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Tag: Real Madrid

Das ist ja irre: FIFA verkauft den Fußball

„Sind die alle irre geworden“, das sagte ein Freund mit einem Blick auf das Geschehen im Fußball in der vergangenen Woche. In der Tat könnte man meinen, die Fußball-Welt ist ein durcheinander geraten und wird auch noch von einem Präsidenten, der den Irrsinn als tolle Zukunft propagiert, regiert. Denn das ist ja wirklich irre: Die FIFA verkauft den Fußball.

Als Gianni Infantino das Amt des FIFA-Präsidenten von Joseph Blatter übernommen hat, um den Fußball-Weltverband nach Misswirtschaft und Korruption wieder in eine bessere, vor allem auch anständige Zukunft zu führen, da hatte der Sport-Grantler schon damals seine Zweifel. Es ist nichts besser geworden, eher schlechter. Der Fußball spielt beim Schweizer nicht die Hauptrolle, sondern das Geld. Man stelle sich vor: Der Fußball, der vom Verband geschützt werden soll, wird gewinnbringend verkauft! Im Mittelpunkt ein Angebot von 25 Milliarden, von dem Infantino nicht sagt, wer dahinter steckt. Aber die FIFA soll im Sinne dieser dubiosen Geldgeber entscheiden und Rechte abgeben. Und die nationalen Verbände machen mit, vor allem die kleinen Verbände, die teilweise nicht mal einen geregelten Spielbetrieb haben, aber kassieren und Infantino ihre Stimme geben. Infantino der Verkäufer.

Nach dem FIFA-Council in Miami ist Gianni Infantino seinen Zielen einen Schritt weitergekommen. Die umstrittene Klub-Weltmeisterschaft wird vom 21. Juni bis 4. Juli 2021 mit 24 Mannschaften stattfinden. Die ECA, die Vertretung der europäischen Klubs, hatte vorher dagegen protestiert („Kein europäischer Spitzenklub wird daran teilnehmen“), aber die Front bröckelt, Real Madrid und Bayern München zum Beispiel hatten unterschrieben, zeigen aber Interesse. Zugegeben, das alte Format war nicht attraktiv, aber das neue ist es auch nicht, doch es bringt Geld. „Her mit der WM“, jubiliert Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge fordert: „Die Ausschüttung soll an die Verbände gehen, das geht nicht, das muss an die Vereine gehen.“ Kasse ist wichtig, dabei raubt der Termin den Spielern den Sommer-Urlaub – oder wird der Ligen-Beginn wegen ein paar Spitzenklubs verschoben? Wir wissen: Geld vernebelt den Verstand. Außerdem: Eine Klub-WM wird nie die Begeisterung wie die richtige WM wecken, die Mehrheit eines Landes steht nur hinter der Nationalmannschaft.

Um Geld und Stimmen geht es auch bei Infantinos Ziel, bereits die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar mit 48 statt 32 Nationen stattfinden zu lassen. Generell hat er freie Fahrt bekommen, wenn sich Co-Gastgeber finden lassen. Eine Studie hat die Machbarkeit bestätigt, allerdings heißt es, dass diese Studie von der FIFA „gefärbt“ sei. Auch hier spielt allein das Geld eine Rolle, nicht der Sport, denn die Qualität sinkt und die Qualifikation verliert an Bedeutung und Spannung. Verbände und Vereine werden reich, aber die Fans sind arm dran. Der Fußball schaufelt sich mit Dollars sein eigenes Grab.

Beben in der Champions League

Dabei wäre der Fußball sportlich doch so interessant. Zum Beispiel auf Europas Bühnen. In der Champions League gab es buchstäblich ein Beben. Real Madrid raus, Paris St. Germain raus, Bayern München raus – das ist ja irre. Real wurde von den forschen Youngstern von Ajax Amsterdam mit 4:1 buchstäblich überrollt und befand sich kurz im Schockzustand, bis Präsident Perez Erfolgstrainer Zinedine Zidane erneut als Trainer präsentierte. Der Franzose soll Real auf den Erfolgsweg zurückbringen, was in der Meisterschaft schon klappte. Doch Titel kann er erst im nächsten Jahr gewinnen. Er war so klug, nach den größten Triumphen zurück zu treten, ob es jetzt klug ist, das Amt wieder zu übernehmen?

Die Trainer in Paris und München stehen nicht zur Debatte, Thomas Tuchel soll sogar seinen Vertrag verlängern, während in München an Niko Kovac ein bisschen gezweifelt wird. Ist er der richtige Mann für den Neuaufbau bei den Bayern? Die wirkten beim 1:3 gegen den FC Liverpool erstaunlich zahm und vor allem mutlos, kein Zeichen von „mia san mia“, dem sonstigen Wahlspruch. Das 6:0 gegen Mainz am Wochenende machte deutlich: Champions League und Bundesliga sind auch für die Bayern zwei Paar Stiefel, von den besten Klubs in Europa ist Deutschlands Spitze immer weiter entfernt und wird mangels Geld (schon wieder das Geld!) so schnell nicht aufschließen können. Die Bundesliga blamierte sich, bezeichnend das 0:7 von Schalke bei Manchester City und kein Tor von Dortmund gegen Tottenham. Erstmals seit 2006 ist die Bundesliga im Viertelfinale nicht vertreten. Dort spielen am 9./10. und 16./17. April Tottenham – Manchester City, Liverpool – Porto, Manchester United – FC Barcelona und Amsterdam – Juventus Turin.

Die Ehre der Bundesliga rettete Eintracht Frankfurt mit einem überzeugenden 1:0-Sieg bei Inter Mailand und dem Einzug ins Achtelfinale der Europa League. Dort ist Benfica Lissabon der nächste Gegner, was machbar erscheint, allerdings gab es in 48 Duellen von deutschen Klubs mit den Portugiesen nur 14 Siege. Immerhin, in der UEFA-Ranglist ist der wichtige vierte Rang für die Bundesliga nicht in Gefahr.

Die falsche Null von Huub Stevens

Es war ein Akt der Verzweiflung von Schalke O4, als der neue Sportvorstand Jochen Schneider den alten Recken Huub Stevens („Ich mache das aus Liebe zum Verein“) zusammen mit Mike Büskens als Co-Trainer als Nachfolger des entlassenen Domenico Tedesco präsentierte. Ist das irre? Das alte Motto von Stevens’ (Die Null muss stehen) kam gleich wieder zum Tragen, doch es war die falsche Null, Schalke unterlag Leipzig mit 0:1. Positiv: Der Kampfgeist wurde wiederbelebt. Die Bayern freuten sich, dass es wieder Bundesliga gab (siehe oben) und bauten den Vorsprung nach Toren gegenüber Dortmund aus. Aber die Borussia tat auch etwas für das Selbstbewusstsein mit dem 3:2 bei Hertha in der Nachspielzeit trotz Verletzungssorgen. So kann es also doch noch etwas mit der Meisterschaft werden. Alles wartet auf das direkte Duell am 6. April.

Eine Vorentscheidung im Abstiegskampf durch den 3:1-Sieg des FC Augsburg gegen Hannover. Nur ein Wunder kann Nürnberg, 20 Spiele ohne Sieg, und Hannover noch retten. Der FCA ging sogar an Schalke vorbei, Stuttgart wertet das 1:1 gegen Hoffenheim als positiv und hat mit dem Schweizer Steven Zuber einen neuen Star. Der feierte sogar seinen Tor-Erfolg gegen den eigenen Verein und die Fans, da er ja noch Hoffenheim gehört. Er verstieß damit gegen den unausgesprochenen Ethikcode, doch fühlt er sich halt ganz als Stuttgarter. Die Brisanz im Abstiegskampf bleibt erhalten, nach der Länderspielpause trifft Hannover auf Schalke und Augsburg kann in Nürnberg den Klassenerhalt fast perfekt machen.

Jetzt muss Jogi Löw liefern

Auf dem Irrweg befindet sich womöglich auch Bundestrainer Joachim Löw. Mit der Ausmusterung der Bayern-Stars Boateng, Hummels und Müller hat er sich selbst unter Druck gesetzt, jetzt muss er liefern. Vor den Länderspielen gegen Serbien am Mittwoch in Wolfsburg und den Niederlande am Sonntag in Amsterdam hat er sich selbst unter Druck gesetzt. Wenn die EM-Qualifikation mit einer Niederlage beginnt, werden die Kritiker laut werden. Vor allem, wenn es Abwehrfehler gibt. Löw will mehr Tempo und betont, „es war unerlässlich, etwas zu ändern“. Ob zum Beispiel Toni Kroos zum schnellen Spiel passt? Bezeichnend, dass vor dem Besuch in München oberste Geheimhaltung herrschte und nicht einmal der DFB-Präsident eingeweiht wurde. Löw weiß wohl, dass Reinhard Grindel gern plaudert…

Mit drei Neulingen (Klostermann, Stark, M. Eggestein) beginnt Löw die neue Zukunft, hoffentlich gibt es keinen Rückfall in alte Fehler, Das wäre ja dann wirklich irre.

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Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Bundesliga: Jahres-Endspurt, aber der Meister steht schon fest

Es ist am Sonntag erst Halbzeit, aber die wichtigste Entscheidung in der Fußball-Bundesliga ist bereits gefallen: Die Fans von Borussia Dortmund haben es hinausgeschrien – „Meister wird nur der BVB“. Die Statistiker bestätigen ihre Einschätzung: In 38 von 55 Fällen gewann der Herbst- bzw. Weihnachtsmeister am Ende auch den Titel und speziell die Borussen taten etwas für diese Statistik, weil sie nämlich in den Jahren ihrer Herbstmeisterschaft 1994/95, 95/96 und 2010/11 am Ende auch den Titel feierten. Also alles klar!

Die Bayern werden natürlich gegen das von der Statistik vorhergesagte Schicksal ankämpfen. Bisher haben sie um diese Zeit abgewehrt, wenn sie die Bundesliga ähnlich klar beherrschten wie derzeit Dortmund und schon als Meister ausgerufen wurden, wobei Präsident Uli Hoeneß eines der am meisten wiedergegebenen Zitate prägte: „Der Weihnachtsmann war noch nie der Osterhase.“ Außer vielleicht in der Schokoladen-Industrie. Was Hoeneß sagen wollte: Ein Vorsprung, und sei er noch so groß, kann noch verspielt werden. Das glaubt der Meister der letzten sechs Jahre diesmal besonders fest, weil er sich mit neun Punkten Rückstand in der Verfolgerrolle sieht. Die Münchner sind auch wieder ins Rollen gekommen, doch der Tabellenführer zeigt keine Schwächen. Und ohne Leistungseinbruch der Borussia bringen alle Siege den Bayern den Titel nicht mehr.

Auch für den Jahres-Endspurt sieht es nicht nach einer Schwächephase aus, Dortmund muss bei Aufsteiger Düsseldorf antreten und hat im letzten Hinrundenspiel am Freitag die lädierte Borussia aus Mönchengladbach zu Gast. Eigentlich ein Spitzenspiel, mit dem das ZDF in einer von drei Live-Übertragungen der Bundesliga Zuschauer gewinnen will, doch den Gladbachern gehen die Spieler aus. Jetzt erwischte es auch noch die Mannschaftsstützen Raffael und Stindl, Trainer Dieter Hecking ist der Verzweiflung nahe, aber Gladbach noch Zweiter. Den Platz wollen zur Jahreswechsel die Bayern belegen, doch sie haben hohe Hürden zu meistern: Leipzig und Frankfurt sind die Gegner, zwei Teams, die auch auf die Plätze für die Champions League schielen und die mit schnellem Umschaltspiel den Münchnern Probleme bereiten können. Insofern ein guter Test, ob der Titelverteidiger wirklich als ernsthafter Konkurrent von Dortmund in die Rückrunde (ab 18. Januar) gehen kann. Unabhängig davon, dass der Meister ja schon feststeht…

Etwas unverständlich ist, dass die DFL keine andere Terminplanung erarbeiten konnte, um einen Spieltag unmittelbar vor Weihnachten zu verhindern. Das am Tag vor dem Heiligen Abend noch um 18.00 Uhr gespielt wird (Hoffenheim – Mainz) ist weder für die Fans noch für die Spieler glücklich. Wieder ein Beispiel dafür, dass der Fußball auf die Fans zu wenig Rücksicht nimmt. Der Spieltag hätte im Laufe der Vorrunde früher einmal unter die Woche eingeschoben werden können, was allerdings den Fans auch nicht so gefällt, doch der Tag vor Weihnachten ist schon extrem schlecht. Ausländische Spieler, die auch Weihnachten feiern wollen, klagen und kommen zum Teil nicht rechtzeitig bei ihren Familien an.

So fragen wir uns, wer dann wirklich fröhliche Weihnachten feiern darf. Für Spannung ist ja gesorgt, vielleicht weniger an der Spitze (wie in den letzten Jahren schon durch die Bayern), umso mehr aber am Tabellenende. Da muckten Düsseldorf und Stuttgart auf, schickten Nürnberg und Hannover auf die Abstiegsplätze und zogen Augsburg und Schalke, die sich beim 1:1 die Punkten teilten, was keinem half, mit in den Strudel hinein. Nur wer in dieser Woche noch Punkte sammelt, wird zum Jahreswechsel zufrieden sein. Bei den anderen sehen fröhliche Weihnachten wohl anders aus. Beim Wunschzettel für das Christkind werden bei einigen Klubs Punkte wohl an erster Stelle stehen.

Bundesliga gegen Premier League

Andere Wünsche als die gezogenen Lose hatten wohl die Bundesligisten bei der Auslosung des Achtelfinales der Champions League (CL). Die „arme“ Bundesliga duelliert sich mit der „reichen“ Premier League. Im Mittelpunkt dabei vor allem das Duell des FC Bayern München mit Jürgen Klopps FC Liverpool, derzeit Tabellenführer in England. Da hatten sich die Bayern als Gruppensieger eigentlich einen leichteren Gegner gewünscht. Liverpool wollte keiner der Gruppensieger. Ist halt noch nicht Weihnachten. Klopp hätte ja eher zu Dortmund gepasst, doch die Borussia trifft auf Tottenham, zwar ein schweres Los, aber das leichteste der drei Bundesligisten. Schalke 04 darf sich auf die Rückkehr von Leroy Sane freuen und auf ein Wiedersehen mit Pep Guardiola, sich aber gegen Manchester City nichts ausrechnen. Bisher lag die Bundesliga im europäischen Abschneiden über dem Soll, den Aufwind zu bestätigen wird schwer. Vielleicht hilft ein Brief ans Christkind…

Das Achtelfinale der CL zieht sich wieder wie Kaugummi über einen Monat hin, gespielt wird vom 12. Februar bis 13. März. Das Achtelfinale ist aber auch ein Beispiel dafür, wie eine europäische Liga aussehen könnte, die ja immer wieder ins Gespräch wird. Aber diese Vergleichen zeigen doch auch, mit der Champions League ist der Fußball gut bedient. Auch Spiele wie Atletico Madrid gegen Juventus Turin (Rückkehr von Cristiano Ronaldo nach Madrid, wenn auch Atletico) und Manchester United gegen Paris St. Germain mit dem Trainer-Duell Mourinho gegen Tuchel elektrisieren in ganz Europa. Glücklich mit ihren Gegner werden die anderen spanischen Klubs sein, Titelverteidiger Real Madrid bekommt es mit Ajax Amsterdam zu tun und der FC Barcelona trifft auf Olympique Lyon. Mit AS Rom und dem FC Porto (Achtung: Das punktbeste Team der Gruppenphase!) treffen zwei Außenseiter aufeinander. Als der AS Rom seinen Gegner suchte, griff der Spanier Luis Garcia zur falschen Kugel, nämlich nur Porto und die Bayern standen zur Debatte. So eng liegen Glück und Pech beieinander, es gab also keine Dusel-Bayern. Vielleicht kommt es im Spiel zurück. Mut darf den Bayern machen, dass Liverpool Probleme in der Gruppenphase hatte und alle drei Auswärtsspiele verlor. Aber umsonst ist man auch nicht Tabellenführer in England.

In der Europa League haben die letzten zwei deutschen Vertreter keine ganz schweren Lose erwischt. Bayer Leverkusen sollte sich gegen den russischen Vertreter FK Krasnodar durchsetzen können, Eintracht Frankfurt hat es gegen Schachtar Donezk sicherlich schwerer, kann sich aber Tipps in Hoffenheim holen. Die Nagelsmann-Jungs sahen sich eigentlich als bessere Mannschaft, schieden aber aus, wurden in ihrer CL-Gruppe nach einem 2:2 und 2:3 gegen die Ukrainer Letzter. Die Eintracht setzt auf Zwietracht und will weiterkommen. Zunächst aber frohe Weihnachten für alle.

Real, Barcelona, Bayern: Die Krise der Großen

Fußball-Deutschland rätselt über die Schwäche des FC Bayern, die urplötzlich die Bundesliga auch an der Spitze wieder interessant machte. Was ist los mit dem Rekordmeister, der zuletzt sechsmal hintereinander den Titel gewann und ein Ende der Erfolgsserie eigentlich nicht in Sicht war? Und jetzt plötzlich der Absturz, quasi von Hundert auf Null. Aber die Münchner stehen nicht alleine da, vor allem in Spanien reiben sich die Fans ebenfalls die Augen. Tabellenführer dort ist der FC Sevilla, nicht der FC Barcelona und schon gar nicht Real Madrid. Der Fußball rätselt über die Krise der Großen.

Die Diskussionen sind passend, denn in dieser Woche stehen auch die europäischen Wettbewerbe an. Für den einen oder anderen Verein eine willkommene Gelegenheit, aus der Tristesse der nationalen Wettbewerbe wieder ein bisschen in die Sonne zu treten. Zum Beispiel für die Bayern, die mit einem Sieg über Benfica Lissabon den Einzug in die nächste Runde perfekt machen könnten. Allerdings wäre damit der Trainerstuhl von Niko Kovac noch nicht gesichert, aber die nächste Bewährungschance am Samstag in Bremen dürfte er wohl absolvieren. Bei einem erneuten Reinfall wäre wohl die kürzeste Trainer-Ära aller Zeiten bei den Bayern vorbei.

Allerdings stellt sich schon die Frage, welcher Trainer aus den Versagern wieder Meister machen könnte. Jupp Heynckes wird nicht noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehren. Ein Name geistert jedoch durch die Gerüchteküche: Arsene Wenger, 69-Jähriger Franzose, früher oft auf der Wunschliste der Münchner, aber von 1996 bis 2018 Arsenal London treu geblieben. Der Elsässer war bei Arsenal lange erfolgreich, am Ende war er jedoch ohne Fortune. Wenger will sich noch nicht aufs Altenteil zurückziehen und außerdem erfüllt er ein wichtiges Bayern-Kriterium: Er spricht neben französisch zudem deutsch, aber auch englisch und ein wenig italienisch, spanisch und sogar japanisch. Multi-Kulti, so wie es in den Mannschaften heutzutage auch zugeht. Kann die Bundesliga ihn reizen? Die Bayern als Verein sollten schon reizvoll sein.

Die Konkurrenz an der Bundesliga-Spitze ist vorsichtig und fürchtet nach wie vor ein Comeback der Bayern, die wie ein Dampfwalze die Konkurrenz noch einmal platt machen könnte, schließlich sind neun Punkte Rückstand nicht so viel, wenn man die 20 und mehr Punkte Vorsprung in den letzten Jahren ansieht. Aber aktuell spielt die Konkurrenz den besseren Fußball und ist glücklicher. So biegt Dortmund Rückstände um, ist Meister der 2. Halbzeit (Bayern Sechster), während Bayern eher in der 1. Halbzeit vorlegt und im ganzen Gegensatz zu früher am Ende noch die Siege aus den Händen gibt. Erster Dortmund-Verfolger bleibt Gladbach, spielt leichtfüßigen und schnellen Fußball, die Bayern im Gegensatz dazu schwerfällig. Eintracht Frankfurt lebt vom neuen „magischen Dreieck“ mit Jovic, Rebic und Haller, bewegliche Stürmer, die sich durchsetzen können, das Gegenteil zu Lewandowski, Ribery oder Robben. Zudem wurde bei Bayern aus dem selbstbewussten „mia san mia“ ein „wer san mia?“ Sie rätseln selbst und finden keinen Weg zu besseren Leistungen. Niko Kovac zaudert, Änderungen stehen bei ihm nicht oben an.

Die Krise der Bayern, die ihre letzten vier Heimspiele nicht gewinnen konnten, ist Teil der Krise der Großen. Real Madrid hat schon zum Trainerwechsel gegriffen und erneut einem Trainer aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben. Mit dem Coach der zweiten Mannschaft sollte es wieder aufwärts gehen, Santiago Solari sich auf den Spuren von Zinedine Zidane, der einst auch von der 2. Mannschaft kam, bewegen. Nach ersten Erfolgen erhielt er einen Vertrag – und verlor prompt jetzt beim Provinzklub Eibar mit 0:3. Aber Real steht in Spanien nicht allein, auch der FC Barcelona spielt, egal ob mit oder ohne Messi, holprigen Fußball. Das Resultat: Der Tabellenführer heißt FC Sevilla, hält den Platz an der Sonne mit 26 Punkten vor Barcelona (25) und Atletico Madrid (24). Real ist nur Sechster (20) und käme aktuell gerade mal in die Qualifikation zur Europa League.

Könnte die Krise der Spitzenklubs auch auf die anderen Ligen in Europa überschwappen? National muss sich zum Beispiel Thomas Tuchel mit Paris St. Germain keine Sorgen machen, aber international hängt die Zukunft am seidenen Faden. Das Problem: Die Stars Neymar und Cavani sind sich nicht grün, immer wieder flammt der Streit auf. Keine Erfolgsbasis. In England steht der Kampf um die Meisterschaft im Vordergrund und könnte die Kraft rauben, die in der Champions League dann fehlt. Manchester City kämpft um die Titelverteidigung, der FC Liverpool will endlich wieder Meister werden, bei der Titelvergabe wollen aber auch die Londoner Klubs Tottenham, Chelsea und Arsenal mitsprechen. Von Krise (vorerst?) keine Spur, ebenso wie in Italien bei Juventus Turin. Es muss ja auch Große ohne Sorgen geben.

Duell Dortmund – Bayern: Es geht um alles!

In der Fußball-Bundesliga sind erst zehn von 34 Spieltagen absolviert, doch das Gipfeltreffen Borussia Dortmund – Bayern München am Samstag (18.30 Uhr) hat bereits den Charakter eines Endspiels. Es geht um alles – vor allem natürlich für den FC Bayern, der als Titelverteidiger dem Rivalen aus dem Ruhrpott hinterher hechelt und am vergangenen Wochenende mit dem 1:1 gegen Freiburg nicht nur Boden verloren hat, sondern auch den Rückkehr der Krise verkraften muss. In Dortmund sieht es ganz anders aus, quasi das Gegenteil ist der Fall: In 15 Pflichtspielen ist die Borussia unter dem neuen Trainer Lucien Favre noch ungeschlagen, Höhenflug statt Krise also. Gewinnt Dortmund, kann es den Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen!

Rückblende: In den letzten sieben Jahren waren die Bayern nach dem 10. Spieltag jeweils Tabellenführer! Schlechter sah es nur in der Saison 2010/11 aus, mit Platz 7 und 10 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund. Trainer war damals Louis van Gaal. Am 11. Spieltag gab es ein 3:3 in Gladbach, mit dem Abrutschen auf Platz 9 und12 Punkte Rückstand auf Dortmund.

Früher hieß es bei dem Star-Ensemble der Münchner, diese Mannschaft könnte auch der Platzwart trainieren. Man sah zuletzt, dies gilt nicht mehr. Niko Kovac hat sein „Meisterstück“ mit dem Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt (gegen die Bayern!) gemacht und sich damit empfohlen. Mit der Ansammlung der Stars hat er aber offensichtlich seine Probleme. Verloren gegangen ist der spielerische Glanz, mit dem die Bayern einst unter Pep Guardiola beeindruckten, weggeblasen ist das Selbstbewusstsein, das „mia san mia“, das noch unter Jupp Heynckes zum Titelgewinn führte. Abgelöst wurde es von Unsicherheit und Unzufriedenheit, „Markenzeichen“ heute sind schlampige Pässe, Fehler in der Abwehr und mangelnde Chancenverwertung. Klingt eigentlich nach den Sorgen eines Absteigers.

Bezeichnend: Nationaltorhüter Manuel Neuer bekommt kaum einen Ball zu fassen, von den letzten zehn Schüssen waren acht im Netz. Torjäger Robert Lewandowski ging die Selbstverständlichkeit verloren, bei einer entscheidenden Szene vor dem Freiburger Tor musste er nachdenken, ob er den linken oder rechten Fuß nimmt – Chance vorbei. Wenn ein Torjäger nachdenkt, trifft er nicht. Die Versetzung von Joshua Kimmich als Thiago-Ersatz (im Pokalspiel verletzt) ins Mittelfeld erwies sich als Flop, Kimmich produzierte fast nur Fehlpässe, aber Kovac reagierte nicht. Ein Problem ist auch, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic keine Führungsstärke zeigt, um dem Trainer zur Seite zu stehen, die Spieler an die Kandare zu nehmen. Vier Heimspiele in Folge konnten die Bayern jetzt nicht gewinnen, wenn das keine Krise ist. Das lässt auch nichts Gutes erahnen für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen AEK Athen, obwohl die Bayern das Hinspiel mit 2:0 gewannen. Auswärts sind sie auch in der Bundesliga noch das stärkste Team. Ein Hoffnungsschimmer für Dortmund?

Eins ist sicher: In Dortmund geht es um alles. Es folgt die Länderspielpause und damit Zeit für die Verantwortlichen, sich nach einem Nachfolger für Niko Kovac umzusehen, der die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringt (Jupp Heynckes wird es wohl kaum sein!). Nur ein Sieg rettet wohl den Coach. Er muss seinem Team endlich seine Handschrift verpassen, er muss taktisch zeigen, dass er der Aufgabe gewachsen ist. Dortmund hat in dieser Woche auch die Leichtigkeit verloren, aber der Tabellenführer machte das, was bisher die Bayern auszeichnete und zum Erfolg führte: Schlechte Spiele dennoch gewinnen.

Von Siegen träumen auch andere Teams, am Tabellenende drohen die Schlusslichter Stuttgart und Düsseldorf (die kurioserweise beide 0:3 verloren und gleichauf blieben) und Hannover (mit sechs Punkten einen Zähler mehr) den Anschluss nach oben zu verlieren. Die Saison ist zwar noch lang, aber sie wird besonders schwer, wenn der Rückstand zu groß wird. Insofern stehen da auch zwei „Endspiele“ an, nämlich Nürnberg gegen Stuttgart und Hannover gegen Wolfsburg, Für Düsseldorf könnten die Punkte gegen Hertha BSC besonders hoch hängen.

Hirngespinst „Super League

Geht es auch für die Bundesliga um alles? In den letzten Tagen geisterte wieder einmal das Hirngespinst einer europäischen „Super League“ durch die Medien. Offensichtlich arbeitet vor allem Real Madrids Vereinsboss Perez an der Umsetzung einer alten Idee der Spitzenklubs, die immer wieder aufmucken, weil sie sich mit dem „Fußvolk“ der nicht ganz so großen Vereine nicht abgeben wollen. Doch der Drang nach der große Kasse wurde bisher immer von der Vernunft und der Realität gebremst und so wird es auch diesmal wieder sein. Allein die gesamte Organisation würde in Unordnung geraten, die Pläne-Schmieder konnten nicht beantworten, was zum Beispiel mit den Nationalspielern passiert, wenn sie die Verbände verlassen wollen. Eine eigene Luxus-Liga gerät schnell an ihre Grenzen.

Und so wird es auch für die Bundesliga nicht um alles gehen, auch wenn Beteuerungen aus Dortmund und München, die nationale Liga nicht verlassen zu wollen, keineswegs eine Garantie für die Zukunft sind. Die Super League könnte nur an die Stelle der Champions League treten, wäre aber auf Dauer selbst bei großer Gewinn-Marge am Ende sportlich und gesellschaftlich eher ein Verlustgeschäft.

Dem Fußball würde es mehr helfen, wenn sich auch die geldgierigen Vereinsbosse damit beschäftigen würden, Korruption und unlautere Geschäfte zu ahnden bzw. zu verbannen. Was rund um FIFA-Präsident Infantino erneut an die Öffentlichkeit kam, lässt nur einen Schluss zu: Beim Weltverband wurde unter dem neuen Präsidenten alles nur noch korrupter und schlechter. Eine Tatsache, die nach der Ära Josef Blatter eigentlich als undenkbar schien. Aber das wurde hier schon oft angeprangert.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Dortmund Meister des Comebacks – Bald Comeback als Meister?

Es war eines der spektakulärsten Spiele der Bundesliga-Geschichte und nicht nur rein zufällig war Borussia Dortmund beteiligt. Beim 4:3 gegen den FC Augsburg, mit dem Siegtreffer durch einen Freistoß in letzter Sekunde, zeigt der noch ungeschlagene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga alles, was den Fans gefällt und zum Erfolg führt: Schwung, Punch, Begeisterung. Trainer Lucien Favre war nicht glücklich über die Anzahl der Gegentreffer, aber glücklich über das Spiel: „Fantastisch“.

Die junge Dortmunder Mannschaft (im Schnitt gerade mal 23,8 Jahre alt) beeindruckt mit den jungen Flügelflitzern Sancho, Pulisic und Brunn Larsen (geführt von Kapitän Marco Reus), zeigt sich andererseits aber unbeeindruckt von Rückständen und beweist sich als Meister des Comebacks, als Meister der zweiten Halbzeit (in Leverkusen 4:2 nach 0:2) und der letzten Minuten. Die Moral bleibt scheinbar ungebrochen. Und der Trainer hat ein glückliches Händchen, was Joker-Tor en masse beweisen, und er hat den Spanier Alcacer. Der Torjäger wurde vom FC Barcelona ausgeliehen und wird von Favre erst im Laufe des Spiels aufs Feld geschickt, aber dann kracht es. Mit sechs Treffern führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Favre will den Torjäger, der auch das Comeback in der Nationalmannschaft feiern kann, langsam aufbauen: „Er hat drei Jahre lang kein Spiel über 90 Minuten bestritten.“

Die Augsburger mussten sich vorkommen wie im falschen Film. Sie machten ihrem Ruf als „nervigste Mannschaft der Bundesliga“ alle Ehre, ärgerten nach den Bayern (1:1) auch Dortmund, führten 1:0 und 2:1, glichen in der 87. Minute zum 3:3 aus und mussten doch mit leeren Händen abreisen, weil Alcacer in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß durch die sich auflösenden Mauer ins Netz donnerte. Mitspieler berichten, „das macht er im Training auch immer so“. Beim FCA dagegen ist fast Verzweiflung angesagt, wieder gut gespielt, wieder Lob, wieder keine Punkte. Acht sind es bisher in sieben Spielen, vier wurden schon durch Torwartfehler verschenkt und jetzt dies. Der FCA könnte Sechster sein, nicht Zehnter wie aktuell, mit nur drei Zählern Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Sechster ist, man höre und staune, der FC Bayern München. Die Lust am Oktoberfest ist den Münchnern am Sonntag zwar nicht vergangen, aber der Frust sitzt tief, Trainer Niko Kovac aber angeblich noch fest auf seinem Trainerstuhl. Präsident Uli Hoeneß hat ihm die Absolution erteilt, „ich werde ihn bis aufs Blut verteidigen“ – aber wie lange noch. Die Länderspielpause muss zur Ursachenfindung genutzt werden, aber schon seltsam, dass alle Stärken der ersten vier Spiele wie weggeblasen sind. Da ist vor allem auch Hasan Salihamidzic als Sportdirektor gefordert, der bisher nur Allgemeinplätze von sich gab („Wir werden gestärkt zurückkommen“).

Bayern nur Sechster, das gab es zuletzt 2010 unter Trainer Louis van Gaal, als die Bayern zum Oktoberfest nach drei Niederlagen 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz (!) hatten und gerade mal Zwölfter waren. Diesen Absturz soll es nicht wieder geben, aber die Bayern präsentieren sich als das Gegenteil von Dortmund: Teilnahmslos, müde und erschreckend harmlos. Beim 0:3 gegen Gladbach traf der Gegner wie er wollte, wurden die Punkte mit eklatanten Fehlern quasi auf dem Silbertablett serviert, aber die Bayern selbst kamen kaum einmal zu gefährlichen Aktionen. Die Wende soll ab dem 20. Oktober in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, danach geht es zum Schlagerspiel nach Dortmund. Der Tabellenführer selbst hat Stuttgart, Hertha BSC und ebenfalls Wolfsburg vor der Brust, könnte also ungeschlagen auf die Bayern treffen – und dann die Weichen stellen für ein weiteres Comeback, für das Comeback als Meister!

Stuttgarts seltsame Tradition

Alles schaute auf die Bayern und was mit Trainer Niko Kovac passiert, da war ein anderer Verein mit der Entlassung seines Coaches schon schneller: Beim VfB Stuttgart brach nach dem Absturz auf den letzten Platz die Panik aus und Trainer Tayfun Korkut musste gehen. Seltsam, es hat fast schon Tradition beim VfB, dass der Trainer im Herbst gehen muss. Seit 2008 wurden sieben Coaches in dieser Zeit geschasst. Seltsame Parallelen auch, meist nach erfolgreicher Arbeit in der Rückrunde, also im Frühjahr. Korkut wurde wohl die defensive Spielweise zum Verhängnis. Markus Weinzierl, seit seinem Schalke-Gastspiel arbeitslos und einst in Augsburg erfolgreich, wird als heißer Nachfolger gehandelt. Vor einem Jahr wollte er keinen Vertrag nur bis Saisonende unterschreiben. Viel mehr wird es in Stuttgart aber sowieso nicht… Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Was auffällt, ist, dass die Bayern nicht die einzige Spitzenmannschaft in Europa sind, die als Anwärter auf den Sieg in der Champions League gilt, aber mit Problemen zu kämpfen hat. Frust schiebt auch Real Madrid, drei Niederlagen in den letzten vier Spielen bringen Trainer Lopetegui in die Schusslinie, der Abgang von Cristiano Ronaldo wurde offensichtlich nicht verkraftet. So ist Real in der La Liga nur Vierter, zwei Punkte hinter Überraschungstabellenführer FC Sevilla, weil auch Titelverteidiger FC Barcelona mit Messi nicht richtig in die Spur findet und sich vorerst mit Platz zwei zufrieden geben muss. Seltsam, dass die Barca-Stars schon im Oktober müde wirken. Dabei hatten sie doch gar kein Oktoberfest.

Deutschland auf Platz eins

Real patzte auch in der Champions League mit der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau, was die Krise noch ein bisschen ernster macht. Barca zeigte sich da mit einem 4:2-Erfolg bei den Tottenham Hotspur voll auf der Höhe. Wie übrigens auch die deutschen Klubs, die sich in dieser Saison auf Europas Bühne von der besten Seite zeigen und wirklich Wiedergutmachung für die UEFA-Rangliste betreiben. Deutschland führt derzeit die Jahresliste sogar an. Getrübt wurde die Bilanz nur durch das unglückliche und verletzungsgeplagte Hoffenheim mit einem 1:2 gegen Pep Guardiolas Manchester City und eben durch die Bayern, für die das 1:1 gegen Ajax Amsterdam fast schon eine Niederlage war, aber auch eine Bestätigung der Krise, die sich gegen Gladbach noch verschärfte. Insgesamt aber nehmen die Bundesliga-Klubs die Wettbewerbe in Champions- und Europa League offensichtlich wieder ernsthafter und mit Erfolgshunger an. Wird ja auch Zeit.

Löws Kampf gegen den Abstieg

Erfolgshunger muss die deutsche Nationalmannschaft auch zeigen, in der Nations League, die jetzt in der zweiten Länderspielpause in den Mittelpunkt rückt. Zwei richtungsweisende Spiele stehen für Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs an, nämlich am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag, 16. Oktober, in Paris das Rückspiel gegen Weltmeister Frankreich (Hinspiel 0:0). Gerade gegen die Niederlande geht es schon um den Klassenerhalt in der Dreier-Gruppe. Es treffen da zwei Teams aufeinander, die zuletzt Probleme hatten. Die Niederlande sicherlich noch mehr, aber so richtig Zutrauen zum DFB-Team und Jogi Löw haben die deutschen Fans auch noch nicht.

So sorgte der Bundestrainer für Verwirrung mit der Nominierung von Stürmer Mark Uth, der bei Schalke oft nur auf der Ersatzbank sitzt. Als er in Hoffenheim zum Torjäger mutierte, zeigte ihm Löw noch die kalte Schulter. Eine erhebliche Schwächung stellt die Absage von Marco Reus da, der Dortmunder Kapitän klagt über Kniebeschwerden und will sich schonen. Der Verein geht vor. Nach Özils Rücktritt und da auch Gündogan verletzt ausfällt, wird ein Spielgestalter neben Toni Kroos gesucht. Möglich, dass der 19-Jährige Leverkusener Kai Havertz ins kalte Wasser geworfen wird. Hoffentlich geht dann Deutschland mit ihm nicht unter. Wäre ja blöd, wenn sich die Fans in der Niederlande revanchieren könnten, für die beliebten Gesänge in Deutschland: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM!“