Was passiert alles in der Länderspielpause?

von knospepeter

Pause in der Punktehatz der internationalen Fußball-Ligen. Jetzt stehen die Nationalmannschaften wieder im Blickpunkt, aber eine Ruhephase gibt es bei den Vereinen keineswegs. Was wird in dieser Länderspielpause alles passieren? Vor allem bei den Vereinen, aber auch drumherum? Eines ist sicher, nicht nur das Corona-Problem hält das Interesse am Fußball wach.

Länderspielpause, das klingt danach, als könnten die Vereinstrainer endlich einmal in Ruhe mit ihren Spielern trainieren und taktische Varianten einstudieren. Pustekuchen, die Trainingsplätze bleiben zwar nicht leer, aber das Personal ist erheblich ausgedünnt. Alle Bundesligisten müssen Spieler abstellen, bei Dortmund sind es 15, bei den Bayern und Leipzig je 13, bei Union Berlin, Bremen und Bielefeld allerdings nur zwei, bei Augsburg, Freiburg und Stuttgart immerhin aber noch sieben. Alle Abstellungen sind allerdings auch mit Risiken verbunden, weil viele Nationalspieler in Risikogebiete reisen, es droht sogar Quarantäne bei der Rückkehr. Bremen und Bielefeld nutzen die Möglichkeit, eine Abstellung der Spieler abzulehnen, wenn diese danach in Quarantäne müssten. Nicht immer weiß man das allerdings vorher. Das Ausfallrisiko ist also groß, es kommen ja die üblichen Verletzungen hinzu. Wie oft müssen Vereine leiden, weil sich ihre Stars bei der Nationalmannschaft verletzt haben.

Von Ruhepause also keine Spur, auch die Funktionäre nutzen die Tage, um Weichen für die Zukunft zu stellen. In der Bundesliga geht die Diskussion um die künftige Verteilung der Fernsehgelder weiter. Eine Gruppe von Vereinen aus der ersten und zweiten Liga hat sich bereits positioniert und fordert eine ihrer Meinung nach gerechtere Verteilung nach dem Motto, weniger für die Großen, mehr für die Kleinen. Die Spitzenklubs wollen ihre Pfründe sichern und treffen sich am Mittwoch. Mit dabei sind 14 Bundesligisten und der Hamburger SV als Bundesliga-Dino (wohl nach dem Motto, der gehört einfach in die Bundesliga). Nicht eingeladen sind die „abtrünnigen“ Stuttgart, Augsburg, Bielefeld und Mainz, die mit den Zweitligisten Druck auf eine andere Verteilung machen. Ihrer Meinung nach wird zu viel Wert auf die sportliche Platzierung gelegt und damit würde die Schere zwischen reichen und ärmeren Vereine immer größer.

Eine Annäherung sollte möglich sein, doch dass Erfolg zählt, gehört eigentlich zu einer Leistungsgesellschaft. Es wird ja keinem der Erfolg verwehrt, einige Vereine müssen sich im Gegenteil vorhalten lassen, dass sie nicht gut genug gewirtschaftet haben, jetzt wollen sie vom guten Ruf der anderen profitieren. Tatsache ist doch, dass Aushängeschilder wie München und Dortmund beste PR für die Bundesliga machen und nicht Mainz oder Bielefeld. Andererseits waren gerade die beiden Spitzenvereine auch schon am Rande des finanziellen Debakels und haben sich wieder gefangen. Oder schauen wir auf Borussia Mönchengladbach. Ein Verein, der sicher nicht mit Geld gesegnet ist, aber es geschafft hat, fast Stammgast in der Spitzengruppe zu sein. Gute Arbeit wird also belohnt und sollte auch bei TV- und Werbegeldern belohnt werden! Außerdem: Ein Streit ums Geld passt nicht in die Zeit!

Übrigens: Auf Europas Bühnen haben alle Bundesligisten beste Werbung für die Liga gemacht. Bei Halbzeit liegen bis auf Leipzig (aber punktgleich mit Manchester United) alle deutschen Vereine in ihren Gruppen vorn, das gab es noch nie! Da besteht sogar Hoffnung, dass Leverkusen oder Hoffenheim auch in der Europa League mal für Furore sorgen. Herausragend aber das 6:0 von Gladbach in Kiew gegen Donezk, das zuvor sogar bei Real Madrid gewonnen hatte! Also: Gladbach als Vorbild!

Münchner Mentalitätsmonster

Welche Qualität die Bundesliga hat, zeigte sich am letzten Spieltag vor der Länderspielpause, auch hier beste PR. Das Spitzenspiel Dortmund – Bayern war in allen Belangen wirklich spitze, die Bundesliga stellte dabei zum Beispiel die englische Premier League in den Schatten, denn das dortige Top-Duell Manchester City – Liverpool konnte mit dem Bundesliga-Fußball keinesfalls mithalten. Dazu lieferten sich die Verfolger Leverkusen und Gladbach beim 4:3 ebenfalls eine mitreißende Partie. Der Bundesliga-Fußball kann sich sehen lassen – auch international!

Die Bayern entpuppen sich in diesen Wochen als wahre Mentalitätsmonster. Ob national oder international, sie stecken Rückstände oder Verletzungen einfach weg und bleiben auf der Siegesstraße. Trainer Hansi Flick ist ein Jahr im Amt und hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, symbolisch zog er seinen Hut vor den Spielern, die auf dem Rasen erst seine Arbeit zum Erfolg werden lassen. Sogar der Nackenschlag mit dem Ausfall von Leader Joshua Kimmich wurde beim 3:2-Sieg in Dortmund weggesteckt. Ob das allerdings auf Dauer gelingt, wird sich zeigen. Kimmich erlitt einen Meniskusanriss und wurde bereits operiert. Er wird bis Januar ausfallen. Das andere Sorgenkind sorgte sportlich für Schlagzeilen, David Alaba krönte eine ausgeklügelte Standardvariante mit dem golden Schuss zum 1:1-Ausgleich. Beweis dafür, dass er weiter für die Mannschaft da ist. Könnte ja sein, dass er in der Länderspielpause auf neue Gedanken kommt und einen Verbleib in München wieder in Betracht zieht, weil er ein attraktiveres Umfeld kaum finden wird. Im Blickpunkt auch Leroy Sané, der sich als Joker bewährt und mit schönen Toren beste PR für sich selbst macht. Auf einen Einsatz in der Startelf muss er wohl noch warten, „er ist noch nicht bei hundert Prozent“, bittet Flick um Geduld. Mit der Jokerrolle wird Sané allerdings auf Dauer nicht zufrieden sein.

Am Tabellenende war es nichts mit dem Siegen, es gab nur Punkteteilungen. So müssen Schlusslicht Mainz, Schalke und Köln weiter auf ihren ersten Saisonsieg warten. Teilweise beschwerten sie sich auch über den Videoschiedsrichter. Wer unten steht, sieht sich immer im Nachteil. Pikant: Nächster Gegner von Schalke ist am 21. November der VfL Wolfsburg, dort machte Trainer Glasner durch seltsame Aussagen Schlagzeilen, aber eine Entlassung muss er wohl nicht befürchten. Wolfsburg und Leverkusen sind nämlich die einzigen Mannschaften noch ohne Niederlage in dieser Saison! Enden auf Schalke zwei Serien?

Jogi Löw mit Personalproblemen

Es gibt ja viele Menschen, die fragen, was macht eigentlich ein Bundestrainer die ganze Zeit? Vor kurzem war Joachim Löw ja wirklich arbeitslos, aber derzeit müsste man ihn eigentlich bedauern. Löw erlebt eine Leidenszeit (wobei er wahrscheinlich auch gelitten hat, weil er Länderspiele ausfielen), weil er gute Ergebnisse mit der Nationalmannschaft liefern soll oder sogar muss, aber nie auf die stärkste Mannschaft zurückgreifen kann. Auch diesmal nicht in den letzten Spielen der Nations League gegen die Ukraine am Samstag und in Spanien am 17. November. Verletzungen und Corona machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit Klostermann und Halstenberg fallen gleich zwei Außenverteidiger aus, dazu Havertz, Draxler, Kehrer, Reus (noch geschont) und zuletzt auch noch Kimmich. Für den holte Löw ausgerechnet den Wolfsburger Ridle Baku aus der U21. Bakus Vorbild: Joshua Kimmich. „So wie er möchte ich spielen“, sagte er in einem Interview. Das Dilemma für Löw: Erfolge müssen dennoch her, denn es geht auch um eine gute Platzierung in der Weltrangliste, damit Deutschland Gruppenkopf bei der WM-Qualifikation für 2022 wird. Ansonsten drohen schon starke Gegner in der Vorrunde. Das Testspiel am Mittwoch gegen Tschechien ist nur Beiwerk und Schaulaufen der Ersatzspieler. Kritikern sei gesagt: Auch der DFB braucht Geld. Es scheint also wirklich so, im Fußball dreht sich alles um das Geld.

Vorankündigung: In dieser Woche noch „Hetzjagd hinterlässt Spuren in Europas Fußball“.