni Infantino nicht gleich in die Vollen zu gehen.

Infantino muss aber hinnehmen, dass seine vollmundigen Versprechungen nicht der Realität entsprechen. Die erste Klub-WM ist keinesfalls die größte Show und ein Publikumsrenner, vielfach bleiben die Stadien leer, mühsam werden im Fernsehen die leeren Ränge vertuscht. Für Stimmung sorgen allein die Fans aus Südamerika, die Amerikaner können dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Sie gucken auf das Turnier und sagen sich, „schön und gut, aber da muss ich nicht hin.“ Insofern ist die Klub-WM auch kein Anheizer für die Weltmeisterschaft der Nationen im nächsten Jahr in den USA, Mexiko und Kanada. Probleme macht auch das Wetter, Regengüsse manchmal nahe am Weltuntergang, Spiele musste bis zu zwei Stunden unterbrochen werden. Wer bleibt da im Stadion?

Sportlich zeichnet sich ein Zweikampf um den Titel zwischen Europa und Südamerika ab. Es gilt: „Europa hat das Geld, Südamerika aber die Begeisterung“. So wurden anfangs die europäischen Klubs überrascht, Bayern München rettete die Ehre, war mit dem mühsamen 2:1 gegen die Boca Juniors aus Argentinien nach fünf Niederlagen und drei Unentschieden das erste Team aus Europa, das eins aus Südamerika bezwingen konnte. Alle vier Teams aus Brasilien sind noch ungeschlagen. Noch ist ungewiss, welche Duelle sich in Achtelfinale ergeben, aber auf einige reizvolle Paarungen darf man sich freuen. Mit den besten 16 Teams geht es halt erst richtig los.

Bayern München ist also dabei und kassiert 7,5 Millionen Euro als Prämie. Ob als Gruppensieger wird sich am Dienstag gegen Benfica Lissabon zeigen. Benfica erreichte gegen die Boca Juniors nur ein 2:2, liegt also zurück und muss um das Weiterkommen noch kämpfen. Den Bayern genügt ein Unentschieden zu Platz 1, Gegner im Achtelfinale dürfte entweder Chelsea London oder der ES Tunis sein. Flamengo besiegte Chelsea mit 3:1 und so haben die Brasilianer gegen das schwächste Team aus Los Angeles Platz 1 fast sicher. Deshalb könnte es gegen Chelsea gehen, ein dicker Brocken. Die Bayern konnten bisher überzeugen, Harry Kane zeigt sich in einer Führungsrolle und Michael Olise ist der Skorerkönig des Turniers. Pechvogel Jamal Musiala sollte seine kleine Wadenblessur auskuriert haben. Gegen Benfica haben die Bayern übrigens eine bemerkenswerte Bilanz: In 13 Vergleichen gab es keine Niederlage.

Borussia Dortmund ist noch nicht endgültig weiter, hat bisher spielerisch nicht ganz überzeugt, aber doch viel Willen gezeigt. Beim 4:3 gegen die Südafrikaner Mamelodi Sundowns schlichen sich nach einer 4:1-Führung Unkonzentriertheiten ein und am Ende musste man noch zittern, bis das 4:3 gerettet war. Vielleicht lag es auch an der Hitze, die Spieler fühlten sich als „Grillhähnchen“, die Ersatzspieler blieben in der Kabine, weil es zu heiß war. Einen neuen Star hat die Borussia mit Jobe Bellingham, der von den Fans wie einst sein Bruder gefeiert und besungen wird, statt „Hey Jude“ heißt es jetzt „Hey Jobe“. Der jüngere Bellingham präsentiert sich schon als Gewinn. Im Achtelfinale könnte es gegen Inter Mailand gehen, das gegen River Plate Rang eins im direkten Duell ausspielt. Es gibt Hoffnung, dass die Klub-WM noch ein bisschen Spaß macht.

Di Salvo fielen Steine vom Herzen

Wenn die U21 bei der Europameisterschaft beobachtet wird, dann auch mit den Hintergedanken, wer sich denn für die A-Nationalmannschaft empfiehlt. Fast müsste man bei dem Auftreten in der Slowakei sagen „alle“. Die Stärke der Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo ist der mannschaftliche Zusammenhalt und eine tolle Ausgeglichenheit. Beweis: Im letzten Gruppenspiel gegen England nahm der Trainer eine Totalrotation vor und Deutschland zog dennoch mit einem 2:1-Sieg als Gruppensieger ins Viertelfinale ein! So etwas gab es noch nie!

Im Viertelfinale war Italien dann eine harte Nuss, schwächte sich allerdings selbst. Gleich zwei Spieler musste gegen Ende der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Feld, doch die vermeintlich leichte Aufgabe wurde für das DFB-Team eher schwerer. „Es war ungewohnt,“ hatte der Trainer Verständnis, „jeder denkt, jetzt geht es von allein, Italien hat alles reingeworfen und wir wurden nervös.“ Bis dahin musste Deutschland den ersten Rückstand verkraften, aber Turnier-Torjäger Woltemade und Joker Weiper sorgten für eine 2:1-Führung. In der letzten Minute reihten sich allerdings Fehler an Fehler, Italien profitierte von einem Freistoß vor dem 16er und weil die Mauer falsch stand, ging es sogar in die Verlängerung. Am Ende aber fielen Di Salvo „ich weiß nicht wie viele Steine vom Herzen“, als der Freiburger Röhl mit einerm platzierten Schuss erfolgreich war. Jetzt steht am Mittwoch das Halbfinale gegen Frankreich an, der Einsatz von Rosenfelder und Kapitän Martel ist nicht sicher. Logisch ist das Finale am Sonntag das Ziel. England gegen Niederlande heißt das zweite Halbfinale.

Die deutschen Fans zu Hause bangen mit der Mannschaft, SAT1 verzeichnete mit über vier Millionen Zuschauern in der 2. Halbzeit eine Rekord-Einschaltquote. Lustig übrigens: Ob aus dem Kader wirklich alle für die deutsche A-Elf in Frage kommen, ist nicht nur aus Leistungsgründen offen. Elf Spieler des Teams haben durch ihre Familie die Möglichkeit für eine andere Nation anzutreten!

Deutschlands teuerster Fußballer

Die jungen Spieler aus der U21 haben künftig wohl ein Vorbild: Florian Wirtz. Das 22-jährige Supertalent von Bayer Leverkusen hat jetzt endgültig beim FC Liverpool unterschrieben und mit der Ablösesumme von 135 bis 150 Millionen Euro (die kolportierten Zahlen schwanken) wird er zu Deutschlands teuerstem Fußballer. Nicht nur das, nach Neymar (Brasilien, für 222 Millionen von Barcelona nach Paris) und Mbappé (Frankreich, für 180 Millionen von Monaco nach Paris) hat Wirtz die dritthöchste Ablösesumme weltweit erzielt!

Der Leverkusener hat Liverpool anderen Vereinen vorgezogen, weder Real Madrid noch Bayern München konnten bei ihm landen. Viele sehen dies zum Beispiel als Beweis, dass selbst die Bayern international im Rennen um die besten Spieler finanziell nicht mehr mithalten können und die Münchner ziehen offensichtlich auch nicht mehr, dass Spieler kommen, weil sie mit ihnen Titel gewinnen können. Da war zuletzt das Abschneiden in der Champions League nicht gut genug. Leverkusen ist am rotieren, um die Abgänge von Wirtz, Tah und anderen wieder zu kompensieren, die CL soll es schließlich sein. Die Bayern dagegen tun sich schwer einen Flügelflitzer von der Klasse eines Olise zu finden und als Ersatz von Sané. Manager Max Eberl ist dafür extra von der Klub-WM zurück nach München, besonders im Visier angeblich Gittens von Borussia Dortmund, aber die Klasse von Olise hat er dort noch nicht nachgewiesen. Aber auch international, egal ob bei Williams von Bilbao, Leao vom AC Mailand oder Barcola aus Paris, ein Haken findet sich immer. Wirklich gut genug (?), andererseits aber auch zu teuer. Bis zu 70 Millionen Euro werden aufgerufen. Favorit könnte Leao sein, weil Milan angeblich Interesse an Kim hat, da wäre ein Tauschgeschäft oder eine Anrechnung möglich. Der Sommer in Deutschland soll wettermäßig heiß werden, was die Wechselgeschäfte angeht, wird er in der Bundesliga auf jeden Fall heiß.