Der Offenbarungseid des Herrn Vettel

von knospepeter

 

Eigentlich ist es ja gemein, die Formel-1-Fans hatten sich vor der Saison nichts anderes gewünscht, als dass der Vierfach-Champion Sebastian Vettel nicht mehr gewinnt. Sie wollten ein Ende der Langeweile. Und was haben sie bekommen: Wieder Langeweile. Zwar triumphieren nicht mehr der Deutsche und Red Bull, sondern Mercedes mit seinen Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton – und das schon in einer erschreckenden Art und Weise. Pech für Sebastian Vettel: Er muss das Verlieren lernen. 

Aber es sind nicht nur die Niederlagen allein, die den Heppenheimer zu schaffen machen. Er hat nicht nur Probleme mit seinem Auto („Ich komme mit dem Bock nicht klar“, er spricht also nicht liebevoll von „Suzie“, wie er den Red Bull genannt hat), sondern auch mit seinem Team-Kollegen. Der junge Australier Daniel Ricciardo war zuletzt schneller als er. Das ist fast schon ein Offenbarungseid des Herrn Vettel. 

Jetzt muss Sebastian Vettel zeigen, was er wirklich kann. In den letzten Jahren ging es angesichts seiner Serien-Siege vor allem darum, wo denn der Weltmeister in der Rangliste der besten Fahrer aller Zeiten einzuordnen sei. Ist er sogar der Beste oder zumindest besser als Michael Schumacher? Ist er das größte Talent, das es jemals gegeben hat, besser als Senna? Wer Vettel nicht gleich in den Himmel heben wollte, wies darauf hin, dass der Heppenheimer eben das beste Auto habe und man gerade zuverlässig sagen könne, dass Vettel besser als Mark Webber sei, der Australier, der Vettel nicht fordern konnte. Ricciardo überraschte jetzt alle, vor allem den vierfachen Weltmeister. 

Sebastian Vettel darf man aber noch nicht abschreiben. Der Deutsche und Red Bull werden in den nächsten Wochen an allen Schrauben arbeiten rund um das Auto. Erster Lichtblick: Neues Benzin, das ein paar Zehntel bringen soll. Red Bull hatte in den letzten Jahren das beste Auto auf die Straße gebracht, da weiß man sicherlich, wo der Hebel anzusetzen ist. Vettel aber muss nicht allein sein technisches Verständnis beweisen, sondern auch sein fahrerisches Können, er muss zeigen, dass er auch mit einem schlechteren Auto vorne mitfahren kann. Das hat zum Beispiel Michael Schumacher geschafft, deshalb rangiert Vettel noch ein ganzes Stück unter seinem deutschen Kollegen. Und das hat jetzt auch Fernando Alonso bewiesen, der mit der „lahmen Ente“ Ferrari in China auf Rang drei fuhr. Beantwortete Alonso damit die Frage, ob er oder Vettel der bessere Fahrer sei? 

Vier von 19 Rennen sind erst gefahren, es ist noch ein langer Weg bis zum Ziel und damit genügend Zeit für Red Bull und Sebastian Vettel an die Spitze zurückzukehren. Mercedes darf sich nach dem dreifachen Doppelsieg nicht zu sicher sein. Das Auto wird nicht in dem Maße zu verbessern sein, wie es die Konkurrenz zwangsläufig in den nächsten Rennen schaffen kann bzw. muss. Mercedes bestätigte die Favoritenrolle, die man den Stuttgartern vorher schon zugeschrieben hatte. Die Rennen wiederum sind besser und spannender, als es viele Kritiker nach der Neuorientierung der Formel 1 erwartet hatten. Und ob die Autos zu leise oder laut genug sind, ist der Masse der Zuschauer an den Fernsehschirmen egal. Sie wollen spannendes Racing mit Überholmanövern sehen. Die wurden geliefert, wenn auch nicht gerade an der Spitze, es sei denn, Rosberg und Hamilton lieferten sich einen internen Harakiri-Zweikampf. Und ob Rosberg seinen Kollegen noch lange den Sprung an die Spitze der WM-Wertung verwehren kann, ist auch eine spannende Frage. Sie wird am 11. Mai in Barcelona beantwortet. Bisher jedenfalls hat die Formel 1 positiv überrascht, so hat sie eine Zukunft.

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