Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

von knospepeter

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

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