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Tag: Bayern München

Juve und das „lachende Triple“

Cardiff war das Ziel aller Träume in der Champions League, der 3. Juni ist jener Samstag, bis zu dem die Klubs aller Nationen gerne ihre Saison verlängert hätten. Nur zwei konnten es schaffen, dass der eine davon Titelverteidiger Real Madrid ist, überraschte niemanden, dass Juventus Turin der Gegner ist, war zwar für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich gehalten worden. Der FC Barcelona muss ebenso zuschauen wie der FC Bayern München, für den die Saison sogar schon vorzeitig beendet ist. Mit dem fünften Meistertitel in Folge, ein Rekord in Deutschland, ein Titelansammlung, die auch die „alte Dame“ Juve in Italien geschafft hat. Und Juve kann noch mehr schaffen, könnte neben Bayern und Real der „lachende Dritte“ sein, in diesem Fall das „lachende Triple“ erreichen, was Real (im nationalen Pokal vorzeitig ausgeschieden) nicht mehr möglich ist. Juve hat bereits das nationale Double, Real will das bedeutendere Double von Champions League und Meisterschaft holen. Es geht also um mehr als nur den Henkelpott der UEFA.

In Turin träumen sie seit Jahren von einem Triumph auf europäischer Bühne, der letzte Erfolg in der Champions League gelang 1996. Italiens Fußball drohte in den letzten Jahren den Anschluss an die großen Nationen zu verlieren. In der UEFA-Fünfjahreswertung liegen Spanien, Deutschland und England vor Italien, die Zuschauer zeigten den Klubs der Serie A oft genug die kalte Schulter, dafür sorgten Hooligans und Rechtsradikale immer wieder für Ärger. Der Profi-Fußball war keine Erfolgsgeschichte mehr, sondern eher ein Sorgenkind.

Das hat sich zuletzt gebessert und Italiens Fußball befindet sich im Aufwind. Auch Juventus Turin, einst im Rahmen eines Bestechungsskandals sogar in die zweite Liga verbannt, wurde vom Sorgenkind zum Leuchtturm des italienischen Fußballs. Vor Cardiff heißt es jetzt respektvoll: Wer will Real schlagen? Juve – wer sonst!

Andere Vereine träumen vom „Triple“ (siehe Kommentar vom 2. Mai: „Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple“), Juve kann es schaffen. Wenn nicht Juve – wer sonst! Gegen Real Madrid spricht außerdem, dass es in der Champions League noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung gab. Auch ein Anreiz für Cristiano Ronaldo und Co.! Für Juve spricht, dass Trainer Massimiliano Allegri über die Jahre hinweg ein Team „mit preußischem Stehvermögen und spielerischen Glanzpunkten“ (Süddeutsche Zeitung) geformt hat. Die BBC-Abwehr gilt als schier unüberwindbar, die Herren Barzagli, Bonucci und Chiellini sind in die Jahre gekommen, aber noch nicht alt, sondern nur alt genug, um allen Stürmern zu trotzen. Sie haben auch keine Angst vor CR7. Und dahinter will sich Gigi Buffon den großen Traum erfüllen, endlich die Champions League zu gewinnen. „Alle anderen Trophäen habe ich schon“, sagt der Welt- und Europameister, „aber für diesen Henkelpott läuft mir langsam die Zeit davon“. Könnte sein, dass der bald 40jährige seine Karriere nicht vor dem großen Sieg beendet. Oder ist er am Samstag am Ziel?

Es ist die Stärke des italienischen Meisters, dass nicht nur das Abwehrbollwerk eine Macht ist, sondern dass mit Cuadrado und dem Deutschen Sami Khedira Wucht und spielerischer Glanz im Mittelfeld gegeben ist, dass der Brasilianer Dani Alves in seinem dritten Frühling wieder zu alter Klasse fand und dass mit Dybala und Higuain Tore keineswegs Mangelware sind. Dies zeigt, Juventus Turin kann es mit Real Madrid und Zinedine Zidane aufnehmen, kann Ronaldo, Kroos, Modric, Benzema und Co. stoppen. Die Sympathien werden den Italienern gehören, allein, weil es wohl ihre letzte große Chance ist. Und Juve kann in Cardiff das „lachende Triple“ schaffen.

Profis wollen den Amateuren den Feiertag rauben

Wenn die nationalen Meisterschaften im Fußball beendet sind, steht in den meisten Verbänden dennoch ein weiterer Festtag des Fußballs auf dem Programm: Das Pokalfinale (unabhängig von den Finalspielen in den europäischen Wettbewerben). Der Vorteil: Die Saison endet, zum Beispiel in Deutschland, doch mit einem echten Endspiel, nachdem es mit der Einführung der Bundesliga im Kampf um die Meisterschaft ein Finale nicht mehr gibt. Der ständige Austragungsort Berlin mauserte sich dabei zu einem echten Anziehungspunkt, „wir fahren nach Berlin“ wurde zu einem beliebten Schlachtruf. Der Pokal ist populär.

Der Pokalwettbewerb endet in Deutschland mit einem Fest des Fußballs, er beginnt bisher fast schon traditionell mit einem Feiertag, bevor die Bundesliga in die Punktrunde startet. Richtig, ein Feiertag – für die Amateure. Ist das Ziel nämlich erreicht, über den Landesverbandswettbewerb den Pokal auf Bundesebene zu erreichen und dann einen Bundesligisten als Gegner zu haben (Highlight ist natürlich der FC Bayern München), dann fiebert jedes Dorf oder Kleinstadt diesem Ereignis entgegen, dass für manche kleine Vereine nicht nur ein großer Zahltag, sondern fast schon ein geschichtsträchtiges Ereignis ist.

Diesen Feiertag will der Profi-Fußball den Amateuren allerdings rauben. Schon lange ist der Deutschen Fußball-Liga (DFL) der Pokalspieltag vor dem Auftakt der Bundesliga ein Dorn im Auge, obwohl er auch ein wenig PR für die Eliteliga bedeuten kann. Nein, die Profis fürchten die zusätzlichen Strapazen, vor allem für die Vereine, die auf Europas Bühne aktiv sind. Vor allem die FIFA versucht ihre Wettbewerbe aufzublähen, um mehr Geld zu kassieren. Die nationalen Verbände dagegen suchen als Gegenmittel nach Möglichkeiten, die Belastungen für die Spieler eher zu reduzieren. Da soll auch eine Reform des Pokals helfen, allerdings sind die ersten Vorschläge, die öffentlich wurden, unausgegoren.

Der DFL-Vorschlag für die Verhandlungen mit dem DFB sieht angeblich vor, dass das Starterfeld von 64 auf 182 Klubs für die erste Runde erweitert wird. Auf den ersten Blick sieht es aus, als wenn der Versuch der Reduzierung konterkariert wird. Nein, so ist es nicht. In der ersten Runde sollen 122 Amateurvereine eine Qualifikation spielen, danach gibt es eine Vorrunde mit 128 Mannschaften, an der erstmals auch elf Bundesligisten teilnehmen sollen, aber nicht die sieben möglichen Vereine, die in Europa starten. Also wird es nichts mit dem FC Bayern München. Danach soll es wie gewohnt mit dem Achtelfinale bis zum Finale weitergehen, würde also für die Europa-Starter wie bisher sechs Pokalspieltage bedeuten. Es gibt für sie also keineswegs weniger Spiele, sie greifen nur später ein.

Um den DFL-Vorschlag den Amateuren attraktiv zu machen, wird natürlich mit Geld gelockt. Liegen bisher 4,3 Millionen Euro für die Amateure parat, soll diese Summe auf 13 Millionen Euro gesteigert werden und es würden mehr Vereine von der Ausschüttung profitieren. 15.000 Euro sieht der Vorschlag für die Qualifikation vor. Doch ist dies wirklich attraktiv? Die Amateure verlieren ihren Feiertag, sie verlieren aber auch viel von ihrer Chance, vor Beginn der Bundesliga eher für eine Überraschung sorgen zu können. Vor dieser Blamage in der ersten Pokalrunde haben die Bundesligisten Angst. Da erwischte es schließlich sogar schon den FC Bayern München. Später sind die Herren Profis schon besser in Form, im Spielbetrieb und die Amateure vielleicht ein bisschen müde.

Nein, eine Pokalreform ist Quatsch. Die erste Runde mit einer Qualifikation der Amateure würde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, in der alten Form aber, freuen sich die Fußball-Fans auf die ersten Pokalrunde, die quasi die neue Saison einläutet, wenn auch, wie zuletzt, die 2. Bundesliga früher beginnt. Der Pokal darf seinen besonderen Reiz nicht verlieren.

Am Samstag, 20. Mai, darf er in Berlin wieder sein Finale feiern. Borussia Dortmund ist dort fast schon Stammgast und giert nach einem Titel, während Eintracht Frankfurt eine zwiespältige Saison mit einer starken Vorrunde und einer schwachen Rückrunde in der Bundesliga noch krönen könnte. Bayern München ist diesmal nur Zuschauer. Der Pokal macht es möglich, die Bayern zu stoppen. In der Bundesliga waren die Gegner in den letzten fünf Jahren machtlos und mussten immer zusehen, wie die Bayern feiern.

Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

Bundesliga-Drama auf den Fußball-Bühnen Europas

Auf den Theaterbühnen der Welt wird rezitiert, gesungen, gelacht, geweint, geschimpft, gelogen, betrogen, ja sogar gemordet (natürlich nicht wirklich, sonst gingen den Bühnen ja die Schauspieler aus). All dies zum Vergnügen des Publikums, das, je nach Qualität der Aufführung, begeistert ist oder auch mal buht. Besonders beliebt sind die Dramen, erregende Schauspiele mit einem traurigen Geschehen.

All das, was die Bühnen der Welt ausmacht, erlebte die Bundesliga auf den Fußball-Bühnen Europas. Ja, es wurde sogar versucht, wirklich zu morden. Der Anschlag eines habgierigen Deutsch-Russen auf Borussia Dortmund muss Verständnis dafür wecken, dass die Westfalen im Vergleich mit dem AC Monaco nicht ihre beste Leistung bringen konnten. Es war fast schon ein unmenschlicher Akt, dass die Spieler einen Tag nach dem Attentat wieder auf dem Platz stehen mussten und innerhalb einer Woche drei Spiele bestreiten mussten. Vielleicht war dies sogar gut für die Angst-Aufarbeitung, aber die sportliche Leistung musste leiden. Dennoch: Unter dem Strich bleibt das Bundesliga-Drama mit dem Ausscheiden aller deutschen Klubs in der Champions- und Europa League jeweils im Viertelfinale, wobei nicht nur Dortmund, sondern auch Bayern München und Schalke 04 nicht ohne Drama von der Bühne abtraten. Es war insgesamt ein trauriges Geschehen.

Die Bundesliga hat in diesen Wochen an Reputation verloren. Erstmals seit 2009 gibt es keinen deutscher Vertreter im Halbfinale der Champions League. Die Bayern waren zuletzt fünfmal hintereinander im Halbfinale, 2013 der Glanzpunkt mit einem deutschen Finale und dem glorreichen Triple der Bayern. Heute: Ein Drama. Die Bundesliga behält in der Europa-Rangliste zwar Platz zwei hinter den erfolgreichen Spaniern, aber die Tendenz ist fallend. Dies bestätigt auch der Blick auf die Bundesliga-Saison 2016/17, wo die Top-Klubs allesamt Schwächen zeigen, ganz im Gegensatz zu den Ligen in Spanien, England, Frankreich und Italien. Klar, die Öffentlichkeit liebt Überraschungen von Underdogs wie im Vorjahr von Leicester City in England, aber sie sollten nicht einhergehen mit einem Leistungsabfall der Großen. Das ist in Deutschland so mit Ausnahme von Bayern München.

Ob die Emporkömmlinge von RB Leipzig und der TSG Hoffenheim im nächsten Jahr auf Europas Bühnen für Furore sorgen können, ist noch höchst zweifelhaft. Sie bringen zwar viel Schwung ins Geschehen, aber Bundesliga und die Champions League mit ausgefuchsten Teams und Trainern sind zwei Paar Stiefel. Da sind schon Zweifel angebracht, andererseits gibt es vielleicht große Überraschungen in den Schauspielen. Es muss nicht unbedingt ein Drama sein. Andererseits: Deutsche und Engländer müssten sich mal Gedanken machen, was die Spanier haben, was sie nicht haben. Die spanische Dominanz auf Europas Bühnen ist schon auffällig. Das kann doch nicht daran liegen, dass die Spanier die Dramen lieben?

Nun, die deutschen Entschuldigungen für die schlechten Aufführungen wecken Verständnis. Dortmund litt unter dem Anschlag, München litt unter einem schwachen Schiedsrichter. „Die Schiedsrichter sollten nicht die Pokale verteilen“ hatte der Sport-Grantler am 4. April geschrieben, als wenn er es geahnt hätte. Der Ungar Viktor Kassai hievte Real Madrid mit anerkannten Abseitstoren ins Halbfinale, von einem „Unparteiischen“ zu sprechen, verbietet sich. Fünf zu zwei lauteten seine Fehlentscheidungen zu Gunsten von Real, aber sieben folgenschwere Fehler in einem Spiel dürfen einem internationalen Top-Schiedsrichter nicht passieren. Das reicht normal für eine ganze Saison. Kassai muss mehrere Lehrgänge absolvieren oder aus dem Verkehr gezogen werden.

Auch Schalke 04 wollte in der Europa League nicht ohne Drama ausscheiden, 120 Minuten wirkten wie ein Abbild der Saison, einen ständiges Auf und Ab. Nach einer 3:0-Führung war das 0:2 aus dem Hinspiel gegen Ajax Amsterdam umgekehrt worden, doch dann Fehler und der Gegner traf sogar in Unterzahl.

Die Deutschen also im Halbfinale nur Zuschauer, die Fernsehsender werden sich fragen, für was sie viel Geld bezahlt haben und es leichter verschmerzen, wenn sie bei der neuen Vergabe der Fernsehrechte leer ausgehen. Für die deutschen Fans könnte das zu einem neuen Drama führen. Und was die Zukunft von Bayern München angeht, schließlich gilt der Meister als einer der drei besten Klubs in Europa, da muss man schauen, was kommt. Aber das ist ein eigenes Thema. Hauptsache die Zukunft wird nicht zum Drama.

Die Probleme mit den Länderspielen

Im Volksmund heißt es „wer bezahlt, schafft an“. Das ist im Profi-Fußball keineswegs so. Die Vereine bezahlen die Spieler, aber sie sind machtlos, wenn diese von den Verbänden angefordert werden und oft die Leidtragenden, wenn ihre Profis dann verletzt zu den Klubs zurückkehren, quasi als „totes Kapital“. Kein Wunder also, dass die Vereinigung der Profi-Klubs, die sich praktisch als Schutzgemeinschaft gegründet hat, hier Änderungen anstrebt und die Abstellungen zu Nationalmannschaften reduzieren will. Kein Wunder, dass die Trainer diese Länderspielpausen nicht gerne sehen. „Ich habe Angst vor den Länderspielen“, sagt zum Beispiel Bayern Münchens Coach Carlo Ancelotti, denn er weiß aus Erfahrung, „immer kommt einer verletzt zurück“. Besonders anfällig ist hier Chiles Star Arturo Vidal, der sich für sein Heimatland ins Zeug legt, aber eben auch bei den Bayern als Abräumer im Mittelfeld und Dampfmacher dringend gebraucht wird, wenn der Traum vom Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Gewinn Champions League) Wirklichkeit werden soll.

Gerade die Länderspielpause jetzt Ende März liegt denkbar ungünstig. Es stehen in aller Welt wieder Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland an, die Zeit wird aber auch für Freundschaftsspiele genutzt. Aber nach gerade zwei oder drei Spieltagen (je nach Land, die Bundesliga schiebt am 4./5. April einen Wochenspieltag ein) stehen die wichtigen Spiele im Viertelfinale der Champions League an, die innerhalb von zwei Wochen (11./12. und 18./19. April) durchgepeitscht werden. Es könnte also sein, dass Spieler, die verletzt von ihren Nationalmannschaften zurückkommen, bis zu diesen wichtigen Begegnungen ihres Vereins ihre Blessuren noch nicht auskuriert haben. Sie haben gerade zwei bis drei Wochen Zeit. Die Vereine bezahlen, schaffen aber nicht an!

Freilich, Verletzungen können in jedem Training oder jedem Spiel des Vereins passieren, aber es ist schon seltsam, dass Klubs wie Bayern München fast bei allen Abstellungen Spieler haben, die verletzt von ihren internationalen Einsätzen zurückkommen. Gut, WM- oder EM-Qualifikationsspiele müssen sein (zumindest so lange, bis die Bosse bei FIFA oder UEFA in den Sinn kommt, ein WM-Turnier mit allen Mitgliedsverbänden zu spielen!), aber die normalen Länderspiele, die Freundschaftsspiele, sind in Verruf gekommen. Müssen sie sein? Der Fan lässt sich da nicht mehr begeistern, die Stadien sind nicht mehr voll, weil die Attraktivität fehlt und die Trainer zu Experimenten neigen, also nicht alle Stars auf dem Feld stehen. Ein Teufelskreis, der die Probleme mit den Länderspielen deutlich macht.

Jeder muss Verständnis für die Trainer haben, eine gute Lösung für alle gibt es aber nicht. Die ist auch der Nationen-Cup nicht, der im nächsten Jahr neu eingeführt wird. Hintergedanke: Die normalen Länderspiele sollen aufgewertet werden, der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, es geht um was. Viele Trainer haben schon abgewunken und angekündigt, dass sie dann eben bei diesem Wettbewerb auf den Pokal verzichten und die Spiele lieber als Test nehmen. Die Vereine meutern sowieso und wollen einen Riegel vorschieben: Keinesfalls mehr Spiele, lieber weniger. Gibt es künftig also keine Länderspiele mehr?

Der Deutsche Fußball-Bund serviert seinen Fans zunächst einmal attraktive Länderspiele. Könnte sein, dass dann die Stadien trotz der „wertlosen“ Spiele voll sind, weil die Gegner England (Mittwoch, 22. März in Dortmund), Spanien und Brasilien (nächstes Jahr im März)) attraktiv sind. In Dortmund absolviert Publikumsliebling Lukas Podolski zudem sein Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft. Der Jubel ist also gewiss, doch die Probleme um die Länderspiele bleiben. Und nicht nur Carlo Ancelotti wird zittern.

Champions League: Machen die Favoriten den Weg frei?

Im Herbst das Vorgeplänkel, im Frühjahr die Entscheidung. Im europäischen Fußball geht es jetzt erst richtig los, wenn in der Champions League (CL) das Achtelfinale und in der Europa League (EL) die Zwischenrunde mit 32 Klubs ab Dienstag, 14. Februar anstehen. Die K.o.-Phase, das ist es, was die Fans sehen wollen. Die Finals finden am 24. Mai in Solna (Schweden/EL) und 3. Juni in Cardiff (Wales/CL) statt. Es könnte sein, dass auf dem Weg dahin einige Favoriten straucheln, denn die Formkurve der Spitzenteams in Europa ist sehr dubios. Die Frage also: Machen die Favoriten den Weg frei?

In der Europa League wird es sowieso einen neuen Titelträger geben, denn der Seriensieger der letzten Jahre, der FC Sevilla, hat es diesmal ins Achtelfinale der Champions League geschafft und gibt gerne den EL-Pott mal weiter. Die Spanier siegten die letzten drei Jahre, davor schaffte es 2013 der FC Chelsea. Auch diesmal könnte ein englischer Klub profitieren, Manchester United gilt als Favorit. Die nächste Hürde heißt AS St. Etienne und sollte eigentlich kein Stolperstein sein. Auch die deutschen Klubs träumen vom Finale, Borussia Mönchengladbach stieg aus der CL ab und hat den AC Florenz in einem offenen Duell als Gegner, Schalke 04 zog als Gruppensieger in die nächste Runde ein und fürchtet gegen PAOK Saloniki vor allem die heißblütigen griechischen Fans. Wie auch immer, die Europa League wird weiter im Schatten des großen Bruders Champions League bleiben.

Die großen Vereine Europas haben auch ihre Probleme, sie suchen ihre Form. Titelverteidiger Real Madrid gilt zwar erneut als Favorit, doch zwei Aspekte stehen dagegen: Erstens der Fluch des Siegers, denn bisher konnte noch kein Klub den Titel erfolgreich verteidigen, zweitens die Form, denn seit dem Ende der Rekord-Siegesserie in der „La Liga“ in Spanien mit 40 ungeschlagenen Spielen konnte Real kaum überzeugen, wenn es auch die Tabelle in Spanien nach wie vor anführt. Das geht nur deshalb, weil auch der FC Barcelona schwächelt und immer wieder überraschend Punkte abgibt. Abgefallen ist auch Atletico Madrid, das zuletzt die großen Klubs ärgerte und 2014 und 2016 im Finale von Real jeweils nur unglücklich unterlag. Aber jetzt ist der Wurm drin, Trainer Diego Simeone, bekannt als „Heißmacher“ an der Linie, mosert über fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Da gewinnen wir leichter in der Champions League als in Spanien.“ Im Achtelfinale könnte Bayer Leverkusen der Leidtragende sein. Die Deutschen sind jedenfalls Außenseiter.

In die Phalanx der Großen mit Formschwächen reiht sich auch der FC Bayern München ein. Die Bayern waren der letzte CL-Sieger, der nicht aus Spanien kam (2013). Zu gern würden sie das Triple von damals (zudem Meisterschaft und nationaler Pokal) wiederholen. Pep Guardiola konnte diesen Traum bekanntlich nicht zur Wirklichkeit werden lassen, die Bayern scheiterten zuletzt immer im Halbfinale. Jetzt trägt sein Nachfolger Carlo Ancelotti die Hoffnungen, u. a. deshalb, weil er einst mit Real seinen Kollegen Guardiola und die Bayern austrickste und demütigte. Aber in der Liga sind auch die Bayern nicht in Form und die Fans fragen sich, ob es in der CL so einfach besser geht. Da könnte Arsenal London mal Historisches schaffen, nämlich die Bayern ausschalten. Bisher galten die Londoner unter Arsene Wenger als Lieblingsgegner der Münchner, in drei Duellen hatte Arsenal das Nachsehen. Es würde in die Tendenz passen, wenn Bayern diesmal straucheln würde, die Tendenz nämlich, dass die Favoriten den Weg frei machen.

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich im Duell zwischen dem FC Barcelona und St. Germain Paris. Die Spanier waren für die Franzosen 2013 und 2015 im Viertelfinale Endstation, jetzt träumen die Franzosen wieder, obwohl auch sie dem Fluch der mangelnden Form unterliegen. Der Abgang von Torjäger Ibrahimovic wiegt schwer. Erstmals seit vier Jahren grüßen sie in der nationalen Liga nicht von der Spitze der Tabelle. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Überraschung.

Wer aber könnte den Weg gehen, wenn Hürden beiseite geräumt werden? Als erstes schreit wohl Juventus Turin „hier“, die Italiener wollen schon lange an die Spitze Europas und den früheren Glanz des italienischen Fußballs wieder herstellen. Gut in Form ist auch der SSC Neapel, warum also nicht den Titelverteidiger Real stürzen? Oder gar der englische Meister Leicester City? Das wäre die nächste Sensation, denn in England befindet sich der Meister in diesem Jahr im Abstiegskampf und Gegner FC Sevilla hat bekanntlich viel vor. Mehr darf man da Manchester City und Pep Guardiola zutrauen. Der Ex-Bayern-Trainer ist zwar in England noch nicht ganz angekommen und es droht eine Saison ohne Titel zu werden, es sei denn, es gelingt eine Überraschung in der CL! Oder gar Borussia Dortmund? Bisher war es so, in der Liga „pfui“, in der CL „hui“. Wer in den Gruppenspielen Real Madrid auf Platz zwei verdrängt hat, der muss wohl zumindest in den Kreis der aussichtsreichen Außenseiter aufgenommen werden. Die Jungspunde aus Dortmund könnte Europa überrennen, was vielleicht leichter ist, als Woche für Woche im Alltag Bundesliga beste Leistungen zu zeigen. Der Sport ist ja bekanntlich voller Rätsel und die Champions League in diesem Jahr auch.

Das CL-Achtelfinale: Benfica Lissabon – Borussia Dortmund, Paris St. Germain – FC Barcelona, Bayern München – Arsenal London, Real Madrid – SSC Neapel, Bayer 04 Leverkusen – Atletico Madrid, Manchester City – AS Monaco, FC Porto – Juventus Turin, FC Sevilla – Leicester

DFB-Pokal: Die Amateure kämpfen um ihr Fest

Es ist wieder so weit, am Dienstag/Mittwoch (7./8. Februar) befindet sich die Fußballgemeinde in Deutschland wieder im Pokalfieber. In allen Nationen hat der Pokal seinen besonderen Reiz, weil der Vergleich zwischen den großen und kleinen Vereinen nicht alltäglich ist und wenn dann auch noch David gegen Goliath siegt, ist die Begeisterung besonders groß. Vor allem für die Amateur-Klubs ist es ein Feiertag, wenn einmal ein Bundesligist bei ihnen auftaucht. Doch das Fest der Amateure ist in Gefahr.

Immer wieder wird gerade von den großen Klubs eine Pokalreform ins Gespräch gebracht. Früher gab es ja sogar noch Hin- und Rückspiele, die vor allem aus zwei Gründen in Deutschland richtigerweise abgeschafft wurden (in anderen Ländern gibt es sie noch): Einmal schmälert das die Chance der kleineren Klubs, andererseits muss für die international tätigen Vereine ein weiterer Termin im sowieso schon prall gefüllten Kalender untergebracht werden. Die jetzige Regelung könnte eigentlich Bestand haben, mit 64 Vereinen in der ersten Runde, die zuletzt jeweils quasi als Saisonstart vor dem ersten Bundesliga-Spieltag ausgetragen wurde. Wenn, ja wenn nicht dieser frühe Start der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein Dorn im Auge wäre. Sie würde ihre Klubs lieber vermehrt zu PR-Zwecken ins Ausland schicken. Ein Spiel in Peking bringe mehr als ein Spiel in Walldorf.

DFL-Boss Christian Seifert geht fast perfide vor, wenn er betont, dass die Bundesliga keineswegs die kleinen Klubs vor den Kopf stoßen will und ein Freilos für international spielende Klubs gefordert wird. Er könnte sich statt 64 sogar 128 oder 256 Vereine im DFB-Pokal vorstellen, so dass mehr Klubs vom Geldsegen DFB-Pokal profitieren könnten, aber er verschweigt geflissentlich, dass in diesen ersten Runden die Amateure eben unter sich wären. Zwangsläufig findet die Auswahl schon vorher auf Landesebene statt, ehe sich eben die Landesbesten für die erste Runde auf Bundesebene qualifizieren von dem Festtag träumen dürfen, weil eben richtigerweise die Amateure in allen Runden Heimrecht genießen. Dann muss die Glücksfee eben ein gutes Händchen haben, damit auch wirklich ein Bundesligist kommt und kein Zweitligist. Sonst fällt das Fest natürlich ein wenig kleiner aus.

An diesem Grundprinzip darf nicht gerüttelt werden, wenn in diesem Jahr über die neue Vereinbarung zwischen DFL und DFB um die Zukunft des Pokals verhandelt wird. Die Amateure gehen sogar noch weiter und setzen den Profi-Fußball unter Druck. So hat sich eine Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“ gebildet, die mehr Geld vom Profi-Fußball fordert. Initiator ist der frühere Vorsitzende der SpVgg Unterhaching, Engelbert Kupka, der fordert: „Nach dem großartigen Fernsehvertrag der DFL muss mehr Geld an die Amateur fließen.“ Im Grundlagenvertrag, der bis 2023 läuft, sind drei Prozent festgeschrieben, die Aktionsgemeinschaft fordert zehn Prozent der 1,5 Milliarden, also statt 45 Millionen gleich 150 Millionen – dreimal so viel. Diese Probleme sehen die Klubs: Die Amateurvereine sind vielfach am Ende, die Zuschauer fehlen und damit Einnahmen, die Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern wird immer schwieriger, Vereine müssen aufgeben, Spielgemeinschaften allein sind nicht die Rettung. Angeblich mussten bereits 16.000 Mannschaften aufgeben.

Aber die Bundesliga schaut nicht nach unten, sondern über die Grenzen Deutschlands hinaus. Allerdings sollte sie nie vergessen, dass „König Fußball“ Probleme bekommen wird, wenn die Basis weg bricht. Da darf dann nicht auch noch das Fest der Amateure in Frage gestellt werden, denn das ist ebenfalls eine dringend notwendige PR-Arbeit an der Basis. Es ist sicherlich richtig, die Fans in China, Japan oder Amerika für die Bundesliga zu interessieren, aber das darf erst an zweiter Stelle stehen.

Übrigens: In der ersten Runde des Pokals 2016/2017 sind sechs Bundesligisten ausgeschieden, Jetzt im Achtelfinale sind noch neun Bundesligisten vertreten mit drei direkten Duellen (Dortmund – Hertha BSC Berlin, Hamburg – Köln, Bayern München – Wolfsburg), während Astoria Walldorf der letzte Vertreter der kleinen Klubs ist, aber immerhin in der Regionalliga spielt. Zweitligist Arminia Bielefeld ist der Gegner, nachdem Astoria bisher Zweitligist Bochum und Bundesligist Darmstadt ausgeschaltet hatte. Jetzt träumt der Regionalligist vom nächsten Coup. So soll es bleiben: Festtage der Amateure im DFB-Pokal.

Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars: England oder China?

 

Als in England die TV-Honorare explodierten, da ging in der deutschen Bundesliga die Angst um, dass der Ausverkauf der Stars beginnen würde. Bisher kann von Ausverkauf keine Rede sein, da gibt es aber schon wieder einen weiteren Konkurrenten, der mit Geld um sich wirft: China hat den Fußball entdeckt. Jetzt stellt sich die Frage: Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars, England oder China?

Die Ausgangsposition könnte konträrer nicht sein. Da England, das Mutterland des Fußballs, der Klassiker schlechthin, der Sportler und Fans gleichermaßen anlockt. Stimmungsmäßig hat die Bundesliga längst aufgeholt, heute präsentiert Deutschland die moderneren Stadien, aber der Fußball in England hat an Reiz nichts verloren. Dort China, das Land mit den meisten Einwohnern, aber ein Entwicklungsland in Sachen Fußball. Die chinesischen Machthaber haben allerdings vor einiger Zeit Fußball als PR-Lokomotive für ihr Land entdeckt und Industrie und Millionäre aufgefordert, gefälligst etwas zu tun. Jetzt werden nicht nur Firmen im Ausland gekauft, sondern auch Fußballvereine und vor allem Spieler sowie Trainer. Stars sollen den Fußball attraktiv machen, an Geld fehlt es nicht.

Komisch, aus der Bundesliga kam bisher kein Aufschrei trotz der utopischen Summen, die von China ausgerufen werden. Was gab es für ein Gezeter, als Frankreichs Star Paul Pogba für 120 Millionen Euro von Turin zu Manchester United ging. Lächerlich fanden dagegen alle die 200 Millionen Euro, die China für Superstar Cristina Ronaldo aufrief. Sein Manager offenbarte diese Summe und betonte gleichzeitig, der Torjäger werde Real Madrid nicht verlassen. Ronaldo verdient in Madrid gut, in China hätte er noch besser verdienen können, angeblich 100 Millionen Euro – im Jahr wohlgemerkt. Carlos Tevez, eigentlich am Ende seiner Karriere, die er mit 32 Jahren in Südamerika ausklingen lassen wollte, ist dem Ruf des Geldes gefolgt. Für 40 Millionen Euro im Jahr muss er in China wahrscheinlich nicht einmal mehr laufen.

Die Chinesen wollen allerdings nicht allein in Stars ihr Geld stecken. Sie wollen es cleverer anstellen, als die Amerikaner, die einst in ihren Anfängen vor allem auf große Namen setzten wie Pele und Franz Beckenbauer, aber den Aufbau des Nachwuchses versäumten. In China entstehen Talentschmieden und – man höre und staune – auch die Bundesliga beteiligt sich als Entwicklungshelfer. Da wird der künftige Konkurrent selbst großgezogen. Wieder einmal geht hier Wirtschaft vor Sport, denn der chinesische Markt ist attraktiv, das hat zum Beispiel auch Bayern München erkannt, mit Gastspielen in China. Logisch, dass es die Vereinsseite im Internet auch auf Chinesisch gibt. China träumt von der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 und will spätestens dann um den Titel mitspielen. Bis dahin soll auch die Bevölkerung für Fußball begeistert werden. Heute sehen im Schnitt 24.000 die Spiele der Spitzenliga, die auch schon Top-Trainer angelockt hat, wie Italiens Lippi, Brasiliens WM-Coach Scolari, den Schweden Eriksson und nicht zuletzt Felix Magath.

Wer ist also in Zukunft die größte Gefahr für die Bundesliga? England mit seiner Tradition oder China mit seiner Zukunft? Die Bundesliga wird nicht untergehen, das Gros der Spieler wird zu Hause bleiben, nach dem Motto, „da weiß ich, was ich habe“. Und gut verdienen kann man in Deutschland auch. Und außerdem: Fällt die 50+1-Regelung, da wird bald ein Bundesligist einen chinesischen Eigner haben!

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt?

 

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat mit seinem Rücktritt unmittelbar nach dem Gewinn des Titels alle überrascht, natürlich auch den Sport-Grantler. Danach wurde heftig diskutiert, ob ein Sportler mit 31 Jahren zurücktreten kann, ja manche Leute fragten sogar, ob einer da überhaupt zurücktreten darf. Au dem Höhepunkt seiner Karriere! Nico Rosberg hat es getan und zunächst einmal scheint er mit seiner Entscheidung glücklich zu sein. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt?

Um es kurz zu machen: Den richtigen Zeitpunkt gibt es im Prinzip nicht. Der richtige Zeitpunkt kann erst in der Zukunft bestätigt werden, wenn der Blick in die Vergangenheit geht. So wird sich auch der Formel-1-Weltmeister sicherlich noch öfters fragen, ob er nicht doch noch seiner Rennsportkarriere hätte einige Jahre hinzufügen sollen. Aber es scheint, als wäre der Entschluss des Rücktritts beim gebürtigen Wiesbadener kein spontaner gewesen, sondern er hat wohl mit seiner Frau Vivian Vor- und Nachteile und das Leben in der Zukunft ausdiskutiert. Da Familie, dort Rennsportkarriere, da das Glück der Siege, dort die Strapazen und der Ärger eines Spitzensportlers, der mit Stress und Niederlagen nicht leben will. Es schaut so aus, als hätte Nico Rosberg die richtige Entscheidung getroffen.

Nico Rosberg liegt auf einer Ebene mit der Biathletin Magdalena Neuner, die 2012 im Alter von nur 25 Jahren dem Spitzensport ade gesagt hat. Sie überraschte damit ähnlich wie Rosberg und gab ganz klar der Familie den Vorzug, heute ist sie zweifache Mutter. Im Sport hatte sie alles erreicht, war Doppel-Olympiasiegerin, gewann 34 Rennen, war dreimal Weltcup-Gesamtsiegerin, mit 12x Gold bei Weltmeisterschaften Rekordsiegerin, dreimal Sportlerin des Jahres in Deutschland. Was sollte noch kommen?

Viele Sportler haben den richtigen Zeitpunkt des Rücktritts verpasst. Alternde Boxer haben Schatten über ihre Karriere gelegt, weil sie im Alter plötzlich zu Prügelknaben mutierten. Leichtathleten, die statt vorneweg nur noch hinterher liefen, Schwimmer, denen man es nach Siegen später nur noch als Leistung ansah, dass sie nicht ertrunken sind. Fußballer, die nicht mehr auf dem Feld standen und eine Mannschaft führten, sondern nur noch auf der Ersatzbank versauerten. Viele Sportler (das gilt immer für Frauen und Männer) haben allerdings nicht für die Zeit nach ihrer Karriere vorgesorgt, bei vielen hat der Außenstehende den Eindruck, dass sie nichts anderes haben als den Sport und diesen dann notfalls eben bis zum bitteren Ende ausführen. Wer vom Held zur Witzfigur wird, der hat den richtigen Zeitpunkt seines Rücktritts wohl verpasst.

Wohl dem, der seine Karriere und seinen Rücktritt so planen kann wie der frühere Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Philipp Lahm. Auf dem Höhepunkt seiner internationalen Karriere trat er 2014 nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft aus der Nationalmannschaft zurück. Jetzt hat er für 2018 auch seinen Abschied vom Leistungssport angekündigt, wird er den Vertrag bei Bayern München nicht mehr verlängern und seine Karriere als Fußballer endgültig beenden. Lahm ist im „Nebenberuf“ schon Unternehmer und ihm winkt auch eine Funktionärskarriere in seinem Stammverein. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat Lahm bereits als künftigen Sportdirektor im Visier. Besser kann ein Übergang von der sportlichen zur nachsportlichen Leben nicht sein. Wohl dem, der den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt vom Leistungssport erkennt.

Es könnte sein, dass Nico Rosberg alles richtig gemacht hat. Warum soll er sich mit Lewis Hamilton, den Rennwagen und der Formel 1 noch herumärgern. Sein Lebensziel war es, Weltmeister zu werden. Ziel erreicht.

Rote Bullen nehmen die Bundesliga auf die Hörner

 

Die Fußball-Bundesliga ist durcheinander geraten. Der FC Bayern München ist nicht mehr Tabellenführer, zum ersten Mal seit 14 Monaten. Was sich die Konkurrenz gewünscht hatte, aber eigentlich nicht zu hoffen wagte, ist eingetreten. Die erste Niederlage nach 20 Spielen ohne doppelten Punktverlust, das 0:1 in Dortmund und der gleichzeitige Siegeszug des RB Leipzig lässt in der Bundesliga quasi eine neue Zeitrechnung beginnen. Das Ende der Bayern-Dominanz ist gekommen.

Es gibt zwei Ursachen für diese Wende im deutschen Fußball. Da sind einmal die Bayern selbst. Die Ära Pep Guardiola war eine erfolgreiche, der Spanier sammelte national Titel, unter anderem den Hattrick in der Meisterschaft, in Verbindung mit dem Sieg von Vorgänger Jupp Heynckes war es 2016 ein Rekord, noch nie zuvor hatte ein Team in der Bundesliga viermal hintereinander die Meisterschaft geholt. Und der fünfte Titel lag auf dem Präsentierteller, niemand wagte daran zu denken, dass die Bayern ins Wanken geraten könnten, ganz zaghaft wurde angemerkt, dass jede Siegesserie noch immer ein Ende gefunden hatte und vielleicht wären die Münchner einfach satt, nicht mehr erfolgshungrig genug. Offensichtlich sind sie satt, Beobachten mahnen, dass die Spieler Übergewicht mit rumschleppen würden, außerdem fehle die Gier nach Erfolg. Und plötzlich sind die Bayern nur noch Zweiter. Da ist der Ärger zumindest so groß wie beim VfL Wolfsburg auf Platz 14.

Zehn Spieltage lang ging ja alles gut. Die Bayern begannen furios und es kam ob des Sturmlaufs in den ersten Spielen sogar leise Kritik an Pep Guardiola auf. „Unter Ancelotti werden die Spieler von der Leine gelassen“, hieß es ein bisschen hämisch. Danach schwächelte der Meister allerdings, doch er hielt die Tabellenspitze und so wurde übersehen, dass die Bayern weniger lauffreudig waren, sich die Fehlpässe häuften, das Spiel in die Spitze schlampig war. Die Quittung folgte: Drei Unentschieden, eine Niederlage nach einem Drittel der Punktrunde. Heute heißt es, „bei Pep hat es das nicht gegeben“. Verloren gegangen ist die Dominanz auf dem Feld. Die Konkurrenz wittert ihre Chance: Die Bayern in der Saison 2016/17 sind schlagbar.

Die Bayern dankten früher ab als gedacht, ein Neuling trumpft dafür früher auf als gedacht und wahrscheinlich sogar selbst geplant. Die Roten Bullen aus Leipzig nehmen die Bundesliga auf die Hörner. Mit Argwohn wurden die Pläne des Brause-Herstellers Red Bull und dessen Besitzer Dietrich Mateschitz beobachtet, als er in Leipzig mit dem Aufbau einer Mannschaft begann und die Bundesliga und sogar die Champions League als Fernziel ausgab, im Bewusstsein, das dauert Jahre. „Das schafft er nie“, höhnten die einen, „Vorsicht, mit seinen Millionen geht alles“, waren andere skeptisch. Der DFB verschloss die Augen vor der Mateschitz-Masche des „leibeigenen“ Vereins, wollte nur den Firmennamen nicht als Vereinsnahmen akzeptieren. So wurde im Mai 2009 aus dem Vorortklub SSV Markranstädt der RasenBallsport Leipzig, eben RB und im Sprachgebrauch die „Roten Bullen“. Da kann der DFB halt nichts machen.

RB begann in der Oberliga und als Ralf Rangnick 2012 die Geschicke übernahm, begann der Aufstieg. 2013 Aufstieg in die 3. Liga und Durchmarsch in die 2. Bundesliga, dort hielt man sich auch gerade mal zwei Jahre auf. Nun die Bundesliga, nun die Tabellenspitze, die Bundesliga fühlt sich auf die Hörner genommen. Über 100 Millionen hat Mateschitz mit Sicherheit in sein Projekt gesteckt, doch das Geld nicht für teure Stars ausgegeben, sondern ein Vorzeigemodell im Gesamten hingestellt, nämlich auch ein verheißungsvolles Nachwuchsleistungszentrum. Rangnick suchte bewusst Spieler aus, die in sein Konzept passen mussten, zum Beispiel für die Bundesliga schnelle und technisch begabte Spieler, zudem mit Ralph Hasenhüttl einen Trainer, der seinen Höchstgeschwindigkeitsfußball als sein eigenes Credo sieht. So überrollte Leipzig die Bundesliga, immer mit Tempo, rasende Bullen sind es geworden.

Die Konkurrenz muss sich umstellen und neu einstellen. Jetzt ist nicht die Frage, wer stoppt die Bayern, sondern jetzt ist die Frage, „wer stoppt die Bullen?“ Von Null auf Hundert, sprich zum Titel, ist nicht unmöglich. Zwei Beispiele dienen der Bundesliga als Warnung: Der 1. FC Kaiserslautern wurde 1978 unter Otto Rehhagel als Aufsteiger gleich Meister und in England dominierte im Vorjahr Nobody Leicester City, von der Konkurrenz lange Zeit nicht ernst genommen.

Doch, ernst nehmen tun die Münchner, Dortmunder und die anderen Leipzig jetzt schon. Sie vertrauen allerdings darauf, dass die Bullen mal müde werden, dass sie mal eine Schwächephase haben werden und dann wollen die anderen zuschlagen. Klar ist, diesen Tempo-Fußball könnte Leipzig nicht durchhalten, wenn die Mannschaft unter der Woche auch international gefordert wäre. „Sie liegen unter der Woche auf der Couch und können sich schonen“, ätzte der baldige neue Präsident der Bayern, Uli Hoeneß. Er ist einer der Hoffnungsträger, dass die Bayern wieder schnelle Beine bekommen und die Roten Bullen einfangen. Plötzlich gehören den Bayern die Sympathien der Fußball-Fans. Ein Brause-Meister, das geht gar nicht!