Gute Bundesliga-Spiele sind eine Rarität

von knospepeter

Was der Sport-Grantler schon am 26. Februar moniert hat (Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga) hat jetzt auch der Boulevard entdeckt. „Abrechnung mit zu vielen Murks-Spielen“ hieß es in der Sonntagszeitung Bild am Sonntag über die Bundesliga. Ja, leider ist es so, dass die guten Spiele in der selbsternannten „besten Liga der Welt“ mittlerweile eine Rarität sind. Alles wird dem Existenzkampf untergeordnet, die Trainer haben das Motto „nur nicht verlieren“ und nur selten den Mut, voll auf Sieg zu spielen. Das würde Spaß machen!

Einige Urteile über die Spiele am Wochenende sind bezeichnend. Da hieß es „viel Kampf und Krampf“ oder „fußballerisch dürftig“ und ein Fernsehreporter beendete seinen Kommentar mit einem Hinweis an den Schiedsrichter, „danke für den Schlusspfiff“. Das ist die Bundesliga von heute, bezeichnend dafür Platz zwei des FC Schalke 04. Die Minimalisten der Liga haben sich mit zuletzt zwei 1:0-Siegen nach oben gemauert. Spielerischer Glanz? Fehlanzeige! Ein Platz in der Champions League ist das Ziel, da zeichnet sich schon heute wieder ab, dass die Bundesliga international im nächsten Jahr die nächste Pleitenserie erleben wird.

Wie zur Bestätigung der letzten Kritik an der Krisen-Liga, rasteten die Fans abseits des Spielfeldes aus. Die Schalker Chaoten veranstalteten einen Pyro-Zirkus und sorgten für Spielverzögerungen. Die Hamburger Fans können sich mit dem bevorstehenden Abstieg gar nicht anfreunden, schockten Spieler und Verantwortlichen mit der Aufstellung von Grabkreuzen vor dem Volksparkstadion und drohten auf einem Banner: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen Euch alle!“ Die Bundesliga ist dabei, ihren Zauber zu verlieren.

Chaotisch ging es in der letzten Woche auch in der Führungsetage des HSV zu (eigentlich schon seit Jahren), es kam zum Großreinemachen, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt mussten gehen, der neue Vorsitzende und neuerdings Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann räumt auf. Auch Trainer Bernd Hollerbach wird gehen müssen, Amateur-Coach Christian Titz soll übernehmen. Eine verständliche Reaktion, der Neuaufbau kann nur mit neuen Leuten gelingen. Das Handeln jetzt zeigt aber auch: Der HSV hat sich mit dem Abstieg abgefunden, die Planungen für die 2. Bundesliga laufen an, die Bundesliga-Uhr des Dinos läuft dagegen ab, wird bald gestoppt. Die HSV-Chaoten sollten das mitnehmen: Gestorben ist der Verein damit noch lange nicht, der Abstieg sollte nicht das Ende bedeuten, sondern den Anfang von besseren Zeiten.

Von wieder besseren Zeiten, von alten Zeiten an der Spitze Europas träumen sie auch bei Borussia Dortmund. Das 1:2 in der Europa League gegen den FC Salzburg war nicht nur eine Schmach für den Verein, sondern auch für die Bundesliga. Wiedergutmachung muss das Ziel beim Rückspiel am Donnerstag sein. Nur mit Glück und den eingewechselten Torjäger Batshuayi gelang gegen Eintracht Frankfurt die Wende. Da stritten beim 3:2-Sieg der Westfalen zwei Vereine um die Champions League und das Spiel zeigte nur eins: Beide haben sie eigentlich derzeit nicht verdient.

Es gab aber auch Erfreuliches. Zum Beispiel Comebacks. So vom FC Augsburg, der auf fast schon spektakuläre Weise seine Krise mit einem 3:1-Sieg in Hannover beendet hat. Dass ausgerechnet die Ex-Hamburger Gregoritsch und Kacar die Torschützen waren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Personalpolitik des vermutlichen Absteigers. Der FCA wiederum hat sich fast aller Sorgen entledigt, darf wieder nach oben statt nach unten blicken. Alles klappte plötzlich wieder und auch Philipp Max schaffte einen Assist und empfahl sich Bundestrainer Joachim Löw. Eine Art Comeback feierte beim FC Bayern München auch Flügelflitzer Franck Ribery. Der Franzose zeigte wie in alten Zeiten Tricks und schoss sensationelle Tore und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung, auf die er nervös wartet. Das ihm nebenbei das 51.000 Tor der Bundesliga gelang, macht ihn glücklich: „Dann bin ich ja ein Teil der Geschichte.“

Bei den Bayern wartet man jetzt auf zwei Termine: Erstens: Wann ist die Meisterschaft endgültig unter Dach und Fach? Das könnte am Sonntag in Leipzig passieren, wenn die Bayern gewinnen und Schalke in Wolfsburg nicht 1:0 gewinnt bzw. überhaupt gewinnt. Dann würde Jupp Heynckes den Rekord von Pep Guardiola einstellen, der 2014 die Bayern ebenfalls am 27. Spieltag zum Titel führte. Thomas Müller betont aber schon: „Wir sind keine Meisterplaner“. Zweitens: Sind die Bayern Trainer-Planer? Jupp Heynckes heizte die Diskussion um seine Nachfolge noch einmal an, obwohl er eigentlich gar nichts sagen will und ihn angeblich das Thema zum Halse raus hängt. „Ich habe nie gesagt, dass ich am 30. Juni aufhöre“, ließ er verlauten und gab somit Rätsel auf. Bleibt er doch, obwohl er Thomas Tuchel als seinen Nachfolger empfohlen hat? Die Diskussion geht weiter, leider geht es wohl auch mit den Murks-Spielen weiter. Mit Kampf und Krampf bis zum Saisonende.

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