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Tag: Borussia Dortmund

Niemand will die Bayern zum Meister machen

Seltsame Fußball-Bundesliga: Erst findet sich in der Saison kein ernsthafter Konkurrent für den Titelverteidiger Bayern München (nachdem die Anfangseuphorie in Dortmund verflogen ist), am Ende, dann, wenn der letzte Schritt der Münchner zum Titelgewinn ansteht, da begehren die Gegner plötzlich auf. Unisono heißt es: „Die Bayern werden ja sowieso Meister, aber bei uns sollen sie es nicht werden.“ Dies ist am Samstag auch die Gefühlslage in Augsburg. Die Bayern Meister beim FCA – keine angenehme Vorstellung bei den FCA-Fans, die kaum Sympathien für den übermächtigen Nachbarn haben.

Die Augsburger wissen, sie brauchen im Derby einen Glanztag, damit die Bayern nicht feiern. Allerdings haben die Schwaben den Vorteil, dass die Bundesliga derzeit für die Münchner nur ein Pflichtprogramm darstellt, im Mittelpunkt stehen die zwei Duelle mit dem FC Sevilla in der Champions League. Da geht es am 3. und 11. April um den Einzug ins Halbfinale und der Gegner könnte eine größere Hürde sein, als bei der Auslosung erhofft. Das 2:2 von Sevilla gegen den FC Barcelona am Wochenende war Warnung genug. Zurück zu Augsburg und die Hoffnung der FCA-Fans: Bayern-Trainer Jupp Heynckes wird zwischen den Sevilla-Spielen wohl rotieren lassen. Motto: Meister werden wir sowieso, wann, ist egal. Die Bayern könnten aber in Konkurrenz treten zu den anderen dominanten Teams in Europa: Manchester City führt in England mit 16 Punkten Vorsprung, Paris St. Germain hat in Frankreich 17 Zähler Abstand auf Monaco, genauso also wie die Bayern gegenüber dem Bundesliga-Zweiten Schalke 04. Wer wird zuerst Meister?

Eines zeigte sich am vergangenen Wochenende: Das 6:0 gegen Borussia Dortmund bewies, dass die Bayern für Sevilla gerüstet sind. Doch so leicht wird es ihnen von den Spaniern nicht gemacht werden. Das 6:0 bewies nämlich auch, dass Dortmund derzeit kein ernsthafter Bayern-Konkurrent ist. Fast unglaublich, dass die Dortmunder am Anfang mal fünf Punkte Vorsprung vor den Münchnern hatten. Jetzt wurden die Westfalen zum Sorgenkind. Was der Mannschaft fehlt, ist eine echte Führungspersönlichkeit. Weil die nicht mehr auf den Rasen geholt werden kann, bauen die Macher um Boss Watzke und Sportchef Zorc auf Führung rund um die Mannschaft. Der einstige Kapitän Sebastian Kehl soll als neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung (unter Zorc) nah an die Mannschaft rücken, der einstige Trainer Matthias Sammer soll als externer Berater aufzeigen, wo die Schwachstellen im Mannschaftsgefüge liegen. Nach dem spielerischen Offenbarungseid der Dortmunder in den letzten Wochen und vor allem in München sind auch die Tage von Trainer Peter Stöger gezählt. Nach der Saison wird erst der richtige große Umbruch kommen.

Die Bundesliga bietet kaum sehenswerte Unterhaltung (immerhin gab es diesmal zwei 6:0-Klatschen), aber weiterhin Spannung. Der Kampf um Europa und gegen den Abstieg geht weiter und bietet am kommenden Wochenende zwei brisante direkte Duelle: Bei Frankfurt gegen Hoffenheim und Leipzig gegen Leverkusen geht es um die Fleischtöpfe in Champions League und Europa League. Dagegen spielt Köln gegen Mainz quasi um die letzte Chance auf den Klassenerhalt, weil eben der direkte Anschluss an einen Konkurrenten geschafft werden kann, bei Freiburg gegen Wolfsburg wiederum heißt es, der Sieger bekommt Luft, der Verlierer verstärkt Atemnot im Abstiegskampf. Spielerische Klasse dürfen wir freilich nicht erwarten.

Spielerische Klasse zeigte zweifellos die Nationalmannschaft. Mehr beim 1:1 gegen Spanien, weniger beim 0:1 gegen Brasilien, doch da bot Jogi Löw mehr seine zweite Garnitur auf. Der Bundestrainer begünstigte das Vorhaben der Brasilianer, sich ein bisschen wenigstens für das 1:7 bei der Weltmeisterschaft 2014 zu revanchieren. So hat die geschundene Fußballseele der Südamerikaner wenigstens ein bisschen Ruhe. Deutschland aber gewann seine letzten vier WM-Testspiele gegen England, Frankreich, Spanien und Brasilien nicht (drei Unentschieden, vier Spiele ohne Sieg gab es zuletzt 2004!) und machte damit deutlich: Der Weg zu einer erfolgreichen Titelverteidigung im Sommer in Russland wird kein Spaziergang. Genau diese Testgegner werden auch die größten Konkurrenten sein, wobei Spanien den besten Eindruck hinterließ. Jogi Löw dürfte aber schon Erkenntnisse gewonnen haben, wer ihm in Russland nicht unbedingt helfen kann. Das Berliner Stadion war übrigens ausverkauft, die Fans mussten aber wieder das alte Leiden der Freundschaftsspiele hinnehmen, viel Geld für wenige Stars. Insofern war diese Begegnung sogar ein Plädoyer für die neu geschaffene und in der Kritik stehende Nations League.

Bei der WM soll es auch den Videobeweis geben und das ohne große Tests vorher. Wie kompliziert der Videobeweis ist, der eigentlich Klarheit und Gerechtigkeit bringen soll, zeigte sich wieder in der Bundesliga. Einmal wird eine knappe Abseitsentscheidung geahndet, bei einem anderen Spiel wiederum nicht. Logisch, dass die Aufregung groß ist, wer sich benachteiligt fühlt, wehrt sich. Hannover will bei der DFL sogar Beschwerde einlegen. Fehler dürfen passieren, aber nur zu Ungunsten des Gegners… Und wenn die gefühlte Benachteiligung besonders krass ist, dann flippt auch mal ein Trainer richtig aus. Ein Wunder, dass Freiburgs Coach Christian Streich beim Ärger über ungerechtfertigte Gelbe Karten keinen Herzinfarkt erlitten hat. Aber die Szenen seiner Aufregung zeigten deutlich: Die Bundesliga kann gesundheitsschädlich sein. Die EU wird sicherlich bald entsprechende Warnhinweise vorschreiben.

Die Bundesliga hat ein Eigentor erzielt

Die Fußball-Bundesliga hatte zwar wie alle Ligen in Europa Länderspielpause und dennoch war sie aktiv und hat dabei ein Eigentor erzielt. Eine unter seltsamen Umständen zustande gekommene Entscheidung bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt gefährdet eine gute Zukunft. In einer Art Handstreich hat Andreas Rettig, Geschäftsführer vom Zweitligisten FC St. Pauli, eine knappe Mehrheit der Vereinsvertreter hinter sich gebracht und dafür gesorgt, dass die umstrittene 50+1-Regelung vorerst erhalten bleibt. Die besagt, dass die Mehrheit beim Verein bleiben muss und verschließt die Türen für Geldgeber. Allerdings gibt es bereits Ausnahmen und Auswüchse, was beweist, dass die derzeitige Regelung nicht mehr zeitgemäß ist. Es wurde versäumt, eine echte Entwicklung in die Wege zu leiten, damit auch die kartellrechtlichen und juristischen Zweifel ausgeräumt werden könnten. Das heißt aber auch, dass der Geldfluss für die Liga erschwert bleibt, dass die Bundesliga weiterhin Gefahr läuft, von den Klubs aus Spanien, England, Italien und bald auch Frankreich sportlich abgehängt zu werden. Siehe die diesjährige katastrophale Saison.

Was die Bundesliga angeht, wird derzeit ja auch (ebenfalls auf diesen Seiten) das schwache Niveau der Liga diskutiert. Zum Glück macht da die Nationalmannschaft nicht mit. Ganz im Gegenteil, die DFB-Elf zeigte beim 1:1 gegen Spanien erstaunlich hohes Niveau und begegnete dem Tiki-Taka des Gegners auf gleicher Höhe. Es war ein überaus wertvoller Test für Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen, er zeigte, dass der Weltmeister nach wie vor weltmeisterliche Klasse hat, er zeigte aber auch, dass Deutschland damit nicht alleine ist. Spanien schwingt sich zu alter Klasse auf, auch andere Nationen wie zum Beispiel Brasilien machten auf sich aufmerksam. Deutschland wurden die Augen geöffnet, falls sich überhaupt jemand falschen Träumen hingab: Eine erfolgreiche Titelverteidigung wird bei der Weltmeisterschaft in Russland kein Selbstläufer.

An Ostern übernimmt wieder die Bundesliga das Kommando, der Endspurt beginnt. Noch sieben Spieltage stehen an, es geht um Europa, um den Klassenerhalt und für viele Spieler um einen Platz im WM-Aufgebot. Eigentlich müssten Teams und Spieler auf dem Rasen ein Feuerwerk abbrennen, dürften nur Siege zählen, aber wahrscheinlich lähmt der Druck und es bleibt oberstes Gebot, nur nicht zu verlieren. Die Ausnahme ist – wie fast immer – der FC Bayern München, der eventuell nicht nur Ostern, sondern auch die Deutsche Meisterschaft feiern könnte. Die Konstellation ist allerdings nicht so günstig, denn Verfolger Schalke 04 ist gegen den SC Freiburg Favorit (ein 1:0 liegt in der Luft) und die Bayern selbst müssen gegen den alten Rivalen Borussia Dortmund bestehen. Dortmund ist zwar aktuell nicht auf Augenhöhe, aber unter Peter Stöger in der Bundesliga noch ungeschlagen. Die Bayern haben nach einer Länderspielpause meist Probleme wieder in Schwung zu kommen. Doch die Zeit drängt für sie, denn im April stehen die entscheidenden Spiele an, so folgt schon am 3. April die Prüfung in Sevilla im Viertelfinale der Champions League.

Ungünstig für den Meister, dass genau in diese Zeit die Diskussion um den künftigen Trainer wieder aufflammt und zudem Torjäger Robert Lewandowski immer wieder mit Wechselgerüchten in den Medien auftaucht. Wechselgelüsten des Polen einen Riegel vorzuschieben ist leicht, er hat schließlich Vertrag bis 2021 und die Bayern haben keine Verkaufsabsichten. Schwerer zu lösen ist die Trainerfrage. Die Diskussion im Verein, ob Thomas Tuchel der Nachfolger von Jupp Heynckes werden soll oder nicht, beendet Tuchel offensichtlich auf seine Weise: Den Medien zufolge wechselt er ins Ausland. Die einen sehen ihn als Nachfolger von Arsene Wenger bei Arsenal London, die anderen sehen ihn bei Chelsea London oder sogar Paris St. Germain. Wie auch immer, Tuchel geht wohl immer zu einem Spitzenverein.

Dagegen muss sein quasi Nachfolger in Dortmund, Peter Stöger, um seine Zukunft noch kämpfen. Bei der Borussia ist man von dem Österreicher nicht hundertprozentig überzeugt, was die Zukunft angeht. Ein Erfolgserlebnis in München könnte auch Stöger helfen, zwei Niederlagen hintereinander (zuletzt 1:2 in Leipzig) können sich die Bayern allerdings im Hinblick auf Sevilla nicht leisten. Sie müssen eher zeigen, dass sie für die Champions League gerüstet sind. Diesbezüglich könnten sie sich ein Beispiel an der Nationalmannschaft nehmen.

Noch mehr als das Geschehen an der Spitze wird im April vor allem der Abstiegskampf im Mittelpunkt stehen. In erster Linie Hamburg, Köln, Mainz und Wolfsburg sind dringend auf Punkte angewiesen, zwei dieser Kandidaten wird es erwischen, nur einer hat am Ende die Bundesliga sicher. Vielleicht bleibt die Spannung bis zum letzten Spieltag, wenn sich Wolfsburg und Köln gegenüberstehen. Übrigens: Besonders krass ist der Abstiegskampf eine Etage tiefer, da können Vereine, die um den Aufstieg kämpfen kurze Zeit später mitten im Abstiegskampf stecken. „Liga der Angst“ titelt die Fachzeitung kicker, was eigentlich alles beschreibt. Oder ist der April, eigentlich im Frühling eher ein Monat der Hoffnung, im Fußball ein Monat der Angst?

Gute Bundesliga-Spiele sind eine Rarität

Was der Sport-Grantler schon am 26. Februar moniert hat (Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga) hat jetzt auch der Boulevard entdeckt. „Abrechnung mit zu vielen Murks-Spielen“ hieß es in der Sonntagszeitung Bild am Sonntag über die Bundesliga. Ja, leider ist es so, dass die guten Spiele in der selbsternannten „besten Liga der Welt“ mittlerweile eine Rarität sind. Alles wird dem Existenzkampf untergeordnet, die Trainer haben das Motto „nur nicht verlieren“ und nur selten den Mut, voll auf Sieg zu spielen. Das würde Spaß machen!

Einige Urteile über die Spiele am Wochenende sind bezeichnend. Da hieß es „viel Kampf und Krampf“ oder „fußballerisch dürftig“ und ein Fernsehreporter beendete seinen Kommentar mit einem Hinweis an den Schiedsrichter, „danke für den Schlusspfiff“. Das ist die Bundesliga von heute, bezeichnend dafür Platz zwei des FC Schalke 04. Die Minimalisten der Liga haben sich mit zuletzt zwei 1:0-Siegen nach oben gemauert. Spielerischer Glanz? Fehlanzeige! Ein Platz in der Champions League ist das Ziel, da zeichnet sich schon heute wieder ab, dass die Bundesliga international im nächsten Jahr die nächste Pleitenserie erleben wird.

Wie zur Bestätigung der letzten Kritik an der Krisen-Liga, rasteten die Fans abseits des Spielfeldes aus. Die Schalker Chaoten veranstalteten einen Pyro-Zirkus und sorgten für Spielverzögerungen. Die Hamburger Fans können sich mit dem bevorstehenden Abstieg gar nicht anfreunden, schockten Spieler und Verantwortlichen mit der Aufstellung von Grabkreuzen vor dem Volksparkstadion und drohten auf einem Banner: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen Euch alle!“ Die Bundesliga ist dabei, ihren Zauber zu verlieren.

Chaotisch ging es in der letzten Woche auch in der Führungsetage des HSV zu (eigentlich schon seit Jahren), es kam zum Großreinemachen, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt mussten gehen, der neue Vorsitzende und neuerdings Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann räumt auf. Auch Trainer Bernd Hollerbach wird gehen müssen, Amateur-Coach Christian Titz soll übernehmen. Eine verständliche Reaktion, der Neuaufbau kann nur mit neuen Leuten gelingen. Das Handeln jetzt zeigt aber auch: Der HSV hat sich mit dem Abstieg abgefunden, die Planungen für die 2. Bundesliga laufen an, die Bundesliga-Uhr des Dinos läuft dagegen ab, wird bald gestoppt. Die HSV-Chaoten sollten das mitnehmen: Gestorben ist der Verein damit noch lange nicht, der Abstieg sollte nicht das Ende bedeuten, sondern den Anfang von besseren Zeiten.

Von wieder besseren Zeiten, von alten Zeiten an der Spitze Europas träumen sie auch bei Borussia Dortmund. Das 1:2 in der Europa League gegen den FC Salzburg war nicht nur eine Schmach für den Verein, sondern auch für die Bundesliga. Wiedergutmachung muss das Ziel beim Rückspiel am Donnerstag sein. Nur mit Glück und den eingewechselten Torjäger Batshuayi gelang gegen Eintracht Frankfurt die Wende. Da stritten beim 3:2-Sieg der Westfalen zwei Vereine um die Champions League und das Spiel zeigte nur eins: Beide haben sie eigentlich derzeit nicht verdient.

Es gab aber auch Erfreuliches. Zum Beispiel Comebacks. So vom FC Augsburg, der auf fast schon spektakuläre Weise seine Krise mit einem 3:1-Sieg in Hannover beendet hat. Dass ausgerechnet die Ex-Hamburger Gregoritsch und Kacar die Torschützen waren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Personalpolitik des vermutlichen Absteigers. Der FCA wiederum hat sich fast aller Sorgen entledigt, darf wieder nach oben statt nach unten blicken. Alles klappte plötzlich wieder und auch Philipp Max schaffte einen Assist und empfahl sich Bundestrainer Joachim Löw. Eine Art Comeback feierte beim FC Bayern München auch Flügelflitzer Franck Ribery. Der Franzose zeigte wie in alten Zeiten Tricks und schoss sensationelle Tore und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung, auf die er nervös wartet. Das ihm nebenbei das 51.000 Tor der Bundesliga gelang, macht ihn glücklich: „Dann bin ich ja ein Teil der Geschichte.“

Bei den Bayern wartet man jetzt auf zwei Termine: Erstens: Wann ist die Meisterschaft endgültig unter Dach und Fach? Das könnte am Sonntag in Leipzig passieren, wenn die Bayern gewinnen und Schalke in Wolfsburg nicht 1:0 gewinnt bzw. überhaupt gewinnt. Dann würde Jupp Heynckes den Rekord von Pep Guardiola einstellen, der 2014 die Bayern ebenfalls am 27. Spieltag zum Titel führte. Thomas Müller betont aber schon: „Wir sind keine Meisterplaner“. Zweitens: Sind die Bayern Trainer-Planer? Jupp Heynckes heizte die Diskussion um seine Nachfolge noch einmal an, obwohl er eigentlich gar nichts sagen will und ihn angeblich das Thema zum Halse raus hängt. „Ich habe nie gesagt, dass ich am 30. Juni aufhöre“, ließ er verlauten und gab somit Rätsel auf. Bleibt er doch, obwohl er Thomas Tuchel als seinen Nachfolger empfohlen hat? Die Diskussion geht weiter, leider geht es wohl auch mit den Murks-Spielen weiter. Mit Kampf und Krampf bis zum Saisonende.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!

Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga

Eigentlich gab es ja einen Hoffnungsschimmer: Mit Ach und Krach überstanden Borussia Dortmund und RB Leipzig die Zwischenrunde der Europa League und sind im Achtelfinale noch dabei. Dortmund gegen RB Salzburg mit guten Chancen auf ein Weiterkommen, bei RB Leipzig gegen Zenit St. Petersburg muss man wohl ein Fragezeichen setzen. Aber zusammen mit den Bayern und dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul haben die Bundesliga-Klubs ein paar Punkte in der UEFA-Rangliste aufgeholt. Es ist doch noch nicht alles verloren.

Doch das Geschehen national sagt etwas anderes: Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga. Das Niveau sinkt, die meisten Vereine suchen ihr Heil nur noch in einem defensiven Konzept, die Fans randalieren und wollen ihre Wünsche durchdrücken, egal, was auf dem Rasen passiert. Vor allem verzeihen die Chaos-Fans, vornehmlich die Ultras, nicht, wenn der Verein sportlich in Schwierigkeiten gerät. Abstiegskampf ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Der Verein hat, verdammt noch mal, erfolgreich zu sein. Wenn Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dann randalieren sie auf der Tribüne, siehe Hamburger SV. Der einst stolze Weltklub versinkt im Chaos.

Aber manchmal hilft es nicht einmal, wenn im Verein erfolgreich gearbeitet wird. Martin Kind ist seit mehr als zwanzig Jahren Vorstand und Geldgeber bei Hannover 96. Er hat den Klub jahrelang in der Bundesliga gehalten, sogar in den Europacup geführt und den „Unfall“ Abstieg wieder repariert. Die Mannschaft behauptet sich als Neuling erfreulich gut im Mittelfeld, der Klassenerhalt ist nahe. Das muss ohne Anfeuerung von den Tribünen gehen, die Chaos-Fans boykottieren die Mannschaft und fordern „Kind muss weg“. Wie vage die Zukunft ohne Kind und seine Geldgeber aussehen würde, interessiert sie nicht. Sie haben ihr Feindbild, Verstand ist nicht gefragt. Kind steht bei ihnen auf der „Abschussliste“, weil er quasi über die 50+1-Relegung nach der absoluten Mach im Verein greift. Die Macht im Vereine wollen lieber die Chaos-Fans.

Schwache Leistungen auf dem Rasen, Trainerwechsel an der Tagesordnung, Chaos auf den Rängen – in der Bundesliga gab es schon bessere Zeiten. Da ist es gut, wenn ein Stern noch leuchtet, der FC Bayern München geht unbeirrt seinen Weg. Allerdings ist auch der Rekord-Meister nicht sorgenfrei. Die Zukunft erscheint ungewisser als gewünscht. Es gibt Probleme mit den Alten. Die Trainerfrage nach der Saison bleibt ungelöst, Nothelfer und Wunschkandidat Jupp Heynckes wehrt alle Fragen zu einem Weitermachen ab, der 72-jährige will nach dem Intermezzo wohl endgültig wieder zurück in den Ruhestand. Die Zukunft der Alten bei den Spielern ist ebenfalls noch ungelöst. Arjen Robben und Franck Ribery können sich eine Vertragsverlängerung gut vorstellen, allerdings können sie sich eine Altersteilzeit auf dem Rasen wohl weniger vorstellen, aber die ist unbedingt notwendig, um den jungen Nachfolgern Spielpraxis zu ermöglichen.

So sind die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge besonders gefordert. Notfalls müssen sie auch das Vakuum füllen, das Jupp Heynckes hinterlässt, wenn sein Nachfolger weniger menschelt und auf die Befindlichkeit seines Personals weniger eingeht. Heynckes versucht zu moderieren, erklärt und beschwichtigt. Vorgänger Carlo Ancelotti hat dies wohl weniger getan und die Mannschaft verloren. Da haben die Bosse nicht gehandelt, sie müssen dies notfalls in der Zukunft besser machen.

Bayern München ist also auch nicht ohne Probleme, doch mit einem riesigen Vorsprung vorne dran, das zeigt, dass dahinter eine zu große Lücke klafft. Die anderen Klubs müssen wieder mehr Mut zur Offensive haben. Wer am Wochenende zur Bundesliga geht, will gute Spiele sehen und nicht nur Kampf und Krampf. Einziges Trostpflaster: Spannung ist garantiert, vor allem der Abstiegskampf wird uns bis zum Schluss fesseln, zumindest der Kampf gegen die Relegation. Zwei wegweisende Duelle stehen wieder an: Der HSV (Platz 17 und17 Punkte) kämpft (tut er das wirklich?) gegen Tabellennachbar Mainz 05 (Platz 16/24 Punkte) wohl schon um seine letzte Chance. Für Schlusslicht Köln (nach dem überraschenden 2:1-Sieg in Leipzig wie der HSV 17 Punkte) geht die Aufholjagd gegen Stuttgart weiter. Der VfB könnte im Kurs nach oben gestoppt werden. Auch bei den Stuttgartern zeigt sich, wie die Fans daneben liegen können. Trainer Tayfun Korkut wurde frostig empfangen, jetzt müsste er nach zehn Punkten in vier Spielen ohne Niederlage umjubelt werden. Doch die Zurückhaltung haben noch nicht alle abgelegt.

Hinweis: Ab sofort gibt es in der Regel jeden Montag an dieser Stelle einen Bundesliga-Kommentar. Eine Olympia-Bilanz folgt noch in dieser Woche.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.

Gefahr!!! Der Fußball wird erpresst!

Gemein hin heißt es, wer attraktiv und interessant ist, hat Probleme, Freunde und Schmarotzer zu unterscheiden. Wer zudem noch viel Geld hat, der zieht die dunklen Gestalten an wie die Motten das Licht. Zweifellos ist der Fußball attraktiv, vor allem ist er in aller Welt beliebt und entsprechend im Gespräch. Immer mehr werden aber die dunklen Seiten des Geschäfts Profi-Fußball deutlich und es tun sich neue Gefahren auf: Der Fußball wird erpresst!

Zuletzt war es so, dass vor allem der üppige Geldfluss für Verstimmungen sorgte. Die Fernsehgelder explodierten und sorgten zum Beispiel dafür, dass die Premiere League in England als Schlaraffenland angesehen wird. Oligarchen aus Russland und Scheichs aus Arabien entdeckten den Fußball als ihr Spielzeug und brachten das System mit unanständigen Angeboten für Gehälter und Ablösesummen zum Wanken. Höhepunkt aktuell der Transfer über 222 Millionen des brasilianischen Stars Neymar von Barcelona nach Paris. Diese Geschäfte sorgen dafür, dass die Kluft zwischen Vereinen und Fans immer größer wird. Doch dabei bleibt es nicht.

Nehmen wir die Bundesliga, das liebste Kind der Deutschen. Der Fußball dominiert alle anderen Sportarten. Doch jetzt treten Erpresser auf den Plan.

Da sind zum einen die Ultras, der harte Kern der Fans. Sie sehen sich als Teil des Fußballs und wollen mitbestimmen. Sie sorgen für Stimmung in den Stadien, beeindrucken mit kreativen Choreografien und leiten daraus ein Mitspracherecht ab. In manchen Vereinen greifen sie gar nach der Macht. Ein Teil der Ultras schreckt auch vor Gewalt nicht zurück und droht Vereinen und Funktionären damit, dass die Gewalt eskalieren könnte (was sie zum Teil auch schon tut), um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die vernünftigen Fans kommen gegen die Chaoten, die mit einem echten Fan nichts zu tun haben, nicht an. Angeblich ist schon ein Zusammenschluss der Ultras im Gange, die mit Gewalt den Fußball quasi aus den Angeln heben wollen. Ist also die Zeit bald vorbei, da der Fußball ein Vergnügen für die ganze Familie war?

Als Gegenmittel gibt es nur eins, zurück zum Ursprung. Verzicht auf die Show auf den Rängen, weniger Stimmung, dafür mehr Sicherheit. Die Ultras feiern sich auf den Rängen ja zum Teil nur selbst, das Spiel ist fast egal, nur Tore werden bejubelt. Und wenn die Spieler nicht funktionieren wie sie wollen, sprich verlieren, dann gibt es auch ihnen gegenüber ein drohendes Imponier- und Machtgehabe. Das ist nichts anderes als Erpressung. Sie wollen ihr Vergnügen (dazu gehören Siege), aber nicht die Arbeit, damit der Spielbetrieb überhaupt läuft. Die anderen sollen organisieren – nach ihren Vorgaben offensichtlich.

Die Spieler selbst aber greifen auch zum Mittel der Erpressung. Der Franzose Dembele bei Borussia Dortmund ist nicht der erste Spieler, der seinem Verein das Messer auf die Brust setzt und seine Freigabe für einen neuen Verein u. a. mit einem Trainingsstreik einfordert. Motto: Der Vertrag ist mir egal, wenn ich wechseln will, dann interessiert mich der nicht. Wehe, der Verein würde sich nicht an die Vertragsinhalte halten! So aber wird der Verein erpresst, was will er mit einem Spieler, der seine Leistung nicht mehr bringt. Da sind Verträge Schall und Rauch.

Eine andere Art der Erpressung gibt es beim Hamburger SV. Der Verein kämpft Jahr für Jahr gegen den Abstieg, blieb als Dino der Bundesliga bisher erhalten, bekommt seine Probleme mit der Mannschaft aber nicht in den Griff. Hauptursache des Dilemmas: Aus zurückliegenden besseren Jahren haben einige Spieler besonders gut dotierte Verträge, die jetzt zum Bremsklotz werden. Der Verein will die Spieler Holtby, Lasogga und Hunt gern transferieren, doch die Spieler wollen nicht oder nur, wenn der neue Verein die lukrativen Verträge übernimmt. Kein Wunder also, dass sich kein Interessent findet. Und so werden die Spieler zu Erpressern, sie kassieren gutes Geld für schlechte Leistung. Hier werden die Verträge keineswegs zu Schall und Rauch.

Wir sehen, die Probleme des Fußballs sind vielfältig, zumal ja die bekannten und alten Probleme der internationalen Verbände und Funktionäre auch noch nicht gänzlich geklärt sind wie Korruption, persönliche Bereichung und andere Sachen, die vor verschiedenen Gerichten geklärt werden. Es ist fast ein Wunder, dass der Fußball überall auf der Welt noch so beliebt ist und die Fans viel Geld ausgeben, um ihre Bewunderung für ihren Verein auszudrücken. Ein Ende dieses Lebens in Luxus ist für den Fußball auf der ganzen Welt aber in Sicht. Auch Erpressungen könnten dazu führen: Alles auf Anfang, zurück zu den Wurzeln. Der Fußball als einfaches Spiel, nicht als das große Geschäft, nicht als Vehikel zur Geldvermehrung.

222 Millionen Euro für Neymar: Ein Anschlag auf den Fußball!

Als der FC Barcelona die Ablösesumme für seinen neuen brasilianischen Star Neymar Junior auf 222 Millionen Euro festsetzte, da hatte der Verein dies als utopische Summe angesehen, die niemand jemals zahlen würde. Die Spanier selbst hatten etwa 95 Millionen Euro gezahlt, um ihre Mannschaft mit Messi, Suarez und Neymar quasi unschlagbar zu machen. Wie man sich doch täuschen kann. Barcelona war nicht unschlagbar und in den verrückten Fußball-Zeiten, in denen Ablösesummen buchstäblich explodieren und Fantasiesummen keine Grenzen gesetzt sind, da geht Neymar doch mit 222 Millionen Euro über den Ladentisch. Barcelona ist jetzt reich, doch reicher sind die Scheichs in Katar. Deshalb stürmt Neymar ab sofort für deren Klub Paris St. Germain.

Rund um den Rekordtransfer des Fußballs gibt es viele Ungereimtheiten und Kuriositäten und der Sport-Grantler wundert sich, wie brav die Medien seltsame Zahlungsmethoden ohne Aufklärung weitergeben. Lachhaft die Meldung, Neymar habe die Ablösesumme, weil es die Regeln so vorschreiben, selbst bezahlt. Vorher hat er einen Scheck aus Katar über die Summe erhalten, danach wurden seine Auftraggeber bei Barca vorstellig, der Verein hatte keine Chance, Neymar zu halten. Insgesamt soll sich der Deal für Neymar ja auf 500 bis 600 Millionen Euro ausweiten. Von einer „Antrittsprämie“ über 100 Millionen Euro ist die Rede, von 30 Millionen Jahresgehalt und 40 Millionen Prämie für den Vater. Neymar aber ist sich nicht zu blöd, davon zu reden, er „folge seinem Herzen“. Ach, er hat halt ein goldenes Herz.

Eine Schlagzeile spricht von der „teuersten Seifenoper des Weltfußballs“, doch was steckt dahinter, wie geht es weiter? Was dahinter steckt ist klar, Katars Scheichs buhlen um Aufmerksamkeit in der ganzen Welt, wollen aus dem Ölstaat für die Zukunft eine touristische Attraktion machen, um weiter Geld zu verdienen. Höhepunkt dieser Pläne ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die mit viel Geld „erkauft“ wurde. Neymar soll wohl jetzt ein Gesicht der Werbekampagne werden, da passt ja die Höhe der Ablöse gut dazu. Fraglich ist, was die Scheichs noch planen. Katar steht ja unter Druck, weil die arabischen Nachbarstatten dem Emirat eine Unterstützung von Terroristen vorwerfen. Katar wehrt sich gegen diese Unterstellungen, gleichzeitig kann aber diese Fantasieablöse für Neymar als Anschlag auf den Fußball gewertet werden, der nämlich langsam aus allen Fugen gerät, wenn diesem Geld-Treiben kein Einhalt geboten wird. UEFA und FIFA scheinen ihr machtlos zu sein. Das Financial Fairplay sollte zwar die Geldflut stoppen, doch die Transferregel ist wirkungslos, Kritiker sagen sogar, sie ist kontraproduktiv.

Der Emir von Katar, Scheich Tamin bin Hamad Al-Thani, Besitzer von Paris St. Germain, sieht den Verein als PR-Vehikel für sein Land und die WM 2022 und dazu gehören eben auch internationale Erfolge des Klubs. Die soll Neymar garantieren. Man mag ja dem Brasilianer zugute halten, dass er mit dem Wechsel nach Paris unabhängig vom Geld eher aus dem Schatten der Messi und Cristiano Ronaldo treten kann. Aber bisher hat er nicht den Nachweis erbracht, wirklich besser zu sein. So geht ihm vor allem der Ehrgeiz von Ronaldo vollkommen ab. Neymar glänzte eher neben als auf dem Spielfeld. Ob da die Hoffnungen von Klubpräsident Nasser al-Chelaifi in Erfüllung gehen, der mit Neymar auf Dauer sogar Geld verdienen will?

Man kann angesichts der Entwicklung wirklich von einem Anschlag auf den Fußball reden und muss sich als Fußball-Fan um die Zukunft sorgen. Der gemeine Fan wird die Preistreiberei nämlich nicht mehr hinnehmen, schon jetzt wird das Verhältnis der harten Fans zu den Spieler-Millionären immer aggressiver. Nur Erfolge garantieren Ruhe, bleiben die aus, so sind immer öfter Ausschreitungen die Folge, der Fußball wird leiden.

Alle Vereine in Europa müssen aber jetzt auch um ihre Stars bangen. Der FC Barcelona hat viel Geld und sucht Ersatz für Neymar. Zwei Franzosen dürften da in den Blickpunkt rücken, Monacos Kylian Mbappe, der nur die Kleinigkeit von 190 Millionen Euro kosten soll, und Dortmunds Shooting-Star Ousmane Dembele. Da reichen wahrscheinlich 100 Millionen, bei denen Dortmund als Aktiengesellschaft zu diesem Geschäft nicht Nein sagen kann. Es bleibt in den nächsten Tagen und Wochen wahrscheinlich unruhig, auch wenn die Saison beginnt.

Eines könnte allerdings auch passieren: Neymar verletzt sich schwer und fällt wochenlang aus. Die Gesichter der Scheichs möchten wir dann sehen!

Profis wollen den Amateuren den Feiertag rauben

Wenn die nationalen Meisterschaften im Fußball beendet sind, steht in den meisten Verbänden dennoch ein weiterer Festtag des Fußballs auf dem Programm: Das Pokalfinale (unabhängig von den Finalspielen in den europäischen Wettbewerben). Der Vorteil: Die Saison endet, zum Beispiel in Deutschland, doch mit einem echten Endspiel, nachdem es mit der Einführung der Bundesliga im Kampf um die Meisterschaft ein Finale nicht mehr gibt. Der ständige Austragungsort Berlin mauserte sich dabei zu einem echten Anziehungspunkt, „wir fahren nach Berlin“ wurde zu einem beliebten Schlachtruf. Der Pokal ist populär.

Der Pokalwettbewerb endet in Deutschland mit einem Fest des Fußballs, er beginnt bisher fast schon traditionell mit einem Feiertag, bevor die Bundesliga in die Punktrunde startet. Richtig, ein Feiertag – für die Amateure. Ist das Ziel nämlich erreicht, über den Landesverbandswettbewerb den Pokal auf Bundesebene zu erreichen und dann einen Bundesligisten als Gegner zu haben (Highlight ist natürlich der FC Bayern München), dann fiebert jedes Dorf oder Kleinstadt diesem Ereignis entgegen, dass für manche kleine Vereine nicht nur ein großer Zahltag, sondern fast schon ein geschichtsträchtiges Ereignis ist.

Diesen Feiertag will der Profi-Fußball den Amateuren allerdings rauben. Schon lange ist der Deutschen Fußball-Liga (DFL) der Pokalspieltag vor dem Auftakt der Bundesliga ein Dorn im Auge, obwohl er auch ein wenig PR für die Eliteliga bedeuten kann. Nein, die Profis fürchten die zusätzlichen Strapazen, vor allem für die Vereine, die auf Europas Bühne aktiv sind. Vor allem die FIFA versucht ihre Wettbewerbe aufzublähen, um mehr Geld zu kassieren. Die nationalen Verbände dagegen suchen als Gegenmittel nach Möglichkeiten, die Belastungen für die Spieler eher zu reduzieren. Da soll auch eine Reform des Pokals helfen, allerdings sind die ersten Vorschläge, die öffentlich wurden, unausgegoren.

Der DFL-Vorschlag für die Verhandlungen mit dem DFB sieht angeblich vor, dass das Starterfeld von 64 auf 182 Klubs für die erste Runde erweitert wird. Auf den ersten Blick sieht es aus, als wenn der Versuch der Reduzierung konterkariert wird. Nein, so ist es nicht. In der ersten Runde sollen 122 Amateurvereine eine Qualifikation spielen, danach gibt es eine Vorrunde mit 128 Mannschaften, an der erstmals auch elf Bundesligisten teilnehmen sollen, aber nicht die sieben möglichen Vereine, die in Europa starten. Also wird es nichts mit dem FC Bayern München. Danach soll es wie gewohnt mit dem Achtelfinale bis zum Finale weitergehen, würde also für die Europa-Starter wie bisher sechs Pokalspieltage bedeuten. Es gibt für sie also keineswegs weniger Spiele, sie greifen nur später ein.

Um den DFL-Vorschlag den Amateuren attraktiv zu machen, wird natürlich mit Geld gelockt. Liegen bisher 4,3 Millionen Euro für die Amateure parat, soll diese Summe auf 13 Millionen Euro gesteigert werden und es würden mehr Vereine von der Ausschüttung profitieren. 15.000 Euro sieht der Vorschlag für die Qualifikation vor. Doch ist dies wirklich attraktiv? Die Amateure verlieren ihren Feiertag, sie verlieren aber auch viel von ihrer Chance, vor Beginn der Bundesliga eher für eine Überraschung sorgen zu können. Vor dieser Blamage in der ersten Pokalrunde haben die Bundesligisten Angst. Da erwischte es schließlich sogar schon den FC Bayern München. Später sind die Herren Profis schon besser in Form, im Spielbetrieb und die Amateure vielleicht ein bisschen müde.

Nein, eine Pokalreform ist Quatsch. Die erste Runde mit einer Qualifikation der Amateure würde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, in der alten Form aber, freuen sich die Fußball-Fans auf die ersten Pokalrunde, die quasi die neue Saison einläutet, wenn auch, wie zuletzt, die 2. Bundesliga früher beginnt. Der Pokal darf seinen besonderen Reiz nicht verlieren.

Am Samstag, 20. Mai, darf er in Berlin wieder sein Finale feiern. Borussia Dortmund ist dort fast schon Stammgast und giert nach einem Titel, während Eintracht Frankfurt eine zwiespältige Saison mit einer starken Vorrunde und einer schwachen Rückrunde in der Bundesliga noch krönen könnte. Bayern München ist diesmal nur Zuschauer. Der Pokal macht es möglich, die Bayern zu stoppen. In der Bundesliga waren die Gegner in den letzten fünf Jahren machtlos und mussten immer zusehen, wie die Bayern feiern.

Bundesliga-Drama auf den Fußball-Bühnen Europas

Auf den Theaterbühnen der Welt wird rezitiert, gesungen, gelacht, geweint, geschimpft, gelogen, betrogen, ja sogar gemordet (natürlich nicht wirklich, sonst gingen den Bühnen ja die Schauspieler aus). All dies zum Vergnügen des Publikums, das, je nach Qualität der Aufführung, begeistert ist oder auch mal buht. Besonders beliebt sind die Dramen, erregende Schauspiele mit einem traurigen Geschehen.

All das, was die Bühnen der Welt ausmacht, erlebte die Bundesliga auf den Fußball-Bühnen Europas. Ja, es wurde sogar versucht, wirklich zu morden. Der Anschlag eines habgierigen Deutsch-Russen auf Borussia Dortmund muss Verständnis dafür wecken, dass die Westfalen im Vergleich mit dem AC Monaco nicht ihre beste Leistung bringen konnten. Es war fast schon ein unmenschlicher Akt, dass die Spieler einen Tag nach dem Attentat wieder auf dem Platz stehen mussten und innerhalb einer Woche drei Spiele bestreiten mussten. Vielleicht war dies sogar gut für die Angst-Aufarbeitung, aber die sportliche Leistung musste leiden. Dennoch: Unter dem Strich bleibt das Bundesliga-Drama mit dem Ausscheiden aller deutschen Klubs in der Champions- und Europa League jeweils im Viertelfinale, wobei nicht nur Dortmund, sondern auch Bayern München und Schalke 04 nicht ohne Drama von der Bühne abtraten. Es war insgesamt ein trauriges Geschehen.

Die Bundesliga hat in diesen Wochen an Reputation verloren. Erstmals seit 2009 gibt es keinen deutscher Vertreter im Halbfinale der Champions League. Die Bayern waren zuletzt fünfmal hintereinander im Halbfinale, 2013 der Glanzpunkt mit einem deutschen Finale und dem glorreichen Triple der Bayern. Heute: Ein Drama. Die Bundesliga behält in der Europa-Rangliste zwar Platz zwei hinter den erfolgreichen Spaniern, aber die Tendenz ist fallend. Dies bestätigt auch der Blick auf die Bundesliga-Saison 2016/17, wo die Top-Klubs allesamt Schwächen zeigen, ganz im Gegensatz zu den Ligen in Spanien, England, Frankreich und Italien. Klar, die Öffentlichkeit liebt Überraschungen von Underdogs wie im Vorjahr von Leicester City in England, aber sie sollten nicht einhergehen mit einem Leistungsabfall der Großen. Das ist in Deutschland so mit Ausnahme von Bayern München.

Ob die Emporkömmlinge von RB Leipzig und der TSG Hoffenheim im nächsten Jahr auf Europas Bühnen für Furore sorgen können, ist noch höchst zweifelhaft. Sie bringen zwar viel Schwung ins Geschehen, aber Bundesliga und die Champions League mit ausgefuchsten Teams und Trainern sind zwei Paar Stiefel. Da sind schon Zweifel angebracht, andererseits gibt es vielleicht große Überraschungen in den Schauspielen. Es muss nicht unbedingt ein Drama sein. Andererseits: Deutsche und Engländer müssten sich mal Gedanken machen, was die Spanier haben, was sie nicht haben. Die spanische Dominanz auf Europas Bühnen ist schon auffällig. Das kann doch nicht daran liegen, dass die Spanier die Dramen lieben?

Nun, die deutschen Entschuldigungen für die schlechten Aufführungen wecken Verständnis. Dortmund litt unter dem Anschlag, München litt unter einem schwachen Schiedsrichter. „Die Schiedsrichter sollten nicht die Pokale verteilen“ hatte der Sport-Grantler am 4. April geschrieben, als wenn er es geahnt hätte. Der Ungar Viktor Kassai hievte Real Madrid mit anerkannten Abseitstoren ins Halbfinale, von einem „Unparteiischen“ zu sprechen, verbietet sich. Fünf zu zwei lauteten seine Fehlentscheidungen zu Gunsten von Real, aber sieben folgenschwere Fehler in einem Spiel dürfen einem internationalen Top-Schiedsrichter nicht passieren. Das reicht normal für eine ganze Saison. Kassai muss mehrere Lehrgänge absolvieren oder aus dem Verkehr gezogen werden.

Auch Schalke 04 wollte in der Europa League nicht ohne Drama ausscheiden, 120 Minuten wirkten wie ein Abbild der Saison, einen ständiges Auf und Ab. Nach einer 3:0-Führung war das 0:2 aus dem Hinspiel gegen Ajax Amsterdam umgekehrt worden, doch dann Fehler und der Gegner traf sogar in Unterzahl.

Die Deutschen also im Halbfinale nur Zuschauer, die Fernsehsender werden sich fragen, für was sie viel Geld bezahlt haben und es leichter verschmerzen, wenn sie bei der neuen Vergabe der Fernsehrechte leer ausgehen. Für die deutschen Fans könnte das zu einem neuen Drama führen. Und was die Zukunft von Bayern München angeht, schließlich gilt der Meister als einer der drei besten Klubs in Europa, da muss man schauen, was kommt. Aber das ist ein eigenes Thema. Hauptsache die Zukunft wird nicht zum Drama.