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Tag: Confed-Cup

Warum Deutschland nicht Fußball-Weltmeister wird

Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist fast gelaufen, 23 von 32 Nationen stehen fest. Afrika sucht noch drei Vertreter und einige Play-Offs stehen noch an. Turbulent gingen die letzten Spiele in Amerika und Europa zu Ende, mit Chile und den Niederlanden fehlen in Russland prominente Vertreter, Italien muss noch bangen. Deutschland hat die Qualifikation bekanntlich ungeschlagen mit einem neuen Weltrekord beendet. Ist die DFB-Elf, immerhin auch Erster der Weltrangliste, damit der logische Favorit? Vorsicht! Der Sport-Grantler sagt, warum Deutschland nicht Fußball-Weltmeister wird.

Es wäre ja zu schön, wenn Deutschland erstmals nach Brasilien (1958 und 1962) die erfolgreiche Titelverteidigung gelingen würde. Das Zeug dazu haben die Löw-Schützlinge sicherlich, aber einiges spricht auch dagegen. Wer an schlechte Omen glaubt, hat gute Argumente. Eben, dass eine erfolgreiche Titelverteidigung unwahrscheinlich ist (doch jede Serie geht einmal zu Ende, siehe Real Madrid in der Champions League) und vor allem, dass der Confed-Cup-Sieger danach nie Weltmeister wurde. Da wehrte Bundestrainer Joachim Löw zwar schon im Sommer nach dem überraschenden Cup-Gewinn mit einem B-Team ab, „daran denke ich überhaupt nicht“, aber der Sport hat doch seltsame Gesetzmäßigkeiten.

Realistischer muss man darauf verweisen, dass Jogi Löw zwar eine starke Mannschaft mit einer großen Kaderbreite zur Verfügung hat, aber die überragenden Spieler, die gerade in wichtigen Spielen den Unterschied ausmachen können, die fehlen. Gerade der Titelgewinn 2014 in Brasilien hat gezeigt, dass für den großen Coup alles stimmen, alles zusammenpassen muss und gerade diese glückliche Fügung wird sich vier Jahre später nicht gleich wiederholen. Könnte sein, dass Löw und seine Mannen 2014 das Füllhorn von Glücksgöttin Fortuna bereits geleert haben. Ein Handicap ist auch, dass Deutschland in der Qualifikation kaum gefordert wurde. Zwar stehen in den nächsten Freundschaftsspielen mit England, Brasilien und Spanien starke Gegner parat, aber die Wettkampfhärte kann auch hier nicht geschult werden. Wird die junge Garde den Druck aushalten? Ein Handicap. Alles deutet darauf hin, dass Deutschland eher nicht Weltmeister wird, die Konkurrenten Brasilien und Frankreich sind wohl weiter, mit Spanien und Argentinien (Messi !!!) ist immer zu rechnen.

Natürlich gibt es auch Gründe, warum Deutschland zum Favoritenkreis gehört und deshalb Weltmeister werden kann. Der große Kader ohne deutliche Leistungsunterschiede ist ein Vorteil, weil selbst Verletzungspech kaum für einen Qualitätsverlust sorgt. Dazu hat die DFB-Elf den Vorteil, dass jeder Gegner mit Respekt antritt. Jogi Löw weiß, wie man Titel gewinnt, aber die Turniere vorher und nach 2014 zeigten auch, dass der Bundestrainer gern mal zu taktischen Fehleinschätzungen neigt. Was aber die Anhänger des mystischen Glaubens angeht, da gibt es einen verlockenden Hinweis vom Schicksal: Italien war erster Doppel-Weltmeister genau vor 80 Jahren 1934 und 1938. Das wäre doch ein Jubiläum!

Was wirklich passiert, werden wir vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 in Russland sehen. Am 1. Dezember folgt die Auslosung der WM-Gruppen. Was passieren kann, musste vor allem Chile erleben. Der Südamerika-Meister scheiterte u. a. an einem Einspruch! Kurios: Die Chilenen hatten 2016 gegen das 0:0 gegen Bolivien Protest eingelegt, weil der Gegner einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte. Dem Protest wurde stattgegeben, aber auch Peru profitierte davon, weil dieser Spieler auch in dem Vergleich mitgewirkt hatte. Nur: Peru hatte verloren und bekam gleich drei Punkte geschenkt und landete nun vor Chile auf Platz fünf und bestreitet die Qualifikation mit Neuseeland. Hätte Chile auf den Protest verzichtet, wäre Chile Fünfter geworden! Pech auch für die USA, die mit der 1:2-Niederlage bei Trinidad & Tobago allerdings auch selbstverschuldet ausgeschieden ist. Panama, das den USA die Qualifikation wegschnappte, gewann allerdings durch ein Phantom-Tor. Man sieht, im Fußball kann alles passieren, auch, dass Deutschland Weltmeister wird.

Ist Deutschland jetzt unschlagbar?

Das war ein Paukenschlag, der die Fußball-Welt aufhorchen ließ: Deutschlands U 21 wurde am Freitag, 30. Juni, Junioren-Europameister, zwei Tage später holte Deutschland in St. Petersburg auch noch den Confed Cup. Das Besondere an der Situation: Bundestrainer Joachim Löw hatte auf das Gros der Weltmeister von 2014 beim Confed Cup verzichtet und acht Spieler im jüngsten Kader des Turniers, die noch in der U 21 hätten spielen können. Und dennoch wurden die U 21 Europameister! Welch ein Potential hat der deutsche Fußball! Die Fußball-Welt ist in Aufruhr: Ist Deutschland jetzt unschlagbar?

In beiden Endspielen gab es das gleiche Muster. Der Gegner war jedes Mal Favorit. Da die jungen Spanier, die teilweise bereits in der Champions League für Furore gesorgt hatten und schon als künftige Stars gehandelt werden. Dort der Südamerika-Meister Chile, der in Person von Anführer Arturo Vidal tönte: „Wir werden siegen und dann sind wir die Besten der Welt.“ Deutschland gewann jeweils mit 1:0. Nicht mit spielerischem Glanz, aber doch mit hohem technischem Niveau, aber vor allem mit Kampfgeist und Siegeswillen. Der kann bekanntlich Berge versetzen – und damit kann man Pokale gewinnen. Auch wenn die meisten Weltmeister sich eine Ruhepause gönnen.

Jogi Löws Vorgänger und Ex-USA-Nationalcoach Jürgen Klinsmann schaut bewundernd auf das deutsche Aufgebot und konstatiert: Jogi Löw hat eine Auswahl von 50 Spielern für die Weltmeisterschaft 2018. Da ist das A-Team, das mehr oder weniger Pause hatte, da sind die Gewinner des Confed Cups, die an der Tür zur Nationalmannschaft rütteln und da sind die Junioren-Europameister, die davon träumen, das zu wiederholen, was Neuer, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil und Co. schafften: 2009 Europameister und dann 2014 Weltmeister. Heißt: 2018 in Russland werden noch andere den Vortritt im DFB-Team haben, aber 2022 in Katar sind die Europameister von 2017 dran. Die Fußball-Welt hat nur eine Hoffnung: Nicht immer werden die Junioren-Europameister später auch Weltmeister. Das wäre zu einfach.

Bundestrainer Joachim Löw hat das Glück, dass er Spieler für jede taktische Ausrichtung hat und jede Menge flexibler Spieler, die für ein WM-Aufgebot unheimlich wichtig sind. Aber jetzt hat er eine einfache und eine schwere Aufgabe. Die einfache Aufgabe ist, die 23 besten Kandidaten für das WM-Team zu finden. Er kann dabei fast keine Fehler machen und Verletzungssorgen wird er kaum kennen, denn es steht auf jeder Position adäquater Ersatz bereit. Seine Aufgabe wird es sein, die Jungs in Form zu bringen und wie bei der U 21 und beim Confed Cup sowie 2014 in Brasilien eine echte Mannschaft zu formen.

Die schwere Aufgabe hat es in sich, Löw muss die Euphorie in Deutschland dämpfen. Logisch, wenn ein B-Team den Confed Cup gewinnt, wird das A-Team Weltmeister. Doch Löw beginnt bereits jetzt die Schwierigkeiten herauszuarbeiten: Die Talente sind noch nicht so weit, eine Weltmeisterschaft ist ein anderes Kaliber als ein Confed Cup, gegen Argentinien, Brasilien, Italien, England oder Spanien geht es anders zur Sache. Der Bundestrainer muss Kritik vorbeugen, ein frühzeitiges Scheitern bei der WM würde als Bumerang auf ihn zurückkommen, nach dem Motto: Bei so einer Auswahl muss herauskommen.

Doch das ist Zukunftsmusik oder die Zukunftsangst des Herrn Löw. Zunächst muss erst die WM-Qualifikation bestanden werden und da ist Deutschland (noch ohne Punktverlust) auf einem guten Weg. Und dann muss man wirklich erst sehen, wie stark die Gegner sind und was sie auf die Beine stellen. Favoriten sind oft gescheitert, wie jetzt bei der U 21-EM und beim Confed Cup. Joachim Löw muss sich die nächsten zwölf Monate vielleicht mehr mit Ausreden für den Fall der Fälle beschäftigen als mit der Taktik gegen die künftigen Gegner.

Das könnte nach heutigem Stand das WM-Aufgebot Deutschlands sein:

Tor: Neuer, ter Stegen, Trapp. – Abwehr: Boateng, Hummels, Rüdiger, Mustafi, Kimmich, Hector, Henrichs, Toljan. – Mittelfeld: Kroos, Khedira, Goretzka, Stindl, Rudy, Özil. – Angriff: Müller, Gomez, Werner, Reus, Draxler, Sané. Und dabei fehlen in dieser Aufzählung Höwedes, Gündogan, Can, Ginter, Götze, Schürrle, Weiser, Gnabry und andere, die sich ebenfalls in den Vordergrund gespielt haben. Welch eine Auswahl!

Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft

Dass der Fußball-Weltverband FIFA in erster Linie ans Geld denkt und dann erst der Sport kommt, das mussten wir schon des Öfteren leidvoll erfahren. Auch die Terminplanung wird dem unterworfen, sonst würden die Gedankenspiele nicht um die Aufblähung von verschiedenen Turnieren kreisen. Unsinnig ist auch, dass jetzt der Confed Cup in Russland und die Europameisterschaft der U 21 sich terminlich überschneiden. Beides sind Turniere bei denen es um die Weiterentwicklung des Nachwuchses geht. Doch das will die FIFA nicht wahrhaben, sie sieht blauäugig den Confed Cup als „Fest der Meister“. Aus deutscher Sicht aber heißt es: Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft.

Der Confed Cup oder „Confederation Cup“, wie er offiziell heißt, hatte seinen Vorläufer im „König Fahd-Pokal“, der 1992 und 1995 in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. 1997 übernahm die FIFA, der Pokal wurde bis 2005 alle zwei Jahre ausgetragen, dann war es den meisten Nationen zu viel und danach galt der Vier-Jahres-Rhythmus und der Confed Cup als Test für den WM-Ausrichter ein Jahr vor der eigentlichen Weltmeisterschaft. Doch immer mehr Nationen sprechen sich dafür aus, den Confed Cup ganz abzuschaffen. So dürfte Russland mit dem Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli der Abgesang sein. Vor allem 2021 in Katar ist eine Austragung undenkbar, weil der Confed Cup dann aus klimatischen Gründen wie die WM selbst 2022 auch im Winter stattfinden müsste und die Kontinentalverbände da kaum mitspielen. Geld hin und Geld her.

Beim Confed Cup starten die Meister der sechs Kontinentalverbände sowie der Weltmeister und der Ausrichter. Russland ist Gastgeber für Neuseeland (Ozeanien), Portugal (Europa), Mexiko (Mittelamerika), alle in der Gruppe A, sowie Deutschland (Weltmeister), Kamerun (Afrika), Chile (Südamerika) und Australien (Asien), alle in der Gruppe B. Die jeweils Ersten und Zweiten jeder Gruppe kommen ins Halbfinale, die Sieger sind im Finale (Sonntag, 2. Juli, 20.00 Uhr), die Verlierer spielen um Platz drei (Sonntag, 2.7., 14.00 Uhr, wo gibt es das noch?).

Es ist bei der FIFA nicht gut angekommen, dass Bundestrainer Joachim Löw von Anfang an dem Confed Cup nur eine geringe Bedeutung beigemessen hat und vielen Stammspielern für den Sommer freigegeben hat. Sein Argument ist stichhaltig: „Ziel ist die WM 2018, da wollen wir nach Möglichkeit unseren Titel erfolgreich verteidigen. Viele Spieler sind laufend im Einsatz, die brauchen auch mal einen Sommer Pause.“ Gastgeber Russland ist verschnupft, der Eintrittskartenverkauf gestaltet sich zäh, aber nicht alle Nationen denken so. Portugal und Chile zum Beispiel kündigten ihre besten Mannschaften an (mit Cristiano Ronaldo bzw. Vidal und Sanches). Aber eigentlich ist jeder gewarnt, den Confed Cup ja nicht zu gewinnen, denn der Sieger wurde noch nie Weltmeister! Bitter war dies vor allem für Rekordteilnehmer und Seriensieger Brasilien (vier Siege). Außerdem trugen sich Mexiko (1999) und Frankreich (2002 und 2005 in Deutschland) als Titelträger ein. Deutschland war bisher nur Mitläufer und gerade mal beim eigenen Turnier 2005 Dritter.

Dritter, damit wäre Löw auch in Russland zufrieden und jeder Spieler dürfte außerdem vom DFB 30.000 Euro Prämie einstreichen (50.000 Euro für den Sieg). Der Bundestrainer hat ein anderes Ziel: Wer kann den Stammspielern im Hinblick auf die WM Druck machen? Könnte sein, dass sich sein Kreis erweitert. Wer beim Confed Cup überzeugt, der ist einen Schritt weiter und hat die WM-Teilnahme vor Augen. In den ersten Länderspielen galt dies vor allem für Torjäger Sandro Wagner.

Im Vorfeld der beiden Turniere haben die Trainer Löw und Stefan Kuntz für die U 21 genau abgestimmt, wer in welcher Mannschaft antreten soll. Auch die Europameisterschaft gilt als wichtiger Meilenstein für die Zukunft, frühere Europameister der U 21 wurden später auch Weltmeister (Torhüter Manuel Neuer zum Beispiel). Das wünscht man sich auch für die Zukunft. So galt es, für die Spieler eine Perspektive beim Confed Cup zu finden, andererseits eine starke Mannschaft zur Europameisterschaft zu schicken, denn dort ist durchaus der Titel das Ziel. Die Konkurrenz ist allerdings beim Turnier in Polen (16. bis 30. Juni) stark. Zwölf Nationen spielen zunächst in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Zweite kommen ins Halbfinale. Ein harter Modus. Deutschland bekommt es in der Gruppe C mit Tschechien, Dänemark und Italien zu tun (Gruppe A Polen, Slowenien, Schweden, England, Gruppe B Portugal, Serbien, Spanien, Mazedonien). Einige A-Nationalspieler sind dabei, einige U 21-Kandidaten auch bei Löw. Im Hinblick auf den WM-Kader werden die Augen vor allem auf Abwehrchef Jonathan Tah (Leverkusen), die Mittelfeldasse Max Meyer (Schalke) und Mahmoud Dahoud (Gladbach) sowie Torjäger Serge Gnabry (Bremen, bald Bayern) gerichtet sein. Auch Mitchell Weiser (Hertha) und Davie Selke (Leipzig, bald Hertha) könnten sich noch in den Vordergrund spielen.

Dies zeigt, an Talenten mangelt es in Deutschland nicht. Deshalb gibt es bei zwei Turnieren nur ein Ziel – die Zukunft. Es könnte eine gute Zukunft sein.

2017 wird das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler

 

Für den Spitzensport ist 2017 ein sogenanntes „Zwischenjahr“, es stehen weder Olympische Spiele noch Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball an. Dennoch könnte 2017 ein bedeutendes Jahr für den Sport werden, wenn, ja wenn die Sportfunktionäre ein Herz für den Sport und Fans zeigen würden und in ihren Entscheidungen nicht dem Ruf des Geldes folgen. Diesbezüglich wird 2017 also das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler. Ob es ein bedeutendes Jahr wird, entscheidet sich also am „grünen Tisch“.

Geprägt wird das neue Jahr wohl vor allem wieder durch die Diskussion um das Doping. Russland steht mit dem (vom Land selbst verleugneten) Staatsdoping weiter am Pranger und wir warten auf Entscheidungen. Doping wird auch bei den Großveranstaltungen weiter eine Rolle spielen. Es geht aber auch um die Zukunft der großen Turniere im Fußball, wo der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino die Reklametrommel für größere Teilnehmerfelder rührt. Bereits im Januar soll es da erste Entscheidungen geben. Aber auch das IOC muss sich Gedanken um seine Zukunft und die der Olympischen Spiele machen. 2016 war typisch. Brasilien feierte seine Spiele und erleidet jetzt einen olympischen Kater. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, der Sport darf nicht zum Ruin eines Staates beitragen. Hoffnung hat der Sport-Grantler aber nur wenig, dass die Vernunft künftig die Oberhand behält.

Typisches Beispiel ist der Welt-Fußballverband FIFA, der jetzt hat untersuchen lassen, welche Turnier-Form den größten Gewinn verspricht. Angeblich könnte ein Turnier mit 48 Nationen, unterteilt in 16 Dreier-Gruppen, die größten Einnahmen erzielen. Eine Steigerung von 5,5 auf 6,5 Milliarden US-Dollar wäre angeblich möglich. Die Dollar-Zeichen glänzen in den Augen der Funktionäre, die sportliche Qualität und der Anreiz für die Fans spielen mit Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Großen Sport wird es aber auch ohne Großereignisse an 2017 geben. Der Wintersport feiert seinen WM-Winter wie immer in ungeraden Jahren. Die großen Tennis- und Golf-Turniere stehen wie jedes Jahr an, wobei der prestigeträchtige Ryder-Cup der Golfer erst wieder 2018 in Paris ausgetragen wird. Dazu gibt es wie immer Formel 1, die Tour de France und die Motorrad-WM.

Verschiedene Welt- und Europameisterschaften werden ihr Interesse finden. Den Anfang macht die Handball-Weltmeisterschaft vom 11. – 29. Januar in Frankreich, wobei die deutschen Fans wohl buchstäblich in die Röhre gucken, weil es im Free-TV wohl keine Fernsehbilder zu sehen gibt. Dabei gehört Deutschland als Europameister mit zu den WM-Favoriten. Im Mai schließt sich die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) an. Der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich positive Schlagzeilen mit Übertragungen bei Sport1. Die Leichtathletik-WM folgt vom 4. – 13. August in London, die Basketballer spielen ihre Europameisterschaft vom 30. August bis 17. September gleich in vier Ländern, nämlich Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei. Ob das ein echtes Turnier mit entsprechender Stimmung wird?

Der Fußball ist nicht außen vor und bietet kleinere Turniere, die durchaus Interesse finden werden. Der Confed-Cup vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2018. Davon will Bundestrainer Joachim Löw allerdings nichts wissen, er will eher junge Spieler testen. Dabei werden die Trainer beratschlagen, welches Talent sich bei Löw bewähren darf und wer mithelfen soll, Deutschland U21 zum Titel zu führen. Bei der Europameisterschaft der U21 vom 16. – 30. Juni in Polen will Deutschland ganz vorne landen. Das geht aber nur, wenn der neue Bundestrainer Stefan Kuntz seine beste Mannschaft aufbieten kann. Kein Kompetenzgerangel gibt es bei den Frauen, da steht die neue Bundestrainerin Steffi Jones bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August in den Niederlanden vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Also, auch das Sportjahr 2017 kann sich sehen lassen, wir werden Jubel und Enttäuschungen erleben, großen Sport, leider wohl aber auch wieder Lug und Trug, so wie im richtigen Leben halt auch. Wünschen wir den Funktionären den Weitblick, den Spitzensport in eine gute Zukunft zu führen.

Seltsam: Alle wollen nach Russland!

 

Russland hat sicherlich beeindruckende Städte und landschaftliche Schönheiten zu bieten, aber als Traumziel werden es nur wenige angeben. Eher heißt es: „Russland? Nein, danke.“ Sportlich geriet Russland zuletzt vor allem durch die Dopingaffären ins Zwielicht. Da wird es Präsident Putin freuen, wenn Russland plötzlich zum Traumziel auserkoren wird. In Europa beginnt die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und die findet bekanntlich in Russland statt. Also: Alle wollen nach Russland!

Sechs Kontinentalverbände weist die FIFA auf, Europa ist beim Start in die WM-Qualifikation das Schlusslicht. In Afrika, Südamerika, Nord- und Mittelamerika, Asien und Ozeanien wird bereits gespielt. In Europa fällt der Startschuss am Sonntag, 4. September. 54 Länder spielen in neun Sechsergruppen, die neun Gruppensieger sind direkt qualifiziert, die acht besten Gruppenzweiten haben in Play-Offs noch die Chance auf vier weitere Plätze.

Schlagerspiele sind in den neun Gruppen an den Fingern einer Hand abzuzählen. Nur zweimal treffen sogenannte „Große“ aufeinander: In der Gruppe A duellieren sich Frankreich und die Niederlande, in der Gruppe G sind es Spanien und Italien. Der frischgebackene Europameister Portugal trifft in der Gruppe B auf die Schweiz und Ungarn, Weltmeister Deutschland ist in der Gruppe C Favorit gegen Tschechien, Norwegen und Nordirland, die Gruppe D gilt mit Österreich, Wales, Serbien und Irland als ziemlich ausgeglichen, Polen will sich in der Gruppe E gegen Dänemark und Rumänien qualifizieren, England und Schottland treffen in der Gruppe F aufeinander, Belgien bekommt es in der Gruppe H mit Griechenland und Bosnien-Herzegowina zu tun, während Kroatien und die Türkei in der Gruppe I das EM-Überraschungsteam Island nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Wir sehen also, dass die EM die WM-Qualifikation ein bisschen interessanter gemacht hat. Erst am 10. Oktober 2017 werden die letzten Gruppensieger feststehen. Davor muss sich Russland schon im Sommer 2017 beim Confed-Cup der Kontinentalsieger als Organisator bewähren.

Naturgemäß werden die Augen vor allem auf Weltmeister Deutschland gerichtet sein und Bundestrainer Joachim Löw lässt keine Zweifel daran, dass die erfolgreiche Titelverteidigung das erklärte Ziel ist. Titel fallen einem allerdings nicht in den Schoß, da bedarf es manchmal auch glücklicher Umstände, wie sie Deutschland bei der WM 2014 in Brasilien hatte oder Portugal bei der EM 2016. Was Deutschland angeht, da deutete ein holprige EM-Qualifikation schon darauf hin, dass der WM-Glanz ein bisschen verblasst war. Fünf WM-Helden haben inzwischen ihren Rücktritt erklärt, zwangsläufig muss Löw zumindest in Teilen eine neue Mannschaft aufbauen. Da wird die Qualifikation auch gegen Gegner, die nicht unbedingt zur ersten Klasse gehören, Fingerzeige geben können. Härtere Proben soll das DFB-Team dann eher in Freundschaftsspielen bestehen und beim Confed-Cup sollen die Stars geschont werden und Talente ihre Bewährungsprobe erhalten.

Besonders spannend ist die WM-Qualifikation in Südamerika. Dort kämpfen zehn Nationen in einer Gruppe um vier feste Plätze, der Fünfte hat noch die Qualifikationschance gegen den Vertreter aus Ozeanien. Die Qualifikation begann mit Überraschungen, nach sechs Spieltagen liegen Uruguay und Ecuador mit 13 Punkten gleichauf, Argentinien folgt mit 11 Punkten erst dahinter vor Chile (10), Kolumbien (10) und Brasilien (9), das derzeit ausgeschieden wäre. Argentinien feierte zuletzt trotzdem, weil Superstar Leonie Messi vom Rücktritt zurücktrat und doch wieder das Nationaltrikot tragen wird. Brasilien schöpft aus dem Olympiasieg neue Hoffnung. Endlich wieder ein Erfolgserlebnis, das Mut geben sollte. Bisher verlief die Qualifikation mutlos, die mit einer 0:2-Niederlage in Chile begann und neben Remis mit einem 3:1 gegen Schlusslicht Venezuela (1 Punkt) nur einen Sieg brachte. Mit Olympia-Gold sollen wieder goldige Zeiten anbrechen! Russland brachte mit der Doping-Affäre einen Schatten auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, eine WM ohne Brasilien würde einen Schatten auf die WM in Russland werfen!