Zum Jahresende die Qual der Wahl

von knospepeter

In fast allen Ländern der Erde gibt es zum Jahresende hin die Qual der Wahl. Gewählt werden diesmal nicht Regierungschefs oder Parlamente, sondern es geht um die „Sportler des Jahres“. Ein beliebtes Spiel, auch wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden, denn wer will die Leistungen in den einzelnen Sportarten miteinander vergleichen. In einer Sportart kann es vergleichsweise viel leichter sein Weltmeister zu werden als in einer anderen. Dennoch sind die Wahlen beliebte Spielchen, erfreuen Sportler und Fans gleichermaßen. Allerdings gibt es, wie immer bei Wahlen, mehr Enttäuschte als Glückliche.

Unterschiedlich ist auch, wer überhaupt wählen darf. Manchmal kümmert sich eine Zeitung oder Zeitschrift darum, werden zum Beispiel Leser gefragt, in anderen Ländern entscheiden die Verbände selbst. In Deutschland sind die Sportjournalisten aufgerufen, Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres zu wählen. Hier gilt das Kalenderjahr, wobei damit auch schon klar ist, dass es Wintersportler vergleichsweise schwerer haben, weil ihre Erfolge schon länger zurückliegen als die von Leichtathleten oder Schwimmern. Der „Fußballer des Jahres“ wird dagegen in Deutschland im Sommer gekürt, nach der Saison.

Wer wird in Deutschland bei der Wahl vorne sein? An der „Mannschaft des Jahres“ kann es keine Zweifel geben, da bleibt nur die Fußball-Nationalmannschaft, der Weltmeister. Mit Bayern München und den Frauen vom VfL Wolfsburg, wieder Deutscher Meister und Champions-League-Sieger, ist der Fußball zudem stark vertreten. Dagegen wird Manuel Neuer wohl kaum „Sportler des Jahres“ werden, da haben es Fußballer als Mannschaftssportler gegenüber Einzelkämpfern schwer. Außerdem gilt: Athleten populärer Sportarten haben es leichter, die Krone zu erringen, als Aktive in Sportarten, die nur am Rande beachtet werden. Ein würdiger „Sportler des Jahres“ wäre zum Beispiel der Golfer Martin Kaymer, der drei große Titel gewann, sensationell mit acht Schlägen Vorsprung die US Open gewann, sich außerdem die Players Championship sicherte und mit Europa den Ryder Cup gewann. Geht noch mehr? Doch manche fragen auch heute noch: „Ist Golf eigentlich Sport?“ Wer sonst außer Kaymer? Eric Frenzel, Seriensieger bei den Nordisch Kombinierten? Robert Harting, der Diskus-König? Patrick Hausding mit den tollen „Dingern“ beim Wasserspringen? Felix Loch der schnelle Rodler? Oder Slalom-Ass Felix Neureuther? Wir sehen, viele hätten es verdient, nur einer kann es werden.

Bei den Frauen trat die Ski-Königin Maria Höfl-Riesch ab. Erhält sie ein Abschiedsgeschenk? „Legende des Sports“ wurde sie schon. Carina Vogt wäre eine Kandidatin, die sensationelle Skisprung-Olympiasiegerin von Sotschi. Wer in Sotschi siegte, hat einen Bonus. Das könnte auch für Natalie Geisenberger sprechen, die schnellste Rodlerin der Welt. Auch hier viele Kandidatinnen und nur eine Königin. Viele haben die Qual der Wahl. Sportlerinnen und Sportler feiern jedenfalls am Sonntag, 21. Dezember, ein Fest in Baden-Baden.

Noch ein bisschen warten müssen wir darauf, wer „Weltfußballer des Jahres“ wird. Drei Kandidaten stehen bekanntlich in der engeren Wahl und der Sport-Grantler hat darüber schon berichtet (Weltfußball des Jahres: Endlich ein Neuer? – vom 30. Oktober). Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer müssen mit uns bis zum 12. Januar warten, ehe die Pokale verliehen werden. Der Sport-Grantler würde sich schon wundern, wenn das großartige Torwartspiel von Manuel Neuer, der die Position fast schon neu erfunden hat, mehr Gewicht erhalten hätte als die Treffer von „Tormaschine“ Ronaldo. Demgegenüber hätte Messi in diesem Jahr nicht einmal in der engeren Wahl sein dürfen. Seltsam ist, dass die Trainer und Kapitäne zusammen mit einigen ausgewählten Journalisten immer nur Tore im Visier haben und nicht für mehr Abwechslung sorgen. Aber hoffentlich hatten sie bei ihrer Wahl wenigstens ein bisschen die Qual.

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