Boxen: The Show must go on

von knospepeter

Wer außerhalb des Sports steht, der fragt schon einmal: „Ist Boxen eigentlich noch Sport?“ Die Frage ist sicherlich berechtigt, denn der Sport spielt bei den Profi-Kämpfen und den Machenschaften der Verbände keine Hauptrolle mehr, sondern ist nur noch der Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt Aufmerksamkeit bekommen und Geld verdienen.

Typisches Beispiel war der sogenannte „Jahrhundertkampf“ zwischen Floyd „Money“ Mayweather und Manny Pacquiao am 2. Mai in Las Vegas, bei dem angeblich rund 300 Millionen Dollar umgesetzt worden sind. Komisch, nach dem Kampf hat man noch keine tatsächlichen Zahlen gehört. Vermutlich war die Summe wesentlich niedriger. Mayweather hat gewonnen, Pacquiao hat eine Schulterverletzung verheimlicht und prompt folgte bereits das Angebot eines Rückkampfes. Logisch, wenn man so gut verdienen kann…

Die wirklich großen Kämpfe sind rar geworden, das Boxen reißt einen kaum noch von den Sitzen und verzweifelt suchen die Verbände nach Attraktionen. Manchmal verkommt dies dann zu einer Kirmes-Show, zum Beispiel wenn sich der Amerikaner Shannon Briggs als Stalker von Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko betätigt, sich als Großmaul präsentiert und tönt: „Nur ich kann Klitschko schlagen“. Er macht das solange, bis er einen Kampf bekommt. Wetten, dass…? Nur einen sportlichen Wert hat dieser Kampf nicht, es zählt allein „The Show must go on“. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist entsprechend, also können alle Beteiligten auch Geld verdienen. Darum geht es.

Inflation der Weltmeister

Die verschiedenen Verbände machen sich auch lächerlich. Wer zählt die Verbände und kennt noch alle Verbände. Alles „Welt-Verbände“. Und weil Kämpfe interessanter sind, wenn es um eine Meisterschaft geht, am besten eine Weltmeisterschaft, dann werden eben Meister produziert. Dann gibt es Weltmeister, Interims-Weltmeister und notfalls auch Super-Champions. Eine Inflation der Titel. Typisch war das Spielchen vor dem Kampf von Felix Sturm gegen den Russen Fedor Tschudinow nach Version der World Boxing Association. Es sollte eine Interims-WM sein (was sowieso ein Mist ist) und wurde plötzlich eine WM. Typisch auch, dass sich Felix Sturm rühmt, dass er viermal Weltmeister geworden sei. Welch eine Leistung. Er hat seine Titel immer wieder sportlich verloren und wieder gewonnen. Neben ihm gibt es halt noch drei oder vier oder wer weiß wie viele „Weltmeister“.

Da erinnert sich der Sport-Grantler an seine Jugend, als er mit seinem Bruder im Kinderzimmer liebend gern geboxt hat und ihm dabei (aus Versehen natürlich) einen Zahn ausgeschlagen hat. Die Mutter hat quasi das Handtuch geworfen und den Kampf beendet, der Sport-Grantler war damit „Familien-Weltmeister“.

Verliert Wladimir Klitschko für die Show?

Boxen hat immer noch seine Anhänger, hat im Fernsehen beachtliche Einschaltquoten, die Hallen sind gefüllt, Kämpfer und Kämpfe werden sich also immer finden lassen. Es bleibt dabei, the Show must go on, auch wenn man zum Beispiel für Leute wie Wladimir Klitschko verzweifelt Gegner sucht. Vielleicht verliert Klitschko mal freiwillig, damit der nächste Kampf mehr Brisanz erhält. Könnte sein, dass in der Unterhaltungsindustrie Boxen so ein Drehbuch geschrieben wird.

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