Der Sport – Grantler

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Tag: Tiger Woods

Der Selbstbetrug der deutschen Golfer – Der Senior ist die Ausnahme

Nur damit es keine Verunsicherung gibt, wir schreiben schon noch das Jahr 2018. Allerdings nicht im Golf, da hat bei den Profiturnieren bereits die Saison 2019 begonnen. Höchste Zeit also, noch einmal auf das Jahr 2018 zu schauen, aber aus deutscher Sicht ist dieser Rückblick keineswegs erfreulich. Und der Ausblick auf 2019 ist es auch nicht. Das deutsche Golf, das so gern mit Vorzeige-Golfern glänzen möchte, fristet weiter ein Schattendasein, was das Spitzengolf angeht. Freilich, keine Regel ohne Ausnahme – und die stellt ausgerechnet ein Senior dar.

Der 61-Jährige Bernhard Langer aus Anhausen bei Augsburg, der heute in Florida lebt, ist immer noch der beste deutsche Golfer, vor allem der Beständigste. Auf der amerikanischen Champions Tour der Senioren bricht er alle Rekorde und lässt der Konkurrenz fast keine Chance, kein anderer Spieler hat so viele Major-Siege bei den Senioren errungen. Konkurrenten wie der Spanier Jimenez ziehen verbal den Hut: „Er hat ein extra solides Spiel, er verliert so gut wie keinen Schlag.“ Auch bei den aktiven Profis kann der „Alte“ noch mithalten, bei den British Open zum Beispiel war Langer als 24. bester Deutscher.

Martin Kaymer und Co. können sich also vom Senior schon noch eine Scheibe abschneiden. Sie formulieren nur mit Worten das, was Langer vorlebt – solides Spiel. Egal ob der Mettmanner selbst, der immer als Langer-Nachfolger bezeichnet wurde, oder seine Kollegen wie Maximilian Kieffer und Marcel Siem, sie brachten kaum gute Ergebnisse ins Ziel und äußerten sich nach Enttäuschungen ähnlich: „Das Spiel war gut, ich bin zufrieden, es fehlt nur noch an Kleinigkeiten, ich bin auf einem guten Weg.“ Worte, die man am Ende der Saison nur als Selbstbetrug bezeichnen kann, denn auf einem guten Weg war keiner.

Martin Kaymer gewann 2018 kein Turnier, auf der European Tour waren sieben Deutsche unterwegs, die meisten mussten absteigen, gerade mal Kieffer, Bernd Ritthammer und Aufsteiger Max Schmitt blieben übrig. Der Rest wie Florian Fritsch, Alexander Knappe oder Sebastian Heisele und sogar Marcel Siem muss sich über die Challenge Tour neu nach oben kämpfen. Marcel Siem ist das beste Beispiel für den Rückschritt der deutschen Spitzengolfer. Einst träumte er von den Top 50 in der Weltrangliste, jetzt kämpft er auf der drittklassigen Tour. Martin Kaymer, immerhin 2010 und 2014 mit Major-Siege, war 2014 die Nummer 1 der Welt, heute dümpelt er auf Platz 163. Eine gute Zukunft schaut anders aus. Immerhin behauptet er: „Ich weiß, woran ich im Winter arbeiten muss.“ Mit Erfolg oder wieder Selbstbetrug? Wir werden sehen.

Ein bisschen Hoffnung gibt es allerdings, die Hoffnung heißt Max Schmitt und ist gerade mal 20 Jahre alt. Der Andernacher vom Golfclub Rheinhessen war einst bester Amateur in Europa und schaffte wie gesagt den Aufstieg in die European Tour und dort glänzte er mit vorderen Platzierungen bei den ersten Turnieren für die Saison 2019. Als Vorbilder gibt er Bubba Watson und nicht weniger als Tiger Woods an. Große Fußstapfen wären das, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Es kann ja nur aufwärts gehen, im Moment ist Max Schmitt noch die Nummer 660 in der Weltrangliste.

Zwei Golfer vertreten die deutschen Farben fast ausschließlich in Nordamerika auf der PGA-Tour und das allein ist ja schon eine Leistung. Der Münchner Stephan Jäger begann seine Golf-Karriere schon früh in den USA, Alex Cejka, in Marienbad geboren, begann im Golfclub Hanau, hatte aber nach guten Leistungen auch schnell das Ziel USA. Die ganz großen Siege blieben aus, aber als unverwüstlicher Marathon-Mann mit vielen Turnieren trotz gesundheitlicher Rückschläge hat er sich ein gewisses Maß an Anerkennung unter den Kollegen erarbeitet oder soll man sagen „erlitten“. Cejka, inzwischen 47, träumt schon von der Champions Tour der Senioren.

Das deutsche Golf träumt auch 2018 weiter von Spitzengolf und deutschen Siegen bei den Profis. Im Mittelpunkt steht aber der deutsche „Normal-Golfer“, der aus Spaß am Sport auf den Platz geht. Aber ohne große Erfolge im Spitzensport gibt es keine Aufmerksamkeit im Breitensport und so stagniert das Interesse, die Schallmauer von 700.000 Mitgliedern konnte der Deutsche Golf-Verband noch nicht knacken. Ganz im Gegenteil, immer mehr Golf-Clubs klagen eher über finanzielle Probleme, vor allem die Golf-Gastronomie befindet sich in einer Krise. Keine guten Aussichten, aber dennoch allen Hobby-Golfer „schönes Spiel“ und den Profis „erfolgreiches Spiel“ für die Saison 2019.

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Aufbruchstimmung in der Bundesliga und Bayern leidet

Schon vor einer Woche hatte der Sport-Grantler davon gesprochen, dass die Bundesliga in diesem Jahr ihr besseres Gesicht zeigt. Die Liga wollte ihn wohl bestätigen, denn in der englischen Woche war buchstäblich eine Aufbruchstimmung zu spüren. Einer der Leidtragenden war ausgerechnet der Abonnementsmeister FC Bayern München: Nur 1:1 gegen den FC Augsburg, 0:2 bei Hertha BSC Berlin. Die Bundesliga lacht und Bayern leidet.

Wenn die Bayern gewinnen, klagen die Medien: Warum zeigt keiner Mut, den übermächtigen Münchner Paroli zu bieten, warum haben alle Angst, warum kämpft keiner gegen die Langeweile? Vergessen wir das, wobei auch vergessen wird, dass die Bayern am 5. Spieltag des Vorjahres auch nur Zweiter waren, mit 12 Punkten einen Zähler hinter Dortmund, dass sich jetzt wieder an die Spitze schoss. Damals saß noch der Italiener Carlo Ancelotti auf der Münchner Trainerbank, das 2:2 gegen Wolfsburg den Spieltag darauf war sein letzter Auftritt in der Bundesliga. Ein Trainerwechsel deutet sich bei den Bayern diesmal nicht an, der neue Coach Niko Kovac reagiert auf die Punktverluste mit dem Münchner Selbstverständnis: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Thomas Müller ergänzt: „Wir müssen wieder unser wahres Gesicht zeigen.“ Leidtragende sollen in dieser Woche Ajax Amsterdam in der Champions League am Dienstag und Borussia Mönchengladbach am Samstag sein. Dann ist Länderspielpause – mit Ruhe in München oder Unruhe?

Augsburg und Berlin haben es also vorgemacht, Angst vor den Bayern muss nicht sein, es geht auch anders, aber auch nur mit einem ungeheuren Einsatz. Aufbruchstimmung verbreitet vor allem Borussia Dortmund. Im Gegensatz zu den Bayern drehten die Borussen einen 0:2-Rückstand in Leverkusen, schossen sich mit 4:2 an die Spitze und sind die einzige noch ungeschlagene Mannschaft. Über das Ziel wollen sie nicht hinausschießen, sehen das nur als Momentaufnahme. Aber die Zukunft könnte den Westfalen gehören, die mit einer jungen Mannschaft antraten, im Schnitt 23,56 Jahre alt, den Bayern nutzte alle Routine nichts (im Schnitt 28,19 Jahre alt). Nächster Prüfstein ist Augsburg, das nach Bayern den nächsten Favoriten ärgern will.

Aufbruchstimmung aber auch am Tabellenende, Schalke und Stuttgart feierten ihren ersten Saisonsieg und ließen damit die aufkommenden Kritiker verstummen. Ähnliches gilt für Neuling Nürnberg, wo ein 3:0 gegen Mitaufsteiger Düsseldorf die Situation rund um den Verein beruhigte. Ohne Sieg ist nur noch das neue Schlusslicht Hannover 96. Unruhe bei den Niedersachsen ist fast schon obligatorisch (siehe Fanprotest gegen Boss Kind) und jetzt fast logisch. Die Leistungen bisher machen aber auch nur wenig Hoffnung.

Aufbruchstimmung aber auch bei den Torjägern – und der Titelverteidiger der Torjäger-Kanone, Robert Lewandowski, schaut torlos zu. Die größte Auferstehung feierte der Isländer Alfred Finnbogason beim FC Augsburg. Nach langer Verletzungspause stand er erstmals in der Startelf und schoss den SC Freiburg gleich mit drei Treffern ab. Das machte gute Laune bei den bayerischen Schwaben, die ja zuletzt unter Torwartfehlern litten. Tore vorn sind besser als Tore hinten, doch ein „Slapstickgegentreffer“ durfte es auch diesmal sein. Aber auch die Torjäger in Gladbach und Dortmund beeindruckten, Die Neuzugänge Plea in Gladbach und Alcacer in Dortmund erweisen sich als Volltreffer.

Noch ein Spieltag, dann geht die Bundesliga in die Länderspielpause. Da lechzen am Wochenende alle nach einem Erfolgserlebnis, denn nur das verschafft gute Stimmung für die zwei Wochen ohne Punktspiele. Das Gegenteil könnte eine Unruhe sein, die die ganze Saison negativ beeinflussen kann. In Champions- und Europa League sind die Bundesligisten wieder gefordert, die Aufbruchstimmung national auch international zu zeigen. Den dicksten Brocken hat Hoffenheim mit Manchester City vor der Brust, die Bundesliga aber freut sich auf die Rückkehr von Meister-Trainer Pep Guardiola.

Einen Erfolg errang der deutsche Fußball am Donnerstag mit dem Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2024. Beim Kontrahenten Türkei war das Jammern natürlich groß, einen Betrug zu wittern, geht aber an den Tatsachen vorbei und kann nur damit entschuldigt werden, dass Bestechung und Korruption im Fußball noch nicht ausgerottet sind. Der DFB allerdings hat seine Bewerbung diesmal so transparent wie möglich gestaltet und sicher nicht wegen falscher Versprechungen gewonnen. Die Türken eher wegen nicht einzuhaltender Versprechungen verloren.

Niederlagen fair hinzunehmen gelingt nicht jedem. Superstar Cristiano Ronaldo schon gleich gar nicht. Der Portugiese blieb schon der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ fern, als er hörte, dass er nicht der Sieger sein würde. Der Kroate Luka Modric siegte jetzt auch bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ und musste ohne die Seriensieger feiern, denn neben Ronaldo ließ sich auch Messi wegen privater Verpflichtungen entschuldigen. Na ja, siegen ist leichter als verlieren. Bei den Frauen gewann übrigens Marta (Brasilien), Trainer des Jahres wurde (logisch) Weltmeister Didier Deschamps (Frankreich), bei den Frauen Reynald Pedros (Lyon).

Ryder Cup nichts für den Tiger

Das Großereignis des Wochenendes war natürlich der Ryder Cup der Golfer in Paris und die Stimmung dort mit einem Fest im Fußball vergleichbar. Rund 270.000 Zuschauer an den drei Tagen sorgten für eine Atmosphäre, wie es sie sonst beim Golf nicht gibt. Superstar Tiger Woods „veredelte“ zwar durch seine Teilnahme die Veranstaltung (siehe Kommentar zuvor), aber nicht mit seiner Leistung. Der Tiger und der Ryder Cup passen nicht zusammen. Obwohl in Bestform angereist, verlor der Amerikaner alle seine vier Auftritte. Das Gegenteil schaffte der Spanier Sergio Garcia. Der war zuletzt nicht in Form, triumphierte aber in Paris und ist am Ende neuer Rekordhalter des Kontinentalvergleichs mit 25,5 Punkten (der Deutsche Bernhard Langer liegt übrigens mit 24 Punkten auf Rang drei). Besonders gefeiert haben die siegreichen Europäer, denen mit 17,5: 10,5 eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage vor zwei Jahren in den USA gelang, Francesco Molinari. Im Gegensatz zu Woods steht der Italiener sonst nicht im Rampenlicht, jetzt aber siegte er bei allen seinen Auftritten, zweimal zusammen mit Tommy Fleetwood auch gegen den Tiger. Die schlechte Serie von Woods blieb damit ebenso erhalten wie die der USA, die die letzten 25 Jahren in Europa nicht gewinnen konnte.

Tiger Woods veredelt den Ryder Cup – Deutschland im Abseits

Die Golf-Welt schaut von Freitag bis Sonntag, vom 28. bis 30. September, nach Paris. Nein, es werden nicht allein die Golf-Fans Interesse zeigen, sondern die Sport-Fans generell, denn der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, ist einer der Höhepunkte im Sportkalender. Seit 1979 duellieren sich diese zwei Mannschaften alle zwei Jahre um einen Pokal, den 1927 der Saatguthändler Samuel Ryder aus England gestiftet hatte. Aus einer Idee wurde ein Großereignis.

In Deutschland schaut man mit Wehmut nach Paris – Deutschland steht im Abseits. Kein deutscher Profi hat es in diesem Jahr ins europäische Ryder-Cup-Team geschafft, die Golfer haben da etwas mit den Fußball-Profis der Saison 17/18 gemeinsam – international zu schlecht. Martin Kaymer, 2012 noch ein Ryder-Cup-Held, als er den entscheidenden Putt zum Sieg versenkte, liegt gerade noch auf Platz 154 in der Weltrangliste. Vor vier Jahren war er noch die Nummer 1! Bernhard Langer, immer noch Deutschlands populärster und bester Golfer, führte 2004 Europa als Kapitän zum Sieg. Die glorreichen Zeiten sind vorbei.

Deutschland schaut aber auch mit Wehmut nach Paris, weil man ja eigentlich selbst Gastgeber sein wollte. Im Wittelsbacher Golf-Club sollte sich die Elite ein Stelldichein geben, aber die Anlage in der Nähe von Ingolstadt war ohne Chance gegen Le Golf National, rund 45 Autominuten weg von Paris, dem Zentrum des französischen Golfs. Deutschland wird weiter im Abseits bleiben, auch für 2022 gab es eine Niederlage, das A-Resort Berlin muss dann zusehen, wenn Rom den nächsten Ryder Cup in Europa austrägt. Daumen drücken dürfen die Deutschen dennoch dem Team Europa, dass der Däne Thomas Björn als Kapitän anführt. Sein Gegenspieler ist Jim Furyk. Verdiente Spieler erhalten die Ehre, die Mannschaft als Kapitän in den Wettkampf zu führen.

Den Ryder Cup quasi veredelt hat in den letzten Tagen Golf-Hero Tiger Woods. Mit seinem Sieg beim Finale des FedEx-Cup in Atlanta gelang ihm eines der größten Comebacks des Sports überhaupt. Es war sein 80. Titelgewinn auf der PGA-Tour, genau 1876 Tage nach seinem letzten Triumph. Die Golfwelt hat daran ebenso wenig geglaubt, wie der Amerikaner selbst: „Ich konnte nicht sitzen, nicht stehen, nicht gehen, nicht liegen ohne diese Schmerzen in Rücken und Beinen, ich war zutiefst verzweifelt,“ blickt die lebende Golf-Ikone an schwere Zeiten mit vier Rücken-Operationen seit April 2014 zurück. Erst als der fünfte Lendenwirbel und der erste Steißbeinwirbel verbunden und versteift wurden, kam Tiger Woods wieder auf die Füße. Ein Wunder, dass er wieder so gut schlagen kann und für sich wieder eine rosige Zukunft sieht: „Ich habe vielleicht noch zehn oder zwanzig gute Golf-Jahre vor mir.“ Zwei PGA- und vier Major-Siege fehlen ihm zu den jeweiligen Rekorden.

Jetzt wird er aber erst einmal in Paris im Mittelpunkt stehen. Bei seiner Absenz merkten die Golf-Veranstalter, dass nur Tiger Woods erhöhte Aufmerksamkeit garantiert, die wird jetzt der Ryder Cup verstärkt erhalten, obwohl der Tiger eine negative Bilanz bei seinen Ryder-Cup-Auftritten aufweist. Er galt auch immer als verschlossen, doch das hat sich beim „neuen“ Tiger Woods geändert. Die USA gelten überhaupt als Favorit, in der Gesamtbilanz führen sie mit 26:13, das letzte Duell 2016 gewannen sie mit 17:11. In der Weltrangliste stehen die zwölf Amerikaner wesentlich besser da als ihre europäischen Konkurrenten. Doch im Kampf Mann gegen Mann ist alles möglich, das hat Europa vor allem 2012 gezeigt, als die Mannschaft am zweiten Tag bereits mit 4:10 zurück lag und am Ende dennoch mit 14,5 zu 13,5 siegte, als eben Martin Kaymer den entscheidenden Putt verwandelte. Jetzt aber heißt es auch für ihn zuschauen und Daumen drücken, so wie für die normalen Fans.

Die Mannschaften: USA: Dustin Johnson (Nr. 1 der Weltrangliste), Brooks Koepka (3), Justin Thomas (4), Rickie Fowler (9), Jordan Spieth (10), Bryson Dechambeau (7), Tiger Woods (13), Bubba Watson (14), Patrick Reed (15), Webb Simpson (16), Tony Finau (17), Phil MIckelson (25). – Europa: Justin Rose (England/2), Francesco Molinari (Italien/5), Rory McIlroy (Nordirland/6), Jon Rahm (Spanien/8), Tommy Fleetwood (England/12), Alex Noren (Schweden/18), Paul Casey (England/21), Henrik Stenson (Schweden/24), Tyrrell Hatton (England/26), Sergio Garcia (Spanien/28), Ian Poulter (England/34), Thorbjörn Oleson (Dänemark/45).

Wenn Golf-Profis wie Amateure spielen

Ja, es gibt noch etwas anderes als die Fußball-Weltmeisterschaft. Den Sport-Grantler hatten die US Open im Golf am Wochenende in seinen Bann geschlagen. Er rieb sich die Augen, als er das Ergebnis vom deutschen Vorzeige-Golfer Martin Kaymer las: +13! Also, das kennt er aus seiner Anfangszeit, als ein zweistelliger Score zum Standard gehörte. Haben also die Profis auf dem wohl besonders schweren Kurs vom Shinnecock Hills Golf-Club in Southampton/New York wie Amateure gespielt? Zur Wahrheit gehört, nicht ganz, Kaymer hatte das niederschmetternde Ergebnis nach 18 Loch auf seiner Scorekarte, beim Sport-Grantler war es das Ergebnis an einem Loch… Anfänger halt.

Aber die Profis müssen sich bei den US Open auch als Anfänger gefühlt haben. Schon im Vorfeld hieß es sinngemäß, „die wollen uns zeigen, dass wir schlechte Golfer sind“. Der Platz ist bekannt für seine Brutalität, dazu wehte am ersten Tag ein stürmischer, wechselnder Wind von rund 40 km/h. Gute Bedingungen war das nicht. Auch Golf-Star Tiger Woods, der zu den Favoriten gehörte, reihte sich bei den „Amateuren“ ein. Bereits am ersten Loch verlor er alle Chancen mit einem Triple-Bogey, also drei Schläge über Par. Tiger Woods war nach zwei Tagen noch einer der besseren ehemaligen Weltranglisten-Ersten, die am Cut scheiterten und nach Hause gehen durften. Jordan Spieth (USA) spielte neun über, Rory McIlroy (Nordirland) wie Woods eine Zehn, Jason Day (Australien) kam auf +12 und Adam Scott (Australien) auf +13. Die hatte Kaymer, man glaubt es kaum, er war auch mal Weltranglisten-Erster, nach dem ersten Tag, nach dem zweiten war er mit +18 gerade mal 136. Erstaunlich, dass zum Letzten immer noch eine große Lücke klaffte, dies war der Engländer Scott Gregory mit +27, er brauchte 92 (+22!) und 75 Schläge auf dem Par-70-Kurs! Ach, da lacht sich der Amateur doch ins Fäustchen, wenn Profis so schlecht sind.

Eigentlich ist es doch toll, wenn die Besten der Welt so gefordert werden. Die Spannung steigt und Ergebnisse von 20 Schlägen und mehr unter dem Platz-Standard zeigen somit eigentlich nur, wie leicht der Platz für Profis ist. Da sollte ein Monster wie Shinnecock Hills nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sein. Damit das Ergebnis aber nicht gar so schlecht ausfällt, hatten die Organisatoren am letzten Tag noch ein Einsehen, machten die Fahnenpositionen leichter als vorgesehen und wässerten die spiegelglatten Grüns, damit die Stars nicht beim Putten verzweifelten. Dennoch gab es keinen Spieler, der im Gesamtergebnis der vier Tage unter Par blieb. Glücklicher Sieger war am Ende der Amerikaner Brooks Koepka mit +1, der damit seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen konnte und 2,16 Millionen Dollar Siegprämie kassierte. Das war dann doch zumindest für ihn ein schönes Schmerzensgeld für all die Widrigkeiten.

Es war schon eine seltsame Konstellation, das gleich sechs ehemalige Nummer eins des Golfs den Cut nicht schafften. Vergleicht man das mit dem Fußball, wo bei der WM in Russland der „Cut“ nach den Gruppenspielen gezogen wird, dann könnten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Spanien, England, Frankreich oder Deutschland ausscheiden. Na gut, alle wird es nicht erwischen, aber vielleicht den einen oder anderen. Und was Deutschland angeht, da sind Schwedens Golfer weitaus besser als die deutschen Spitzenspieler. Im Fußball gilt dagegen Deutschland als besser, aber so eine Fußball-Weltmeisterschaft kann auch ganz schön brutal sein. Und auch Fußball-Profis stellen sich manchmal wie Amateure an. Am Ende heißt es hoffentlich nicht, Deutschlands Fußballer sind aber die besseren Golf als die Schweden…

Über die Fußball-Weltmeisterschaft kann man im nächsten Kommentar lesen und bald gibt es auch wieder zur WM einen neuen Text.

Der Davis-Cup und andere Probleme im Tennis

Die Trophäe ist ein wuchtiger Pokal, der Wettbewerb hatte einst auch eine wuchtige, eine große Bedeutung. Früher gierten die Spieler danach, im geschichts- und prestigeträchtigen Wettbewerb antreten zu können, heute ist er eher zu einem Ärgernis verkommen, zu einer Belastung. Die Rede ist vom Davis-Cup, dem bedeutendsten Mannschaftspokal im Tennis. Im Zeichen des Profi-Tennis sind geldträchtige Turniere für die Spieler allerdings wichtiger, zumal sie um Weltranglistenpunkte kämpfen müssen. Heute heißt es „Davis-Cup? Ach bitte, das muss auch ohne mich gehen“. Der Davis-Cup ist also zum Problem geworden, aber er ist nicht das einzige Problem im deutschen und internationalen Tennis.

Eines hat Tennis mit vielen anderen Sportarten gemeinsam: Die Belastung für die Profis ist einfach zu groß geworden. Ist der Sport publikumswirksam, also attraktiv, dann drängen sich die Veranstalter an die Fleischtöpfe, um auch ein paar Bissen abzukommen. Attraktiv ist ein Turnier allerdings nur, wenn auch Stars präsentiert werden können. Die jetten dann rund um die Welt, bis sie ein Stoppzeichen bekommen – von ihrem Körper. Die Jagd nach Geld und Punkten findet ein jähes Ende. Siehe das letzte Grand-Slam-Turnier, die US Open: Die Liste der fehlenden Stars war größer als die derer, die auf dem Court zu sehen waren. Andy Murray (Großbritannien), Novak Djokovic (Serbien), Stan Wawrinka (Schweiz), Kei Nishikori (Japan) und Milos Raonic (Kanada) fehlten alle. Da war der Weg frei für Rafael Nadal (Spanien), zumal sich Roger Federer (Schweiz) vorzeitig im Viertelfinale verabschiedet hatte. Die beiden teilten sich übrigens in diesem Jahr die große Titel. Nadal siegte in Paris und New York, Federer in Melbourne und Wimbledon. Wobei vor allem der 36jährige Federer ein Beispiel dafür ist, wie man heute mit seinem Körper umgehen muss: Er legt immer wieder Pausen ein, verzichtet auf Turniere, konzentriert sich auf Höhepunkt.

Wenn im Alter (36 Jahre sind im Profi-Sport ein hohes Alter) der Körper nicht mehr so will, ist mehr der Kopf gefragt, die Geldgier weicht der Vernunft. Junge Spieler wollen in erster Linie eins: Nach oben in der Weltrangliste und in der Geldrangliste. Irgendwann rächt sich die strapaziöse Jagd nach Ruhm und Reichtum. Ein Opfer einer solchen Überbeanspruchung wurde auch der Golf-Star Tiger Woods. Der dominierte einst das Golf-Geschehen, aber dann spielten Geist und Körper nicht mehr mit. Die Veranstalter zahlten horrende Summen, weil nur Tiger Woods die große Publicity garantierte. Der Tiger spielte und kassierte bis es nicht mehr ging.

Zurück zum Tennis. Wenn die Stars sowieso schon ihre Turniere reduzieren müssen, dann zeigen sie eigentlich fast logisch dem zusätzlichen Nationenwettbewerb Davis-Cup ihre kalte Schulter. Die deutsche Mannschaft kann ein Lied davon singen, Die Spitzenspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Altstar Philipp Kohlschreiber sagten ab. Schonung war angesagt, kein Davis-Cup. Mit der B-Besetzung gelang mit Ach und Krach dennoch der Klassenerhalt der Weltgruppe, Deutschland blieb erstklassig. Eines ist gewiss: Ärger um die Teilnahme gibt es auch in der nächsten Saison.

So muss der Weltverband über seinen Schatten springen. Warum muss der Davis-Cup jedes Jahr ausgespielt werden? Olympische Spiele gibt es ebenso im Vier-Jahres-Rhythmus wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Das würde auch dem Davis-Cup gut tun und könnte sogar noch seine Bedeutung steigern. Wenn der Cup nicht mehr zur Belastung wird, sind die Stars auch wieder dabei und können so wieder die Helden der Nation werden. Heute sind sie bei einer Absage nur die Buhmänner. Das ist weder gut für das Tennis noch für den Davis-Cup.

Das deutsche Golf hofft auf ein glückliches neues Jahr

 

An der Ausgangsposition hat sich nichts geändert: Der Deutsche Golf-Verband sucht nach Mitteln und Wegen, um an Bedeutung zu gewinnen und mehr Mitglieder rekrutieren zu können. Gerade was das Interesse an dem einst als elitär verschrienen Sport angeht, tritt der Verband auf der Stelle. Die Auslastung der Golfplätze ist eher rückläufig, immer mehr Betreibergesellschaften klagen über finanzielle Probleme. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Gehofft haben die Verantwortlichen auf große sportliche Erfolge, leider gab es da zuletzt Magerkost. Das Aushängeschild des deutschen Golfs ist nach wie vor Oldie Bernhard Langer, der die US-Senioren-Tour beherrscht und dort inzwischen mehr Geld verdient, als er es vorher als durchaus erfolgreicher Profi (erste Nummer 1 der Weltrangliste) mit zwei Masters-Siegen geschafft hatte. Martin Kaymer dagegen, einst die große Hoffnung und wie Langer Nummer 1 der Welt, ist inzwischen auf Rang 53 der Weltrangliste abgestürzt und damit nicht mehr von vornherein für alle großen Turniere startberechtigt. 2016 erfüllten sich die Hoffnungen also nicht.

Dennoch hofft das deutsche Golf auf ein glückliches neues Jahr. Mut macht, dass Martin Kaymer ja durchaus sporadisch Siegchancen hatte und nur sein ganzes Potenzial wieder auf den Platz bringen muss. Ein Vorstoß ganz an die Spitze liegt wohl in weiter Ferne, aber unter die besten 50 sollte er wieder gelangen können. Hoffnung ist aber vor allem da, weil die deutschen Golfer aus der zweiten Reihe inzwischen aufbegehren. Ist da vielleicht einer, der zumindest in die Fußstapfen von Kaymer treten kann? Marcel Siem hat es nicht geschafft, er ist inzwischen nur noch die Nummer 380 der Welt. Alexander Cejka (161) spielt vor allem in Amerika, er ist in der deutschen Öffentlichkeit nicht präsent.

Die Deutschen aus der zweiten Reihe bilden 2017 eine große Gruppe auf der European Tour. Sieben Deutsche werden hier antreten und da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich dies nicht leistungsfördernd auswirkt. Es sind also nicht nur Kaymer, Siem und der inzwischen etablierte Maximilian Kieffer (Nr. 280 der Welt) dabei, sondern über die Turnier-Erfolge und die Qualifying School haben es auch Florian Fritsch, Bernd Ritthammer, Alexander Knappe und Stefan Heisele geschafft. Aufsteiger des Jahres war der 27jährige Alexander Knappe, der als 114. der Welt auf dem Sprung unter die „Top 100“ steht. „Das ist cool, das wir jetzt eine deutsche Gruppe sind, es ist viel Potenzial vorhanden“, freut sich Florian Fritz, der gehandicapt ist, weil er wegen Flugangst nicht alle Turniere spielen kann. Die Hoffnung ist, dass sich die deutschen Spieler gegenseitig pushen. Erfreuliche Ergebnisse sollten die Folge sein.

Damit könnte das deutsche Golf vielleicht doch noch ein bisschen den Aufschwung schaffen, den es sich einst von großen Turnieren in Deutschland erhofft hatte. Aber der Traum von der Austragung des Ryder Cup ist ausgeträumt, der findet 2018 in Paris und 2020 vor den Toren von Rom statt. Die großen Turniere werden ansonsten in den USA bzw. mit den British Open auf der Insel ausgetragen. Vom 6. bis 9. April findet in Augusta traditionell das erste Masters statt. Es könnte da die Rückkehr des großen Golfstars Tigers Wood geben, der bei einem ersten Schnupperturnier auf den Bahamas teilweise alte Klasse zeigte. Auch international hat das Golf also für 2017 Hoffnung, die Hoffnung nämlich, dass ein gesunder Tigers Woods die Aufmerksamkeit wieder mehr auf Golf lenkt. Seine Nachfolger wie Jason Day (Australien, derzeit Nummer 1 der Welt) oder Rory McIlroy (Nordirland, Nr. 2) ziehen die Sportfans in aller Welt nicht so in ihren Bann, wie es eben der Tiger schafft. Für den Tiger gibt es noch keinen Ersatz.

Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt

 

Die Meldung passte wie die Faust aufs Auge. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos verlängerte seinen Vertrag bei Real Madrid bis 2022. Das Salär angeblich 120 Millionen, 20 Millionen pro Jahr (angeblich netto), das sind, so haben es findige Leute ausgerechnet, 2283 Euro pro Stunde. „Das ist unverschämt“, argumentiert der Mann von der Straße, „das ist kein Sportler wert“. Kroos stieg damit zwar zum bestverdienenden deutschen Fußballer auf, aber wir wissen, in Europa ist er damit keineswegs Spitze. Und die Profisportler in Nordamerika lachen teilweise über solche Summen.

Das Wettrüsten im europäischen Fußball, aber nicht nur da, ist im vollen Gang. Englands Fußball schüttet nach lukrativen TV-Verträgen das Geld bekanntlich mit vollen Händen aus und bringt damit die ganze Fußball-Welt durcheinander. Das Rad wird überdreht und es droht eine Gefahr: Geld regiert zwar die Welt, macht aber den Sport damit kaputt, weil sich der gemeine Fan mit den Vereinen und Stars bald nicht mehr identifizieren kann. Viele Vereine laufen Gefahr, dass sie die Verbindung zur Basis verlieren und bald im luftleeren Raum schweben. Verlieren die Fans die Lust, ist es auch mit der guten Stimmung in den Stadien vorbei und der Fußball verliert seinen größten Reiz, nämlich ein Ereignis zu sein. Vereine und Verbände (siehe Erweiterung der Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften) haben nur noch eine Gewinnoptimierung im Blick, aber nicht mehr die Fans!

Ums Geld geht es aber auch in vielen anderen Sportarten. Nehmen wir Boxen, das man fast schon nicht mehr als Sport bezeichnen darf, es ist nur mehr ein schmutziges Geschäft. Beispiel ist die Posse um Schwergewichts-Champion Tyson Fury, der des Dopings angeklagt ist, aber angeblich unter Depressionen leidet und seine Titel abgegeben hat. Das Gerangel um die Nachfolge hat begonnen und es ist ein Kampf ums Geld. Wladimir Klitschko hat seine vier Titel von verschiedenen Verbänden an den Clown aus England verloren, nun bestimmt das Geld und nicht der Sport, wer jetzt um die Schwergewichtskrone kämpfen kann. Nicht die Besten werden kämpfen, sondern wer am meisten bietet, wird den Zuschlag erhalten. Geld regiert den Sport. Typisches Beispiel auch die Formel 1, wo es praktisch nur um das Geld geht und der Sport zur Nebensache wird. Für Firmen wie Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault ist die Formel 1 vor allem eine PR-Plattform.

Das Geld ist auch der Grund, warum sich der Basketball-Verband zum Gespött macht. Deutsche Basketballteams kämpfen gleich in vier Wettbewerben auf Europas Bühnen um die begehrten Pokale. Aus dem Dschungel von Euroleague, Europacup, Champions League und Fiba Europe Cup kennt sich keiner mehr aus. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen dem Kontinentalverband Fiba Europe und der Euroleague, die zudem den Europacup organisiert. Beide Organisationen kämpfen um die besten Klubs in Europa, die sich quasi aussuchen können, wo sie mitspielen wollen. Der Machtkampf ist ein Kampf ums Geld und wird begleitet von Drohungen und Sanktionen und macht somit den Sport Basketball lächerlich. Der Beweis an diesem Beispiel: Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt. Mal sehen, wie lange der Fußball noch im Geld schwimmen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Golf. Auch dort schwimmen die Spitzenspieler im Geld, Die Profi-Turniere sind eine lukrative Einnahmequelle, der einst beste Spieler der Welt, Tiger Woods, war auch immer der bestverdienende Sportler der Welt, vor allem aber durch seine Werbeaktivitäten. Geht es allerdings um den prestigeträchtigsten Pokal, den Ryder Cup im Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa, dann spielt Geld keine Rolle. Die Spieler erhalten keinen Cent, es gibt keine Prämie. Es zählt allein der sportliche Vergleich – so geht es also auch.