Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Amateurfußball

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

Werbeanzeigen

Wenn der Profi-Fußball gar nicht professionell ist

 

Zweistellige Millionensummen an Ablöse und horrende Gehälter (oft auch zweistellig) sorgen für Schlagzeilen, die Vereine rühmen sich mit ständig steigenden Umsätzen (die Bundesliga hat die Schallmauer von drei Milliarden Euro durchbrochen), die Stars sind berühmt wie Filmschauspieler, sie leben oft ein bisschen in einer eigenen Welt und kleinere Probleme tun sie oft oberflächlich ab mit dem Hinweis „wir sind ja Profis“. Das ist der schöne Profi-Fußball, doch manchmal verhalten sich die Profis gar nicht professionell. Bevor der Fußball in aller Welt wieder auf Hochtouren läuft, zeigt der Sport-Grantler an einigen Beispielen auf, wo es fehlt.

Die Nächte: Gerade bei Spitzenklubs verdienen die Profis ein Haufen Geld und dann kann man auch erwarten, dass die Herren Millionäre in allen Bereichen ein profimäßiges Verhalten an den Tag legen. Tun sie aber nicht. Das Beispiel Max Kruse bei Werder Bremen zeigt es: Der Stürmer baute früh um 4.00 Uhr einen Unfall auf der Autobahn, als er bei Glatteis von der Fahrbahn rutschte. Um 10.00 Uhr war er zwar pünktlich beim Training, doch professionell ist eine Nachtfahrt vor den Übungseinheiten nicht. Er ist bei weitem kein Einzelfall, oft machen Fußballspieler Schlagzeilen mit Barbesuchen bei Nacht, professionelles Verhalten sieht anders aus.

Die Öffentlichkeit: Interviews für die Presse und Autogramme für die Fans gehören zu den vertraglichen Verpflichtungen. Für manche sind sie ganz einfach Pflichtübungen, keine Selbstverständlichkeit. Interviews werden gerne gegeben, wenn die Mannschaft gewonnen hat, bei Niederlagen verdrücken sich die meisten Spieler. Professionell ist das nicht. Genauso gegenüber den Fans, die oft lange auf ihre vergötterten Stars nach Training oder Spiel warten, dann kalt abserviert und keines Blickes gewürdigt werden. Sie aber machen die Spieler erst zu Stars, die manchmal auf einem zu hohen Ross sitzen. Professionell ist das nicht und müsste von vielen Vereinen entsprechend sanktioniert werden.

Die Trikots: Die Fußballklubs rühmen sich oft selbst über ihre großartige Organisation, aber manchmal sind sie einfach amateurhaft. Das darf es einfach nicht geben, dass sogar bei Länderspielen oft Mannschaften ohne Spielernamen auf den Trikots antreten. Das müssen die Verbände verbieten! Der Zuschauer im Stadion hat vielleicht noch ein Programmheft und kann die Spieler anhand der Rückennummern identifizieren, der Zuschauer am Bildschirm aber nicht. Jede Mannschaft muss in der Lage sein, vor einem Spiel, das im Fernsehen übertragen wird, die Trikots entsprechend zu beflocken. Außerdem sollten die Verbände zu einer einheitlichen Regelung finden. Einmal ist der Vereinsname oben über der Nummer, dann wieder der Spielername. Nicht einmal in der Bundesliga ist das einheitlich. Das Verbandslogo müssen alle tragen, dann aber auch bitte eine einheitliche Regelung bei den Trikots. Der Spielername gehört nach oben, damit der Spieler eben auch schnell erkannt werden kann. Außerdem muss es einen einheitlichen Sprachgebrauch geben. Da haben viele Spieler einen Künstlernamen, einmal wird dieser Name genannt, dann wieder sein richtiger. Zu lesen waren schon in manchen Berichten zwei Namen. Zum Beispiel wird der Mainzer Spieler Jairo Samperio einmal nur Jario, dann wieder Samperio genannt. Oder der Mexikaner Javier Hernandez bei Bayer Leverkusen, genannt „Chicharito“ (die kleine Erbse). Chicharito steht auf dem Trikot, Hernandez in der Aufstellung. Wer sich nicht auskennt, sagt sich „haben die mit zwölf Mann gespielt?“ oder fragt: „Warum spielt der Hernandez nicht?“

Die Belastung: Manchmal hat man den Eindruck, die Fußball-Stars wollen gern Millionen verdienen, aber nur für einen Hungerlohn arbeiten. Klagen über die Belastung, wenn sogenannte „englische Wochen“ anstehen, wenn also unter der Woche gespielt werden muss, gehören sich nicht. Viele Athleten anderer Sportarten schauen mit Neid auf den Fußball, wo viel verdient, aber oft auch weniger getan wird als in anderen Sportarten. Hier stellt sich die Frage, ob der Fußball trainingstechnisch wirklich alles ausgeschöpft hat. Unverständlich zum Beispiel, dass ein Profi-Fußballer mit links und rechts nicht gleichstark operieren kann. Das sollte man zumindest in der Jugend lernen, wenn man Profi werden will. Seltsam: Viele Torhüter können das problemlos, Welttorhüter Manuel Neuer schlägt die Bälle exakt mit links und rechts zu seinen Mitspielern. Das muss jeder können!

Diese Aufzählung nur als kleine Beispiele, die aufzeigen, dass der Profi-Fußball oft auch nur eine schöne Scheinwelt um sich aufbaut. Hinter den Kulissen schaut es oft gar nicht professionell aus!