Fußball-Bundesliga 2021: Sehnsucht nach den Fans

von knospepeter

Weihnachtsruhe, aber keine Winterpause. Die Corona-Pandemie überschattet die Fußball-Saison 2020/21 und was im letzten Jahr nicht erledigt werden konnte, soll im neuen Jahr über die Bühne gehen. Hier vor allem die Europameisterschaft, die auf den Sommer 2021 verlegt wurde, aber weiter unter „2020“ firmiert. Auch die Bundesliga hat noch etwas zu erledigen, die Hinrunde ist noch nicht beendet, vier Spieltage stehen ab 2. Januar aus, deshalb ist Bayern München bisher nur Weihnachtsmeister, aber kein Halbzeitmeister. Das kann ja noch werden und alle befürchten, dass die Bayern wie zuletzt in der Rückrunde wieder besonders Gas geben und den neunten Titel in Folge einstreichen. Dabei sehnen sich die Fans nach Spannung im Titelkampf.

Corona und die Zuschauer, das bleibt, zumindest vorerst noch, das Thema in der Bundesliga. Die Fans sehnen sich nach Spannung, die Bundesliga hat Sehnsucht nach den Fans. Der Spielbetrieb wird geschäftsmäßig abgewickelt, die Betreuer am Rande des Rasens versuchen ein bisschen Stimmung zu produzieren, doch die Emotionen sind gebremst, die übliche Stimmung fehlt. Gab es vor Corona oft Spannungen zwischen Vereinen, Spielern und einem Teil der Fans, jetzt wünscht sich jeder nur eins: Ein volles Stadion. Doch wird es das überhaupt wieder so schnell geben? Nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil viele beobachtet haben, dass der Fußball an Bedeutung verloren hat. Die Leute merken, dass man den Samstag oder Sonntag anders gestalten kann, es gibt noch anderes als Fußball. 2021 wird auch geprägt sein im Kampf um die Zuschauer. Aber eigentlich ist die Faszination Fußball doch ungebrochen. Vom Geld, das den Vereinen ohne Zuschauer fehlt, wollen wir jetzt gar nicht reden.

Reden wir also vom Sport. Die Pause war kurz, es war ein Durchschnaufen, keine Erholung, am Samstag geht es wieder weiter, in diesen Tagen soll die Form wieder zurückgeholt werden. Bei vielen Vereinen herrscht allerdings auch so eine Art Aufräumstimmung, um die Weichen für ein erfolgreiches 2021 zu stellen. Nur der FC Bayern schaffte es, auch in der Pause geehrt zu werden. Trainer Hansi Flick wurde zwar nicht zum „Welttrainer des Jahres“ gewählt, er musste dem prominenteren Jürgen Klopp den Vortritt lassen, aber er darf sich jetzt als „Persönlichkeit des Jahres 2020“ geehrt fühlen. Die Fachzeitschrift kicker hat ihn dazu gewählt, früher hieß es „Mann des Jahres“, aber es könnte ja auch mal eine Frau in Frage kommen. Aber an Hansi Flick führte in Deutschland kein Weg vorbei. Sein Vorgänger war 2019 übrigens – Jürgen Klopp!

Die Bayern stehen natürlich weiter im Mittelpunkt, bei ihnen bleibt 2021 der Stressfaktor hoch, denn neben Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League steht auch noch die Klub-WM im Februar auf dem Programm. Immerhin: Es gibt nicht durchgehend Englische Wochen, Hansi Flick kann das machen, was er am meisten vermisst hat: Mal wieder trainieren, mal wieder Abläufe auf dem Rasen zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Nur dann können die Bayern das Triple-Jahr 2020 wenigstens annähernd wiederholen. Die Klub-WM soll verspätet den sechsten und letzten Titel bringen und damit 2020 endgültig abrunden. Dabei gab es noch einen Rekord für die Münchner: Das Champions-League-Finale gegen Paris (1:0) war mit 12,81 Millionen Zuschauern im ZDF und 1,1 Millionen bei Sky die meistgesehene Sportsendung des Jahres! Gerüstet scheinen die Bayern für neue Titel und Rekorde, sie blieben trotz Verletzungspech im Geschäft, haben Mittelfeldlenker Joshua Kimmich wieder an Bord, loben den großen Zusammenhalt im Team und betonen, dass sie weiterhin hungrig sind. Arme Konkurrenz.

Ja, ein funktionierendes Mannschaftsgefüge ist kein Relikt aus einer alten Zeit, sondern bleibt aktuell. Das muss derzeit Schalke 04 erkennen, wo der Team-Geist angesichts von Geisterspielen offensichtlich verschwunden ist. Der nächste Rettungsanker ist ausgeworfen, mit dem 66-Jährigen Schweizer Christian Gross wurde der vierte Trainer in dieser Saison installiert. Sportvorstand Jochen Schneider arbeitete mit ihm einst beim VfB Stuttgart erfolgreich zusammen, entließ ihn dort aber später auch. Eigentlich hatte Gross seine Karriere bereits beendet, doch Schalke scheint immer noch attraktiv zu sein. Gross hätte Großes erreicht, würde er den Traditionsklub vor dem Abstieg retten. Er ist für eine harte Hand bekannt und soll aus einem Sauhaufen eine eingeschworene Truppe machen. Die ersten Aufgaben heißen Hertha BSC Berlin und Hoffenheim.

Keine Weihnachtsruhe gab es auch in Mainz, dort verabschiedete sich Sportvorstand Rouven Schröder, er wollte einer Neuausrichtung im Verein nicht im Wege stehen. Neuausrichtung? Es geht eher um Altbewährtes, Ex-Manager Christian Heidel ist als Retter auserkoren. Er zögert allerdings noch und wird wohl überlegen, ob er bei dieser Aufgabe überhaupt Lorbeeren ernten kann. Und so hängt auch Trainer Jan-Moritz Lichte in der Luft, die lichten Momente für das Team waren zu wenig, das Abstiegsgespenst bleibt allgegenwärtig, sein Stuhl wackelt. Das neue Jahr könnte turbulent beginnen, zumal zunächst am Sonntag (18.00 Uhr) das Gastspiel ausgerechnet bei Meister Bayern ansteht.

Eins ist klar, auch wenn die Hinrunde noch nicht beendet ist, alle Vereine hoffen auf neuen Schwung im neuen Jahr. Gut, Vereine wie Leipzig und Leverkusen wollen eher den alten Schwung behalten, aber Dortmund sucht neuen Schwung und Gladbach ebenfalls, da ist die Erfolgswelle ein bisschen ausgelaufen. Noch gar nicht in Schwung gekommen ist Hertha, da gibt es immer viel Hoffnung, aber noch mehr Ernüchterung und am Ende könnte Bruno Labbadia der nächste Trainer sein, der gehen muss. Rang 14 passt nicht zu den Windhorst-Millionen. Gelassener bleibt man da sicherlich in Frankfurt, da ging das Geld vor und deshalb wurde Stürmer Bas Dost nach Brügge verscherbelt. Heißt wohl auch Abschiednehmen von den Europacup-Plätzen.

Der Januar hat es im Fußball gleich in sich, Leverkusen und die Bayern müssen Pokalspiele nachholen, am 19./20. Januar gibt es zusätzlich Spiele unter der Woche, ehe im Februar am 2./3. das Achtelfinale im DFB-Pokal ansteht und ab 16. Februar wieder auf Europas Bühnen gespielt wird. Volles Programm also, von Länderspielen ist erst wieder Ende März die Rede.

Apropos volles Programm, die Bundesliga bietet gleich großen Anreiz, so der 15. Spieltag, wenn die Bayern am Freitag, 8.1., in Gladbach gastieren und sich am Samstag Leipzig und Dortmund duellieren. Dortmund hat überhaupt ein schweres Restprogramm zum Ende der Hinrunde, Auftakt ist gegen Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr) und zum Schluss (19. Januar) geht es nach Leverkusen. Da wäre ein bisschen Schwung (siehe oben) ganz gut.

Vor den Feiertagen machten sich übrigens Im DFB-Pokal einige unterklassige Mannschaften noch schöne Weihnachtsgeschenke. Die Helden waren vor allem die Spieler des Regionalligisten Rot.Weiß Essen, die Fortuna Düsseldorf mit 3:2 ausschalteten. Der Traditionsklub taucht somit erstmals wieder in der Elite auf. Aber auch die Zweitligisten Fürth und Paderborn schalteten mit Hoffenheim bzw. Union Berlin Erstligisten aus. Und Schalke durfte wieder einmal gewinnen (3:1 gegen Ulm), frohe Weihnachten wurden es dennoch nicht.

Ankündigung: In diesem Jahr (Woche) folgt noch ein Blog zum Jahreswechsel 2020/21. Im Sport ist ja einiges los.