Bayern und Real: Umdenken!

von knospepeter

Das Finale der Fußball-Champions-League findet erst am 6. Juni in Berlin statt, wer aber die Spiele im Halbfinale gesehen hat, der muss zugeben: Das eigentliche Finale hat es bereits gegeben! Der FC Barcelona und Bayern München waren die beiden besten Mannschaften, aber nur einer konnte die Fahrkarte nach Berlin lösen. Barcelona hat sie sich verdient. Verdient hat sie sich auch Juventus Turin, doch selbst den Spielern muss dies wie ein Wunder vorkommen, Real Madrid hat ihnen die Finalteilnahme fast auf dem Silbertablett serviert. Jetzt träumen die Fans der „alten Dame“ auch vom großen Coup, ganz nach dem Motto „Wunder gibt es immer wieder“.

Die Juve-Stars Gigi Buffon, Andrea Pirlo und Andrea Barzagli kehren dabei an den Ort ihres Triumphes zurück, als sie 2006 mit Italien fast ebenso überraschend Weltmeister wurden. In der Champions League gewann Turin zuletzt vor 19 Jahren! Dabei galt der Fußball in Italien als veraltet, am Ende, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Juve hat dies widerlegt. Als Mannschaft war man stärker (und glücklicher) als die Stars aus Madrid, die zu keiner Einheit fanden. Trainer Max Allegri ist der Aufsteiger der Saison, er hat seinen Kollegen Carlo Ancelotti ausgetrickst, der nun um seinen Job bangen muss. Gegner FC Barcelona ist allerdings ein anderes Kaliber. Die „Tänzer“ Messi, Suarez und Neymar könnten die alten Herren aus Turin schwindlig tanzen…

Zuschauen müssen zwei Mitfavoriten. Bayern München träumte von einer „Berliner Festwoche“ mit Pokalfinale und Champions League (CL), es wird höchstens eine „Berliner Frustwoche“ beim Zuschauen. Viermal hintereinander im Halbfinale der CL gewesen zu sein, ist aller Ehren wert, aber warum man dreimal nicht den letzten Schritt machen konnte, sollte überdacht werden. Überhaupt, für die Bayern und Real gibt es ein gemeinsames Motto: Umdenken!

Fragen bleiben für Pep Guardiola

Bei Bayern München steht kein Trainerwechsel an, Pep Guardiola hat noch ein Jahr Vertrag und hat betont, dass er bleiben wird. Sogar von einer Vertragsverlängerung ist die Rede. Aber was die Zukunft angeht, dürfen die Bayern-Verantwortlichen nicht den Spanier machen lassen, sondern sie müssen die Richtung vorgeben. Sport-Vorstand Matthias Sammer muss mit dem Trainer die Mannschaft auch sportlich hinterfragen, es gibt nämlich genügend offene Fragen. Eines ist sicher: Der einst als weltbester Trainer gefeierte Guardiola hat Fehler gemacht. Er hat die einst weltbeste Mannschaft aus München nicht besser gemacht. Vielleicht hat sie attraktiver gespielt, aber nicht erfolgreicher als unter Vorgänger Jupp Heynckes. Barcelona hat den Bayern den Rang abgelaufen. Auffallend: In Bundesliga und international hatten die Bayern Probleme gegen starke Mannschaften!

Das muss hinterfragt werden:
Warum spielt Philipp Lahm nicht rechter Verteidiger, Rafinha genügt nicht den gehobenen internationalen Ansprüchen. Dagegen gibt es im Mittelfeld ein Überangebot an guten Spielern. Lahm muss sich notfalls fügen.
Für die Taktik mit der aufgerückten Abwehr fehlen die schnellen Spieler (Ausnahme Boateng). Benatia und Dante machen zu viele Fehler, da wurde Holger Badstuber vermisst. Guardiola muss da flexibler reagieren.
Beim CL-Triumph war das Mittelfeld mit Schweinsteiger und Javi Martinez das Herzstück. Martinez muss nach seiner Verletzungspause wieder dahin zurückkehren, auch er ist als Abwehrspieler zu langsam. Schweinsteiger sollte als „gestandener Bayernspieler“ einen Vorteil gegenüber Alonso haben.
David Alaba ist als Linksverteidiger noch besser und offensivstärker als Bernat, der dennoch ein Gewinner der Saison war. Alaba-Ribery ist das Glanzstück auf der linken Seite.
Was hat Pep Guardiola gegen Mario Götze und Thomas Müller? Der eine kommt kaum zum Einsatz, der andere wird unnötig (und falsch) ausgewechselt. Pep ist hier als Psychologe gefragt.
Die Bayern müssen Bayern bleiben, also ein Stopp der „Spanien-Welle“. Was ist, wenn Pep geht und die Spieler folgen? Verträge lösen sich dann in Schall und Rauch auf.
Was ist die Ursache der Verletzungsmisere? Beobachter haben festgestellt, dass bei den Bayern offensichtlich zu wenig intensiv trainiert wird. Das muss Sammer hinterfragen!

Andere Fragen bleiben offen, zum Beispiel die nach den Verstärkungen. Sind alle Mann an Bord, wird es schwer, die Mannschaft überhaupt zu verstärken. Ein Kevin de Bruyne wäre zwar willkommen, aber passt er ins System? Er ist ein Spieler, der den freien Raum liebt, den aber bekommen die Bayern selten. Starke rechte und linke Verteidiger sind da (Lahm und Alaba), sie müssen dort nur eingesetzt werden.

Zinedine Zidane für Ancelotti?

Pep Guardiola ist in einer guten Position, sein Stuhl wackelt nicht, wenn auch der Barcelona-Glanz ein bisschen abblättert. Er hat halt in München keinen Messi. Ganz anders geht es da dem Kollegen Carlo Ancelotti bei Real Madrid. Auch dort müsste es ein Umdenken geben, doch von Präsident Perez ist dies nicht zu erwarten. Er setzt auf Stars, aber eine Ansammlung von guten Spielern garantiert noch keinen Erfolg. Juventus zeigt, dass eine echte Mannschaft dagegen halten kann. Was Real braucht, ist mehr Ausgewogenheit im Kader und auf dem Feld.

Präsident Perez wird es bitter aufstoßen, dass Real wohl gänzlich ohne Titel bleibt (Barcelona dagegen nach dem Triple greift). Da muss sicherlich wieder ein Star her, deshalb ist auch Zinedine Zidane der große Favorit auf die Nachfolge von Ancelotti. Der einst weltbeste Fußballer hat sich zwar als Trainer noch keine Meriten erworben, doch das ist Perez egal. Da dürfte ein Jürgen Klopp keine Chance haben.

Mal sehen, wo das Umdenken wirklich stattfindet!

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