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Tag: Fußball-Bundesliga

Das Spiel um Millionen: Die Bundesliga-Bilanz

Die 55. Saison der Fußball-Bundesliga ist am Samstag zu Ende gegangen. Der letzte Spieltag war fast ein Abziehbild der Saison mit Ausfällen von chaotischen Ultras, mit Videobeweis, überraschenden Ergebnissen, mit Trauer und Freude. Es war schließlich ein Spiel um Millionen, jeder will an die vollen Töpfe der Champions League, für das Fernsehgeld zählt zudem jeder Tabellenplatz.

So langweilig es an der Spitze durch Bayern München war, so spannend war es dahinter. Am Ende rettete sich Borussia Dortmund nur durch die bessere Tordifferenz in die Champions League. Trainer Peter Stöger hat seine Mission erfüllt, der Stöger kann jetzt gehen. Im Mittelpunkt aber der Dino. Mit dem Hamburger SV steigt auch der letzte Gründungsclub der Bundesliga ab. Köln und der HSV hoffen, dass es nur für ein Jahr ist. Der VfL Wolfsburg wiederum rettete sich in die Relegation und will gegen den Dritten der 2. Bundesliga, Holstein Kiel, den Platz im Oberhaus verteidigen. Gerade noch rechtzeitig im letzten Spiel zeigte Wolfsburg seine beste Leistung. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, wie zufrieden die Klubs sein können. Die Bundesliga-Bilanz:

Bayern München: Der sechste Titel in Folge wurde souverän geholt, doch das sah nicht immer so aus, erst als Rentner Jupp Heynckes als Retter kam, zeigten sich wieder die souveränen Bayern. Das zeigt: Auf den Trainer kommt es schon auch an und so darf man ein bisschen neugierig sein, was Niko Kovac im nächsten Jahr zu leisten vermag. Die Mannschaft wird sich kaum ändern, auch Robben, Ribery und Rafinha bleiben. Jetzt wartet noch das Pokal-Finale gegen Frankfurt, gegen Kovac. Das 1:4 gegen Stuttgart im letzten Spiel war kein würdiger Abschluss, jetzt muss das Double her, sonst war es nur ein befriedigende Saison, mit Pokal eine gute, ohne Henkel-Pott der Champions League war es halt keine sehr gute.

Schalke 04: Der Überraschungs-Zweite, Trainer Tedesco scheint der richtige Mann zu sein, mit Disziplin und ein bisschen Glück ritt Schalke auf einer Erfolgswelle, war aber typisch für die Bundesliga-Saison: Kaum gute Spiele, aber immerhin erfolgreich. Das Glücksgefühl: Endlich wieder einmal vor Dortmund. Ob es aber für die Champions League reicht?

TSG Hoffenheim: Platz drei ist der größte Erfolg des noch jungen Vereins. Trainer Julian Nagelsmann bewies seine Klasse, als er die Mannschaft aus einer kleinen Krise wieder nach oben führte. Die CL könnte noch eine Nummer zu groß sein, wichtige Spieler verlassen den Verein. Der Trainer aber bleibt.

Borussia Dortmund: Mit Hängen und Würgen ins Ziel gekommen, jetzt soll an einer besseren Zukunft gebastelt werden. Gesucht wird ein starker Trainer, Lucien Favre (Nizza) wird als Favorit gehandelt. Schwer zu finden sein werden auch Führungsspieler, die die Borussia wieder nach vorn bringen. Dortmund will wieder erster Herausforderer der Münchner sein. Ein paar Spieltage lang waren sie es zu Saisonbeginn.

Bayer Leverkusen: Der Traum von der Champions League lebte in der ganzen Saison, Freud und Leid waren am letzten Spieltag eng beieinander, zeitweise fehlte gerade mal ein Tor. Die Europa League ist nur ein schwacher Trost, aber immerhin ist Bayer (im Vorjahr 12.) wieder international dabei. Der Mannschaft fehlte Konstanz.

RB Leipzig: Der Vize-Meister des Vorjahres musste Lehrgeld bezahlen. Als Neuling gleich nach oben gestürmt und in die CL, doch der Schwung ging ein bisschen verloren, dafür gab es Müdigkeit und Zweifel – auch am Trainer. Noch ist die Zukunft von Ralph Hasenhüttl offen, aber das Minimalziel wurde erreicht. Leipzig wird die doppelte Belastung diesmal besser verkraften und kann sich deshalb wieder höhere Ziele setzen.

VfB Stuttgart: Der Sensations-Siebte, mit dem anfangs ungeliebten Trainer Korkut begann der Aufstieg in der Tabelle, doch spielerischer Glanz fehlte, auch hier ein Abbild der Bundesliga (siehe Schalke). Der Paukenschlag in München brachte Stuttgart auf den siebten Platz, der zur Europa League berechtigt, wenn die Bayern Pokalsieger werden. Achtung: Die Qualifikation beginnt bereits im Juli, die Saisonvorbereitung leidet und mancher Kandidat befand sich dann in der Liga plötzlich im Abstiegskampf. Also nicht zu früh freuen.

Eintracht Frankfurt: Niko Kovac hat die Eintracht zu neuem Leben erweckt, aus einem internationalen Sammelsurrium an Spielern eine Mannschaft geformt, aber das Team hat nicht durchgehalten. Zwischendurch träumte Frankfurt von der CL, am Ende ging die Puste aus, die Bekanntgabe des Kovac-Wechsels nach München hemmte. So ging die Eintracht leer aus. Vor Saisonbeginn wäre der Verein mit Platz acht aber zufrieden gewesen.

Borussia Mönchengladbach: Eigentlich will man nach oben, offiziell gilt aber ein einstelliger Platz als Ziel. Gut, Ziel erreicht, aber mehr wäre drin gewesen, allerdings bremste auch viel Verletzungspech die Borussia. Steigerung möglich.

Hertha BSC Berlin: Auch hier, mehr wäre möglich gewesen, doch richtig in Schwung kam die Hertha in diesem Jahr nie, kam aber auch nicht richtig in Abstiegsgefahr. Das gilt als Erfolg, doch die Berliner sehen ihre Hertha lieber in höheren Sphären. Mit der Mannschaft ist das nicht möglich.

Werder Bremen: Einst Abstiegskandidat, dann sogar an der EL geschnuppert, den Bremern wurde nicht langweilig. Trainer Kohfeldt brachte Schwung nach Bremen und lässt den Verein wieder von einer besseren Zukunft träumen. Der Weg nach Europa ist aber weit.

FC Augsburg: Am Ende noch einen Platz verloren (also auch rund eine Million Euro), aber Platz zwölf ist für einen der ärmsten Klubs ein Erfolg. Der FCA lebte von seiner starken Vorrunde (Rang 9 mit 24 Punkten), hatte aber auch viel Pech. Als der übergroße Kader verkleinert wurde, meldete sich zudem das Verletzungspech. Insgesamt eine gute Saison.

Hannover 96: Sicher die Klasse gehalten, was will man als Neuling mehr? In Hannover brannte es aber außerhalb des Spielfelds, die Ultras boykottierten den Verein, um Präsident Kind zu stoppen, Manager Horst Heldt war bei einigen anderen Vereinen im Gespräch. Große Leistung von Trainer Breitenreiter bei diesen Nebengeräuschen die Mannschaft über alle Klippen gebracht zu haben. Da war nicht mehr drin.

FSV Mainz 05: Der Endspurt sicherte die Liga, alle zweifelten an Trainer Sandro Schwarz, nur Manager Schröder nicht und plötzlich funktionierte die Mannschaft und der Erfolg stellte sich ein. Wieder ein Jahr überstanden, der Überlebenskampf geht weiter.

SC Freiburg: Trainer Christian Streich stand geschätzte 34mal vor einem Herzinfarkt, aber er und seine Mannen haben überlebt. Er sprach von einer irren Saison, mit vielen Ausfällen, Entscheidungen gegen sein Team, aber die Heimstärke und die Unterstützung der Fans brachte den Klassenerhalt. Der Sympathiebolzen bleibt der Bundesliga erhalten.

VfL Wolfsburg: Keine gute Führung, kein gutes Management, keine Mannschaft, obwohl es durchaus einige gute Spieler gibt. Es gab mehr Fehleinschätzungen als gute Leistungen, Beispiel der Verkauf von Torjäger Mario Gomez. Ein Wunder, dass es mit der Relegation noch klappte, nachdem der letzte Retter, Trainer Bruno Labbadia, buchstäblich gegen eine Wand lief. Der Trainer gilt als Spezialist für die Entscheidungsspiele, die beste Saisonleistung im letzten Spiel lässt hoffen.

Hamburger SV: Tschüss Dino, nach 55 Jahren Bundesliga muss der HSV also gehen, hoffentlich nur für ein Jahr. Aber nach Jahren des Dahinsiechens war der Abstieg mal fällig, Fehler, wie sie in Hamburg die letzten Jahre gemacht wurden, müssen sich mal negativ auswirken. Mal sehen, ob die Chance der Neuausrichtung genutzt wird. Ein Problem sind auch die Chaoten, die am Schluss noch für ein schlechtes Bild des HSV sorgten.

1. FC Köln: Kaum ein Verein stieg so erhobenen Hauptes ab wie der 1. FC Köln. Es ist ein Betriebsunfall der besonderen Art und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein wurde eher noch stärker, zahlreiche Stammspieler bleiben, mit Markus Anfang wurde ein hoffnungsvoller Trainer gewonnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Betriebsunfall sollte sofort wieder repariert werden.

Bleibt noch das Pokalfinale am Samstag, 19. Mai, in Berlin. Bayern München ist gegen Eintracht Frankfurt haushoher Favorit, aber der Warnschuss gegen Stuttgart zeigte, die Bayern sind schlagbar, Da kann Niko Kovac mit Frankfurt zeigen, was er kann, auch wenn es bei der Eintracht heißt, „ein Sieg von uns wäre ein Wunder“. Das Double wäre aber der richtige Abschied für den erfolgreichen Jupp Heynckes, der noch seine achte Meisterschaft feiern konnte und vor fünf Jahren bekanntlich mit dem Triple abtrat. Die Frage ist, ob die Bayern noch einmal den Schalter umlegen können, um am Sonntag auf dem Marienplatz auch gebührend feiern zu können.

Hinweis: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Weltmeisterschaft und den Kader-Nominierungen: „Welches WM-Aufgebot hätten’s denn gern?“

Die Bundesliga ist eine Wundertüte

Am kommenden Wochenende geht die Saison der Fußball-Profi-Ligen in Deutschland zu Ende. Was die Bundesliga angeht, braucht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon seit Jahren nicht mehr rätseln, wo sie die Meisterschale abliefern soll. Sie könnte in München auf Dauer deponiert bleiben. Auch bei der Torjäger-Kanone gibt es keine Zweifel, der Dortmunder Aubemayang hat mit seinem Wechsel nach London für Robert Lewandowski den Weg frei gemacht. Es gibt also noch die schöne, heile Welt der Bundesliga.

Aber selbst bei den Bayern war die Welt im Herbst nicht ganz heil. Und ansonsten zeigte sich die Bundesliga überhaupt als Wundertüte. Von Konstanz war bei fast allen Klubs nicht die Rede. Nehmen wir Borussia Dortmund als Beispiel: Einmal erstklassiger Fußball, fast wie in alten Zeiten, dann wieder uninspiriert wie in den Wochen vor Peter Stöger, Typisch für Letzteres das 1:2 gegen Mainz, das die Teilnahme an der Champions League wieder in Gefahr bringt. Ähnlich wie in Dortmund war es in Leverkusen, erst auf dem Weg nach oben, zuletzt drei Spiele ohne Torerfolg. Leipzig mal gut, mal schlecht, ein 4:1 gegen Wolfsburg zeugt noch nicht von alter Klasse. Beständig einzig Schalke 04, aber spielerisch kaum einmal überzeugend. Weil die Konkurrenz eben schwächelte, feiern sie in Gelsenkirchen die Vize-Meisterschaft. Diesmal ist Schalke aber nicht der „Meister der Herzen“ nachdem ihnen Bayern mal in letzter Sekunde die Schale entriss, sondern sie sind „Meister des Rests“ nach den Bayern von Gnaden der unbeständigen Konkurrenz. Da zeigte sich auch in der nationalen Saison, warum die Bundesliga auf internationalem Parkett an Boden verlor. Guter Fußball war eine Rarität. Doch mehr dazu nächste Woche in der Bilanz.

Die Spannung wiegt einiges auf, wie schon vorausgesagt hält sie bis zum letzten Spieltag. Gesucht werden neben den Bayern und Schalke noch zwei Teilnehmer an der Champions League, danach können sich zwei oder drei Vereine mit der Europa League trösten. In Dortmund, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Mönchengladbach wird gerechnet und gehofft. Hoffentlich setzen sich Mannschaften durch, die dann auch mit dem nötigen Rüstzeug auf Europas Bühnen auftreten. Am stärksten sind Zweifel beim VfB Stuttgart angebracht, der sich mit einem ausgeklügeltem Defensivkonzept nach oben schob. Stuttgart könnte dann ein Schicksal wie der 1. FC Köln erleben: Von Europa zum Abstieg!

Am letzten Spieltag gibt es tatsächlich nur eine Partie, die völlig ohne Bedeutung ist, nämlich das „Freundschaftsspiel“ zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Zwei, die dennoch feiern können, weil sie dem Abstiegskampf rechtzeitig entronnen sind. Anders sieht es in Wolfsburg und Hamburg aus. Im letzten Jahr das direkte Duell um den Platz in der Relegation, diesmal ein Fernduell, wobei für Wolfsburg schon ein Unentschieden gegen Absteiger Köln eine Art Wiederauferstehung wäre, die Mannschaft liegt am Boden, Trainer Labbadia ist ratlos. Köln machte auf jeden Fall zuletzt den besseren Eindruck. Ob die Bundesliga-Uhr beim Dino HSV endgültig stehen bleibt, liegt auch an Borussia Mönchengladbach, das noch eine minimale Chance auf die Europa League hat. Der Ausgang ist ungewiss, denn auch Gladbach gehört zu den Wundertüten-Teams der Bundesliga. Bei Anpfiff weiß man nie, was bis zum Abpfiff wirklich rauskommt.

Im Unterhaus kann man nur sagen „glückliche 2. Bundesliga“. Sie hat zudem ein echtes Endspiel, wenn auch kein brisantes. Wie es der Terminplan so will, treffen sich die beiden punktgleichen Aufsteiger zum direkten Duell. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg wären die richtigen Nachfolger für Köln und z. B. dem HSV: Da löst der eine rheinische Rivale den anderen ab, dort ein Traditionsverein den anderen. Noch aber tickt die Uhr in Hamburg… Gegner in der Relegation wird übrigens Holstein Kiel sein, der Zweitliga-Aufsteiger hat also immer noch die Chance, direkt in die Bundesliga durchzumarschieren.

Spannung verspricht auch in der 2. Bundesliga der Abstiegskampf. Den hat nur der 1. FC Kaiserslautern verloren, sieben Vereine sind dagegen in den Kampf um den zweiten direkten Absteiger und die Relegation involviert. Besondere Brisanz versprechen die direkten Duelle Darmstadt – Aue und Heidenheim – Fürth, aber auch Braunschweig, Dresden und Sandhausen müssen noch zittern. Wer neu in die 2. Bundesliga kommt, steht fest. Der FC Magdeburg und der SC Paderborn haben den Aufstieg geschafft, der Karlsruher SC als Dritter ist der Kontrahent in der Relegation. Die Vereine wollten es so, dass durch die Relegation die Saison mit dem letzten Spieltag der Punktrunden noch nicht beendet ist. Die Relegation ist praktisch die Zugabe an Spannung, Freude und Trauer.

Champions League: Wer die Champions League vermisst, liest den nachfolgenden Kommentar „Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott“.

Bayern im Niemandsland – Köln ein besonderer Absteiger

Das hat das Saisonende so an sich, dass Spieltag für Spieltag in den Ligen stückchenweise die Entscheidungen fallen. Die Fans wünschen sich natürlich, dass die Spannung bis zum letzten Spieltag bestehen bleibt, Tränen der Freude oder der Enttäuschung gibt es allerdings schon früher. Derzeit kann man dies überall wieder beobachten, aber was die Fußball-Bundesliga angeht gilt: Es bleibt bestimmt spannend bis zum letzten Spieltag.

Dass es am Tabellenende spannend bleibt, dafür sorgen der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg. Die VW-Städter haben es geschafft, dass in ihrem Verein das Chaos noch größer ist als es wohl jemals beim HSV war. Der Bundesliga-Dino hat dagegen unter Amateurtrainer Christian Titz eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert, hat mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg den Rückstand auf die Niedersachsen auf zwei Punkte verkürzt und darf wieder hoffen. Die Niedersachsen gleichen einem sinkenden Schiff, der Kapitän (Trainer Bruno Labbadia) hilflos, eine wirkliche „Mannschaft“ gibt es nicht (man könnte von einzelnen Könnern reden, doch echte Könner gibt es im Team auch nicht), die Vereinsführung ahnungslos, wie der Kampf um Manager Horst Heldt zeigt. Der HSV beweist dagegen Zusammenhalt, spielerische Klasse und Begeisterung. Vor ein paar Wochen wünschten die Fußball-Fans dem Dino noch den Abstieg (Wird endlich Zeit bei dem Chaos), jetzt wünschen sie sich für den HSV wieder den Klassenerhalt (Hat er verdient) und sehen in Wolfsburg den logischen Absteiger. VW hat nach der Diesel-Krise auch eine Bundesliga-Krise. Die letzten Spiele der Kontrahenten: Wolfsburg in Leipzig und gegen Köln, der HSV in Frankfurt und gegen Mönchengladbach. Der Ausgang ist wirklich ungewiss.

In vier Vereinen wird aufgeatmet: Bremen hat den Klassenerhalt sicher, Hannover kann nicht mehr direkt absteigen, Mainz und Freiburg haben mit ihren Siegen gegen Leipzig und Köln den Kopf vorerst aus der Schlinge gezogen und können wieder hoffen. Dafür steht der erste Absteiger fest. Der 1. FC Köln muss zum sechsten Mal die erste Liga verlassen, aber es zeigt sich, dass die Rheinländer ein besonderer Absteiger sind. Die Fans feiern praktisch schon heute die Rückkehr, die besten Spieler suchen nicht das Weite, sondern wollen den „Betriebsunfall“ korrigieren. Torhüter Timo Horn und Kapitän Jonas Hector unisono: „Wir haben Fehler gemacht, wir sind Kölner, wir helfen beim Aufstieg.“ Spieler wie Torjäger Terodde oder Frankreichs Talent Koziello wurden schon im Hinblick auf die mögliche 2. Bundesliga verpflichtet. In Köln wird deshalb mehr vom Aufstieg als vom Abstieg geredet. Es scheint, dass unter dem neuen Sportchef Armin Veh die alten Fehler nicht wiederholt werden. Der Erfolg mit dem Einzug in die Europa League wurde nicht verkraftet, Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger hinterließen Flecken auf ihrer vorher weißen Weste. Passend zum Abstieg gelang dem rheinischen Rivalen Fortuna Düsseldorf der sechste Aufstieg, Gut möglich, dass beide nächstes Jahr wieder die Rollen wechseln!

Spannung gibt es bei Meister Bayern München nur in der Champions League. Die Münchner befinden sich praktisch im Niemandsland: Für die Bundesliga zu stark, auf der internationalen Bühne eher in der zweiten Reihe. Oder schaffen sie gegen Real Madrid nach dem unglücklichen 1:2 im Hinspiel noch einmal die Wende? Es hatte den Anschein, als hätten die Bayern den Spagat zwischen der Leichtigkeit der Liga und der Schwere der Champions League nicht geschafft. Die Bundesliga-Konkurrenz haben sie fast der Lächerlichkeit preisgegeben, mit einem 4:1 gegen Euroleague-Anwärter Frankfurt, mit einem C-Team mit Nachwuchsspielern und Cracks aus der zweiten Reihe, mit dem jüngsten Bayern-Team seit über 40 Jahren. Noch Fragen nach dem Meister 2019?

Die Meisterliste in den Ligen Europas wird immer länger, jetzt haben sich auch der FC Barcelona und Schottlands Dauer-Titelträger Celtic Glasgow dort eingetragen. Besonders gefeiert wird in Bern, die Young Boys stoppten den ewigen Meister FC Basel und holten sich zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder den Titel. Manchmal kann eine Meisterschaft schon noch etwas Besonderes sein. Das wäre sie auch für den SSC Neapel, der aber seine gute Ausgangsposition in Italien mit dem 0:3 in Florenz verspielte und wohl wieder Juventus Turin den Vortritt lassen muss. Da heißt es dann wohl „nächstes Jahr nächster Versuch“.

Im Gespräch neben der Punktehatz natürlich die Weltmeisterschaft. Bundestrainer Joachim Löw musste vor allem Hiobsbotschaften hinnehmen, sein einstmals übergroßer Kreis von WM-Kandidaten verkleinert sich zusehends. So erlitten am Wochenende Lars Stindl (Gladbach) und Serge Gnabry (Hoffenheim) so schwere Verletzungen, die das WM-Aus bedeuten. Die Konkurrenz wird kleiner. Da kann Löw nur hoffen, dass die Meister Jerome Boateng und Manuel Neuer rechtzeitig wieder fit werden. Andererseits bieten ihm Medien und Trainer neue WM-Kandidaten an, weil eben jeder ein bisschen Bundestrainer spielen will. Vielleicht springen Freiburgs Held Nils Petersen und Bayern-Torhüter Sven Ulreich doch noch auf den WM-Zug. Es gab ja immer wieder Überraschungen und auch im Hinblick auf die erweiterte WM-Nominierung am 15. Mai bleibt die Spannung erhalten.

Eine Empfehlung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Eishockey-Weltmeisterschaft: „Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?“

Von Königen und den Königlichen

Die Fußball-Bundesliga ist für den FC Bayern München nur noch Alltag, jetzt stehen aber die großen Feiertage bevor. Das Duell mit Real Madrid in der Champions League ist schließlich etwas Besonderes. Die „schwarze Bestie“ wurden die Bayern einst in Madrid genannt, weil die Münchner Real leiden ließen. Das hat sich zuletzt gedreht, vor den beiden Begegnungen am Mittwoch, 25. April, in München und Dienstag, 1. Mai, in Madrid kann sich Real auf eine positive Bilanz stützen und muss nur die Erfolgsbilanz von Jupp Heynckes fürchten.

Beide Vereine haben etwas Königliches gemeinsam. Da sind die Bayern, in deren Landen die sogenannten Königstreuen noch von einem bayerischen König träumen. Schloss Neuschwanstein, der Prachtbau von Ludwig II., lässt grüßen. Der moderne Touristenmagnet ist aber die Allianz-Arena in München, das Stadion mit dem Schwimmreif, der aber keinem Gegner zugeworfen wird, wenn er ins Schwimmen kommt. Das wird allerdings der Titelverteidiger nicht fürchten, denn Real wird schließlich als die „Königlichen“ bezeichnet. Nur einer aber kann in der Champions League am Ende regieren (wobei man den Sieger aus der Partie Liverpool – AS Rom nicht unterschätzen sollte).

Die Bilanz also spricht für Real. Zum 19. Mal kommt es in der Champions League zu diesem Vergleich (Rekord!), neunmal siegte Real, achtmal Bayern. Aber: Bayern verlor die letzten fünf Duelle! Die Bayern verloren überhaupt nur zwei der letzten 25 CL-Heimspiele – beide gegen Real. Auffallend: Welt-Fußballer Cristiano Ronaldo trifft immer gegen die Münchner. Einzige Statistik-Hoffnung: Mit Trainer Jupp Heynckes erreichten die Bayern immer das Finale (2012 und 2013) und holten 2013 bekanntlich das begehrte Triple. Noch gut in Erinnerung ist aber der Vergleich vom letzten Jahr, als Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Ausscheiden tobte: „Wir sind beschissen worden.“ Trainer Carlo Ancelotti machte beim 1:2 und 2:4 n. V. auch Fehler, mehr Fehler (insgesamt sieben schwere, davon fünf gegen Bayern) aber machte Schiedsrichter Kassai (Ungarn) und Real profitierte davon. Die Bayern sagen, sie treten mit breiter Brust an, was sie aber auch brauchen, ist ein guter Schiedsrichter. Nominiert ist der Holländer Kuipers.

Ein Finale haben die Münchner bekanntlich schon erreicht, das DFB-Pokalfinale mit einem überzeugenden 6:2 bei Bayer Leverkusen, das einen Vorgeschmack auf die Real-Duelle gab. Der 19. Mai wird im deutschen Fußball jetzt zum Bayern-Tag, denn vor den Männern in Berlin gegen Frankfurt treten die Frauen ebenfalls im Finale in Köln gegen Wolfsburg an. Es könnte ein besonderes Double für München werden. Begehrter wäre aber noch der Final-Termin am 26. Mai in Kiew – das Champions-League-Finale.

In der Bundesliga gewinnen die Bayern quasi mit einer besseren B-Elf, herschenken wollen sie nichts. Geschenke machen andere, so RB Leipzig, das dabei ist, einen Platz in der Champions League zu verspielen. Kein Wunder, dass dort der Baum brennt und plötzlich sogar Erfolgscoach Ralph Hasenhüttl angezählt wird. Sind das nur Nachwirkungen aus den zusätzlichen Belastungen aus den Europa-Abenden? Konstanz zeigt kaum eine Mannschaft, Leverkusen wähnte sich im Aufwind und musste dann folgenschwere Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund hinnehmen. Dortmund wiederum feierte mit dem 4:0 gegen Leverkusen fast schon eine wundersame Wiederauferstehung. Frankfurt wiederum hat den Kovac-Abschied nicht verdaut und droht ganz aus den Europa-Rängen zu verschwinden. Es bleiben noch drei Spieltage voller Brisanz.

Dies natürlich vor allem im Abstiegskampf. Für einige der beteiligten Vereine heißt es, der Abstiegskampf kann zu Hause entschieden werden. Dies gilt vor allem den kommenden Samstag, wenn mit Freiburg (gegen Köln) und Wolfsburg (gegen Hamburg) zwei Vereine, die der Relegation entgehen wollen, ihre Gegner in die zweite Bundesliga schicken können. Da gibt es also echte Endspiele.

Kein Endspiel mehr muss der FC Augsburg bestreiten. Vor der Saison als einer der heißesten Abstiegskandidaten gehandelt, sicherten sich die Schwaben mit dem 2:0 gegen Mainz vorzeitig den Klassenerhalt. Eine starke Vorrunde (9. mit 24 Punkten) war die Basis. Jetzt wurde nach zuvor vier Heimniederlagen in Folge besonders gefeiert und ironisch auf speziellen Trikots gefragt: „ObACHT – auch im nächsten wieder Abstiegskandidat Nummer 1?!“ Könnte sein, wenn der FCA seine Stars verliert, die für Furore gesorgt haben. Verteidiger Philipp Max zum Beispiel, bisher bester Vorlagengeber der Bundesliga, jetzt aber von Thomas Müller (14:13) übertrumpft. Oder Torjäger Alfred Finnbogason. Der Isländer war nach langer Verletzungspause erstmals wieder dabei und zeigte seinen Wert für die Mannschaft. Er wird Begehrlichkeiten wecken bei der Konkurrenz, wäre vielleicht sogar einer für die Bayern, wenn Torjäger Robert Lewandowski doch dem Werben von Real Madrid erliegt. Da ist auch Michael Gregoritsch, der eine starke Saison spielte und schon mal ein „Ätsch“ nach Hamburg schickte, die ihn nicht mehr wollten. Augsburg kann die letzten Spiele genießen, aber für Manager Stefan Reuter beginnt die Arbeit jetzt erst richtig. Die achte Saison ist gesichert, wie die Kegler wollen sie aber „alle Neune“.

Diskussionen stellen den Bundesliga-Abstiegskampf in den Schatten

Das Geschehen auf dem grünen Rasen wäre ja interessant genug, dennoch wurde es in der vergangenen Woche in der Fußball-Bundesliga in den Schatten gestellt. Themen abseits der Punktrunde beschäftigten die Öffentlichkeit, im Mittelpunkt natürlich wieder einmal Bayern München, das einen neuen Trainer präsentierte. Der Favorit sagte zu, der 46-Jährige Kroate Niko Kovac folgt auf den bald 73-Jährigen Jupp Heynckes. Auf Erfahrung pur folgt ein Mann, der erst einmal im Spitzenfußball Erfahrung sammeln muss. Wieder einmal gehen die Münchner Bosse ins Risiko, was früher schon gründlich schief gegangen ist (bestes Beispiel war Jürgen Klinsmann). Branchenüblich wurde der Wechsel mit verbalen Scharmützeln begleitet. Der Vorwurf von Eintracht-Manager Fredi Bobic, dass die Bayern „unverschämt“ und „unanständig“ gehandelt hätten, war wohl in erster Linie Selbstschutz, damit keine Kritik aufkommt, warum er den Trainer nicht halten konnte. Seltsam ist allerdings schon, dass uns erzählt wird, der Deal wäre an einem Tag abgeschlossen worden.

Niko Kovac hat Eintracht Frankfurt auf Vordermann gebracht und der Mannschaft Spielkultur beigebracht. Durchaus eine Empfehlung. Bei den Bayern könnte er es sich leicht machen und einfach die Arbeit von Jupp Heynckes weiterführen. Die Frage ist allerdings, ob Kovac bei den zwischenmenschlichen Beziehungen bestehen kann. Wie bekannt, ist es nicht leicht, alle Stars unter einen Hut zu bringen und bei Laune zu halten und zudem eine Verjüngung der Mannschaft einzuleiten.

Im Moment kann sich Kovac noch auf Frankfurt konzentrieren, aber die 1:4-Niederlage in Leverkusen war im Anschluss an die Bekanntgabe des Wechsels zum Meister nicht glücklich. Die Eintracht rutschte auf Rang sieben ab und muss zusehen, dass der Traum vom Sprung auf Europas Bühnen nicht platzt. Dann würde im Endeffekt noch ein Schatten auf Kovacs Arbeit in Frankfurt fallen.

Der künftige Bayern-Coach wird interessiert beobachten, welche Titel ihm den Jupp Heynckes übrig lässt, um im nächsten Jahr zu glänzen. Oder geht es ihm wie Pep Guardiola, der 2013 einen Triple-Gewinner übernahm? Auf jeden Fall zeigen sich die Münchner in Form, Pokalgegner Bayer Leverkusen allerdings ebenfalls, mit zwei 4:1-Siegen in einer Woche. Gegen Leverkusen und vor allem Real Madrid im Halbfinale der Champions League wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind und ob sie vor allem auf den Punkt genau ihre beste Form abrufen können. Also auch rund um die Bayern bleibt es spannend.

Eine zweite Diskussion wurde unnötig entfacht. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke brachte wieder eine Play-Off-Runde ins Gespräch. Dass dies für die Bundesliga Humbug ist, wurde schon oft festgestellt. Auch seine Idee von einer verkürzten Runde allein mit Halbfinale und Finale bringt Terminprobleme und vor allem kassieren die vier Klubs, die sowieso schon an die Geldtöpfe der Champions League gelangen, noch einmal zusätzlich. Damit wird die finanzielle Schere zur Konkurrenz noch größer. Nachdem Stuttgart den Klassenerhalt sicher hat, hatte Reschke wohl zu viel Zeit für dumme Ideen. Er sollte lieber sein Team für das nächste Jahr wirkungsvoll verstärken.

Es bleibt dabei, Unentschieden sind das beliebteste Resultat in der Bundesliga, nur nicht verlieren bleibt das Motto. Beispiel Stuttgart und Hannover, die sich die Punkte teilten und damit wohl beide gerettet sind, weil die Kellerkinder Köln und Hamburg Niederlagen hinnehmen mussten. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber bald ist auch die letzte Hoffnung dahin. Ein Unentschieden in Wolfsburg hilft auch dem FC Augsburg, der mit 37 Punkten praktisch ebenfalls den Klassenerhalt feiern kann. Am Sonntag gegen Mainz könnten die magischen 40 Punkte geschafft und außerdem die eigenen Fans nach vier Heimpleiten versöhnt werden.

Spannender ist der Kampf um die Plätze in der Champions League. Schalke 04 war der große Sieger im Revier-Derby und vergrößerte mit dem 2:0-Sieg gleichzeitig die Angst bei Borussia Dortmund, dass der Sprung in die Champions League noch scheitern könnte. Gleichzeitig verstärkt sich die Tendenz, dass Trainer Peter Stöger keine Zukunft in Dortmund hat. Da gilt Gladbachs früherer Coach Lucien Favre als Favorit. Trainer-Wechsel werden auch in den nächsten Wochen für Gesprächsstoff in der Bundesliga sorgen.

Die Bayern haben es vorgemacht, in den großen Ligen zogen jetzt Paris St. Germain und Manchester City mit den Titelgewinnen nach. Wer mit großem Abstand führt, für den löst die Meisterschaft keine großen Emotionen mehr aus, doch von Feierlaune war in England und Frankreich nicht die Rede. City gewann den Titel auf dem Sofa (Pep wollte zum Golf), weil Konkurrent United gegen das Schlusslicht patzte, in Paris schwiegen die meisten Fans aus Protest gegen das Verbot von Pyrotechnik. Dies zeigt, dass sich die Fans sich selbst näher sind, als der Mannschaft, für die eigentlich ihr Herz schlagen sollte. Übrigens war der Titelgewinn eine Premiere für Nationalspieler Julian Draxler und für Trainer Unai Emery, der dennoch seinen Posten räumen muss, angeblich für Thomas Tuchel, der München abgesagt hatte und für Niko Kovac den Weg frei gemacht hat.

Apropos Trainer, Bundestrainer Joachim Löw war bei den Bayern natürlich auch im Gespräch, aber er ist jetzt verstärkt in den Stadien zu sehen, weil er seine WM-Kandidaten sichten muss. Da stehen einige schwierige Entscheidungen an und seine Kandidaten bringen sich nicht nur mit Leistung, sondern auch mit Statements ins Gespräch. Beispiel Sandro Wagner, der in Konkurrenz zu Mario Gomez steht, wenn es um den einen klassischen Mittelstürmer geht. Wagner verkündete selbstbewusst: „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM dabei bin.“ Nach einem Doppelpack lässt sich gut auftrumpfen, Gomez konnte nicht glänzen, für ihn spricht derzeit höchstens die internationale Erfahrung. Aber auch im Nationalteam zeigte sich Wagner treffsicher. Fragen auch bei den Flügelflitzern, da brachten sich vor allem Serge Gnabry (vor den Augen von Löw) und Julian Brandt, beide bisher eher in der zweiten Reihe, ins Gespräch bzw. schossen sich in den Vordergrund. Löw hat die Qual der Wahl, die Spieler, die nicht nominiert werden, eher nur die Qual.

Entscheidungen und ihre Folgen

Nur noch fünf Spieltage stehen in der Fußball-Bundesliga bis zum Finale am 12. Mai an. Es ist die Zeit der Entscheidungen. Aber nicht nur im Oberhaus, sondern auch in den Ligen darunter. Entscheidungen fallen zwangsläufig, ein Blick aber auch auf einige Folgen.

Zunächst aber erst einmal herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern München, der seine 28. Meisterschaft am 29. Spieltag unter Dach und Fach brachte, nur zweimal waren die Bayern schneller. Es ist der sechste Titel in Folge und natürlich wieder ein neuer Rekord. Was das bedeutet, verdeutlicht ein Blick auf die Liste der Meister: Kein anderer Verein hat seit Bestehen der Bundesliga mehr als fünf Meisterschaften gewonnen! Die Münchner feierten allerdings auf Geheiß ihres Trainers Jupp Heynckes mit „gebremsten Schaum“, die wichtigsten Aufgaben stehen noch bevor, zum Beispiel am Mittwoch das Rückspiel gegen den FC Sevilla in der Champions League. Verständnis bei den Spielern: „Es ist ja so, ich bin über 30, da dauert es ein paar Tage, bis du wieder regenerierst“, sagte Sandro Wagner. Torjäger Robert Lewandowski durfte sich beim 4:1 in Augsburg ebenso ausruhen wie andere Stars. In der B-Elf der Bayern standen mit Ausnahme von Torhüter Sven Ulreich dennoch nur Nationalspieler auf dem Platz! Übrigens: Damit haben die Bayern als erste Mannschaft der großen Ligen in Europa den Titel errungen. Pep Guardiola verpasste dies mit Manchester City mit einer Niederlage im Derby gegen United.

Entscheidungen und ihre Folgen – wie sieht die Zukunft der Bayern aus? Die Bayern-Fans können beruhigt sein, Jupp Heynckes prophezeit den siebten Titel in Folge für 2019. Allerdings wird der Senior, der im Mai 73 wird, dann wirklich nicht mehr auf der Bank sitzen. Zur Erinnerung: Nach sieben Spieltagen hatten die Bayern fünf Punkte Rückstand auf Dortmund, jetzt 20 Punkte Vorsprung auf den Zweiten Schalke. Die nächste Entscheidung verspricht also Brisanz. Das Beispiel mit dem entlassenden Carlo Ancelotti zeigt, dass nicht jeder Fan den FC Bayern auch zum Meister machen kann. So hofft die Konkurrenz auf einen Fehlgriff der Bayern-Chefs, auf einen Umbruch im Team mit Folgen – nur das kann die Langeweile an der Spitze für die nächsten Jahre vertreiben.

Da sind wir bei den neuen Verträgen, bei den Entscheidungen und ihren Folgen. Im Mittelpunkt stehen bei den Bayern Arjen Robben und Franck Ribery, die mit einer Vertragsverlängerung in der Warteschleife stehen. Tendenz: Die Verträge werden verlängert, allerdings müssen Rummenigge und Co. den Stars auch deutlich machen, dass die Einsätze weniger werden, dass sie dem Neuaufbau nicht im Wege stehen dürfen. Cowman, schon in dieser Saison bester Flügelflitzer, und Gnabry, der im Sommer endgültig bei den Bayern beginnen soll, müssen langsam herangeführt werden, sind die Zukunft. Robben und Ribery können in neuer Rolle aber noch besonders wichtig werden. Nicht vergessen sollte man Rafinha, er hat sich in dieser Saison fast als unentbehrlich erwiesen, mit dem Brasilianer sollten die Bayern unbedingt verlängern, er ist der ideale Backup für Kimmich und Alaba.

Das größte Fragezeichen steht natürlich hinter dem neuen Trainer und das nicht nur bei den Bayern. Der Meister könnte allerdings einen Domino-Effekt auslösen, wenn er einen Trainer aus der Bundesliga verpflichtet (Favorit Niko Kovac von Eintracht Frankfurt). Auf Trainersuche wird wohl auch Borussia Dortmund gehen, eine Weiterentwicklung ist unter Peter Stöger nicht erkennbar, und vielleicht kommen doch noch Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann in die Verlosung. Das werden Entscheidungen mit großen Folgen. Wobei bei Dortmund auch Veränderungen im Kader anstehen.

Im Abstiegskampf stehen die größten Entscheidungen an, mit den bittersten Folgen. Köln schaffte mit dem 1:1 gegen Mainz doch nicht den Anschluss, sondern rutschte sogar wieder ans Tabellenende. Der HSV schöpft nach dem 3:2 gegen Schalke wieder Hoffnung, hat wieder Leben im Team, aber ob gegen Hoffenheim, Frankfurt und Mönchengladbach die notwendigen Siege gelingen? Erfolge gegen die direkten Konkurrenten Freiburg und Wolfsburg sind da schon Pflicht, reichen aber zur Rettung nicht. An jedem Wochenende gibt es richtungsweisende Duelle, diesmal am Montag, 16. April, zum Abschluss der Runde Mainz gegen Freiburg, ein Schritt zur Rettung oder nicht, das ist Frage. Eine Niederlage könnte auch Freiburg endgültig in den Abstiegsstrudel reißen.

Übrigens: Ein Blick auf die 2. Bundesliga macht deutlich, dass die Bundesliga Dino HSV und Traditionsklub Köln (der kommenden Abstieg muss fast als Betriebsunfall gewertet werden) noch nachweinen wird. Das Aufstiegsrennen eine Liga tiefer zeigt nämlich, dass die heißen Kandidaten Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg derzeit kaum die nötige Klasse für das Oberhaus besitzen, noch weniger Verfolger Holstein Kiel. Schon heute ist sicher, dass die Bundesliga-Absteiger zu heißen Kandidaten für den Wiederaufstieg werden, andererseits die Aufsteiger zu ersten Anwärtern auf den Abstieg! Entscheidungen mit Folgen also.

Eine seltsame Entscheidung traf das Bundesgericht des DFB, das die Gelbe Karte des Freiburger Spielers Nils Petersen annullierte, weil er sie angeblich nicht gesehen hatte. Kritiker sprechen von einem Skandal und das Gericht hat ein Urteil mit Folgen gesprochen: Die Schiedsrichter müssen sich vergewissern, dass der Spieler die Karte auch sieht. Oft werden die Spieler zum Referee zitiert, manchmal läuft der Schiedsrichter den Sündern auch nach. Das ist unwürdig. Bleibt nur eine Festlegung: Nach einem Foul muss der Spieler am „Tatort“ bleiben bzw. wer sich vom Schiedsrichter entfernt, erhält zudem Gelb wegen unsportlichen Verhaltens und fliegt (wie Petersen) ganz vom Platz. Unbehagen bleibt bei solchen krassen Entscheidungen. Hoffnung: Die FIFA könnte das Urteil einkassieren. Das wäre dann eine Entscheidung mit guten Folgen.

Die Bundesliga hat ein Eigentor erzielt

Die Fußball-Bundesliga hatte zwar wie alle Ligen in Europa Länderspielpause und dennoch war sie aktiv und hat dabei ein Eigentor erzielt. Eine unter seltsamen Umständen zustande gekommene Entscheidung bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt gefährdet eine gute Zukunft. In einer Art Handstreich hat Andreas Rettig, Geschäftsführer vom Zweitligisten FC St. Pauli, eine knappe Mehrheit der Vereinsvertreter hinter sich gebracht und dafür gesorgt, dass die umstrittene 50+1-Regelung vorerst erhalten bleibt. Die besagt, dass die Mehrheit beim Verein bleiben muss und verschließt die Türen für Geldgeber. Allerdings gibt es bereits Ausnahmen und Auswüchse, was beweist, dass die derzeitige Regelung nicht mehr zeitgemäß ist. Es wurde versäumt, eine echte Entwicklung in die Wege zu leiten, damit auch die kartellrechtlichen und juristischen Zweifel ausgeräumt werden könnten. Das heißt aber auch, dass der Geldfluss für die Liga erschwert bleibt, dass die Bundesliga weiterhin Gefahr läuft, von den Klubs aus Spanien, England, Italien und bald auch Frankreich sportlich abgehängt zu werden. Siehe die diesjährige katastrophale Saison.

Was die Bundesliga angeht, wird derzeit ja auch (ebenfalls auf diesen Seiten) das schwache Niveau der Liga diskutiert. Zum Glück macht da die Nationalmannschaft nicht mit. Ganz im Gegenteil, die DFB-Elf zeigte beim 1:1 gegen Spanien erstaunlich hohes Niveau und begegnete dem Tiki-Taka des Gegners auf gleicher Höhe. Es war ein überaus wertvoller Test für Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen, er zeigte, dass der Weltmeister nach wie vor weltmeisterliche Klasse hat, er zeigte aber auch, dass Deutschland damit nicht alleine ist. Spanien schwingt sich zu alter Klasse auf, auch andere Nationen wie zum Beispiel Brasilien machten auf sich aufmerksam. Deutschland wurden die Augen geöffnet, falls sich überhaupt jemand falschen Träumen hingab: Eine erfolgreiche Titelverteidigung wird bei der Weltmeisterschaft in Russland kein Selbstläufer.

An Ostern übernimmt wieder die Bundesliga das Kommando, der Endspurt beginnt. Noch sieben Spieltage stehen an, es geht um Europa, um den Klassenerhalt und für viele Spieler um einen Platz im WM-Aufgebot. Eigentlich müssten Teams und Spieler auf dem Rasen ein Feuerwerk abbrennen, dürften nur Siege zählen, aber wahrscheinlich lähmt der Druck und es bleibt oberstes Gebot, nur nicht zu verlieren. Die Ausnahme ist – wie fast immer – der FC Bayern München, der eventuell nicht nur Ostern, sondern auch die Deutsche Meisterschaft feiern könnte. Die Konstellation ist allerdings nicht so günstig, denn Verfolger Schalke 04 ist gegen den SC Freiburg Favorit (ein 1:0 liegt in der Luft) und die Bayern selbst müssen gegen den alten Rivalen Borussia Dortmund bestehen. Dortmund ist zwar aktuell nicht auf Augenhöhe, aber unter Peter Stöger in der Bundesliga noch ungeschlagen. Die Bayern haben nach einer Länderspielpause meist Probleme wieder in Schwung zu kommen. Doch die Zeit drängt für sie, denn im April stehen die entscheidenden Spiele an, so folgt schon am 3. April die Prüfung in Sevilla im Viertelfinale der Champions League.

Ungünstig für den Meister, dass genau in diese Zeit die Diskussion um den künftigen Trainer wieder aufflammt und zudem Torjäger Robert Lewandowski immer wieder mit Wechselgerüchten in den Medien auftaucht. Wechselgelüsten des Polen einen Riegel vorzuschieben ist leicht, er hat schließlich Vertrag bis 2021 und die Bayern haben keine Verkaufsabsichten. Schwerer zu lösen ist die Trainerfrage. Die Diskussion im Verein, ob Thomas Tuchel der Nachfolger von Jupp Heynckes werden soll oder nicht, beendet Tuchel offensichtlich auf seine Weise: Den Medien zufolge wechselt er ins Ausland. Die einen sehen ihn als Nachfolger von Arsene Wenger bei Arsenal London, die anderen sehen ihn bei Chelsea London oder sogar Paris St. Germain. Wie auch immer, Tuchel geht wohl immer zu einem Spitzenverein.

Dagegen muss sein quasi Nachfolger in Dortmund, Peter Stöger, um seine Zukunft noch kämpfen. Bei der Borussia ist man von dem Österreicher nicht hundertprozentig überzeugt, was die Zukunft angeht. Ein Erfolgserlebnis in München könnte auch Stöger helfen, zwei Niederlagen hintereinander (zuletzt 1:2 in Leipzig) können sich die Bayern allerdings im Hinblick auf Sevilla nicht leisten. Sie müssen eher zeigen, dass sie für die Champions League gerüstet sind. Diesbezüglich könnten sie sich ein Beispiel an der Nationalmannschaft nehmen.

Noch mehr als das Geschehen an der Spitze wird im April vor allem der Abstiegskampf im Mittelpunkt stehen. In erster Linie Hamburg, Köln, Mainz und Wolfsburg sind dringend auf Punkte angewiesen, zwei dieser Kandidaten wird es erwischen, nur einer hat am Ende die Bundesliga sicher. Vielleicht bleibt die Spannung bis zum letzten Spieltag, wenn sich Wolfsburg und Köln gegenüberstehen. Übrigens: Besonders krass ist der Abstiegskampf eine Etage tiefer, da können Vereine, die um den Aufstieg kämpfen kurze Zeit später mitten im Abstiegskampf stecken. „Liga der Angst“ titelt die Fachzeitung kicker, was eigentlich alles beschreibt. Oder ist der April, eigentlich im Frühling eher ein Monat der Hoffnung, im Fußball ein Monat der Angst?

Gute Bundesliga-Spiele sind eine Rarität

Was der Sport-Grantler schon am 26. Februar moniert hat (Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga) hat jetzt auch der Boulevard entdeckt. „Abrechnung mit zu vielen Murks-Spielen“ hieß es in der Sonntagszeitung Bild am Sonntag über die Bundesliga. Ja, leider ist es so, dass die guten Spiele in der selbsternannten „besten Liga der Welt“ mittlerweile eine Rarität sind. Alles wird dem Existenzkampf untergeordnet, die Trainer haben das Motto „nur nicht verlieren“ und nur selten den Mut, voll auf Sieg zu spielen. Das würde Spaß machen!

Einige Urteile über die Spiele am Wochenende sind bezeichnend. Da hieß es „viel Kampf und Krampf“ oder „fußballerisch dürftig“ und ein Fernsehreporter beendete seinen Kommentar mit einem Hinweis an den Schiedsrichter, „danke für den Schlusspfiff“. Das ist die Bundesliga von heute, bezeichnend dafür Platz zwei des FC Schalke 04. Die Minimalisten der Liga haben sich mit zuletzt zwei 1:0-Siegen nach oben gemauert. Spielerischer Glanz? Fehlanzeige! Ein Platz in der Champions League ist das Ziel, da zeichnet sich schon heute wieder ab, dass die Bundesliga international im nächsten Jahr die nächste Pleitenserie erleben wird.

Wie zur Bestätigung der letzten Kritik an der Krisen-Liga, rasteten die Fans abseits des Spielfeldes aus. Die Schalker Chaoten veranstalteten einen Pyro-Zirkus und sorgten für Spielverzögerungen. Die Hamburger Fans können sich mit dem bevorstehenden Abstieg gar nicht anfreunden, schockten Spieler und Verantwortlichen mit der Aufstellung von Grabkreuzen vor dem Volksparkstadion und drohten auf einem Banner: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen Euch alle!“ Die Bundesliga ist dabei, ihren Zauber zu verlieren.

Chaotisch ging es in der letzten Woche auch in der Führungsetage des HSV zu (eigentlich schon seit Jahren), es kam zum Großreinemachen, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt mussten gehen, der neue Vorsitzende und neuerdings Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann räumt auf. Auch Trainer Bernd Hollerbach wird gehen müssen, Amateur-Coach Christian Titz soll übernehmen. Eine verständliche Reaktion, der Neuaufbau kann nur mit neuen Leuten gelingen. Das Handeln jetzt zeigt aber auch: Der HSV hat sich mit dem Abstieg abgefunden, die Planungen für die 2. Bundesliga laufen an, die Bundesliga-Uhr des Dinos läuft dagegen ab, wird bald gestoppt. Die HSV-Chaoten sollten das mitnehmen: Gestorben ist der Verein damit noch lange nicht, der Abstieg sollte nicht das Ende bedeuten, sondern den Anfang von besseren Zeiten.

Von wieder besseren Zeiten, von alten Zeiten an der Spitze Europas träumen sie auch bei Borussia Dortmund. Das 1:2 in der Europa League gegen den FC Salzburg war nicht nur eine Schmach für den Verein, sondern auch für die Bundesliga. Wiedergutmachung muss das Ziel beim Rückspiel am Donnerstag sein. Nur mit Glück und den eingewechselten Torjäger Batshuayi gelang gegen Eintracht Frankfurt die Wende. Da stritten beim 3:2-Sieg der Westfalen zwei Vereine um die Champions League und das Spiel zeigte nur eins: Beide haben sie eigentlich derzeit nicht verdient.

Es gab aber auch Erfreuliches. Zum Beispiel Comebacks. So vom FC Augsburg, der auf fast schon spektakuläre Weise seine Krise mit einem 3:1-Sieg in Hannover beendet hat. Dass ausgerechnet die Ex-Hamburger Gregoritsch und Kacar die Torschützen waren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Personalpolitik des vermutlichen Absteigers. Der FCA wiederum hat sich fast aller Sorgen entledigt, darf wieder nach oben statt nach unten blicken. Alles klappte plötzlich wieder und auch Philipp Max schaffte einen Assist und empfahl sich Bundestrainer Joachim Löw. Eine Art Comeback feierte beim FC Bayern München auch Flügelflitzer Franck Ribery. Der Franzose zeigte wie in alten Zeiten Tricks und schoss sensationelle Tore und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung, auf die er nervös wartet. Das ihm nebenbei das 51.000 Tor der Bundesliga gelang, macht ihn glücklich: „Dann bin ich ja ein Teil der Geschichte.“

Bei den Bayern wartet man jetzt auf zwei Termine: Erstens: Wann ist die Meisterschaft endgültig unter Dach und Fach? Das könnte am Sonntag in Leipzig passieren, wenn die Bayern gewinnen und Schalke in Wolfsburg nicht 1:0 gewinnt bzw. überhaupt gewinnt. Dann würde Jupp Heynckes den Rekord von Pep Guardiola einstellen, der 2014 die Bayern ebenfalls am 27. Spieltag zum Titel führte. Thomas Müller betont aber schon: „Wir sind keine Meisterplaner“. Zweitens: Sind die Bayern Trainer-Planer? Jupp Heynckes heizte die Diskussion um seine Nachfolge noch einmal an, obwohl er eigentlich gar nichts sagen will und ihn angeblich das Thema zum Halse raus hängt. „Ich habe nie gesagt, dass ich am 30. Juni aufhöre“, ließ er verlauten und gab somit Rätsel auf. Bleibt er doch, obwohl er Thomas Tuchel als seinen Nachfolger empfohlen hat? Die Diskussion geht weiter, leider geht es wohl auch mit den Murks-Spielen weiter. Mit Kampf und Krampf bis zum Saisonende.

Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga

Eigentlich gab es ja einen Hoffnungsschimmer: Mit Ach und Krach überstanden Borussia Dortmund und RB Leipzig die Zwischenrunde der Europa League und sind im Achtelfinale noch dabei. Dortmund gegen RB Salzburg mit guten Chancen auf ein Weiterkommen, bei RB Leipzig gegen Zenit St. Petersburg muss man wohl ein Fragezeichen setzen. Aber zusammen mit den Bayern und dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul haben die Bundesliga-Klubs ein paar Punkte in der UEFA-Rangliste aufgeholt. Es ist doch noch nicht alles verloren.

Doch das Geschehen national sagt etwas anderes: Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga. Das Niveau sinkt, die meisten Vereine suchen ihr Heil nur noch in einem defensiven Konzept, die Fans randalieren und wollen ihre Wünsche durchdrücken, egal, was auf dem Rasen passiert. Vor allem verzeihen die Chaos-Fans, vornehmlich die Ultras, nicht, wenn der Verein sportlich in Schwierigkeiten gerät. Abstiegskampf ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Der Verein hat, verdammt noch mal, erfolgreich zu sein. Wenn Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dann randalieren sie auf der Tribüne, siehe Hamburger SV. Der einst stolze Weltklub versinkt im Chaos.

Aber manchmal hilft es nicht einmal, wenn im Verein erfolgreich gearbeitet wird. Martin Kind ist seit mehr als zwanzig Jahren Vorstand und Geldgeber bei Hannover 96. Er hat den Klub jahrelang in der Bundesliga gehalten, sogar in den Europacup geführt und den „Unfall“ Abstieg wieder repariert. Die Mannschaft behauptet sich als Neuling erfreulich gut im Mittelfeld, der Klassenerhalt ist nahe. Das muss ohne Anfeuerung von den Tribünen gehen, die Chaos-Fans boykottieren die Mannschaft und fordern „Kind muss weg“. Wie vage die Zukunft ohne Kind und seine Geldgeber aussehen würde, interessiert sie nicht. Sie haben ihr Feindbild, Verstand ist nicht gefragt. Kind steht bei ihnen auf der „Abschussliste“, weil er quasi über die 50+1-Relegung nach der absoluten Mach im Verein greift. Die Macht im Vereine wollen lieber die Chaos-Fans.

Schwache Leistungen auf dem Rasen, Trainerwechsel an der Tagesordnung, Chaos auf den Rängen – in der Bundesliga gab es schon bessere Zeiten. Da ist es gut, wenn ein Stern noch leuchtet, der FC Bayern München geht unbeirrt seinen Weg. Allerdings ist auch der Rekord-Meister nicht sorgenfrei. Die Zukunft erscheint ungewisser als gewünscht. Es gibt Probleme mit den Alten. Die Trainerfrage nach der Saison bleibt ungelöst, Nothelfer und Wunschkandidat Jupp Heynckes wehrt alle Fragen zu einem Weitermachen ab, der 72-jährige will nach dem Intermezzo wohl endgültig wieder zurück in den Ruhestand. Die Zukunft der Alten bei den Spielern ist ebenfalls noch ungelöst. Arjen Robben und Franck Ribery können sich eine Vertragsverlängerung gut vorstellen, allerdings können sie sich eine Altersteilzeit auf dem Rasen wohl weniger vorstellen, aber die ist unbedingt notwendig, um den jungen Nachfolgern Spielpraxis zu ermöglichen.

So sind die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge besonders gefordert. Notfalls müssen sie auch das Vakuum füllen, das Jupp Heynckes hinterlässt, wenn sein Nachfolger weniger menschelt und auf die Befindlichkeit seines Personals weniger eingeht. Heynckes versucht zu moderieren, erklärt und beschwichtigt. Vorgänger Carlo Ancelotti hat dies wohl weniger getan und die Mannschaft verloren. Da haben die Bosse nicht gehandelt, sie müssen dies notfalls in der Zukunft besser machen.

Bayern München ist also auch nicht ohne Probleme, doch mit einem riesigen Vorsprung vorne dran, das zeigt, dass dahinter eine zu große Lücke klafft. Die anderen Klubs müssen wieder mehr Mut zur Offensive haben. Wer am Wochenende zur Bundesliga geht, will gute Spiele sehen und nicht nur Kampf und Krampf. Einziges Trostpflaster: Spannung ist garantiert, vor allem der Abstiegskampf wird uns bis zum Schluss fesseln, zumindest der Kampf gegen die Relegation. Zwei wegweisende Duelle stehen wieder an: Der HSV (Platz 17 und17 Punkte) kämpft (tut er das wirklich?) gegen Tabellennachbar Mainz 05 (Platz 16/24 Punkte) wohl schon um seine letzte Chance. Für Schlusslicht Köln (nach dem überraschenden 2:1-Sieg in Leipzig wie der HSV 17 Punkte) geht die Aufholjagd gegen Stuttgart weiter. Der VfB könnte im Kurs nach oben gestoppt werden. Auch bei den Stuttgartern zeigt sich, wie die Fans daneben liegen können. Trainer Tayfun Korkut wurde frostig empfangen, jetzt müsste er nach zehn Punkten in vier Spielen ohne Niederlage umjubelt werden. Doch die Zurückhaltung haben noch nicht alle abgelegt.

Hinweis: Ab sofort gibt es in der Regel jeden Montag an dieser Stelle einen Bundesliga-Kommentar. Eine Olympia-Bilanz folgt noch in dieser Woche.

Für den Fußball häufen sich die Probleme

Der Fußball ist es eigentlich gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Doch derzeit glänzen vor allem die Olympischen Winterspiele für den deutschen Sport golden. In diesem Schatten häufen sich aber für den Fußball die Probleme, so dass hier eine goldene Zukunft in Frage steht. Die Probleme mit den Fans sind bekannt und häufen sich von Zeit zu Zeit, aber es geht nicht nur um Pyrotechnik. Schwer zu schaffen machen die Ausschreitungen der Ultras, außerdem zeigen die Proteste um die Montag-Spiele, dass die Fans nicht mehr gewillt sind, alles hinzunehmen. Und schauen wir noch auf den lokalen Unmut bei schlechten Leistungen, da scheint es manchmal so, als ob die Fans am liebsten gleich die Macht übernehmen würden.

Gefahr droht aber dem bezahlten Fußball vor allem durch ein Urteil vom Oberverwaltungsgericht Bremen. Das Bundesland Bremen hat bekanntlich dem Bundesligisten Werder die Kosten für einen erhöhten Personaleinsatz der Polizei bei sogenannten Hochrisikospielen in Rechnung gestellt. Die erste Rechnung für das Spiel Werder – HSV am 19. April 2015 belief sich auf 415.000 Euro, inzwischen dürften durch weitere Rechnungen rund zwei Millionen Euro aufgelaufen sein. Die generelle Frage ist, muss der Staat ein Bundesligaspiel sichern oder nicht? Die Innenminister der Länder hatten einen Verzicht auf Gebühren besprochen, das mit Schulden kämpfende Land Bremen ist ausgeschert. In erster Instanz hatte Werder Bremen Recht bekommen, das Oberverwaltungsgericht entschied anders. Der Verein und der Dachverband DFL wollen Revision beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einlegen, was logisch ist.

Es ist eine brisante Frage, aber sollte das Urteil Bestand haben, hätte es auch Folgen für andere Veranstalter, denn wer gewinnorientiert arbeitet, soll auch die Kosten tragen. Das würde dann für Veranstaltungen aller Art gelten, für Shows genauso wie für Volksfeste. Beim Oktoberfest zum Beispiel machen die Wirte den großen Reibach. Der Fußball aber kann darauf verweisen, dass er im Stadion selbst für Ordnung sorgt. Für Ordnungshüter muss er hier bezahlen. Vor dem Stadion ist ein öffentlicher Raum und dafür ist dann der Staat, sprich die Polizei zuständig. DFB-Präsident Reinhard Grindel bringt es auf den Punkt: „Der Fußball ist nicht Störer, Störer sind Gewalttäter, die die Plattform Fußball ausnutzen.“ Ins gleiche Horn stößt natürlich DFL-Präsident Reinhard Rauball: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass der Fußball für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit verantwortlich sein soll.“ Das sieht sogar Nordrhein-Westfalens Innenminister so: „Die Polizei ist für die Sicherheit und Ordnung zuständig – und damit auch im Umfeld von Fußballstadion.“

In der Tat wäre es zu einfach, den Bundesliga-Klubs, nur weil sie Millionen Euro Umsatz machen, den schwarzen Peter zuzuschieben. Sie haben die Fans nicht zu Krawallmachern erzogen, sondern die sind in ihrem Umfeld zu Gewalttätern geworden. Da müsste man andere verantwortlich machen, am Anfang der Liste stehen dann wohl die Eltern. Was würde passieren, wenn sich die Ultras-Horden nicht den Fußball, sondern sagen wir mal Parteitage für Randale aussuchen würden? Kämen dann Forderungen, dass die Parteien zahlen sollen?

Der Fußball als sportlicher Mittelpunkt in Deutschland zieht leider neben den sportlichen Fans auch den Abschaum am Rande der Gesellschaft an. Bundesweit gab es in der Saison 2016/17 laut kicker 109 Risikospiele, davon 24 in der Bundesliga, 34 in der 2. Liga und sogar 51 in der 3. Liga. Spannungen gibt es also überall. Und ist die 3. Liga gewinnorientiert? Die Vereine dort sind froh, wenn sie baldmöglichst aus der Liga kommen und ihre Schulden im Rahmen halten können. Sie sind also eher schuldenorientiert. Müssen sie dann zahlen? Das Ungleichgewicht wird deutlich, das Urteil entpuppt sich als seltsam, auch wenn es Fußball-Lästerer gibt, die schreien, „wer spielen will, muss zahlen“.

Die Bundesliga wird aber auch zum Problemfall was die Montagspiele angeht. Die Fans wollen eine Zerstückelung der Spieltage wie in Spanien, England und Italien nicht hinnehmen und wollen die Montagspiele wieder stoppen. Sie sehen den Montag als Affront, zumal zu Beginn der Arbeitswoche Spielbesuche erschwert werden. Zum Auftakt war der Protest beim Match Frankfurt – Leipzig deutlich, effektiv und zum Glück auch friedlich. So geht es also auch. Als nächstes steht die Partie Dortmund – Augsburg an und da will die berühmt-berüchtigte Südtribüne dem Spiel fernbleiben und protestieren. Es wird wohl kein Montagspiel ohne Störung und Protest ablaufen. Selbst wenn es hoffentlich immer friedlich bleibt, ist dies keine Reklame für die Bundesliga.

Die DFL argumentiert auch schwach. Dass damit die Starter in der Europa League entlastet werden sollen, ist an den Haaren herbeigezogen, denn ein Rhythmus Donnerstag-Sonntag- Donnerstag ist für einen Profi zu verkraften, da braucht es keine Verlegung auf den Montag, zumal sich am 12. März Bremen und Köln gegenüberstehen, die mit der Europa League nichts zu tun haben. Es ging allein um ein Entgegenkommen für den TV-Anbieter Eurosport für mehr Spiele. Selbst wenn die DFL abwiegelt, das Geld spiele keine Rolle, der Montag war ein „Zuckerl“ bei der Rechtevergabe.

Für eine goldene Zukunft muss der Fußball seine Probleme lösen, vor allem aber auch eine Lösung finden, wie die Fan-Kultur in Zukunft aussehen und in friedliche Kanäle geleitet werden kann.