Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Gianni Infantino

Gefahr: Wenn es im Sport nicht mehr um den Sport geht

So lieben wir den Sport: Emotionen pur, spannende Wettkämpfe, überraschende Ergebnisse, strahlende Sieger und wir haben Mitleid mit traurigen Verlierern. So wollen wir den Sport nicht: Doping, Korruption, Betrug von Funktionären, Sucht nach Macht, Geldgier und Ausschreitungen von den Fans. Doch die Gefahr ist groß, dass wir den ursprünglichen Sport verlieren, vor allem im Profibereich. Immer mehr geht es dort gar nicht mehr um den eigentlichen Sport. Die Athleten selbst geraten zur Staffage einer Unterhaltungsindustrie. Der Sport-Grantler zeigt einige der Gefahren auf.

Christopher Froome: Der britische Radrennfahrer ist das aktuelle Beispiel dafür, wie der Sport mit Füßen getreten wird. Froome trat nicht nur in die Pedalen, er trat auch auf das Fair Play, das eigentlich Grundvoraussetzung für einen ehrlichen Sport ist. Die Funktionäre des Weltverbandes UCI machten sich zu Handlangern von Dopern, als sie Froome die Freigabe für den Giro d’Italia gaben. Froome war im Vorjahr bei der Vuelta in Spanien des Dopings überführt worden, er hatte das Doppelte der erlaubten Menge des Asthmamittels Salbutamol eingenommen. Angeblich ist der Tour-de-France-Sieger asthmakrank und darf das Medikament einnehmen. Seine Anwälte verhindern eine Dopingsperre seit September 2017, der UCI wird mit seiner Untersuchung nicht fertig und lässt Froome fahren, anstatt ihn bis zur endgültigen Klärung vorläufig zu sperren. So trat Froome beim Giro an, fuhr erst hinterher und beeindruckte dann mit einem Husarenritt über 80 Kilometer, als er die Konkurrenz düpierte und die Führung übernahm. Wie viel Salbutamol hat er wohl genommen? Der Sportfan wundert sich und wendet sich angeekelt ab. Mit fairem Sport hat das nichts zu tun.

Geldgier der Funktionäre: FIFA-Präsident Infantino steht nicht allein da bei seiner Gier nach den Millionen (siehe Kommentar vom 23. Mai). Immer öfter glänzen Verbandsfunktionäre damit, dass sie vor allem Geld für sich und den Verband scheffeln wollen. Die Fairness bleibt auf der Strecke. Typisches Beispiel Biathlon-Präsident Anders Besseberg, der das russische Doping-System gedeckt haben soll. Der Norweger und seine deutsche Generalsekretärin Nicole Resch verkauften offensichtlich ihren Sport (das Verfahren läuft noch) und verrieten damit die Sportler. Vom Sport, von den Wettkämpfen, ist nicht mehr die Rede. Mehr aber von Betrug, Verrat und Korruption. Biathlon steht nicht alleine da, auch in der Leichtathletik und in anderen Verbänden sind entsprechende Verfehlungen schon ans Tageslicht gekommen.

Diktat des Fernsehens: Natürlich geht es bei dem Verkauf von Fernsehrechten um den Sport, aber der Sport selbst ist nur das Vehikel, um Gewinn zu erzielen, um hohe Einschaltquoten zu generieren und entsprechende Werbeeinnahmen zu erzielen. Umso attraktiver der Sport, umso höher die Zahlungen, die manchmal schon schwindelerregende Höhen erreicht haben, siehe den Profi-Fußball in England. Hier geht es nur noch um das Geld, die Anstoßzeiten werden nach den Wünschen des Fernsehens festgelegt, der Fan hat sich zu fügen. Er ist dennoch willkommen – als Stimmungsmacher, als Teil des Events. Eigentlich müsste er dafür freien Eintritt bekommen.

Pyrotechnik und Ultras: Vielleicht ist das die Reaktion der Fans, dass sie den Profi-Fußball für ihre eigene Unterhaltung missbrauchen. Sie brennen Pyrotechnik trotz Verbote ab und scheren sich auch ansonsten nicht um Regeln oder Mitzuschauer. Sie machen ein Spiel zu ihrem Spaßfaktor und notfalls wird das Stadion oder das Umfeld auch zur Kampfarena, um mit einem verfeindeten „Fan-Klubs“ abzurechnen. Der Fußball interessiert nur am Rande, denn sonst würden diese Chaoten dem Spiel manchmal nicht minutenlang den Rücken zuwenden. Die Sucht nach Macht wird auch bei den Ultras deutlich, die oft genug betonen, „uns gehört der Verein“, Beispiel Hannover 96 in der Bundesliga.

Die verkauften Olympischen Spiele: Man darf sich fragen, wie denn die Zukunft des Sports aussieht. Die Bevölkerung in vielen Ländern hat schon eine Antwort gegeben, als es um die Austragung von Olympischen Spielen ging. Früher war man stolz, so ein Großereignis ausrichten zu dürfen, heute zeigt man Olympia die kalte Schulter, weil das IOC vor allem kassieren will, der Ausrichter aber die Kosten tragen soll, ohne Rücksicht auf Verluste. Das macht heute die Bevölkerung nicht mehr mit, Schluss ist mit den verkauften Spielen.

Nur einige Beispiele wurden aufgezeigt, um wieder einmal auf die Gefahr hinzuweisen, dass es gar nicht mehr um den eigentlichen Sport geht, wenn von Großereignissen im Sport die Rede ist. Der Sport-Grantler wird das Geschehen weiter aufmerksam verfolgen und Auswüchse anprangern.

Infantino und die Gier nach den Millionen

Als der Schweizer Gianni Infantino seinen Landsmann Sepp Blatter als FIFA-Präsident abgelöst hatte, sollte beim Fußball-Weltverband eigentlich alles besser werden, nämlich transparenter, ehrlicher, volkstümlicher – zurück zum Fußball als Volkssport. Das Gegenteil ist eingetreten, es wurde noch schlimmer, auch der neue Präsident sieht die FIFA vor allem als Gelddruckmaschine, es wurde noch verworrener, noch geheimnisvoller, von Transparenz keine Rede. Dahinter steckt Gianni Infantino und seine Gier nach den Millionen. Kurz vor der WM wird nicht nur über den Sport geredet.

Bezeichnend die Geheimhaltung um ein Konsortium, das 25 Milliarden Dollar zahlen will für 13 Jahre, von 2021 bis 2033, für die Austragung einer Klub-Weltmeisterschaft mit 24 Mannschaften (alle vier Jahre ab 2021) und eine weltweite Nations League nach Vorbild des jetzt in Europa neu eingeführten Wettbewerbs. Wer hinter diesen Plänen steckt, will Infantino nicht sagen, er versteckt sich hinter einer „Geheimhaltungsvereinbarung“. Da kann man nur sagen, die Milliarden haben dem Präsidenten das Gehirn vernebelt, er ist in seinem Amt zur Offenlegung verpflichtet! Die FIFA-Gremien und die Öffentlichkeit müssen wissen, was hier verhandelt wird. Mit Gesprächen in Hinterzimmern wirbt Infantino für seine Vorhaben und hat auch schon Europas Spitzenklubs eingeladen, weil er weiß, dass deren Stimme Gewicht hat und dass sie wie er auch nach dem Geld schielen. Die Fachzeitung kicker bezeichnet Infantino richtig als „Chef-Mauschler“. Wie kann sich ein Präsident zum Verkäufer eines Angebots machen! Ein geeigneter FIFA-Präsident ist er also nicht.

Die seltsamen Geschäftsgebaren der FIFA werfen auch Schatten auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Dort soll die Weltmeisterschaft für 2026 vergeben werden. Ein aufgeblähtes Turnier mit dann 48 Nationen, das schon fest in den Händen des Bewerbers USA mit Kanada und Mexiko schien. Doch jetzt trat mit Marokko ein ernstzunehmender Konkurrent auf, der schon öfters bei der WM-Bewerbung scheiterte und mit einem Pfund wuchern kann: Kurze Wege und die gleiche Zeitzone wie Europa, dem geschäftlich wichtigsten Kontinent einer Weltmeisterschaft. Andererseits gibt es Insider, die glauben zu wissen, warum Infantino für eine WM in den USA kämpft. Er verspricht sich offensichtlich Unterstützung des unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump, der darauf einwirken soll, dass der FBI die Ermittlungen gegen FIFA-Funktionäre wegen Korruption fallen lässt. Der Höhepunkt der Mauschelei wäre erreicht.

Dazu passt, dass die FIFA mit einem Handstreich nichts davon wissen will, dass es innerhalb der russischen WM-Mannschaft Doping geben soll. Handfeste Vorwürfe werden einfach vom Tisch gefegt, nach dem Motto, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Kein Doping in Russland! Um den Schein zu wahren, werden Untersuchungen gegen nicht an der WM beteiligte Spieler fortgeführt. Das klingt, also wolle man die Öffentlichkeit an der Nase herumführen. Infantino singt Lobeshymnen auf Russlands Präsident Putin und den WM-Ausrichter Russland, mangelnde Meinungsfreiheit, Repressalien gegen Regierungskritiker oder andere Unregelmäßigkeiten interessieren ihn nicht. Dollarzeichen in den Augen machen deutlich, in Infantino steckt nur die Gier nach Millionen. Oder gilt er im Fußball gar als Vorbild?

Interessant auch der nächste Kommentar: „Die Bayern können nur Bundesliga“

Das IOC zwischen Angst und Verantwortung

Mit Spannung war die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Hinblick auf die Vorwürfe des staatlichen Dopings von Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erwartet worden. Im Hintergrund glühten die Drähte, um zu ergründen, wie ein salomonisches Urteil aussehen könnte, das die 14-köpfige Exekutive des IOC schließlich auch traf. Das IOC zwischen Angst und Verantwortung, Russland für Doping-Betrügereien sanktionieren, aber dennoch nicht gänzlich auf den Fuß steigen. Der Kompromiss, dass Russland als Mannschaft ausgeschlossen wird, einzelne russische Athleten aber starten dürfen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie unbelastet sind, sieht nach einem Kuhhandel im Hintergrund zwischen IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin aus.

Die Beweise für das staatliche Doping unter Einbeziehung des Geheimdienstes müssen erdrückend sein, sonst hätte Russland die Suspendierung nicht angenommen. Das Donnerwetter aus Moskau war pflichtgemäß inszeniert, Putin sorgte dafür, dass die unangenehmen Schlagzeilen national in den Hintergrund gedrängt wurden, weil er punktgenau seine erneute Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen kundtat. Am Ende konnte sich IOC-Präsident Bach für die konsequente Haltung des IOC feiern lassen, während man in Russland wohl zur Tagesordnung übergehen wird, nach dem Motto „alles nicht so schlimm“, machen wir weiter, wir dürfen uns nur nicht mehr erwischen lassen. Zum Glück gibt es aber immer wieder Leute, wie den früheren Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, Rodschenkow, die des Betrugs überdrüssig sind und an die Öffentlichkeit gehen. Das IOC und alle Verbände sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass russische Sportler strengen unabhängigen Kontrollen unterliegen. Eine Medaillenflut wie in Sotschi, als Russland die Nationenwertung zunächst offiziell gewann, wird es dann nicht mehr geben. 25 russische Sportler wurden nachträglich gesperrt, elf Medaillen, darunter vier Goldene, aberkannt. Das Ende wird es noch nicht sein.

Gespannt sein darf man, wie die Klagen der russischen Sportler beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne enden. 22 wurden wegen Dopings lebenslang gesperrt. Im schlimmsten Falle könnte es sein, dass der Ausschluss Russlands noch einmal ins Wanken gerät, wenn die Beweislast doch nicht hieb- und stichfest ist. Allerdings hätte dann wohl Russland die Sanktionen nicht akzeptiert.

Im Zuge des IOC-Urteils gerät auch der Fußball-Weltverband FIFA und sein Präsident Gianni Infantino immer mehr unter Druck. Russlands Sportminister und Vize-Premier Witali Mutko wurde als Drahtzieher des Staats-Dopings vom IOC lebenslang gesperrt, gleichzeitig lobt aber Infantino die Arbeit Mutkos als Cheforganisator der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Hier hat die FIFA mehr Angst als Verantwortung, denn sonst müsste sie schon lange den Vorwürfen des Dopings in Russlands Fußball nachgehen. Die Nationalmannschaft des Gastgeberlandes 2018 ist schon lange ziemlich erfolglos, soll aber 2018 für Furore sorgen. Mit Unterstützung vielleicht wie die russischen Olympia-Sportler 2014…

Infantino hat Angst vor einer Weltmeisterschaft ohne den Gastgeber und sieht sich nicht in der Verantwortung, den Doping-Anschuldigungen nachzugehen. Dagegen lobt er den Ausrichter, freut sich auf die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ und gibt sich damit selbst und die FIFA der Lächerlichkeit preis. Er hofft wohl darauf, dass die Zeit Wunden heilt. Schließlich hat das IOC Putins Reich auch ein Hintertürchen offen gehalten: Bei der Siegerehrung wird bei einem russischer Sportler, der unter neutraler Flagge antritt, genannt, dass er aus Russland kommt. Und bleiben alle brav und sauber, dann wird bei der Olympia-Schlussfeier in Pyongchang in Südkorea doch wieder die russische Fahne wehen. Alles vorbei, alles wieder gut. Infantino setzt darauf, dass bei der Fußball-WM das Doping-Theater nur noch Vergangenheit ist. Er verschließt die Augen und will ein fröhliches Fest feiern. Viel Spaß 2018.

Fußball-WM: Der Titel geht an…

Die Qualifikation ist gespielt, die Gruppen-Auslosung vollzogen – jetzt beginnt im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft die schönste Zeit für die Fans, nämlich die Zeit der Diskussionen und der Rechenspiele. Jeder kann selbst den Spielplan durchrechnen, tippen und sein Fachwissen prüfen. Am Ende heißt es: Der Titel geht an…

Es passt zur Adventszeit, für die Fußball-Fans ist die Zeit der Vorfreude auf das Endturnier allerdings länger. Nicht nur drei Wochen, wie diesmal vom 1. Advent an bis zum Heiligen Abend, ansonsten etwa vier, sondern sechseinhalb Monate lang, bis zum Eröffnungsspiel am Donnerstag, 14. Juni, in Moskau. Die Paarung mit Gastgeber Russland gegen Außenseiter Saudi-Arabien ist allerdings kein Schlagerspiel. Höchstens für die Russen selbst, die über eine Glücks-Auslosung jubeln dürfen mit Ägypten und Uruguay als weitere Gegner. Viele haben ja im Vorfeld geunkt, das es die Russen schon schaffen werden, die Loskugeln entsprechend zu manipulieren. Halten wir es doch wirklich einfach für Glück (vermutliches Glück, denn ob die Gegner wirklich schlagbar sind, muss sich erst zeigen). Gedopt werden konnten die Kugeln ja nicht…

Eine sogenannte „Hammer-Gruppe“ kam bei der Auslosung nicht zustande, ist allerdings auch fast gar nicht möglich. Es ist das Problem wie auch in der Champions League, dass mit der Aufstockung des Teilnehmerfeldes in den Gruppenspielen die Spannung weniger geworden ist. 32 Nationen in acht Gruppen, die jeweils Ersten und Zweiten kommen weiter, da bleiben nach der Papierform nur wenige Fragen offen. Ein bisschen Spannung gibt es natürlich, vor allem im Kampf um Platz zwei und manchmal straucheln ja auch die Favoriten. Das ist ja das Schöne am Sport und speziell im Fußball – sicher ist nichts.

So warnt auch Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld vor Überheblichkeit und sieht Mexiko, Schweden und Südkorea als Gegner an, die seine Mannschaft fordern werden (aber nicht rausschmeißen). Keine Knüller, machbar, aber eben Vorsicht walten lassen. Alles andere als der Gruppensieg wäre für den Titelverteidiger, der wieder einer der WM-Favoriten ist, eine Enttäuschung. Er könnte auch den weiteren Weg erleichtern, wenn Brasilien in der Gruppe E Erster wird, die Schweiz, Serbien oder Costa Rica wären dann die möglichen Gegner im Achtelfinale. Weitere Mitfavoriten würden dann erst im Halbfinale warten. Papierform eben.

Die Bilanz gegen die Gruppengegner ist positiv. Mexiko ist ein alter Bekannter bei Weltmeisterschaften, stellte aber nie einen Stolperstein dar, insgesamt gab es fünf Siege, bei fünf Unentschieden und einer Niederlage. Knapper ist es mit Schweden, das ja immerhin Italien ausgeschaltet hat und damit auch Deutschlands Angstgegner bei Turnieren. Schlüpfen jetzt die Skandinavier in diese Rolle? Zuletzt gewannen sie 1958 als Gastgeber bei einer WM gegen Deutschland (3:1). Bilanz: 15 Siege, 9 Unentschieden, zwölf Niederlagen. Südkorea ist dagegen der große Unbekannte, scheiterte bei der WM 2002 im eigenen Land im Halbfinale mit 0:1 an Deutschland, verlor zuvor auch bei der WM 1994, siegte aber 2004 in einem Freundschaftsspiel mit 3:1. Ob die Augsburger Koo und Ji ihrem Trainer Tipps geben können? Ulli Stielicke hätte sie nicht gebraucht, musste aber seinen Hut nehmen, als Südkorea nicht mehr die gewohnte Leistung zeigte.

Wie gesagt, es wird gerechnet und spekuliert und gewartet auf das Turnier vom 14. Juni bis zum Finale am Sonntag, 15. Juli. Dann heißt es: Der Titel geht an… Es wird auf jeden Fall ein großartiges Turnier werden, das zumindest prophezeit FIFA-Präsident Gianni Infantino, der Meister des Verdrängens: „Es wird die beste WM aller Zeiten“, jubelte er und lässt außen vor, das in Putins Reich Presse- und Meinungsfreiheit ein kümmerliches Dasein fristen.

Übrigens, das Spekulieren könnte eigentlich ein Ende haben. Geht es nach der Statistik, dann steht der Sieger schon fest. Bei den letzten Turnieren 2006, 2010 und 2014 siegte jeweils die Mannschaft, die in der stärksten Gruppe (nach der Weltrangliste) beheimatet und die dort der Gruppenkopf war. Der Titel 2018 geht also an – Frankreich!

P.S.: Der Sport-Grantler feiert heute ein kleines Jubiläum, dies ist die 250. Kolumne seit dem Start am 20. August 2013. Der Dank geht an die Leser in aller Welt! Die meisten Leser sind natürlich im deutschsprachigen Raum zu finden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, regelmäßige Leser dazu gibt es vor allem in Brasilien, Kanada, Italien und den USA. Aber auch in Russland…

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Neue Fußball-Regeln als Ablenkungsmanöver von Infantino

Da staunte die Fachwelt und der Laie wunderte sich: Die Regelhüter des Fußballs gingen mit geradezu revolutionären Vorschlägen an die Öffentlichkeit. Es sieht so aus, als gebe es nur ein Ziel: Alles muss anders werden. Die Vorschläge kommen vom International Football-Association Board (IFAB), bisher als Altherren-Klub der dem Fortschritt im Wege steht bekannt. Umso erstaunlicher diese Kehrtwendung. Aber sie hat ganz eindeutig einen Hintergrund: Initiator ist FIFA-Präsident Gianni Infantino, der ja das Versprechen abgegeben hat, die FIFA und den Fußball zu modernisieren und jetzt ist die Gelegenheit günstig. Alle reden über die Regeln, keiner mehr darüber, wie die Ethik-Fahnder abserviert wurden, damit die FIFA-Funktionäre nicht in Not (oder vielleicht sogar hinter Schloss und Riegel) kommen. Also dienen die neuen Fußball-Regeln ganz einfach als Ablenkungsmanöver.

Es ist ja auch hanebüchend, was da aufgetischt wird. Nach dem Motto, „man muss über alles reden“ werden die abstrusesten Ideen in die Welt gesetzt. Vorneweg der Gedanke, dass wie im Eishockey auf die effektive Spielzeit umgestellt wird und bei jeder Unterbrechung die Uhr angehalten wird. Auch im Handball und Basketball wird immer wieder die Uhr angehalten. Zweimal 30 Minuten sollen es dann sein, in Untersuchungen wird jetzt im Schnitt eine effektive Spielzeit von 57 Minuten ausgemacht.

Aber was soll das? Will der Fußball zu einer beliebigen Sportart werden? Warum haben Eishockey, Handball und Basketball nicht das Renommee des Fußballs, wenn die effektive Spielzeit der Stein des Weisen ist? Ist er nämlich nicht, die Spielunterbrechungen dauern dann nämlich noch länger als jetzt und können quälend lang sein. Beispiel Basketball, wo sich die entscheidenden letzten zwei Minuten manchmal über 15 und mehr Minuten hinziehen. Hier darf der Fußball seine Seele nicht verlieren, Schiedsrichter müssen nur konsequenter handeln. Aber als Ablenkungsmanöver ist die Idee gut.

Folgende Punkte hat die IFAB herausgestellt: Verbesserung des Verhaltens und Erhöhung des Respekts (Blabla… da sollten die Funktionäre die FIFA nicht mehr als Selbstbedienungsladen sehen und vorangehen). Erhöhung der effektiven Spielzeit (bitte andere Ideen als die Uhr stoppen). Steigerung von Fairness und der Attraktivität (immer gerne, da muss auch ein Lernprozess bei den Spielern stattfinden. Mehr Respekt gegenüber Schiedsrichtern und Gegnern wäre wünschenswert).

In der Tat muss sich der Fußball überlegen, in welche Richtung er gehen will. Gilt der Fußball nur als Mittel zum Zweck um viel zu verdienen (Spieler, Vereine, Berater, Funktionäre), steht deshalb der Event-Charakter, die Unterhaltung im Vordergrund, oder geht es doch noch in erster Linie um Sport? Leider ist es ja so, dass der Profi-Fußball heute gar nicht mehr richtig eingeordnet werden kann, ob er Unterhaltung oder Sport ist. Salomonisch könnte es heißen „beides“. Es wäre die eigentliche Aufgabe der FIFA und ihres Präsidenten, den Fußball wieder vermehrt in Richtung Sport zu führen. Selbst auf die Gefahr hin, dass die eigenen Verdienstmöglichkeiten darunter leiden.

Infantino-Bilanz: Nichts wurde bei der FIFA besser

Er ist angetreten mit dem Versprechen, den Fußball-Weltverband (FIFA) zu reformieren. Doch die Bilanz nach einem Jahr sieht nicht golden aus. Ganz im Gegenteil, in der Öffentlichkeit wird die FIFA unter Gianni Infantino nicht besser wahrgenommen als die FIFA unter Joseph S. Blatter. Einziger Fortschritt: Die Diskussion um die Korruption ist mehr oder weniger zum Erliegen gekommen, was allerdings auch nur daran liegt, dass die erste Aufarbeitung abgeschlossen ist und die staatlichen Stellen sich mitten in ihrer eigenen Ermittlungsarbeit befinden. Da kann noch einiges folgen.

Der neue Präsident hat seine Kraft nicht zuerst in den Reformwillen investiert, sondern vor allem in öffentlichkeitswirksame Vorschläge. Eine Weltmeisterschaft mit 48 Nationen hätte die Welt nicht gebraucht, aber diese Aufstockung war Infantinos erstes Ziel, um gegenüber den Verbänden in Asien und Afrika sein Wahlversprechen zu halten. Hier ging es also um eine Aufarbeitung der besonderen Art. Die Verbände nehmen in Kauf, dass das Endturnier der Weltmeisterschaft an Qualität verliert. Ein schöner Erfolg.

Gianni Infantino hat auch mit Personalrochaden in der FIFA-Zentrale auf sich aufmerksam gemacht, doch da ging es wohl weniger um Altlasten, als vielmehr darum, seine eigenen Getreuen entsprechend in Position zu bringen. Seltsam mutet sein Vorschlag an, dass die Ethikkommission, die zuletzt durchaus gute Arbeit geleistet hatte, künftig vom FIFA-Rat bestimmt werden kann. Da kommt wieder die alte FIFA-Regel durch: Wir müssen unsere Kontrolleure selbst aussuchen (unterschwelliger Zusatz: Damit nichts gefunden wird). So sieht der Fortschritt unter Infantino aus.

Bayerns Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge hat dies klar erkannt und moniert in der Fachzeitschrift kicker: „Infantino hat … angekündigt, die Transparenz, das Demokratieverständnis und die Governance innerhalb der FIFA deutlich zu verbessern. Bis jetzt ist das … nicht gelungen.“ Bisher ist auch nichts davon zu spüren, dass der Präsident vor allem repräsentative Aufgaben vornehmen soll, während das Generalsekretariat den Verband quasi führen soll. Gianni Infantino gibt das Zepter nicht aus der Hand, zieht an allen Fäden.

So ist es also noch nicht gelungen, dass der Fußball-Weltverband wieder in besserem Licht dasteht. Der Fußball rollt, die Funktionäre sind froh, wenn einigermaßen Ruhe herrscht und keiner an ihren Pfründen rüttelt. Dann ist die Fußball-Welt für sie in Ordnung. Die Korruption ist keinesfalls aus dem Spiel.

Fußball-WM mit 48 Nationen und die Folgen

 

Als der FIFA-Rat am Dienstag in Zürich tagte, da gab es schon im Vorfeld keine Zweifel mehr, dass die Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Nationen aufgebläht wird. Selten hatten FIFA-Präsident Gianni Infantino so gute Laune wie an diesem Tag: Er hat Wort gehalten, als er den Funktionären vor allem in Afrika und Asien mehr WM-Plätze versprochen hat und sein Verband macht in der Zukunft (ab 2026 wird erstmals mit 48 gespielt) noch mehr Gewinn, von rund 600 Millionen Euro ist die Rede. Ist die Aufstockung aber auch sportlich ein Gewinn? Wohl auf keinen Fall. Der Sport-Grantler beleuchtet das Für und Wider dieser WM mit 48, zeigt die Folgen auf.

Sport: Der Sport wird leiden, denn von einem Turnier der Besten kann keine Rede mehr sein. Die Qualität der Spiele wird sinken, weil die schwächeren Nationen ihr Heil in einer Abwehrschlacht suchen werden. Schon die Aufstockung bei der Europameisterschaft hatte die gleichen Folgen: Erst mit der K.o.-Runde geht das Turnier richtig los. Der Turniermodus klingt ja genial, denn 16 Gruppen mit je drei Teams, von denen gleich zwei weiterkommen und anschließend sofort die Play-Offs, das bedeutet nicht mehr Spiele als bisher und keine längere Austragungsdauer. Beschwerden über eine höhere Belastung der Spieler greifen nicht.

Aber wie so oft, die FIFA hat etwas beschlossen, das große Ganze, aber wie es im Detail aussehen soll, das muss erst noch beraten werden. So zum Beispiel ist der Austragungsmodus in den Gruppenspielen ungerecht, weil es unterschiedliche Ruhezeiten gibt (was sich nicht verhindern lässt). Außerdem muss verhindert werden, dass in den letzten Spielen geschummelt werden kann. Aber die FIFA öffnet ja dem Betrug gern eine Tür… Ob die Abschaffung von Unentschieden der Weisheit letzter Schluss ist, muss durchgerechnet werden. Gibt es kein Unentschieden, werden viele schwächere Teams versuchen, sich ins Eltmeterschießen zu retten, die Spiele werden unansehnlich. Schöne Zukunft.

Geld: Das zählt bei der FIFA, deren eigene Untersuchungen ergeben haben, dass der Modus mit 32 Nationen sportlich am Besten ist. Aber ein Turnier mit 48 Teilnehmern verspricht mehr Gewinn (siehe oben) und vor allem viele Nationen in Afrika und Asien können nun davon träumen, erstmals ein WM-Teilnehmer sein zu können. Sie träumen auch von einer WM-Gewinn-Ausschüttung. Diese Träume wollte Infantino Wirklichkeit werden lassen und sammelte damit Stimmen. Geld kommt vor Sport.

Qualifikation: Infantino schwärmte davon, dass eine WM-Euphorie noch weiter in die Welt hinaus getragen wird. Rund ein Viertel der 211 FIFA-Mitglieder wird bei der WM vertreten sein. Was unter dieser Masse leidet, sind die WM-Qualifikationen, die an Bedeutung und an Spannung verlieren werden. Ob dies dem guten Ruf des Fußballs nützt? Das Endturnier sportlich schlechter, die Qualifikation uninteressanter – die Aufstockung wurde nicht zu Ende gedacht. Außerdem gibt es jetzt schon Streit um die Vergabe der zusätzlichen Plätze. Jeder Kontinent will natürlich partizipieren und vor allem Europa fürchtet um seine Spitzenstellung. In Süd- und Mittelamerika wird dagegen darüber diskutiert, die Qualifikation zusammen zu legen. In Südamerika könnten sich von zehn Nationen nicht mehr vier, sondern künftig sechs direkt qualifizieren. Wie gesagt, die Spannung leidet. WM und –Qualifikation kein Krimi mehr, sondern eine Seifenoper…

Veranstalter: 16 Gruppen – wo sollen die spielen? Mindestens zwölf WM-Stadien schweben dem FIFA-Präsidenten vor, er wird kaum ein Land finden, dass diese Mammut-WM allein ausrichten kann. Bereits im Vorfeld hatte die FIFA den Weg für eine WM in mehreren Staaten freigemacht, dies wird zur Gewohnheit werden. Für 2026 haben schon die USA, Mexiko und Kanada gemeinsam ihr Interesse angemeldet (der neue US-Präsident Trump hat bis dahin abgedankt und kann Mexiko nicht mehr schaden). In Europa könnte Deutschland mit Frankreich und Italien als Ausrichter auftreten. Oder holt sich China die Mammut-WM ins Mammut-Land?

Fans und Stimmung: Da sind wir beim nächsten strittigen Punkt. An die Fans denkt keiner, ein richtiges WM-Feeling, wie wir es beim Sommermärchen 2006 in Deutschland erlebt haben, wird nicht mehr auftreten. Die Fans werden gerade noch ihre eigene Mannschaft verfolgen können, aber ansonsten wenig von einer Weltmeisterschaftsatmosphäre mitbekommen. Die WM-Freude soll in alle Länder transportiert werden, aber es wird eher Weltmeisterschaften ohne WM-Stimmung geben.

Der Beschluss der Aufstockung von 32 auf 48 Nationen für die Fußball-Weltmeisterschaft steht. Es ist ähnlich wie bei den WM-Vergaben für 2018 an Russland und vor allem 2022 nach Katar, die Folgen wurden nicht bedacht. Ein alter Filmtitel passt gut zu den FIFA-Räten: Denn sie wissen nicht, was sie tun.

2017 wird das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler

 

Für den Spitzensport ist 2017 ein sogenanntes „Zwischenjahr“, es stehen weder Olympische Spiele noch Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball an. Dennoch könnte 2017 ein bedeutendes Jahr für den Sport werden, wenn, ja wenn die Sportfunktionäre ein Herz für den Sport und Fans zeigen würden und in ihren Entscheidungen nicht dem Ruf des Geldes folgen. Diesbezüglich wird 2017 also das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler. Ob es ein bedeutendes Jahr wird, entscheidet sich also am „grünen Tisch“.

Geprägt wird das neue Jahr wohl vor allem wieder durch die Diskussion um das Doping. Russland steht mit dem (vom Land selbst verleugneten) Staatsdoping weiter am Pranger und wir warten auf Entscheidungen. Doping wird auch bei den Großveranstaltungen weiter eine Rolle spielen. Es geht aber auch um die Zukunft der großen Turniere im Fußball, wo der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino die Reklametrommel für größere Teilnehmerfelder rührt. Bereits im Januar soll es da erste Entscheidungen geben. Aber auch das IOC muss sich Gedanken um seine Zukunft und die der Olympischen Spiele machen. 2016 war typisch. Brasilien feierte seine Spiele und erleidet jetzt einen olympischen Kater. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, der Sport darf nicht zum Ruin eines Staates beitragen. Hoffnung hat der Sport-Grantler aber nur wenig, dass die Vernunft künftig die Oberhand behält.

Typisches Beispiel ist der Welt-Fußballverband FIFA, der jetzt hat untersuchen lassen, welche Turnier-Form den größten Gewinn verspricht. Angeblich könnte ein Turnier mit 48 Nationen, unterteilt in 16 Dreier-Gruppen, die größten Einnahmen erzielen. Eine Steigerung von 5,5 auf 6,5 Milliarden US-Dollar wäre angeblich möglich. Die Dollar-Zeichen glänzen in den Augen der Funktionäre, die sportliche Qualität und der Anreiz für die Fans spielen mit Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Großen Sport wird es aber auch ohne Großereignisse an 2017 geben. Der Wintersport feiert seinen WM-Winter wie immer in ungeraden Jahren. Die großen Tennis- und Golf-Turniere stehen wie jedes Jahr an, wobei der prestigeträchtige Ryder-Cup der Golfer erst wieder 2018 in Paris ausgetragen wird. Dazu gibt es wie immer Formel 1, die Tour de France und die Motorrad-WM.

Verschiedene Welt- und Europameisterschaften werden ihr Interesse finden. Den Anfang macht die Handball-Weltmeisterschaft vom 11. – 29. Januar in Frankreich, wobei die deutschen Fans wohl buchstäblich in die Röhre gucken, weil es im Free-TV wohl keine Fernsehbilder zu sehen gibt. Dabei gehört Deutschland als Europameister mit zu den WM-Favoriten. Im Mai schließt sich die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) an. Der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich positive Schlagzeilen mit Übertragungen bei Sport1. Die Leichtathletik-WM folgt vom 4. – 13. August in London, die Basketballer spielen ihre Europameisterschaft vom 30. August bis 17. September gleich in vier Ländern, nämlich Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei. Ob das ein echtes Turnier mit entsprechender Stimmung wird?

Der Fußball ist nicht außen vor und bietet kleinere Turniere, die durchaus Interesse finden werden. Der Confed-Cup vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2018. Davon will Bundestrainer Joachim Löw allerdings nichts wissen, er will eher junge Spieler testen. Dabei werden die Trainer beratschlagen, welches Talent sich bei Löw bewähren darf und wer mithelfen soll, Deutschland U21 zum Titel zu führen. Bei der Europameisterschaft der U21 vom 16. – 30. Juni in Polen will Deutschland ganz vorne landen. Das geht aber nur, wenn der neue Bundestrainer Stefan Kuntz seine beste Mannschaft aufbieten kann. Kein Kompetenzgerangel gibt es bei den Frauen, da steht die neue Bundestrainerin Steffi Jones bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August in den Niederlanden vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Also, auch das Sportjahr 2017 kann sich sehen lassen, wir werden Jubel und Enttäuschungen erleben, großen Sport, leider wohl aber auch wieder Lug und Trug, so wie im richtigen Leben halt auch. Wünschen wir den Funktionären den Weitblick, den Spitzensport in eine gute Zukunft zu führen.

Geldgier und Machthunger als Schatten über dem Profi-Fußball

 

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und mit der Auslosung der Achtelfinales im europäischen Fußball, in der Champions League und Europa League, ging der Blick auch schon wieder ins Jahr 2017. Die Fans können sich auf großen und spannenden Fußball freuen, aber sie werden auch einigen Ärger herunterschlucken müssen. Vor allem dann, wenn sie Anhänger von kleineren Vereinen sind. Die müssen nämlich befürchten, abgehängt zu werden. Die Großen drängen an die Geldtöpfe und tun alles, um ihre Pfründe noch zu vergrößern. Die Geldgier und der Machthunger der Funktionäre liegen zum Jahreswechsel als Schatten über dem Profi-Fußball.

Ein gewisser Größenwahn zeigt sich zum Beispiel bei den Plänen vom neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Vom 46jährigen Schweizer hat man bisher nur wenig gehört darüber, wie er den Weltverband wieder zu einer seriösen Organisation machen will. Aber viel über Gedanken, wie die Fußball-Weltmeisterschaft noch größer, noch attraktiver und noch mehr zur Gelddruckmaschine für die Verbände werden kann. Mit 32 Teilnehmern stößt die WM für viele Nationen schon an organisatorische Grenzen, aber Infantino brachte schon Turniere mit 40 und kürzlich sogar mit 48 Teilnehmern ab 2026 ins Gespräch. Wenn der FIFA-Kongress im Januar 2017 tagt, da geht es offensichtlich gar nicht mehr darum, ob das Teilnehmerfeld erweitert wird, sondern nur noch darum, in welchem Umfang. Der Grund für Infantinos Größenwahn ist klar: Er will die kleineren Verbände gnädig stimmen für die nächste Wahl. Mehr Teilnehmer, mehr Stimmen. Mit komplizierten Spielplänen will der FIFA-Präsident dafür sorgen, dass eine Weltmeisterschaft nicht länger als 32 Tage dauert. Wie sie organisiert werden soll, sagt er allerdings nicht. Und welche Unbillen die Fans dann auf sich nehmen müssen, ist ihm vollkommen egal. Die Turniere werden nicht übersichtlicher.

Mit der Weltmeisterschaft allein hat sich Infantino natürlich nicht beschäftigt, er hat noch andere große Visionen. So ist er mit der Klub-Weltmeisterschaft, die derzeit bis zum 18. Dezember in Japan ausgetragen wird, nicht zufrieden. Bisher nahmen acht Vereine von den verschiedenen Kontinenten teil, wobei die Champions aus Südamerika und Europa (in diesem Jahr Medellin/Kolumbien und Real Madrid/Spanien) bereits fest das Halbfinale gebucht haben. Infantino will als größer, besser, stärker, brachte 32 Mannschaften ins Spiel. Woher er die Zeit nehmen will und wie solch ein Mammutturnier überhaupt in den schon prallen Terminkalender passt, sagt er nicht. Der Sport-Grantler hätte da eine bessere Lösung: Abschaffen!

Für die Champions League ist der FIFA-Präsident nicht zuständig, aber auch hier heißt es, wie können wir noch mehr Geld verdienen. Erstaunlich ist, dass es die starken Verbände geschafft haben, die kleinen Verbände auszutricksen, weil die ja eigentlich in ihrer Gesamtheit über mehr Stimmen bei allen Beschlüssen verfügen. Tatsache ist jedenfalls, dass ab 2018 die stärksten Verbände Spanien, Deutschland, England und Italien vier feste Vertreter für die Champions League abstellen können. Die Meister der kleineren Verbände haben es damit noch schwerer in den Kreis der erlauchten Geldverdiener aufzurücken. Viele Präsidenten erhoben ihre Stimme, tobten „diese Reform ist ein Skandal“, doch ändern können sie nichts mehr. Im Achtelfinale dieser Saison stehen Vereine aus sechs Ländern: Spanien, Deutschland, England, Italien, Portugal und Frankreich. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Das sind die Schatten, die über dem Fußball liegen. Wird der Wettbewerb wirklich attraktiver, wenn die Großen unter sich sind und Überraschungen zur Ausnahme werden?

Der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin scheint ein bisschen anders zu ticken als Kollege Infantino, der Slowene stammt ja aus einem kleinen Verband und hat es bei der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees geschafft, dass für die benachteiligten Nationen wenigstens ein kleiner Ausgleich geschaffen wird. So wird die Europa League zum Auffangbecken und bekommt 50 Millionen Euro zusätzlich als Ausschüttung. Aber wieder geht es halt ums Geld: Mit ein paar Moneten wird der große Hunger nach dem Reibach ein bisschen gestillt. Die Schatten über dem Fußball bleiben und der Machthunger der Funktionäre ist unstillbar.