Der Fußball lebt, die FIFA ist am Ende

von knospepeter

Ein kleiner Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Wenig mehr als hundert Zuschauer feuern ihre „Stars“ an, trotzen dem Regen, bangen um den Aufstieg in die nächste Liga. Einmal Begeisterung, dann wieder Ärger, freuen, schreien, schimpfen – so geht es auf dem Fußballplatz zu. Der Fußball lebt. Ein Blick von der Basis an die Spitze: Die FIFA ist am Ende. Was sagt der kleine Mann in der Provinz: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Der Weltfußball hat seine schlimmsten Tage rund um den FIFA-Kongress in Zürich erlebt, Präsident Joseph S. Blatter mag sich ob seiner Wiederwahl bestätigt fühlen, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Verhaftungen, Anschuldigungen rund um Korruption und Betrug um WM- und TV-Rechte-Vergaben haben den Verband zumindest in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert. Heute würde Bundeskanzlerin Angela Merkel beim FIFA-Boss nicht mehr das Bundesverdienstkreuz überreichen, sie würde für ihn eher eine Gefängniszelle suchen…

Das Erstaunlichste ist, dass Sepp Blatter seinem Namen als „Teflon-Präsident“ wieder alle Ehre gemacht hat. Alles prallt an ihm ab, er scheut sich nicht, mit blumigen Versprechungen in die Zukunft zu blicken. Korruption? Ein Vergehen Einzelner, Blatter spricht von einer guten Zukunft, will aufräumen. Was hat er in den bisherigen 17 Jahren seiner Präsidentschaft gemacht? Er hat vor allem die Fäden gezogen, hat sich um die Zustimmung der kleineren Verbände gekümmert und sich so eine Hausmacht gesichert. Die Seilschaften haben ihn jetzt bei der Wiederwahl nicht hängen lassen. „Die letzten vier Jahre“, hat er angekündigt – wie vor vier Jahren! Blatter hat vor allem im Geld gebadet, die FIFA besitzt ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Da darf man schon ein bisschen großzügig verteilen…

Platini der große Verlierer

Verlierer des FIFA-Kongresses in Zürich waren die Europäer. Sie kamen gegen Blatter nicht an und werden in Zukunft gegenüber den zahlenmäßig stärkeren Verbänden aus Afrika, Asien und Lateinamerika mit ihren Wünschen gegen eine Wand laufen. Das Sprichwort, „wer zahl, schafft an“ passt zwar zu Blatter, aber nicht zur UEFA. Sportlich ist Europa der Nabel der Fußball-Welt, von der Bedeutung her innerhalb des Funktionärsklüngels ist die UEFA ein Zwerg. Der große Verlierer heißt Michel Platini. Der UEFA-Präsident scheute sich, gegen Blatter anzutreten, jetzt hat er dennoch nur Niederlagen hinnehmen müssen. Selbst wenn Europa zusammen mit den starken Südamerikanern Brasilien und Argentinien zusammenstehen würde, kommen sie gegen die Masse der kleinen Verbände nicht an. An einen Boykott von Weltmeisterschaften als letztes Mittel sollte man lieber nicht denken. Aber die Idee liegt schon auf dem Tisch… Vielleicht muss Europa auch Geld in die Hand nehmen und mit Korruption gegen Korruption ankämpfen!

Der Sport-Grantler hat es schon einmal geschrieben, eine Gefahr droht Sepp Blatter höchstens von den Sponsoren. Wenn die ihre Macht des Geldes in die Waagschale werfen, kann die FIFA wirklich erschüttert werden. Die Weltkonzerne können es sich nicht leisten, dass der FIFA-Skandal an ihrem guten Ruf kratzt. Vielleicht liefern aber die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in den USA, England und der Schweiz doch noch Beweise, dass Blatter von den Machenschaften gewusst haben muss. Ein Wunder wäre das nicht, denn am Anfang seiner Regentschaft 1998 standen dubiose Briefumschläge mit Geld. Zahlungen von 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte. Blatter wies alle Vorwürfe immer zurück. Von allen Anschuldigungen, deren es in seiner Amtszeit viele gab, konnte er sich immer reinwaschen. Der „Persil-Blatter“ halt…

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