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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Wer sind die Lieblinge der Nation: Bayern, BVB, die U21 oder die Frauen?

Der Fußball-Sommer hat es in sich, von Erholung keine Spur, nicht nur wegen der Hitze, wie es scheint, derzeit überall auf der Welt. Bei den Turnieren geht es sowieso hitzig zu und was die deutschen Teilnehmer angeht, da steht die Frage im Raum: Wer sind denn wirklich die Lieblinge der Nation?

Eine Mannschaft hat sich zweifellos in die Herzen der Fans gespielt. Ein Team, von dem man es nicht erwartet hatte, denn wer interessierte sich bisher schon groß für die U21. Die Stars von morgen waren Mitläufer im Heute. Doch diesmal war bei der Europameisterschaft in der Slowakei alles anders. Die Jungs um Noah Antubolu, Rocco Reitz und Nick Woltemade begeisterten mit ihrem erfrischenden Spiel die Nation, der übertragende TV-Sender SAT1 hatte ungeahnt gute Einschaltquoten, über sechs Millionen Fans drückten beim Endspiel an den Bildschirmen die Daumen. Sie eroberten die Herzen, gewannen am Ende aber doch keinen Titel, das Aluminium stand bei der 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Finale gegen England zweimal in den entscheidenden Minuten im Wege. So gab es nach zwei Jahren und 20 Spielen erstmals wieder eine Niederlage. Helden waren sie am Ende also nicht. Woltemade konnte sich damit trösten, dass er mit sechs Treffern bester Torschütze des Turniers wurde, am Ende bremste ihn aber, dass er ungewollt mit Wechselgerüchten im Mittelpunkt stand. Als bester Spieler des Turniers wurde der Engländer Elliott gewählt, der seine Mannschaft zum zweiten Titelgewinn in Folge führte. Trost spendete Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Sie hätten den Titel verdient gehabt. Ich bin mir sicher, dass wir einige in der A-Nationalmannschaft sehen werden.“ Kollege Antonio Di Salvo war dagegen geknickt, auch für ihn platzte ein Traum, aber er hat an Geltung gewonnen. Nun geht es mit dem nächsten Jahrgang an den Neuaufbau, sieben aus dem Team können altersmäßig bleiben (Stichtag 1.1.2004).

Die Klub-WM stand demgegenüber fast im Schatten, aber die deutschen Klubs Bayern München und Borussia Dortmund kämpfen noch darum, die Herzen der Fans daheim zu gewinnen. Von begeisternden Spielen kann bisher allerdings kaum die Rede sein, allerdings bremsten Hitze und Unwetter vielfach die Stars auf dem Rasen, die sich eher als Grillhähnchen fühlten. Die Bayern hatten im letzten Gruppenspiel einen Hänger, als sie mit einem 0:1 gegen Benfica Lissabon den Gruppensieg aus der Hand gaben. Sie gingen zwar Chelsea aus dem Weg, handelten sich aber die schwerere Seite des Spielplans ein. Na ja, Benfica schied mit einem 1:4 n. V. gegen Chelsea aus, die Bayern blieben dagegen mit einem beeindrucken 4:2 gegen Flamengo aus Rio de Janeiro im Rennen. Nun geht es am Samstag (18 Uhr MESZ) im gekühlten Stadion von Atlanta gegen den WM-Favoriten Paris St. Germain. Aber: Wer Weltmeister werden will, muss jeden schlagen. Harry Kane war mit zwei Treffern der maßgebliche Faktor, Leroy Sané verabschiedete sich mit einem letzten Einsatz nach Istanbul.

So weit wie die Bayern ist Borussia Dortmund noch nicht, da steht im Achtelfinale am Mittwoch (3 Uhr) die Hürde CF Monterrey aus Mexiko noch bevor. Begeistern konnte die Borussia bisher nicht, aber sie ging Stück für Stück ihren Weg. „Wir müssen uns allein auf uns besinnen“, hat Trainer Niko Kovac als Losung ausgegeben. Für ihn ist klar, dass nicht der beste Fußball nach der langen Saison gezeigt werden kann. „Keiner kann hier Höchstleistungen zeigen.“ So will man sich Stück für Stück weiter hangeln. Ein deutsches Halbfinale wäre möglich.

Bei den Bayern geriet allerdings die Klub-WM ein wenig in den Hintergrund, weil die Transfergerüchte um Nick Woltemade die Schlagzeilen beherrschten. Kontaktaufnahmen lassen sich bei der heutigen Medienlandschaft nicht mehr verheimlichen und so kam raus, dass es gegenseitige Sympathien gibt: Die Bayern wollen Woltemade, Woltemade will nach München. Der große Mitspieler ist der VfB Stuttgart, bei dem der Jungstar noch einen Vertrag bis 2028 hat. Wenn er gehen will, sind 100 Millionen Euro Ablöse aufgerufen, die Bayern gehen von 50 Millionen aus. Heikel ist Verhandlungsposition mit Sebastian Hoeneß und Vater Dieter auf der einen und Onkel/Bruder Uli auf der anderen Seite. Der hat noch einen anderen Mitspieler abgekanzelt. Lothar Matthäus, bekanntlich Experre auf allen Kanälen, hat verlauten lassen, dass Woltemade 80 bis 100 Millionen wert sei, was Uli Hoeneß mit „der hat nicht alle Tassen im Schrank“ kommentierte. Matthäus sorgt mit seiner Aussage dafür, dass am Ende einer immer als Verlierer dasteht.

Den Bayern geht es lieber um Siege und da feierten sie in der Heimat ein Erfolgserlebnis. Die Basketballer gewannen doch noch im fünften Spiel gegen Ulm die Deutsche Meisterschaft, die nach Pokal-Aus und Verpassen der Euroleague-Play-Offs ein bisschen die Saison rettete. Präsident Herbert Hainer strich eine Besonderheit heraus: „Ich bin der erste Präsident, der alle drei deutschen Titel gewonnen hat, im Fußball bei Frauen und Männern und jetzt im Basketball.“ Basketball-Fan Uli Hoeneß hatte das nicht geschafft.

Frauen wollen den Titel

Wie man Fans begeistern kann, das wissen die deutschen Fußball-Frauen. Am Montag kamen sie in ihrem Fünf-Sterne-Quartier in Zürich an und stellten gleich mal klar: „Wir wollen den Titel gewinnen.“ Zu den Favoritinnen gehört die Mannschaft von Bundestrainer Christian Wück auf jeden Fall, auf gleicher Stufe stehen bei der Europameisterschaft in der Schweiz mindestens auch England und Spanien. Aber die Frauen können auch ohne Titelgewinn begeistern, das letzte EM-Finale 2022 in Wembley verfolgten in Deutschland 17,95 Millionen Zuschauer in der ARD. Das wird kaum zu wiederholen sein, aber die Herzen werden ihnen wieder zufliegen, noch mehr als der U21, wenn sie erfolgreich sind. „Wir wollen die Fans begeistern“, sagt DFB-Sportdirektorin Nia Künzer. Begeisterung gibt es auch bei den Einheimischen, ein neuer Zuschauerrekord ist sicher, in England waren es 574.875 Besucher, in der Schweiz sind von 630.000 Tickets bereits an die 600.000 verkauft. Vielleicht gibt es sogar südländische Stimmung auf den Rängen!

Zurück zum Spiel. In Wembley unterlag Deutschland Gegner England mit 1:2 nach Verlängerung, den letzten Titelgewinn gab es 2013, es war der sechste in Folge seit 1995, außerdem gewann Deutschland 1989 und 1991, ist also mit Abstand Rekordhalter. Schweden gewann zum Start 1984, Norwegen 1987 und 1993, England 2022 und die Niederlande davor 2017. Weltmeister Spanien war also noch nie Europameister, da wird der Ehrgeiz besonders groß sein.

Die große Stärke der Wück-Schützlinge ist die mannschaftliche Geschlossenheit. „So eine gute Stimmung haben wir noch nie erlebt,“ heißt es aus Mannschaft. Der Trainer musste sich erst an die Frauen gewöhnen (und sie an ihn), aber er hat Erfahrung mit Titelgewinnen. 2023 führte Wück die U17-Jungs sensationell zum Europa-Titel und danach sogar zum Gewinn der Weltmeisterschaft. Der Bundestrainer hat in der Mannschaft nach Irritationen bei der Nominierung jetzt rechtzeitig für Klarheit gesorgt, „jede kennt ihre Rolle“. Die Mannschaft hat sich in den letzten Länderspielen abgezeichnet, dass es jetzt über Wochen keinen Test gab, war der Wunsch vom Trainer. „Wir simulieren das im Training, wir sind bestens vorbereitet.“

Das Team steht, aber es gibt auch eine starke zweite Reihe. Das Stammteam dürften so lauten: Berger – Gwinn, Minge, Knaak, Linder – Nüsken, Senß – Brand, Dallmann, Bühl – Schüller. Wechsel wird es immer geben, Talent Kett könnte für Linder kommen, Lohmann und Däbritz warten im Mittelfeld, Freigang könnte Job-Sharing mit Dallmann machen, Cerci, Zicai und Hoffmann stehen im Angriff bereit. Start in Gruppe C ist am Freitag (21 Uhr) in St. Gallen gegen Polen, danach folgen Dienstag, 8.7. (18 Uhr) in Basel Dänemark und am Samstag, 12.7. (21 Uhr) in Zürich Schweden. Eine starke Konkurrenz, dennoch sollte der Gruppensieg möglich sein. In Gruppe A spielen Gastgeber Schweiz, Norwegen, Island und Finnland. in Gruppe B Spanien, Portugal, Belgien und Italien, in Gruppe D ist der größte Konkurrenzkampf zwischen England, Frankreich und den Niederlanden, dazu kommt Wales. ARD und ZDF haben die TV-Übertragungsrechte und werden alle Spiele live übertragen (teilweise in der Mediathek). Schon im Vorfeld wurde Werbung für das Turnier betrieben. Es ist also angerichtet, dass die Frauen zu den Lieblingen der Nation werden. Doch entscheidend ist – wie immer – auf dem Platz!

Bei der Klub-WM Zweikampf zwischen Europa und Südamerika

Die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball steuert bei ihrem überdimensionierten Turnier in den USA auf das Finale der Gruppen zu. Von Samstag bis Mittwoch, 2. Juli, wird danach das Achtelfinale ausgespielt. Die deutschen Klubs sollte dabei sein, Bayern München hat sich bereits qualifiziert, Borussia Dortmund hat nach dem 4:3 gegen Sundowns aus Südafrika beste Chancen, zumal gegen das bisher punktlose Ulsan aus Südkorea am Mittwoch ein Zähler reicht. Die Qualität der Spiele war teilweise besser als gedacht, doch fallen einige Mannschaften ab, eine WM mit 24 Teams statt der 32 hätte das Turnier reizvoller und damit hochwertiger gemacht. Aber es wäre ja gegen die Natur von FIFA-König Gianni Infantino nicht gleich in die Vollen zu gehen.

Infantino muss aber hinnehmen, dass seine vollmundigen Versprechungen nicht der Realität entsprechen. Die erste Klub-WM ist keinesfalls die größte Show und ein Publikumsrenner, vielfach bleiben die Stadien leer, mühsam werden im Fernsehen die leeren Ränge vertuscht. Für Stimmung sorgen allein die Fans aus Südamerika, die Amerikaner können dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Sie gucken auf das Turnier und sagen sich, „schön und gut, aber da muss ich nicht hin.“ Insofern ist die Klub-WM auch kein Anheizer für die Weltmeisterschaft der Nationen im nächsten Jahr in den USA, Mexiko und Kanada. Probleme macht auch das Wetter, Regengüsse manchmal nahe am Weltuntergang, Spiele musste bis zu zwei Stunden unterbrochen werden. Wer bleibt da im Stadion?

Sportlich zeichnet sich ein Zweikampf um den Titel zwischen Europa und Südamerika ab. Es gilt: „Europa hat das Geld, Südamerika aber die Begeisterung“. So wurden anfangs die europäischen Klubs überrascht, Bayern München rettete die Ehre, war mit dem mühsamen 2:1 gegen die Boca Juniors aus Argentinien nach fünf Niederlagen und drei Unentschieden das erste Team aus Europa, das eins aus Südamerika bezwingen konnte. Alle vier Teams aus Brasilien sind noch ungeschlagen. Noch ist ungewiss, welche Duelle sich in Achtelfinale ergeben, aber auf einige reizvolle Paarungen darf man sich freuen. Mit den besten 16 Teams geht es halt erst richtig los.

Bayern München ist also dabei und kassiert 7,5 Millionen Euro als Prämie. Ob als Gruppensieger wird sich am Dienstag gegen Benfica Lissabon zeigen. Benfica erreichte gegen die Boca Juniors nur ein 2:2, liegt also zurück und muss um das Weiterkommen noch kämpfen. Den Bayern genügt ein Unentschieden zu Platz 1, Gegner im Achtelfinale dürfte entweder Chelsea London oder der ES Tunis sein. Flamengo besiegte Chelsea mit 3:1 und so haben die Brasilianer gegen das schwächste Team aus Los Angeles Platz 1 fast sicher. Deshalb könnte es gegen Chelsea gehen, ein dicker Brocken. Die Bayern konnten bisher überzeugen, Harry Kane zeigt sich in einer Führungsrolle und Michael Olise ist der Skorerkönig des Turniers. Pechvogel Jamal Musiala sollte seine kleine Wadenblessur auskuriert haben. Gegen Benfica haben die Bayern übrigens eine bemerkenswerte Bilanz: In 13 Vergleichen gab es keine Niederlage.

Borussia Dortmund ist noch nicht endgültig weiter, hat bisher spielerisch nicht ganz überzeugt, aber doch viel Willen gezeigt. Beim 4:3 gegen die Südafrikaner Mamelodi Sundowns schlichen sich nach einer 4:1-Führung Unkonzentriertheiten ein und am Ende musste man noch zittern, bis das 4:3 gerettet war. Vielleicht lag es auch an der Hitze, die Spieler fühlten sich als „Grillhähnchen“, die Ersatzspieler blieben in der Kabine, weil es zu heiß war. Einen neuen Star hat die Borussia mit Jobe Bellingham, der von den Fans wie einst sein Bruder gefeiert und besungen wird, statt „Hey Jude“ heißt es jetzt „Hey Jobe“. Der jüngere Bellingham präsentiert sich schon als Gewinn. Im Achtelfinale könnte es gegen Inter Mailand gehen, das gegen River Plate Rang eins im direkten Duell ausspielt. Es gibt Hoffnung, dass die Klub-WM noch ein bisschen Spaß macht.

Di Salvo fielen Steine vom Herzen

Wenn die U21 bei der Europameisterschaft beobachtet wird, dann auch mit den Hintergedanken, wer sich denn für die A-Nationalmannschaft empfiehlt. Fast müsste man bei dem Auftreten in der Slowakei sagen „alle“. Die Stärke der Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo ist der mannschaftliche Zusammenhalt und eine tolle Ausgeglichenheit. Beweis: Im letzten Gruppenspiel gegen England nahm der Trainer eine Totalrotation vor und Deutschland zog dennoch mit einem 2:1-Sieg als Gruppensieger ins Viertelfinale ein! So etwas gab es noch nie!

Im Viertelfinale war Italien dann eine harte Nuss, schwächte sich allerdings selbst. Gleich zwei Spieler musste gegen Ende der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Feld, doch die vermeintlich leichte Aufgabe wurde für das DFB-Team eher schwerer. „Es war ungewohnt,“ hatte der Trainer Verständnis, „jeder denkt, jetzt geht es von allein, Italien hat alles reingeworfen und wir wurden nervös.“ Bis dahin musste Deutschland den ersten Rückstand verkraften, aber Turnier-Torjäger Woltemade und Joker Weiper sorgten für eine 2:1-Führung. In der letzten Minute reihten sich allerdings Fehler an Fehler, Italien profitierte von einem Freistoß vor dem 16er und weil die Mauer falsch stand, ging es sogar in die Verlängerung. Am Ende aber fielen Di Salvo „ich weiß nicht wie viele Steine vom Herzen“, als der Freiburger Röhl mit einerm platzierten Schuss erfolgreich war. Jetzt steht am Mittwoch das Halbfinale gegen Frankreich an, der Einsatz von Rosenfelder und Kapitän Martel ist nicht sicher. Logisch ist das Finale am Sonntag das Ziel. England gegen Niederlande heißt das zweite Halbfinale.

Die deutschen Fans zu Hause bangen mit der Mannschaft, SAT1 verzeichnete mit über vier Millionen Zuschauern in der 2. Halbzeit eine Rekord-Einschaltquote. Lustig übrigens: Ob aus dem Kader wirklich alle für die deutsche A-Elf in Frage kommen, ist nicht nur aus Leistungsgründen offen. Elf Spieler des Teams haben durch ihre Familie die Möglichkeit für eine andere Nation anzutreten!

Deutschlands teuerster Fußballer

Die jungen Spieler aus der U21 haben künftig wohl ein Vorbild: Florian Wirtz. Das 22-jährige Supertalent von Bayer Leverkusen hat jetzt endgültig beim FC Liverpool unterschrieben und mit der Ablösesumme von 135 bis 150 Millionen Euro (die kolportierten Zahlen schwanken) wird er zu Deutschlands teuerstem Fußballer. Nicht nur das, nach Neymar (Brasilien, für 222 Millionen von Barcelona nach Paris) und Mbappé (Frankreich, für 180 Millionen von Monaco nach Paris) hat Wirtz die dritthöchste Ablösesumme weltweit erzielt!

Der Leverkusener hat Liverpool anderen Vereinen vorgezogen, weder Real Madrid noch Bayern München konnten bei ihm landen. Viele sehen dies zum Beispiel als Beweis, dass selbst die Bayern international im Rennen um die besten Spieler finanziell nicht mehr mithalten können und die Münchner ziehen offensichtlich auch nicht mehr, dass Spieler kommen, weil sie mit ihnen Titel gewinnen können. Da war zuletzt das Abschneiden in der Champions League nicht gut genug. Leverkusen ist am rotieren, um die Abgänge von Wirtz, Tah und anderen wieder zu kompensieren, die CL soll es schließlich sein. Die Bayern dagegen tun sich schwer einen Flügelflitzer von der Klasse eines Olise zu finden und als Ersatz von Sané. Manager Max Eberl ist dafür extra von der Klub-WM zurück nach München, besonders im Visier angeblich Gittens von Borussia Dortmund, aber die Klasse von Olise hat er dort noch nicht nachgewiesen. Aber auch international, egal ob bei Williams von Bilbao, Leao vom AC Mailand oder Barcola aus Paris, ein Haken findet sich immer. Wirklich gut genug (?), andererseits aber auch zu teuer. Bis zu 70 Millionen Euro werden aufgerufen. Favorit könnte Leao sein, weil Milan angeblich Interesse an Kim hat, da wäre ein Tauschgeschäft oder eine Anrechnung möglich. Der Sommer in Deutschland soll wettermäßig heiß werden, was die Wechselgeschäfte angeht, wird er in der Bundesliga auf jeden Fall heiß.

Ist die Null-Nummer zum Start ein Omen für die Klub-WM?

Ein der Wirklichkeit entrückter FIFA-Präsident Gianni Infantino preist sein „Kind“, seine „Geldmaschine“, die Klub-Weltmeisterschaft in den USA, als „eine neue Ära für den Klub-Fußball“ an. Doch der in anderen Sphären schwebende Schweizer muss auch erkannt haben, dass sein „großartigstes Ereignis der Welt“ mit ganz profanen Problemen kämpfen muss. Im Ausrichter-Land herrscht keineswegs Fußball-Fieber, die Bevölkerung in den USA hat andere Sorgen, sie muss mit einem anderen entrückten „König“ fertig werden und macht in Protesten deutlich „No King“. Eigentlich müssten die nationalen Fußball-Verbände in punkto Infantino die gleiche Forderung stellen, doch Geld überdeckt manches.

Der Auftakt bei der Klub-WM kann als Omen dienen. Afrikas CL-Sieger Al-Ahly aus Ägypten und Inter Miami, von Infantino als Attraktion mit Messi ins Teilnehmerfeld gehievt, brachten im Eröffnungsspiel nur eine Null-Nummer zustande. Gleiches passierte im zweiten Gruppenspiel zwischen Palmeiras (Brasilien) und dem FC Porto, allerdings auf höheren Niveau. Das Gegenstück war Bayerns 10:0 gegen Auckland City, den Amateuren aus Neuseeland, aber auch das ist kein WM-würdiges Ergebnis. Bleibt die Gruppe B, die das erste Schlagerspiel sah, Paris besiegte Atletico Madrid mit 4:0 und unterstrich damit seine Favoritenrolle, Botafoga (Brasilien) hatte es gegen die Seattle Sounders beim 2:1 schwerer. Die sind übrigens der wahre USA-Champion.

Doch etwas anderes muss Infantino zu denken geben (wenn er das überhaupt noch kann). Die Begeisterung ist spürbar nicht so groß und die Stadien sind bei weitem nicht ausverkauft. Nicht alle sehen die Spiele als großes Ereignis, viele Plätze in den Stadien blieben leer, obwohl sie als „ausverkauft“ gemeldet wurden. Überteuerte Preise von 350 Dollar für das Eröffnungsspiel wurde schon auf 200 Dollar reduziert und später sogar auf 55 Dollar. Das wird den frühzeitigen Ticketkäufern nicht gefallen haben.. Am Ende erhielten Studenten noch das Angebot mit vier Dollar für die Karte. Die TV-Kameras waren bemüht, schöne Bilder zu bringen, keine leeren Plätze. In anderen Stadien gab es sogar Freikarten. Irgendwie muss die Begeisterung doch geschürt werden. Begeistert ist übrigens (und geblendet) auch Deutschlands von den Medien dazu erhobener Fußball-Experte Nummer 1, Lothar Matthäus, der glaubt, „das Turnier werde sehr gut angenommen. Die Stadien werden gut ausgelastet sein.“ Weiß es der sonstige Besserwisser nicht besser?

Den Bayern kann es egal sein. Im Vorfeld des Schützenfestes hieß es volle Konzentration, nur keine Blamage. Mit einem Spaziergang begann also die WM, auf dem Weg zum Ziel, das Trainer Kompany so formulierte: „Wir haben zwei Turniere. Erst einmal musst du die Gruppe gewinnen, dann den zweiten Teil.“ Egal, wie leicht der Gegner war, es gab viele Gewinner. Jonathan Tah führte sich mit einer erfolgreichen Vorlage ein und präsentierte sich bereits als Abwehrchef. Jamal Musiala feierte ein glanzvolles Comeback mit drei Toren nach der 61. Minute, als er für Harry Kane (ohne Tor) aufs Feld kam. Und Thomas Müller begann sein Abschiedsturnier mit zwei Treffern, damit ist er der erste Spieler, der bei einer WM der Nationen und der Klubs traf, dazu erzielte er sein 250 Tor für die Bayern! Schwerer wird es sicher am Samstag (3.00 Uhr MESZ) gegen die Boca Juniors aus Argentinien und dann wartet am Dienstag gleich Benfica Lissabon.

Borussia Dortmund greift erst am Dienstag (18 Uhr) ein, Fluminense aus Brasilien dürfte gleich der schwerste Gegner sein. Helfen kann ein spektakulärer Neuzugang, nämlich Jobe Bellingham (19), der jüngere Bruder von Jude, der sich in Dortmund in den Blickpunkt spielte und für viel Geld zu Real Madrid wechselte. Ähnliches schwebt der Borussia mit Jobe vor, er gilt als wichtigster Transfer. Apropos Transfers, die Nummer 1 ist natürlich Florian Wirtz, dessen Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool fest ausverhandelt sein soll, nur die Unterschrift fehlt noch. Doch das dauert, Florian ist lieber erst einmal im Urlaub. Schneller war Leroy Sané, der ruckzug bei Galatarsay Istanbul unterschrieben hat. Er jettete zum türkischen Meister, wurde von den Fans als Heilsbringer gefeiert und flog weiter nach Orlando in die USA. Dort gehört er zum Bayern-Kader bis zum 30. Juni, so lange läuft sein Vertrag noch. „Wir brauchen ihn“, meint Manager Max Eberl. Zunächst saß Sané auf der Bank, Olice und Coman auf den Flügeln zeigten, „wir brauchen ihn nicht.“ Neun Millionen Euro netto soll Sané in Istanbul verdienen, mehr als bei den Bayern.

Ansonsten wird in der Bundesliga mehr über die Trainer geredet. Fündig geworden ist der VfL Wolfsburg, der ein neues Gesicht in der Liga präsentiert, nämlich den Niederländer Paul Simonis, der aber gerade mal ein Jahr im Profi-Fußball gearbeitet hat. Allerdings sorgte er gleich für Aufmerksamkeit mit dem Pokal-Triumph mit Go Ahead Eagles Deventer und Platz 7 in der Eredivisie – und das mit einem Provinzklub. Na ja, viele sehen ja auch Wolfsburg als eine Art Provinz… NIcht so weit ist RB Leipzig mit dem neuen Coach. Ole Werner soll es eigentlich sein, doch Werder Bremen macht mit Ablöseforderungen aus dem Wechsel ein Problem. Erfolgreich waren die Leipziger im Nachwuchsbereich, denn der scheidende Manuel Baum wird durch David Wagner ersetzt, ein Vertrauter von Jürgen Klopp, Trainer in Norwich, Bern, bei Schalke und in Huddersfield.

U21 eine Runde weiter

Es läuft für die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft der U21 in der Slowakei. Dem Auftaktsieg gegen Slowenien (3:0) folgte am Sonntag ein 4:2 (nach 4:0-Führung) gegen Tschechien, damit ist der Weg ins Viertelfinale frei. England, das als größter Konkurrent in Sachen Gruppensieg gilt, kam gegen Slowenien nicht über ein 0:0 hinaus, jetzt reicht am Mittwoch ein Unentschieden für Platz 1. Überragender Mann im DFB-Team war bisher Nick Woltemade, der seine gute Form offensichtlich konservieren kann. Gegen Slowenien schaffte er einen Hattrick und war auch gegen Tschechien erfolgreich. Da wird man in Stuttgart zittern, ob er bleibt. Bayern München soll ihn schon quasi als Wirtz-Ersatz auf der Liste haben. In guter Form auch Torhüter Atubolu, der in wichtigen Situationen mit herausragenden Paraden für Sicherheit sorgte. Das Viertelfinale beginnt dann am Wochenende. Die deutschen Fußball-Fans haben sich auch für den Nachwuchs interessiert, jeweils an die fast drei Millionen Zuschauer sind bei SAT1 vor dem Fernseher dabei.

Aufgebot der Frauen ohne Überraschungen

Die Fußball-Frauen durften in den letzten Tagen ein bisschen Urlaub machen, aber die erste wichtige Entscheidung ist gefallen, Bundestrainer Christian Wück hat seinen Kader für die Europameisterschaft in der Schweiz bekannt gegeben. Am Donnerstag beginnt der Lehrgang im Home Camp in Herzogenaurach, in Bayern ein Feiertag. Ob es bei der EM ab 2. Juli noch mehrere geben wird?

Christian Wück hat bei der Nominierung den Fehler seiner Vorgängerin nicht wiederholt und die letzte Entscheidung auf die lange Bank geschoben, sondern frühzeitig für Klarheit gesorgt. Bekannt war ja, dass es Lena Oberdorf doch nicht schafft nach ihrer schweren Verletzung. Überraschungen gab es nicht, Frankfurts Torjägerin Nicole Anyomi muss noch eine Verletzung auskurieren, dass er auf Verteidigerin Felicitas Rauch verzichtet, war schon früh klar. Dafür ist Franziska Kett von den Bayern dabei, ihre Mannschaftskameradin Alara Sehitler muss allerdings zu Hause bleiben, sie fehlte zuletzt wegen Abiturprüfungen. „Sie hat noch viele Turniere vor sich,“ macht ihr Wück für die Zukunft Hoffnung. Sara Dioorsoun war nur auf Abruf nominiert und kündigte daraufhin prompt ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Alles geklärt, die EM kann kommen. Es sind übrigens elf Spielerinnen dabei, die 2022 das EM-Finale erreichten!

Das Aufgebot: Tor: Berger, Johannes, Mahmutovic. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Kleinherne, Knaak, Linder Minge, Wamser. – Mittelfeld und Angriff: Brand, Bühl, Cerci, Däbritz, Dallmann, Freigang, Hoffmann, Lohmann, Nüsken, Schüller, Senß, Zicai.

Rückschlag für Nagelsmann und die DFB-Elf

Die Nations League sollte eine wertvolle Durchgangsstation vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada sein. Ein Titelgewinn sollte für Auftrieb sorgen, die Nationalmannschaft sich an Siege gewöhnen. Doch die Nations League ist nicht der Wettbewerb der Deutschen. Einen Abstieg verhinderte einst nur eine Aufstockung der Gruppen und statt eines glorreichen Triumphs beim Final Four in München und Stuttgart gab es bittere Niederlagen. Bundestrainer Julian Nagelsmann und die DFB-Elf erlebten mit dem 1:2 gegen Portugal und 0:2 gegen Frankreich einen Rückschlag. Vom WM-Titel im nächsten Jahr sollte keiner mehr reden, nicht die Niederlagen an sich und der letzte Platz statt Pokalgewinn ist der Grund, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft auftrat. Es war ein Rückfall in alte Zeiten, das Urteil vom Rumpelfußball tauchte wieder auf.

Nicht Deutschland, nicht Favorit Spanien stand am Ende ganz oben, sondern Portugal mit dem ewig jungen, 40-jährigen Cristiano Ronaldo holte sich die Trophäe. Auch für Spanien und sein Supertalent Lamine Yamal wachsen die Bäume also nicht in den Himmel, immerhin blieben sie weiter ungeschlagen, und das seit 27 Monaten, weil sie sich Portugal erst im Elfmeterschießen geschlagen geben mussten. Ausgerechnet Kapitän und Torjäger Morata vergab den entscheidenden Elfmeter. Dagegen traf Ronaldo sowohl gegen Deutschland zum 2:1, als auch gegen Spanien zum 2:2 entscheidend. Wird er auch mit 100 noch Tore schießen? Es war im 222. Länderspiel sein dritter Titel mit Portugal nach der Europameisterschaft 2016 und dem Gewinn der NL bei der ersten Ausführung 2019. Fest im Sattel sitzen dürfte jetzt auch der heftig kritisierte Trainer Roberto Martinez. Ein Titel heilt Wunden und lässt Enttäuschungen vergessen. Mittelfeldlenker Bruno Fernandes droht der Konkurrenz: „Wenn wir alle zusammenhalten, können wir auch den WM-Titel holen.“ Von diesem Auftrieb hat Nagelsmann geträumt.

Die Wirklichkeit bei der deutschen Mannschaft sieht anders aus. Es macht sich Ernüchterung breit, weil die letzten guten Leistungen offensichtlich zu einer Überschätzung der Fähigkeiten geführt haben. In der Spitze gibt es keine Breite, mit Rüdiger, Havertz, Musiala, Stiller, Schlotterbeck und Kleindienst fehlten Stützen, die nicht ersetzt werden konnten. Andere, wie Wirtz, Sané oder Tah konnten nicht das Kommando übernehmen, produzierten eher Fehler. Kapitän Joshua Kimmich bemühte sich nach besten Kräften, aber vergebens, Torhüter ter Stegen zeigte alte Klasse, Neuling Nick Woltemade war noch ein kleiner Lichtblick, aber das war es schon. Gegen Portugal kam eine unerklärliche Lethargie dazu, der Einsatz fehlte. Das war gegen Frankreich besser, aber die Gier auf den Sieg fehlte in vielen Momenten. Frankreichs Fachzeitung L’Equipe urteilte treffend: „Deutschland fehlten Ideen und Talent.“

Julian Nagelsmann scheint als Bundestrainer immer noch einen Lernprozess durchzumachen. Gegen Portugal änderte er unnötig das System, was zu seiner Verunsicherung führte. Bezeichnend, Kollege Martinez wechselte den Sieg ein, Nagelsmann mit Gosens, Gnabry und Füllkrug die Niederlage. Nagelsmann hat jetzt drei Monate Zeit, sich die richtigen Gedanken für die Zukunft zu machen. Er könnte auf den einen oder anderen Spieler wie Groß, Andrich, Gosens, Gnabry, Kehrer und Anton endgültig verzichten und mehr jungen Spielern eine Chance geben. Am 4. September beginnt in der Slowakei die WM-Qualifikation, die gegen die weiteren Gegner Nordirland und Luxemburg zu schaffen sein sollte. Platz 1 sollte es sein, bei der WM drohen dann trotzdem starke Gruppengegner, weil sich Deutschland in der Weltrangliste nicht verbessern konnte.

U21-EM im Schatten der Klub-WM

Nichts wurde es bei der A-Nationalmannschaft mit dem Titel der Nations League, doch davon will sich der Nachwuchs nicht beeindrucken lassen. Die U21 von Bundestrainer Antonio Di Salvo hat den Titelgewinn bei der Europameisterschaft vom 11. bis 28. Juni in der Slowakei im Visier. Allerdings steht dieses Turnier im Schatten der ersten Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften ab dem 15. Juni in den USA. Der Weltverband FIFA, der sich oft rühmt, den Nachwuchs zu fördern, hat keine Rücksicht auf den europäischen Nachwuchs genommen. Eine Breitseite von FIFA-König Infantino gegenüber seinem Widersacher Ceferin in Europa.

Unter der Terminüberschneidung leidet auch Di Salvo, der auf Spieler aus München (Bischof, Urbig), Dortmund (Beier, Adeyemi) und Salzburg (Morgalla, Blank) verzichten muss. Dafür reiste Nick Woltemade als frischgebackener Nationalspieler der U21 nach und mit Paul Wanner kann er auf ein Talent zurückgreifen, den die Bayern freigegeben haben (er war nach Heidenheim ausgeliehen) und der auch für Österreich spielen könnte. Der Bundestrainer ist trotz der Ausfälle optimistisch. „Wir haben eine gute Mannschaft, haben eine Chance, aber es muss alles passen.“ Zuletzt war Deutschland immer vorn dabei, holte nach 2000 wieder 2017 und 2021 den Titel und unterlag 2019 im Finale gegen Spanien. Titelverteidiger ist England, das 2023 Spanien 1:0 besiegte und Gruppengegner der Deutschen ist. Los geht es am Donnerstag gegen Slowenien, am Sonntag ist Tschechien der Gegner und England bildet am Mittwoch,18. Juni, den Abschluss der Vorrunde (alle Spiele 21.00 Uhr, SAT1 überträgt live).

Im EM-Kader von Di Salvo befinden sich mit Sicherheit einige Kandidaten für den Sprung zu Nagelsmann. Das gilt nicht nur für Nick Woltemade, sondern vor allem auch für den technisch versierten Brajan Gulda, der bei Brighton & Hove Albion in der Premier League beeindruckt, aber auch für Paul Nebel und Nelson Weiper aus Mainz, Rocco Reitz (Gladbach) und die Frankfurter Verteidiger Nathaniel Brow und Namdi Collins, die die Sorgen auf der rechten Verteidigerposition beenden könnten und Joshua Kimmich erlösen. Freiwillig verzichtet hat Di Salvo auf Dortmunds Talent Moukoko, der nach Monaco ausgeliehen ist, dort aber nicht zum Zug kommt. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Sorgenkind geworden.

Bei der Klub-WM spielt Geld die Hauptrolle

„Wer wird Geldmeister?“ titelt der Boulevard und damit ist eigentlich alles über die erste Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften gesagt. Geld spielt die Hauptrolle, eine Milliarde (!) Dollar an Prämien schüttet die FIFA aus. Ihr Präsident hatte allerdings mit der Finanzierung des Turniers vom 15. Juni bis 13. Juli in den USA einige Probleme. Das Scheichtum Saudi Arabien half aus und darf sich dafür Hoffnung auf eine echte Weltmeisterschaft machen. Goldig glänzt auch der WM-Pokal, ein Hingucker, der die Erde als Planeten darstellt und auf dem zweimal der Name des Präsidenten Infantino eingraviert ist! Alle vier Jahre soll dieses Großereignis nun stattfinden, es hat den bisherigen Confed-Cup als Test im Vorfeld einer WM abgelöst.

Beteiligt sind die Erdteile Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Europa stellt mit zwölf Teams das Gros der Mannschaften, die letzten Sieger der Champions League waren qualifiziert, dazu die besten Teams der UEFA-Rangliste. Allerdings dürfen nicht mehr als zwei Mannschaften pro Nation antreten, deshalb fehlt zum Beispiel der FC Barcelona. Deutschland ist mit Bayern München und Borussia Dortmund vertreten, wobei die Borussia von der Schwäche Leipzigs profitierte, dass den Geldsegen in der CL verspielte. Als Antrittsgeld erhalten die Klubs 30 Millionen Dollar, der Sieger darf mit 100 Millionen rechnen.

Die mehrwöchige Klub-WM ist wegen der zusätzlichen Belastung für die Spieler umstritten, außerdem gibt es Probleme mit den Spielerwechseln in der Transferperiode. Teilnehmer der Klub-WM durften schon ab 1. Juni neue Spieler verpflichten, die aber bis zum 30. Juni unter Vertrag stehen. Deshalb werden Ablösesummen fällig. So zahlt Bayern München rund eine Millioen Euro an Leverkusen und 300.000 Euro an Hoffenheim, damit Jonathan Tah und Tom Bischof bereits mitwirken können, zumal die Bayern nach wie vor Verletzungssorgen haben, aber auf Musiala und Upamecano hoffen. Real Madrid lässt sich den vorzeitigen Dienstantritt von Alexander-Arnold aus Liverpool zehn Millionen kosten. Damit genügend Stars vertreten sind, hat Infantino eine Wild Card des Ausrichters an Inter Miami vergeben, das mit Lionel Messi antritt. Cristiano Ronaldo hat es abgelehnt kurzfristig zu wechseln, weil sein Klub nicht dabei ist.

Die 32 Mannschaften spielen in acht Gruppen, die beiden ersten zwei jeder Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale. Gespielt wird in zwölf Städten, vorwiegend im Osten der USA (Ausnahmen Seattle und Los Angeles). Bayern München trifft am Sonntag (18 Uhr) in Cincinnati auf Auckland City (Neuseeland), am 21. Juni (3 Uhr) in Miami auf Boca Juniors (Argentinien) und am 24. Juni (21 Uhr) in Charlotte auf Benfica Lissabon. Im Turnierbaum lauern Chelsea London, Paris St. Germain und Atletico Madrid als mögliche Gegner. Dortmund bekommt es zunächst am 17. Juni (18 Uhr) in New York mit Fluminense (Brasilien) u tun, am 21. Juni (18 Uhr) mit Mamelodi Sundowns (Südafrika) und am 25. Juni (21 Uhr, jeweils in Cincinnati) mit Ulsan HD (Südkorea). Inter Mailand, Manchester City und Real Madrid warten als mögliche Gegner. Stärkste Gruppe dürfte die Gruppe B mit Paris, Atletico, Botafogo (Brasilien) und Seattle (USA) sein. Die Bayern lehnen sich schon weit aus dem Fenster, wenn sie davon sprechen, dass sie die WM gewinnen wollen. Immerhin gewannen sie den alten Weltpokal viermal, Dortmund war 1997 erfolgreich.

Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn

Olympische Spiele sind nach wie vor eine Einmaligkeit und in früheren Zeiten drängten sich Nationen und Städte danach, die Spitzensportler der Welt beherbergen zu können und selbst im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Der Glanz ist inzwischen ein wenig verblasst, weil einerseits der Sport an Reputation (Thema Doping) verloren hat, andererseits das ehrwürdige Internationale Olympische Komitee inzwischen den Ruf als geldgierige Institution hat. „Olympia? Ist doch heute nur ein Geschäft für das IOC, das sich bereichern will“, winken die Kritiker ab. Stimmen der Kritik werden heutzutage immer am ehesten gehört, aber trotz aller Diskussionen steht fest: Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn.

Deshalb wird auch in Deutschland seit Jahren darüber diskutiert, endlich wieder einmal Olympische Spiele zu organisieren. Deutschland war zuletzt 1972 Gastgeber, als die Sommerspiele in München ein echtes Volksfest waren. Die Stadtväter sind sich heute noch sicher, dass die Bayerische Landeshauptstadt ohne Olympia nicht dieses hohe Ansehen genießen würde. Mehrere Anläufe hat es gegeben, aber in Hamburg, Berlin und Leipzig scheiterten die Pläne für Sommerspiele ebenso wie in München die für Winterspiele. Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen, der Deutsche Olympische Sportbund hatte interessierte Städte aufgefordert, ihre Konzepte einzureichen und vier Städte bzw. Regionen bewerben sich. Los Angeles ist 2028, Gastgeber, Brisbane in Australien 2032 und für 2036, 2040 oder 2044 will sich der DOSB bewerben. Interesse haben München, Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet mit Düsseldorf als Mittelpunkt. Bis zum 31. Mai mussten die Unterlagen eingereicht werden, im Herbst 2026 soll eine bunt gemischte Jury mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik entscheiden.

Wer hat die beste Bewerbung abgegeben? Was bisher bekannt ist, darf sich München in der Pole Position fühlen. München setzt auf zwei Aspekte: Nachhaltigkeit, die meisten Sportstätten sind schon da, und die internationale Beliebtheit von Bayern und München (siehe Oktoberfest). Das Olympiastadion, inzwischen ein Denkmal, könnte wieder das Gesicht der Spiele werden. Ohne Neubauten geht es nirgends, für die Unterbringung müssen Olympisches Dorf und Pressestadt immer neu gebaut werden, doch Kritikern sei gesagt, das ist willkommen, es fehlen doch Wohnungen. Beide „Dörfer“ haben auch 1972 München geholfen.

Berlin hat den Vorteil der Hauptstadt, wirbt mit geschichtsträchtigen Bauten und will Ähnliches schaffen wie Paris vor einem Jahr, das mit den Spielen in der ganzen Stadt einen Volltreffer landete und viel für sein Ansehen und das von Frankreich getan hat. Nach ähnlichem Konzept will Berlin vorgehen, zum Beispiel mit Beachvolleyball vor dem Brandenburger Tor. Aber Berlin will auch die Region einbeziehen, nämlich Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und sogar Leipzig. Skeptiker allerdings sagen, „Berlin, siehe Flughafen, hat doch zuletzt nichts zu Wege gebracht.“

Hamburg kann auch mit Weltoffenheit werben, der Hafen gilt schließlich als „Tor zur Welt“. Die Hansestadt hat allerdings den Nachteil, dass viele Neubauten fällig werden, einige sollen temporär errichtet werden. Glanzstück soll ein neues Olympiastadion werden. Doch das ist eigentlich ein Schwachpunkt, denn der Fußball liebt zum Beispiel kein Stadion mit Laufbahn. Hamburg muss auch mit dem Handicap leben, dass die Bevölkerung schon einmal eine Bewerbung abgelehnt hat.

Es klingt reizvoll, ist aber eigentlich ein Nachteil: An Rhein und Ruhr sollen die Olympischen Spiele ihre Heimat finden. Die Region macht schon mehrere Jahre für sich Werbung und zeigt sich immer wieder an Olympia besonders interessiert. Doch es gibt Olympia-Städte und keine Region, wo soll das Herz der Spiele schlagen? Düsseldorf wird deshalb in den Vordergrund geschoben, doch selbst im Konzept findet sich angeblich noch kein fester Standort für das Olympiastadion. Eine Bewerbung, die also keine wesentlichen Vorteile bieten kann und Spiele der kurzen Wege schon gar nicht.

Eine große Hürde gibt es für alle Bewerber: Das IOC will wissen, ob auch die Bevölkerung hinter der Bewerbung steht, deshalb soll es in allen Städten eine Volksbefragung geben. Hamburg hat da schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, in den Umfragen war die Bevölkerung dafür, bei der Wahl selbst setzten sich die Kritiker durch. Sie haben das leichtere Spiel, denn wer dagegen ist, geht leichter zur Wahl. Das könnte auch in München passieren, wo nach ersten Umfragen 66 Prozent der Bewohner für die Spiele sind. Bereits im Oktober soll es eine Entscheidung der Bevölkerung geben.

Bei einer deutschen Bewerbung muss auch mit starken Gegnern gerechnet werden. Die erste Hürde stellt das undurchsichtige IOC dar, denn bei der Benennung der Austragungsorte gab es zuletzt keine Wahl mehr, sondern die wurden in einem etwas undurchsichtigen Prozedere bestimmt. Da sind Unwägbarkeiten groß, zumal der deutsche Sport international nicht mehr die Bedeutung wie früher genießt. Für 2036 sollte sich Deutschland vor dem Hintergrund 100 Jahr nach 1936 in Berlin mit Nazi-Regime gar nicht bewerben, zudem gelten Indien und Katar bereits als Favoriten. Für 2040 und 2044 könnte es besser aussehen, zumal dann Europa wieder den Zugriff bekommen sollte. Istanbul und Madrid wird bereits Interesse nachgesagt. Wie auch immer, es ist ein langer und beschwerlicher Weg zu Olympia in Deutschland. Der Sport hätte es aber verdient, wieder einmal Gastgeber zu sein. Denn auch das ist der Vorteil von Olympia im eigenen Land: Der Sport gewinnt an Gewicht und die Jugend findet wieder leichter den Weg zum Sport.

Nagelsmann verdrängt alle Sorgen mit viel Optimismus

Die Endspiele in Europas Fußball-Wettbewerben sind Vergangenheit, jetzt haben die Nationalmannschaften das Wort (bevor es zur Klub-WM geht). Bundestrainer Julian Nagelsmann wird dabei nicht müde, die Nations League in den Rang eines wichtigen Turniers zu erheben. Die gleiche Nations League, die seine Vorgänger nur als bessere Testspiele bezeichnet haben. Aber Nagelsmann sieht vor allem das Endturnier, das Final Four, als beste Generalprobe, um im nächsten Jahr mit Rückenwind zur Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko zu fliegen. Also peilt der Bundestrainer den Titelgewinn an, damit die Spieler quasi ein Titel-Gefühl bekommen. Wie heißt es so schön, „erst ein Titelchen, dann der Titel“!

Bei der Vorbereitung auf das Endturnier von Mittwoch bis Sonntag in München und Stuttgart vertraut der Bundestrainer auf die bewährte Atmosphäre im Home Ground von Partner Adidas in Herzogenaurach. Mit viel Optimismus verdrängt er dabei die Sorgen im Kader, weil er laufend mit Verletzungsproblemen konfrontiert wird. Gegenüber den spektakulären Spielen gegen Italien im Viertelfinale mit dem 3:3 in Dortmund am 23. März wird die Mannschaft ein anderes Gesicht haben. Tim Kleindienst und Nico Schlotterbeck sind nach wie vor verletzt, Antonio Rüdiger und Jamal Musiala noch nicht fit. Aktuell fallen aus dem Aufgebot auch noch Amiri, Bisseck und der nachnominierte Burkhardt verletzt aus. Dafür wurde Thilo Kehrer (Monaco) nachgeholt. Im Tor gibt es allerdings ein Comeback, Nagelsmann gab dem lange verletzten Marc-Andre ter Stegen, seine nominelle Nummer eins, eine Einsatzgarantie, Oliver Baumann rückt wieder ins zweite Glied. Für ter Stegen sollten die Spiele gut für seine Psyche sein, er kam in Barcelona noch nicht oft zum Einsatz und jetzt wird auch seine Zukunft dort trotz Vertrag in Frage gestellt. Hoffentlich kehrt er bei diesen Problemen mit der gewohnten Sicherheit als Rückhalt ins Tor zurück. Der Trainer als Vorbild: Optimismus ausstrahlen!

Portugal ist der Halbfinalgegner am Mittwoch (21 Uhr) in der Allianz Arena, am Donnerstag wird in Stuttgart zwischen Frankreich und Spanien der Finalgegner für Sonntag (21 Uhr, in München), gesucht (Spiel um Platz drei Sonntag, 15 Uhr, in Stuttgart). Die Bilanz gegen Portugal ist positiv, in den 21 Spielen gab es 13 deutsche Sieg, 5 Unentschieden und nur 3 Niederlagen. Beim letzten Aufeinandertreffen in der Gruppenphase der EM 2021 siegte Deutschland 4:2, die letzte Niederlage gab es 2000 ebenfalls in der EM-Gruppenphase mit 0:3. Einen Favoriten gibt es eigentlich nicht, mit Schwung will Nagelsmann dem Gegner trotz des „ewigen“ Cristiano Ronaldo (40) keine Chance lassen. Vorbild ist die erste Halbzeit gegen Italien, als es 3:0 stand, auf keinen Fall will man die Schwächen der zweiten Halbzeit wiederholen. Nur das schöne Gesicht zeigen…

Aber es wird ja eine andere Mannschaft sein. In der Abwehr werden Anton oder Koch den verletzten Rüdiger ersetzen, im Mittelfeld fehlt Angelo Stiller, so dass wohl wieder Groß und Goretzka das Duo bilden werden, Pavlovic und Nmecha stehen parat. Wie aber sieht das Puzzle in der Offensive aus? Musiala und Kleindienst fehlen, dafür kehrt Niclas Füllkrug zurück, dürfte aber eher als Joker zum Zug kommen. Anders sieht es bei Nick Woltemade aus, der 23-Jährige Stuttgarter ist der Spieler der Stunde, „er hat das Momentum auf seiner Seite“, sagt Nagelsmann. Er könnte Musiala oder Kleindienst ersetzen, während auf den Flügeln Sané, Gnabry und Adeyemi zur Verfügung stehen. Einige Fragen sind offen, die DFB-Elf muss die richtigen Antwort finden.

Während die Nationalmannschaft für einen erfolgreichen Saison-Abschluss sorgen will, herrscht bei den Vereinen Hochbetrieb bei der Vorbereitung für die neue Saison. Dabei standen in den letzten Tagen vor allem die Trainer im Mittelpunkt. Mit Erik ten Hag bei Bayer Leverkusen und Sandro Wagner in Augsburg gab es die erwarteten Verpflichtungen. Wagner steht Nagelsmann beim DFB-Team letztmals zur Seite, sein Nachfolger wird Benjamin Hübner, der in Hoffenheim drei Jahre unter Nagelsmann gespielt hat. In Bremen wird Horst Steffen Nachfolger von Ole Werner, der nach unterschiedlichen Ansichten über die Zukunft vorzeitig gehen musste. Steffen wurde vom Verlierer zum Sieger, mit Elversberg schaffte er den Aufstieg in die Bundesliga nicht, scheiterte am 1. FC Heidenheim, der sich über sein drittes Jahr im Oberhaus freut. Der SVE-Coach landet also dennoch in der Bundesliga. Auch der 1. FC Köln hat mit Lukas Kwasniok einen neuen Coach gefunden, der zuletzt erfolgreich in Paderborn gearbeitet hat. Für die größte Überraschung bei der Trainerwahl sorgte Altmeister Schalke 04, denn Miron Muslic ist hierzulande ein unbeschriebenes Blatt. Der 42-jährige Bosnier, in Österreich aufgewachsen, arbeitete zuletzt bei Plymouth in England. Schalke ist seine vierte Trainer-Station, er hielt es allerdings nirgends ein ganzes Jahr aus! Das passt zu Schalke mit drei Trainern in einer Saison.

Optimismus auch bei den Frauen

Die Frauen-Nationalmannschaft ist schon einen Schritt weiter als die Männer und näher dran am Turnier, die Europameisterschaft beginnt am 2.Juli in der Schweiz. Beim 4:0-Sieg über die Niederlande in der Nations League zeigte sich die DFB-Elf bereits in EM-Form und steht damit als Gruppensieger fest. Das konnte nicht unbedingt erwartet werden, denn im Vorfeld kam es zu Unstimmigkeiten. Bundestrainer Christian Wück blieb allerdings gelassen, beruhigte die Gemüter, weiß aber auch, „bei der Nominierung muss ich einigen wehtun.“ Eine Stammschaft für die EM zeichnet sich ab, das größte Fragezeichen ist die Besetzung der „Zehn“ mit Linda Dallmann oder Laura Freigang. Gegen die Niederlande avancierte Dallmann zur besten Spielerin, sorgte für Tempo, und für die Führung. In Bestform auch Torjägerin Lea Schüller, die zwei Treffer beisteuerte, dazu traf mit Sarai Linder eine Verteidigerin, um deren Nominierung es Diskussionen gegeben hat. „Das war unser bestes Heimspiel“, jubelte Linda Dallmann und Kapitän Giulia Gwinn stellte fest: „Wir sind definitiv in EM-Form.“ Am Dienstag in Wien geht es gegen Österreich nur noch um die Bestätigung der Leistung, danach gibt es einen kurzen Urlaub, bevor der EM-Lehrgang beginnt.

So dürfte die Stammelf ausschauen: Berger – Gwinn, Minge, Knaak (Hendrich), Linder – Nüsken, Senß – Brand, Dallmann (Freigang), Bühl – Schüller.

Auch bei den Frauen-Bundesligisten ist die neue Saison schon im Visier, Meister Bayern München präsentierte seinen neuen Trainer Es ist der Spanier José Barcala, zuletzt Trainer in Genf, der die erfolgreiche Arbeit von Alexander Straus fortsetzen soll. Auch Verstärkung steht bereits fest, für die Abwehr kommen Vanessa Gilles (29/Kanada) zuletzt von den Angel City an Lyon ausgeliehen, und Stina Ballisaga (31/Dänemark) vom AC Florenz. Die an den FC Sevilla ausgeliehene Stürmerin Natalia Padilla Bidas (22/Polen) kehrt nach München zurück.

Paris vom Bösewicht zum Vorbild

Was wurde nicht über Paris St. Germain geschimpft, eine auf dem Papier geplante Mannschaft, die mit viel Geld aus Katar und Stars aus aller Welt Titel gewinnen soll. Doch egal unter welchem Trainer (u. a. Thomas Tuchel) oder ob mit Messi, Neymar oder Mbappe, es klappte nicht. Plötzlich wurde aus dem Bösewicht das Vorbild. Motto: Eine Chance für den Nachwuchs. Die Stars weg, die Jungen da und plötzlich auch der Sieg in der Champions League. Das 5:0 gegen Inter Mailand war ein Pariser Fußballfest, der höchste Sieg aller Zeiten, aber auch eine Demütigung für die Italiener, die nie zu ihrer Form fanden. Held war einerseits Trainer Luis Enrique, der vor zehn Jahren bereits mit dem FC Barcelona den Titel geholt hatte, andererseits Jungstar Desiré Doué, der an den ersten drei Toren beteiligt war und Nummer 2 und 3 selbst erzielte. Der Franzose war im Sommer übrigens auch in München im Gespräch, doch die Bayern hatten nach unnötigen Verpflichtungen nicht mehr das nötige Geld. Paris legte dafür 50 Millionen Euro hin, die sich jetzt bezahlt machten. Auch die jungen Spieler kosteten Geld, Paris hatte sich für immerhin 240 Millionen verstärkt.

Die Bayern haben übrigens für Doué jetzt einen neuen Flügelflitzer im Visier, Rafael Leao vom AC Mailand. Der Portugiese stellt sich mit seinem Nationalteam am Mittwoch in München vor…

Hoffentlich ist beim Länderspiel der Rasen in der Allianz Arena wieder in bestem Zustand, Pariser Fans haben ihn ziemlich ramponiert, weil sich einige Grün als Souvenir herausschnitten, Schade, dass die Siegesfeiern in Frankreich nicht nur fröhlich waren, sondern von Chaoten auch zu Krawallen missbraucht wurden. Ein Problem, unter dem der Fußball immer wieder leidet.

Stuttgart rettet die Saison – Leverkusen steht vor einem Neuanfang

Es war die letzte Chance – und der VfB Stuttgart hat sie mit Effektivität genutzt. Platz 9 in der Fußball-Bundesliga war nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr eine Enttäuschung, obwohl eine Wiederholung der Überraschung kaum zu erwarten war. Der DFB-Pokal sollte die Rettung bringen, um wieder in Europa dabei zu sein. Vor dem Finale in Berlin war Wachsamkeit angesagt, der Gegner kam zwar aus der dritten Liga, doch Arminia Bielefeld hatte sich in einen Flow gesiegt, schaffte den Aufstieg in die 2. Bundesliga und schaltete im Pokal gleich vier Bundesligisten aus, unter anderem auch Titelverteidiger Bayer Leverkusen. In Berlin war allerdings Endstation. Das erste Finale, die große Kulisse und die hohen Erwartungen waren zu viel, die Spieler nervös, machten Fehler und der VfB schlug zu. Am Ende stand ein 4:2-Erfolg, den die Stuttgarter durch eigenen Leichtsinn noch ins Wanken geraten ließen. Den Toren von Woltemade, Millot (2) und Undav gingen meist Bielefelder Fehler voraus, Kania und Vagnoman mit einem Leichtsinns-Eigentor verkürzten. Danach wurde aber gefeiert. Die Saison war gerettet, der Einzug in die Europa League ist der Lohn, danach gab es Party und ein Jubelkorso durch Stuttgart.

Der VfB Stuttgart könnte vor einer rosigen Zukunft stehen, aber man darf nicht vergessen, dass vor kurzem noch der Abstieg drohte, ehe Trainer Sebastian Hoeneß die Wende schaffte und den VfB nach oben führte. Hoeneß führt damit die Familientradition fort, denn Vater Dieter und Onkel Uli hielten den DFB-Pokal bereits in ihren Händen. Stuttgart aber nimmt sich jetzt Eintracht Frankfurt als Vorbild, will Pokalsieg und Europa nutzen, um dauerhaft in den oberen Regionen der Bundesliga mitzuspielen. Die Talente Angelo Stiller und Nick Woltemade sind dabei ein Faustpfand für eine gute Zukunft. Arminia Bielefeld kann sich damit trösten, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, ein würdiger Finalist gewesen zu sein und Bielefeld, die Stadt, die es angeblich doch gar nicht gibt (so wird gescherzt), bundesweit in die positiven Schlagzeilen gebracht zu haben. Der Sponsor tröstete in einer Anzeige: Pokal verloren, aber Millionen Herzen gewonnen.

Die Großen der Bundesliga waren beim Finale nur Zuschauer und mehr mit sich selbst beschäftigt. Leverkusen und den Bayern gehörten trotz DFB-Pokal die Schlagzeilen. In erster Linie drehte sich alles um Bayer-Star Florian Wirtz, der auf der Wunschliste der Bayern ganz oben stand. Am Samstag dann die Entscheidung, die Familie Wirtz sagte den Münchnern ab, der FC Liverpool soll den Zuschlag im Rennen um das 22-jährige Talent bekommen. „Eine Niederlage für die Bayern und Uli Hoeneß“, feixt der Boulevard, doch eher ist es eine Niederlage für die Bundesliga, die wieder einmal erkennen muss, dass die Top-Vereine in England und Spanien in größere Geldtöpfe greifen können. Die Ablösesumme soll bei 150 Millionen Euro liegen, Leverkusen muss damit Löcher stopfen, die entstehen, München kann das ersparte Geld in andere Spieler investieren.

Bayer Leverkusen steht buchstäblich vor einem Neuanfang. Trainer Xabi Alonso verabschiedete sich in Richtung Real Madrid, Abwehrchef Jonathan Tah geht jetzt doch (ablösefrei) zu den Bayern, Flügelflitzer Frimpong hat schon vor Wirtz in Liverpool zugesagt. Dazu sucht Bayer im Tor einen Nachfolger für Kapitän Hradecky, auch von den Mittelstürmern Schick und Boniface wird einer gehen, dazu werden Hincapie, Tapsoba und Grimaldo Wechselgedanken nachgesagt. Da wartet auf den neuen Trainer keine leichte Aufgabe. Es wird der 55-jährige Niederländer Erik ten Hag sein, nachdem Kandidat Nummer 1 Cesc Fabregas abgesagt hat, weil er in Como bleibt. Der Spanier scheint den Weg seines Landsmannes Alonso zu gehen, der auch vor dem nächsten Schritt noch ein Jahr in Leverkusen blieb. Tn Hag hat einen guten Ruf, der allerdings nach seiner Entlassung bei Manchester United nach Misserfolgen angekratzt ist. Vom Sommer 22 bis Oktober 2024 arbeitete er bei ManU, zunächst mit guten Ergebnissen (Liga-Pokal-Sieg, Platz 3). Seine Anfänge hatte er unter anderem bei Bayern München, wo er die Amateure zur Regionalliga-Meisterschaft führte. Dort war er auch als Trainer der Profis schon im Gespräch. In Leverkusen wird es auf jeden Fall ruhiger.

In München wird es eher Ergänzungen als einen großen Umbruch geben. Schwachstellen in der Abwehr und bei den Flügeln sollen beseitigt werden. Tah soll bereits bei der Klub-WM im Juni/Juli für die Bayern spielen, das kostet allerdings doch eine Ablöse an Leverkusen, weil er dort bis 30. Juni unter Vertrag steht. Auf den Flügeln ist Eberechi Eze (26) ein heißer Kandidat, der einst bei Crystal Palace mit Michael Olise zusammen spielte. Wenn er auch so einschlägt… Die Wechselgeschäfte werden in den nächsten Wochen die Fußball-Fans jedenfalls bei Atem halten.

In der Bundesliga sorgte der FC Augsburg für den größten Knaller.Der Verein trennte sich von Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurandic. Grund waren unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft. Die FCA-Bosse wollen neben guten Ergebnissen auch attraktiven Fußball sehen und warfen beiden vor, zu wenig für den Nachwuchs getan zu haben. Das soll anders werden. Als Thorup-Nachfolger wird vor allem Sandro Wagner gehandelt, der ja als Co-Trainer der Nationalmannschaft aufhört und den es in die Bundesliga zieht. Wagner wohnt in Unterhaching und Augsburg könnte ein Sprungbrett für einen guten Start sein.

Finale in München ohne Bayern

Am Samstag ist es soweit, in der Allianz Arena steigt das Finale der Champions League, leider ohne Gastgeber Bayern München. Der hatte wie 2012 von einem „Finale dahoam“ geträumt, damals allerdings unglücklich im Elfmeterschießen mit 4:5 gegen Chelsea London verloren (Olic und Schweinsteiger verschossen). Ex-Münchner werden allerdings beim Duell zwischen Inter Mailand und Paris St. Germain dabei sein, nämlich bei Inter Torhüter Yann Sommer und Verteidiger Benjamin Pavard sowie bei Paris Lucas Hernandez. Bekannte Gesichter aus der Bundesliga sind zudem Marcus Thuram, Hakan Calhnoglu, Henrik Mkhitaryan und Yann Bisseck bei Inter sowie Ousmane Dembele und Achraf Hakimi bei Paris. Kein Trost für die Bayern wird sein, dass ihr Bezwinger Inter es ins Finale geschafft hat.

In den anderen Finals haben die Engländer das Sagen. Im direkten Duell der Europa League holte sich Tottenham den Pokal mit einem glücklichen 1:0-Sieg in einem schwachen Endspiel gegen Manchester United und beendete damit die titellose Zeit, vor der auch Harry Kane nach München floh. Jetzt rief ihm Torjäger und Kapitän Son zu: „Guck Harry, wir haben auch einen Pokal!“ In der Conference League will Chelsea London den Pott holen, Gegner ist in Breslau Betis Sevilla, das auf Europas Bühne noch nie gewann. Chelsea ist als Vierter der Premier League bereits für die Champions League qualifiziert.

Aufgebote mit Lücken

Es ist nicht nur die Zeit der Endspiele, sondern es waren auch die Tage der Länderspielaufgebote. Julian Nagelsmann gab sein Aufgebot für das Final Four der Nations League bekannt, Antonio di Salvo plant für die Europameisterschaft der U21 im Juni. Beide Bundestrainer können allerdings nicht auf ihr Wunschaufgebot zurückgreifen, es gibt Lücken aus unterschiedlichen Gründen. Nagelsmann hat mit Verletzungen zu kämpfen, so fehlen Musiala, Kleindienst, Rüdiger und Schlotterbeck. Erstmals nach langer Zeit wieder dabei sind Torhüter Marc-Andre ter Stegen und Torjäger Niclas Füllkrug. Neulinge sind Tom Bischof und Nick Woltemade. Der Stuttgarter taucht sogar in beiden Kadern auf, er hatte sich selbst ins Gespräch gebracht: „Ich kann doch beide Turniere spielen, das geht zeitmäßig.“ Der Shootingstar ist scheinbar unverzichtbar. Die DFB-Elf wird sich am Freitag in Herzogenaurach treffen und spielt am 4. Juni in München gegen Portugal.

Di Salvo hat andere Probleme. Er kann seine stärkste Mannschaft nicht aufbieten, weil ihm die Klub-Weltmeisterschaft im Wege steht. So muss er auf Spieler aus München und Dortmund verzichten, das betrifft Torhüter Urbig, Bischof bzw. das Borussia-Duo Beier und Adeyemi sowie die Salzburger Morgalla und Blank. Dennoch wird er eine starke Mannschaft stellen können.

Frauen proben den Ernstfall

Frauen-Bundestrainer Christian Wück hat die Europameisterschaft im Juli im Visier und probt jetzt in der Nations League den Ernstfall. Am Freitag gibt es in Bremen praktisch das Endspiel gegen die punktgleiche Niederlande (Hinspiel 2:2), am Dienstag, 3.6., endet die Gruppenphase in Wien gegen Österreich. Erstmals wieder im Aufgebot befindet sich Lena Oberdorf, die die ganze Saison wegen einer komplizierten Verletzung ausfiel und deshalb ohne Spielpraxis ist, aber mittrainieren soll, um vielleicht doch noch den Sprung zu schaffen. Bei den Nominierungen gab es auch Kritik an Wück, dem manche Spielerin eine zu schlechte Kommunikation vorwarf. So fühlt sich Wolfsburgs Felicitas Rauch brüskiert, weil Wück so von ihrer Nichtnominierung nicht informiert hat. Er vertraut auf der linken Seite Sarai Linder (Wolfsburg) und Franziska Kett (Bayern). Da wird es auch wichtig sein, dass Wück für gute Stimmung im Team sorgt.

Die Bayern-Mädchen hatten vor den wichtigen Aufgaben noch einen attraktiven Termin zu absolvieren und waren dabei überraschend erfolgreich. Ein reicher Millionär aus den USA investiert rund 100 Millionen Dollar für zunächst fünf Frauen-Turniere auf verschiedenen Kontinenten. Der Start von „World Seven Football (W7F)“, ein Kleinfeldturnier über 2×15 Minuten mit je sieben Spielerinnen, war in Estoril/Portugal und ging über drei Tage. Die tolle Sache: Insgesamt wurden 5 Millionen Euro ausgespielt, der Sieger erhielt 2,5 Millionen, also mehr als der Sieger der Frauen-Champions League! Die Bayern sicherten sich am Ende sogar dieses hohe Preisgeld!

In der Vorrunde besiegten die Bayern Ajax Amsterdam (4:2) Rosengaard (4:0) und Manchester City (3:1). Im Halbfinale am Freitag ließen sie sich auch von Paris (2:0) nicht aufhalten und bestritten am Abend das Finale gegen Manchester United und landeten einen 2:1-Erfolg nach Toren von Tanikara und Zadrazil. Ein krönender Abschluss also für Trainer Alexander Straus, obwohl das Motto der Reise war „ein schöner Ausflug mit gutem Fußball“. Der wurde gezeigt, Torhüterin Ena Mahmutovic als beste Keeperin und Momoko Tanikawa als beste Spielerin und für das schönste Tor wurden zudem ausgezeichnet. Straus schonte übrigens die für den DFB-Kader nominierten Spielerinnen, die mit dem Team ein paar Tage Urlaub machten.

Die Champions League gewann übrigens überraschend Arsenal London mit einem 1:0-Sieg im Finale gegen Titelverteidiger und Favorit FC Barcelona, das in Lissabon den Titel-Hattrick verpasste. Arsenal hatte zuletzt vor 18 Jahren gewonnen, den Siegtreffer erzielte in der 74. Minute die eingewechselte Schwedin Stina Blackstenius. In der Gruppe hatte Arsenal noch mit 2:5 bei den Bayern verloren!

Sensation im Eishockey

Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft gab es eine Sensation: Die USA gewann zum ersten Mal seit 92 Jahren wieder den Titel im Finale gegen die Schweiz, mit einem 1:O in der Overtime nach 122 Sekunden! Torschütze war Tage Thompson von den Buffalo Sabres. Bei der unglücklichen Schweiz, die wie 2013, 2018 und 2024 nur Silber gewann und noch nie den Titel holte, überragte der 37-jährige Torhüter Leonardo Genanin vom EV Zug, der nach 291 Minuten (Rekord!) erstmals wieder überwunden wurde. Er wurde nicht nur zum besten Torhüter, sondern auch zum besten Spieler des Turnier gewählt. Die deutsche Mannschaft war schon in der Gruppenphase ausgeschieden (nach Niederlage gegen beide Finalisten sowie im entscheidenden Spiel gegen Dänemark), die Favoriten aus Kanada und Schweden scheiterten im Viertelfinale gegen Dänemark (1:2) bzw. im Halbfinale gegen die USA (2:6). Dritter wurde Schweden mit einem 6:2 gegen Dänemark.

Spannung bis zum Schluss – die Bundesliga hat Spaß gemacht

Aus und vorbei, die Saison 2024/25 der Fußball-Bundesliga ist beendet, einige Entscheidungen sind erst am letzten Spieltag gefallen, Spannung also bis zum Schluss und insgesamt darf man wohl sagen: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Abgesehen von den Absteigern in Bochum und Kiel, wurde noch einmal viel gefeiert. Bei Bayern München zeigten sich die Frauen als Double-Sieger und die Männer als Meister vor tausenden Fans auf dem Rathausbalkon. Es war auch die Thomas-Müller-Abschiedsparty. Ähnlich gefeiert wurde in Frankfurt , wo die Eintracht als Dritter erstmals über die Liga in die Champions League einzog und nach großem Zittern schaffte es auch Dortmund wieder in die Königsklasse. Freiburg war zwar am Schluss ein Verlierer, sieht sich aber mit dem Einzug in die Europa League als Gewinner und Mainz freut sich auf die Conference League. Siehe da, die dritte Liga in Europa ist also auch attraktiv für die Klubs. Ein bisschen was gibt es ja zu verdienen. Eine Kurzbilanz:

Bayern München: Die Meisterschale ist wieder „dahoam“, so sieht man es in München. 13 Punkte Abstand zu Vorjahresmeister Leverkusen, 25 zum alten Konkurrenten Dortmund – Uli Hoeneß zählt das stolz auf. Notlösung Vincent Kompany war ein Gewinn als Trainer, er sorgte für Ruhe im Verein, anfangs spielten die Bayern tollen Fußball, doch eitel Freude gab es nicht über die gesamte Saison. Im Pokal kam ein frühes Aus, in der CL war im Viertelfinale gegen Inter Mailand Schluss. Kein Finale dahoam also. Ziel für 2026: Als Double-Sieger wie die Frauen wieder auf dem Rathausbalkon. Noch ein Titel: Harry Kane holte mit 26 Treffern wieder die kicker-Torjäger-Kanone (2. Guirassy und Schick je 21). Die Bayern holten sich außerdem den Rekord der Joker-Tore, es waren 17, gleich mit Dortmund aus der Saison 2018/19.

Bayer Leverkusen: Nach der Supersaison 23/24 musste ja ein Abfall kommen, vor allem zum Start dachten einige Spieler, es geht von alleine, da wurden die entscheidenden Punkte verloren. Jetzt also wieder Vizekusen, doch die Zukunft ist ungewiss. Trainer Xabi Alonso hat seinen Abschied verkündet, er will künftig Real Madrid wieder zu einem Siegerteam machen. Einige Stars, allen voran Florian Wirtz, könnten gehen, ob dies aufgefangen werden kann, ist fraglich. Dazu hat es jeder Trainer als Alonso-Nachfolger schwer. Zum Abschluss gab es noch einen neuen Rekord: 34 Auswärtsspiele ungeschlagen (bisher mit Bayern 33)!

Eintracht Frankfurt: Eine überragende Saison, wenn auch am Schluss gezittert werden musste. Platz drei ist mehr als erwartet, Dino Toppmöller ist als Trainer gereift, der Vertrag wurde logischerweise verlängert. Gibt es keine großen Verkäufe, sieht die Zukunft rosig aus.

Borussia Dortmund: Wer hätte das gedacht, dass man sich in Dortmund am Ende über Rang vier freut und der Trainer als Retter gefeiert wird. Niko Kovac übernahm die Mannschaft auf Rang elf und legte am Ende eine nicht mal erträumte Erfolgsserie hin. Die Borussia ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, muss in der Mannschaft aber einiges ändern. Führungsspieler werden gesucht, die für mehr Konstanz sorgen.

SC Freiburg: Das Jahr eins nach Christian Streich, wohin würde es mit dem SCF gehen? Nach oben! Julian Schuster ist ein Kandidat für den Trainer des Jahres, er hat mehr erreicht, als sich alle erträumt haben. Freiburg ist sich treu geblieben, die Europa League der Lohn, auch wenn im „Endspiel“ gegen Frankfurt die CL verspielt wurde.

Mainz 05: Trainer Bo Henriksen hat Mainz in Schwung gehalten, die Conference League ist der Lohn, das 2:2 gegen Leverkusen war ein Spiel für die Geschichte. Gleich vier Mainzer Tore hat der VAR annulliert, gut, dass Rang 6 nicht in Gefahr geriet.

RB Leipzig: Kein Trip nach Europa, große Enttäuschung im Osten. Es war ein verkorkstes Jahr, Trainer Marco Rose fand den Schalter zum Erfolg nicht, das Team war wohl keine Mannschaft, Verletzungspech kam hinzu. Der globale RB-Fußball-Boss Jürgen Klopp könnte am ehesten als Trainer helfen…

Werder Bremen: Eine starke Saison, am Ende war Rang 8 ein Prestige-Erfolg.

VfB Stuttgart: Der Vize-Meister des Vorjahres war zu schwankend in seinen Leistungen, die Belastung in der CL machte sich bemerkbar. Aber ein Endspiel für eine gute Saison steht noch aus, das Pokalfinale am Samstag in Berlin gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld. Damit kann es noch einen krönenden Abschluss geben. Ein Gewinner steht schon fest: Nachwuchsmann Nick Woltemade sorgte für Furore.

Borussia Mönchengladbach: Mal gut, mal schlecht, es hätte mehr werden können als Rang 10. Lange hielt Torjäger Tim Kleindienst die Borussia auf Erfolgskurs, auch als Führungspersönlichkeit, am Ende fehlte er verletzt. Sein Ausfall ist auch für Bundestrainer Nagelsmann bitter.

VfL Wolfsburg: Nach Leipzig der größte Verlierer, die Erwartungen wurden wieder einmal nicht erfüllt. Da fehlt es in der Führung und in der Mannschaft. Es kann nur besser werden.

FC Augsburg: Der Klassenerhalt war frühzeitig geschafft, als man nach Europa schielte, war es mit den guten Ergebnissen vorbei. Elf Spiele war der FCA ohne Niederlage geblieben, Torhüter Finn Dahmen ließ 683 Minuten kein Gegentor zu, doch am Ende gab es vier Niederlagen am Stück und wieder Frust. Jetzt wird sogar über Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurendic diskutiert. Noch in dieser Woche soll es eine Entscheidung geben. Eigentlich ist Platz 12 eher ein Erfolg. Der Wunsch: Der FCA soll attraktiver spielen.

Union Berlin: Die Abstiegszone war eine unerwünschte Region, mit Trainer Steffen Baumgart kam die Wende. Im nächsten Jahr will man wieder höhere Regionen angreifen.

FC St. Pauli: Als Neuling geht es nur um den Klassenerhalt, den schaffte der vorjährige Zweitliga-Meister am Ende ohne größere Probleme und so könnte der Klub als Vorbild für den großen Nachbarn HSV dienen. Endlich wieder ein Hamburger Derby im Oberhaus!

TSG Hoffenheim: Auch Hoffenheim muss sich in den Klub der Enttäuschten (Versager?) einreihen. Wer in Österreich bei Sturm Graz erfolgreich ist, schafft das noch lange nicht in der Bundesliga. Der Umbruch im Verein ging total in die Hose, Trainer Christian Ilzer darf trotzdem bleiben. Weiter abrutschen als Rang 15 darf die TSG aber nicht.

1. FC Heidenheim: Ein Verein zwischen Himmel und Hölle und dennoch hat er immer die Ruhe bewahrt. Im Vorjahr als Neuling Achter, litt das Team von der Ostalb unter der Belastung in der Conference League. Vor zehn Spieltagen war Heidenheim noch Letzter, man besann sich vor allem auf sich selbst, gab die Relegation als großes Ziel aus – und schaffte Platz 16. Trainer Frank Schmidt stand nie in Zweifel, jetzt geht es in der Relegation (Donnerstag und Montag) gegen den Dritten der 2. Bundesliga, dem SV Elversberg, um den Verbleib. Es ist das Duell der Kleinstädte, ein „Dorf“ darf auf jeden Fall den Exot im Klub der Großen spielen.

Holstein Kiel: Die Bundesliga als Erlebnis, wer Neuland betritt, kann scheitern. Die Störche fliegen zurück in die zweite Liga und wollen wieder einmal ein Nest eine Etage höher bauen. Sie haben die Liga durchaus belebt.

VfL Bochum: Einst die Unabsteigbaren hat es den VfL jetzt zum siebten Mal erwischt. Der neue Trainer Dieter Hecking leistete gute Arbeit, aber es reichte nicht. Vielleicht für den Wiederaufstieg, das Ziel ist genannt.

Einen Abschied gab es noch, Schiedsrichter Felix Brych pfiff in Augsburg sein letztes Spiel, er beendet seine Karriere als Rekordmann mit 359 Spielen.

Köln ist Zweitliga-Meister

Die Absteiger Kiel und Bochum werden vom Hamburger SV und dem 1. FC Köln ersetzt, zwei große Namen, die das Oberhaus mit offenen Armen aufnimmt. Der HSV verspielte mit einer 2:3-Niederlage in Fürth noch den Titel, der 1. FC Köln zog mit einem 4:0 über Kaiserslautern vorbei. Das sah schon mal anders aus, auf den letzten Drücker kam Routinier Friedhelm Funkel als Retter und stieg zum siebten Mal mit einem Verein auf! Mit seiner Ruhe brachte er die Zuversicht zurück, die Spieler schwärmen von dem 71-Jährigen, der vielleicht sogar das Abenteuer Bundesliga in Angriff nehmen darf.

Im spannenden Rennen um Platz 3 hatte die SV Elversberg die Nase vorn, siegte 2:1 auf Schalke, das eine enttäuschende Saison hinter sich hat (Rang 14). Paderborn als zweiter Kanidat vergab seine Chance mit einer 0:3-Niederlag ein Karlsruhe. Absteigen müssen Jahn Regensburg und SSV Ulm, Eintracht Braunschweig geht in die Relegation mit dem Dritten der 3. Liga, dem 1. FC Saarbrücken. Beide Saarländer Klubs (auch Elversberg) kämpfen also in der Relegation, gespielt wird hier am 23. und 27. Mai. Aufsteiger in die 2. BL sind Arminia Bielefeld und Dynamo Dresden. Dort wurde groß gefeiert, die Arminia will im Pokalfinale für den großen Coup sorgen. Vor Stuttgart hat Bielefeld reihenweise Bundesligisten ausgeschaltet.

Zeit der Endspiele

Auch wenn im deutschen Fußball die Punktrunden beendet sind, der Fußball bleibt im Gespräch, international stehen oft noch die letzten Spieltage an. Es ist aber neben der Relegation die Zeit der Endspiele und im Sommer kommen die großen Turniere. Das erste bedeutende Finale steigt am Mittwoch in der Europa League mit dem englischen Duell Tottenham Hotspur gegen Manchester United in Bilbao. Es folgt das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin und weiter geht es am 28, Mai in Breslau mit dem Finale der Conference League, Betis Sevilla gegen Chelsea London. Die englischen Klubs sind also gut vertreten, aber nicht im Finale der Champions League am 31. Mai in München. Dort spielen leider nicht die Bayern, sondern Inter Mailand gegen Paris St. Germain. Die Premier League stellt übrigens in der nächsten Saison sechs Mannschaften in der CL, weil der EL-Sieger ja aus England kommt!

In Deutschland gehört die Aufmerksamkeit demnächst den Nationalmannschaften. In dieser Woche werden die Aufgebote für die Nations League bekannt gegeben. Die Männer sind im Endturnier am 4. Juni in München gegen Portugal, das zweite Halbfinale bestreiten Spanien und Frankreich am 5. Juni in Stuttgart. Die Sieger spielen am 8. Juni das Finale aus, die Verlierer spielen um Platz drei (beide in München). Die Frauen müssen noch zwei Gruppenspiele in der Nations League absolvieren, die Entscheidung über den Gruppensieg fällt dabei am 30. Mai in Bremen gegen die Niederlande, danach folgt noch die Aufgabe in Österreich (3.6.).

Nach einem kurzen Urlaub heißt es für die Frauen, sich auf die Europameisterschaft in der Schweiz vorzubereiten, die vom 2. bis 27. Juli in der Schweiz ausgetragen wird. Die Männer haben auch keine Sommerpause, die U21-EM wird vom 11. – 28. Juni in der Slowakei ausgetragen und vom 15.Juni bis 13. Juli gibt es die erste Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften in den USA, Bayern München und Borussia Dortmund sind dabei.

Comeback von Hamburg als Deutschlands Fußball-Hauptstadt

Natürlich beherrschte der Abschied von Trainer Xabi Alonso in Leverkusen und das letzte Heimspiel von Legende Thomas Müller in München die Schlagzeilen, aber fast heimlich, still und leise vollzog sich im Hintergrund ein großer Wandel: Hamburg feierte mit einem Schlag sein Comeback als Deutschlands Fußball-Hauptstadt. Es war ja wirklich großer Zufall, dass am Samstag und Sonntag die Männer und Frauen des Hamburger SV den Aufstieg in die Bundesliga schafften und der FC St. Pauli hat seinen Platz im Oberhaus praktisch auch sicher. Wer bietet also mehr? Das kann keine Stadt vorweisen. Und in Hamburg wurde entsprechend gefeiert, leider auch so übertrieben, dass es beim Platzsturm zahlreiche Schwerverletzte gab. Die Schattenseiten, wenn die Freude die Sinne trübt.

Dass der Jubel bei den HSV-Fans überschäumt, ist allerdings auch verständlich. Sieben Jahre lang haben sie auf den Aufstieg gewartet. Es war über die Jahre hinweg „ein Scheitern zwischen Irrsinn und Blödsinn“ wie die Süddeutsche Zeitung urteilt. Immer wieder war man nah dran, 22/23 fühlte sich der HSV bereits elf Minuten lang als Aufsteiger. Immer wieder versuchten es neue Trainer, aber ob zuletzt Thioune, Walter oder Baumgart – sie scheiterten alle. Da musste erst der junge Merlin Polzin kommen, der einst als Fan in der Kurve stand und der seit 2020 als Assistent sah, wie seine Chefs scheiterten und daraus lernte. Jetzt wird der 34-jährige gefeiert und er darf sich auch in der Bundesliga versuchen, sein Vertrag hat sich automatisch verlängert. Auf Polzin zu setzen war ein Glücksgriff von Sportvorstand Stefan Kuntz, der seine Verpflichtung krönte. Die Bundesliga hat auf den HSV gewartet, er ist zurück. Idol Uwe Seeler hat es nicht mehr erlebt. Er befürchtete, „denen geht es wie Kaiserslautern und anderen, die kommen nie mehr hoch.“ Jetzt gilt es, die Stars wie Muheim, Dompe, Selke oder Glatzel zu halten, um nicht nur ein kurzes Gastspiel im Oberhaus zu geben.

Gefeiert wurde offensichtlich nicht zu ausgiebig, „wir müssen um elf Uhr wieder auf dem Platz stehen“, hatte NLZ-Leiter Horst Hrbusch verraten. Warum? „Wir müssen die Frauen unterstützen, die wollen auch aufsteigen“. Es ist hat sich gelohnt, die Frauen besiegten am Sonntag Freiburg II mit 3:0 und dürfen nun als Dritter neben Union Berlin und dem 1. FC Nürnberg aufsteigen, weil die Bundesliga auf 14 Mannschaften aufgestockt wird. Die Frauen warteten noch viel länger als die Männer, sie waren zuletzt 2003 in der Bundesliga, es ist der vierte Aufstieg. Da allerdings geht Trainer Marwin Bolz, das stand vorher schon fest. Für ihn kommt die Brasilianerin Liese Bemarco, die bei St. Pölten in Österreich erfolgreich in der 1. Liga gearbeitet hat. Auch bei den Frauen gilt: Der Klassenerhalt ist das große Ziel. Neben den beiden HSV-Teams feiert auch der FC St. Pauli, das 2:2 in Frankfurt am Sonntag bedeutet aufgrund der wesentlich besseren Tordifferenz gegenüber dem 16. Heidenheim (-11 zu -24) praktisch den Klassenerhalt. Hamburg hat drei Bundesligisten.

Wo es Tränen der Freude gibt, gibt es auch Tränen der Trauer. Allerdings war das den Fans in Kiel und Bochum nicht anzumerken, deren Lieblinge mit Niederlagen gegen Freiburg bzw. Mainz den Abstieg besiegelten. In beiden Städten wurden auf den Rängen gefeiert und die Mannschaften mit Lobliedern besungen. So nett können Fans auch sein, es gibt nicht nur Krawall. In beiden Lagern gibt es eine Losung: „Wir kommen wieder“. Holstein Kiel lernte das Oberhaus jetzt ein Jahr kennen, für Bochum ist es schon der siebte Abstieg. Man hat also Erfahrung. Bei beiden Teams bleiben die Trainer Marcel Rapp bzw. Dieter Hecking am Ruder.

Große Verluste für die Bundesliga

Bei ihren letzten Heimspielen in der Bundesliga wurden Thomas Müller und Xabi Alonso gefeiert. Der eine bekam keinen Vertrag mehr und wird zumindest bei den Bayern seine Karriere beenden, den anderen lockt Real Madrid. Beide sind ein großer Verlust für die Bundesliga.

Thomas Müller war ein Gesicht der Bundesliga, nicht nur des FC Bayern. „Radio Müller“ war immer auf Sendung, immer für einen Spruch gut, er sorgte vor allem auch für gute Stimmung in den Kabine, sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft. Müller hat quasi alles gewonnen, zum Abschied erhielt er ein Bild mit ihm inmitten von Unmengen an „Silberware“. Das letzte Heimspiel war genau sein 750. Pflichtspiel für die Bayern. Es passte wie in einem guten Film, dass die Bayern danach als Meister geehrt wurden und Müller mit Kapitän Neuer die Schale in Empfang nehmen konnte. 13 Titel hat er gewonnen – Rekord! Er wird noch einmal am Samstag beim Auswärtsspiel in Hoffenheim zu sehen sein und mit zur Klub-Weltmeisterschaft im Juni fahren. Danach werden wir bald merken, wie sehr er uns fehlen wird. Die Bayern wären gut beraten, ihn irgendwie im Verein weiter einzubauen.

Mit Xabi Alonso erlebte Bayer Leverkusen ein Märchen. Man muss sich daran erinnern, dass Bayer im Oktober 2022 in Abstiegsgefahr war, als der Trainer-Neuling verpflichtet wurde. Alonso verhinderte nicht nur den Abstieg, er machte aus Vizekusen ein Meisterkusen. Alonso sagt selbst zum Abstiegskampf, „ich vergesse die schweren Wochen nicht“ und zum Meisterjahr „an diese Zeit werden wir uns in 20 Jahren noch erinnern“. Erstmals blieb eine Mannschaft in der Meisterschaft ungeschlagen, Bayer gewann auch den Pokal und musste erst im Finale der Europa League seine erste Niederlage hinnehmen. In dieser Saison haperte es offensichtlich zum Saisonstart, als die Konzentration bei den Spielern fehlte, „es gab zu viele dumme Unentschieden“, klagt Alonso. Der FC Bayern war einfach beständiger. Alonso zieht es zu Real Madrid, wo der Spieler Alonso als Held verehrt wurde. Ein Nachfolger ähnlicher Güte ist im Gespräch, der 38-jährige Cesc Fabregas, einst ebenfalls ein Weltklassespieler, der in Como gerade seinen Abschied verkündete. An ihm sind allerdings auch Vereine in England und der RB Leipzig dran. Auch Erik ten Hag (einst bei den Bayern bei den Amateuren tätig und zuletzt Manchester United) ist im Gespräch.

Leverkusen ist diesmal Vizemeister, kann sich aber mit einem Sieg in Mainz mit dann 34 Auswärtsspielen ohne Niederlage noch als neuer Rekordhalter verabschieden. Dahinter hat Eintracht Frankfurt allerdings seine gute Ausgangsposition auf die Champions League mit dem 2:2 gegen St. Pauli aus der Hand gegeben. Mit 57 Punkten bleibt Frankfurt Dritter, hat aber am Samstag bei Verfolger Freiburg (55) noch ein unnötiges Endspiel und auch Dortmund mischt weiter mit. Die Borussia bleibt im Aufwind, siegte in Leverkusen 4:2 und hat mit 54 Punkten die Europa League sicher. Letzter Gegner ist Absteiger Kiel, da sollte die Erfolgsstory nicht enden, doch was kommt am Ende raus? Die große Überraschung bleibt Freiburg mit Julian Schuster als Streich-Nachfolger. Mainz und Leipzig dahinter haben zuletzt zu sehr geschwächelt und kämpfen nur noch um den Platz in der Conference League.

Am Tabellenende geht es nur noch um die Relegation, die wohl der 1. FC Heidenheim bestreiten wird, der damit sein Ziel, das er vor Wochen im Abstiegskampf festlegte, erreicht hat. „Ein Dorf gibt nicht auf“ schrieb die Bild am Sonntag. Von einem Dorf kann bei der Stadt mit ca. 50000 Einwohnern nicht die Rede sein. Köln hat vor dem „Endspiel“ gegen Kaiserslautern beste Aussichten auf den zweiten Aufstiegsplatz, aber dahinter lauert Elversberg, ein wirkliches Dorf, nein eine Kleinstadt mit 7800 Einwohnern. Aber auch Paderborn und Düsseldorf spielen im Aufstiegskampf noch mit. Aber eine Relegation zwischen Heidenheim und Elversberg hätte etwas.

Wolfsburg Vizemeister bei den Frauen

Am letzten Spieltag der Frauen-Bundesliga ging es nur noch um Platz zwei hinter Bayern München und die direkte Qualifikation für die Champions League. Der VfL Wolfsburg verteidigte dabei seinen Platz als Vizemeister mit einem 3:1-Sieg gegen Leverkusen, so dass Eintracht Frankfurt nicht mehr vorbeiziehen konnte und als Dritter in die Qualifikation muss. Bezeichnend, bei Wolfsburg brachten mit Brand und Jonsdottir zwei Spielerinnen den VfL auf die Siegesstraße, die den Verein wie viele andere auch verlassen werden. Da steht ein großer Umbruch bevor und es muss sich zeigen, ob die Wölfinnen auch künftig die große Rolle neben oder hinter Bayern München, das sich eher verstärken will, spielen können. Ohne einen einzigen Sieg musste das früher so erfolgreiche Turbine Potsam die Bundesliga wieder verlassen. Dafür steigen aus der zweiten Liga, wie beschrieben, Union Berlin, 1. FC Nürnberg und der Hamburger SV auf. Große Namen, die der Attraktivität der Frauen-Bundesliga sicherlich guttun.

Eishockey-WM: Ein Moritz soll es immer richten

Max und Moritz sind in Deutschland ein Begriff, die Lausbuben-Geschichten begeistern die Kinder. Im Eishockey muss der Moritz ohne Max auskommen und wenn ein Moritz fehlt, dann steht der nächste parat. Auch vor der Weltmeisterschaft in Schweden und Dänemark, die am Freitag beginnt, soll es im deutschen Team ein Moritz richten. Nachdem Kapitän Moritz Müller ausfällt, liegt die Last vor allem auf Moritz Seider, der Abwehrmann der Detroit Red Wings ist auch der neue Kapitän.

Mit Aufwind geht die deutsche Mannschaft ins Turnier im dänischen Herning, wo die eine Achter-Gruppe ausgetragen wird, die andere in Stockholm. Deutschland rechnet sich etwas aus, die Spieler reden ungeniert vom Ziel Medaille, Bundestrainer Harold Kreis ist da als 66-jähriger erfahrener Coach vorsichtiger: „Unser erstes Ziel ist das Viertelfinale.“ Allerdings meinen auch die Fans nach dem Gewinn der Silbermedaille 2023, dem Halbfinale 2021 und zweimal dem Viertelfinale 2022 und 2024, es darf ruhig wieder etwas mehr sein. Im Vorjahr war gegen den späteren Silbergewinner Schweiz im Viertelfinale Endstation. Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft könnte aber das Interesse in Deutschland am Eishockey weiter steigern bzw. festigen. Die DEL ist nämlich stolz auf einen Zuschaueranstieg, es kamen so viele Fans wie nie zu den Spielen, insgesamt rund 3,2 Millionen. Rekorde in der Hauptrunde mit 7781 Zuschauern im Schnitt und in den Play-Offs mit 10.678, wo erstmals die Zehntausendermarke übertroffen wurde. Kein Wunder, dass auch der übertragende TV-Sender MagentaSport zufrieden ist, der mit 27,3 Millionen Zuschauern einen Zuwachs von zehn Prozent meldet.

Was aber die Qualität angeht, vor allem die Ausgeglichenheit, da gibt es leise Zweifel. Zu überlegen waren die Eisbären Berlin, die im Play-Off-Finale die letzten drei Spiele gegen Köln alle mit 7:0 gewannen. Von Spannung konnte da keine Rede sein. Kein Wunder aber, dass der Bundestrainer auf die Eisbären setzt, gleich sieben Berliner befinden sich im WM-Kader. Noch wichtiger aber, dass deutsche Spieler auch in der NHL für Furore sorgen, am meisten der großen Star Leon Draisaitl, doch der ist mit den Edmonton Oilers noch in der Endrunde beschäftigt und träumt weniger vom WM-Pokal, sondern vom Stanley Cup. Vier Spieler aus Nordamerika sind aber dabei, neben Seider Torhüter Philipp Grubauer (Seattle) sowie Lukas Reichel (Chicago), und Maksymilian Szuber (Tucson). Tim Stützle (Ottawa) ist noch im Gespräch, wird aber wohl fehlen. Die deutsche Mannschaft sollte ihre Stärke im Angriff haben, die Abwehr könnte dagegen zur Achillesferse werden. Da sind dann die Torhüter gefragt, neben Grubauer gilt Mathias Niederberger (München) als starker Rückhalt, der dritte Mann ist Arno Tiefensee (Mannheim).

Gegenüber den letzten Jahren steht das DEB-Team vor einer neuen Reihenfolge der Gegner. Es kommen nicht zuerst die Großen, sondern eher die Nationen, die geschlagen werden müssen, wenn es als einer der besten vier Teams ins Viertelfinale gehen soll. Der Start am Samstag ist gegen Neuling Ungarn, danach folgen am Sonntag Kasachstan und am Dienstag Norwegen (jeweils 16.20 Uhr), dies sind die Nummern 18, 15 und 12 der Weltrangliste (Deutschland ist 8.). Danach wird es interessanter mit der Schweiz (5., Donnerstag, 15.5.), USA (6./Samstag), Titelverteidiger Tschechien (4./Montag) und zum Schluss am Dienstag (20.5./20.20 Uhr) Gastgeber Dänemark, der mit den Fans im Rücken als Ranglisten-Elfter zu jeder Überraschung fähig sein sollte. Ein Spaziergang wird es also nicht, wie schon das letzte Testspiel mit einer 2:5-Niederlage gegen die USA zeigte.

Vor den WM-Turnieren ist seit Jahren eigentlich kein wirklicher Favorit auszumachen, weil die Stärke der Teams meist von den Abstellungen aus der NHL abhängt. Da wiederum gilt die WM auch als kleiner Test für die Olympischen Spiele 2026 in Mailand, wenn die NHL pausiert und alle Stars abstellt. Diesmal machte Rekord-Weltmeister Kanada auf sich aufmerksam, weil die Superstars Sidney Crosby (Pittsburgh) und Nathan MacKinnon (Colorado) im Kader stehen. Tschechien vertraut auf den viertbesten NHL-Skorer David Pastrnak (Boston) und Schweden will ins Finale im heimischen Stockholm, wo das Finale ausgetragen und zuerst die Gruppe A mit Schweden, Kanada, Finnland, Slowakei, Lettland, Österreich, Frankreich und Slowenien spielt.