Die Kleinen geben den Ton an

von knospepeter

 

Die Olympischen Winterspiele sind vorbei und am Schlusstag richtete sich der Blick schon wieder auf ein weiteres Sport-Großereignis. Nein, nicht die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Brasilien, sondern die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Oder ist die EM gar kein Großereignis mehr? In Europa geben zumindest die Kleinen den Ton an.

Das steht auf jeden Fall fest: Die Qualifikation zur Europameisterschaft hat an sportlichem Wert verloren und das Endturnier ebenfalls. Statt bisher 16 können ab 2016 sogar 24 Nationen am Endturnier teilnehmen. Gastgeber Frankreich hat natürlich ein Freilos, darüber hinaus können sich 23 von 53 teilnehmenden Nationen qualifizieren. Da muss die Spannung wohl mit der Lupe gesucht werden. UEFA-Präsident Michel Platini hat den sogenannten kleinen Nationen dieses Zuckerl gereicht und damit seine Position gestärkt. Seltsam, dass es bei der entscheidenden Abstimmung nur drei Gegenstimmen gab (darunter Deutschland). Platini feixt: „So ist Demokratie“. Die großen Nationen hätten sich wehren müssen. Nachdem die Bundesliga sowieso schon über zu viele Termine der Nationalmannschaft klagt, wird Bundestrainer Jogi Löw die Qualifikation gleichzeitig als Testphase nutzen müssen. Was gegen die Gruppengegner Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar gefahrlos möglich sein sollte.

Für die kleinen Nationen könnte sich der Griff nach mehr Teilnehmern am Finalturnier als Pyrrhussieg erweisen. Es werden nämlich künftig nur noch wenige Länder in der Lage sein, ein Turnier mit 24 Teilnehmern zu organisieren. Den größten Fortschritt erzielten Nationen oft als Gastgeber, weil in ihrem Land die entsprechende Begeisterung geweckt wurde und neue Stadien eine Gegenleistung für die Zukunft waren. Sportlich wertvoller wäre es gewesen, einem Vorschlag zu folgen, lieber eine Vorqualifikation durchzuführen, bevor die stärksten Nationen eingreifen. Wer wird sich schon an einem Vergleich des UEFA-Neulings Gibraltar (der seine Heimspiele in Portugal austrägt!) mit Deutschland erfreuen?

Angesichts dieser Konstellation fehlte der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Nizza auch der Glanz und die Spannung. Gleich zwei Mannschaften pro Gruppe kommen weiter, dazu der beste Dritte und die weiteren Dritten spielen noch Play-Offs um weitere vier Teilnehmer. Wenigstens gibt es in der einen oder anderen Gruppe zumindest drei Kandidaten für die zwei Plätze: Gruppe A mit Niederlande, Tschechien und der Türkei, Gruppe E mit England, Schweiz und Slowenien, Gruppe F mit Griechenland, Ungarn, Rumänien und Finnland, Gruppe G mit Russland, Schweden, Österreich und Montenegro, Gruppe I mit Portugal, Dänemark und Serbien.

Für die deutschen Fußball-Fans kommt ein weiterer Negativfaktor hinzu: Die Qualifikationsspiele werden künftig vom Privatsender RTL übertragen. RTL hat gegenüber ARD und ZDF das bessere Angebot abgegeben. Das bedeutet für die Zuschauer weniger Information (vor allem die Show zählt), weniger Qualität, dafür mehr Werbung, vor allem auch während des Spiels. Ein Vergnügen wird diese EM-Qualifikation also weder für die Spieler noch für die Zuschauer. Aber der Kommerz kommt vor dem Sport, so gibt es ja auch künftig Doppel-Spieltage, die variieren, in der neuen „Week of Football“ wird Donnerstag/Sonntag, Freitag/Montag oder Samstag/Dienstag gespielt, damit der Fußball immer auf den Bildschirmen Europas erscheinen kann.

 

Die deutschen Termine: Sa. 7.9. Schottland, Sa. 11.10. in Polen, Di. 14.10. Irland, Fr. 14.11. Gibraltar, So. 29.3. in Georgien, Sa. 13.6. in Gibraltar, Fr. 4.9. Polen, Mo. 7.9. in Schottland, Do. 8.10. in Irland, So. 11.10. Georgien.

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