Bayern und Dortmund: Wann ist es eine fantastische Saison?

von knospepeter

 

Es ist vollbracht, die Fußball-Fans haben erneut ihr Traum-Finale: Diesmal stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund allerdings nicht im Endspiel um die Champions League gegenüber, sondern „nur“ im DFB-Pokalfinale. Dennoch birgt dieses Finale jede Menge Brisanz, vor allem, weil die Dortmunder zuletzt arg am Selbstbewusstsein der Münchner gekratzt haben. Und nach Aussagen von beiden Seiten stellt sich auch die Frage: Wann ist es denn eine fantastische Saison? 

Die Dortmunder üben sich wieder einmal in ihrer übertriebenen, manchmal schon ärgerlichen Bescheidenheit. Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke bescheinigte seinen Mannen mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League und ins Pokal-Finale eine „fantastische Arbeit“. Trainer Jürgen Klopp zollte seinem Team Respekt, weil es „auf der Felge“ Wolfsburg geschlagen habe und prahlte „eigentlich unfassbar“. Gehört das aber nicht zum täglichen Brot einer Spitzenmannschaft? Noch ist Dortmund ohne Titel in dieser Saison, aber schon zufrieden. Zu viel der Bescheidenheit! 

Bescheiden sind sie in München nicht. In Dortmund wollen sie Titel holen, die Bayern müssen sie Titel holen. Die Deutsche Meisterschaft wurde quasi „nebenher“ gewonnen, das Triple ist wieder im Visier, aber der Motor ins Stottern gekommen. Der Sport-Grantler selbst hatte zu Jahresbeginn den Bayern bescheinigt, mit Meisterschaft und Halbfinale Champions League ist es eine erfolgreiche Saison. Nach den Leistungen der Guardiola-Schützlinge im bisherigen Verlauf der Saison erwarten jetzt Spieler, Bosse und Fans mehr: Rufen die Bayern ihre beste Leistung ab, sind sie überall Favorit und können den Fluch des Champions-League-Siegers bannen, denn es gab noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung! 

Trainer Pep Guardiola hat jetzt aber ein Problem. Er hat offensichtlich nach dem frühzeitigen Gewinn der Meisterschaft die Zügel schleifen lassen. Beobachter sprachen u. a. von einem laschen Training. Vorgänger Jupp Heynckes hatte gewarnt, „es ist nie gut, so früh Meister zu sein, da lässt die Konzentration nach“. Pep hatte dem selbst Vorschub geleistet und die Bundesliga abgehakt. Mit dem Ergebnis, dass seine Mannschaft aus dem Rhythmus kam. Jetzt heißt es vor den heißen Duellen mit Real Madrid vor allem wieder die spielerische Leichtigkeit finden. Der Pokalerfolg über Kaiserslautern war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber es lief noch nicht alles rund. Auffallend die vielen Fehlpässe und Fehler, die zuvor nicht passiert waren. Die alte Sicherheit ist noch nicht zurück. Plötzlich hat die Bundesliga wieder Bedeutung bekommen, sie dient als Vorbereitung für den Gewinn weiterer Titel. 

Warnung für die Bayern muss auch sein, dass sich Real Madrid mit dem 2:1 über den FC Barcelona im Pokalfinale in Spanien entsprechend Selbstvertrauen holte. Dies noch ohne Christiano Ronaldo. Dafür sprang der Engländer Gareth Bale in die Bresche mit einem überzeugenden Solo. Beide „Sprinter“ können auch der Abwehr der Bayern sehr weh tun! Da muss sich Pep Guardiola etwas einfallen lassen. Seine Grundregel ist richtig, „haben wir den Ball, kann der Gegner kein Tor schießen“, aber er wird nicht verhindern können, dass Ronaldo oder Bale eben doch mal auf und davon gehen… Aber die Bayern haben es im Kreuz, erneut ins Finale einzuziehen. Eigentlich gilt Real als „mitspielende Mannschaft“ gegenüber den anderen Kontrahenten Atletico Madrid und Chelsea London, die sich im zweiten Halbfinale gegenüberstehen, als einfacherer Gegner. Bei Atletico und Chelsea warten Beobachter gespannt darauf, wer von den „Maurermeistern“ sich nach vorne traut. 

Den Bayern sind also zwei Finals zuzutrauen – und beide haben erhebliche Brisanz. Am 17. Mai ist Dortmund der neue und alte Gegner, das steht fest. Zuletzt demütigte Klopp mit seinen Jungs die Bayern im Pokalfinale 2012 mit 5:2 und zuletzt in der Bundesliga mit 3:0. Den wichtigsten Sieg holten sich freilich die Münchner mit 2:1 in der Champions League. Aber sie tun sich gegen die Dortmunder immer schwer. Auch hier also die Aufgabe für Pep Guardiola: Er muss sich etwas einfallen lassen. 

Und sollte es am 24. Mai in Lissabon noch ein Finale geben, dann wird es wieder schwierig, sich gleich zweimal auf einen letzten Saison-Höhepunkt zu konzentrieren. Man sieht, die Bayern haben es wesentlich schwerer als Borussia Dortmund, die auch ohne Titel schon von einer „fantastischen Saison“ sprechen. Welchen Superlativ gibt es bei einem Titelgewinn? Die Bayern wiederum würden sich mit der Meisterschaft allein wohl nicht so richtig freuen können. Nur das erneute Triple würde wieder für eine fantastische Saison sorgen.

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