Der „ewige Pep“? Bayern finden kaum einen Nachfolger

von knospepeter

Der FC Bayern München hat die Fußball-Welt wieder einmal beeindruckt. Von einem Duell auf Augenhöhe war vor dem Match in Rom zu lesen, dann deklassierten die Münchner in der Champions League die „Roma“ und degradierten Totti und Co. zu Statisten. Schon heute gilt der FC Bayern erneut als einer der Top-Favoriten auf den Titelgewinn in der Champions League, allein Real Madrid wird noch auf diese Stufe gestellt.

Dabei sah es vor zwei Monaten noch ganz anders aus. Zu Beginn der Saison warnten alle im Verein und vor allem auch Trainer Pep Guardiola vor den Nachwirkungen der Weltmeisterschaft, unter denen die Bayern erfahrungsgemäß am meisten zu leiden haben. „Wir werden frühestens im November in Form sein, wir müssen die Zeit bis Weihnachten irgendwie überbrücken“, hatte Guardiola alle gewarnt. Zweckpessimismus? Heute sieht es jedenfalls anders aus, die Bayern sind in Bundesliga und Champions League noch ungeschlagen, dominieren national und international. Hat Pep ein Wunder vollbracht?

In der Tat ist die Form der Münchner schon erstaunlich, zumal das Verletzungspech gnadenlos zugeschlagen hat. Leute wie Badstuber, Martinez, Thiago und Schweinsteiger stehen immer noch auf der Ausfallliste, aber sie werden eigentlich gar nicht vermisst. Ganz im Gegenteil, wohin mit all den Stars, nachdem es auch so glänzend läuft. Selbst ein Franck Ribery muss sich hinten anstellen, kann langsam wieder an die Bestform herangeführt werden.

Für die Bayern gab es allerdings auch einen Glücksfall: Neuzugang Xabi Alonso von Real Madrid. Die Spanier glaubten auf ihn verzichten zu können, die Bayern bekamen ihn für acht Millionen Euro, weil der Mittelfeldstratege eine neue Herausforderung suchte und gern bei Pep Guardiola spielen wollte. Er ist heute der Chef im Mittelfeld, das Herzstück des Spiels. Da stellt sich die Frage: Wäre Alonso bei den Bayern gelandet, wenn Pep hier nicht das Zepter schwingen würde?

Angesichts dieser Konstellation ein Blick in die Zukunft. Gibt es bei den Bayern den „ewigen Pep“? Finden die Bayern überhaupt einen adäquaten Nachfolger, wenn der Spanier mal gehen sollte? Guardiola ist gerade mal 43 Jahre alt, zu jung eigentlich, um ewig bei einem Verein zu bleiben. Andererseits scheint er ein sesshafter Typ zu sein, könnte also wie einst der „ewige Ferguson“ bei Manchester United der „ewige Pep“ bei den Bayern werden.

Der Vertrag von Guardiola läuft noch bis 2016, die Nachfolge-Frage stellt sich nicht aktuell, ein Blick auf die möglichen Trainer-Kandidaten zeigt aber auch, dass die Bayern nur schwer einen Nachfolger finden werden. Er muss ein internationales „Standing“ haben, eine Autorität sein, die Arbeit mit Stars gewohnt sein. Wer aber erfüllt diese Anforderungen?

Lucien Favre, Trainer bei Borussia Mönchengladbach und Gegenspieler im Bundesliga-Schlager am Sonntag, 26. Oktober, wird als Kandidat gehandelt, erfüllt aber diese Anforderungen nicht. Er beeindruckt mit seiner Arbeit bei der Borussia, ist mit Bayern-Boss Rummenigge befreundet, spricht aber auch offen über seinen Wunsch: „Mal einen Spitzenverein trainieren.“ Doch ausgerechnet mit bald 57 Jahren als „Lehrling“ bei den Bayern? Bleibt aus der Bundesliga nur noch Jürgen Klopp. Der aber ist erstens ein „ewiger Dortmunder“, zweitens müsste er beim „Weltklub“ Bayern München sein Benehmen ändern. Immerhin hat er international einen guten Ruf, also das „Standing“. Will er mal etwas anderes machen? Dann vielleicht, wenn er sich in Dortmund an der Grenze sieht. Die Zukunft wird es zeigen.

International gibt es nur zwei Trainer „erster Wahl“ für die Bayern: José Mourinho (51), derzeit bei Chelsea London mit dem Versuch, dort nach Porto 2004 und Inter Mailand 2010 als erster Trainer mit einem dritten Klub die Champions League zu gewinnen. Gelingt es nicht, könnte er seinem ehemaligen Kontrahenten von Spanien durchaus nachfolgen. Allerdings wäre die Zündschnur schon gelegt, denn der eigensinnige „Special One“ wird sich von den selbstbewussten Bayern-Bossen kaum reinreden lassen. Also wirklich ein Kandidat?

Da wäre auch Carlo Ancelotti (55), mit dem AC Mailand 2003 und 2007 sowie mit Real Madrid 2014 gewann er die Champions League. Da könnte ihn auch mal Bayern reizen, wenn ihm mit Real nicht die Titelverteidigung gelingt, was bekanntlich noch kein Verein schaffte. Er ist also zunächst mal der große Gegenspieler von Pep.

Es gibt aber auch drei internationale Größen, die von den Erfolgen her allerdings noch als Nobodys bezeichnet werden müssen. Warum nicht der einstige französische Star Laurent Blanc (49), derzeit bei Paris St. Germain, oder der Holländer Frank de Boer (44), der mit Ajax Amsterdam national einen Titel nach dem anderen holt oder Marco Silva (37) von Sporting Lissabon, der als „Aufsteiger“ gilt. Silva ist bekannt für seine detaillierte Gegner-Beobachtung und gute Spielanalyse. Klingt ganz nach Pep Guardiola.

Die Bayern-Bosse werden froh sein, dass sie sich diese Gedanken noch nicht machen müssen. „Pep ist ein Geschenk des Himmels“, hat Karl-Heinz Rummenigge einmal gesagt. Geschenke halten aber leider nicht ewig.

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