Es gibt im Fußball doch noch Kleine

von knospepeter

Wie oft haben wir das vor wichtigen Fußballspielen schon gehört, wenn eine scheinbar übermächtige Mannschaft von ihrer Favoritenrolle ablenken will: „Es gibt keine Kleinen mehr“. Diese These schien sich vor allem bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zu bestätigen. Nur Kamerun, Australien und Honduras blieben ohne Punktgewinn, doch sie machten ihren Gegnern das Leben schwer, eine „Packung“ gab es nicht. Und eine vermeintlich Kleiner, Costa Rica, marschierte sogar ins Viertelfinale.

Dennoch sterben die Kleinen nicht aus. Weltmeister Deutschland bekommt es am 14. November in der EM-Qualifikation mit dem Neuling Gibraltar zu tun. Der Sport-Grantler hört schon Bundestrainer Jogi Löw: „Högschte Konzentration ist gefordert, auch die können Fußball spielen.“ Gibraltar bleibt doch ein Kleiner, wie auch San Marino oder Andorra. Die Kleinen aber gibt es vor allem im Pokal. Fünft- oder sogar Sechstligisten treffen auf einen Bundesligisten. Da stehen lupenreine Amateure den gut bezahlten Profis gegenüber. Haben Sie schon einmal etwas von der Alemannia Waldalgesheim gehört? Gegner in der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ist Bayer Leverkusen. Ein Kleiner trifft also am Wochenende auf einen Großen.

Das die Favoriten die Kleinen erhöhen, ist für sie Selbstschutz. Es gibt ja das berühmte Gesetz im Pokal, dass irgendeiner Kleiner immer einen Großen schlägt und für eine Sensation sorgt. Zumindest prophylaktisch wollen sich die Großen schützen, indem sie die Kleinen groß reden. Die Schmach bleibt ihnen bei einer Niederlage dennoch nicht erspart. Gibt es eine Sensation, wird diese Jahre später wieder ausgegraben, wenn die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ansteht. Da werden peinliche Niederlagen wieder aus dem Archiv geholt. Zum Beispiel das 1:0 von Vestenbergsgreuth 1994 gegen Bayern München mit Oliver Kahn, das 2:0 des SC Geislingen 1984 gegen den Hamburger SV oder das 2:1 der SSV Ulm 2001 gegen den 1. FC Nürnberg. Von solchen Überraschungen träumen die Amateure auch in diesem Jahr wieder. Da sind sie gerne Kleine.

Die Großen träumen nicht, ihnen schlottern wohl auch nicht die Knie, aber der eine oder andere wird mit gehörigem Respekt auf die Reise gehen. Es gibt auch Klubs, die in der noch jungen Saison schon richtige Rückschläge verkraften mussten und nun auf die Kleinen als Aufbaugegner hoffen. Zum Beispiel Mainz 05 beim Chemnitzer FC (immerhin ein Drittligist, also keine Amateure mehr) nach dem Debakel in der Qualifikation zur Europa League. Noch eine Niederlage und der Baum brennt. Oder 1860 München nach dem Fehlstart in der 2. Bundesliga. Bei Holstein Kiel ist Wiedergutmachung angesagt – oder eben das typische 60er-Chaos. Und hat Nürnberg nach seiner Derby-Pleite die Nerven wieder im Griff? In Duisburg wird es sich zeigen.

Der DFB-Pokal ist immer ein reizvoller Start in die neue Saison – nur nicht für den, der sich blamiert. Da fragen sich die Fans oft, wer könnte sich denn diesmal blamieren, doch Vorhersagen sind schwer, denn sonst wäre es ja keine Überraschung mehr. Für den VfB Stuttgart ist der VfL Bochum wohl kein Kleiner. Man stelle sich vor, der VfB scheidet aus und Lokalrivale Kickers schafft gegen Borussia Dortmund eine Sensation! Was machen die Bayern aus München ohne ihre Weltmeister bei Preußen Münster? Wackelt vielleicht der Meister? Düsseldorf könnte in Würzburg straucheln, Augsburg in Magdeburg, RB Leipzig gegen Bundesliga-Aufsteiger Paderborn ist fast ein Schlagerspiel. Die ARD hält allerdings am meisten von Dynamo Dresden gegen Schalke 04 und überträgt am Montag live.

Tatsache ist, der Fußball ist wieder in den Schlagzeilen, die neue Saison nimmt Fahrt auf und die Kleinen kommen im DFB-Pokal immer groß raus.

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