Die Alten müssen es richten

von knospepeter

Es ist beim Sport wie im richtigen Leben, ohne die Alten geht es nicht. Im Berufsleben fehlt der Nachwuchs ebenso wie Fachkräfte, die Alten haben die Erfahrung und sollen deshalb länger arbeiten, die Rente wird nach hinten geschoben. Im Sport ist es nicht anders, zwei aktuelle Beispiele im Handball und im Golf zeigen, dass es ohne die Alten nicht geht.

Die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten, die erst am Sonntag zu Ende geht, brachte eine große Enttäuschung für die deutsche Nationalmannschaft, die nur mit Platz 12 abschloss und schon wieder zu Hause ist. Einziger positiver Aspekt: Die Bundesliga geht erst wieder am 6. Februar weiter, ein paar Tage Pause für die Nationalspieler, die ansonsten eine Hetzjagd von Spiel zu Spiel erleben.

Aber eigentlich hatte sich jeder im Handball-Bund anderes erhofft, vor allem DHB-Vize Bob Hanning, der mit schrillen Pullovern und hohen Ansprüchen auffällt. Auch ohne altgedienten Stars als Rückhalt gab er den Titel als Ziel aus und bleibt auch jetzt unbeeindruckt: „Wir wollen in Tokio Olympia-Gold holen“. Dabei zeigte sich wieder einmal, ohne die Alten geht es nicht, wobei wir hier eher von den Etablierten reden sollten, nämlich den Abwehrrecken Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold. Sie fehlten in der Abwehr und am Kreis, es fehlte vor allem Erfahrung und die Führung im Spiel. Der vermehrte Einsatz von Talenten war eine Notlösung, da eben die alten Recken aus Angst vor Corona und Rücksicht auf ihre Familien absagten, andere fielen mit Verletzungen aus. Zehn WM-Debütanten im Team, keine Zeit zum Einspielen, eigentlich war das frühzeitige Ausscheiden nach Niederlagen gegen Ungarn und Spanien sowie nur einem Remis gegen schwache Polen keine Überraschung und dennoch eine Enttäuschung.

Anderes hatten sich die Handball-Freunde erwartet, schließlich wurde die Frage der Teilnahme schon heiß diskutiert. Da war einerseits die Corona-Pandemie, andererseits der enge Zeitplan für die besten Spieler, mit Bundesliga, europäischen Wettbewerben und Länderspielen. Der Verband wollte auf die Teilnahme nicht verzichten, weil er sich einen PR-Effekt erhoffte, doch Begeisterung kam nicht auf. Die Auswahl machte es nicht dem Aushängeschild THW Kiel nach, der Rekordmeister gewann überraschend die Champions League, doch der Werbewert war bescheiden. Jetzt fehlten die Erfolge und Sportfans blieben den Fernsehschirmen fern. Nur rund drei Millionen wollten die Spiele in ZDF und ARD sehen, vor zwei Jahren waren es noch sechs Millionen, einst lockte der Titelgewinn sogar 13 Millionen an die TV-Geräte.

Bob Hanning träumt dennoch von Olympia-Gold, doch die DHB-Auswahl muss erst einmal das Ticket für Tokio holen. Vom 12. bis 14. März geht es in der Olympia-Qualifikation gegen Schweden (im WM-Viertelfinale), Slowenien (WM-Neunter) und Algerien um zwei Fahrkarten, Gegner, die ähnlich stark wie Ungarn und Spanien einzuschätzen sind. Da hofft der neue Bundestrainer Alfred Gislason einmal auf eine längere Vorbereitung als die avisierten vier Tage, zum anderen auf die etablierten Recken, denn ohne die Alten geht es nicht.

Golf-Glanz durch Popov und Langer

Zu einem gänzlich anderen Sport. Im Golf hat die neue Saison der Profis gerade begonnen, die Amateure zu Hause müssen noch auf besseres Wetter warten. Golf, so sagen viele, wäre vor allem ein Sport für Rentner, also für die Alten. Doch bei den Profis zählt dies nicht, aber ein Alter sorgt für Furore und nachdem die jüngeren deutschen Herren der Musik hinterherlaufen, gilt: Ohne (in diesem Fall) den Alten geht es nicht. Gemeint ist der inzwischen 63-jährige Bernhard Langer, der in der Senior Championsship die Golf-Welt aufmischt und dort auch den Ansturm der „Jungen“ abwehrt. Ab 50 Jahren dürfen die Profis hier spielen, doch an dem gebürtigen Anhausener kommt keiner vorbei. Für Langer wird ein Rekord nach dem anderen notiert und vor seinen Leistungen ziehen alle den Hut. Von 2014 bis 2016 schaffte er als erster Spieler den Triple-Gewinn des Charles-Schwab-Cup, also die Jahreswertung bei den Senioren, und auch in dieser (wegen Corona verlängerten) Saison führt er wieder. Andere legen da schon den Schläger weg, tun sich diesen Leistungsstress nicht mehr an, andere müssen sich unters Messer legen, weil der Körper den Strapazen nicht mehr gewachsen ist. So wie Ikone Tiger Woods, der zum siebten Mal am Rücken operiert wurde. Langer ist dagegen fit und sagt: „Ich spiele, so lange Körper und Gesundheit mitmachen und ich konkurrenzfähig bin.“ Das sieht fast nach einer Drohung des asketischen Deutschen aus.

Geht es um Erfolge im deutschen Golf wird bei den Herren also Bernhard Langer genannt. Seine vermeintlichen Nachfolger stagnieren derweil oder befinden sich im Abwärtstrend. Martin Kaymer, eine Hoffnung nach Major-Siegen 2010 und 2014, 2011 noch die Nummer 1 der Welt, konnte die Erwartungen nicht erfüllen, ist jetzt nur noch die Nummer 84 in der Weltrangliste. Bezeichnend, beim Saisonstart der European Tour in Abu Dhabi schied er ebenso wie der zweite deutsche Vertreter Maximilian Kieffer bei Halbzeit aus, schaffte den Cut nicht. Der Auftakt sorgt nicht für Hoffnung.

An diesem Wochenende ist in Dubai auch Sebastian Heisele dabei, in der Weltrangliste auf Rang 217 zu finden und damit der zweitbeste Deutsche. Er spielt quasi in seiner alten Heimat, ist ein echter Weltbürger. In Heemstede in den Niederlanden geboren, wuchs er in Dubai auf, studierte später in Colorado in den USA und wurde vor allem in Florida im Golf geschult. Heute wohnt er in München und spielt für den Klub in Dillingen an der Donau, also in der Provinz, der gerade mal einen Neun-Loch-Platz hat. Der Zwei-Meter-Mann golft quasi unter dem Radar der Medien und damit der Öffentlichkeit, seine Leistungen werden kaum beachtet. Das ist das generelle Problem des Golfs in Deutschland. Heisele träumt wie die Handballer von einem Start bei Olympia, wo Deutschland zwei Startplätze hat, einen beansprucht wohl Martin Kaymer, Bernhard Langer überschreitet die Altersgrenze. Hauptkonkurrent von Heisele ist Stephan Jäger, Nummer 236 der Welt, der in München geboren ist und jetzt ausschließlich in den USA spielt. Kein Wunder also, dass Golf wenig Aufmerksamkeit genießt.

Im Gegensatz zu den Herren können die Damen einen großen Erfolg vorzeigen. Die 28-jährige Sophia Popov gewann im letzten Jahr die Womens British Open und siegte damit als erste deutsche Spielerin bei einem Major-Turnier. Ihr Erfolg wurde insofern gewürdigt, da sie Zweite bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ in Deutschland wurde. Auch bei ihr spielt die USA eine große Rolle, ist sie doch in Massachusetts geboren und damit Deutsch-Amerikanerin, sie spielt für St. Leon-Roth bei Heidelberg. Popov machte einen Sprung auf Rang 26 in der Weltrangliste und liegt damit vor den bisherigen deutschen Aushängeschildern Caroline Masson (55) und Sandra Gal (93). Die Damen hängen die Herren also ab, aber wenn wir die Medien verfolgen, dann spielen sie nicht nur zu Corona-Zeiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sondern immer. Schade, hier können leider auch keine Alten helfen. Ansonsten heißt es aber oft, die Alten müssen es richten.