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Tag: FC Liverpool

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

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Unten ist oben! Zweite Liga erstklassig

Vor einer Woche war an dieser Stelle von der 3. Liga im deutschen Fußball die Rede und davon, dass sie im europäischen Vergleich an der Spitze liegt, was das Interesse angeht. Dies lässt sich auch von der 2. Bundesliga sagen, die am Freitag mit der neuen Saison beginnt. Die zweite Liga ist in Sachen Interesse, heißt Zuschauerschnitt, in Europa erstklassig. Rund 19.000 kamen in der letzten Saison im Schnitt, der Rekord liegt bei 21.580 in der Saison 2016/17. Manchmal kann unten und eben doch oben sein!

In der Tat hat die 2. Bundesliga an Image gewonnen, das liegt daran, dass Traditionsvereine das Unterhaus zwangsläufig „besuchen“ und scheinbar führt das auch dazu, dass das spielerische Niveau steigt. Die Trainer konstatieren, dass die Liga bei Weitem keine „Kampfliga“ mehr sei. Und dennoch sind sich die Favoriten, meist die Bundesliga-Absteiger, einig: „Wir müssen die zweite Liga annehmen“. Das gilt aber vor allem auch psychologisch, nicht dass einer meint, „wir sind eigentlich ein Bundesligist, die zweite Liga gewinnen wir im Vorbeigehen“. Das kann zur Ernüchterung führen, der Bundesliga-Dino Hamburger SV musste es in der letzten Saison erleben. Er blieb auf der Strecke, neben dem Rückkehrer 1. FC Köln machten der SC Paderborn und Union Berlin das Rennen. Sie sind jetzt oben.

Die Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1. FC Nürnberg gehören neben dem Hamburger SV also zum Favoritenkreis und möchten schnellstmöglich wieder zurück. Gleichzeitig steigern sie natürlich die Attraktivität der 2. Bundesliga, die ja mit Dynamo Dresden, dem FC St. Pauli und Aufsteiger Karlsruher SC weitere klangvolle Namen zu bieten hat. Nur sechs Vereine des 18er-Feldes haben noch keine Bundesliga-Luft geschnuppert. Also auch da ist die zweite Liga fast erstklassig.

Auffallend ist, dass sich im Unterhaus wie im Oberhaus das Trainerkarussell kräftig drehte. Sieben neue Trainer gibt es oben, sechs sind es auch in der 2. Bundesliga. Bezeichnend, alle großen Favoriten probieren es mit neuen Coaches. Die Neuen sind Tim Walter (Stuttgart), Mirko Slomka (Hannover), Damir Canadi (Nürnberg) und Dieter Hecking (Hamburg), außerdem Mersad Selimbegovic (Regensburg) und Andre Schubert (Kiel). Einer der Erstgenannten vier wird also in die Röhre schauen, wobei einige schon vorsichtig sagen, wir wollen nach oben, muss aber nicht gleich in diesem Jahr sein. Ein „Muss“ ist es wohl beim Hamburger SV, schließlich ist es der zweite Anlauf, die größten Erwartungen gibt es darüber hinaus wohl in Stuttgart. Der Start hat es gleich in sich mit dem Duell Stuttgart – Hannover. Wer ist besser gerüstet?

Das sind die 18 Teams: VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, Hamburger SV, FC Heidenheim, Holstein Kiel, Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg, FC St. Pauli, Darmstadt 98, VfL Bochum, Dynamo Dresden, Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen, VfL Osnabrück, Karlsruher SC, Sv Wehen Wiesbaden.

Bundesliga-PR von Bayern und Dortmund

Im Oberhaus tummeln sich die Favoriten im internationalen Geschehen. Bayern München und Borussia Dortmund weilten beide in den USA auf Werbetour, wobei diesmal allerdings nur die Münchner am Champions Cup teilnahmen. Aber beide sorgten für beste PR für die Bundesliga. Die Dortmunder besiegten Ex-Trainer Jürgen Klopp mit Champions-League-Sieger FC Liverpool mit 3:2 und die Bayern verwiesen nach einem 1:2 gegen Arsenal London den alten Rivalen Real Madrid mit 3:1 in die Schranken. Eine Wohltat für beide Teams und Lob gab es obendrein. So urteilte Jürgen Klopp über Dortmunds Leistung „eindrucksvoll“ und Reals Trainer Zinedine Zidane nahm die Münchner wieder in den Kreis der Favoriten für die Champions League auf: „Sie haben ein Team, das den Titel gewinnen kann“. Dortmund hat sich bekanntlich spektakulär verstärkt, die Bayern halten mit einem etablierten Team dagegen: „Uns muss man erst mal schlagen.“ Und wenn es keine Neuzugänge gibt, dann bleiben halt die eigentlich erwarteten Abgänge: Renato Sanches will sich endgültig bei den Bayern durchsetzen, Jerome Boateng warb mit starken Leistungen für sich, nach dem Motto „geht doch“. Bei ihm ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Das erste Duell zwischen Dortmund und Bayern wird schon sehnsüchtig erwartet, es ist der Supercup am 3. August. In der Bundesliga muss man noch bis zum Wochenende 9./10. November warten.

Übrigens zeigt sich bei beiden Vereinen wieder einmal der Unterschied: Da der Glamour-Klub Bayern, der bei Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger in Los Angeles zum Grillen eingeladen war (unter den Gästen auch Sylvester Stallone und Dolph Lundgren, Star-Koch Alfons Schuhbeck sorgte mit Kaiserschmarrn für die Nachspeise) und die NASA besuchte, passend zum erhofften weiteren Höhenflug. Der bodenständige Verein aus dem Ruhrpott gönnte sich als Abwechslung einen Besuch in einem Burger-Restaurant.

Während sich 17 Bundesligisten noch auf die neue Saison vorbereiten, wartet auf einen Verein schon der Ernstfall, Eintracht Frankfurt muss bereits in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League ran (25. Juli/1. August). Gegner ist Flora Tallinn, Tabellenführer in Estland, das sich mit 2:0, 2:2 gegen den eigentlich favorisierten serbischen Vizemeister Radnicki Nis durchsetzen konnte. Kann Tallinn zum Stolperstein werden? Beobachter glauben nicht, das spielerische Niveau sei überschaubar gewesen. Die Hessen wollen die Europa-Euphorie des letzten Jahres wiederholen und haben sich im Rahmen der Saison-Vorbereitung bestmöglich in Form gebracht, doch rund um die Mannschaft gibt es noch Fragezeichen. Die Torjäger Jovic und Haller haben sich bekanntlich verabschiedet, um Torhüter Kevin Trapp gibt es mit Paris noch eine Hängepartie. So ist der Däne Frederik Rönnow die Nummer 1. Er kann also Werbung für sich betreiben. Sollte sich Frankfurt für die Europa League qualifizieren und auch im DFB-Pokal erfolgreich sein, warten auf die Mannschaft bis Weihnachten 31 Spiele! „Müde Weihnachten“ wären dann wohl auch „frohe Weihnachten“.

Klopp unsterblich in Liverpool – Tradition wird in die zweite Liga verbannt

Er kann es doch! Jürgen Klopp hat endlich einen internationalen Titel geholt und wird dafür in Liverpool gefeiert. Der 51-Jähige Trainer musste sich nach sechs verlorenen Endspielen gegen den Ruf wehren, kein bedeutendes Finale gewinnen zu können. Er scheiterte 2013 mit Borussia Dortmund an Bayern München, verlor 2017 mit Liverpool das Finale der Europa League und im Vorjahr das der Champions League nach schweren Torwartfehlern von Louis Karius mit 1:3 gegen Real Madrid. Doch in diesem Jahr war alles anders, Klopp, in Liverpool sowieso schon von den Fans geliebt, hat jetzt endlich geliefert und nach dem 2:0-Sieg gegen Tottenham in Madrid wird er unsterblich in der Stadt der Beatles. 200.000 waren in der Stadt auf den Beinen. Schon fordern viele für ihn ein Denkmal wie für die Legende der „Reds“, Bill Shankly. Auf dessen Spuren wandelt Klopp, jetzt will er den Fans und Stadt vor allem die nationale Meisterschaft schenken. Darauf warten sie sehnsüchtig und sie glauben an den einen, der es schaffen kann: Jürgen Klopp. Mit 97 Punkten wurde er in diesem Jahr hinter Manchester City und Pep Guardiola. Der Spanier gratulierte zum CL-Triumph und er freue sich schon auf die neuen Duelle, „wenn wir uns wieder gegenseitig in den Hintern treten“.

Das Finale in Madrid war im Vergleich zu den spektakulären Halbfinals geradezu langweilig, ein Hand-Elfmeter, einer der Sorte der unglücklichen Handbewegung, tötete schon in der 2. Minute das Spiel. In der Folge beherrschte Liverpool souverän den Kontrahenten aus der Premier League und es zeigte sich, wie wertvoll, wenn auch teuer, Klopps Verstärkungen waren: Abwehrstratege Virgil van Dijk (für 85 Millionen Euro verpflichtet) war ebenso ein Rückhalt wie Torhüter Alisson Becker (65 Mill.). Geld, vernünftig eingesetzt, gewinnt halt doch Pokale. Übrigens: Als seine größte Leistung bisher bezeichnete Klopp den Aufstieg in die Bundesliga mit Mainz 05.

14 Jahre nach einer sensationellen Aufholjagd gegen Mailand setzten sich die „Reds“ zum sechsten Mal Europas Fußball-Krone auf. Die englischen Teams waren in beiden europäischen Finals unter sich und jeder fragt sich, was bedeutet dies für die Zukunft? Eines zeigt sich, die englischen Klubs setzen ihre Millionen der übermäßigen TV-Gelder sinnvoller als in der Vergangenheit ein und deshalb sind sie eine ernsthafte Konkurrenz für den Rest der europäischen Spitzenklubs. Vom englischen Fußball brauchen wir dabei aber nicht reden, es sind internationale Stars, die für die Erfolge sorgen. Im stimmungslosen Finale der Europa League (im unsäglichen Austragungsort Baku) zwischen Chelsea und Arsenal London (4:1) stand gerade mal ein englischer Spieler in den Anfangsformationen. Der große Sieger war Belgiens Torjäger Eden Hazard, der große Verlierer der deutsche Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der wieder einmal untertauchte und wie ein alter Mann vom Platz schlich, quasi als Beweis für die These, dass er ein weit überschätzter Spieler ist.

Aber nicht wegen England, sondern wegen der Funktionäre in den reichen Vereinen und bei dem europäischen Verband UEFA muss man sich Sorgen um die Zukunft von Europa League und Champions League machen. Tötet das Geld künftig die Spannung? Werden die Plätze ausgegeben nicht ausgelost, damit die Großen nicht ihre Pfründe verlieren? Die Gefahr besteht. In Deutschland ist die Champions League bereits im Pay-TV verschwunden und hat an Bedeutung erheblich verloren! Die CL ist auf dem Weg nur noch ein Wettbewerb für elitäre Klubs zu sein, hat dann aber für den Rest der Welt keine Bedeutung mehr.

Ein warnendes Beispiel könnte die Nations League sein, die als zusätzlicher Wettbewerb für die Nationalmannschaften erfunden wurde, um aus ungeliebten Freundschaftsspielen geldbringende Pokalspiele zu machen. Die Endrunde wird in dieser Woche in Portugal ausgetragen. Doch wen interessiert es? Schon gehört, dass jetzt am Mittwoch und Donnerstag die Halbfinals anstehen? In Deutschland verzichten die Rechteinhaber ARD und ZDF auf Übertragungen der Spiele Portugal – Schweiz und England – Niederlande, das ZDF widmet sich am kommenden Fußball-Sonntag wenigstens dem Finale in Porto. Die Nations League reißt also keinen von den Sitzen.

International ist in den nächsten Tagen noch einiges los, so stehen Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2020 an und am Freitag beginnt in Frankreich die Frauen-Weltmeisterschaft. Dazu mehr in einem eigenen Kommentar in den nächsten Tagen.

Beste 2. Bundesliga aller Zeiten?

Noch ein Blick auf das nationale Geschehen. Die Relegationsspiele im Profi-Fußball sind beendet und sie brachten große Überraschungen. Nachdem sich der SC Paderborn bereits in der regulären Saison einen Platz im Oberhaus zurückgeholt hatte, zog jetzt der Dritte der 2. Bundesliga, Union Berlin, umjubelt nach und schickte den VfB Stuttgart in die zweite Liga. Zwar verloren die Stuttgarter nicht, aber ein 2:2 zu Hause und ein 0:0 in Berlin waren nach der Auswärtstorregel eben zu wenig. In Berlin wurde entsprechend gefeiert und die Fans treuen sich jetzt schon auf der Derby gegen Hertha BSC. Union ist der 56. Klub in der Bundesliga-Geschichte.

Paderborn und Union werden die „Exoten“ in der Bundesliga sein, andererseits sieht es so aus, dass die Fußball-Tradition in die zweite Liga verbannt wird. In der Bundesliga sorgen neureiche Klubs wie Hoffenheim und RB Leipzig für Furore, bleiben aber ungeliebt, dazu sind Werkklubs wie Bayer Leverkusen und der von VW am Leben erhaltene VfL Wolfsburg nur geduldet. Die Herzen der Fans schlagen eher für Vereine wie den Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart, Hannover 96, FC St. Pauli, Dynamo Dresden oder 1860 München. Gemerkt? Bis auf 1860, das sogar in die 3. Liga abrutschte, treffen sich die Vereine in der 2. Bundesliga. Es könnte also die beste und von den Namen her zumindest interessanteste zweite Liga aller Zeiten werden! Am 26. Juli beginnt bereits die neue Saison, die ersten Vereine starten am 17. Juni ihre Vorbereitung.

Das Wochenende des FC Bayern München

Ende gut, alles gut heißt es beim FC Bayern München. Der Fußball-Bundesligist beendete eine Saison, die im Herbst des letzten Jahres fast schon (gefühlt) in Trümmern lag, mit einem grandiosen Sieges-Wochenende. Das schlagzeilenträchtige Double der Profis mit Meisterschaft und Pokalsieg innerhalb einer Woche war es nicht allein, sondern dazu kam, dass die Amateure als Bayern II nach acht Jahren Wartezeit endlich den Aufstieg in die 3. Liga schafften und der Nachwuchs der U17 rundete das Feier-Wochenende mit dem Titelgewinn als Süddeutscher Meister ab. Ein erster Erfolg für Miroslav Klose als Trainer.

War es aber auch das Wochenende des Niko Kovac? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man die Diskussionen rund um den Bayern-Trainer als Komödienstadel bezeichnen. Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gaben eine unglückliche Figur in ihren Verlautbarungen ab, wenn es um die Zukunft des Kroaten ging, der ja sowieso einen Vertrag bis 2021 hat. Die Zwischentöne offenbarten: Man mag ihn nicht unbedingt, aber man muss ihn wohl behalten, wenn er so erfolgreich ist. Der 47-Jährige Coach ist zu nüchtern und pragmatisch, als dass er die Herzen spontan erobern kann. Sein Defensiv-Denken kommt in der Mannschaft nicht gut an, also ist er auch bei den Stars umstritten. Doch sie haben mit ihm Erfolg. Kovac schaffte ein Novum, als Erster holte er als Spieler und als Trainer mit den Bayern das Double. Eine Leistung, die bei den Fans zählt, denn die gaben ihre Zurückhaltung auf und feierten sowohl in den Stadien in München beim Titelgewinn und in Berlin beim Pokalsieg als auch auf dem Marienplatz bei der Meisterfeier den Trainer. Rummenigge hingegen versäumte einen Dank beim Siegesbankett. Das lässt tief blicken.

Aber Erfolg sichert den Arbeitsplatz. Hatte nicht Uli Hoeneß schon vorgebeugt, als er davon sprach, „dass die Bayern auch mal mit einem Jahr ohne Titel leben könnten“? Jetzt werden sie mit zwei Titeln besonders gut leben können und müssen abwarten, wie Niko Kovac den weiteren Umbruch der Mannschaft bewältigt, den ersten Teil hat er jedenfalls erfolgreich, wenn auch mit Schrammen, hinter sich gebracht.

Abschiede gibt es bei den Bayern dennoch und sie drängten die Zukunft des Trainers sogar in den Hintergrund. Die große Ära der Franck Ribery und Arjen Robben und in ihrem Schatten auch des Brasilianers Rafinha ist zu Ende. Sie holten Titel en masse, gekrönt mit dem Triple mit Champions-League-Sieg 2013. Ribery sicherte sich sogar Rekorde als einziger Spieler mit neun Meisterschaften und jetzt sechs Pokalsiegen. Ein weiterer Abschied kündigte sich zudem an, Jerome Boateng, zuletzt nur Ersatz, verzog sich in den Schmollwinkel und blieb bei den Feierlichkeiten außen vor. Er hat mit den Bayern abgeschlossen und Uli Hoeneß riet ihm folgerichtig, sich einen neuen Verein zu suchen. Ein Abschied in Ehren dagegen für Kovac-Assistent Peter Herrmann, der einst an der Seite von Jupp Heynckes zu den Bayern kam und jetzt vielleicht Sportdirektor in Nürnberg wird. Als möglicher Nachfolger wird der frühere Löw-Assistent und DFB-Sportdirektor Hansi Flick gehandelt.

Jetzt wird der Blick in die Zukunft gerichtet, welche Verstärkungen nach Hernandez und Pavard an Bord kommen. Heiß gehandelt werden vor allem die Nationalspieler Timo Werner und Leroy Sane als weitere Tempo-Spieler sowie der Spanier Rodrigo von Atletico Madrid als Verstärkung im Mittelfeld. Bei allen Stars sind die Bayern natürlich nicht der einzige Interessent. In Berlin im Pokalfinale richteten es aber vorwiegend noch die alten Cracks. Torhüter Manuel Neuer kam nach Verletzungspause mit Sensationsparaden zurück, Mats Hummels bewies ebenso seine Klasse wie Thiago, dem man ja auch oft nachsagt, in wichtigen Spielen unterzutauchen. Ein Makel, der auch Robert Lewandowski anhaftet, der aber mit zwei Treffern ebenso wie Neuer zum absoluten Matchwinner wurde. Und mit sechs Toren in Pokalfinalen ist er alleiniger Rekordhalter, noch vor der Legende Gerd Müller.

Jetzt geht es um die Zukunft

Die Zukunft wird in den nächsten Wochen die Schlagzeilen bestimmen, eine Zukunft, die auch die Konkurrenz beeinflussen will. So stellte sich der RB Leipzig schon als starker Gegner vor, der den Bayern mit einem offensiven Pressing anfangs erhebliche Probleme bereitete, aber das Spielglück nicht auf seiner Seite hatte und an der Klasse der Bayern schließlich zerbrach. Aber für die Zukunft sind die Leipziger gut gerüstet und das will auch Borussia Dortmund sein. Dort stellte die Einkaufslust das Pokalfinale fast in den Schatten, die Verstärkungen Julian Brandt (Leverkusen), Nico Schulz (Hoffenheim) und Thorgan Hazard (Gladbach) für rund 80 Millionen Euro stellen eine Kampfansage dar, die Boss Watzke untermauert: „Wir wollen Meister werden“, legt er die jahrelange Zurückhaltung ab. Bisher hieß es bei der Konkurrenz immer, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Jetzt schwächelten die Bayern und niemand war da. Am Ende waren die Bayern selbst wieder da, sogar doppelt.

Was die Zukunft angeht, sollte auch die Bayern II eine Rolle spielen. Nach acht Jahren Anlauf klappte die Rückkehr in die 3. Liga mit einem Kraftakt wie wir ihn zuletzt auf Europas Bühnen gesehen haben. Gegen Wolfsburg II schafften die Münchner nach einer 1:3-Niederlage mit einem grandiosen 4:1 nach 0:1-Rückstand noch die Wende. Allerdings könnte es sein, dass trotz des Aufstiegs Talente bei anderen Vereinen eher eine Zukunft sehen. Leistungsträger wie Abwehrspieler Mai, Spielmacher Shabani und Flügelflitzer Jeong sind begehrt. Allerdings brauchen die Bayern für die 3. Liga eine starke Mannschaft. Interessant vor allem die Derbys gegen 1860 München und Unterhaching. Die Bayern stellen übrigens jetzt die einzige 2. Mannschaft in der 3. Liga, was ja auch dem Sonderstatus, den die Münchner gerne für sich reklamieren, entspricht.

Englische Woche

Auf Europas Bühne spielen die deutschen Teams bekanntlich nicht mit, mit den Finals in Europa League am Mittwoch in Baku und Champions League am Samstag in Madrid haben wir nicht nur den Höhepunkt der internationalen Punktspielsaison, sondern auch eine „Englische Woche“. Europa guckt quasi auf die Geldtöpfe der Premier League, die die Pokale unter sich aufteilt. Brexit hin oder her, im Fußball dominiert England Europa.

Vereinen und Fans ist eigentlich zum Feiern zumute, für Misstöne sorgt (natürlich) aber wieder die UEFA. Die Funktionäre treten ja wirklich in jedes Fettnäpfchen, den Austragungsort Baku hätte es nicht geben dürfen. In Aserbeidschan spielen die Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle und da es einen politischen, kriegerischen Zwist mit Armenien gibt, wird Arsenals Star, der Ex-Dortmunder Mkhitaryan aus Sicherheitsgründen nicht nach Baku reisen. Ein Unding, so etwas muss die UEFA bei der Auswahl des Endspielortes berücksichtigen. Außerdem gibt es Zwistigkeiten mit Eintrittskarten, so dass von einem Fußball-Fest beim Duell FC Chelsea gegen FC Arsenal keine Rede sein kann.

Auch ohne deutsche Klubs gibt es wenigstens eine deutsche Beteiligung, bei Arsenal dürften die deutschen Nationalspieler Leno, Özil und Mustafi auf dem Rasen stehen, zudem die früheren Bundesligaspieler Xhaka (Gladbach), Kolasinac (Schalke), Aubemayang und Sokratis (beide Dortmund). Fußball-Deutschland ist bekanntlich auch im Finale der Champions League dabei und drückt wohl Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen Tottenham die Daumen, damit er seinen ersten internationalen Titel gewinnt und die Fans der Reds für die entgangene Meisterschaft entschädigt. Klopp würde sich dann wohl endgültig in Liverpool unsterblich machen.

Demnächst hier auch ein Rückblick auf die Eishockey-Weltmeisterschaft und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.