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Tag: Martin Fourcade

Die heile Welt des Biathlon in Deutschland

In den nächsten Tagen gastiert der Biathlon-Zirkus in Deutschland. Vom 10. bis 13. Januar beherbergt Oberhof in Thüringen die Weltelite, die dann nach Bayern weiterzieht, um vom 16. bis 20. Januar in Ruhpolding zu laufen und zu schießen. Deutschland ist ein beliebter Gastgeber bei der Biathlon-Familie und es könnte sein, in diesem Jahr noch ein bisschen mehr, denn entgegen vielen anderen Nationen gibt es in Deutschland noch die heile Welt des Biathlon. Hier warten keine Gerichte auf Dopingsünder, hier feiert das Publikum die Athleten und vor den Bildschirmen versammeln sich die Wintersportfans, Biathlon ist hierzulande der Wintersport Nummer 1.

Man sollte vorsichtig sagen, noch ist Biathlon Wintersport Nummer 1 in Deutschland. Wenn allerdings die Erfolge ausbleiben, kann sich das schnell ändern. Vor dieser Saison gab es eine Art Tabula rasa im Verband, das Trainerteam wurde neu zusammengestellt. Der bisherige Herren-Coach Mark Kirchner wurde zum Übertrainer für beide Mannschaften, bleibt aber auch Disziplin-Chef mit jetzt Isidor Scheurl an seiner Seite. Damen-Chef Gerald Hönig wurde degradiert und amtiert nun als Schießtrainer. Sein Nachfolger ist Kristian Mehringer, Assistent Florian Steirer. Bisher ein Wechsel ohne großen Erfolg, bei drei Weltcup-Wettbewerben in Pokljuka, Hochfilzen und Nove Mesto gab es noch keinen deutschen Sieg. Ein paar Achtungserfolge der Männer waren alles, die Frauen liefen hinterher, bis Laura Dahlmeier kam und in Nove Mesto aufs Treppchen lief. Jetzt pausiert sie wieder.

Die Damen konnten sich in den letzten Jahren immer hinter einer überragenden Athletin ein bisschen verstecken, das war zu den Zeiten von Magdalena Neuner so und zuletzt eben hinter Laura Dahlmeier. Die Olympiasiegerin hat aber des Öfteren gesundheitliche Probleme und kämpfte auch im Vorfeld der Saison mit einem Virus. Nove Mesto machte Hoffnung, doch eine Grippe war dann ein unpassendes Weihnachtsgeschenk. Jetzt will die Garmischerin vor ihrer Haustür in Ruhpolding wieder eingreifen. Die Damen Franziska Preuß, Franziska Hildebrandt. Denise Herrmann und Vanessa Hinz haben ein gewisses Potential, aber zur absoluten Spitze reicht es nicht. Dazu ließen wohl auch atmosphärische Störungen im Team keine großen Leistungen zu, denn die Harmonie zu fördern war eine der ersten Aufgaben des neuen Trainerteams.

Die Herren haben dagegen eine starke, ausgeglichene Mannschaft, die immer für Podestplätze gut ist, allerdings gegen „Über-Biathleten“ wie den Norweger Johannes Boe und den französischen Seriensieger Martin Fourcade ankämpfen muss. Außerdem trübt der Blick in die Zukunft die Hoffnung, denn die vier Musketiere Arnd Peiffer, Simon Schempp, Benedikt Doll und Erich Lesser sind bald alle über 30 Jahre alt. Adäquater Nachwuchs ist nicht in Sicht. Ein Blick auf die Gesamtwertungen zeigt, was Sache ist, Doll ist bei den Herren ebenso als Bester Zehnter wie Preuß bei den Damen. In der Nationenwertung ist Deutschland bei den Herren immerhin Dritter, die Damen nur Fünfte. Norwegen bzw. Italien geben da den Ton an. In den letzten Jahren war Deutschland immer ganz vorn dabei.

Die goldenen Zeiten des Biathlonsport in Deutschland könnten dem Ende entgegen gehen, was sich natürlich auch auf die TV-Einschaltquoten (derzeit oft rund vier Millionen Zuschauer) auswirken würde. Schwere Zeiten hat der internationale Verband schon zu bewältigen, denn Biathlon ist durch Korruption und Doping in die Schlagzeilen geraten. So spielten wohl der langjährige Verbandspräsident Anders Besseberg aus Norwegen und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch offensichtlich ein böses Spiel zu ihren Gunsten. Vor allem Russland soll profitiert haben, so wurden wohl u. a. auch die Dopingjäger ausgebremst. Deutlich wird die Funktionärskrise auch dadurch, dass die Staatsanwaltschaft in Wien seit 2017 gegen IBU-Funktionäre wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Da kann von einer heilen Welt keine Rede sein. Der neue Präsident, der Schwede Olle Dahlin, Manager in der Papierindustrie, steht vor schweren Aufräumarbeiten.

In Oberhof und Ruhpolding wollen Athleten und Funktionäre diese dunklen Schatten vergessen. Vor allem Oberhof will sich als guter Gastgeber präsentieren und Werbung für die Weltmeisterschaft 2023 machen. Bis dahin soll die Arena mit Investitionen von rund 15 Millionen Euro noch attraktiver werden, die Weltmeisterschaft aber dennoch ein Gewinn für die Region werden, denn mit rund 50 – 60 Millionen Umsatz wird dann gerechnet. Wenn bis dahin auch die sportliche Bilanz der deutschen Mannschaft immer noch stimmt.

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Deutschland ist ein Wintersportland!

Deutschland ist ein Wintersportland!

Wenn es um den Sport in Deutschland geht, dann heißt es meist: Da gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball! Nein, nein, nein! Die Bilanz des zurückliegenden Winters und vor allem die Erfolge bei den Olympischen Spielen in Südkorea zeigen: Deutschland ist auch ein Wintersportland! Als Beweis dürfen auch die Einschaltquoten im Fernsehen herhalten. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben mit langen Wintersportnachmittagen beste Erfahrungen gemacht, die Einschaltquoten liegen an Samstagen und Sonntagen weit über denen der normalen Programme. Biathlon ist der Quotenkönig, die Fans gucken sogar Rodeln oder Bob. Im Sommer gibt es diese Nachmittage nicht. Dann gehen die Leute wohl lieber raus in die Natur, in Schwimmbäder und Biergärten, im Winter sitzen sie eher vor dem Fernseher. Selbst bewegen tun sie sich wiederum eher im Sommer!

Bleiben wir aber beim Spitzensport, da fällt die Winter-Bilanz des deutschen Sports hervorragend aus. Vor einem Jahr hatte der Sport-Grantler nach einer erfolgreichen Saison noch geunkt, Olympia käme wohl ein Jahr zu spät. Zum Glück war es nicht so, die Medaillenkandidaten konnten meist die Erwartungen erfüllen, am Ende war Deutschland in Pyeongchang so erfolgreich wie nie und nach Abschluss der Saison kann größtenteils auch eine positive Bilanz bei den Weltcups gezogen werden.

Ganz vorn dran Rodler, Bobfahrer und Biathlon. Sie waren bei Olympia Medaillenhamsterer, die Rodler gewannen zudem alle Weltcups, im Viererbob rangierten drei deutsche Schlitten auf den ersten Plätzen. Im Biathlon schönte Laura Dahlmeier mit zwei Olympiasiegen die Bilanz, die Damen aber bewiesen insgesamt Konstanz und waren am Ende im Weltcup die erfolgreichste Nation, die Herren landeten auf Rang drei. Ansonsten blieben Gesamtsiege diesmal aus. So war gegen den Franzosen Martin Fourcade kein Kraut gewachsen, er gewann bei den Männern alle Gesamtwertungen. Jetzt gilt es in diesen Sportarten auch die Weichen für eine gute Zukunft zu stellen. Es sieht nicht so gut aus, als ob andere Sportarten so einfach als Medaillensammler einspringen könnten.

Apropos Springen, die Skispringer überraschten positiv. Nachdem sie bei der populären Vierschanzentournee einen Dämpfer hinnehmen mussten, ging es aufwärts und Andreas Wellinger wurde zum Star bei Olympia. Danach ging es wieder bergab, aber hinter dem überragenden Springer der Saison, dem Polen Kamil Stoch, belegte Richard Freitag im Weltcup Rang zwei. Das gelang auch Katharina Althaus bei den Damen hinter der Norwegerin Lundby, als Mannschaft aber standen Deutschlands Mädchen am Ende ganz vorn, was fast schon eine Sensation war.

Für die Nordisch Kombinierer kam die Olympia-Saison wirklich fast ein Jahr zu spät, denn die Konkurrenz hatte gegenüber den in den letzten Jahren so dominanten Deutschen aufgeholt. Immerhin klappte die Trainingssteuerung von Bundestrainer Hermann Weinbuch, mit fünf Medaillen bei Olympia, allerdings wäre man im Weltcup gern auch stärkste Mannschaft geblieben, doch da liefen die Norweger den Deutschen den Rang ab, der Japaner Watabe holte sich zudem den Weltcup, Fabian Rießle landete auf Rang drei. Also immer noch eine imponierende Bilanz.

Im alpinen Skisport sorgten zunächst Kreuzbandrisse der Stars Neureuther und Luitz dafür, dass die Hoffnungen auf den Nullpunkt sanken, doch die Stimmung hellte sich im Laufe des Winters auf. Viktoria Rebensburg erfüllte als einzige Hoffnung bei den Damen die Erwartungen, sammelte einige Siege und holte sich die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Hinter ihr gibt es allerdings ein tiefes Loch. Bei den Herren war Abfahrer Thomas Dreßen die große Sensation mit seinem Paukenschlag als Streif-Sieger in Kitzbühel. Die Speedfahrer sind wieder vorne dabei. Wermutstropfen: Bei Olympia gingen die Alpinen leer aus.

Im Skilanglauf kommt Deutschland nicht vom Fleck, egal ob Männer oder Frauen, die Deutschen laufen nur hinterher. Ein bisschen besser sieht es im Eisschnelllauf aus, aber von einer rosigen Zukunft kann keine Rede sein. Im Eiskunstlauf überstrahlten Aljona Savchenko und Bruno Massot mit Gold bei Olympia und Weltmeisterschaft (mit der besten Kür aller Zeiten) alles, dahinter ist fast nur tote Hose. Die Eishockey-Nationalmannschaft wurde in Südkorea zum Sensationsteam und weckte Deutschland mit Silber, dem größten Erfolg aller Zeiten im Eishockey, buchstäblich auf, aber auch hier könnte sich die Begeisterung schnell legen und auf Dauer wieder einmal nur als Zufallsprodukt entpuppen.

Dennoch: Deutschland zeigte sich als Wintersportland, mehr als die traditionellen Wintersportnationen wie Österreich (wo Slalomkünstler Marcel Hirscher als überragender Fahrer der Saison Enttäuschungen wie bei den Skispringer überdeckte) und die Schweiz, die vor allem bei Olympia hinter den Erwartungen zurückblieben. Für die Wintersportler gilt allerdings derzeit nur eins: Urlaub, Urlaub, Urlaub. Und bei den deutschen Sportfans wiederum gilt in den nächsten Wochen wie üblich: Fußball, Fußball, Fußball.

Olympia kommt ein Jahr zu spät

Die Sonne lacht vom Himmel (zumindest in Deutschland), die letzten Wettbewerbe auf Eis und Schnee sind absolviert, der Winter ist offensichtlich vorbei. Zeit also, eine sportliche Bilanz zu ziehen. Aus deutscher Sicht war es ein Winter voller Freude, mit Erfolgen und Titelgewinnen bei Weltmeisterschaften. Teilweise dominierten deutsche Athleten ihre Disziplinen, dass mancher mit Wehmut an die Olympischen Spiele dachte. Kann diese großartigen Ergebnisse 2018 in Pyeongchang in Südkorea wiederholt werden? Oder kommt Olympia ein Jahr zu spät?

Zur Erinnerung: Bei den letzten Spielen in Sotschi 2014 enttäuschte die deutsche Mannschaft, holte zwar immerhin achtmal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze, doch im Medaillenspiegel lag Deutschland nur auf Rang sechs, so schlecht wie nie seit der Wiedervereinigung. 1992 und 1998 war Deutschland Erster. Bezeichnend: Im Biathlon gab es in Sotschi gerade mal zwei Silbermedaillen für das deutsche Team, Laura Dahlmeier holte in diesem Winter fünfmal Gold bei der Weltmeisterschaft, Johannes Rydzek räumte allein und mit dem Team bei der WM in Lahti vier Titel ab. Die beiden zusammengerechnet ergeben neunmal Gold!

Deshalb der freudige, auf der anderen Seite aber auch der bange Blick auf Olympia 2018. Was kann bis dahin nicht alles passieren: Die Konkurrenz holt auf, die Weltmeister von heute sind nicht in Form, krank oder verletzt. Der Spitzensport ist ein fragiles Gebilde, nur wenigen Sportlerinnen und Sportlern ist es vergönnt über lange Zeit dominant zu sein, ohne Verletzungen. Aber es gibt die Ausnahmen, zum Beispiel den Franzosen Martin Fourcade im Biathlon, der ebenso Rekorde aufstellte wie der Österreicher Marcel Hirscher im alpinen Skisport. Es wäre eine Tragödie, wenn einer von ihren in Südkorea passen müsste.

Mit einem Blick auf die erfolgreichsten deutschen Sportarten darf man vor allem, wie oben aufgeführt, im Biathlon und in der Nordischen Kombination (da gewannen die Deutschen fast alle Wettkämpfe) große Hoffnungen hegen. Die Rodler und Bobfahrer sahnten bei den Weltmeisterschaften ab, Skeleton wird immer stärker, die Skispringer etablierten sich in der Weltklasse (Andreas Wellinger landete für den verletzten Severin Freund in der Weltspitze), da können einige Medaillen abfallen.

Es gibt natürlich auch noch erheblichen Nachholbedarf. Ski alpin, Snowboard und vor allem der Skilanglauf hecheln hinterher. In der einen oder anderen Sportart müssen wohl Nachwuchssichtung und –förderung überdacht und verbessert werden. Teilweise wird geklagt, dass sich die Buben und Mädchen heute nicht mehr so plagen wollen. Die vielfältige Ablenkung ist das andere Problem, weil viele Talente verloren gehen. Außerdem hat Olympia in der Öffentlichkeit viel von seinem Reiz verloren. Wer allerdings im Spitzensport drinsteckt, der sieht die Olympischen Spiele als großes Ziel an. Und er hofft, dass er gesund bleibt und zur rechten Zeit in Bestform ist. Diesbezüglich war für viele deutschen Sportler 2017 eigentlich ein guter Test. Wiederholen sich die Erfolge, wäre Deutschland die Nummer 1! Dann käme Olympia 2018 nicht zu spät, sondern gerade richtig.

Biathlon: Einmal König, einmal Bettler

Der Biathlon-Sport erlebte bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) begeisternde Wettkämpfe, an denen sich vor allem die deutschen Zuschauer erfreuen konnten. Sie fieberten zahlreich in der Arena mit, vor allem aber daheim an den Fernsehgeräten. Da machte Biathlon sogar König Fußball die Vorherrschaft streitig. Deutschland ist nicht mehr nur eine Fußball-Nation, sondern im Winter auch eine Biathlon-Nation. Jedes dritte TV-Gerät war fast bei allen Wettkämpfen eingeschaltet.

Das lag natürlich vor allem an den Erfolgen der neuen Biathlon-Königin Laura Dahlmeier. Die 23jährige Partenkirchnerin zeigte beeindruckende Wettkämpfe, bewies Nervenstärke am Schießstand und Ausdauer in der Loipe. Die passionierte Bergsteigerin ging fast immer über ihre Schmerzgrenze hinaus und trotzte sogar Schwächeanfällen nach den Rennen. Der Lohn waren Medaillen, fünf Goldene und eine Silberne in Hochfilzen, im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Oslo sogar elf Medaillen hintereinander. Das hat noch niemand geschafft, nicht einmal ihre große Vorgängerin in Deutschland, Magdalena Neuner, die den WM-Rekord mit zwölf Titeln hält. Sollte Dahlmeier nicht wie Neuner mit 24 Jahren bereits an den Rücktritt denken, dann hat sie gute Chancen auf einen neuen Rekord, mit bisher sieben Titeln. Sie gilt schließlich als die perfekte Athletin, die weder am Schießstand noch in der Loipe Schwächen hat. Wann hat es das jemals gegeben.

Die Deutschen also lieben Biathlon, aber es ist das Schicksal dieses interessanten und spannenden Wintersports, dass er nur in einzelnen Ländern die Sportfans hinter dem Ofen hervor holt. So klagt zum Beispiel Frankreichs Vorzeige-Athlet Martin Fourcade darüber, dass sich in seinem Heimatland niemand für ihn und seine Erfolge interessiert. Im Gegensatz dazu ist die letztjährige Weltcupsiegerin Gabriela Koukalova in ihrem Heimatland Tschechien ein großer Star. So ist es halt beim Biathlon, einmal König, einmal Bettler.

In Nordamerika weiß auch nur eine Minderheit mit Biathlon etwas anzufangen. Da musste der Präsident sogar als Beispiel herhalten. Der Überraschungs-Weltmeister Lowell Bailey auf die Frage, ob US-Präsident Donald Trump wohl etwas über Biathlon wisse: „Ich denke, so wie bei vielen Sachen, hat er davon keine Ahnung.“ Vielleicht ändert sich das jetzt bei Trump und den anderen Amerikaner, nachdem Bailey der erste amerikanische Weltmeister wurde und Susan Dunklee mit Silber im Massenstart die erste Medaille für die USA bei den Frauen gewann. Allerdings wird in Nordamerika aus dem Bettler nie ein König werden, genau so, wie wohl aus Trump nie ein guter Präsident werden wird.

Den Ursprung hat Biathlon im militärischen Bereich, in Skandinavien und Russland. Da gingen einst die Jäger auf Skiern auf die Jagd, entdeckte eben auch das Militär die Vorteile der Verbindung von Ski und Gewehr im Winter. In Skandinavien, vor allem in Norwegen, und Russland ist Biathlon besonders populär. Wobei der Sport darunter leidet, dass vor allem die Russen Erfolge mit unlauteren Mitteln erzwingen wollen. Zahlreiche Dopingsperren brachten Biathlon in Verruf und sorgten auch in Hochfilzen für negative Schlagzeilen. So wurde das Mannschaftsquartier von Kasachstan von der Polizei durchsucht. Der Biathlon-Weltverband zeigt sich hier nicht konsequent genug.

Biathlon hat genau wie König Fußball den Vorteil, dass es eine interessante und spannende Sportart ist. Wer mal die Rennen verfolgt hat, wird sie immer wieder anschauen, wenn die Spannung zum Beispiel beim letzten Schießen fast ins Unermessliche steigt. Wer trifft, wer schießt daneben, was bringt die letzte Runde. Manche Rennen werden dann erst buchstäblich auf der Ziellinie entschieden. Sportler-Herz, was willst Du mehr!

Winter-Könige und Yetis

Schade, dass es in diesem Jahr keine Olympischen Winterspiele gibt, deutschen Athletinnen und Athleten wäre ein Medaillensegen gewiss gewesen. Allerdings glänzen sie nicht in allen Sportarten. So gibt es Winter-Könige (oder Königinnen), die der Konkurrenz das Fürchten lehren, aber auch Yetis, Sportler, die kaum vorne zu sehen sind und deshalb teilweise als Fabelwesen oder Schneegeister wahrgenommen werden.

Da wir also alle auf Olympia bis 2018 in Südkorea warten müssen, konzentrieren sich die Wintersportler auf ihre Weltmeisterschaften und da ist der Februar der Monat der Entscheidungen, quasi also der Ersatz für Winter-Olympia. Herzstück bei Olympia sind die alpinen Ski-Wettbewerbe und sie werden auch mit ihrer Weltmeisterschaft ab Montag, 6. Februar, an der traditionsreichen Stätte in St. Moritz international die größte Aufmerksamkeit bekommen (bis 19. Februar). Die Deutschen wiederum lieben Biathlon (was sich an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen lässt, da schlug Biathlon sogar den Fußball!), aber da ist es gar nicht so glücklich, dass die Biathlon-WM in Hochfilzen parallel zu den Ski-Stars abläuft (9. bis 19. Februar). Aber man kann es ja auch so sehen: Ein bisschen Olympia ist halt doch.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Bei der WM sind vor allem die Titel begehrt, da zählt schon der zweite Platz nicht so viel, bei Olympia ist das Spektrum größer, da freuen sich die Athleten sogar über einen dritten Platz, auch Bronze ist nämlich eine der begehrten Olympia-Medaillen. Ein WM-Titel ist ein großer Erfolg, ein Olympia-Sieg macht einen Athleten fast unsterblich.

Das Eis können wir fast ausklammern, da sind die Deutschen eher die Yetis, da taucht mal Sprinter Ihle auf oder die Eisschnelllauf-Oma Claudia Pechstein, die aber im Alter eher als Grantlerin von sich Reden macht. In der Eisröhre haben die Rodler ihre Weltmeisterschaft hinter sich und einen Teil ihrer Dominanz eingebüßt, vor allem die Herren um Felix Loch rodelten hinterher, dafür holte sich Tatjana Hüfner mit ihrem fünften Titel einen Rekord. Das Leistungszentrum in Oberhof hat der Medaillenschmiede in Berchtesgaden wieder den Rang abgelaufen. Ein internes deutsches Duell ist da im Gange, das leistungsfördernd sein sollte, aber auch zu Sand im Getriebe führen kann. Dann lässt sich schlecht rodeln. Nach dem einen oder anderen WM-Titel strecken auch Bob und Skeleton die Hand aus.

Im alpinen Ski-Zirkus bleibt den Deutschen eher die Yeti-Rolle. Keine Fabelwesen sind Viktoria Rebensburg bei den Damen und Felix Neureuther bei den Herren, doch die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Medaillen keine Selbstverständlichkeit sind. Die Hauptrollen sind jedenfalls an andere verteilt, An Marcel Hirscher (Österreich), Kristoffersen (Norwegen), Lara Gut (Schweiz), Mikaela Shiffrin oder Lindsey Vonn (beide USA).

Anders im Biathlon, wo in jedem Rennen ob bei Damen oder Herren die deutschen Farben auf dem Siegerpodest zu sehen sein könnten (aber natürlich nicht müssen). Bei den Herren ist der Franzose Martin Fourcade der Überläufer, aber doch nicht unschlagbar. Bei den Damen hat Laura Dahlmeier die WM als großes Ziel ausgegeben, nicht den Kampf um das Gelbe Trikot. Vor einem Jahr holte die Garmischerin fünf Medaillen, was durchaus wieder möglich wäre, aber ein Alleinstellungsmerkmal wie Fourcade hat sie nicht, da spielen auch Gabriela Koukulova (Tschechien), Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Marie Dorin-Habert (Frankreich) und andere mit. Die Spannung jedenfalls ist so groß, dass die TV-Einschaltquoten in Deutschland wieder stimmen werden.

Den Abschluss des WM-Reigens bilden die Nordischen Weltmeisterschaften vom 22. Februar bis 5. März in Lahti (Finnland). Da werden die deutschen Damen und Herren in der Langlaufspur die Yeti-Rolle übernehmen, die Kombinierer sind jedoch das Gegenteil. Sie haben im Verlauf der Saison bisher alle Einzelwettbewerbe gewonnen und dominieren den Weltcup mit den ersten drei Plätzen (Frenzel, Rydzek, Rießle) in der Gesamtwertung. Das wäre ja ein Ding, wenn sie ausgerechnet bei der WM nicht die erste Geige spielen könnten. Aber Bundestrainer Hermann Weinbuch warnt schon: „Die Norweger werden immer stärker, einen schlechten Tag können wir uns nicht leisten.“ Aber das ist ja der Reiz des Sportes, ein bisschen Ungewissheit bleibt immer, der Traum, dass David den Goliath schlagen kann, ist immer präsent. Und nach den Weltmeisterschaften träumen die Winter-Asse nicht vom Sommer, sondern von Olympia. Garantiert.

Biathlon: Medaillen für die Gunst der Zuschauer

 

Der Wintersport „kochte“ in dieser Saison ein bisschen auf Sparflamme, weil im alpinen und nordischen Skisport keine Weltmeisterschaften anstanden und schon gleich gar nicht Olympische Winterspiele. Einige Wintersportarten halten allerdings jährlich ihre Weltmeisterschaften ab und dann wird auch auf Olympia (wieder 2018) geschielt, nach dem Motto „haben wir dort Medaillenchancen?“. Gerade bei Bob und Rodel hagelte es Medaillen – gerüstet für Olympia, wenn man das zwei Jahre davor sagen darf. Ab dem 3. März sind jetzt die Biathleten dran. Sie hoffen aus zwei Gründen auf ein gutes Abschneiden: Medaillen-Gewinne sorgen auch für die Gunst der Zuschauer. Was die Einschaltquoten im Fernsehen angeht, ist Biathlon die Wintersportart Nummer 1 und will es auch bleiben. Erfolge bei der WM in Oslo am Holmenkollen würden zudem dafür sorgen, dass Biathlon TV-Sport Nummer 2 hinter Fußball bleibt, wenn auch Formel 1 und Boxen manchmal noch mehr Zuschauer haben oder Handball mit dem Gewinn der Europameisterschaft (13 Millionen saßen vor den TV-Geräten) sensationell in den Blickpunkt rückte.

Biathlon hat den Vorteil, dass die Rennen überaus spannend sind, weil bei jeder Schießeinlage sich an den Platzierungen etwas ändert. Da gab es schon Tragödien, weil vermeintliche Sieger mit dem letzten Schuss alles verspielten, da gab es Aufholjagden, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen und erst auf der Ziellinie entschieden wurden. Aufholjagden, wie sie sich zum Beispiel die Formel 1 sehr wünschen würde.

Bei der Weltmeisterschaft ist nun die Frage, ob wir auch wieder viel Spannung erleben oder ob überragende Athletinnen und Athleten die Spannung kaputt machen. Das könnte bei den Männern zum Beispiel dem Weltcupführenden Martin Fourcade (Frankreich) gelingen oder Gabriela Soukalova (Tschechien) bei den Frauen. Zum Glück haben aber beide starke Konkurrenz. Vor allem bei den Männern wollen die Norweger ihr „Hausrecht“ wahrnehmen. Für sie ist die WM im eigenen Land ein besonderes Ereignis, das mit Medaillen und Siegen gekrönt werden soll. In erster Linie gilt dies für die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Boe. Bei den Frauen sind die norwegischen Hoffnungen nicht so groß, Tyrill Eckhoff könnte vorne rein laufen, aber vor allem Marie Dorin-Habert (Frankreich), Dorothea Wierer (Italien) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland) – nach der Platzierung im Weltcup – sind die Herausforderinnen von Soukalova.

Und dann natürlich auch die Deutschen! Sie können bei Männern und Frauen ein Wörtchen mitreden, haben schon zahlreiche Siege in dieser Saison auf ihrem Konto und sind dem eigenen Anspruch – bei jedem Rennen möglichst einer auf dem Treppchen – schon sehr nahe. Bei den Männern hätte Simon Schempp zu den großen Favoriten gezählt, doch eine Bronchitis behinderte die WM-Vorbereitung. Er wird nicht in Bestform antreten können und bleibt so eine Wundertüte, genauso wie die Mannschaftskameraden Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher, die an guten Tagen vorne dabei sein können. In der Staffel sind die Männer Titelverteidiger, aber gegen Norwegen, Russland, Österreich und Frankreich hängt Gold ziemlich hoch.

Von Medaillen träumen natürlich auch die Frauen und die haben mit Laura Dahlmeier die größte Herausforderin für die Favoritinnen. Die 22jährige Garmischerin klettert in ihrer Freizeit gerne auf die Berge, am Holmenkollen würde sie gerne aufs Treppchen klettern. Sie gilt als die perfekte Biathletin, sicher beim Schießen und schnell in der Loipe. Leider wird sie oft von Verletzungen und Krankheiten zurück geworfen. Wenn alles passt, geht der Weg zu Gold nur über die Laura. Mit vorne dabei will auch Franziska Hildebrand sein, die Nummer 5 im Weltcup. Sie hat erstaunliche Fortschritte in der Loipe gemacht und wurde von der Mitläuferin zur Siegläuferin. Auch die weiteren deutschen Starterinnen Franziska Preuß (16. im Weltcup), Miriam Gössner (19., wenn sie trifft, kann sie immer gewinnen, leider schießt sie mehr daneben), Vanessa Hinz (22-) und Maren Hammerschmidt (24.) sind alle unter den besten 25 im Weltcup zu finden. Ausdruck der Stärke: Deutschland ist im Nationencup führend vor Tschechien und Frankreich (bei den Männern Norwegen vor Deutschland und Russland).

Die Biathlon-Weltmeisterschaft ist allein schon vom legendären Austragungsort Holmenkollen her der Höhepunkt des Winters, beste Stimmung ist garantiert. In welcher Mannschaft die Stimmung besonders gut sein wird, dass wird man an den Medaillen ablesen können. Deutsche Erfolge garantieren jedenfalls die Gunst der Zuschauer zu Hause an den Fernsehgeräten. In den insgesamt elf Rennen sollten zumindest sechs deutsche Medaillen möglich sein.

Das WM-Programm: 

Donnerstag, 3. März: 15.30 Uhr Mixed-Staffel. – Samstag, 5.: 11.30 Sprint Männer, 14.30 Sprint Frauen. – Sonntag, 6.: 13.30 Verfolgung Männer, 15.45 Verfolgung Frauen. – Mittwoch, 9. März: 15 km Frauen. – Donnerstag, 10.: 20 km Männer. – Freitag, 11.: 15.30 Staffel Frauen. – Samstag, 12.: 15.30 Staffel Männer. Sonntag, 13.: 13.00 Massenstart Frauen, 15.00 Massenstart Männer.