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Tag: Gianni Infantino

Will Infantino für ein Inferno sorgen?

 

Als Gianni Infantino als FIFA-Präsident den unter Betrugsverdacht stehenden Joseph Blatter ablöste, da erhoffte man sich von ihm eine Neuorientierung des Internationalen Fußball-Verbandes hin zu Normalität, Bescheidenheit und Zurückhaltung. Es scheint, ganz das Gegenteil ist der Fall, der Schweizer scheint alle Grenzen der Vernunft sprengen zu wollen.

Gianni Infantino hat bereits mit seinem Plan, das Endturnier der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 40 Nationen aufzustocken, Europa in Rage versetzt. Es war sein Appetithappen für die kleinen Verbände, die ihm die nötigen Stimmen als Blatter-Nachfolger besorgen sollten. Der Plan hat geklappt, vielleicht ist es eine Art Wahlversprechen, dass der 45jährige Jurist jetzt noch eins drauflegt: Die Zahl von 40 wäre doch gar nicht so gut, er würde ab der WM 2026 sogar 48 Nationen vorschlagen. Dabei sollen 16 Nationen aus der Qualifikation gesetzt sein, dazu die restlichen 32 Nationen in Play-Off-Spielen die weiteren 16 Teilnehmer für ein 32er Feld ermitteln.

Dem Beobachter stellt sich die Frage, ob der FIFA-Chef diesen Plan in einer Art geistiger Umnachtung erstellt hat. Wie soll das organisatorisch gehen, dass 48 Nationen anreisen, 16 davon für nur ein Spiel. Alle Nationen müssen sich dennoch für ein volles Turnier vorbereiten, Quartierbuchungen usw. vornehmen. Es wird kaum noch Länder geben, die so ein Mammutturnier durchführen können. Ist das wirklich ein „Zuckerl“ für die kleinen Verbände, die endlich bei einem großen Turnier dabei sein wollen? Ist Infantinos Idee nicht eher infantil (kindisch) bzw. sorgt er nicht eher für ein Inferno (schreckliches Geschehen)? Wenn es nicht so ernst wäre, gäbe es nur einen Rat: Ab in den Papierkorb.

Aber bei den manchmal wahnsinnig engstirnig und geldgierigen Fußball-Funktionären ist nichts unmöglich. Sie gieren nach Umsatz und Geld, die kleinen Verbände nach Aufmerksamkeit und Beachtung. Bei der Wahl können sie mitmischen und den großen und reichen Verbänden bei der Stimmenvergabe eins auswischen. Nichts ist unmöglich, obwohl 32 Teilnehmer eine ideale Zahl und der Endpunkt für ein WM-Turnier sein muss.

Beim FIFA-Council nächste Woche in Wien soll debattiert, 2017 beschlossen werden, wie bei WM-Turnieren künftig gespielt werden soll. In Zugzwang geraten die Europäer, aber sie sollten den Ball zurückspielen, nämlich einfach die FIFA verlassen. Ein WM-Turnier ohne Europa wäre kein WM-Turnier mehr und Europa kann sich selbst eins organisieren. Zusammen mit Südamerika wäre es eine gültige WM, alle anderen könnten sich um Gianni Infantino versammeln und die Reste eines wahnsinnigen Planes aufsammeln. Aber wie heißt es doch so schön in Sachen FIFA: Nichts ist unmöglich. Oder doch: Unmöglich ist wohl, dass bei der FIFA Vernunft einkehrt!

FIFA: Reformen und neuer Präsident, abeer Fragen bleiben

 

Beim Kongress des Fußball-Weltverbandes in Zürich herrschte Aufbruchstimmung, nach Meinung der Mehrzahl der Delegierten ist der Neuanfang geschafft. Doch eitel Sonnenschein ist Fehl am Platz. Ja, Reformen und ein neuer Präsident sollten neuen Schwung verleihen, aber es bleiben für die Zukunft Fragen offen. Die FIFA steht nach der Korruptionsära ihren alten Präsidenten Blatter und Havelange nach wie vor weltweit unter Beobachtung, der Korruptionsskandal ist noch nicht bewältigt. Das sollten wir nicht vergessen.

Überraschend klar hat sich UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino im zweiten Wahlgang gegen Bahreins Scheich Al Khalifa mit 115 zu 88 Stimmen durchgesetzt. In Kommentaren heißt es „Der Neue ist eine gute Wahl“, doch der Italo-Schweizer ist eher das kleinere der beiden Übel (Al Khalifa werden Verstöße gegen Menschenrechte angelastet), ob er für einen echten Neuanfang steht, muss sich erst zeigen. Bedenklich stimmt, dass beide Kandidaten im Vorfeld eine Verteilung von Geldern und Infantino auch eine Erweiterung des WM-Feldes in der Endrunde auf 40 Nationen versprochen haben. Bei solchen Versprechungen ist die Korruption nicht weit. Vor allem die Europäer, die immerhin weiterhin den Präsidenten stellen (obwohl Blatter eher ein Freund Asiens und Afrikas war), werden sich gegen die Aufstockung auf 40 Nationen wehren. Sie ist auch unsinnig.

Die Frage ist eigentlich, warum sich überhaupt Kandidaten nach dem Präsidenten-Posten drängten. Die größte Errungenschaft des Kongresses war, dass er mit großer Mehrheit dem Reformpaket zugestimmt hat. Und das sieht u. a. vor, dass der Präsident an Macht verliert, ein Regieren in Königsmanier, wie es vor allem Joseph Blatter beherrschte, wird es nicht mehr geben. Im täglichen Geschäft soll die Macht künftig vor allem beim Generalsekretär liegen. Das aber wollte Infantino unter dem Scheich als Präsidenten nicht werden. Jetzt sucht er einen geeigneten Kandidaten, der nicht aus Europa kommen soll. Infantino wird auch damit leben müssen, dass Vereine und nationale Ligen nach mehr Einfluss drängen, so haben die Ligen einen eigenen Verband gegründet. Hier könnte es noch zu Machtkämpfen kommen.

Ob das Reformpaket ausreicht, um die FIFA wirklich echt zu reformieren und mögliche Korruption auszuschließen, muss sich auch erst zeigen. Der Sport-Grantler bleibt skeptisch, wie er schon im Kommentar vom 8. Februar mitgeteilt hat „Bei der FIFA wird sich nichts ändern“. Immerhin ziehen Frauen ins zukünftige Council ein (jeder Kontinent muss eine Frau benennen), dass mit 37 Mitgliedern das bisherige Exekutivkomitee (25) ablösen soll. Positiv, dass die Zahl der Kommissionen von 26 auf neun reduziert wird und nicht mehr alle Nationen ihren Platz finden. Das war die bekannte Postenverteilung, für jeden wurde gesorgt. Mehr externe Experten sollen hinzugezogen, auch die Kontrollinstanzen extern besetzt werden. Das klingt schon mal gut. Richtig aufräumen bei der FIFA müssen vorerst aber weiterhin die Justizbehörden aus den USA und der Schweiz, die den Korruptionsskandal aufdeckten.

Die FIFA steht (hoffentlich) am Anfang einer neuen Ära. Beim Deutschen Fußball-Bund müssen die Weichen noch gestellt werden. In Sachen Aufarbeitung des Skandals rund um die WM 2006 soll in dieser Woche noch Licht ins Dunkel kommen. Mal sehen, ob es dann auch Aufbruchstimmung gibt. Beim FIFA-Kongress stach vor allem eine positive Nachricht heraus: Es wurde niemand verhaftet!

Bei der FIFA wird sich nichts ändern

 

Keine drei Wochen sind es noch, bis im Weltfußball die Weichen neu gestellt werden sollen. Ein neuer FIFA-Präsident wird gesucht und soll am 26. Februar gewählt werden. Doch kann ein neuer Präsident überhaupt gewählt werden? Die Angst geht um vor den Tricks des alten Präsidenten Joseph S. Blatter, der, so sagt er es selbst süffisant „nicht offiziell zurückgetreten ist. Ich bin immer noch der gültige Präsident, wenn auch das Amt zwangsläufig ruht“. Es droht eine Schlammschlacht.

Alle Anzeichen deuten sowieso darauf hin, dass sich beim Fußball-Weltverband nichts ändern wird. Siegchancen für eine mögliche Neuwahl werden allein noch Gianni Infantino, dem UEFA-Generalsekretär, und Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa (Bahrain), Mitglied der Königsfamilie und Verbandsboss in Asien, eingeräumt. Infantino weiß die Europäer auf seiner Seite, Al-Khalifa hat die Verbände von Asien und Afrika hinter sich, gilt als Favorit. Er will mehr als 100 Stimmen schon hinter sich haben, insgesamt 209 Verbände stimmen ab…

Beide Kandidaten stehen keineswegs für einen Neuanfang bei der FIFA. Wie man es den Scheichs so nachsagt, wird bei Al-Khalifa vor allem das Geld eine Rolle spielen, das Geld, das er großzügig vor allem an die kleinen Verbände verteilen wird und auf deren Stimmen er also hoffen kann. Dass ihm in Bahrain Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, spielt da fast keine Rolle. Der Scheich bestreitet dies, andere machen es nicht zum Thema. Der Schweizer Infantino schielt natürlich auch auf die Stimmen der kleinen Verbände und hat sich für die Stimmenfang etwas anderes ausgedacht: Aufstockung der WM auf 40 Nationen. Da dürfen weitere kleinere Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika auf ein Festmenü an den WM-Fleischtöpfen hoffen. Vorschläge im Sinne des Sportes hat man bisher keine gehört. Mit 40 Teilnehmern würde die WM weiter verwässert. Ein Vorschlag, der wie ein verzweifelter Rettungsring aussieht.

Sollte Infantino nicht gewinnen können, wäre Europa einmal mehr auf der Weltbühne der große Verlierer. Die sportlich starken Verbände bringen es nicht fertig, den Weltfußball im Sinne des Fußballs zu verändern. Nicht Geld darf die Hauptrolle spielen, der Sport muss es tun. Aber die Funktionäre in allen Herren Ländern sind zwar für den Sport zuständig, aber sie treiben meist keinen Sport mehr, sondern sind eher am Geld für sich und die Verbände interessiert und da ist ihnen das Hemd näher als die Hose, heißt, erst das Geld, dann der Sport. Alles deutet darauf hin, dass es nach der Korruptionsära des Sepp Blatter auch weiterhin vor allem um das Geld gehen wird.

Aber vielleicht gibt es keine Neuwahl, wenn Blatter den Weg nicht freimacht, Rechtsexperten sagen, dass ohne wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung und ohne ordnungsgemäß angekündigte formelle Abwahl des Präsidenten die Wahl eines Nachfolgers angefochten werden könnte. Blatter selbst kann aufgrund seiner Sperre am FIFA-Kongress nicht teilnehmen. Sein von ihm sehnlichst gewünschter großer Abgang muss wohl ausfallen. Wir wissen aber, Blatter gefällt sich in der Rolle des großen Spielers ohne Rücksicht darauf, ob der Ruf des Fußballs leidet oder nicht. Von einem Abpfiff seines Spiels will er nichts wissen.