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Tag: FC Augsburg

Mit Uli Hoeneß ging bei den Bayern auch das Glück

Die Frage stand immer im Raum: Was wird einmal aus den Bayern, wenn Uli Hoeneß geht? Die Antwort scheint mit einem Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga gegeben: Die Münchner liegen nur auf Rang sieben! Zwei 1:2-Niederlagen in Folge gegen Leverkusen und bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach haben Spuren hinterlassen und statt des „mia san mia“ ist jetzt Verunsicherung beim Titelverteidiger zu spüren, der wohl beim Rekord von sieben Titelgewinnen in Folge stehen bleibt. Neues Ziel: Zunächst mal ein Platz für die Champions League. So ändern sich die Zeiten.

Was augenfällig ist: Mit Uli Hoeneß ging offensichtlich bei den Bayern auch das Glück. War es früher ein Markenzeichen der Bayern, dass sie in den letzten Minuten ein Spiel noch drehen konnten, so passiert heute das Gegenteil. Wie eben auch in Gladbach durch einen unglücklichen (oder blöden?) Elfmeter in der Nachspielzeit. Unglücklich ist es allerdings nicht, sondern eher bedenklich, wenn die Bayern nach starken 60 Minuten und einer 1:0-Führung die Kontrolle über das Spiel verlieren. Seltsam ist, dass die Super-Stürmer das Tor nicht mehr treffen. Ging in den ersten Spielen alles fast von allein für Robert Lewandowski, so setzt er jetzt die Bälle knapp vorbei und zeigt Zeichen der Resignation. Sein Lauf ist vorbei, einen Lauf hat dagegen Kontrahent Timo Werner in Leipzig. Bis auf ein Tor hat er sich an den Polen herangepirscht – die Bayern wollten ihn ja nicht. Dieser Fehlgriff passt in eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen.

Der Unglücksrabe der Niederlagen war Javi Martinez. Gegen Leverkusen war der Spanier gegen den schnellen Bailey zu langsam, gegen Gladbach verschuldete er den entscheidenden Elfmeter (nur in der Zeitlupe war zu sehen, dass er zuerst den Ball spielte und Thuram aufs Fallen aus war, aber Elfmeter war es wohl trotzdem). Das Problem: Martinez ist für die Innenverteidigung zu langsam. Zur Erinnerung: Martinez galt einst als Glücksbote, wenn er spielte gewannen die Bayern. Auch heute noch ist er im Mittelfeld wohl besser aufgehoben, da bremst er manchen guten Spielzug des Gegners durch seine Erfahrung und sein gutes Spielverständnis. Kommt der Gegner zum schnellen Konterspiel wird er zum Zuschauer. Auffällig außerdem: Gegen die Bayern trafen zuletzt Spieler entscheidend, die bis dahin eher ein Schattendasein führten. Zweimal traf Bailey (bisher enttäuschend), Bensebaini kämpft mit Wendt um einen Platz im Team, Adamyan war vor seinen Toren in München bei Hoffenheim meist Ersatz. Das Glück haben heute die anderen.

Die Meisterschaft werden und müssen die Bayern noch nicht abschreiben. Vor einem Jahr lagen sie am 14. Spieltag neun Punkte hinter Dortmund und zwei hinter Gladbach (!), waren Dritter. Die Rückrunden-Tabelle spricht allerdings Bände: Erster war München mit 42 Punkten, Zweiter Leipzig (35), Dritter Leverkusen (34), Vierter Dortmund (34) und nur Zehnter mit 22 Zählern Gladbach. Wiederholt sich die Geschichte, heißt am Ende der Meister doch wieder Bayern München! Dazu braucht es allerdings auch wieder Glück, Tore und starke Leistung. Und das ohne Uli Hoeneß (zumindest in vorderster Front).

Geklärt werden muss auch die Trainer-Frage, Interimstrainer Hansi Flick hat gewonnen und verloren. Die Leistung kann sich (über lange Zeit) sehen lassen, doch der Ertrag stimmt nicht. Ob er zumindest bis zum Sommer erster Mann bleiben wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Spielen bis Weihnachten, gegen Bremen, in Freiburg (vor den Bayern, für sie ein Jahrhundertereignis!) und gegen Wolfsburg müssen drei Siege her. Die Entscheidung fällt so oder so in der Winterpause, die Medien könnten sich die wiederkehrenden Fragen zur Zukunft von Flick bis dahin sparen. Ein Gespann Thomas Tuchel/Hansi Flick hätte für die Zukunft zweifellos seinen Reiz.

Alle reden über die Bayern, dabei geht der Tabellenführer unter. Aber Borussia Mönchengladbach ist kein Zufallstabellenführer, sondern zeigt beeindruckende Leistungen und trotzte auch dem Verletzungspech. Als „König der Liga“ kann sich Manager Max Eberl fühlen, der den Umbau des Teams glänzend bewerkstelligte. Seine Trainer-Entscheidung von Dieter Hecking zu Marco Rose war ebenso ein Treffer wie er bei den Neuzugängen richtig lag. Auch hier sei angemerkt: Eberl war auch bei den Bayern im Gespräch, die sich dann für Hasan Salihamidzic entschieden. Auch hier sicherlich keine glückliche Entscheidung. Aber vielleicht passt Eberl besser zu Gladbach. Und auf dem Weg zum ersten Titelgewinn seit 1977 wird wohl RB Leipzig der schärfste Gegner sein, zumindest, wenn Timo Werner weiterhin so auftrumpft. Leipzig siegte jetzt fünfmal hintereinander.

Apropos Serien: „Mannschaft der Stunde“ ist eigentlich der FC Augsburg, der viermal ungeschlagen blieb und sich in den wichtigen Spielen gegen die Konkurrenten im Abstiegskampf aus dem Sumpf zog. 17 Punkte und Platz 12 sind der Lohn, fünf Punkte beträgt das Polster zum Relegationsplatz. Kein Wunder, dass Trainer Martin Schmidt die Platte immer neu auflegt: „Der Trend stimmt“. Bemerkenswert auch, dass Paderborn die „Rote Laterne“ abgab und Bremen mit dem 1:0-Sieg in den Abstiegskampf zog. Neues Schlusslicht ist der 1. FC Köln, dort heißt der Trend seit Jahren: Glauben wir, es wird gut, dann wird alles schlecht. Der aktuelle Trend heißt Abstieg.

Platz eins ohne Sicherheit

Bis Weihnachten gibt es keine Ruhepause mehr, in diesen Tagen steht die Entscheidung in Champions League und Europa League an. Die Bundesliga-Klubs haben bisher eine beachtliche Rolle gespielt, Bayern München ist sogar schon Gruppensieger, Leipzig will Platz eins in Lyon und auch gegen St. Petersburg (beide drei Punkte zurück) halten. Doch Platz eins bietet für die Auslosung am Montag, 16. Dezember, keine Garantie für einen leichteren Gegner im Achtelfinale. Die Bayern haben da ja im Vorjahr eine leidvolle Erfahrung gemacht und jetzt könnte dann wieder der FC Liverpool drohen, wenn die Klopp-Schützlinge nicht in Salzburg gewinnen (Hinspiel 4:3). Eine Niederlage könnte sogar das Aus bedeuten, denn Neapel ist ein Sieg gegen Genk zuzutrauen. Aber auch Real und Atletico Madrid drohen für die Gruppensieger als Gegner. Wie die Bayern Erster sind bereits Paris, Manchester City, Juventus Turin und der FC Barcelona. Dortmund kämpft (gegen Slavia Prag) noch um den Einzug ins Achtelfinale und muss dabei hoffen, dass Barca bei Inter Mailand willens ist Leistung zu zeigen. Auch Leverkusen (gegen Juventus) hofft noch, überwintert aber wie Dortmund auf jeden Fall in der Europa League.

Die Bundesliga spielt verrückt

Eigentlich ist jetzt die stille Zeit, Gelegenheit, um ein bisschen zur Besinnung zu kommen. Das wäre auch für die Fußball-Bundesliga wünschenswert, denn die präsentiert das Gegenteil: Die Bundesliga spielt verrückt. Statt Stille gibt es Paukenschläge, statt Besinnung Wirbel allerorten. Nach dem 12. Spieltag ist vieles nicht mehr, wie es vorher war. So gingen Siegesserien spektakulär zu Ende.

Fangen wir oben an. Nach drei Siegen in Folge grüßte Borussia Mönchengladbach ungefährdet mit vier Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze. Heimlich wurde schon die Herbstmeisterschaft ins Visier genommen. Doch davon ist keine Rede mehr. Ausgerechnet ein Aufsteiger stoppte den Möchtegern-Weihnachtsmeister, die „Eisernen“ hielten eisern dagegen, Union Berlin siegte 2:0 und streckt Gladbach die Zunge raus, jetzt hat Union eine Serie von drei Siegen.

Möchtegernmeister – da war doch was? Dortmund muss sich gefallen lassen, dass die Borussia immer wieder auf das ausgegebene Saisonziel angesprochen wird – der Titel. Doch statt Siegesfreuden herrscht Frust, dem 0:4 in München folgte ein 0:3 gegen Paderborn, gut, bis zur Halbzeit, dann rappelte sich das Team noch und schaffte den Ausgleich. Doch das 3:3 wurde als Niederlage wahrgenommen und Kapitän Marco Reus moserte, „das darf nicht passieren“. Dazu kam ausgerechnet die Jahreshauptversammlung, Boss Watzke beruhigte Trainer Lucien Favre und zählte ihn gleichzeitig an. Er darf vorerst bleiben, die Bewährungsproben folgen aber in der Champions League in Barcelona und am Samstag in Berlin. „Es kommt auf die Ergebnisse an“, macht Watzke deutlich. Für den Coach heißt das: Wende oder Ende!

Ähnlich sieht es beim Gegner Hertha BSC aus. Mit viel Optimismus wurde die Saison angegangen, doch die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Abstiegskampf. Vier Niederlagen in Folge hinterlassen Spuren, ein 0:4 in Augsburg darf nicht passieren und so ergeht es Trainer Ante Covic wie dem Kollegen Favre: Ergebnisse zählen, sprich Siege. Über seine Zukunft wird im Verein diskutiert. Wenn Covic am Samstag noch auf der Hertha-Bank sitzt, könnte es zum Showdown kommen – Covic oder Favre, wer verliert, muss gehen. Trainer-Schicksal. Bei Hertha gerät allerdings auch Manager Michael Preetz immer mehr in die Kritik. Die Saisonplanung, die nicht aufging, hat er zu verantworten.

Beim FCA ist das Gegenteil der Fall, zwei Siege in Folge haben Verein und Trainer aus der Schusslinie gebracht. Doch Heckenschützen gibt es immer, jetzt schoss Michael Gregoritsch gegen den Verein („Ich will weg“) und schaute deshalb suspendiert zu. Der FCA ist dabei, das Image des bodenständigen Vereins zu verlieren, motzende Spieler werden dort zu Mode. Das gehört nicht zu einem seriösen Geschäft, aber vielleicht zu einer verrückten Bundesliga.

Trainerwechsel sind wieder attraktiv geworden, weil anderswo die positiven Auswirkungen sichtbar werden. Am Auffälligsten in München, bei den Bayern herrscht nach dem Abgang von Niko Kovac plötzlich eine ganz andere Stimmung. Kein Motzen mehr, keine Zweifel mehr, dafür bei allen ein Lachen und Lob für Nachfolger Hansi Flick. Die Bilanz: Drei Spiele, drei Siege, 10:0 Tore. Unter Kovac schimpften die Spieler, wenn sie ausgewechselt wurden, bei Flick lachen sie. Statt dem Ende die Wende. Jetzt wird wieder gerechnet, an Weihnachten wollen die Bayern Tabellenführer sein, so wie es sich (aus ihrer Sicht) gehört. Seltsam: Der geschasste Niko Kovac ist sowohl in Dortmund als auch bei der Hertha als möglicher Nachfolger im Gespräch. Die Bundesliga spielt verrückt.

Vielleicht spielt auch hier ein seltsames Beispiel eine Rolle. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen und heuerte wenige Tage später in Mainz an. Motto: Es muss halt passen, der richtige Trainer im richtigen Verein. In Köln passte es nicht (in Köln passt wohl gar nichts), in Mainz offensichtlich schon, der 5:1-Sieg in Hoffenheim war verrückt. Die Hoffenheimer befanden sich schließlich im Höhenflug: Fünf Siege in Folge. Und dann mischt Mainz den Gastgeber auf, obwohl eine Halbzeit in Unterzahl. Achim Beierlorzer machte aber hinterher deutlich, dass Trainer auch ein Herz für Kollegen haben, er lobte die gute Arbeit von Vorgänger Sandro Schwarz.

Es zeichnet sich ab, dass in der Adventszeit in der Bundesliga weiterhin keine Stille herrschen wird, keine Besinnung, wenn die erste, zweite, dritte und vierte Kerze brennt, sondern eher steht irgendwo das ganze Haus in Flammen, weil die Ergebnisse eben nicht stimmen. Ob die abartige Pyrotechnik der Ultras da fast schon bezeichnend ist?

Übrigens: In dieser Woche steht die vorletzte Runde der Gruppenphase in Champions League und Europa League an. Mal sehen, ob das Geschehen aus der Bundesliga abfärbt und wir auch international sagen müssen: Ein bisschen verrückt…

Der Schmach folgt die Hoffnung

Als die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nach der Gruppenphase vorzeitig abreisen musste, da zürnte Deutschland und das Image des DFB-Teams lag am Boden. In jedem anderen Land wäre als Erstes der Trainer geschasst worden, nicht so in Deutschland, Bundestrainer Joachim Löw zehrte noch vom Titelgewinn 2014. Wer Weltmeister wurde, der hat einen Sympathiebonus und einen besonderen Stellenwert. Mehr Entgegenkommen darf er allerdings nicht erwarten, doch die Schonfrist hat er genutzt. Zwar verlief die Neuorientierung im Spielerkader ziemlich holprig und nicht immer logisch, aber am Ende zählen die Ergebnisse und die Aussichten. Löw kann eine ruhige Winterpause genießen, der Schmach folgte nämlich die Hoffung.

Doch stopp: Zu den Titelanwärtern zählt Deutschland bei der Europameisterschaft 2020 noch nicht. Alle Erwartungen diesbezüglich werden von Trainer, Spielern und Funktionären einhellig gedämpft. Die junge Mannschaft ist noch nicht gefestigt genug, zeigte Schwächen in der Abwehr und Ergebnisse können auch trügen. Ein 4:0 und 6:1 hörte sich gut an, doch die Gegner waren eben Weißrussland und Nordirland, nicht Frankreich oder Spanien. Genau die werden aber von Löw und Co. zusammen mit England und Italien auf das Favoritenschild gehoben. Ein Hintertürchen der Hoffnung bleibt aber offen: Die positive Entwicklung der Mannschaft könnte ja schneller als gedacht vor sich gehen. Allerdings bleiben vor dem Turnier im Juni nur zwei Länderspiele (Spanien steht als Gegner im März fest) als Vorbereitung. Immerhin, Sportdirektor Oliver Bierhoff schürt Optimismus: „Da wächst eine Mannschaft heran.“

Jogi Löw hat in der heißen Umbruchphase bekanntlich mit der Absage an die Weltmeister Hummels, Müller und Boateng Staub aufgewirbelt und möglicherweise zu früh gehandelt. Es zeigte sich nämlich, dass die jungen Talente schon Halt durch erfahrene Spieler benötigen würden, siehe das Abwehrdilemma, das auch durch zahlreiche Verletzungen zustande kam. Hummels auszubooten und dafür mit dem Mittelfeldstrategen Emre Can in der Abwehr zu spielen ist einfach nicht logisch. Bezeichnend, dass gerade die Weltmeister Manuel Neuer und Toni Kroos sich zuletzt als Stützen des Teams bewährten. Vor allem in der Abwehr muss Löw Lösungen finden, zumal, wenn der als Chef eingeplante Süle ausfällt. Ginter und Rüdiger könnten das Abwehrpaar bilden, Can und Tah zeigten zu viele Schwächen, Stark und Koch waren wohl eher Experimente. Da steht eher Toni Kehrer parat.

Eine ganze Reihe von Spielern dürften ihre EM-Fahrtkarte sicher haben, manche, obwohl sie – wie viele andere früher auch – ihre Leistungen aus dem Verein im DFB-Team nicht wiederholen können. Marco Reus ist so ein Kandidat, Julian Brandt scheint ein aktueller Fall zu sein. Das Gegenteil ist Torjäger Serge Gnabry, der für Deutschland noch besser trifft als für die Bayern. Er ist zweifellos der Aufsteiger der Saison.

Diese Spieler halten wohl die EM-Fahrtkarte in der Hand: Neuer, ter Stegen, Klostermann, Halstenberg, Ginter, Rüdiger, Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan, Havertz, Gnabry, Reus, Sane, Werner, Brandt.

Diese Spieler kämpfen um die restlichen sieben Plätze im 23er-Kader: Leno, Trapp, Schulz, Hector, Süle (wenn fit dabei), Tah, Kehrer, Stark, Koch, Hector, Can, Draxler, Rudy, Waldschmidt, Amiri, Demirbay.

Ein Vorteil ist sicherlich, dass die deutsche Mannschaft in der Vorrunde in München Heimrecht genießt. Sollte sich Ungarn qualifizieren, steht ein Gegner fest. Die Gruppen-Auslosung für die EM ist allerdings eine Farce, sie ist so kompliziert, dass sie wohl nicht einmal die Funktionäre selbst verstehen. Am 30. November gibt es quasi eine vorläufige Auslosung, nach den Play offs der Nations League folgt die endgültige Verteilung der Plätze. Ein Procedere, das sich nicht wiederholen sollte. Was die erste Auslosung angeht, so befindet sich Deutschland in Topf 1 und wird nicht auf Belgien, England, Italien, Spanien und die Ukraine treffen, aus Topf 2 kommen aber die möglichen Gegner Frankreich, Polen, Schweiz oder Kroatien, aus Topf 3 Portugal, Türkei, Österreich oder Schweden. Das kann also eine ganz schwere Aufgabe werden. Doch es gibt ja Hoffnung.

Endspurt in der Bundesliga

Zunächst steht aber wieder die Bundesliga im Mittelpunkt, die zum Endspurt der Vorrunde startet. Schlagzeilen machten vor allem spektakuläre Trainerwechsel. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen, soll aber jetzt Mainz retten. Was auf den ersten Blick unlogisch klingt, könnte Sinn machen, denn Beierlorzer passt vielleicht besser zu Mainz. Er wird nicht im Sinn gehabt haben: Hauptsache ein Karnevalsverein. Sein Nachfolger in Köln heißt Markus Gisdol, der natürlich vom Verein gepriesen wird, aber ob er im hektischen Umfeld in Köln bestehen kann, muss sich zeigen. An seiner Seite als Sportdirektor als Nachfolger von Armin Veh steht jetzt Horst Heldt. Er hat eine Kölner Vergangenheit, seine bisher Arbeit als Sportdirektor u. a. in Stuttgart und auf Schalke hatte aber Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Da gilt halt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Beide Vereine stehen tief im Abstiegskampf, die ersten Aufgaben werden für beide Trainer schwer, Köln muss nach Leipzig, Mainz ist bei Hoffenheim zu Gast. Das Schlagerspiel im Abstiegskampf heißt wohl FCA – Hertha, der Sieger bekommt Auftrieb, beim Verlierer brennt es. Vor allem die Berliner haben sich die Saison mit Investor Windhorst und seinem Geld ganz anders vorgestellt.

An der Spitze wird mit Argusaugen der weitere Werdegang des Überraschungs-Spitzenreiters verfolgt. Kann sich Gladbach der Verfolger erwehren? Selbst Neuling Union Berlin kann eine Prüfung sein. Unter besonderer Beobachtung aber auch die Konkurrenz: Bleibt Bayern (in Düsseldorf) mit Interimstrainer Hansi Flick im Aufwind? Hat sich Dortmund (gegen Paderborn) gefangen oder wackelt Lucien Favre wieder? Wer bleibt aus dem Kreis Freiburg, Hoffenheim, Leverkusen, Hoffenheim und Schalke in der Verfolgerrolle? Die Bundesliga lebt von den Fragezeichen.

Einige Vereine müssen allerdings auch damit leben, dass sich Stammspieler bei den Einsätzen für die Nationalmannschaft verletzt haben. Ein ständiges Ärgernis, zumal die internationalen Aufgaben immer mehr werden sollen. Besonders schwer hat es den Freiburger Waldschmidt erwischt, der ebenso mindestens bis zum Jahresende ausfallen wird wie FInnbogason beim FCA. Auffallend, dass der Isländer dem Verein oft verletzt fehlt und gerade wieder zu den Länderspielen fit wird. Das ist für den Verein eine ärgerliche Diskrepanz. Die Bayern hoffen, dass Coman, der vom Nationalteam Frankreichs vorzeitig zurück reiste, bald wieder einsatzfähig ist. Schließlich warten bis zur Weihnachtspause fünf Wochen mit wichtigen Spielen am laufenden Band.

Sieben Tore wecken falsche Hoffnungen

Was war das für ein Festtag: Mit 7:2 fegten die Bayern Tottenham Hotspur aus dem eigenen Stadion, Fußball-Europa horchte auf. Was war das für eine Enttäuschung: Überheblich, ohne Einsatz und Disziplin ließen sich die Bayern von Hoffenheim und vor allem vom Bundesliga-Lehrling Sergis Adamyan mit 1:2 düpieren. Zwei Tore durch die Beine von Jerome Boateng, schlimmer geht’s nimmer. Der Ex-Nationalspieler als Lehrling, die Bayern als Ex-Tabellenführer und die Frage aller Fragen: Wie stark sind die Bayern wirklich? Die sieben Tore gegen Tottenham weckten jedenfalls falsche Hoffnungen. Der grandiose Sturm (jeder Schuss ein Treffer) hatte sich gelegt und wurde ein laues Lüftchen. Sturm gibt es bei den Bayern höchstens abseits des grünen Rasens.

Gewiss: Vor einem Jahr ging es Trainer Niko Kovac noch schlechter, vor dem Besuch auf dem Oktoberfest gab es eine 0:3-Niederlage gegen Gladbach, es war die vierte sieglose Partie in Serie. Da war Feuer auf dem Dach, das allein mit Oktoberfestbier nicht gelöscht werden konnte. Diesmal bleibt noch alles ruhig nach der ersten Niederlage nach 20 Spielen, aber der Coach macht beileibe nicht alles richtig und Fragen werden gestellt. So nach dem Umgang mit den Spielern, zum Beispiel Thomas Müller. „Mister Bayern“ aufs Abstellgleis gestellt und eine dumme Aussage von Kovac: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit seine Einsatzzeiten bekommen.“ Müller schwieg, für den Trainer war es ein Eigentor. Die Arbeit im Team macht es nicht leichter, liegt denn Kovac wirklich richtig, Joshua Kimmich im Mittelfeld werkeln zu lassen und dafür auf seine Power auf der Außenposition zu verzichten? Neben Thiago gehört in der Mitte ein Abräumer, doch Javi Martinez leidet wie Müller auf der Ersatzbank. Die Bayern haben Abwehr- und Abstimmungsprobleme, die sollte der Trainer abstellen, sonst wiederholt sich das Feuer vom Vorjahr. Die Euphorie von London ist schnell verflogen.

Die Bayern nur Dritter, eine Dichte wie noch nie an der Tabellenspitze, sieben Teams nur zwei Punkte auseinander, normal müsste man urteilen „Fußball-Herz, was willst Du mehr“. Doch es überwiegen eher die Zweifel, auch nach zweifelhaften Auftritten auf Europas Bühne. Wie bei den Bayern heißt die Frage: Wie stark ist die Bundesliga wirklich? Die Spannung weckt falsche Hoffnungen, die Favoriten schwächeln und nur deshalb kommen die Mannschaften aus dem Mittelfeld plötzlich an die Spitze. Mönchengladbach war einst Stammgast auf dem Platz an der Sonne, doch seit dem 3. Spieltag der Saison 2011/12 war dies nicht mehr der Fall! Jetzt ebneten erschreckend schwache Augsburger den Weg. Und dahinter folgt der VfL Wolfsburg: Mit biederen Leistungen schaffte er es trotzdem bisher ungeschlagen zu bleiben – als einzige Mannschaft!

Großes Rätselraten also, vor allem in Dortmund nach drei 2:2 in Folge, jeweils mit eigener Führung. Die Borussia ist kein Spitzenteam , im Moment zumindest nicht. Da gerät auch Trainer Lucien Favre immer mehr in die Kritik. Dortmund ist wohlgemerkt nur Achter. Beobachter haben aber recht: Die derzeitige Konstellation sorgt für ein Spitzenspiel nach dem anderen, Dortmund gegen Gladbach zum Beispiel. Schade, dass die Länderspielpause ansteht. Nur die Teams am Tabellenende werden vielleicht froh sein, um nach Lösungen zu suchen. Vor allem Augsburg muss sich sammeln, die hohen Niederlagen mehren sich und als nächster Gegner kommt Bayern München. Einzige Hoffnung für den FCA: In welcher Form? Mit Köln – Paderborn steht aber auch das nächste große Kellerduell an, Vorletzter gegen Letzter, gegen Mainz verpasste Paderborn seinen ersten Saisonsieg. Auffallend: Die drei Aufsteiger liegen hinten.

Länderspiele sind für die Fans kein Spaß mehr

Länderspiele müssen sein, aber die Länderspiele sind keine Feiertage mehr, eher eine unwillkommene Unterbrechung der Punktrunden. Die Verbände und die Trainer sind aber selbst schuld, allerdings ist es auch verständlich, dass diese Spiele für Experimente und Tests genutzt werden. Die Teams treten meist nicht in Bestbesetzung an. Allerdings müssten dann die Eintrittspreise angepasst und vor allem die unseligen vielen Wechsel in der zweiten Halbzeit abgeschafft werden. So sind die Länderspiele für die Fans kein Spaß mehr. Der Test von Deutschland gegen Argentinien am Mittwoch in Dortmund ist der Beweis: Argentiniern verzichtet auf seine Stars, auch Messi fehlt, Deutschland beklagt viele Verletzte. Jogi Löw entlarvend: „Das Ergebnis steht nicht im Vordergrund.“ Von einem Fußball-Feiertag kann keine Rede sein.

Auch deshalb gab es keine Kritik an dem neuesten Coup der UEFA, die in der Nations League die beste Gruppe aufstockte, künftig spielen in Liga A je vier Mannschaften statt drei, Deutschland muss deshalb nicht absteigen. Es wird also 2020 keine Freundschaftsspiele mehr geben, weil auch die Verbände erkannt haben, dass sich der Spaß in Grenzen hält. So gibt es in allen Länderspielpausen Pflichtspiele der Nations League. Testen kann (muss) der Bundestrainer dennoch, es müssen ja nicht gleich mehrere Spieler auf einmal sein.

Testen kann oder muss Joachim Löw gegen Argentinien aber auch am Sonntag in Estland, weil zahlreiche Stammspieler fehlen, neben Sane, Schulz, Draxler, Goretzka und Rüdiger musste auch Toni Kroos absagen, der Einsatz von Ginter, Werner und Gündogan ist fraglich. Feststeht, dass gegen Argentinien Torhüter Marc-Andre ter Stegen seine Chance bekommt, wenn es am Sonntag in der EM-Qualifitkation wieder ernst wird, steht Kapitän Manuel Neuer im Tor. Damit wird die leidige Torhüter-Debatte allerdings nicht beendet sein. Einer wird sich wohl beweisen dürfen, Talent Kai Havertz von Bayer Leverkusen, den viele schon besser als Toni Kroos einstufen.

Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

Der Wechselwahnsinn hat bald ein Ende

Das Datum ist unglücklich, der 31. August fällt auf einen Samstag, deshalb endet die Wechselfrist im Profi-Fußball in den meisten Ländern (auch Deutschland) erst am 2. September. Noch ein paar Tage mehr des Wahnsinns, aber immerhin ist das Ende der Aufregungen rund um Spielerwechsel in Sicht. Dann werden Trainer, Manager und Spieler aufatmen, jeder weiß dann, was Sache ist, wie der Kader ausschaut und die Fans können abschätzen, ob es sich gelohnt hat eine Dauerkarte zu kaufen, denn eigentlich kaufen sie die Katze im Sack. Derzeit heißt es bei Trainern und Managern für die restlichen Tage: „Das ist alles verrückt, ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Die Millionen wurden in den letzten Wochen hin- und hergeschoben, die Gerüchte hatten Hochkonjunktur und die Wirklichkeit sah oft ganz anders aus. Auch in der Bundesliga hatte es in der letzten Woche noch große Schlagzeilen und heftige Wechselgeschäfte gegeben. Den Vogel schossen dabei die Bayern ab, die mit Philippe Coutinho einen Weltstar an Land zogen und dabei die Leihe wählten, die ja allgemein oft die Rettung für eine Verstärkung ist. Aber der Brasilianer ist nicht billig mit angeblich 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und einem Gehalt von 13 Millionen Euro (Netto!) im Jahr. Nach der Saison müssen die Bayern entscheiden, ob sie für einen Kauf 120 Millionen Euro hinlegen.

Bei einigen Vereinen herrscht aber noch Bedarf, um die Lücken auf den letzten Drücker endgültig zu schließen. Da sind die Manager um die eine Woche noch froh, Frankfurts Manager Fredi Bobic hat scheinbar sogar darauf hingearbeitet: „Die letzte Woche ist verrückt und da kann man noch Schnäppchen machen.“ Die Eintracht braucht dringend noch Verstärkung im Angriff, Torjäger Bas Dost ist fast an Land, aber mit Ante Rebic könnte der letzte der „Bullen“ neben Haller und Jovic noch gehen. Dann muss Bobic noch einmal tätig werden. Der FC Augsburg wiederum hat Panik in seiner Abwehr ausgemacht und kauft und kauft Abwehrspieler. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj sind die Nummer vier und fünf (nach Pedersen, Suchy und Oxford), jetzt soll auch noch der Wolfsburger Uduokhai kommen. Nach dem Motto: „Irgendwie müssen wir die Abwehr dicht bekommen.“ Pech, dass ausgerechnet ein Fehler von Jedvaj das Gegentor zum 1:1 gegen Neuling Union Berlin einleitete. Dabei sollten drei Punkte für einen Befreiungsschlag sorgen. Das Glück wird also noch gesucht.

Lassen wir uns überraschen, was wir an Spielerwechseln noch erleben werden. Sportlich ist die Bundesliga schon mal interessant gestartet, doch die richtigen Erkenntnisse folgen bekanntlich erst nach etwa zehn Spieltagen. Fünf Mannschaften feierten zwei Siege, mit dabei der SC Freiburg, der das bisher noch nie geschafft hat. Vier Mannschaften haben dafür noch keinen Punkt, Mainz 05 ist das Schlusslicht (und muss jetzt zu den Bayern), das gefällt ebenso nicht wie die Nullnummer in Bremen. Beobachter malen schon den Teufel an die Wand, dass Bremen ein Schicksal wie Köln drohen könnte, das Europa-Träume hatte und zum Absteiger wurde. Jetzt ist Köln wieder als Aufsteiger dabei, muss aber mit einem schweren Start leben (fünf Niederlagen wären nicht überraschend) und vor allem die Ruhe bewahren. Sportdirektor Armin Veh stöhnt schon: „Der Spielplan ist katastrophal.“

An der Spitze zeigten Borussia Dortmund und die Bayern Stärke. Herausforderer Dortmund bewies, warum er vom Titel träumt, als es nämlich in Köln nicht lief (0:1), da konnte Trainer Lucien Favre mit Umstellungen und neuen Leuten für die Wende sorgen. Bemerkbar machte sich auch ein neues Selbstbewusstsein. Die Bayern dominierten auf Schalke, doch gab es Diskussionen um zwei nicht gegebene mögliche Handelfmeter. Allerdings: Beide Situationen sind umstritten, Pavard drehte sich ab und wurde aus kurzer Distanz angeköpft (neue Regel: Kein Elfmeter), Perisic spreizte beim Freistoß nur leicht den Arm ab, nicht extrem, Elfmeter möglich, aber Ermessungsentscheidung. Schiedsrichter Marco Fritz mutig und treuherzig: „Ich habe in beiden Situationen keinen Elfmeter gesehen, der Video-Schiedsrichter sah keine krasse Fehlentscheidung.“ Und dennoch heulen die Kritiker und der Video-Referee wird wieder einmal verrissen. Haben die Bayern wieder mal Glück gehabt.

In Europa wird gelost, Länderspiele stehen bevor

Der Fußball nähert sich bereits der Hochkonjunktur, denn alle Ligen haben ihre Punktrunden begonnen und auch auf Europas Bühne wird es besonders interessant. Am Donnerstag und Freitag stehen die Auslosungen für die Champions League und die Europa League bevor. Danach darf wieder spekuliert werden, wer denn im internationalen Fußball überwintert. Die Frage nach den Gesamtsiegern ist Quatsch, denn da ist erst die Auslosung für die K.o.-Runden entscheidend. Die Bayern mussten das leidvoll erfahren, als sie gegen den späteren Sieger FC Liverpool frühzeitig ausschieden. Zunächst einmal sind die Bayern für die Gruppenphase in Topf eins gesetzt, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen werden dahinter eingegliedert. Aber alle müssen auf Glück hoffen und schlagbare Gegner.

Eintracht Frankfurt kämpft noch um den Einzug in die Europa League und musste in dieser Woche einen herben Rückschlag hinnehmen. Bisher noch ohne Niederlage gab es in Straßburg ein 0:1 und in Leipzig ein 1:2. Vor allem die Niederlage in Straßburg tut weh, denn jetzt muss ein Sieg mit zwei Toren her und das quasi ohne hochklassige Stürmer. Da könnten die letzten Wechsel zu spät kommen. Ein Ausscheiden wäre auch schade für die Fans, die rund um die Eintracht für eine besondere Europa-Atmosphäre sorgen. Mönchengladbach und Wolfsburg können in Ruhe auf die Auslosung warten.

International geht es aber auch mit Spielen weiter, die nationalen Punktrunden werden nach dem kommenden Wochenende für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 unterbrochen. Auf Deutschland wartet fast schon die Vorentscheidung mit Duellen gegen die Niederlande und Nordirland, die Gegner also, die als größte Konkurrenten um einen Platz bei der EM angesehen werden. Und Löw hat nicht alle Mann an Bord (Sane fehlt). Da haben es die Frauen leichter, die treffen bereits am Samstag auf Montenegro und müssen dann in die Ukraine. Schade ist aber, dass die Punktrunde bereits wieder nach zwei Spieltagen unterbrochen wird, so kann eigentlich kein richtiges Interesse aufgebaut werden. In der Frauen-Bundesliga starteten die Favoriten Wolfsburg und Bayern wie erwartet mit zwei Siegen, das schaffte als Dritter im Bunde auch die TSG Hoffenheim. Doch jetzt ist halt erst mal Pause.

Krach bei der DFL, Friede beim DFB

Das Theater auf Funktionärsebene lief in der vergangenen Woche vollkommen konträr ab. Friede, Freude, Eierkuchen beim DFB, der zuletzt wegen allem in die Kritik geriet. Jetzt aber erntete der Verband, weil die Findungskommission offensichtlich den besten vorzeigbaren Präsidenten gefunden hat: Fritz Keller heißt er, ist nicht nur als Vorsitzender des SC Freiburg bekannt, sondern auch als Winzer und Gastronom. Die Ruhe von Freiburg wünscht man sich jetzt auch beim DFB. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhard Grindel, Journalist und Politiker, ist Fritz Keller vom Fach, was ja eigentlich logisch sein sollte. Und sein Wein schmeckt ausgezeichnet.

Bei der DFL, die doch so die Ruhe liebt und immer wieder ihre Einigkeit betont, herrschte dagegen keine Eintracht, sondern Zwietracht. Der Kampf Klein gegen Groß oder Arm gegen Reich ist bei der DFL angekommen, die kleineren Vereine hatten den „Bund Mittelstand“ gegründet und den „Großkopferten“, vornehmlich Dortmund und München, gezeigt, dass sie nicht kassieren und regieren können. Dortmunds Boss Watzke reiste verstimmt vorzeitig ab, weil er für sich keine Wahlchancen sah. Karl-Heinz Rummenigge betonte zwar, dass man doch alles für die kleinen Vereine getan habe, aber eigentlich haben sie doch mehr für sich getan. Die Gelder sollen neu verteilt werden, die kleineren Vereine wollen mehr vom Kuchen. Allerdings: Würden die attraktiven Vereine die Solidarität nicht mehr leben, ging es ihnen besser und den Kleinen schlechter. Der Sport würde jedoch auch leiden, die Großen hätten keine ernsthaften Gegner mehr. Jedes Ding hat halt seine zwei Seiten.

Die Bayern stehen gleich mit dem Rücken zur Wand

In der letzten Saison dauerte es – nach einem guten Start mit vier Siegen – bis zum Herbst, ehe sich die Bayern ihre Krise nahmen. In diesem Jahr geht es schneller, nur 2:2 gegen die Hertha zur Saison-Premiere, Dortmund dagegen 5:1 gegen Augsburg – vom ersten Spieltag an läuft der Meister dem Herausforderer hinterher, steht gleich mit dem Rücken zur Wand. Eine Situation, die sie in München gar nicht lieben und gleich machte sich nach zähen Transferabschlüssen im Sommer so eine Art Torschlusspanik breit. Plötzlich herrschte hektische Betriebsamkeit.

Am Wochenende ging es wirklich Schlag auf Schlag, der Kader füllte sich, doch ob die Neuzugänge die Mannschaft wirklich nach vorne bringen, muss erst einmal abgewartet werden. Da muss dann auch das System passen und die Stimmung in der Mannschaft darf nicht leiden, Stichwort Bank. Die Lösung liegt – im wahrsten Sinne des Wortes – beim „Magier“, der zaubern muss. „Magier“ wird Star-Einkauf Philippe Coutinho genannt, den Brasilianer spülte es in dem Spieler-Wechsle-Dich-Spielchen von Barcelona nach München. Eigentlich sollte Paris das Ziel sein, doch nur eine Beigabe eines Neymar-Wechsels wollte er nicht sein, München gefällt ihm angeblich auch, selbst vor dem Winter habe er keine Angst. Der 27-Jährige gilt als Spielgestalter und torgefährlich, in Liverpool unter Jürgen Klopp erlebte er seine beste Zeit, erzielte in 201 Pflichtspielen 54 Tore und gab 45 Torvorlagen. Dann holte ihn Barcelona für angeblich 145 Millionen Euro, machte ihn zum zweitteuersten Spieler der Welt und jetzt leisten sich – aus der Not geboren, weil andere (teure) Kandidaten verletzt ausfielen – die Bayern den Luxus-Spieler, angeblich für 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und 13 Millionen Jahresgehalt. 120 Millionen ist wohl der Kaufpreis.

Den Anfang des Sommer-Schluss-Einkaufs machte Ivan Perisic, der mit seiner Erfahrung als Soforthelfer für die Flügel kam. Der Kroate kommt ebenfalls als Leihspieler von Inter Mailand, mit fünf Millionen ist die Gebühr preiswerter. Aber auch er will spielen, bleibt er ruhig in der Rolle des Back up? Und weil das Einkaufen gerade so schön ist, holten die Bayern den 20-Jährigen Franzosen Michael Cuisance von Mönchengladbach (Fünfjahresvertrag, 10 Millionen) gleich noch dazu. Angeblich wollte er bei der Borussia eine Einsatzgarantie, bei den Bayern sieht er das anders: „Ich will mich entwickeln.“

Plötzlich hat Bayern-Trainer Niko Kovac ein Überangebot an Spielern und die schwere Aufgabe, wie er alle einsetzen und zufriedenstellen soll, denn auf der Bank herrscht Unruhe. Die gab es bereits nach dem 2:2 gegen Hertha, denn Talent Renato Sanches will länger spielen, nicht nur fünf Minuten. Er moserte, was ihn angeblich 10.000 Euro Geldstrafe kostet. Er wiederholte zudem seinen Wechselwunsch. Vielleicht wäre die Lösung Spielpraxis in der Bayern II in der 3. Liga, dort könnten Sanches, Cuisance sowie Arp und Davies reifen. Tun sie sich das an oder gibt es nur Ärger? Im Mittelfeld haben die Bayern sowieso ein Überangebot. Coutinho könnte Thomas Müller verdrängen (die Bayern dürfen das Urgestein nicht verlieren!), ist die Frage, passen Thiago und Coutinho zusammen, mit Goretzka und Tolisso ist im Mittelfeld einer zuviel und als Abräumer fehlte zuletzt Javi Martinez, er ist fast unersetzlich. Niko Kovac muss also ein Magier sein, zumindest aber ein guter Moderator.

Die Dortmunder schauen sich das Ganze von oben an. Sie erlebten gegen Augsburg zwar einen Schock mit einem Gegentreffer nach nur 32 Sekunden (zum fünften Mal am 1. Spieltag!), doch nach drei Minuten war dies vorbei. Das 5:1 war fast ein Spaziergang und bestärkte nur das neue Selbstbewusstsein, zumal sich Mats Hummels gleich als die gewünschte Verstärkung in Sachen Sicherheit erwies. Und von Ärger auf der Bank drang (zunächst?) nichts nach außen. Dortmund hat die ersten Runden (Transfers, Supercup) gegen die Bayern für sich entschieden, doch abgerechnet wird im Mai.

Wo es eine Tabellenspitze gibt, gibt es auch ein Tabellenende. Das zieren der FC Augsburg und Neuling Union Berlin. Welch ein Terminplan: Am kommenden Samstag treffen sie aufeinander. Und kein Witz am 2. Spieltag: Es gibt eine Weichenstellung, wer verliert, der steckt auf jeden Fall im Abstiegskampf. Beide zählten ja sowieso zu den heißen Abstiegskandidaten, gemeinsam mit Neuling SC Paderborn, der allerdings in Leverkusen für Furore sorgte, aber auch ohne Zähler blieb.

Die Lage ist bei Union und Augsburg allerdings anders. Der Neuling weiß, dass er noch lernen muss. Die Augsburger sind in ihrem neunten Bundesliga-Jahr dagegen alte Hasen, doch so schlecht wie derzeit sah es noch nie aus. Scherzbolde sagen, es geht aufwärts. Die letzte Saison schloss mit einem 1:8 in Wolfsburg, die neue begann mit einem 1:5 in Dortmund. Und jetzt? Stabilität ist gefragt, dafür soll der vereinslose Stephan Lichtensteiner kommen, zuletzt spielte der 35-Jährige Schweizer bei Arsenal London. Die Torhüter-Position könnte wieder zur Achillesferse werden. Zur Erinnerung: Im Vorjahr patzten Giefer und Luthe in den ersten Spielen und der FCA verlor durch Torwartfehler mindestens sieben Punkte. Jetzt griff der tschechische Nationaltorhüter Koubek wiederholt ins Leere, ein Rückhalt war er nicht. Den aber braucht Augsburg und viel Mut gegen Union Berlin. Die nächsten Aufgaben haben es für beide Teams in sich: Der FCA muss nach Bremen und erwartet Frankfurt, Union hat zwar zwei Heimspiele, aber die Gegner heißen Dortmund und Bremen.

Die Augsburger werden auch zerknirscht nach Frankfurt geschaut haben, dort war ihr alter Abwehrstratege Martin Hinteregger, der unbedingt den Verein verlassen wollte, der gefeierte Siegtorschütze gegen Hoffenheim – nach 36 Sekunden. Immerhin raubte er dem FCA damit nicht die Bestleistung für das schnellste Tor. Die Eintracht aber hat die Qualifikationsrunde zur Europa League für eine gute Saisonvorbereitung genutzt. Der Stress geht aber weiter, der nächste Gegner in der Qualifikation am Donnerstag hat es in sich, gegen Racing Straßburg wird es nicht leicht und am Sonntag wartet Leipzig. Noch sind die Hessen in dieser Saison ohne Pflichtspielniederlage. Noch…