Sport und Corona: Der Ritt auf der Rasierklinge

von knospepeter

Jeder wünscht sich in diesen Pandemie-Zeiten eine Rückkehr zur Normalität. Doch die Welt wird noch einige Zeit mit Covid-19 leben müssen, der Sieg über Corona und damit wieder ein unbeschwerter Alltag steht in Sternen. Einschränkungen müssen alle hinnehmen, natürlich auch der Sport. Aber gerade der Profi-Sport versucht in seinem Spielbetrieb ein Stückchen Normalität zu erreichen, um seine Spiele durchzubringen. Es zeigt sich aber immer mehr, dass dies ein Ritt auf der Rasierklinge ist.

Der Fußball steht natürlich im Mittelpunkt, in diesen Tagen nicht durch die nationalen Punktrunden, sondern in Europa durch die Nations League, in Südamerika durch die WM-Qualifikation und ansonsten international durch Länderspiele. Wo auch immer, es wird munter herumgereist und zu selten werden die Hygiene-Bestimmungen beachtet oder sogar streng eingehalten. Corona hätte auch fast das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine verhindert, nachdem fünf Teammitglieder des Gegners positiv getestet wurden. Das Gesundheitsamt in Leipzig zeigte sich großzügig, glaubte den eher schöngefärbten Aussagen der Ukrainer, wohl, um keine Absage festlegen zu müssen. Fragwürdig. Strenger waren die Norweger, die ihre Fußballer wegen Corona nicht nach Rumänien reisen ließen. Aber auch Handballer, Basketballer und andere reisen munter durch die Welt, gerade im Basketball herrscht eine Terminenge ohnegleichen, es geht von Ort zu Ort. Dabei mehren sich im Sport die positiven Corona-Tests – ein Warnzeichen. Aber der Streit im Handball, ob die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten zu spielen tragbar ist oder nicht, zeigt, wie unterschiedlich mit Corona umgegangen wird. Da der Kampf ums Geld, um Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Fortbestand einer Sportart, der Verbände und Vereine, dort die Angst vor Infektion und der Wille zur Einschränkung, weil die Gesundheit im Vordergrund steht.

Bleiben wir beim Fußball, es wird gespielt. Sportlich sendete die deutsche Nationalmannschaft positive Signale, beim 3:1 gegen die (geschwächte) Ukraine war nicht alles Gold was glänzt, aber es zeigte sich deutlich, dass das DFB-Team, wenn fast in Bestbesetzung (Kroos und Kimmich fehlten), schon ein Hoffnungsträger auf bessere Zeiten sein kann. Gerade vor einem Turnier hat es Bundestrainer Joachim Löw meist fertiggebracht, die Mannschaft in Form zu bringen. Jetzt fehlt ihm jegliche Vorbereitung. Jogi Löw beendete mehr oder weniger auch die Testphase, er machte deutlich, dass es jetztt um die Plätze im Team geht. Dabei dürfen sich drei aus dem erweiterten Kreis bzw. Neulinge EM-Hoffnungen machen: Robin Koch als defensiver Stratege, Philipp Max als Alternative als Linksverteidiger und Florian Neuhaus im Mittelfeld machten auf sich aufmerksam.

„Unbedeutender Wettbewerb“, so setzen viele Kritiker die Nations League herunter, doch es gibt eindeutige Beweise, dass die Idee, die dahinter steckt, zu akzeptieren ist. Das Testspiel der DFB-Elf gegen Tschechien sahen nur 5,42 Millionen Zuschauer im Fernsehen, für die Kritiker der Beweis, dass die Nationalmannschaft an Zustimmung verloren hat. Die Ukraine war bestimmt kein attraktiverer Gegner, aber es ging wenigstens ein bisschen um was, so dass sich 8,16 Millionen am Samstag im ZDF für das Spiel interessierten, das waren mehr Zuschauer als der „Tatort“, immerhin eine Kultsendung, am Sonntag hatte (7,85 Millionen). Ganz so leicht lassen die Fußball-Fans Deutschlands einst liebstes Kind halt doch nicht fallen. Und sportlich gibt es auch eine gute Nachricht: Mit dem Sieg sind die Löw-Schützlinge in der WM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt, werden also nicht auf die stärksten Nationen als Gegner treffen. Mit einem Unentschieden am Dienstag in Sevilla gegen Spanien wäre sogar der Gruppensieg in der Nations League geschafft (Finalrunde im Oktober 21), letzte Saison war Deutschland eigentlich Absteiger, blieb durch eine Aufstockung aber in der Liga A der besten Nationen.

Bundesliga: Sechs Spieltage bis Weihnachten

Wegen der Corona-Krise wird derzeit unter anderem diskutiert, wie das Weihnachtfest in diesen verrückten Zeiten ausschauen wird. Für Fußball-Fans gibt es zumindest das passende Geschenk: Fußball ohne Ende. Die Bundesliga startet am kommenden Wochenende mit ihrem Endspurt für dieses Jahr und der sieht noch sechs Spieltage bis Weihnachten vor. Am 20. Dezember wird noch gespielt (am 22. und 23. 12. ist noch Pokal), am 2. Januar geht es schon weiter. Weihnachten so richtig entspannt feiern, ist für die Fußball-Profis nicht drin. Wer auf Europas Bühnen beschäftigt ist, hat zusätzlich noch drei Spieltage unter der Woche zu absolvieren. Die Hetzjagd geht also weiter (siehe auch die nachfolgende Kolumne „Hetzjagd hinterlässt Spuren beim Fußball Europas“).

Mit dem Schlagerspiel Dortmund – Bayern verabschiedete sich die Bundesliga in die Länderspielpause, zum Neustart hat die Liga ähnliches nicht zu bieten. Aber inzwischen haben sich ja die Fronten einigermaßen geklärt und die Augen sind vielleicht sowieso eher auf das Tabellenende gerichtet und auf die Frage, wann denn Mainz, Schalke und Köln erstmals gewinnen und ihre Sieglosserien beenden. Ob das in Freiburg (Mainz), gegen Union Berlin (Köln) oder Wolfsburg (Schalke) gelingt? An der Tabellenspitze gibt es das nächste Schlagerspiel am Samstag, 5. Dezember (18.30 Uhr), da erwarten die Bayern RB Leipzig. Passend rund um den Nikolaustag quasi ein Nikolausgeschenk der Bundesliga für die Fans, deren größtes Geschenk in diesem Jahr wohl nicht mehr kommt, nämlich endlich wieder in die Stadien zu dürfen.

Die Bayern-Frauen haben es übrigens den Männern nachgemacht, sie haben auch das Schlagerspiel gewonnen und sind nach dem überraschend deutlichen 4:1 gegen den VfL Wolfsburg, dem Meister der letzten vier Jahre, auf dem besten Weg ihr Ziel zu erreichen, nämlich die Dominanz der Wölfinnen zu brechen. Dabei wird deutlich, dass die Einkaufspolitik der Bayern-Mädchen sehr erfolgreich war. Die Neuzugänge Viviane Asseyi (Torjägerin aus Frankreich/Bordeaux) und Marina Hegering (Essen) gehörten neben Lineth Beerenstyn zu den Torschützinnen, Clara Bühl (Freiburg) glänzte als Vorbereiterin und auch die Schwedin Hanna Glas (Paris) zeigt sich als wertvolle Verstärkung. Der Ehrentreffer per Elfmeter von Lena Goeßling war der erste Gegentreffer der Bayern in dieser Saison – am 9. Spieltag! Aber alle wehren ab: Noch ist nichts entschieden.