Bayern-Frauen wollen die Nummer 1 werden

von knospepeter

Der Frauen-Fußball in Deutschland hat schon bessere Zeiten erlebt, es gab erfolgreiche Jahre und da wurde von einer glorreichen Zukunft geträumt. Doch die blieb aus, zuletzt stagnierte der Frauen-Fußball in punkto Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die glorreiche Zeiten sind vorbei. Doch mit dem Start der Bundesliga in die neue Saison am kommenden Wochenende ist auch wieder ein Paket Hoffnung dabei. Die Fußball-Frauen haben sich zum Ziel gesetzt, international wieder an der Spitze mitzumischen. Das gilt nicht nur für die Nationalmannschaft, Vorreiter ist vor allem der FC Bayern München, der national als auch international die Nummer 1 werden möchte.

Diese Aufgabe ist nicht leicht, vor allem international nicht. Besonders in England genießt der Frauen-Fußball einen weitaus größeren Stellenwert als in Deutschland, wie bei den Männern auch, so geben die Spitzenvereine weitaus mehr Geld aus und genießen in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung. Bezeichnend: Für die Europameisterschaft 2022 in England wurden bereits jetzt 140.000 Tickets verkauft. Aufbruchstimmung aber auch in Spanien, Vorbild ist da der FC Barcelona, der überraschend die Champions League gewann und die französische Herrschaft der letzten Jahre durch Lyon und Paris beendet hat. Es tut sich also was und Deutschland will nicht abgehängt werden. Siegfried Dietrich, der „Mister Frauen-Fußball“ in Deutschland und Sportdirektor von Eintracht Frankfurt sieht „den Frauen-Fußball auf dem Weg in ein neues Zeitalter, sowohl national als auch international“.

Ein neues Zeitalter wollen auf jeden Fall die Frauen des FC Bayern München einläuten. Zwar haben sich einige Stammkräfte verabschiedet, vor allem hat Simone Laudehr ihre Karriere beendet, aber die Frauen-Abteilung wird vom Gesamtverein unterstützt und kann beachtliche Neuzugänge vorweisen. International Schlagzeilen machte vor allem die Verpflichtung von Saki Kumagai, die zuletzt Kopf der erfolgreichen Mannschaft von Olympique Lyon war. Die 30-jährige Japanerin ist in Deutschland keine Unbekannte, sie spielte von 2011 bis 2013 in Frankfurt und schoss am 17. Juli 2011 in Frankfurt ihre Mannschaft Japan zum WW-Titel, als sie im Elfmeterschießen gegen Hope Solo und die USA den Ball ins linke obere Toreck verwandelte. Kumagai soll der jungen Mannschaft mit ihrer internationalen Erfahrung Halt geben und hat sich bewusst für die Bayern entschieden und auf mehr Geld verzichtet: „München hat war vor, das hat mich ebenso begeistert wie die Stadt.“ Erstaunlich, dass die Bayern reichere Vereine ausgestochen haben, so auch bei der Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin Sofia Jakobsson, die von Real Madrid kommt. Wie stark die Mannschaft scheinbar ist, zeigten in der Vorbereitung Siege über Frankreichs Spitzenteams Lyon und Paris.

In der Bundesliga zeichnet sich ein Duell um die Krone zwischen Titelverteidiger Bayern und dem entthronten VfL Wolfsburg ab. Die Wölfinnen mussten auch einige Abgänge verkraften, haben dafür aber Nationalspielerin Turid Knaak (Atletico Madrid) und Hollands Mittelfeldstar Jill Roord (Arsenal London) an Bord geholt. Neu ist auch Trainer Tommy Stroot, zuletzt bei Twente Enschede, mit 32 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga. Er soll an die erfolgreiche Ära mit sechs Titeln in acht Jahren anknüpfen. Die Bayern unterbrachen die Siegesserie 2015 und 2016 und wollen jetzt ihrerseits eine starten.

Die Frauen-Bundesliga hat allerdings das Problem, dass die anderen Klubs mit den Spitzenvereinen nicht mithalten können. Aber es gibt Hoffnung, die TSG Hoffenheim hat sich als dritte Kraft bewiesen, Eintracht Frankfurt und Turbine Potsdam wollen ebenfalls oben angreifen. Der dritte Platz ist attraktiv als Eintrittskarte für die Champions League. Mit dabei sind außerdem Bayer Leverkusen, SC Freiburg, die SGS Essen, Werder Bremen, SC Sand, Carl Zeiss Jena und der 1. FC Köln. Insgesamt findet die Frauen-Bundesliga sicherlich mehr Beachtung, weil die Fernsehpräsenz merklich gesteigert werden konnte. Magenta Sport überträgt ab sofort alle Spiele, Eurosport an jedem Spieltag eine Begegnung im Free-TV und auch die ARD-Sportschau will sich vermehrt einschalten. Da sollten auch die Zuschauerzahlen in den Stadien wieder steigen, die zuletzt von 1185 im Schnitt 2013/14 auf 833 im Jahr 2018/19 zurückgingen.

Auch international gibt es Bemühungen, den Frauen-Fußball zu stärken, so gibt es ab sofort mehr Geld und Spiele in der Champions League, das Gesamtbudget wurde gleich von 6 auf 24 Millionen Euro gesteigert. Neu eingeführt wurden auch Gruppenspiele, bisher ging es sofort mit einer K.o.-Phase los. Gesetzt ist Meister Bayern München, Hoffenheim hat die ersten Runden der Qualifikation erfolgreich überstanden und startet jetzt genauso wie Wolfsburg in die Play-Offs. Der Streamingdienst DAZN wird alle Spiele live übertragen. Viele positive Nachrichten also. Die Gruppenphase beginnt am 5./6. Oktober, das Endspiel steigt am 22. Mai 2022 in Turin.

Vorher wird natürlich auch die Nationalmannschaft wieder aktiv, die am 18. September in Cottbus gegen Bulgarien in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2023 startet. Bisher gab es ja das Phänomen, dass die Nationalmannschaft gute Einschaltquoten im Fernsehen erzielt hat, was aber nicht auf die Bundesliga abfärbte. Mit guten Leistungen und einer Rückkehr zur Weltspitze will auch die DFB-Auswahl dazu beitragen, dass der Frauen-Fußball in Deutschland endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.