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Tag: Mercedes

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung

 

Drei Mann und ein Befehl: Macht die Weltmeisterschaft der Formel 1 spannend! Diese drei Mann sind Titelverteidiger Lewis Hamilton, sein Herausforderer im Mercedes-Team Nico Rosberg und Sebastian Vettel im Ferrari. Vor allem ihm drücken die Formel-1-Fans die Daumen, die endlich wieder Spannung wollen. Selbst Mercedes wäre froh, mehr herausgefordert zu werden. Langeweile ist schlecht für das Geschäft, leichte Siege bringen keine Anerkennung. 22 Autos, aber nur drei, denen Siege zugetraut werden – die Formel 1 lebt von der Hoffnung.

Die neue Saison wird lang, die längste aller Zeiten. Von Melbourne am kommenden Sonntag, 20. März, bis Abu Dhabi am 27. November stehen 2016 erstmals 21 Rennen auf dem Programm. Auch Deutschland ist mit dem Hockenheimring (31. Juli) wieder dabei. 21 Rennen und Langeweile – nichts kann tödlicher sein.

Für Spannung könnte Nico Rosberg sorgen. „Es muss mein Jahr werden“, hofft er, weil er weiß, dass mit jedem Jahr hinter dem Rivalen Lewis Hamilton die Chance auf den Titel immer kleiner wird und sogar sein Cockpit in Gefahr gerät. Als der Engländer im letzten Jahr als Weltmeister feststand, siegte Rosberg plötzlich in den letzten drei Rennen. Ein Zeichen, dass er dem Druck nicht gewachsen ist? Die Bilanz 2015 sah Hamilton immer vorn: Zehn Siege (Rosberg 6), 17 Podestplätze (15), Elfmal Pole Position (7), 18 Rennen in den Punkten (17) und im Trainingsduell 12:7. Für Rosberg gibt es Verbesserungspotential. Aber der Deutsche strahlt nicht das Selbstbewusstsein des Engländers aus, der Extravaganzen liebt und sich die Gelassenheit offensichtlich im Showbusiness holt.

Für Spannung soll Sebastian Vettel sorgen. Er ist sich sicher, „unser Auto ist besser geworden“, aber er schränkt ein, „wir wissen nicht, wie viel besser auch der Mercedes geworden ist“. Im Vorjahr sorgte Vettel gleich im zweiten Rennen in Malaysia mit seinem Sieg für einen Paukenschlag, dann aber war es erst einmal vorbei. Erst im zehnten Rennen in Budapest klappte es wieder und schließlich noch einmal in Singapur. Drei Siege als Anfang, drei Siege als Hoffnung.

Traurig, dass von den restlichen Teams wohl keines für einen Sieg in Frage kommt. Selbst Vettel kann nur hoffen, dass er von Teamkollege Kimi Räikkönen Unterstützung bekommt. Williams, Red Bull, McLaren, Force India, Toro Rosso, Renault, Manor, Sauber und die Neulinge vom Team Haas kämpfen darum, zwischendurch wenigstens einmal auf dem Treppchen zu stehen. Red Bull möchte Williams Platz drei in der Konstrukteurswertung streitig machen. Von Erfolgen wie in der Vor-Hybrid-Ära sind sie weit entfernt.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung, aber auch von den Deutschen. Mercedes hat den besten Motor und stellt mit vier Piloten das Gros im Fahrerfeld. DTM-Meister Pascal Wehrlein bekam ein Cockpit bei Manor, das jetzt mit Mercedes-Motoren beliefert wird. Der 23jährige gilt als große Nachwuchshoffnung und sitzt Nico Rosberg im Nacken. Nico Hülkenberg will mit dem starken Force India wenigstens ab und zu aus dem Schatten von Rosberg und Vettel treten.

Neuerungen gibt es natürlich ebenfalls wieder, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Für die echten Renn-Fans erfreulich: Die Motoren werden wieder lauter. Das Qualifying soll dadurch interessanter werden, dass alle 90 Sekunden der Langsamste rausfliegt. Dadurch sollen alle Teams frühzeitig auf die Strecken gezwungen werden. Ein Pokerspiel wird es bei der Reifenwahl geben, 13 Sätze gibt es für ein Rennwochenende für jeden Fahrer, drei werden von Hersteller Pirelli vorgeschrieben, der neue Ultrasoft ist besonders weich und schnell. Die Top 10 müssen mit dem Reifensatz im Rennen starten, mit dem sie im zweiten Qualifying die Bestzeit erzielt haben. Die Formel 1 liebt es immer noch kompliziert. Es müssen ja nicht gleich alle den richtigen Überblick haben. Neu im Rennkalender ist auch Baku, am 19. Juni wird in der Hauptstadt von Aserbaidschan gefahren. Der bekannt geldgierige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat dort eine neue Einnahmequelle entdeckt. Unter diesem Aspekt ist die Zukunft in Deutschland ziemlich mit einem Fragezeichen zu versehen. Ob Hockenheim alle zwei Jahre das nötige Kleingeld besorgen kann, ist nicht sicher.

Noch immer sieht sich die Formel 1 als die Krone des Motorsports. Doch ist sie das wirklich, wenn nur drei von 22 Autos um den Titel fahren können, vielleicht aber auch wieder nur zwei? Die Formel 1 lebt von der Hoffnung und die Fans auch. Wie schön wäre es, wenn wenigstens die Hälfte des Feldes für den Sieg in Frage käme! Träume!

Die Rennen: 20. 3. Melbourne/Australien, 3. 4. Manama/Bahrain, 17. 4. Shanghai/China, 1. 5. Sotschi/Russland, 15. 5. Barcelona/Spanien, 29. 5. Monte Carlo/Monaco, 12. 6. Montreal/Kanada, 19. 6. Baku/Aserbaidschan, 3. 7. Spielberg/Österreich, 10. 7. Silverstone/England, 24. 7. Budapest/Ungarn, 31. 7. Hockenheim/Deutschland, 28. 8. Spa/Belgien, 4. 9. Monza/Italien, 18. 9. Singapur, 2. 10. Sepang/Malaysia, 9. 10. Suzuka/Japan, 23. 10. Austin/USA, 20. 10. Mexiko City/Mexiko, 13. 11. Sao Paulo/Brasilien, 27. 11. Abu Dhabi/VAE.

Formel-1-Traum: Spannender, lauter, billiger

Das ist gar nicht im Sinne der „Macher“ der Formel 1, besonders vom großen Zampano Bernie Ecclestone, der gerade seinen 85. Geburtstag gefeiert hat und noch nicht an die Rente denkt: Drei Rennen stehen noch aus, aber die Entscheidungen sind gefallen. Was bleibt ist Langeweile. Eine Langeweile, die bei den Fans auch während der Saison schon aufgekommen ist und deshalb rauchen die Köpfe der Verantwortlichen vor allem in Richtung Zukunft. Die Formel 1 soll wieder spannender, lauter, vor allem aber auch billiger werden. Bleibt das nur ein Traum?

Formel-1-Fans beschäftigt das Thema schon die ganze Saison, auch der Sport-Grantler hat sich damit beschäftigt (siehe am 27. Juli „Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden“). Passiert ist noch nichts, aber es pressiert und Vorschläge liegen auf dem Tisch. Aber es droht auch ein Aufstand, die kleineren Teams wollen mehr Geld. Sauber und Force India klagen bei der EU, sie sehen eine Wettbewerbsverzerrung und hinterfragen die Bonuszahlungen an die Top-Teams. Die Formel 1 soll also auch gerechter werden.

Die große Frage ist zunächst, wie die Formel 1 spannender werden kann. Mercedes und Lewis Hamilton dominierten das Geschehen in dieser Saison, frühzeitig waren Team- und Einzeltitel unter Dach und Fach. Dem Briten gefällt das, er feierte seinen dritten Titelgewinn und hat den vierten im Visier. Mannschaftskollege Nico Rosberg wurde notfalls von der Piste geschubst, wenn er im Wege stand. Die einen sagen „unfair“, die anderen sehen darin die Kaltblütigkeit eines echten Champions, Rosberg dagegen sei zu brav. Hamilton kann sich aber außerhalb des eigenen Hauses auf mehr Konkurrenz einstellen, nicht nur, weil Ferrari mit Sebastian Vettel aufholt und im nächsten Jahr chancenreich um den Titel kämpfen will.

Hamilton wird mehr Konkurrenz bekommen, weil Mercedes einen Teil seines technischen Vorsprungs freiwillig aufgibt und zugestimmt hat, dass die Konkurrenz früher als vorgesehen die Motoren weiterentwickeln darf. Auch Mercedes gewinnt lieber gegen starke Konkurrenz. Schlecht für das Geschäft wäre es nur, wenn die Konkurrenz so stark wird, dass Mercedes nicht mehr gewinnt… Wie auch immer, gewinnen könnte vor allem die Formel 1.

Mehr Konkurrenz versprechen sich manche auch davon, wenn es einheitliche Motoren gäbe, vor allem für die kleinen Teams, die unter den horrenden Preisen für Motoren stöhnen. Mehr Konkurrenz verspricht besseres Geschäft. Andererseits sind die Motoren sowieso der Knackpunkt. Mercedes sieht sich das Ganze von oben an, Ferrari arbeitet verzweifelt daran, die Lücke zu schließen, die anderen fahren hinterher. Vor allem Red Bull ist mit Renault nicht zufrieden, aber Mercedes und Ferrari wollen den einst übermächtigen Konkurrenten nicht wieder zur Nummer 1 machen. McLaren blockiert die Motorenlieferung von Honda, so dass sich Red Bull in der Zwickmühle befindet. Ein Rückzug von Red Bull und dem zweiten Team Toro Rosso würde der Formel 1 schaden und auch Mercedes und Ferrari nicht gefallen. Mal sehen, wer im Pokerspiel die besten Karten in der Hand hält.

Eins ist klar: Wieder einmal liegt die größte Spannung bei der Formel 1 in der Zukunftsfrage. Was kommt am Ende wirklich auf den Tisch, was wird Wirklichkeit und wie lange machen die Fans die Spielchen noch mit? Wieder einmal steht die Formel 1 am Scheideweg, wobei zumindest die Zielrichtung für alle klar ist: Spannender, lauter, billiger.

Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden

Die Formel 1 erlebte in den letzten Tagen Glück und Leid zugleich. Die Rennserie trauert um Jules Bianchi, der einen neun Monate langen Kampf um sein Leben verloren hat. Ein Unfall beim Großen Preis von Japan war ihm zum Verhängnis geworden. Seit 1994 hatte es keinen Toten mehr in der Formel 1 gegeben, entsprechend groß war der Schock. Der wich am Wochenende in Budapest aber einer neuen Hoffnung. Ein Chaos-Rennen sorgte dafür, dass Mercedes mal nicht auf dem Siegertreppchen stand und der zuletzt langweiligen Serie neues Leben eingehaucht wurde. Selbst Mercedes-Boss Niki Lauda freute sich als Verlierer: „Was für eine Show! Für die Formel 1 konnte es gar nicht besser laufen.“

Generell besser laufen soll es aber in der Zukunft. Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden. Zuletzt hatten andere Rennserien ihr fast den Rang abgelaufen. Jetzt geht die Formel 1 aber erst mal in Urlaub, es sind Sommerferien, am 23. August geht es in Spa weiter. Aber nicht nur in diesen Wochen, sondern spätestens bis zum Jahresende sollen die Weichen neu gestellt werden. Die Forderungen sind vielfältig, lassen sich aber kurz so zusammenfassen: Die Motoren sollen wieder lauter werden, die Fahrer wieder in den Mittelpunkt rücken und nicht die Technik, das Reglement transparenter werden und die Formel 1 insgesamt wieder näher an die Fans heranrücken. Doch das ist alles leichter gesagt, als getan.

Ecclestone: „Die Technik ist Mist“

Es gibt viele Köche, die im Brei rühren. Einer, der sich auskennt, ist sicherlich Ex-Teamchef Flavio Briatore. Er moniert: „Die Formel 1 ist heute zu clean, zu perfekt, zu brav. Wir haben keine Fahrer-WM, sondern eine Motoren-WM.“ Red-Bull-Teamchef Christian Horner liegt da auf seiner Linie: „Die Regeln sind zu kompliziert, die Autos nicht dramatisch genug, die Rennen zu langweilig.“ Selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ließ sich zu einem drastischen Urteil hinreißen: „Diese ganze Technik ist Mist.“ Niki Laudas Aussagen können als Ergänzung gesehen werden: „Es müssen wieder echte Männer fahren und keine Jünglinge, die nur an Knöpfen am Lenkrad spielen.“ Fazit: Die Formel 1 soll wieder echten Rennsport auf der Straße bieten und keine Ähnlichkeit mit Spielekonsolen haben.

Bernie Ecclestone hat die Formel 1 zu einem großen Geschäft gemacht, dabei aber übersehen, dass nicht nur einige Konzerne kassieren und die kleineren Rennställe zu Handlangern degradieren können, sondern dass das Gesamtgebäude stimmen muss. Auch die kleinen Firmen tragen die Formel 1, brechen sie weg, ist die Königsklasse nicht mehr rennfähig. Es muss also auch ein finanzielles Umdenken geben. Außerdem müssen die Rennen zurück zu den Fans, die Eintrittspreise billiger werden, die Standorte attraktiver. Es ist ja sicherlich reizvoll, die Formel 1 überall in der Welt fahren zu lassen, aber die Attraktivität nimmt insgesamt ab. Die Formel 1 wieder beliebig.

Die Krankheit ist erkannt, die Frage ist, ob die Doktoren bereit zur Operation sind. Der Patient Formel 1 liegt auf dem Operationstisch, jetzt müssen die richtigen Schnitte zur Gesundung gemacht werden. Chaos gefällt nur in den Rennen selbst, nicht in der Organisation.

Hinweis: Die veröffentlichten Zitate sind den Zeitschriften kicker und Bild am Sonntag entnommen.