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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: FC Liverpool

Ultras werden zu Gegnern des Fußballs

Das Frühjahr ist eigentlich die hohe Zeit des Profi-Fußballs, weil in allen Ligen die Entscheidungen anstehen. In diesem Jahr fällt allerdings ein Schatten auf die Highlights, weil Hass und Hetze sich in den Stadien breitgemacht haben. Ausgerechnet Anhänger von Meister München sorgten in Sinsheim beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen die Bayern für einen Tiefpunkt im Fußball, am Ende gab es allerdings auch einen Befreiungsschlag der Spieler, die mit einem Nichtangriffspakt die Begegnung beendeten und den Ultras auf den Rängen mit ihren Hass-Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zeigten: Ohne uns, die Grenze ist überschritten. Übrigens: Bei einem Abbruch wäre das 6:0 der Bayern in eine Niederlage umgewandelt worden.

Schon lange wurde das Verhalten von Fans in allen Vereinen, die sich in den Gruppierungen der Ultras zusammengeschlossen haben, kritisiert und mit Sorge beobachtet. Das (unerlaubte) Abbrennen der Pyrotechnik ist für die Ultras so etwas wie ein Machtbeweis. Der Hoffenheimer Milliardär Dietmar Hopp, der als Mäzen die TSG bis in die Bundesliga hievte und sich damit auch einen Lebenstraum erfüllte, wurde als personifizierter Vertreter des Kommerz zur Hassfigur, immer wieder wurde sein Konterfei vor allem von Dortmunds Ultras ins Fadenkreuz genommen. Angebote zu Gesprächen brachten keine Ergebnisse und Fortschritte. Weil es weiterhin zu Hassplakaten kam, urteilte das DFB-Sportgericht, dass Dortmunds Fans als Wiederholungstäter für zwei Spiele in Hoffenheim ausgeschlossen werden. Dies brachte für die verbohrten Ultras das Fass zum Überlaufen. Sie haben ihre eigenen Regeln, halten sich nicht an Bestimmungen und akzeptieren deshalb keine Kollektivstrafe.

Bei den Bundesligaspielen am Wochenende kam es zu gemeinschaftlichen Aktionen. Die Fangruppen hatten sich zusammengeschlossen, in verschiedenen Stadien Hassplakate gegen den Verband und Hopp gezeigt und so Spielabbrüche provoziert. Für Bayern-Boss Rummenigge ist das Ende der Fahnenstange erreicht, Bayern-Fans waren sich hinterher keiner Schuld bewusst, so dass es jetzt absehbar ist: Die Ultras werden zu Gegnern der Vereine. Die Ultras bezeichnen es als absurd, wenn Spiele abgebrochen würden, absurd ist aber, dass sie dem eigenen Verein schaden. Bisher mussten hohe Bußgelder bezahlt werden, künftig könnte es auch Punkte kosten.

Es geht nicht anders: Die Bundesliga muss die Ultras in den Kurven in die Schranken weisen. Zunächst gilt es strafrechtlich gegen die Urheber der Hassplakate und –parolen vorzugehen. Eine Sache der Polizei, die in Mannheim bereits eine Sonderkommission eingerichtet hat. Alle Vereine müssen sich aber einig sein, dass sie bisher gewährte Vergünstigungen für die Ultras streichen müssen, mehr noch, sie müssen hart vorgehen und Täter mit einem lebenslangen Stadionverbot ausschließen. Wenn jetzt nicht ernsthaft Hass und Hetze (auch gegen farbige Spieler) gestoppt wird, wird der Fußball nie zur Ruhe kommen. Er wird an Stimmung in den Stadien verlieren, aber er muss wieder Recht und Ordnung gewinnen. Die Ultras sehen die Stadien dagegen für sich als rechtsfreien Raum an. Das geht nicht!

Manche Fans sehen sich sowieso als die einzigen wirklichen Vertreter der Vereine, zum Beispiel dann, wenn sie Spieler zur Rechenschaft ziehen, wenn diese nicht die gewünschten Leistungen bringen. Wieder geschehen beim Hamburger SV, wo die Spieler sich erdreisteten in Aue 0:3 zu verlieren und somit der Aufstieg in Gefahr gerät. So geschehen bei Schalke 04, als Torhüter Alexander Nübel nach einem Fehler zum Buhmann gemacht wurde. Die Anfeindungen nach seinem verkündeten Wechsel nach der Saison zu den Bayern haben ihm die Nerven und damit die Form geraubt. Eine gewisse Sorte von Fans kennt keine Gnade. Immer gilt: In der Masse sind sie stark, die Menschlichkeit geht verloren.

Zum Sport: Bundesliga und Pokal
Hass und Hetze drängten den Sport leider in den Hintergrund. Fast erstaunlich, Fußball gespielt wurde auch und es war hochinteressant. So wurde die Frage, wie die Bayern ohne Torjäger Robert Lewandowski, der mit einer Knieverletzung vier Wochen ausfällt, zurechtkommen würden geradezu spektakulär in Hoffenheim beantwortet: Nach 15 Minuten stand es 3:0 für die Bayern, ein neuer Bundesliga-Rekord, noch nie führte eine Auswärtsmannschaft so schnell 3:0. Wer Lewandowski ersetzen soll, beantwortete Trainer Hansi Flick mit Nachwuchsmann Joshua Zirkzee, der schon als Joker entscheidende Tore erzielt hatte und jetzt wieder traf. Zum sportlichen Glück kam hinzu, dass Leipzig im Duell der Verfolger gegen Leverkusen nur ein Remis erreichte. Und am Wochenende können die Bayern wieder auf ein Verfolger-Duell schauen: Gladbach gegen Dortmund.

Bemerkenswertes außerdem: Hertha holte in Düsseldorf einen 0:3-Rückstand zur Pause auf und glich noch zum 3:3 aus. Entscheidender Mann in der Kabine soll der Jürgen Klinsmann kritisierte Torhüter Thomas Kraft gewesen sein, der seine Mitspieler aufrüttelte. Andere Spieler haben angeblich an der Taktiktafel das Spiel für die zweite Hälfe verändert. Von Trainer Alexander Nouri hörte man nichts. Die Mannschaft regelt in der Nach-Klinsmann-Zeit wohl alles selbst.

Auf Europas Bühnen wird in dieser Woche pausiert (es gibt nur die Auslosung für die Nations League), dafür tritt der DFB-Pokal in den Vordergrund. Eine englische Woche haben dabei die Bayern, Leverkusen und Frankfurt und alle drei wollen auch diesmal auf der Erfolgswelle bleiben. Die vor Selbstbewusstsein strotzenden Münchner treffen auf ein verunsichertes Schalke 04, Leverkusen auf das immer für Überraschungen gute Union Berlin und die Eintracht misst sich mit Werder Bremen, das nach einem Erfolgserlebnis lechzt. Das für Sonntag vorgesehene Bundesliga-Duell wurde bekanntlich verlegt, weil Frankfurt nach einer Sturm-Absage erst am Freitag in Salzburg spielen konnte. Im vierten Duell will Regionalligist 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf weiter den Hecht im Karpfenteich spielen. Spektakuläre Szenarien für die Zukunft: Union statt Hertha Berliner Klub im Finale im Olympiastadion oder mit Saarbrücken ein Regionalligist oder mit Düsseldorf ein Bundesliga-Absteiger… Alles ist möglich, die Auslosung am Sonntag in der ARD-Sportschau.

Sensationell: In der Champions League und Europa League blieben die Bundesliga-Vertreter im neuen Jahr ungeschlagen. Die Bayern setzten die deutsche Erfolgsserie mit dem starken 3:0 bei Chelsea London fort, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg kamen eine Runde weiter und könnten in dieser Form auch das Achtelfinale der EL überstehen. Frankfurt trifft auf den FC Basel, Wolfsburg auf Donezk und Leverkusen muss bei den Glasgow Rangers antreten. Keine leichten, aber machbare Lose.

Noch eine kleine internationale Anmerkung: Jürgen Klopp musste in einer Woche gleich zweimal mit einer Niederlage leben, beim FC Liverpool zuletzt vollkommen ungewohnt. In der Champions League lässt das 0:1 bei Atletico Madrid noch alle Möglichkeiten für das Rückspiel, in der Premier League bedeute das 0:3 beim Abstiegskandidaten FC Watford das Ende einer unglaublichen Erfolgsserie von 44 Spielen ohne Niederlage. Die letzten 18 Spiele hatten die Reds alle gewonnen und damit die Rekordserie von Manchester City eingestellt. Ein neuen Rekord gab es für Jürgen Klopp also nicht, doch den Titel wird er kaum verspielen, bei immer noch 22 Punkten Vorsprung und nur noch zehn Spieltagen.

Die Bundesliga ist die Nummer 1 in Europa

Dieses war der erste Streich, ob der zweite folgt sogleich? Frei nach Wilhelm Busch ein Blick auf die Wettbewerbe im europäischen Fußball bei dem die Klubs der Bundesliga in der ersten Woche der K.o.-Runden so gut abgeschnitten haben wie seit 27 Jahren nicht mehr. 1993 war es nämlich, als es zuletzt fünf Siege gab, Siege aller Teams im Einsatz, diesmal Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg. Damit war die Bundesliga die Nummer 1 in Europa!

Und der zweite Streich? Der wird schon wesentlich schwieriger, so müssen die erfolgreichen Teams in der Europa League in dieser Woche auswärts antreten. In der Champions League ist allein der FC Bayern vertreten, wobei das Gastspiel der Münchner bei Chelsea London eine besondere Brisanz bzw. Vergangenheit hat. Fünf Siege sind bei vier Spielen nicht möglich, aber eine Erfolgsbilanz am Ende der Woche wäre dennoch schön. Allerdings hat in der Europa League nur Frankfurt in Salzburg ein Polster durch das 4:1, Leverkusen in Porto und Wolfsburg in Malmö werden nach den jeweils knappen 2:1 in den Hinspielen Bestleistungen abrufen müssen.

Eine Bestleistung wird auch vom Deutschen Meister erwartet. Ziel der Bayern ist wenigstens das Halbfinale, da will man nicht gleich wieder im Achtelfinale scheitern, wie im Vorjahr gegen den FC Liverpool. Die Voraussetzungen sind diesmal auch andere. Die Bayern stehen zum zwölften Mal in Folge im Achtelfinale und blieben in den Gruppenspielen nicht nur ungeschlagen, sondern stellten mit 18 Punkten und einer Tordifferenz von plus 19 einen neuen CL-Rekord auf. Da liest sich die Bilanz von Chelsea anders, die Londoner schieden zuletzt dreimal hintereinander jeweils im Achtelfinale aus. Bei den Bayern soll es nur ein Ausrutscher gewesen sein, ein Ausscheiden im Achtelfinale gab es vorher nur 2010/11.

Aber Bayern und Chelsea, da war doch was? Die Erinnerung geht natürlich zum „Finale Dahoam“ 2012, als die Bayern in der Allianz Arena den Henkelpott fast schon in den Händen hielten, Drogba noch der Ausgleich zum 1.1 für Chelsea gelang und die Bayern anschließend das Elfmeterschießen unglücklich verloren. Diese schmerzhafte Niederlage war angeblich dann der Treibstoff zum Gewinn der Champions League ein Jahr später. Die Erinnerung an die Niederlage soll jetzt der Treibstoff sein, dass es nicht erneut schlechte Erinnerungen an Chelsea gibt, so wie beim letzten Aufeinandertreffen in der Saison 2004/05, als die Bayern in London 2:4 unterlagen und ein 3:2 im Rückspiel nicht zum Weiterkommen reichte.

Die Voraussetzungen sind heute andere. Hier die Bayern mit breiter Brust nach einer Siegesserie in der Bundesliga und im Pokal unter Trainer Hansi Flick, dort Chelsea, gebeutelt von Verletzungsproblemen und nur mit vier Siegen in den letzten zwölf Spielen der Premier League. Aber die Mannen von Chelsea-Idol Frank Lampard (2012 in München dabei) halten dennoch Platz vier in der Liga und bauen vor allem auf das deutsche Abwehr-As Antonio Rüdiger. Die Generalprobe gegen Tottenham gelang mit einem 2:1-Sieg. Die Bayern waren beim 3:2 gegen Paderborn eher außer Rand und Band. Lampards Gegenspieler Hansi Flick muss aber gegen Chelsea seine Meisterprüfung absolvieren, seine Zukunft bei den Bayern hängt auch (vielleicht sogar hauptsächlich) vom Abschneiden in der Champions League ab. Zwei gute Omen hat er: Das 7:2 der Bayern gegen Tottenham beim letzten Auftritt in London (noch unter Niko Kovac) und das ausgerechnet der damalige Schiedsrichter Turpin aus Frankreich jetzt wieder Spielleiter ist.

Alle Fünfe für Schalke und Hertha

Die Bundesliga ist das Tagesgeschäft und das haben die Vertreter auf Europas Bühnen allesamt gut bewältigt. Katzenjammer dagegen bei anderen Klubs, so galt für Schalke und Hertha in ihren Heimspielen „alle Fünfe“, sie kassierten gegen Leipzig bzw. Köln je eine 0:5-Niederlage. Bei Schalke war der künftige Bayern-Torhüter Alexander Nübel der tragische Held, der offensichtlich nervlich dem bevorstehendem Wechsel und der Skepsis auf Schalke nicht gewachsen ist. Hertha ist nach dem Klinsmann-Abgang durcheinander und darf gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf so nicht untergehen. Das könnte noch bittere Folgen haben, das nächste wichtige Duell mit einem Team vom Rhein steht bevor, am Freitag in Düsseldorf. Die Fortuna zeigte sich beim 2:0 in Freiburg von ihrer besten Seite und tönt vor den folgenden Vergleichen mit Konkurrenten im Abstiegskampf „dieses war der erste Streich“. Heißt: Der zweite gegen die Hertha folgt zugleich und dann geht es weiter in Mainz. Auf einen Sieges-Streich wartet Werder Bremen sehnsüchtig, gegen Frankfurt sollte er am Sonntag gelingen, sonst könnte es doch das Aus von Trainer Kohfeldt bedeuten.

Keine Blöße gab sich das Spitzentrio, dahinter haderte Gladbach mit einem 1:1 gegen Hoffenheim, das von unschönen Begleiterscheinungen hirnloser Fans begleitet war und sogar ein Spielabbruch wegen beleidigender Banner drohte. Leverkusen konnte aufschließen (2:0 gegen ein schwaches Augsburg), während Schalke, jetzt fünf Spiele ohne Sieg, den Anschluss verloren hat und gegen Wolfsburg und Hoffenheim Platz sechs für Europa verteidigen muss. Dort will die Bundesliga in der UEFA-Rangliste Platz drei auf Dauer verteidigen, was gelingen wird, wenn man öfters mal eine Europa-Woche als Nummer 1 abschließt.

Lesen Sie auch die nachfolgende Kolumne mit einem Thema, das alle Fußball- und Sportfans beschäftigen sollte: „Her mit Respekt, weg mit Rassismus“.

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Jürgen Klopp als Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn

Manche reagierten vielleicht mit Schadenfreude auf das Ergebnis, Jürgen Klopp aber nahm das Ergebnis eher mit Schrecken zur Kenntnis. Was war passiert: Im FA Cup in Englands Fußball reichte es für Champions-League-Sieger FC Liverpool nur zu einem 2:2 beim Drittligisten Shrewsbury Town – und das nach einer 2:0-Führung. So etwas ist auch anderen Favoriten schon passiert, doch Klopp hat es zum Teil selbst verursacht. Der Trainer stellte nicht sein stärkste Elf auf, sondern eher ein B-Team, was allerdings gegen einen Drittligisten auch reichen sollte. Tat es nicht und so hat der beste Trainer der Welt nun ein Problem: In England gibt es kein Elfmeterschießen sondern ein Wiederholungsspiel. Und das wurde genau in die erstmals eingeführte Winterpause gelegt.

Kein Wunder, dass der deutsche Trainer auf die Barrikaden ging, Klopp reagierte auf seine Art: Er kündigte für das Wiederholungsspiel den Einsatz der zweiten Mannschaft an, also eine Aufgabe für das C-Team. Klopp sieht seine Bemühungen um eine Schonung der sich im Dauerstress befindlichen Stammspieler konterkariert. Schonung ist nicht angesagt, wenn es zusätzliche Termine gibt und so wird Klopp zum Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn: „Die Termine wuchern aus, keiner denkt mehr an die Gesundheit der Spieler,“ wettert er. Der Trainer muss es tun, schließlich wird er die Ziele Liverpools mit müden Spielern kaum erreichen, da könnte selbst der gigantische Vorsprung von 16 Punkten auf Manchester City in der Premier League nicht mehr reichen. Und der erste Titelgewinn nach 30 Jahren Wartezeit ist das erklärte Ziel, da spielt der FA Cup nur eine untergeordnete Rolle.

Der FC Liverpool war schon einmal Leidtragender des Termin-Wahnsinns, als die Mannschaft nämlich im Liga-Cup antreten musste, obwohl sie tags darauf Europa bei der Klub-Weltmeisterschaft in Katar vertreten musste. Liverpool schied mit einer C-Elf im Liga-Cup aus, wurde aber Klub-Weltmeister. Jetzt soll die wichtige Erholungszeit unterbrochen werden, Liverpool hat vom 2. bis 14. Februar spielfrei. Erstmals hat die Premier League eine variable Pause für alle Klubs eingeführt, weil eben geklagt wurde, dass die englischen Klubs in den entscheidenden Wochen im Frühjahr meist müde sind, weil sie an Weihnachten durchspielen müssen, während sich die Konkurrenz in Europa eine Winterpause genehmigt. Verständlich, dass sich ein Trainer diese notwendige Pause nicht zunichte machen lassen will. Für Klopp gibt es kein zurück: „Ich habe den Spielern schon freigegeben.“

Es sind geldgierige Funktionäre und Manager, die mit dem Fußball Gewinn machen wollen, die für einen überbordenden Terminkalender sorgen. Der nächste Wahnsinn ist schon im Gespräch. So wird schon die Klub-Weltmeisterschaft auf 24 Vereine aufgebläht und sie wird künftig im Sommer vor jeder Weltmeisterschaft gespielt, erstmals 2021 in China. Erholungspause im Sommer? Fehlanzeige! Dazu passt der neueste Plan, der publik wurde: US-Milliardär Ross will die besten Vereine Europas zur „Champions League on tour“ nach Amerika holen, wo bisher schon der „Champions Cup“ im Sommer ausgespielt wurde und es 100 Millionen Dollar zu verdienen gab. Nur wurde der von Klubs wie Manchester City, Juventus Turin oder Bayern München nur als lockerer Vergleich im Rahmen der Saison-Vorbereitung gesehen. Strapaziös durch die Reisen, aber lukrativ. Jetzt soll der Cup unter dem Dach der FIFA einen offiziellen Anstrich bekommen und erweitert werden. FIFA-Boss Gianni Infantino ist natürlich sofort Feuer und Flamme: Mehr Spiele, mehr Geld. Die Gesundheit der Spieler steht im Hintergrund, kein Sommer mehr zur Erholung? Wo soll der Termin-Wahnsinn noch hinführen?

Beim Fußball ist es pure Geldgier, doch mit dem Termin-Wahnsinn steht der Fußball nicht allein da. Im Handball kennt man ähnliches, doch da spielt nicht das Geld die große Rolle, sondern eher ein Streit zwischen dem europäischen Verband und den nationalen Ligen. So musste ein Handball-Bundesligist an zwei Tagen hintereinander in der Bundesliga und im Europacup antreten, weil der europäische Verband auf die Bundesliga keine Rücksicht nahm. Auch hier spielte national das B-Team. Geht nicht anders. Eine Terminhetze erlebt die Handball-Nationalmannschaft ausgerechnet auch bei der so wichtigen Olympia-Qualifikation. Drei Spiele in drei Tagen müssen vom 17. bis 19. April absolviert werden, die Gegner sind dabei in dieser Reihenfolge Schweden, Slowenien und Algerien. Da gibt es für Deutschland kein Einspielen, da muss die Mannschaft von Beginn an funktionieren, schließlich dürfen nur zwei Teams nach Tokio. Wer müde ist, hat schon verloren. Es scheint, es bedarf noch weiterer Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn im Sport.

Der Fußball im Jahr 2020

Testspiele und Wechselgerüchte beschäftigen derzeit die Fußball-Bundesliga, so dass der Blick kaum über den Tellerrand hinausgeht. Die Fußball-Fans sollten aber wissen, dass im Jahr 2020 entscheidende Weichen für die Zukunft des Fußballs gestellt werden könnten. Weichen in die Richtung, ob der Profi-Fußball endgültig zur Geldbeschaffungsmaschine verkommt oder ob er wenigstens noch ein bisschen ein Herz für die Fans behält und sich nicht als Volkssport verabschiedet.

Verwunderung hat schon die TV-Rechtevergabe für die Champions League hervorgerufen, denn nur das Geld war wichtig, nicht die Wünsche der Fans. Die deutschen Fans schluckten, als bekannt wurde, dass Sky ausgebootet wurde und mit Amazon ein neuer Anbieter auf der Bühne erschien. Die Champions League ist ja schon im Pay-TV verschwunden, aber jetzt wird es noch komplizierter. Das kann sich fortsetzen, denn 2020 werden die Rechte für die Bundesliga ab 2021 vergeben. Sky wird sich auf die Hinterbeine stellen, um nicht auch noch diese Rechte zu verlieren, denn Sky ist ja so etwas wie der Bundesliga-Sender geworden. Von der DFL heißt es zwar, dass mehr Bundesliga im Free-TV zu sehen sein soll, doch die Klubs träumen auch von erhöhten TV-Einnahmen. Was kommt da raus? Zersplittern die Übertragungsrechte, so dass sich keiner mehr auskennt? Kommt das Ende der Institution Sportschau und kommt das Sport-Studio weiter zum Zug? Die Antwort werden wir im Frühjahr bekommen.

International stehen bekanntlich die Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf dem Programm. Die EM mit 24 Nationen in 12 Ländern ist ein Experiment und ein eklatanter Verstoß gegen das neue Umweltdenken, wenn sich Fans und Mannschaften fast laufend in der Luft befinden und von Flugscham keine Rede sein kann. Das Fußballturnier bei Olympia vom 24. Juli bis 9. August tangiert die Bundesliga insoweit, als Spieler für die deutsche und ausländischen Mannschaften abgestellt werden sollen. „Sollen“ wohlgemerkt, denn eine Abstellungspflicht besteht nicht. Allerdings fehlen die Spieler nicht bei Punktspielen, sondern nur in der Vorbereitung. Dennoch muss sich Bundestrainer Stefan Kuntz für die Besetzung etwas einfallen lassen, er darf nur auf Spieler der U 23 zurückgreifen und zusätzlich drei ältere Spieler nominieren, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass kein Klub besonders belastet wird. Am Ende soll er allerdings auch noch erfolgreich sein. Vor vier Jahren gab es Silber.

2020 werden aber wohl auch die Weichen dafür gestellt, wie es mit der Klub-Weltmeisterschaft weitergehen wird. Die nächste Klub-WM findet 2021 in China statt und es werden dann erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. Bisher waren es sieben, vor kurzem holte sich in Katar Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Titel. Streit gibt es hinter den Kulissen, denn die UEFA will nur acht europäische Teams entsenden, doch das Vereinsinteresse ist offensichtlich groß, Europas Topklubs wollen zwölf Teilnehmer dabei haben, weil Ruhm und lukrative Prämien locken. Da wird dann auch nicht mehr von einer zusätzlichen Belastung gesprochen. Geld sorgt wohl für die nötige Kondition bzw. Erholung.

Um Geld geht es beim Videobeweis nicht, sondern um Gerechtigkeit. Doch der Stein des Weisen wurde noch nicht gefunden, statt weniger gibt es fast mehr Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem wegen der unübersichtlichen Regelauslegung für ein Handspiel und der strengen Blicke auf das Abseits. Hier geht es inzwischen um Millimeter, doch das kann es eigentlich nicht sein, die Linie, die das Abseits beweisen soll, ist nicht von Fehlern frei. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht um Fuß- oder Nasenspitze gehen kann, sondern es mehr Großzügigkeit geben muss, damit die Entscheidungen schneller gefällt werden können. Vorschlag: Wenn sich die Spieler auf gleicher Höhe befinden, ist es kein Abseits, egal ob Knie, Arm oder Nasenspitze herausragen. Entscheidend sollte sein, dass die Wartezeit bis zur Entscheidung verkürzt wird. Der Fußball leidet nämlich, typisch das Befinden von Spielern und Fans: „Man traut sich ja gar nicht mehr zu jubeln.“

Wir sehen, 2020 hält für uns Fußball-Fans einiges bereit. Manches könnte sogar zur Weichenstellung für das ganze Jahrzehnt werden. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir darauf, dass der Fußball nicht im Geld verschwindet…

Mit Uli Hoeneß ging bei den Bayern auch das Glück

Die Frage stand immer im Raum: Was wird einmal aus den Bayern, wenn Uli Hoeneß geht? Die Antwort scheint mit einem Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga gegeben: Die Münchner liegen nur auf Rang sieben! Zwei 1:2-Niederlagen in Folge gegen Leverkusen und bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach haben Spuren hinterlassen und statt des „mia san mia“ ist jetzt Verunsicherung beim Titelverteidiger zu spüren, der wohl beim Rekord von sieben Titelgewinnen in Folge stehen bleibt. Neues Ziel: Zunächst mal ein Platz für die Champions League. So ändern sich die Zeiten.

Was augenfällig ist: Mit Uli Hoeneß ging offensichtlich bei den Bayern auch das Glück. War es früher ein Markenzeichen der Bayern, dass sie in den letzten Minuten ein Spiel noch drehen konnten, so passiert heute das Gegenteil. Wie eben auch in Gladbach durch einen unglücklichen (oder blöden?) Elfmeter in der Nachspielzeit. Unglücklich ist es allerdings nicht, sondern eher bedenklich, wenn die Bayern nach starken 60 Minuten und einer 1:0-Führung die Kontrolle über das Spiel verlieren. Seltsam ist, dass die Super-Stürmer das Tor nicht mehr treffen. Ging in den ersten Spielen alles fast von allein für Robert Lewandowski, so setzt er jetzt die Bälle knapp vorbei und zeigt Zeichen der Resignation. Sein Lauf ist vorbei, einen Lauf hat dagegen Kontrahent Timo Werner in Leipzig. Bis auf ein Tor hat er sich an den Polen herangepirscht – die Bayern wollten ihn ja nicht. Dieser Fehlgriff passt in eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen.

Der Unglücksrabe der Niederlagen war Javi Martinez. Gegen Leverkusen war der Spanier gegen den schnellen Bailey zu langsam, gegen Gladbach verschuldete er den entscheidenden Elfmeter (nur in der Zeitlupe war zu sehen, dass er zuerst den Ball spielte und Thuram aufs Fallen aus war, aber Elfmeter war es wohl trotzdem). Das Problem: Martinez ist für die Innenverteidigung zu langsam. Zur Erinnerung: Martinez galt einst als Glücksbote, wenn er spielte gewannen die Bayern. Auch heute noch ist er im Mittelfeld wohl besser aufgehoben, da bremst er manchen guten Spielzug des Gegners durch seine Erfahrung und sein gutes Spielverständnis. Kommt der Gegner zum schnellen Konterspiel wird er zum Zuschauer. Auffällig außerdem: Gegen die Bayern trafen zuletzt Spieler entscheidend, die bis dahin eher ein Schattendasein führten. Zweimal traf Bailey (bisher enttäuschend), Bensebaini kämpft mit Wendt um einen Platz im Team, Adamyan war vor seinen Toren in München bei Hoffenheim meist Ersatz. Das Glück haben heute die anderen.

Die Meisterschaft werden und müssen die Bayern noch nicht abschreiben. Vor einem Jahr lagen sie am 14. Spieltag neun Punkte hinter Dortmund und zwei hinter Gladbach (!), waren Dritter. Die Rückrunden-Tabelle spricht allerdings Bände: Erster war München mit 42 Punkten, Zweiter Leipzig (35), Dritter Leverkusen (34), Vierter Dortmund (34) und nur Zehnter mit 22 Zählern Gladbach. Wiederholt sich die Geschichte, heißt am Ende der Meister doch wieder Bayern München! Dazu braucht es allerdings auch wieder Glück, Tore und starke Leistung. Und das ohne Uli Hoeneß (zumindest in vorderster Front).

Geklärt werden muss auch die Trainer-Frage, Interimstrainer Hansi Flick hat gewonnen und verloren. Die Leistung kann sich (über lange Zeit) sehen lassen, doch der Ertrag stimmt nicht. Ob er zumindest bis zum Sommer erster Mann bleiben wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Spielen bis Weihnachten, gegen Bremen, in Freiburg (vor den Bayern, für sie ein Jahrhundertereignis!) und gegen Wolfsburg müssen drei Siege her. Die Entscheidung fällt so oder so in der Winterpause, die Medien könnten sich die wiederkehrenden Fragen zur Zukunft von Flick bis dahin sparen. Ein Gespann Thomas Tuchel/Hansi Flick hätte für die Zukunft zweifellos seinen Reiz.

Alle reden über die Bayern, dabei geht der Tabellenführer unter. Aber Borussia Mönchengladbach ist kein Zufallstabellenführer, sondern zeigt beeindruckende Leistungen und trotzte auch dem Verletzungspech. Als „König der Liga“ kann sich Manager Max Eberl fühlen, der den Umbau des Teams glänzend bewerkstelligte. Seine Trainer-Entscheidung von Dieter Hecking zu Marco Rose war ebenso ein Treffer wie er bei den Neuzugängen richtig lag. Auch hier sei angemerkt: Eberl war auch bei den Bayern im Gespräch, die sich dann für Hasan Salihamidzic entschieden. Auch hier sicherlich keine glückliche Entscheidung. Aber vielleicht passt Eberl besser zu Gladbach. Und auf dem Weg zum ersten Titelgewinn seit 1977 wird wohl RB Leipzig der schärfste Gegner sein, zumindest, wenn Timo Werner weiterhin so auftrumpft. Leipzig siegte jetzt fünfmal hintereinander.

Apropos Serien: „Mannschaft der Stunde“ ist eigentlich der FC Augsburg, der viermal ungeschlagen blieb und sich in den wichtigen Spielen gegen die Konkurrenten im Abstiegskampf aus dem Sumpf zog. 17 Punkte und Platz 12 sind der Lohn, fünf Punkte beträgt das Polster zum Relegationsplatz. Kein Wunder, dass Trainer Martin Schmidt die Platte immer neu auflegt: „Der Trend stimmt“. Bemerkenswert auch, dass Paderborn die „Rote Laterne“ abgab und Bremen mit dem 1:0-Sieg in den Abstiegskampf zog. Neues Schlusslicht ist der 1. FC Köln, dort heißt der Trend seit Jahren: Glauben wir, es wird gut, dann wird alles schlecht. Der aktuelle Trend heißt Abstieg.

Platz eins ohne Sicherheit

Bis Weihnachten gibt es keine Ruhepause mehr, in diesen Tagen steht die Entscheidung in Champions League und Europa League an. Die Bundesliga-Klubs haben bisher eine beachtliche Rolle gespielt, Bayern München ist sogar schon Gruppensieger, Leipzig will Platz eins in Lyon und auch gegen St. Petersburg (beide drei Punkte zurück) halten. Doch Platz eins bietet für die Auslosung am Montag, 16. Dezember, keine Garantie für einen leichteren Gegner im Achtelfinale. Die Bayern haben da ja im Vorjahr eine leidvolle Erfahrung gemacht und jetzt könnte dann wieder der FC Liverpool drohen, wenn die Klopp-Schützlinge nicht in Salzburg gewinnen (Hinspiel 4:3). Eine Niederlage könnte sogar das Aus bedeuten, denn Neapel ist ein Sieg gegen Genk zuzutrauen. Aber auch Real und Atletico Madrid drohen für die Gruppensieger als Gegner. Wie die Bayern Erster sind bereits Paris, Manchester City, Juventus Turin und der FC Barcelona. Dortmund kämpft (gegen Slavia Prag) noch um den Einzug ins Achtelfinale und muss dabei hoffen, dass Barca bei Inter Mailand willens ist Leistung zu zeigen. Auch Leverkusen (gegen Juventus) hofft noch, überwintert aber wie Dortmund auf jeden Fall in der Europa League.

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!