Dortmund bleibt die Wundertüte der Bundesliga

von knospepeter

Der Weihnachtsmeister ist auch der Halbzeitmeister in der Fußball-Bundesliga. Das sah zwischendurch eigentlich ganz anders aus. Der FC Bayern München nahm sich eine kleine Krise und schied im DFB-Pokal sogar gegen den Zweitligisten Holstein Kiel aus, da schien der Weg frei für die Konkurrenz. Doch an den Bayern kam keiner vorbei, weil keiner der Verfolger siegte und die Bayern am Ende doch wieder ein bisschen Glück hatten neben dem Können, gegen den SC Freiburg, zuvor fünfmal siegreich, 2:1 gewannen und statt Platz eins herzugeben, sogar ihren Vorsprung auf vier Punkte ausbauten. So titelte der Boulevard: „Die Verfolger-Zwerge“.

Der RB Leipzig hätte an den Bayern vorbeiziehen können, Leverkusen und Dortmund dem Abonnementsmeister auf die Pelle rücken können. Nichts geschah. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann erklärt es so: „Es ist kein Naturgesetz, dass alle anderen Mannschaften gewinnen, wenn es die Bayern mal nicht tun.“ Es scheint aber ein Bundesliga-Gesetz zu sein, dass die Untertanen auch schwächeln müssen, wenn es der König auf dem Thron tut. Nagelsmann kann ja noch darauf verweisen, dass Wolfsburg beim 2:2 ein starker Gegner war, aber Leverkusen befindet sich mehr in der Krise als die Bayern, allerdings nur in der Bundesliga, wo man zuletzt viermal nicht gewann. Im Pokal klappte es aber mit einem Sieg über Frankfurt.

Ja, und dann gibt es noch Borussia Dortmund. Eigentlich der Verein, der den Bayern am meisten die Hölle heiß machen sollte. Das Feuer lodert zwar ab und zu, aber zwischendurch erlischt es oder glimmt auf Sparflamme nur vor sich hin. Dortmund bleibt auch ohne Lucien Favre eine Wundertüte, mal begeistert die Borussia mit tollem Spiel und dann will gegen vermeintlich schwächere Mannschaften rein gar nichts klappen. Ein Fall für den Psychologen, denn das geht schon Jahre so. Bezeichnend das Geschehen am Wochenende, nur 1:1 gegen Schlusslicht Mainz 05, Kapitän Marco Reus bekannte sich als schuldig. Top-Chance vergeben und Elfmeter am Tor vorbei gesetzt. Anders lief es bei den Bayern, 2:1 geführt und kurz vor Schluss knallte der Gegner den Ball an die Latte. Das Glück, das in Kiel zum Teufel mutierte, war wieder zurück. Die Bayern wollen keine Wundertüte werden.

Vielleicht war die Niederlage in Kiel sogar ein Vorteil mit einem Blick auf den Rest der Saison. Es kann ja nicht immer das Triple sein und den DFB-Pokal können die Münchner noch am leichtesten verschmerzen. Dafür bekommen sie vier freie Wochen, können trainieren, während sich die Konkurrenz im Februar und März abplagt (Leipzig, Leverkusen, Dortmund und Gladbach sind alle noch dabei), am 1./2. Mai kein freies Wochenende hat und am 13. Mai eventuell noch zwei von ihnen das Finale bestreiten. Die Bayern haben ja genug Stress, so mit der Klub-WM im Februar, gut, wenn da die Pokalstrapazen vorher wegfallen.

Freiwillig verloren haben sie gegen tapfere und mutige Kieler nicht, die Störche traten ihnen auf die Füße, ein eisiger Schneesturm machte das Spiel doppelt zur Leidenszeit. Abzulesen am Gesicht von Torjäger Robert Lewandowski als er eingewechselt wurde, Spiellust hatte er keine. Das Glück war auf Kieler Seite mit dem Ausgleich in der letzten Sekunde der regulären Spielzeit. Ein Glück, das wie gesagt, ansonsten eigentlich die Bayern für sich gepachtet haben. Und es war wohl ein Wink des Schicksals, eine Fügung, wie es sie im Sport so oft gibt, dass ausgerechnet Neuzugang Marc Roca den entscheidenden Elfmeter verschoss. Als wollte das Schicksal Sportvorstand Hasan Salihamidzic noch einmal vor Augen halten „Verstärkungen hast Du keine geholt“. Die Bayern haben die Antwort mit dem 2:1 gegen Freiburg gegeben, die Kieler haben wohl noch unter den Strapazen gelitten oder unter dem Bayern-Fluch, wie die 2:3-Niederlage in der 2. Bundesliga gegen Karlsruhe gewertet werden könnte. Es ist schon seltsam, dass Bayern-Besieger danach oft verlieren, Eintracht Frankfurt wartete im Herbst 2019 nach dem spektakulären 5:1 neun Spiele auf einen Erfolg!

Übrigens: Wenn es mal keinen Video-Schiedsrichter gibt, dann wird er vermisst. Im Pokal wurden Abseitstore gegeben, die der VAR in der Bundesliga annulliert hätte. Gibt es ihn und er greift ein, ist es auch nicht recht, so wie bei einem zweifelhaften oder zumindest harten Elfmeter für Stuttgart, der zum 2:2 führte und Gladbach den Sieg und den Sprung auf Platz sechs raubte. Ja, auch der VAR ist manchmal eine Wundertüte und bei Hand-Entscheidungen bleibt es auch beim alten Leiden: Keiner kennt sich aus. Das ist wieder eine besondere Wundertüte.

Eine Besonderheit gibt es in dieser Corona-Saison: Ende Hinrunde und Start Rückrunde gibt es innerhalb einer Woche, keine Winterpause dazwischen. In dieser sogenannten englischen Woche habe ausnahmsweise alle Mannschaften Stress. Die Bayern können zumindest nicht am Mittwoch vom Thron gestoßen werden, aber ein besonderes Spiel wird es für sie schon. Nicht allein, weil es das Derby in Augsburg ist, sondern vor allem deshalb, weil sie endlich wieder einmal ohne Gegentor bleiben wollen. Das klappte auch gegen Freiburg nicht, jetzt droht die Einstellung des Vereins-Negativrekords mit zwölf Spielen am Stück mit Gegentor, der datiert von der Saison 2000/01. Vorne sieht es bekanntlich besser aus, vor allem Torjäger Robert Lewandowski freut sich auf den FCA, in 15 Duellen bisher traf er 18mal. Er hat jetzt 21 Saisontore auf seinem Konto – ein neuer Hinrunden-Rekord. Den alten hielt kein geringerer als Bayern-Ikone Gerd Müller mit 20 Treffern. Am Ende waren es 40. Lewandowski kann sich bei der Jagd nach dem nächsten Rekord auch auf einen Müller verlassen, auf den Thomas, der beim 1:0 wieder der Vorlagengeber war. Zu 37 Lewandowski-Treffern gab Thomas Müller schon die Vorlage – Bundesliga-Rekord. Und im 44. Spiel erzielte Müller ein Tor und gab einen Assist – Rekord. Den alten hielt mit 43 Spielen – Robert Lewandowski. Beobachten werden die Bayern auch die Konkurrenz, Leverkusen trifft auf Dortmund, Leipzig erwartet Union Berlin und am Freitag stehen sich zum Start der Rückrunde Gladbach und Dortmund gegenüber sowie am Samstag Leverkusen und Wolfsburg. Könnte sein, dass die Bayern zum großen Gewinner werden – aber Gesetz ist das nicht!

Am Sonntag heißt der Gegner der Bayern Schalke 04, zumindest da gab es ein „zu Null“ zum Auftakt, bekanntlich das bittere 0:8 für Schalke, der Anfang vom Abstiegskampf, der bald mit einem besonderen Negativrekord geendet hätte. Wichtiger ist für Schalke das Spiel am Mittwoch gegen den 1. FC Köln. Da geht es um die Chance, den Anschluss nach oben zu finden. Die Kölner haben zuletzt fünfmal nicht gewonnen. Ihnen steht am Sonntag bei Hoffenheim das nächste wegweisende Duell bevor. Bei der TSG wiederum kämpft Jung-Trainer Sebastian Hoeneß um seinen Job in einer unglücklichen Saison mit Verletzungen und Corona-Erkrankungen. Es könnte die entscheidende Woche sein (Dienstag bei der Hertha). Schauen wir mal, welche Wundertüte die Bundesliga öffnet.