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Tag: FIFA

Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs

Er war von Anfang an nur eine Notlösung, ein Kompromiss zwischen Profis und Amateuren, gelitten, aber nicht akzeptiert und am Ende eher verhöhnt, viele sehnten das Ende seiner Amtszeit herbei. Das Ende von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam nun schneller als gedacht, als Knall nach zahlreichen verbalen und sonstigen Entgleisungen. Grindel (vorher war er Schatzmeister) schaffte es nie in den 1082 Tagen seiner Regentschaft Verband, Vereine, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen, stattdessen schaffte er es von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Ansonsten blieb er ein blasser Präsident. Krisenbewältigung war erstaunlicherweise nicht das Metier des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Journalisten. So wurde er hinter vorgehaltener Hand als „Präsident Peinlich“ bezeichnet.

Reinhard Grindel versagte als Konfliktlöser, machte in der Affäre Özil ebenso eine schlechte Figur wie nach der WM-Pleite der Nationalmannschaft in Russland oder in Kommentaren zu Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. Noch bei seiner Abschiedsrede zählte er die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland als seinen Erfolg auf, doch bei der UEFA sagen sie, Deutschland habe die EM nicht wegen, sondern trotz Grindel erhalten. Grindel versuchte sich als Vertreter der Amateure zu inszenieren, doch eine richtige Akzeptanz fand er nicht. Ein Präsident suchte seinen Weg und fand ihn nicht. Ganz im Gegenteil, Grindels Wirken machte die Schattenseiten des Fußballs deutlich.

Den Millionen von ehrenamtlichen Funktionären an der Basis, vorwiegend in den kleinen Vereinen der Dörfer tätig, die sich wirklich um den Fußball kümmern, wird suggeriert, dass dem DFB ein ehrenamtlicher Präsident vorsteht, doch dies ist beileibe nicht der Fall. Wer 170.000 Euro im Jahr als Verdienstausfall und Aufwandsentschädigung kassiert, macht dies wohl nicht ehrenamtlich. Dazu ist das Amt des DFB-Präsidenten das Sprungbrett auf die internationale Bühne, die Vorstandsämter bei FIFA und UEFA werden mit 500.000 Euro jährlich üppig dotiert. Weil das noch nicht reicht, kassierte Grindel zudem 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB Medien GmbH. Bei solchen Summen war ihm wohl das Gespür abhanden gekommen, was eine Uhr im Wert von 6000 Euro als Geschenk von einem ukrainischen Skandalfunktionär bedeutet. Für ihn eine Kleinigkeit, für andere Bestechung. Das Fass war übergelaufen. Möglicherweise auch für FIFA und UEFA.

Der DFB befindet sich wie Weltverband und europäischer Verband wieder einmal im Dilemma. Die heile Welt des Fußballs gibt es nicht mehr, der Sport tritt in den Hintergrund, korrupte und geldgierige Funktionäre bestimmen die Schlagzeilen. Der Fußball ist krank, er stinkt vom Kopf her. Der DFB ist zwar ein Sportverband, aber eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen. Mehrere Hundert Mitarbeiter sind anzuleiten, zuletzt wies die Bilanz eine Summe von 320 Millionen Euro aus. Da ist es mit der Ehrenamtlichkeit vorbei.

Die letzten Präsidenten wie Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (nach dem Skandal um die WM 2006) mussten wie Grindel vorzeitig gehen. Dies macht deutlich, dass der Verband eine neue Struktur mit Profis an der Spitze braucht. Die Arbeit im Verband muss von Hauptamtlichen geleistet werden, ein Aufsichtsrat hat die Entscheidungen zu kontrollieren. Aber die Diskrepanzen zwischen dem Profi-Fußball und den Amateuren machen eine Einigung auf eine neue Struktur kompliziert. Das wissen auch die beiden Interims-Präsidenten Reinhard Rauball, Präsident der DFL, und Rainer Koch, Präsident in Bayern, die als Vize-Präsidenten satzungsgemäß schon nach dem Niersbach-Rücktritt den Verband führten. Koch hat ihre Aufgaben deutlich umrissen: „Wir werden einen neuen Präsidenten erst ausgucken, wenn wir wissen, wie die neuen Strukturen aussehen“.

Es stellt sich sowieso die Frage, wer sich dieses Amt des DFB-Präsidenten antut. Eine Automatik, dass es jemand aus dem Präsidium ist, wie es früher die Regel war, soll es nicht geben, verschiedene Ex-Nationalspieler wie Philipp Lahm (hat angeblich abgesagt), Christoph Metzelder oder Oliver Bierhof werden genannt. Das klingt aber eher nach einem Feigenblatt, als nach einem Fachmann, der im Verband aufräumt.

Der Sport in den Ligen wird weitergehen, vor allem die Amateure werden wie gehabt „auf die da oben“ schimpfen. Und einen neuen Kandidaten als „Präsident Peinlich“ gibt es auch schon. FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre bestens geeignet…

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Keine Konkurrenz für den Fußball

Die Entscheidung des Tennis-Weltverbandes, den traditionsreichen Davis Cup praktisch abzuschaffen, ist typisch, wie die Funktionäre vieler Weltverbände denken und warum es keine Sportart schafft, zu einem echten Konkurrenten für den Giganten Fußball zu werden. Verbände und Funktionäre sehen nur das Geld, verkaufen die Tradition und die Seele ihres Sports. Der Fan wendet sich mit Grausen.

Gut, abgeschafft ist der Davis Cup nicht, er wird in einer neuen Form ausgetragen, aber geblieben ist eigentlich nur der Name. Der Wettbewerb zieht sich nicht mehr über die Saison hindurch, mit wechselndem Heim- und Auswärtsrecht, womit er immer wieder im Gespräch ist, sondern soll in kompakter Form innerhalb einer Woche durchgeführt werden. Der Davis Cup verkommt praktisch zu einem Turnier unter vielen. Möglich machte dies ein finanziell unverschämtes Angebot der Firma Kosmos, hinter der Milliardäre aus Japan und den USA stecken und deren Kopf der spanische Fußball-Profi Gerard Piqué vom FC Barcelona ist. Der umstrittene ITF-Boss David Haggerty leitete den Deal in die Wege, der dem Verband jährlich drei Milliarden Dollar für 25 Jahre bringt.

Die einzige richtige Antwort hatte der Davis-Cup-Sieger von 1993, Michael Stich, parat: „Den Davis Cup wird es in der Form, wie wir sie kennen, nun nie wieder geben, und 118 Jahre werden der Geldgier von Personen geopfert, die keinen Respekt vor Historie und Tradition haben.“

Nun steht Tennis mit der Geldgier nicht alleine da. Auch andere populäre Verbände, die das Zeug dazu hätten, dem Fußball Paroli zu bieten, haben ihre Seele verkauft und sich im Kampf um die Moneten zerstritten. Nehmen wir das Beispiel Basketball in Europa. Da sagten sich schon 2000 einige Spitzenklubs vom Weltverband bzw. Europas Verband los und gründeten ihre eigene Europa Liga. Es ging, natürlich, um Macht und Geld. Die Euroleague (offiziell Turkish Airlines EuroLeague) ist nun die bedeutendste Liga in Europa, gleichzeitig aber so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft. Der traditionsreiche Europapokal der Landesmeister war gestorben. Die Klubs der ULEB gingen sogar noch weiter und installierten darunter noch den Eurocup. Der Weltverband FIBA reagierte mit verschiedenen Gegenmaßen und bietet jetzt die Champions League als Gegenstück an. Leider ist die Champions League, dem Namen nach der Spitzen-Wettbewerb, nur zweitklassig, dazu gibt es den FIBA-Europe Cup. Wer soll sich da noch auskennen?

Ähnlich sieht es beim Handball aus. Da streiten sich die Verbände vor allem um Termine, werden die Spieler in unnötige Wettbewerbe gehetzt und Fernsehrechte für viel Geld vergeben, die keine flächendeckende Übertragung garantieren. Wie soll da eine Sportart populär werden oder bleiben? Ein schlimmes Beispiel gab es in der vergangenen Saison, als Europas Verband und der Deutsche Handball-Bund auf Termine keine Rücksicht nahmen und der Fall eintrat, dass ein Klub gleichzeitig auf Europas Bühne und in der Bundesliga antreten musste. Eine Schande. So wurde die internationale Aufgabe mit einer zweiten Mannschaft wahrgenommen. Im Januar richten Deutschland und Dänemark die Handball-Weltmeisterschaft aus, doch die Übertragung im Free-TV ist fraglich, nachdem es schon 2015 und 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schwarze Bildschirme gegeben hatte. Die Agentur, die der Weltverband beauftragt hat, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten, die TV-Sender finden keinen Ansprechpartner. Bei den Verhandlungen dominierte beim Weltverband wohl Geldgier vor Seriosität. So muss der Fußball keine Konkurrenz fürchten.

Dabei macht es der Fußball seinen Konkurrenten eigentlich leicht, denn seine Funktionäre tun im Weltverband bekanntlich auch alles, um den Sport in Misskredit zu bringen. Aber der Fußball ist weltweit inzwischen so populär, dass er einfach nicht totzukriegen ist. So kann sich die FIFA sogar lachhafte Entscheidungen leisten. Im neuen Regelwerk kommt das Wort Korruption nicht mehr vor, der Tatbestand also, der dem Fußball-Weltverband Sorgen bereitete und zahlreiche Funktionäre vor Gericht brachte. Die Lösung war einfach und genial: Streichen wir das Wort Korruption, gibt es keine Korruption mehr. Die Gelder werden allerdings weiterhin fließen.

Am Ende der WM gibt es nur Gewinner

Im Regen ging die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 am Sonntag in Moskau zu Ende, aber der Fußball ging nicht baden. Ganz im Gegenteil, die WM in Russland lief besser ab als befürchtet, die unerwarteten Erfolge des Gastgebers sorgten für gute Stimmung, Putins Reich zeigte sich von seiner besten Seite. Am Ende der WM gibt es eigentlich nur Gewinner, auch wenn sich das im Endspiel unterlegene Kroatien natürlich nicht als solcher fühlen wird.

Gewinner Nummer 1 ist natürlich Weltmeister Frankreich. Es war eine Punktlandung mit dem Titel genau 20 Jahre nach dem ersten Pokalgewinn. Trainer Didier Deschamps ist eine Meisterleistung geglückt, er hat aus einem Haufen talentierter Spieler eine echte Mannschaft geformt (dass, was eben Jogi Löw mit Deutschland nicht geschafft hat). Bestes Beispiel ist die Wandlung von Paul Pogba vom Problemfall zum Mittelfeldstrategen, zur Führungsfigur. Frankreich ist ein würdiger Weltmeister mit einem kompakten Team, aus dem immer wieder der eine oder andere Star heraus stach. Deschamps selbst ist der Dritte der den Titel als Spieler und Trainer holte, der Kapitän der 98er-Weltmeister schloss auf zu dem Brasilianer Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer, die bisher als Einzige als Spieler und Trainer erfolgreich waren.

Gewinner Nummer 2 ist trotz Final-Niederlage Kroatien. Das kleine Land kam ganz groß raus und war erfolgreich wie nie. Kleiner Trost, dass es doch noch einen Sieger in den eigenen Reihen gab, denn Kapitän Luka Modric wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Die Erfahrung war der Trumpf der Kroaten, gleichzeitig sollte man wohl die Einmaligkeit des Ereignisses feiern, es wird schwer werden, diesen Erfolg in naher Zukunft zu wiederholen.

Gewinner Nummer 3 ist der Dritte, nämlich Belgien. Als die Belgier in der Vorrunde England mit 1:0 besiegten, da wurde dies eher als Unfall gewertet, weil sie sich damit einen schweren Weg ins Finale bescherten. Am Ende trafen sie im Spiel um Platz drei wieder auf England und siegten mit 2:0. Doch bei ihnen geht der Blick in die Zukunft, der größte Teil de Mannschaft befindet sich im besten Fußball-Alter, sie haben mit Kapitän Eden Hazard und Kevin de Bruyne Stars, die den Unterschied ausmachen können. Es ist kein Größenwahn, wenn sie davon sprechen, bei den nächsten Turnieren mehr erreichen zu wollen.

Gewinner Nummer 4 ist England, ja auch der Geschlagene im kleinen Finale kann sich als Gewinner fühlen, denn auch die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate hat Werbung für sich betrieben, hat für gute Stimmung im Land gesorgt und gilt als Team der Zukunft. So gelten auch die gleichen Ziele wie in Belgien: Es soll weiter nach oben gehen. Kann es auch.

Gewinner Nummer 5 ist der Videobeweis. Was gab es im Vorfeld angesichts des Chaos vor einem Jahr beim Confed-Cup für Unkenrufe, stattdessen lief es fast perfekt, was eigentlich einem Wunder gleichkommt. Der Videobeweis wurde nur dezent eingesetzt, war dann eine Hilfe und sorgte für Gerechtigkeit. Er darf damit als Vorbild für die Bundesliga gelten. Auch hier muss der DFB also lernen.

Gewinner Nummer 6 ist natürlich Gastgeber Russland, die Stimmung im Land war gut, die Fans aus aller Welt konnten sich fast in einem freiheitlichen Land fühlen, das Putin-Russland verstellte sich nahezu perfekt. Dazu hat die Organisation gestimmt, aber es war natürlich übertrieben, dass FIFA-Boss Infantino von der „besten Weltmeisterschaft aller Zeiten“ sprach. Mit dieser Feststellung hat der Schweizer eher gezeigt, dass seine Aussagen nur auf PR gemünzt sind und nicht auf Wahrheiten. Dennoch, ein kleines Sommermärchen erlebte auch Russland, es wird spannend sein, zu sehen, inwieweit die Bevölkerung in Zukunft Veränderungen bemerkt.

Gewinner Nummer 7 ist der FIFA-Präsident Gianni Infantino selbst. Der Schweizer war überall präsent, gefiel sich neben den Mächtigen der Welt und lächelte in jede Kamera. Er wollte alle Stadien besuchen und alle Mannschaften sehen. Sein Auftritt war eine einzige Werbetour, die eigentlich als abstoßend bezeichnet werden muss. Dennoch war „Der Lächler mit dem Messer“, wie er bezeichnet wurde, ein Gewinner. Ein Gewinner nämlich in seinem persönlichen Ziel, bei der nächsten Wahl wiedergewählt zu werden.

Von Verlierern wollen wir heute nicht mehr reden, aber es wird spannend sein, zu sehen, wie in Deutschland, Brasilien, Spanien und Argentinien die Enttäuschung verarbeitet wird. Auch die Zukunft bleibt spannend, sind doch die Diskussionen um die Erweiterung der WM nicht beendet. Für 2026 ist die Aufstockung von 32 auf 48 Nationen beschlossen, aber Infantino lässt nicht locker, die Welt schon 2022 in Katar damit zu „beglücken“. Was wiederum zeigt, dass es Infantino nicht um den Fußball geht, sondern um seine Macht. Eigentlich ist für einen FIFA-Präsidenten nicht haltbar, eine einmal vom Verband getroffene Entscheidung in Frage zu stellen, zum anderen bringt die WM 2022 im Winter genügend Probleme, da braucht es keine Ausweitung. Aber Vernunft kommt in Infantinos Werbetour nur selten vor.

Eine glückliche Fügung gibt es übrigens für die im September startende Nations League, die ja auch mit viel Skepsis begleitet wird. Einen besseren Start als mit dem Duell des neuen Weltmeisters gegen den alten kann sich die UEFA allerdings nicht wünschen. So kommt am 6. September in München beim Spiel Deutschland – Frankreich auch auf Jogi Löw beim Neuanfang gleich eine große Imageaufgabe zu. Da sollte seine Analyse von der WM-Pleite wirklich gründlich ausfallen.

Es ist ja fast nicht zu glauben, aber am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft gab es sogar noch Sportarten, die den Fußball ein wenig verdrängen konnte. Deutschland feierte seine Tennis-Königin Angelique Kerber, die als Wimbledon-Siegerin den Fußball zumindest in Deutschland die Show stahl, und Deutschland freute sich auch über Rad-Star John Degenkolb, der sich seinen Traum von einem Etappensieg bei der Tour de France erfüllte. Beide Sportler erlebten ein großartiges Comeback nach Formtief bzw. Verletzungspause. Es wurde also deutlich, es gibt nicht nur Fußball.

Es folgt in dieser Woche noch ein Kommentar darüber, wie sich der Fußball nach der WM verändern wird.

Fußball-WM: Die Zukunft hat bereits begonnen

Eines kann man von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht behaupten: Das sie langweilig ist. Das Favoritensterben sorgte für Aufmerksamkeit, zahlreiche Elfmeterschießen für Spannung. Das passte dann wie die Faust aufs Auge, dass hier sogar die Engländer erfolgreich waren. Und es passt zu den Überraschungen, dass aus der Weltmeisterschaft eine Europameisterschaft geworden ist, nachdem im Viertelfinale auch Brasilien und Uruguay die Segel streichen mussten. Hier zeigt sich ein Trend: Die Nationen außerhalb Europas kommen einfach nicht voran, in erster Linie die Teams in Afrika und Asien. Da fehlt es an Organisation, an Willen und an Cleverness. Jetzt schwächeln auch die Südamerikaner mit all ihren begnadeten Fußballern. Eine Gefahr für die Zukunft, dass Eintönigkeit wieder die Oberhand gewinnt? Warten wir es ab. Zuletzt waren vier Europäer 2006 im Halbfinale unter sich, damals Italien, Frankreich, Deutschland und Portugal.

Diesmal sind es bekanntlich Frankreich und Belgien (Dienstag) sowie Kroatien und England (Mittwoch), die im Halbfinale aufeinandertreffen. Dabei fällt eines auf: Bei drei Nationen hieß es im Vorfeld des Turniers, dass sie eine Mannschaft der Zukunft haben. Ergo: Die Zukunft hat bereits begonnen.

Auffallend, dass es zum Beispiel eine gewisse Ähnlichkeit der Mannschaftsstruktur und der Spielweise zum Beispiel bei den Gegnern Frankreich und Belgien gibt. Da das überragende Sturm-Duo Griezmann/Mbappe mit Paul Pogba in der Hinterhand, dort die schnellen Lukaku und E. Hazard, zu denen sich Kevin de Bruyne gesellt. Wir sehen: Bei beiden Nationen heißt es, Angriff ist die beste Verteidigung. Wobei die Abwehrspieler naturgemäß schon noch ein bisschen Arbeit haben, da macht Frankreich fast den stabileren Eindruck. Bemerkenswert, dass ein Franzose die belgischen Stürmer trainiert. Der einstige Weltklassestürmer Thierry Henry könnte jetzt zum „Verräter“ werden. Lukaku gestand bereits: „Von Henry habe ich schon viel gelernt.“ Die Belgier sprechen von ihren Spielern ja von „der goldenen Generation“, dies könnte am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes stimmen.

Auch in England sprach man vor der WM von der „Mannschaft der Zukunft“, jetzt ist die Zukunft schon in der Gegenwart angekommen. Auch in England steht ein Stürmer im Mittelpunkt, nämlich Torjäger Harry Kane, der schon die Premier League aufgemischt hat und jetzt die WM-Torschützenliste mit sechs Treffern anführt. Beste Bewerbung als für den Titel „Weltfußballer des Jahres“. England hat aber nicht nur Kane, sondern mit dem jungen Pickford auch einen erstklassigen Torhüter und mit Gareth Southgate offensichtlich einen Trainer, der die Konkurrenz in den Schatten stellt. Er präparierte seine Schützlinge im Training für das Elfmeterschießen, er ließ bis zum Erbrechen im Training Standards trainieren – und erntet jetzt zusammen mit dem Team schon in Russland. Im Wege steht zunächst noch Kroatien, die Ausnahme der Talente-Nationen, das Team mit Erfahrung und einem überragenden Luka Modric, der als Kopf der Mannschaft ganz anders auftrumpft als seine Real-Mannschaftskollege Toni Kroos es tat. Deshalb steht Kroatien im Halbfinale und nicht Deutschland.

Die FIFA macht sich lächerlich – und andere auch

Nur der Weltverband selbst trübt seine sportlich interessante Weltmeisterschaft. Wie die überwiegend geldgierigen und korrupten FIFA-Funktionäre, die vor allem nach einem für sie angenehmen Leben streben, ticken, wurde bei seltsamen Entscheidungen offensichtlich. 60500 Euro Strafe mussten die Kroaten zahlen, weil sie nicht vorschriftsmäßig Trinkflaschen vom Sponsor verwendet hatten. Ein Vertragsbruch, der geahndet werden musste. Als Serbiens Trainer Mladen Krstajic allerdings gegen Moral und Ethik verstieß (was die FIFA angeblich immer besonders hoch hält), als er Schiedsrichter Dr. Brych vor das UN-Kriegsverbrechertribunal schicken wollte, da musste er für diesen Fauxpas gerade mal 5000 Euro Strafe zahlen. Damit macht sich die FIFA einfach nur lächerlich.

Aber damit steht der Weltverband keineswegs alleine da. Eine lachhafte Figur gibt auch der DFB bei der Krisenbewältigung ab, da zeigen die Beteiligten wie DFB-Chef Grindel, Manager Oliver Bierhoff und Trainer Jogi Löw allesamt, dass sie zwar mit Erfolgen gut leben, mit Krisen aber überhaupt nicht umgehen können. Probleme sind in ihrer Denke wohl nicht vorgesehen. Der „Fall Özil“ schlägt Wellen, es gibt Widersprüche und Peinlichkeiten. Da hat wohl Özils Vater die einzige richtige Antwort: „An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten“. Wer sich zu einer Verfehlung (Erdogan-Fotos) nicht äußert, hat in der Nationalmannschaft als Aushängeschild sowieso nichts zu suchen.

Lächerlich von FIFA und DFB auch die Affäre um Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der nach Hause geschickt wurde und offensichtlich unter einer einzigen Fehlentscheidung leiden musste. Andere Kollegen durften auch nach schwachen Spielen munter weiter pfeifen. Und der DFB bringt es noch nicht einmal fertig, von der FIFA die Hintergründe zu erfahren. Möglicherweise steckt sogar eine interne Intrige zwischen deutschen Schiedsrichtern dahinter. Beobachter sehen den damaligen Video-Schiedsrichter Zwayer als Hauptschuldigen, unken über die Möglichkeit eines Racheaktes. Aufklärung tut also Not. Oder der DFB macht sich eben wieder einmal lächerlich.

Lächerlich gemacht hat sich auch Brasiliens Star Neymar, der mehr mit seinen Schauspieleinlagen nach Fouls auffiel, als mit sportlichen Highlights. Er hat bei der WM deutlich gemacht, dass er nicht das Format mitbringt, einmal „Weltfußballer des Jahres“ zu werden. Mit ein paar Tricks und guten Pässen ist es nicht getan. Er hätte Brasilien vielleicht weiterbringen können, wenn er sich mehr auf den Sport konzentriert hätte. Aber vielleicht will er ja sowieso Schauspieler werden.

Infantino und die Gier nach den Millionen

Als der Schweizer Gianni Infantino seinen Landsmann Sepp Blatter als FIFA-Präsident abgelöst hatte, sollte beim Fußball-Weltverband eigentlich alles besser werden, nämlich transparenter, ehrlicher, volkstümlicher – zurück zum Fußball als Volkssport. Das Gegenteil ist eingetreten, es wurde noch schlimmer, auch der neue Präsident sieht die FIFA vor allem als Gelddruckmaschine, es wurde noch verworrener, noch geheimnisvoller, von Transparenz keine Rede. Dahinter steckt Gianni Infantino und seine Gier nach den Millionen. Kurz vor der WM wird nicht nur über den Sport geredet.

Bezeichnend die Geheimhaltung um ein Konsortium, das 25 Milliarden Dollar zahlen will für 13 Jahre, von 2021 bis 2033, für die Austragung einer Klub-Weltmeisterschaft mit 24 Mannschaften (alle vier Jahre ab 2021) und eine weltweite Nations League nach Vorbild des jetzt in Europa neu eingeführten Wettbewerbs. Wer hinter diesen Plänen steckt, will Infantino nicht sagen, er versteckt sich hinter einer „Geheimhaltungsvereinbarung“. Da kann man nur sagen, die Milliarden haben dem Präsidenten das Gehirn vernebelt, er ist in seinem Amt zur Offenlegung verpflichtet! Die FIFA-Gremien und die Öffentlichkeit müssen wissen, was hier verhandelt wird. Mit Gesprächen in Hinterzimmern wirbt Infantino für seine Vorhaben und hat auch schon Europas Spitzenklubs eingeladen, weil er weiß, dass deren Stimme Gewicht hat und dass sie wie er auch nach dem Geld schielen. Die Fachzeitung kicker bezeichnet Infantino richtig als „Chef-Mauschler“. Wie kann sich ein Präsident zum Verkäufer eines Angebots machen! Ein geeigneter FIFA-Präsident ist er also nicht.

Die seltsamen Geschäftsgebaren der FIFA werfen auch Schatten auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Dort soll die Weltmeisterschaft für 2026 vergeben werden. Ein aufgeblähtes Turnier mit dann 48 Nationen, das schon fest in den Händen des Bewerbers USA mit Kanada und Mexiko schien. Doch jetzt trat mit Marokko ein ernstzunehmender Konkurrent auf, der schon öfters bei der WM-Bewerbung scheiterte und mit einem Pfund wuchern kann: Kurze Wege und die gleiche Zeitzone wie Europa, dem geschäftlich wichtigsten Kontinent einer Weltmeisterschaft. Andererseits gibt es Insider, die glauben zu wissen, warum Infantino für eine WM in den USA kämpft. Er verspricht sich offensichtlich Unterstützung des unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump, der darauf einwirken soll, dass der FBI die Ermittlungen gegen FIFA-Funktionäre wegen Korruption fallen lässt. Der Höhepunkt der Mauschelei wäre erreicht.

Dazu passt, dass die FIFA mit einem Handstreich nichts davon wissen will, dass es innerhalb der russischen WM-Mannschaft Doping geben soll. Handfeste Vorwürfe werden einfach vom Tisch gefegt, nach dem Motto, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Kein Doping in Russland! Um den Schein zu wahren, werden Untersuchungen gegen nicht an der WM beteiligte Spieler fortgeführt. Das klingt, also wolle man die Öffentlichkeit an der Nase herumführen. Infantino singt Lobeshymnen auf Russlands Präsident Putin und den WM-Ausrichter Russland, mangelnde Meinungsfreiheit, Repressalien gegen Regierungskritiker oder andere Unregelmäßigkeiten interessieren ihn nicht. Dollarzeichen in den Augen machen deutlich, in Infantino steckt nur die Gier nach Millionen. Oder gilt er im Fußball gar als Vorbild?

Interessant auch der nächste Kommentar: „Die Bayern können nur Bundesliga“

Das IOC zwischen Angst und Verantwortung

Mit Spannung war die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Hinblick auf die Vorwürfe des staatlichen Dopings von Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erwartet worden. Im Hintergrund glühten die Drähte, um zu ergründen, wie ein salomonisches Urteil aussehen könnte, das die 14-köpfige Exekutive des IOC schließlich auch traf. Das IOC zwischen Angst und Verantwortung, Russland für Doping-Betrügereien sanktionieren, aber dennoch nicht gänzlich auf den Fuß steigen. Der Kompromiss, dass Russland als Mannschaft ausgeschlossen wird, einzelne russische Athleten aber starten dürfen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie unbelastet sind, sieht nach einem Kuhhandel im Hintergrund zwischen IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin aus.

Die Beweise für das staatliche Doping unter Einbeziehung des Geheimdienstes müssen erdrückend sein, sonst hätte Russland die Suspendierung nicht angenommen. Das Donnerwetter aus Moskau war pflichtgemäß inszeniert, Putin sorgte dafür, dass die unangenehmen Schlagzeilen national in den Hintergrund gedrängt wurden, weil er punktgenau seine erneute Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen kundtat. Am Ende konnte sich IOC-Präsident Bach für die konsequente Haltung des IOC feiern lassen, während man in Russland wohl zur Tagesordnung übergehen wird, nach dem Motto „alles nicht so schlimm“, machen wir weiter, wir dürfen uns nur nicht mehr erwischen lassen. Zum Glück gibt es aber immer wieder Leute, wie den früheren Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, Rodschenkow, die des Betrugs überdrüssig sind und an die Öffentlichkeit gehen. Das IOC und alle Verbände sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass russische Sportler strengen unabhängigen Kontrollen unterliegen. Eine Medaillenflut wie in Sotschi, als Russland die Nationenwertung zunächst offiziell gewann, wird es dann nicht mehr geben. 25 russische Sportler wurden nachträglich gesperrt, elf Medaillen, darunter vier Goldene, aberkannt. Das Ende wird es noch nicht sein.

Gespannt sein darf man, wie die Klagen der russischen Sportler beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne enden. 22 wurden wegen Dopings lebenslang gesperrt. Im schlimmsten Falle könnte es sein, dass der Ausschluss Russlands noch einmal ins Wanken gerät, wenn die Beweislast doch nicht hieb- und stichfest ist. Allerdings hätte dann wohl Russland die Sanktionen nicht akzeptiert.

Im Zuge des IOC-Urteils gerät auch der Fußball-Weltverband FIFA und sein Präsident Gianni Infantino immer mehr unter Druck. Russlands Sportminister und Vize-Premier Witali Mutko wurde als Drahtzieher des Staats-Dopings vom IOC lebenslang gesperrt, gleichzeitig lobt aber Infantino die Arbeit Mutkos als Cheforganisator der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Hier hat die FIFA mehr Angst als Verantwortung, denn sonst müsste sie schon lange den Vorwürfen des Dopings in Russlands Fußball nachgehen. Die Nationalmannschaft des Gastgeberlandes 2018 ist schon lange ziemlich erfolglos, soll aber 2018 für Furore sorgen. Mit Unterstützung vielleicht wie die russischen Olympia-Sportler 2014…

Infantino hat Angst vor einer Weltmeisterschaft ohne den Gastgeber und sieht sich nicht in der Verantwortung, den Doping-Anschuldigungen nachzugehen. Dagegen lobt er den Ausrichter, freut sich auf die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ und gibt sich damit selbst und die FIFA der Lächerlichkeit preis. Er hofft wohl darauf, dass die Zeit Wunden heilt. Schließlich hat das IOC Putins Reich auch ein Hintertürchen offen gehalten: Bei der Siegerehrung wird bei einem russischer Sportler, der unter neutraler Flagge antritt, genannt, dass er aus Russland kommt. Und bleiben alle brav und sauber, dann wird bei der Olympia-Schlussfeier in Pyongchang in Südkorea doch wieder die russische Fahne wehen. Alles vorbei, alles wieder gut. Infantino setzt darauf, dass bei der Fußball-WM das Doping-Theater nur noch Vergangenheit ist. Er verschließt die Augen und will ein fröhliches Fest feiern. Viel Spaß 2018.

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.